Ärzte und Pharmaindustrie – ein Thema mit vielen sumpfigen Stellen. Auch in Österreich. Gerade erst hat das Recherchezentrum Correktiv Daten über österreichische Ärzte veröffentlicht, die Geld von der Pharmaindustrie bekommen. Geldzahlungen für umstrittene Leistungen wie Anwendungsbeobachtungen sind nur ein Beispiel der Einflussnahme, die Pharmaindustrie ist sehr findig, wenn es darum geht, Ärzte für ihre Zwecke einzuspannen. Der kleine Verein MEZIS („Mein Essen zahl ich selbst“) bemüht sich seit Jahren sisyphosartig, Ärzte für die Problematik der kleinen Gefälligkeiten der Pharmaindustrie zu sensibilisieren.

Dass die Homöopathiehersteller mehr oder weniger mit den gleichen Methoden arbeiten wie der Rest der Pharmaindustrie, ist kein Geheimnis, das kann man bei Christian Weymayr und Nicole Heißmann in „Die Homöopathie-Lüge“, Kapitel 5, nachlesen. Ein aktuelles Beispiel für das vertraute Miteinander im alternativen Pharmageschäft ist die Initiative „Homöopathie als Kassenleistung“, die in Österreich seit einiger Zeit Unterschriften sammelt, um der Homöopathie auch dort den Weg zu den Kassengeldern zu ebnen. Die Liste der Unterstützer der Initiative weist Ärzte und Pharmaindustrie Hand in Hand bei der Lobbyarbeit aus:

• StudentInnen Initiative Homöopathie
• Österreichische Gesellschaft für Homöopathische Medizin
• Ärztegesellschaft für Klassische Homöopathie
• Spagyra Homöopathische Arzneimittel
• Schutzengel Apotheke
• Remedia Homöopathie
• Dr. Peithner KG
• Homöopathische Arzneien Homeocur
• Pharmazeutische Produkte Magister Doskar
• Apotheke zur Kaiserkrone

Eine zweifellos uneigennützige Interessengemeinschaft. Sie fordert schließlich nur die Gleichbehandlung der Homöopathie mit den Rest der Medizin, denn, so kann man es auf der Internetseite der Initiative lesen: „Medizin darf keine Glaubensfrage sein“.

So ist es, deswegen sollte man auch nicht die Homöopathie in Österreich zur Kassenleistung machen, sondern den Binnenkonsens im deutschen Arzneimittelrecht und dann folgerichtig auch die Erstattungsfähigkeit für Homöopathika im deutschen Sozialrecht streichen.

Kommentare (31)

  1. #1 Bernhard Rasche
    11. Dezember 2016

    Ich bin für die Gleichbehandlung. Dann müsste die Homöopathie auch die gleichen Wirkungsnachweise erbringen. Das wird ein Spass.

  2. #2 ajki
    11. Dezember 2016

    #1, “Das wird ein Spass”

    Vermutlich wohl eher nicht. Zumindest solange nicht, bis EBM inklusive Transparenzregeln im (internationalen) Veröffentlichungswesen einen Standard im (EU-) Gesundheitswesen gewonnen haben würde, der weit oberhalb und außerhalb des Derzeitigen liegt. Da oben auf Weymayr/Heißmann verwiesen wurde: man sollte nie vergessen, dass die Zustände, wie sie etwa in Goldacres “Pharma-/Wissenschaftslüge” beschrieben werden (und in dieser Hinsicht auch immer wieder bei Weymayr/Heißmann anklingen), nach wie vor anhaltend sind. Dem jederzeit möglichen Mißbrauch von Forschung zu Gefälligkeitsergebnissen für den Abverkauf sind bislang immer noch kaum Schranken gesetzt. In der “das wird ein Spass”-Fiktion müßten die Snake-Oiler nur die Methodik anpassen. Und wie man an den gut dokumentierten Auseinandersetzungen zwischen Frass und Aust erkennen kann, sind mindestens Einige dazu durchaus fähig/bereit/willens.

  3. #3 Joseph Kuhn
    11. Dezember 2016

    @ ajki:

    Naja, ganz wirkungslos wären gleiche Standards sicher nicht, allein der Aufwand für die Zulassungsstudien wäre angesichts der Beliebigkeit, mit der bisher homöopathische Mittel “erfunden” werden, heilsam.

