Im aktuellen SPIEGEL 47/2016 ist ein Leitartikel von Markus Feldenkirchen über die Lehren aus der Wahl Trumps für die Linken. Seine Grundaussage, dass sich die Linken zu wenig um die soziale Spaltung der Gesellschaft gekümmert haben, kann man guten Gewissens unterschreiben, aber da dieser triviale Satz zu wenig für einen Leitartikel gewesen wäre, hat er ihn mit einem bemerkenswerten Geschwurbel aus Besserwisserei und Gedankenlosigkeit zu einem im Wortsinn einseitigen Artikel aufgeblasen.

„Das Gejammer deutscher Politiker über den Erfolg von Donald Trump ist ebenso ermüdend wie sinnlos. Es wäre an der Zeit, endlich die richtigen Lehren daraus zu ziehen, mit kühlem, selbstkritischen Blick.“

Die im Nachhinein so klugen und offene Türen einrennenden Ratschläge deutscher Journalisten über den Erfolg von Donald Trump und die daraus zu ziehenden Lehren sind ebenso ermüdend wie sinnlos. Dass die soziale Spaltung der Gesellschaft ein Problem ist, wusste man schon vorher, sogar im SPIEGEL konnte man das immer wieder lesen, wie auch das Gegenteil, wie der SPIEGEL halt so ist. Und dass man „Lehren“ aus der Sache ziehen muss, ist vermutlich einer der meistgeschriebenen und folgenlosesten Sätze dieser Tage.

„Trump errang seine höchste Zustimmung bei Leuten mit geringer Bildung. Viele seiner Wähler sind Verlierer der wirtschaftlichen Entwicklung oder halten sich dafür. Es ist ein Trend, der nicht nur die USA beherrscht, man kennt ihn aus Frankreich, England oder Mecklenburg-Vorpommern.“

Das stimmt halbwegs und das wurde inzwischen gefühlt tausendmal festgestellt. Wobei es sich speziell im Hinblick auf die Anhängerschaft Trumps auch lohnt, einmal auf die Einkommensverteilung zu schauen, z.B. anhand der in der New York Times berichteten Exit Polls: Demnach fand Trump nämlich vor allem bei der gut verdienenden Mittelschicht viel Zustimmung. Die brisante Kombination aus wirklich Abgehängten und reaktionären Besitzstandswahrern kennzeichnet auch die AfD. Das ist dort noch nicht ausgegoren und wird wohl noch zu interessanten Entwicklungen führen.

Trump „[….] hat Millionen Arbeitern, Handwerkern, Verkäufern, Polizisten oder einfachen Angestellten, den kleinen Leuten also, jene Aufmerksamkeit geschenkt, die sie von den Demokraten nicht mehr bekommen haben. Er hat ihr Selbstbewusstsein beflügelt, zumindest ein Bewusstsein ihrer selbst als Gruppe.“

Die kleinen Leute einerseits, aber, wie gesagt, auch die Besserverdienenden andererseits. Eint die jetzt wirklich ein gemeinsames Bewusstsein ihrer selbst als Gruppe? Und gab es die Tea Party und andere reaktionäre Milieus mit beflügeltem Selbstbewusstsein nicht schon vorher? Und warum adressiert Feldenkirchen den Vorwurf, diese Leute seien vergessen worden, nur an die Demokraten als vermeintlichen Linken (Trump hat sie zu Recht als Vertreter der Wall Street gesehen) und nicht auch an die Republikaner unter Bush, Gingrich & Co.?

„Aber auch in Deutschland gibt es viele, die sich von der politischen Linken vergessen, wenn nicht gar verraten fühlen – sei es durch die Agenda 2010, durch die mitgetragene Rettung der Banken oder den apathischen Umgang mit jener Entwicklung, wonach die Herkunft immer stärker über die Lebenschancen entscheidet.“

Völlig richtig. Aber warum müssen sich diese Gruppen angesichts der Gründe, die Feldenkirchen nennt, nur von den Linken verraten fühlen? Waren die anderen etwa gegen die Bankenrettung? Oder für ein sozialintegratives Bildungssystem, z.B. kostenlose Kita-Betreuung oder Ganztagsschulen?

Wie dem auch sei, jedenfalls schließt Feldenkirchen messerscharf:

„Weil die politische Linke die soziale Frage lange links liegen ließ, suchen immer mehr Wähler ihr Glück bei den Rechten.“

Das ist die unreflektierte Widerspiegelung (Vorsicht, Wortspiel!) der falschen Hoffnung der Leute. Wo bleibt in dieser Anordnung von Linken und Rechten eigentlich das liberale und konservative politische Spektrum? Ließ man dort nicht auch die soziale Frage links oder rechts liegen? Falls ja, ist dann die Schlussfolgerung Feldenkirchens eigentlich noch so schlüssig?

„Hinzu kommt, dass es vor allem Sozialdemokraten wie Gerhard Schröder oder Peer Steinbrück waren, die mit der Annahme hochbezahlter Jobs bei Banken oder Gasfirmen auch in Deutschland den Eindruck nährten, den politischen Eliten gehe es in erster Linie ums eigene Wohl.“

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Kommentare (55)

  1. #1 Alexander
    19. November 2016

    Seine Grundaussage, dass sich die Linken zu wenig um die soziale Spaltung der Gesellschaft gekümmert haben, kann man guten Gewissens unterschreiben

    “Die Linken”? Wer soll das sein? Etwa die Agenda-Genossen? Außerdem: Als “Architekt” einer solchen Politik kann man auch noch im Jahr 2017 Bundespräsident werden! Läuft!

    und Linkspopulismus die Lösung?

    Nicht die Lösung. Aber vielleicht wäre es klug, auch Menschen, die weniger als 10 Jahre zur Schule gegangen sind, auf ihre Auffassungsgabe zugeschnittene Meme anzubieten? Was das mit der Täterä zu tun haben könnte, erschließt sich mir gerade nicht. Beim “Nein danke!” sitze ich natürlich mit im Boot.

    Der begnadete Darsteller Obama hat vor der Wahl 2008 “Change” versprochen und dann nicht geliefert. Ich finde es total super von den Leuten, dass sie zuerst dem “progressiven” Kandidaten ein Chance geben und erst dann den Halbfaschisten (Anm.: Ich könnte mich hier bis zu 50% irren) wählen. In diesem Sinne schöne Grüße an Monsieur Hollande!

  2. #2 Volker Birk
    http://blog.fdik.org
    19. November 2016

    Im Spiegel möchte niemand die neoliberale Unterwanderung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen – einschliesslich der konservativen und sozialdemokratischen Parteien – thematisieren.

    Dieselbe ist jedoch inzwischen offensichtlich. Wer das Neoliberale Credo hören möchte – Unternehmen machen immer alles besser als Behörden, der Markt regelt alles, schliesslich Rainer Hanks “Demokratie ist überbewertet” http://www.faz.net/-gqe-7q5zy – der hört es bei den Grünen genauso wie bei der SPD, bei der FDP sowieso, aber auch mit der Merkelschen Forderung, die Demokratie habe sich dem Geld zu unterwerfen (“marktkonform” zu sein) bei den ehemals Konservativen.

    In den USA gibt es sowieso nur zwei Parteien. Und wenn die eine die Kernaussage des neoliberalen Credos – alles der Käuflichkeit zu unterwerfen – derart gut vertritt, dass es die Ruienbewohner in Detroit nicht mehr hören können, so wählen sie halt den anderen.

    Die Restgefahr für die Refeudalisierung kommt nun eben von Links. Auch beim Spiegel wird niemand so blöd sein zu denken, die neoliberale “AfD” oder sonst irgend eine faschistische Partei wird hier irgend etwas ändern. Die wollen nur profitieren, und Macht. Und entsprechend darf die Linke keinen Fuss mehr auf den Boden bekommen, bis die Refeudalisierung komplett ist.

