„Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ist die erfolgreichste Universität im bundesdeutschen Exzellenz-Wettbewerb“, so wirbt die Universität auf ihrer Internetseite und verweist stolz auf ihre Exzellenzcluster in den Bereichen Nanowissenschaften, Proteinforschung, Laserphysik und in der Astrophysik sowie Graduiertenschulen in den Neurowissenschaften oder der Systembiologie.

Bayern zeichnet sich bekanntlich durch das Nebeneinander von Laptop und Lederhose aus. Das gilt auch für die LMU. Unter der Überschrift „Dünne Evidenz auf großer Bühne“ weist Werner Bartens heute in der Süddeutschen Zeitung darauf hin, dass im Wintersemester an der LMU, organisiert vom Haunerschen Kinderspital, eine Ringvorlesung „Homöopathie – von der Theorie zur Praxis“ stattfinden wird. Er kritisiert dies zu Recht als Werbeveranstaltung für Anbieter eines Verfahrens ohne Wirksamkeitsnachweis und dass die LMU der Homöopathie damit den Schein der universitären Wissenschaftlichkeit gäbe.

Man fasst sich an den Kopf. Hinzuzufügen wäre lediglich, dass die LMU schon länger im postfaktischen Zeitalter angekommen ist. Auf die obskure Ringvorlesung hatten z.B. die Skeptiker bereits vor anderthalb Jahren hingewiesen, ohne Konsequenzen. Die Ringvorlesung ist zur universitären Hokuspokus-Dauerwerbesendung geworden, die LMU steht offensichtlich treu zu ihrer Lederhosenmedizin. Natürlich gibt es auch Fortbildungspunkte von der Landesärztekammer.

Aber warum sich aufregen? Vielleicht wird ja auch aus der Ringvorlesung einmal eine Graduiertenschule, finanziert aus den Mitteln der Exzellenzinitiative. Oder die LMU organisiert demnächst eine Ringvorlesung „Astrologie“, natürlich auf höchstem Niveau im Exzellenzcluster Astrophysik.

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Nachtrag 13.11.2016:

1. Lesenswerter Artikel von Hans Zauner zum Thema im Laborjournal 10/2015
2. Offener Brief des Informationsnetzwerks Homöopathie und des Wissenschaftsrats der Skeptiker zur aktuellen Ringvorlesung
3. Blogbeitrag von Edzard Ernst zur aktuellen Ringvorlesung, der schon letzten Montag erschien

Kommentare (29)

  1. #1 RPGNo1
    12. November 2016

    Was ist das Gegenteil von Exzellenz? Darauf läuft es doch mit dieser obskuren Ringvorlesung hinaus.

    Für die Ringvorlesung “Astrologie” könnte dann doch ScienceBlogs Leib- und Magen-Astrologe Markus Termin engagiert werden. Der kennt sich zudem exzellent in weiteren Naturwissenschaften wie Biologie, Physik, Astronomie, Geologie und Kosmologie aus. Da würde die Uni doch jede Menge Geld sparen, wenn sie MT als Universalgelehrten in allen diesen Fächern einsetzen würde. Geld, welches dann in neue exzellente Ausrüstung gesteckt werden könnte. Ist das nicht verlockend? 😉

  2. […] LMU München legt auch in diesem Jahr wieder ihre “universitäre Hokuspokus-Dauerwerbesendung” auf – die Ringvorlesung “Homöopathie: von der Theorie zur […]

  3. #3 nota.bene
    12. November 2016

    Wo es Exzellenzcluster gibt, muss es auch Exzellenzlöcher geben. Das haben wir mit der Hoöopathievorlesung wohl gefunden.

  4. #4 uwej
    12. November 2016

    Dieses ganze Geschwätz von Exzellenzclustern ist mindestens so schwer zu ertragen wie eine Ringvorlesung Homöopathie. Denkt auch mal jemand darüber nach?

  5. #5 Kathrin S.
    13. November 2016

    Sollten sich ein Beispiel an der Uni Münster ( die protestantjschen Westfalen) ein Beispiek nehmen: auch eins Ringvorlesung:
    http://www.uni-muenster.de/Wissenschaftstheorie/ringvorlesung/unwissenschaftlichringvorlesung.html

  6. #6 Trottelreiner
    13. November 2016

    @Kathrin:
    Ähm, sorry, aber das mit den “protestantischen” Westfalen war ein Scherz, oder? Wobei wir ja durchaus die Reformation ausprobiert haben, aber mit den Ergebnissen eher unzufrieden waren, siehe Wiedertäufer. Die protestantischen Westfalen sitzen in Osnabrück, mir als Viertelmünsterländer gehen die Spezifika allerding mangels Doppelkopfkenntnisse ab.
    Wobei der münsterländer Katholizismus aber ein besonderes Kapitel ist, insbesondere im Vergleich zum bayrischen, dem ist Wiglaf Droste näher als FJS…

  7. #7 anderer Michael
    13. November 2016

    Diese Ringvorlesung wird von 14 approbierten niedergelassenen Personen mit Medizinstudium gehalten.