  4. #4 Ludger
    11. Dezember 2016

    Homöopathie ist halt präfaktisch.

    • #5 Joseph Kuhn
      11. Dezember 2016

      … eher nanofaktisch bis homöofaktisch 😉

  5. #6 rolak
    11. Dezember 2016

    präfaktisch .. nano

    Die H ist tatsächlich postfaktisch (im Gegensatz zum Zeitalter, das ist bestenfalls kontrafaktisch), denn bei den üblichen Verzuckerungen wird ja von harten Fakten, also einem echten, vorhandenen, meßbaren Basismaterial ausgegangen. Aufgrund der systemimmanenten Logik(variante) wirkt es aber halt besser wenn verdünnt, am besten wenn gar nicht mehr vorhanden, ohne Faktisches.

    Auf der Schiene ist die Immunisierung keinesfalls zu knacken…

    • #7 Joseph Kuhn
      11. Dezember 2016

      @ rolak:

      “Postfaktisch” sogar in doppelter Bedeutung: Nicht nur von ursprünglich einmal Vorhandenem ausgehend, ihm nachfolgend, sondern angeblich auch davon auf der Informationsebene – postalisch – mitteilend.

      Ob die Unterstützung der ärztlich verantworteten Initiative durch die alternative Pharmaindustrie auch nur derart feinstofflicher Natur ist?

  6. #8 Ludger
    11. Dezember 2016

    Ich meine “präfaktisch” in dem Sinne, dass Hahnemann noch keine Möglichkeit eines effektiven Wirksamkeitsnachweises kennen konnte. Mit der Eigenschaft “postfaktisch” hat es gemein, dass beide “afaktisch” und /oder “kontrafaktisch” sind. Die Vertreter dieser Positionen sind gleichermaßen Wissensverweigerer.

  7. #10 rolak
    11. Dezember 2016

    noch keine Möglichkeit

    Ausbildungskonditionierter Materialist, schofeliger, grobstofflicher. Auch schon lange vor der Erfindung der Glühbirne war durchaus eine Erleuchtung möglich, Ludger, und solch hehres Wissen wird natürlich erfahren. Oder geschaut, wie St.Rudi Jahrzehnte später formulierte, dieser Genius am zeitlosen Horizont, dessen Jünger wiederum diejenigen vom Samuel für grobstofflich halten.

    Die verweigern sich doch nicht dem Wissen, nur der rationalen Überprüfung dessen, was ihrem Glauben nach Wissen zu sein hat. Bzw jenen Überprüfungen, die zu negativen Ergebnissen kommen.

  8. #11 Ludger
    11. Dezember 2016

    Ausbildungskonditionierter Materialist, schofeliger, grobstofflicher.

    Schön!
    Werd ich mir als Inschrift auf meinem Grabstein wünschen.

  9. #13 tomtoo
    11. Dezember 2016

    @Ludger
    Der war SUPER !
    Hier ruht bis in alle Ewigkeit und noch viel weiter ein….

    rofl

  10. #14 RPGNo1
    12. Dezember 2016

    Eine zweifellos uneigennützige Interessengemeinschaft.

    Spüre ich da Sarkasmus in nicht vorhandener Verdünnung, quasi eine Sarkasmus-Urtinktur? 😉

  11. #15 Earonn
    13. Dezember 2016

    @ s.s.t.
    Schöner Link, vielen Dank.

  12. #16 tomtoo
    13. Dezember 2016

    Das schlimme ist dass diese Seile alles andere als “nichts” sind. Nichts fürs Zahlen bekommt nur das Mitglied bzw. die Patientin.

  13. #17 gedankenknick
    14. Dezember 2016

    Warum sollten es Ärzte anders halten als unser aller größten Vorbilder – die Politiker? Wenn MEZIS (oder irgendwer anderes) sich mal die Sponsorenliste eines SPD-Spargel-Dampfer-Ausflugs*) anschauen würde, könnten Apotheken einen super Zusatzverkauf an Antiemetika generieren… Klar ist es nicht die feine englische, wenn Geld von Industrie an Leistungserbringer fließt, um das Verhalten der Leistungserbringer zu beeinflussen. Aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem; und der Fisch stinkt immer vom Kopf an!