    Weshalb die Konzernmedien dann Trump nicht mögen? Sicher nicht wegen sexistischer Ausfälligkeiten, die er glaubte, unter vier Augen zu äussern. Auch nicht wegen dem Klimaleugner, den er gegen Wirtschaftsbeschränkungen in Position bringt, oder dem Militärhardliner, den er gegen Al Qaida und die anderen Wallstreet-Freunde von der Kette lassen möchte.

    Es ist deswegen:

  3. #3 maxlrainer
    19. November 2016

    “Was das mit der Täterä zu tun haben könnte, erschließt sich mir gerade nicht.” Oh, das ist recht einfach: Es fiel wohl auf, daß “sozialintegratives Bildungssystem, z.B. kostenlose Kita-Betreuung oder Ganztagsschulen” u.v.a.m. hierzulande schon mal Realität waren, und da muß die DDR, wie aus der Luft gegriffen und unsinnig auch immer, wenigstens in einen assoziativen Zusammenhang mit “Linkspopulismus” gebracht werden um sie zu diskreditieren.

    • #4 Joseph Kuhn
      20. November 2016

      Hatte die DDR nicht ein eindrucksvolles Angebot an einfachen Phrasen für die einfachen Genossen? Wie glaubwürdig auch immer. Die Kitas der DDR möchte ich, auch kostenlos, übrigens nicht wiederhaben.

  4. #5 tomtoo
    19. November 2016

    @Volker Birk
    Vielen Dank absolut deiner Meinung.
    Der Spiegel ist Neolieberal mit einem pseudolinken touch.
    Ein wirklich linker dürfte dort nicht schreiben und wäre auch schon lange nicht mehr in der Führungsebene ( was für ein Wort) bei der SPD.

  5. #6 Gustaf F.
    19. November 2016

    Die Frage ist doch:

    Warum gehor­chen Galaxien so unter­schied­licher Masse denselben Skalen­gesetzen?

    Sieht man hier ein End­stadium der Galaxien­evo­lution?

    Und ja, hier geht es um den Ein­fluss der dunklen Materie!

  6. #7 tomtoo
    19. November 2016

    @Gustav F.
    Gute Fragen aber der falsche thread oder?

  7. #8 Conni
    19. November 2016

    @ Tomtoo:

    Vielleicht meint er nicht die dunkle Materie, sondern die dunkle Seite der Macht.

  8. #9 Kassandra
    19. November 2016

    @Herr Kuhn:

    Sie und ich gehören in etwa derselben Generation an, und als wir jung waren, haben wir uns vermutlich mit der gleichen Selbstverständlichkeit für links gehalten – korrigieren Sie mich, falls das bei Ihnen anders war. Ich kannte in meiner Altersgruppe niemanden, der sich als rechts betrachtet hätte. Rechts, das hatte den Geruch des Spießigen und Altmodischen. Es war uncool, rechts zu sein. Gut also, dass rechts außerdem lauter falsche, verstaubte, vorgestrige Dinge (in meinen Augen) vertreten wurden, denn rechts hätte ich mich, als ich jung war, nicht einmal begraben lassen wollen.

    So ähnlich geht es jetzt aber mit denen, die sich selbst als links bezeichnen. Es gibt keine einzige Partei, die linke Positionen überzeugend vertritt, und ausweislich der Wahlergebnisse empfinde nicht nur ich das so. Die SPD hat mit der Agenda 2010 jede Berechtigung verloren, sich als links zu bezeichnen. Die Linkspartei hat nur dort ein zweistelliges Wählerpotential, wo sie einmal SED gewesen ist, und auch dort verliert sie jetzt massenhaft Wähler an die AfD. Die Grünen sind das, was die CDU in den Achtzigern gewesen ist, die Partei der Spießer, Beamten und Gutverdiener. Die FDP ist eine Wetterfahne, die alles und dessen Gegenteil vertritt, wenn es ihr nur ins Parlament zurückhilft, und von ihrem linksliberalen Flügel bemerke ich nichts mehr.

    Die AfD, die viele eingesammelt hat, die eigentlich links wählen würden, hat ihre Wähler überwiegend keiner linken Partei weggenommen, sondern diejenigen eingesammelt, die in anderen Parteien längst innerlich gekündigt oder sich bereits enttäuscht ganz abgewandt hatten.

    Ich bin schon der Meinung, dass linke Positionen neu gedacht werden könnten und sollten. Was ich vermisse, sind Parteien, die das überzeugend tun könnten. Die Piratenpartei hatte eine Chance, dies zu besetzen, aber sie hat es leider vorgezogen, sich selbst zu zerlegen.

  9. #10 Volker Birk
    http://blog.fdik.org
    19. November 2016

    @Kassandra: die deutsche Piratenpartei ist praktisch Geschichte. Bleibt die Linkspartei als einzige übrig.

  10. #11 Mark
    19. November 2016

    ” Das stimmt halbwegs und das wurde inzwischen gefühlt tausendmal festgestellt. Wobei es sich speziell im Hinblick auf die Anhängerschaft Trumps auch lohnt, einmal auf die Einkommensverteilung zu schauen, z.B. anhand der in der New York Times berichteten Exit Polls: ”
    Ich dachte die Wahl zeigte, wie unzuverlässig diese Erhebungen sind?

    • #12 Joseph Kuhn
      20. November 2016

      “Ich dachte die Wahl zeigte, wie unzuverlässig diese Erhebungen sind?”

      Kommentar dazu: hier.

  11. #13 Kassandra
    19. November 2016

    @Volker Birk:

    Zur Linkspartei: Sie hat es nicht geschafft, genügend Wähler zu überzeugen, als sie noch eine echte Chance darauf gehabt hätte. Inzwischen verliert sie Wähler an die AfD, ohne von anderer Seite neue hinzuzugewinnen. Kurzfristig wird sie dieses Vakuum auf der linken Seite also nicht füllen können, und mit ihrem jetzigen Personal und ihren jetzigen Positionen auch nicht mittelfristig.

    Schade um die Piraten, sie hatten Potential, auch wenn aus dieser Asche wohl wirklich kein Phoenix mehr emporsteigen wird. Ihr Hauptfehler war vermutlich, dass sie nie aus ihren ursprünglichen Kernthemen eine weltanschauliche Verallgemeinerung abzuleiten und zum Überbau für ein Programm zu machen versucht haben. Freiheit und Bürgerrechte, das wären schon klassische linke Programmpunkte gewesen, die im Moment von niemanden glaubwürdig vertreten werden.

    Aber wenn man die Basisdemokratie so weit treibt, dass auf Parteitagen Zufallsmehrheiten die einzelnen Parteipositionen bestimmen, braucht man sich nicht wundern, wenn das ein sonderbarer Mischmasch wird, in dem nichts zusammenpasst, worauf sich die Partei prompt heillos zerstreitet.

  12. #14 Joseph Kuhn
    20. November 2016

    @ Kassandra:

    “Ich bin schon der Meinung, dass linke Positionen neu gedacht werden könnten und sollten.”

    Jedenfalls gilt es darüber nachzudenken, wie eine Zukunft mit Menschlichkeit möglich ist. Wenn “linke” Parteien (was immer man dazu zählen mag) das derzeit nicht glaubwürdig hinkriegen, ist das der schlechteste Grund, sich rechten Parteien zuzuwenden. Diesen Trugschluss begeht Markus Feldenkirchen übrigens nicht. Seine Einseitigkeit besteht darin, nur “der Linken” vorzuwerfen, die soziale Spaltung der Gesellschaft ignoriert zu haben.

  13. #15 tomtoo
    20. November 2016

    @Joseph
    Bzgl. Spiegel.
    Wer gibt sich schon gerne eine Selbstmitschuld ?

  14. #16 ralph
    20. November 2016

    Da wird Geschwurbel mit noch mehr Geschwurbel beantwortet. Habe ich irgendeinen konstruktiven Gedanken, oder wenigstens eine originelle Analyse verpasst? Truegt der Eindruck, dass mit geübter Rethorik ein angestaubtes, simples Weltbild gegen ein nicht minder bescheidenes (bei dem ärgerlicherweise “Gut” und “Böse” mariginal anders verteilt sind) verteidigt wird?