    -3 davon haben Kassenzulassung für
    gesetzlich Versicherte
    – 1 Person wahrscheinlich auch
    – 8 scheinen eine reine Privatpraxis zu betreiben
    -2 mit Kassenzulassung ,Homeopathie als
    Privatleistung

    Ich habe nur schnell im Internet nachgelesen, evtl. mich auch bei irgendeinem geirrt. Bei mindestens der Hälfte ist sicher nur eine Privatpraxis vorhanden.

    Ehrlich, ich verstehe es nicht. LMU und Haunersches Kinderspiel haben ein guten Ruf.
    Sie bieten Privatunternehmen eine Werbeplattform für Produkte und Dienstleistungen ohne Wirksamkeitsnachweis.

    Ich fände es besser, die Uni täte Marktschreiern das Forum überlassen. Erstens sind Aal-Toni und Bananenkurt unterhaltsamer ,zweitens man bekommt etwas Reales ,drittens Marktschreier ist ein sehr ehrenhaften Beruf und viertens würden sie das Niveau der Vorlesungen deutlichst anheben ( ausgehend von der im Blog dargestellten Alternative).

  8. #8 anderer Michael
    13. November 2016

    Frage?
    Müssen die Dozenten etwas bezahlen , um dort einen” Vortrag” halten zu dürfen (bzw. Werbung für ihre Privatpraxen)oder bekommen Sie gar Honorar ( also Steuergelder!).

  9. #9 RPGNo1
    13. November 2016

    Ich fände es besser, die Uni täte Marktschreiern das Forum überlassen. Erstens sind Aal-Toni und Bananenkurt unterhaltsamer ,zweitens man bekommt etwas Reales ,drittens Marktschreier ist ein sehr ehrenhaften Beruf und viertens würden sie das Niveau der Vorlesungen deutlichst anheben ( ausgehend von der im Blog dargestellten Alternative).

    Lol, you made my day! 🙂

  10. #10 gedankenknick
    13. November 2016

    “Exzellenzcluster in den Bereichen Nanowissenschaften” – “eine Ringvorlesung Homöopathie”
    Vielleicht sollte man dem Universitätsvorstand mal den Unterschied zwischen “Nano” und “C30” erklären?

  11. #11 tomtoo
    13. November 2016

    Es ist traurig aber wohl real.
    Das sich Wissenschaft so selbst missbraucht.
    @Joseph
    Ja du benutzt rabiate Worte.
    Bitte lass mich auch ?
    Es kotzt mich an ! Das sich die Wissenschaftler so prostituieren.
    Sry. Musst ja nicht veröffentlichten.

  12. #12 Joseph Kuhn
    14. November 2016

    Ringvorlesungen zur Homöopathie an Universitäten scheinen übrigens ein bewährtes Werbemittel zu sein, google liefert da allerhand, z.B. gibt es auch an der Uni Kiel seit Jahren eine Ringvorlesung Homöopathie, ebenfalls mit freundlicher Unterstützung der Carstens-Stiftung, an der Uni Lübeck gab es eine Ringvorlesung Homöopathie, an der Uni Würzburg wohl auch, an der FU Berlin eine Ringvorlesung Homöopathie in der Tiermedizin … da klage noch einer über mangelnde Innovationsfähigkeit der deutschen Hochschulen! Der Begriff “Schulmedizin” wird da auf einmal ganz wässrig.

  13. #13 RPGNo1
    15. November 2016

    Der Begriff “Schulmedizin” wird da auf einmal ganz wässrig.

    Wenn wir “Schulmedizin” mit C30 oder C200 potenzieren, müsste sie doch wieder hochwirksam sein (gemäß des homöopatischen Glaubenssystems). 😉

  14. #14 gedankenknick
    15. November 2016

    @Joseph Kuhn und @RPGNo1
    Die Schulmedizin kommt dann eben aus einer Surfschule – denn deren lehrwürdige Erkenntnisse surfen auf der Welle der Popularität – und der Politik, die ja auch auf der Welle der Popularität surft. Wess Brot ich ess, dess Lied ich… ist keine besondern neue Erkenntnis. Und wenn der werte Steuerzahler der Politik und den kranken Kassen nun mal erläutert, dass er für das Lied der Esoterik ganz besonders viele Wählerstimmen (und damit Steuergelder) bzw. Krankenkassenbeiträge zu zahlen bereit ist… Nun, was wird unser politischer / sozialfondsfinanzierter Spielmannszug in der freien Marktwirtschaft da wohl machen?

  15. #15 tomtoo
    16. November 2016

    @RPGNo1
    Eigentlich fehlt ja jetzt nur noch der Herr MT der sich durch eine Elite Uni bestätigt fühlt.

    *kopfsenk*
    Ich brauch schon wieder einen Zehnerpack Beißhölzer.