    *) Natürlich konnte kein Politiker lesen, welche Sponsoren an die Stellwand geschrieben waren, vor der sich alle haben fotografieren lassen. Natürlich konnte kein Politiker wissen, dass IRGENDWER den Spargel und den Dampfer bezahlt hat – alle dachten, das sei “wohl irgendwie geschenkt”. Und last but not least natürlich konnte kein Politiker wissen, wer die netten Menschen am Tisch sind, mit denen man so spannende und vor Ideen strotzende Gespräche führen konnte – auch über die Gesundheitspolitik der Zukunft.

    Warnung! Dieser Kommentar könnte Spuren von Ironie enthalten!

  14. #18 gedankenknick
    14. Dezember 2016

    Apropos… Es ist ja in Überlegung, die 1978 eingeführte BtM-Bearbeitungsgebühr von 0,50DM (aka 0,26€) nach 38 Jahren (!) auf 2,91€ anzupassen. Eine “Erhöhung um 1119%” fan der Spitzenverband der gKV allerdings mehr als unverhältnismäßig. http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/politik/nachricht-detail-politik/am-vsg-anhoerung-kassen-btm-gebuehr-steigt-um-1119-prozent/ Dazu muss man wissen, dass die 2,91€ (incl. 19% MwSt. – mit Gruß an Herrn Schäuble!) immer noch nicht (einmal) kostendeckend sind für den Aufwand und die Zusatzkosten der BtM-Abgabe in D – allein 1€ geht drauf für den BtM-Lieferbeleg.

    Schon interessant, wenn ich da keinen Tag später lese, wer sich da selbst in der Führung wie bezahlt: http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/orts-und-betriebskrankenkassen-dickes-gehaltsplus-bei-aok-und-bkk-chefs/

    Sind die beiden Aussagen getrennt und im Verbund betrachtet wohl verhältnismäßig?

    • #19 Joseph Kuhn
      17. Dezember 2016

      @ gedankenknick:

      Ich will ja nicht kleinlich sein, aber da es im Blogbeitrag um Homoöpathie, also sehr kleine, fast nicht mehr oder gar nicht mehr vorhandene Sachen geht, erlaube ich mir doch die Nachfrage, ob eine Erhöhung von 0,26 Euro auf 2,91 Euro wirklich eine Erhöhung “um 1119 %” ist. Diese verdammten Prozentzahlen! Ich hoffe, Apotheker verrechnen sich nicht auch bei der Zubereitung von Arzneimitteln mal so um exakt 100 %. Was jetzt nicht bedeuten soll, dass es nur eine Steigerung “um 559,6 %” war. Das Ergebnis liegt nur 9 %, oder gar nur 8 % daneben. Diese verdammten Prozentzahlen! Die haben auch noch eine Basis!

  15. #20 rolak
    18. Dezember 2016

    verrechnen

    Klassischer Klammer-Fehler á la (Mädchenhandel)sschule, Joseph, nicht

    eine (Erhöhung von 0,26 Euro) auf 2,91 Euro

    sondern

    eine Erhöhung (von 0,26 Euro auf 2,91 Euro)

    • #21 Joseph Kuhn
      18. Dezember 2016

      @ rolak:

      😉

      Mädchenhandel ist ein Geschäft, bei dem es 100%ig auf 0,26 Euro mehr oder weniger nicht ankommt.

    • #22 rolak
      18. Dezember 2016

      Wenn auch nur ein Mensch die Verwirrung zum selber-Lösen [vom ‘Mathe ist ein Arschloch’] anfängt nachzurechnen, Joseph, sind wir bald 3, mit dem um-Ergebnis sogar noch über dem nebenan schon wieder mal vorgejammerten, leicht erhöhten pi-Wert.

      apropos jam: Die Apotheker übrigens protzen nicht mit Zahlen, sie jammern damit. Protzentual auffällig sind eher Firmenberichte, anteilseignerberuhigenderweis.

      apropos weis: Die leise irritierend weise kritisierend vorgebachten Zahlen reizten zu einem Ausbau des Labyrinthes.