    • #17 Joseph Kuhn
      20. November 2016

      @ Ralph:

      “Habe ich irgendeinen konstruktiven Gedanken, oder wenigstens eine originelle Analyse verpasst?”

      War eine Analyse der Gründe für die Trumpwahl denn Gegenstand des Blogbeitrags? Ich krisieren Ihren Kommentar doch auch nicht, weil Sie keine Analyse des VW-Dieselskandals liefern.

      “Truegt der Eindruck, dass (…) ein angestaubtes, simples Weltbild gegen ein nicht minder bescheidenes (…) verteidigt wird?”

      Falls Sie mich meinen: Ja, der Eindruck trügt. Ich verteidige gar kein Weltbild, schon gar kein angestaubtes, es sei denn, Sie halten den Wunsch nach einer Zukunft mit Menschlichkeit für ein solches. Mein Kritikpunkt an dem Spiegelbeitrag lautet, ich wiederhole es gerne noch einmal: Warum wird “der Linken” – zu Recht – Versagen in der sozialen Frage vorgeworfen, der Rest des politischen Spektrums aber gar nicht angesprochen? Man hat den Eindruck, die Journalisten, die so lange für noch mehr Deregulation und Transformation aller sozialer Beziehungen in Marktbeziehungen getrommelt haben, bekommen durch die Wutwahlen jetzt kalte Füße, aber eben etwas einseitig.

      Was sind denn Ihre Lehren aus der Trumpwahl?

      Ich wäre auch dankbar für Hinweise, wo ich schwurble. Das meine ich ganz ernst: mir liegt daran, meinen eigenen Gedankengang halbwegs klar zu haben, die Verhältnisse sind schon unübersichtlich genug.

  15. #18 Kassandra
    20. November 2016

    “Wenn “linke” Parteien (was immer man dazu zählen mag) das derzeit nicht glaubwürdig hinkriegen, ist das der schlechteste Grund, sich rechten Parteien zuzuwenden.”

    Diejenigen, die Ihnen da zustimmen, tun das ohnehin nicht. Und diejenigen, die es tun, interessiert es augenscheinlich nicht. Vielleicht fühlen sich andere Teile der Wähler sogar durch solche Sätze provoziert. Im Falle Trumps hat es mindestens gar nichts und schlimmstenfalls das Gegenteil des Gewünschten bewirkt, dass man den Leuten pausenlos die Gründe aufgezählt hat, warum er unwählbar sei.

    Und jetzt?

    Zu Markus Feldenkirchens einseitiger Kritik an den Linken:

    Wissen Sie ob Feldenkirchens Kritik eine Kritik an “uns” (aus seiner Perspektive) oder eine an “denen da” ist? “Die da” zu kritisieren, von ihnen Änderungen zu verlangen und “uns” dabei auszuklammern ist die leichteste Übung der Welt, und wenn Feldenkirchen die CDU vor allem deshalb nicht kritisiert, weil sie “wir” sind, kann man seine Äußerungen achselzuckend ad acta legen. Verlangen kann man vieles von vielen, aber eine Umsetzung ist meist nur zu erwarten, wenn man sie selbst vornehmen kann. Deshalb würde es einen großen Unterschied machen, wenn Feldenkirchen mit seiner Kritik auch sich selbst mitmeint.

    Äquidistanz-Bußübungen müssen von mir aus nicht sein, ich sehe auch nicht viel Sinn darin.

    • #19 Joseph Kuhn
      20. November 2016

      @ Kassandra:

      “Und jetzt?”

      Und jetzt erläutere ich noch mal die Struktur meines Arguments: Hier ging es nur darum, dass die Tatsache, dass 2×2=5 falsch ist, 2×2=6 nicht richtiger macht. Darüber, warum 2×2=6 nicht richtig ist, könnte man jetzt auch lange diskutieren, aber das geschieht ja schon überall und ich habe dazu andernorts auch schon genug geschrieben.

      “Äquidistanz-Bußübungen”

      Auch das will ich gerne noch einmal erläutern. Ich finde einseitige Schuldzuweisungen, die falsch sind, nicht nur problematisch, weil sie falsch sind, sondern auch, weil sie falsche Handlungsalternativen nahelegen, nämlich 2×2 = 6. Wenn nur “die Linke” umdenkt, wird sich daran, dass die Gewinner des neoliberalen Fortschrittsmodells achselzuckend einen Teil der Bevölkerung den Preis dafür tragen lassen, nichts ändern.

  16. #20 Kassandra
    20. November 2016

    @Herr Kuhn:

    “Und jetzt erläutere ich noch mal die Struktur meines Arguments: Hier ging es nur darum, dass die Tatsache, dass 2×2=5 falsch ist, 2×2=6 nicht richtiger macht. Darüber, warum 2×2=6 nicht richtig ist, könnte man jetzt auch lange diskutieren, aber das geschieht ja schon überall und ich habe dazu andernorts auch schon genug geschrieben.”

    Ein Volksentscheid könnte möglicherweise eine Mehrheit für 2×2=6 ergeben. Ich hatte den Eindruck, Ihnen ginge es um die Frage, was da zu tun sei. Wenn es sich nur um eine abstrakte intellektuelle Übung gehandelt haben sollte, entschuldigen Sie bitte die Störung.

    Schuldzuweisungen an Dritte sind von ihrer Wirkung her etwas völlig anderes als das Geständnis, selbst etwas falsch gemacht zu haben und es ändern zu müssen. Sie sehen das anders?

    Tatsächlich fielen mir nämlich in letzter Zeit selbstkritische Fragen seitens der CDU und sogar den Grünen bereits auf, bei SPD und Linkspartei aber noch nicht. Ich glaube nicht, dass Sie sich Sorgen darüber machen müssen, dass die SPD die Überlegungen der CDU nicht kritisieren wird. Dass sie sich selbst vielleicht aus der Kritik ausspart, ist schon eher zu befürchten.

    • #21 Joseph Kuhn
      20. November 2016

      @ Kassandra:

      “Ich hatte den Eindruck, Ihnen ginge es um die Frage, was da zu tun sei.”

      Jenseits des konkreten Blogbeitrags natürlich schon. Aber da spricht Markus Feldenkirchen in seinem Leitartikel Punkte an, die ich auch so sehe, siehe Blogbeitrag letztes Zitat aus seinem Leitartikel. Ich vertrete ein “angestaubtes, simples Weltbild” (© ralph, Kommentar #16) dergestalt, dass möglichst alle etwas vom Zuwachs an Wohlstand haben sollen und dass man ein Auge auf den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft haben muss. Diese sozialromantische Vorstellung werden Sie in vielen meiner Blogbeiträge über politische Themen finden. Ein Patentrezept, wie man das hinkriegt, habe ich nicht, bin aber fest davon überzeugt, dass man es nur hinkriegt, wenn die Mehrheit umdenkt.

      Solange die Masters of Universe und ihre parteipolitischen Derivate es dabei bewenden lassen, den Verlierern der Entwicklung achselzuckend den Rücken zuzukehren und breite Teile der Gesellschaft ihnen dabei andächtig zusehen, sehe ich wenig Hoffnung für ausreichende Kursänderungen. Dabei geht es mir nicht um eine Revolution, so was endet ja meist nicht gut, aber nicht einmal die vor einiger Zeit andiskutierten Flexicurity-Konzepte spielen beim Umgang mit flexibilisierten Arbeitsmärkten eine relevante Rolle: Der Staat soll weg, er soll nichts regeln, das ist nach vor das Credo vieler Leute, wie gesagt, auch in der AfD. Dass die nächsten Wahlen uns dem 2×2=6 näher bringen, halte ich daher nicht für ausgeschlossen. Dann gibt es noch ein paar mehr identitäre Ersatzangebote, man wird noch ein wenig “deutscher” sein, den Senegalesen klarmachen, dass sie auch als Ministranten nicht hierhergehören, noch öfter heimatlichen Dialekt pflegen und Trachtenmode tragen oder auf Mittelaltermärkte gehen, das gibt psychologisch vielleicht etwas Sicherheit, aber die realen Unsicherheiten wird es nicht beseitigen.