    • #16 Joseph Kuhn
      16. November 2016

      “der Herr MT”

      … der ist hier seit längerem ausgesperrt.

  16. #17 Petra
    16. November 2016

    Homöopathie: Früher war es chick und unkonventionell, heute ist es nur noch Pseudowissenschaft. Die Uni München ist in ihrer Geschichte gefangen.

  17. #18 Cornelius Courts
    16. November 2016

    @Joseph: “z.B. gibt es auch an der Uni Kiel seit Jahren eine Ringvorlesung Homöopathie, ebenfalls mit freundlicher Unterstützung der Carstens-Stiftung, an der Uni Lübeck gab es eine Ringvorlesung Homöopathie,”

    to quoque, mi septentrio?!
    Da muß ich mich mal mit auseinander- vielleicht sogar mal reinsetzen und dann drüber bloggen. Mann, wie peinlich…

  18. #20 Joseph Kuhn
    16. November 2016

    @ Cornelius:

    Wenn der Pathologe zur Homöopathie kommt …

  19. #21 Joseph Kuhn
    17. November 2016

    Update: Kritischer Beitrag des Magazins “Kontrovers” im Bayerischen Fernsehen zur Ringvorlesung:
    http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/kontrovers/kontrovers-518.html

  20. #22 RPGNo1
    18. November 2016

    Wenn der Pathologe zur Homöopathie kommt …

    Hm, der Tod in der Potenz C200. Bedeutet das denn nach Hahnemannschen Glaubensbekenntnis die Auferstehung? Oh, welche Blasphemie! 🙂

  21. […] Gesundheits-Check: Forschung und Lehre auf Spitzenniveau: Ringvorlesung Homöopathie, eine neue Runde […]

  22. #24 rb
    21. November 2016

    Aktuelle Entwicklung in den USA:
    Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC führt eine Warn-Pflicht für Homöopathika ein, wenn eine wissenschaftliche Evidenz nicht belegt werden kann:
    https://www.ftc.gov/news-events/press-releases/2016/11/ftc-issues-enforcement-policy-statement-regarding-marketing

    “Homeopathy: Not backed by modern science”
    https://www.consumer.ftc.gov/blog/homeopathy-not-backed-modern-science

  23. #25 bernd
    München
    24. November 2016

    Heute sind in der Süddeutschen Zeitung trotzfaktische Leserbriefe zum Artikel von Herrn Bartens. Darunter einer von einem Referenten der Ringvorlesung. Selbstkritikfähigkeit gleich Null.

  24. #26 Joseph Kuhn
    26. November 2016

    @ bernd:

    Danke für den Hinweis. Die Leserbriefe online:
    http://www.sueddeutsche.de/kolumne/homoeopathie-ewiger-streitfall-1.3262467

    Der Leserbrief des Referenten, Dr. Riker, ist in der Tat interessant. Er schreibt z.B., die LMU habe “nicht versagt, sondern ihre Souveränität bewiesen, indem sie den wissenschaftlichen Diskurs über ein schwieriges Thema überhaupt möglich macht.” Vielleicht sollte man demnach auch der Tabakindustrie die Darstellung ihrer Meinung zu den gesundheitlichen Folgen des Rauchens als “wissenschaftlichen Diskurs” im Medizinstudium ermöglichen. Genau das ist das Problem, dass die affirmative Bewerbung der Homöopathie als Behandlungsmethode an der Universität als “wissenschaftlicher Diskurs” geadelt wird.

  25. #27 Michael
    Frankfurt
    1. Dezember 2016

    Auch wenn die “obskure Ringvorlesung” zweifelhaft scheint, ist die LMU München selbst im internationalen Vergleich mit Abstand die beste Medizin Uni Deutschlands auf Platz 46: http://www.praktischarzt.de/blog/beste-mediziner-uni/
    Als scheint die LMU München scheinbar doch einiges richtig zu machen. In der Top 10 weltweit aber fast nur amerikanische Unis. Schon verwunderlich, dass wir es da nicht weiter nach oben schaffen, haben doch nicht viele andere Länder auf der Welt unsere Möglichkeiten. Vielleicht sind auch solche Voträge mit daran schuld, das wir nicht weiter oben stehen 😉

  26. #28 RPGNo1
    30. Januar 2017

    Heute morgen beim Frühstück: Ich höre so nebenbei Radio, als plötzlich der Begriff “Kügelchen” an mein Ohr dringt. Neugierig geworden höre ich genauer hin und werde nicht enttäuscht. Es kommen noch die Schlagworte “Naturheilkunde”, “vielen hilft es” und dann “Homöopathie”. Eine Werbung der DAK Gesundheit. Bingo!

  27. […] Homöopathie an der Ludwig Maximilians-Universität München war vor einem dreiviertel Jahr hier schon einmal Gegenstand der verwunderten Betrachtung. Angeblich, so hieß es auf kritische Einwände damals, gehe es nicht […]