  16. #23 gedankenknick
    18. Dezember 2016

    Die Zahl “1119%” stammt vom “Spitzenverband der gKV” höchstpersönlich. Also Beschwerden bitte dahin, denn ich habe die Zahl nicht nachgerechnet sondern von den Allerschlauesten im System einfach übernommen – http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/politik/nachricht-detail-politik/am-vsg-anhoerung-kassen-btm-gebuehr-steigt-um-1119-prozent/ Zugegeben, nicht nachzurechnen ist meine Schuld.

    Andererseits empfinde ich die Bezahlung von den 0,26€ auch als eine Art Homöopathie: Höchstverdünnte Bezahlung für eine staatlich angeordnete Leistungserbringung. “Gemeinwohlpflicht” halt. 😉 Noch homöopatischer ist nur die Bezahlung für T-Kartei und TFG-Kartei: 0,00€…

  17. #24 gedankenknick
    18. Dezember 2016

    Ich habs gerade noch mal nachgerechnet:
    2,91€ / 0,26€ * 100 = 1119
    Exakt müßte es also heißen, es erhöht sich AUF (statt um) 1119%. Aber wie gesagt, das Wörtchen UM stammt vom Spitzenverband der gKV – vielleicht meinte man dort, es hört sich dramatischer an? 😉

    Zur Berühigung: Bei Rezepturen gilt bei kritischen Berechnungen bei uns das 4-Augen-Prinzip; will meinen, es rechnen 2 Leute separat und (erst) bei Übereinstimmung der Ergebnisse beginnt die Produktion…

  18. […] Gesundheits-Check (scienceblogs.de): Ärzte und Pharmaindustrie: Die österreichische Initiative „Homöopathie als Kassenleistung“ […]

  19. #26 Albert Wilfert
    20. Dezember 2016

    Mit Homöopathie kann man Menschen kostengünstig und effektiv behandeln.
    Es gibt nicht viele Ärzte die das beweisen aber Einige doch. Warum sollte es also in einer Zeit wo die sogenannte wissenschaftliche Medizin an die Grenzen der Finanzierbarkeit stößt nicht als Kassenleistung einführen? Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür.

  20. #27 RainerO
    20. Dezember 2016

    *Mööööp*
    Bullshitbingo-Zeit! Ich habe schon zwei Kreuze.

  21. #28 AI
    27. Dezember 2016

    Ich hoffe, “die Österreicher” fallen nicht auf den selben mist rein wie “wir Deutschen”. Wie man hier gut beobachten kann, kriegt man die Homöopathie nämlich nicht mehr so einfach weg, sobald sie sich etabliert hat. Solange wir noch den Binnenkonsens haben, schrumpft meine Auswahl der brauchbaren Krankenkassen auf etwa fünf… (ist nicht einfach, eine Krankenkasse zu finden, die keinen Aberglauben bezahlt)

  22. #29 Laie
    31. Dezember 2016

    Den homöopathischen Mist bekommen sie auch in Österreich. Die Betrüger (+innen) hinter dem Tresen versuchen den Mist einem (+innen) immer wieder anzudrehen.

  23. #30 Ernie
    5. Januar 2017

    Dass die Homöopathiehersteller mehr oder weniger mit den gleichen Methoden arbeiten wie der Rest der Pharmaindustrie, ist kein Geheimnis

    Wie wahr, aus einem Bericht der Krankenkassen hervor:
    Jedes dritte neu auf den Markt gebrachte Medikament hat keinen zusätzlichen Nutzen für den Patienten.

    Krankenkassen und Pharmahersteller haben seit 2012 Preisverhandlungen für 129 neue Arzneimittel geführt, wobei 41 Präparate keinen Vorteil im Vergleich zu bekannten Therapien hatten. Die Krankenkassen klagen über die hohen Kosten dieser, ihrer Einschätzung nach, überflüssigen Medikamente.

  24. #31 RPGNo1
    7. Februar 2017

    Die Russen sind schlauer als Österreicher und Deutsche.
    “Die Russische Akademie der Wissenschaften hat die Homöopathie offiziell als Pseudowissenschaft eingestuft. Für die Wirksamkeit der alternativen Heilmethode gebe es keine wissenschaftlich haltbaren Belege…”
    http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/homoeopathie-russland-lehnt-methode-als-pseudowissenschaft-ab-a-1133395.html