  17. #22 Kassandra
    20. November 2016

    “aber die realen Unsicherheiten wird es nicht beseitigen.”

    Eigentlich bewegt sich das Pendel – jedenfalls in Deutschland – doch schon wieder in die Gegenrichtung zum Neoliberalismus, wenn auch langsam. Der Mindestlohn hat sich bewährt, und die Zeitarbeits-Regulierung ist auch endlich über den Berg. Damit sind zwei Grundfehler der Agenda 2010 zumindest abgemildert worden.

    Ein bisschen war in Deutschland auch Pech mit im Spiel. Ich nehme an, die Regierung spekuliert seit Jahren auf die Wirkungen des demografischen Wandels, der früher oder später die Bewerber von ganz alleine wieder in eine bessere Verhandlungsposition als den Betrieb bringen werden. Der Osten entwickelt sich seit Jahren besser als der Westen, wenn auch von niedrigerem Niveau aus.

    Ich habe das immer für falsch gehalten, und wenn man sich anschaut, wo die AfD ihre Hochburgen hat, dann erkennt man leicht den Zusammenhang mit höherer Arbeitslosigkeit.

    Populisten mit totalitären Anwandlungen hätten es übrigens relativ leicht, auch ohne echte Verbesserungen im Alltag der Menschen ein höheres Sicherheitsgefühl zu schaffen. Das Zauberwort lautet: Zensur. Die Nazis haben es vorgemacht; die gleichgeschaltete Presse vermittelte allen den Eindruck, es wäre alles besser geworden, Widerspruch gab es in der Zeitung keinen mehr, Beschwerden über die blöde Regierung gab es keine mehr, positive Berichterstattung wurde verlangt. Bis heute gelten die Friedensjahre des Dritten Reichs als gute Jahre, obwohl die Einkommensstatistiken belegen, dass es mit den Verbesserungen im Leben des einzelnen Volksgenossen in Wirklichkeit gar nicht so weit her war.

    Wenn ich jetzt noch wüsste, wo ich das gelesen habe; es ist nämlich schon ein paar Jahre her. Es könnte Kershaws zweibändige Hitler-Biographie gewesen sein, aber sicher bin ich mir nicht. Wie auch immer: Rechnen Sie damit, dass eine etwaige AfD-Regierung Mittel und Wege finden könnte, um den Leuten auch bei schlechterer Lage ein besseres Gefühl zu verschaffen.

    Im Moment passiert jedenfalls gerade das Gegenteil, wir haben in den Medien täglich Daueralarm und sollen uns vor allem möglichen fürchten, von der Altersarmut bis zum Klimawandel, je mehr, desto besser. Das bringt Klicks und Werbeeinnahmen, aber es verunsichert die ohnehin bedrückten und pessimistischen Leute natürlich noch mehr.

  18. #23 Joseph Kuhn
    20. November 2016

    Heute hat Frau Merkel angekündigt, als Kanzlerin weitermachen zu wollen. Ich schwanke, ob ich das in diesen Zeiten als ein schlechtes “Weiter so” (im Vergleich zu dem, was als Zeichen einer Neubesinnung notwendig wäre) oder als ein gutes “Weiter so” (im Vergleich z.B. zu Trump) interpretieren soll.

  19. #24 demolog
    21. November 2016

    Markus Feldenkirchen ist vielleicht besonders verwirrt durch den kontrafaktischen Sieg Trumps!? So verwirrt, dass man es dem Text deutlich ansehen kann.

    Oder er hat irgendein Trauma erlitten, in dem “Links” irgendwie eine Rolle spielt, sodass er nichts anderes mehr kennt.
    Die Tatsache, dass man in der Mitte allerhand linke Inhalte finden kann, stimmt zwar nicht – das Politikresultat hatte faktisch nur neoliberale Tendenzen – aber rein von der Öffentlichkeit mag man das zuweilen schon mal glauben können.
    Auf jeden Fall seltsam – vielleicht hätte er sich einfach krank melden sollen, um seine Verwirrung dahinter zu verstecken.

  20. #25 wereatheist
    Haupstadt der Täterä
    21. November 2016

    Ich hab ja nie für Ms. Merkel gestimmt, aber trotzdem: power for her.
    Zugegeben, da ist Kritik: das erratische Umgehen mit Kernenergie, zum Beispiel

  21. #26 wereatheist
    21. November 2016

    Junge, wer mit 20 kein Anarchist gewesen ist, aus dem wird nie ein kluger Demokrat
    Und wer bei seinem Zahnarzt immer Stern und Spiegel liest, der weiß wie teuer ist ein guter Rat

  22. #27 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/11/21/bildungsauftrag/
    21. November 2016

    Und das bringt mich zu der Frage, warum Markus Feldenkirchen nicht auch diese Leute anspricht. Ist nur „die Linke“ für unsere – gemeinsame – die Zukunft verantwortlich, und auch dafür, wenn es schief geht?

    Vielleicht ist das einfach nur der Versuch vor der eigenen Haustür zu kehren und nicht auf den Nachbarn zu zeigen, der noch viel schlimmer ist?

    Ich kenne aber Herrn Feldenkirchens Position nicht, ob er sich wirklich zu einem linken Spektrum zählt.

    Dafür spricht die Fokussierung auf die Theorie vom sozialen Abstieg, bzw. dem drohenden sozialen Abstieg, auf die ich nicht viel gebe.

    Brecht sagte, erst käme das Fressen, dann die Moral, aber die Moral kommt schon recht bald nach dem fresen, und gefressen haben fast alle ausreichend – man sehe sich soziale Lage und BMI (nicht Bundesministerium des Inneren, hier) an.

    Der Mensch will gerne etwas sein, was über ihn hinausgeht. Religionen scheitern heute zum Glück bei den meisten daran, diese Transzendenz zu vermitteln. Die anderen fahren zum Abenteuerurlaub zum IS.
    Für das größere Ganze sind viele bereit Opfer zu bringen, und so ist gar nicht gesagt, dass die Trumpwähler in 4 Jahren enttäuscht eine Alternative suchen werden.

    Sich das eigene Ego schön zu denken, da ist der Mensch zu fast jedem Selbstbetrug bereit. Die Linke ist schon immer daran gescheitert mit ihren materialistischen Ansätzen zu erklären, wieso es zu konkret diesem oder jenem falschen Bewusstsein kommt.

    Zur Identifikationsbildung braucht es m.E. große, ambitionierte und möglichst klare Ziele. Gleichberechtigung der Frau ist ein großes Ziel, aber unklar. Wann wäre das erreicht? Ist es das vielleicht schon?
    Für jedes Kind ein Kitaplatz ist schon halbwegs groß und klar. und man muss nicht selbst ein, zwei Kinder haben, um sich damit identifizieren zu könnnen.

    Die Klarheit hat mehrere Seiten. Den rechten Losungen fehlt es oft an Klarheit. “Deutschland den Deutschen” ist eine einfache Losung, aber keine klare. Was soll das konkret sein? Das fliegenfängerische daran ist, dass sich jeder selbst ausmalt, was er darunter versteht, was die Losung für den Verwender attraktiv macht, aber für den Wähler ist es schlecht, weil er nie sagen kann, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht.
    Für jedes Kind ein Kitaplatz, das kann man prüfen, daher ist das für den Wähler im Sinne von Aufklärung und Transparenz wünschenswerte Klarheit.

    Mehr für die Kinder tun ist allgemeiner, kann sich wieder jeder was wünschen, aber kann man nicht testen. Mehr für Familien tun ist noch allgemeiner.

    Die Grünen haben m.E. den Fehler gemacht, als ihnen der Veggieday entglitten ist, dass sie versucht haben zu relativieren, statt anzugreifen. Sie hätten draufsatteln sollen, dass es 5 Veggietage pro Woche in der Kantine geben soll, und nicht nur in Behörden und öffentlichen Einrichtungen, sondern bundesweit. Dann hätten sie die Argumente dafür thematisieren können. Das Weltklima wird man mit 1/7 Einsatz beim Mittagessen ja wohl nicht retten können.

  23. #28 Rene F.
    21. November 2016

    “Die kleinen Leute einerseits, aber, wie gesagt, auch die Besserverdienenden andererseits. Eint die jetzt wirklich ein gemeinsames Bewusstsein ihrer selbst als Gruppe?”

    Ich glaube:ja. Die Verbindung der Gruppen ist diejenige, dass beide wesentlich zur Wertschöpfung und damit zum Wohlstand des Landes beitragen. Der Graben verläuft somit nicht mehr im klassischen Links-Rechts-Schema, sondern darin, dass diese Gruppen sich nicht mehr von Eliten und Schmarotzern vorschreiben lassen möchten, wie der Wohlstand verteilt bzw. verschwendet werden soll. Eine Entwicklung, die sich m.E. nach auch in Deutschland und Europa insgesamt abzeichnet.

  24. #29 Kassandra
    21. November 2016

    @Herr Kuhn:

    Ich habe zufälligerweise in Merkels Pressekonferenz live reingeschaltet und gehört, dass es aus ihrer eigenen Sicht überhaupt kein Weiter so werden soll.

    Na, mal sehen. Merkel hat mich zum ersten Mal in der Ukraine-Krise wirklich überzeugt und in der Flüchtlingskrise ebenfalls. (Im letzteren Fall bin ich vermutlich eine Ausnahme, aber ich hätte tatsächlich fast alles ebenso gemacht.) Vielleicht findet sie auch das richtige Mittel für die dadurch ausgelöste Vertrauenskrise, auch wenn sie natürlich dafür mitverantwortlich ist, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Immerhin hat sie Cameron und Clinton voraus, dass ihr der Ernst der Lage bewusst ist.

  25. #30 Struppi
    21. November 2016

    Hmm?

    Solche Analysen sind im Grunde immer falsch. Du sagst hier z.b. das das Argument der Käuflichkeit der Sozialdemokraten nicht stimmen kann, da auch konservative Politiker hochdotierte Posten angenommen haben. Dein Denkfehler ist aber, dass ein “typischer” Konservativer ein solches handeln nicht als Verwerflich ansieht. Das Credo des Konservatismus hierzulande ist schon immer “Leistung soll sich lohnen”. Insofern sind Bangemann oder Pofalla erfolgreiche Protagonisten dieser Thesen.

    Deshalb werden konservative Wähler solche Vorgänge auch nicht sanktionieren – das entspringt deinem linken denken.

    Das ist so ein Punkt bei diesen ganzen Analysen, keiner ist in der Lage sich in die Gedankenwelt des politischen Gegners zu versetzen und analysiert nur sein eigenes denken, aber nicht die Wirklichkeit.

    Das Problem ist ja, dass viele sich gar nicht mehr vorstellen können, dass es auch andere Lebensentwürfe als die eigenen gibt.

    Das ist aber auch das was Parteien versuchen, sie wollen für alle da sein, was grosser Quatsch ist. Der angesprochene “Veggietag” ist genau das was Grünenwähler wollen und daher ist diese Forderung sinnvoll und richtig. Wer es allen Recht machen will, soll Pfarrer werden, kein Politiker!

    • #31 Joseph Kuhn
      21. November 2016

      @ Struppi:

      “dass ein “typischer” Konservativer ein solches handeln nicht als Verwerflich ansieht”

      Sehen “Konservative” das nur für Leute aus dem eigenen Lager nicht als verwerflich an oder grundsätzlich nicht? Falls Letzeres: was wirft man den “Sozen” dann eigentlich vor? Falls Ersteres: Eine Moral nach dem Motto “ich darf, Du nicht” gehört sicher nicht zum klassisch konservativen Repertoire. Ich glaube, Ihr Gedankengang hat Schlagseite.

      “deinem linken denken”

      Ja, ich denke linkshemisphärisch, ist besser für die Logik.

      “keiner ist in der Lage sich in die Gedankenwelt des politischen Gegners zu versetzen und analysiert nur sein eigenes denken, aber nicht die Wirklichkeit”

      Interessante Form, sich selbst argumentativ ins Knie zu schießen – und zudem naturwissenschaftlich schlicht Unsinn, googeln Sie mal zum Stichwort “theory of mind”, selbst Affen können sich erstaunlich gut in die Gedankenwelt ihres Gegenübers versetzen.

      Was genau wollten Sie jetzt eigentlich sagen? Dass Feldenkirchen recht hat? Dass er unrecht hat? Oder dass Pfarrer mehr Gemüse essen sollten?

  26. #32 Hobbes
    21. November 2016

    Das Links/Rechtsschema hat das große Problem, dass sich jeder etwas anderes darunter vorstellt. Viele die sich selber als Links bezeichnen benutzen diesen Begriff für alle was sie als “gut” ansehen. Auch wenn es kein Stück links ist. Oftmals werden Sachen die mal als Links galten dann als rechts verteufelt weil man sie aktuell blöd findet. Absurde Ausmaße nimmt dies in der russischen Propaganda an, aber auch bei gebildeten Leuten die versuchen seriös zu argumentieren sind Worte wie “Links” “Rechts” und vor allem “Neoliberal” häufig nur inhaltsleere Floskeln. Besonders deutlich wurde das, als die Bankenrettung als Neoliberal bezeichnet wurde kurz nachdem die Leemanpleite ebenfalls als Neoliberal bezeichnet wurde.
    Auch die Einstellung der Linken zum technischen Fortschritt wandelt sich alle paar Dekaden.Vom Maschinenstürmer zum Utopisten zum technikfeindlichen Ökologisten zum grünen Techiker und aktuell wieder zum Distopisten.
    Wer für/gegen Links schreibt schreibt also immer über eine Masse unter der sich jeder etwas anderes vorstellt.
    Lustig ist auch immer die internationale Solidarität die Linke füreinander empfinden obwohl diese Gruppen häufig nichts als die Selbstbezeichnung gemein haben.
    Phillip Rösler gilt in den USA zum Beispiel als Linksaußen. Und viele die mit der griechischen Linken solidarisieren verkennen das die Hälfte von denen in Deustchland als Rechtsaußen gelten würden. (Aber hey, seit der Kriese gilt Keynsianismus auf einmal als urlinkes Wirtschaftsbild. Der Teil abseits des Defizit Spendings wird einfach ignoriert) Es ist kein Zufall das man sich ANEL als Regierungspartner ausgesucht hat.

    Zu der Frage des sozialen Gerechtigkeit muss man sagen, dass diese komplett daneben liegen. Zumindest im Falle Trumps und des Brexits war ein ausufernder Sozialstaat eines der Feindbilder der Lager.

  27. #33 Lemmy
    21. November 2016

    @Hobbes
    “Zumindest im Falle Trumps und des Brexits war ein ausufernder Sozialstaat eines der Feindbilder der Lager.”

    Meinst Du den real in Großbritannien und den USA ausufernden Sozialstaat oder die Angst vor einem ausufernden Sozialstaat, wenn der politische Gegner die Wahl/das Referendung gewinnt?

  28. #34 Lemmy
    21. November 2016

    sorry: Referendum

  29. #35 Kassandra
    21. November 2016

    “Die Grünen haben m.E. den Fehler gemacht, als ihnen der Veggieday entglitten ist, dass sie versucht haben zu relativieren, statt anzugreifen. Sie hätten draufsatteln sollen, dass es 5 Veggietage pro Woche in der Kantine geben soll, und nicht nur in Behörden und öffentlichen Einrichtungen, sondern bundesweit. Dann hätten sie die Argumente dafür thematisieren können. Das Weltklima wird man mit 1/7 Einsatz beim Mittagessen ja wohl nicht retten können.”

    Gute Idee. Ich hätte den Grünen bei der letzten Bundestagswahl gerne beim Absturz unter die Fünfprozenthürde zugesehen. Und bin ich eigentlich ein sogenannter Leugner, wenn ich bezweifle, dass 5 zwangsvegetarische Kantinentage pro Woche das Weltklima retten würden?

  30. #36 Mark
    21. November 2016

    Ist es wirklich klug, wenn der Spiegel Stephen K. Bannon vorwirft Antisemit zu sein? Anscheiend hat der Spiegel noch immer nichts gelernt.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-und-sein-kabinett-alle-kandidaten-und-auserwaehlte-a-1121654.html

    • #37 Joseph Kuhn
      21. November 2016

      Was soll der SPIEGEL denn lernen? Politisch korrekt davon sprechen, Bannons Plattform “Breitbart” sei zwar ein Tummelplatz rassistischer Ressentiments, er selbst aber ein Ehrenmann, zumindest kein Antisemit?

      Davon abgesehen, hat das mit dem Thema hier nichts zu tun.

  31. #38 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/08/05/vegane-kost/
    22. November 2016

    Und bin ich eigentlich ein sogenannter Leugner, wenn ich bezweifle, dass 5 zwangsvegetarische Kantinentage pro Woche das Weltklima retten würden?

    Wenn Du leugnest, dass 5 zvKtpW das Weltklima retten können, bist Du ein Leugner. Was ein sog. Leugner ist weiß ich nicht.

    Wenn es auf Kantinen beschränkt bleibt und auf Deutschland wird es wohl nicht ausreichen. Umgekehrt sind 5 freiwillige, vegane Tage pro Woche natürlich, klimatisch gesehen, genauso gut, aus anderen Gesichtspunkten heraus sogar besser.

  32. #39 Kassandra
    22. November 2016

    “Wenn Du leugnest, dass 5 zvKtpW das Weltklima retten können, bist Du ein Leugner.”

    Ich hatte zwar bislang nur geschrieben, dass ich es bezweifle, aber beim Lesen Ihrer Antwort ist mir klargeworden, dass es mir sowieso lieber ist, von Ihnen als Leugner betrachtet zu werden, genauso wie von einem Islamisten oder einem christlichen Fundamentalisten. Also lassen wir das doch einfach mal so stehen.

  33. #40 hampel
    22. November 2016

    @Kassandra

    Da hast du (denke ich), die Antwort
    glaube ich aber mal gar nicht verstanden.
    Kleiner Tipp : Wer leugnet , dass 2×2=6 ist, ist auch ein Leugner

  34. #41 Kassandra
    22. November 2016

    @hampel:

    Meines Wissens haben die Grünen aber nie angeregt, dass einmal in der Woche 2 x 2 = 6 sein müsse.

    Das Zweideutige im ersten Satz ist mir übrigens aufgefallen. Im Gesamtkontext kommt es mir aber nicht darauf an, ob der Mitdiskutant außerdem auch noch ein Scherzkeks ist.

  35. #42 Hobbes
    22. November 2016

    @Lemmy #33:
    Teils teils. In Amerika war “Obamacare” ein sehr beliebtes Feindbild. Die Clinten selber wurde aber eher Wallstreethörig dargestellt.
    In England wurde aktiv für eine deregulierung der Arbeitnehmerrechte geworben. Die von der Brexitfraktion hoch gehaltene Studie laut der sich der Brexit positiv auf die Wirtschaft auswirken könnte, hat explizit das Szenario beworben Sozialstandarts und Umweltstandarts abschaffen zu können. Es wurde sogar erwähnt das diese ohne die EU niemals in GB eingeführt worden wären.
    Auch Abwertung und hohe Inflation werden ja jetzt von den Verantwortlichen als wünschenswert hingestellt (vorher wurde allerdings behauptet, dass es diese nicht geben werde).
    Wobei man dem Brexitlager zugestehen muss das es sehr heterogen war/ist. Einige wollten nur kein Geld mehr für “Ausländer” ausgeben und wollten die Polen loswerden um aufrechten Briten die Jobs zu geben.

  36. #43 Hobbes
    22. November 2016

    Der Grund warum sich viele Linke wie Rechte von den Parteien in Deutschland verraten fühlen liegt meines Erachtens auch darin, dass die Parteien zu ungünstigen Zeiten regiert haben. Anfang 2000 waren harte Einschnitte nötig um die Wirtschaft vorran zu bringen. Einer CDU hätte man so etwas nicht so übel genommen. Dann hat Fukushima die CDU und FDP genau dann erwischt als diese die Laufzeitverlängerung beschlossen haben. Diese war neben der Steuersenkung ein Kernanliegen der FDP. Die Steuersenkung war durch die Griechenlandkriese auch nicht zu vermitteln. Zuletzt “musste” die CDU millionen Muslime ins Land lassen.
    Ich halte jede der Entscheidungen für richtig (wenn auch nicht immer gut vermittelt bzw. Umgesetzt) Wären sie jeweils zu einem anderen Zeitpunkt oder einer anderen Partei gekommen wären jetzt auch noch alle Glücklich.

  37. #44 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/11/16/argumente-fuer-steinmeier/
    22. November 2016

    Ich hatte zwar bislang nur geschrieben, dass ich es bezweifle, aber beim Lesen Ihrer Antwort ist mir klargeworden, dass es mir sowieso lieber ist, von Ihnen als Leugner betrachtet zu werden, genauso wie von einem Islamisten oder einem christlichen Fundamentalisten.

    Ich hatte nur geschrieben, dass wenn Sie was leugnen, Sie ein Leugner sind. Um generell von mir als Leugner betrachtet zu werden müssten Sie also generell Sachen leugnen.

    Ich bin aber zuversichtlich, dass Sie, um mich mit religiösen Fundis in einen Topf zu werfen, Sie gerne von der Möglichkeit Gebrauch machen.

    Es kann natürlich sein, dass Sie mit bezweifeln gar nicht gemeint haben, dass sie die Möglichkeit leugnen, sondern eben nur zweifeln. Könnte sein, könnte aber auch nicht sein. Sie also unentschlossen sind, ob man mit 5 veganen Kantinentagen pro Woche allein schon das Klima retten kann.

    Taktisch vielleicht ein kluger Schachzug, um mich für ein Posting ins Unrecht zu setzen, aber strategisch ein Reinfall, denn auf welcher Position befinden Sie sich jetzt?

  38. #45 lindita
    23. November 2016

    “aber strategisch ein Reinfall, denn auf welcher Position befinden Sie sich jetzt?”

    Die Frage geht zwar nicht an mich, aber ich frage mich auch, wo ich mich befinde.

    Habe kein Auto, bin mit dem Flugzeug 2x im Leben geflogen, soll aber kein Fleisch essen, während Veganer mit dem Auto rumfahren und mindestens 1X pro Jahr in den Urlaub fliegen.

    Dann soll ich wieder etwas, während Politiker mit faulen Kompromissen zufrieden sind und sich auf die Schulter klopfen.

    Das kann ich einfach nicht ernst nehmen. Mir wird ständig schlechtes Gewissen eingeredet, wo ich doch schon auf Vieles verzichte, Klimawandel aber trotzdem ein Thema bleibt. Am besten atme ich gar nicht mehr, damit Politiker weiterhin im Grossen nichts zu tun brauchen.

    Und dann bin ich auch wieder Schuld, weil ich ja nicht konsumiere und mein Geld sich einfach auf meinem Konto stappelt, für das schlechte Wirtschagtswachstum bin ich auch verantwortlich.

    Ja, wo stehe ich eigentlich, wenn mich mittlerweile dieses Thema peripher tangiert?

    Das kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen.

    • #46 Joseph Kuhn
      23. November 2016

      @ lindita:

      ” … wo stehe ich eigentlich, wenn mich mittlerweile dieses Thema peripher tangiert? Das kann ich einfach nicht mehr ernst nehmen.”

      Dann sind Sie ein Eigenverantwortungs-Leugner, vielleicht sogar ein sogenannter solcher (© user unknown). Das hört bei Klimawandel und Wirtschaftswachstum ja nicht auf. Denken Sie z.B. an die Bombenangriffe auf Aleppo, die Ukraine-Krise und den VW-Dieselskandal. Irgendwas haben Sie da wohl auch falsch gemacht, so wie das läuft.

      (Dieser Kommentar kann Spuren von Ironie enthalten.)

  39. #47 Kassandra
    23. November 2016

    @user unknown:

    Das Klima wird übrigens nicht aufhören zu bestehen, egal, was wir tun, also braucht man es eindeutig nicht zu retten.

    Die vollständige Übernahme der Verantwortung für jede Klimaveränderung hat schon was von Hybris. Und wenn dann auch noch Petitessen wie den Fleischkonsum des einen Prozents der Weltbevölkerung geht, das die Deutschen repräsentieren, ist es ein klarer Fall von Selbstüberschätzung, auf diese Weise “das Klima retten” (oder richtiger: eine befürchtete nachteilige Klimaveränderung verhindern) zu wollen. Dies dann auch noch auf dem Zwangsweg durchsetzen zu wollen, ist ein Fall von multipler Selbstüberschätzung, weil das nicht funktionieren wird, jedenfalls nicht unter Beibehalt demokratischer Strukturen.

  40. #48 Alexander
    24. November 2016

    Ein kurzer Artikel über einen überdurchschnittlich Verantwortlichen und darüber, wie “links” er ist:

    http://lostineu.eu/garant-der-grossen-koalition/

    (Und ja, ich finde das tatsächlich schlimmer, als wenn zum Beispiel eine Partei wie die FDP sponsorengerecht plant, nach der kommenden Landtagswahl in NRW das Gesetz zum Nichtraucherschutz wieder zu “liberalisieren” …)

  41. #49 Alexander
    26. November 2016

    So kann es sich anhören, wenn sich ein Akademiker Mühe gibt, Sachverhalte in einer Weise zu formulieren, bei der sich auch die wichtigste Zielgruppe von Rechtspopulisten nicht schon nach kurzer Zeit überfordert fühlen muss:

    https://www.youtube.com/watch?v=7qSLGo3zIO4&t=28s

    Ich bin von der “einfachen Sprache” geradezu amüsiert und halte den gewählten Ansatz für exemplarisch! (siehe auch #1, “Linkspopulismus”).

  42. #50 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2016/08/05/vegane-kost/
    26. November 2016

    Die vollständige Übernahme der Verantwortung für jede Klimaveränderung hat schon was von Hybris.

    “Für jede Klimaerwärmung” ist Dein Strohmann, der schneller schmilzt als ich Pappschnee sagen kann, aber dem anderen bizarre Übertreibungen seiner Position unterzuschieben, um ihn so lächerlich zu machen, passiert manchen Leuten auch beiläufig, aus Gewohnheit.

    Und wenn dann auch noch Petitessen wie den Fleischkonsum des einen Prozents der Weltbevölkerung geht, das die Deutschen repräsentieren,

    Repräsentier Du mal – wir sind 1% und haben an der Klimaerwärmung weit mehr Anteil, als 1%. Fleischkonsum ist aber sowohl zu weit als auch zu eng gefasst. Klimagase dringen v.a. aus Wiederkäuern, das sind also Rinder – Schwein, Pute, Huhn und Hase sind also weit weniger bedenklich.
    Zu eng ist es aber insofern, als grob gerechnet die Hälfte der Rinder nicht zu Fleischproduktionszwecken, sondern für Milch und Milchprodukte (Käse, Quark, Eiscreme, Milch, Sahne, Joghurt, …) gehalten werden. Die recht ausführliche Betrachtung, die ich dazu gelesen habe, ist leider auf Leder nicht gesondert eingegangen.

    ist es ein klarer Fall von Selbstüberschätzung, auf diese Weise “das Klima retten” (oder richtiger: eine befürchtete nachteilige Klimaveränderung verhindern) zu wollen.

    Die Frage ist, ob man die Verantwortung proportional für das eigene Verhalten zu übernehmen bereit ist oder nicht. Weder kann man den Franzosen, Japanern oder Chinesen etwas aufzwingen, noch seine Mitmenschen zwingen, eine Regierung zu wählen, die die Deutschen zu etwas zwingt.

    Dies dann auch noch auf dem Zwangsweg durchsetzen zu wollen, ist ein Fall von multipler Selbstüberschätzung, weil das nicht funktionieren wird, jedenfalls nicht unter Beibehalt demokratischer Strukturen.

    So wie die Verhinderung des Waldsterbens mittels Katalysatoren eine Idee multipller Selbstüberschätzung war und höchstens unter Aufgabe demokratischer Strukturen funktioniert hätte? Oder der Zwang Steuern zu bezahlen, die Schulpflicht, die Einhaltung der StVO?

    Ich bin allerdings auch eher pessimistisch, dass die Menschheit umschwenkt, ohne dass die Kacke großflächig am Dampfen ist. Erst muss der alpine Wintersport Geschichte werden und Geröll- und Schlammlawinen stattdessen Alltag, Südseeinseln überspült werden, neue Pflanzen- und Tierarten hier ein und alte auswandern.

    Egal – erst mal müssen wir noch 20-50 Jahre VWs, Mercedesse, Audis und BMWs verkaufen, je größer und fetter um so besser, schließlich muss man auch bei Unwetter wegkommen und irgendwohin hinkommen.

    Und wir wollen alle noch mal dahin fliegen, wo man die letzten Tiere ihrer Art sehen kann. Davon können wir noch unseren Ururenkeln erzählen. Elefanten, Eisbären und Pinguine in freier Natur. Klasse!

  43. #51 Kassandra
    30. November 2016

    @user unknown:

    Für jede Klimaerwärmung

    Klimaveränderung, nicht -erwärmung. Bitte verzichten Sie darauf, mich falsch zu zitieren. Ein verändertes Klima ist immer noch ein Klima, deshalb ergibt das, was Sie über “Klimarettung” schreiben, so, wie es dasteht, keinen Sinn.

    Das Thema Klimawandel gehört nicht zu meinen spezielleren Interessen. Trotzdem konnte ich innerhalb von fünf Minuten ergoogeln, dass

    1) der weltweite Rinderbestand heute unter dem von 1990 liegt.
    2) sich die Experten keineswegs einig sind über die “Klimaschädlichkeit” von Kühen und
    3) dass zu bezweifeln ist, dass der Bestand an Wiederkäuern insgesamt wirklich so viel höher ist als zu vorindustriellen Zeiten, dass das einen nennenswerten Effekt hat. Schon mal Karl May gelesen? Stichwort Bisonherden. Oder “Serengeti darf nicht sterben” gesehen? Stichwort Gnuherden. Und so weiter

    Selbstüberschätzung und Hybris, wie gesagt.

    Egal – erst mal müssen wir noch 20-50 Jahre VWs, Mercedesse, Audis und BMWs verkaufen, je größer und fetter um so besser, schließlich muss man auch bei Unwetter wegkommen und irgendwohin hinkommen. Und wir wollen alle noch mal dahin fliegen, wo man die letzten Tiere ihrer Art sehen kann.

    Sie vielleicht. Ich habe meiner Lebtag noch kein Auto besessen. Fernreisen habe ich auch noch keine einzige gemacht – wie übrigens die Mehrheit der Bevölkerung. Die zehn Prozent, die den Gedanken nicht ertragen könnten, auf exotische Erlebnisse weit weg von daheim zu verzichten, sind zufälligerweise dieselben Leute, die nun die restlichen 90 Prozent zum Vegetarismus bekehren wollen.

    Auch wenn es viel weniger Überwindung kostet, jemand anders etwas wegnehmen zu wollen, ist es bei so viel moralinsaurer Argumentation doch auch eine Frage der Glaubwürdigkeit, bei sich selbst anzufangen. Sollte es diesen Leuten also gelingen, ihren CO2-Verbrauch auf das Niveau eines durchschnittlichen Hartz-IV-Empfängers herunterzuschrauben, ist außerdem mehr getan, als wenn man ganz Deutschland mit Gewalt zum Vegetarismus zwingen würde.

    Irgendwer, ich glaube, jemand von den Grünen, hat mal allen Ernstes eine vegetarische Lebensweise mit der Begründung angepriesen, im Gegenzug dürfe man dann öfter ohne schlechtes Gewissen fliegen. Dabei könnte man fast ein komplettes Rindvieh mit Haut und Hörnern verspeisen, bis man auf einen vergleichbar hohen CO2-Verbrauch wie zum Beispiel für einen schicken Australien- oder Sri-Lanka-Urlaub kommt.

  44. #52 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2015/02/28/vegetarischer-quark/
    2. Dezember 2016

    Klimaveränderung, nicht -erwärmung. Bitte verzichten Sie darauf, mich falsch zu zitieren.

    Ja, Klimaveränderung hattest Du gesagt. Pardon.

    Wobei ja Klimaerwärmung eine Teilmenge von Klimaveränderung ist, und die Aussage also umfasst ist, aber stimmt schon, ich hatte es als Zitat gekennzeichnet, mein Fehler.

    Trotzdem konnte ich innerhalb von fünf Minuten ergoogeln,

    Ein Glück verschonst Du uns mit Links.

    1) der weltweite Rinderbestand heute unter dem von 1990 liegt.

    Und was folgt daraus?

    sich die Experten keineswegs einig sind über die “Klimaschädlichkeit” von Kühen

    Wo sind sich die Experten schon einig?

    dass zu bezweifeln ist, dass der Bestand an Wiederkäuern insgesamt wirklich so viel höher ist als zu vorindustriellen Zeiten, dass das einen nennenswerten Effekt hat. Schon mal Karl May gelesen?

    Dass Karl May als seriöse Quelle für die Geschichte Nordamerikas ins Feld geführt wird ist mir auch noch nicht passiert. Da ich ihn durchaus gelesen habe kann ich aber aus der Erinnerung sagen, dass er keine Angaben über die Gesamtzahl Nordamerikanischer Rinder gemacht hat.
    Gibt es solche Angaben im Serengetifilm?

    Außerdem haben wir es hier mit dem Phänomen der Addition zu tun. Vereinfachtes Modell: Angenommen nur Rinder und Autos wären für den Klimawandel verantwortlich, und die heutige Mengen auf gleich starke Weise. Und man müsste die Emissionen halbieren, um wieder klimaneutral zu werden. Dann könnte man alle Rinder abschaffen, oder alle Autos, oder beide Mengen halbieren usw.

    Das würde nicht der These widersprechen, dass es vor 300 Jahren 0 Autos und gleichviel Rinder gab und die damalige Zivilisation klimaneutral war.

    Sie vielleicht. Ich habe meiner Lebtag noch kein Auto besessen.

    Es geht nicht um Sie persönlich. Es gibt ja Gründe, wieso manche Leute ein Auto haben und andere nicht, und früher war Klimawandel kein Grund keines zu haben. Wer ein Häuschen im Speckgürtel hat, wo die ÖPNV-Anbindung schlecht ist, und der über 15 km bis zur Arbeit hat, der kann schlecht auf das Auto verzichten.

    , im Gegenzug dürfe man dann öfter ohne schlechtes Gewissen fliegen.

    Habe ich auch gehört. Wie das dann dem Klima helfen soll war mir ein Rätsel – vielleicht ging es dem nur um niedliche Tierbabies.

    als wenn man ganz Deutschland mit Gewalt zum Vegetarismus zwingen würde

    Richtig. Lieber tot als vegan (Bitte Milch, Käse usw. nicht vergessen) – eigentlich auch meine Haltung.

    Dabei könnte man fast ein komplettes Rindvieh mit Haut und Hörnern verspeisen, bis man auf einen vergleichbar hohen CO2-Verbrauch

    Ob man die Hörner verspeist tut wenig zur Sache. Die Aufzucht des Rindes ist der Punkt, nicht der Verzehr. Und es geht nicht um CO2-Verbrauch sondern umgekehrt, um CO2-Produktion.

  45. #53 Kassandra
    12. Dezember 2016

    Dass Karl May als seriöse Quelle für die Geschichte Nordamerikas ins Feld geführt wird ist mir auch noch nicht passiert.

    Den Grzimek lassen Sie als seriös gelten? Na, immerhin. Dann war also doch nicht alles Schund und Schmutz, wofür ich mich in meiner Jugend begeistert habe.

    Worauf ich hinauswollte: Dass es in vielen Teilen der Welt schon einmal viel mehr freilebende Wiederkäuer als heute gab, gehört, auch wenn es nicht jedem sofort präsent ist, eigentlich zum Allgemeinwissen. Man muss kein Wissenschaftler sein, um das zu begreifen, es reicht, Karl May gelesen zu haben.

    Wo sind sich die Experten schon einig?

    Das ist ein so starkes Stück, dass ich nicht sicher bin, ob ich jetzt lachen oder Sie übers Knie legen soll. Soll das etwa heißen, Sie haben sich überhaupt nicht selbst ein Urteil zu bilden versucht, sondern argumentieren im Vertrauen darauf, dass sie ja immerhin ein paar Experten auf Ihrer Seite haben?

    Ich habe mich entschieden: weder lachen noch übers Knie legen. Auf diese Chuzpe von Ihnen gönne ich mir am besten ein schönes Steak.

    Wer ein Häuschen im Speckgürtel hat, wo die ÖPNV-Anbindung schlecht ist, und der über 15 km bis zur Arbeit hat, der kann schlecht auf das Auto verzichten.

    Tja, wie man sich bettet, so liegt man. Niemand wird oder wurde jemals gezwungen, sich mittels Hausbau für immer am A…. der Welt festzuketten. Ich habe diese Verschwendung von Lebenszeit durch lange Wegstrecken nicht nur zur Arbeit, sondern praktisch überallhin sowie die Zementierung der Einverdienerehe mangels Kinderbetreuung und natürlich den Zwang zum Zweitwagen noch nie verstanden. Ich bin bewusst in die Stadt gezogen, auch wenn ich dafür ausschließlich egoistische Gründe hatte und selbstverständlich keinen Gedanken an das Klima verschwendet habe.

    Das hilft natürlich denen gar nichts mehr, die das gemacht haben, als es wie eine Herde Lemminge noch alle taten, schon klar. Aber warum ein Stadtbewohner auf Milch, Käse und Rindfleisch verzichten sollte, damit sie in ihrem zwangsläufig notwendigen Erst- und Zweitwagen herumgondeln dürfen, leuchtet dennoch nicht ein.

    Und es geht nicht um CO2-Verbrauch sondern umgekehrt, um CO2-Produktion.

    Die aber wiederum durch eine Verringerung der Nachfrage hervorgerufen werden soll.

    Irgendwie fehlte mir in Ihrer Antwort der rote Faden. Vielleicht liegt das auch daran, dass meine letzte Antwort schon so lange her ist, aber ebenso finde ich diese Radikalzersplitterung meines Beitrags in einzelne kurze Satzfetzen störend. Wenn ich etwas schreibe, sehe ich es als ein zusammenhängendes Ganzes. So, wie Sie damit umspringen, geht ein Teil des Sinns verloren.

  46. #54 michael
    13. Dezember 2016

    Rinder 2014: 88 Millionen 1975: 130 Millionen.
    Bison Geschätzt 60 Millionen.

  47. #55 Alexander
    13. Januar 2017

    Hui, der SPIEGEL macht jetzt in Linkspopulismus! 😉

    Winterkorn ließ Koi-Karpfenteich auf VW-Kosten beheizen

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/vw-martin-winterkorn-wohnte-zu-billigmiete-in-luxusvilla-a-1129810.html

    Ein klarer Fall von Neiddebatte! Sollen die armen Kärpfchen etwa in der Kälte frieren?!?