Nein, keine Angst, ich bin nicht verrückt geworden. Die Überschrift ist natürlich ironisch gemeint. Ich hatte gerade eine hartnäckige Erkältung, die über Tage einfach nicht besser werden wollte und mit ein paar beunruhigenden Symptomen einherging. Also bin ich gegen meine Männerhaltung „da muss der Körper durch“ ausnahmsweise doch zum Arzt, mir wurden nach Abklärung einiger Dinge Antibiotika verschrieben, nach der zweiten Tablette ging es mir schon deutlich besser, nach der dritten noch etwas besser und heute sind die schlimmsten Beschwerden weg. Die Antibiotika haben geholfen, ganz klar.

Ganz klar? Dazu müsste ich wissen, wie es ohne Antibiotika gekommen wäre. Vielleicht war es ja doch nur eine Virusinfektion, die ihren Gipfel schon hinter sich hatte? Und falls mir das Medikament geholfen hat, würde es auch anderen Menschen in größerer Zahl helfen? Meine individuelle Erfahrung kann solche Fragen nicht beantworten. Ich bin zwar absolut überzeugt, dass die Antibiotika gewirkt haben, aber nachzuweisen ist das anhand meines Einzelfalls mit nur einem Behandlungsverlauf nicht. Dazu bräuchte man eine Interventionsgruppe, eine Kontrollgruppe, die zufällige Verteilung der Patienten auf beide Gruppen und die Sicherheit, dass weder Ärzte und Statistiker noch die Patienten wissen, wer als Patient der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt wurde.

Genau das macht ein RCT. Und genau so sehen die Zulassungsstudien meines Medikaments aus. Es wirkt bei vielen Menschen mit einer bakteriellen Infektion, daher habe ich gute Chancen, dass es auch bei mir auch wirkt, wenn ich schon das Pech einer bakteriellen Infektion habe und nicht auch noch zusätzlich das Pech, dass das Medikament im konkreten Fall bei mir trotzdem nicht anschlägt.

Mit solchen Trivialitäten hält sich die Homöopathielobby nicht auf. Sie macht es wie die Sonnenuhr und zählt die heitren Stunden nur, gerade wieder nachzulesen: „Im Streit um die Homöopathie sind die Fronten verhärtet. Björn Bendig, Sprecher des Deutschen Zentralvereins Homöopathischer Ärzte, widerspricht Kritikern und verweist darauf, dass der klinische Alltag sehr wohl die positive Wirkung von Globuli zeige.“ Der klinische Alltag zeigt vieles, aber die positive Wirkung von Globuli kann er nicht zeigen.

Nicht dass Herr Bendig es nicht besser wüsste, aber noch besser weiß er, dass das seinen Kunden egal ist. Sie wollen nichts von Randomisierung und Verblindung hören, sondern davon, dass man ihnen helfen kann. Und das zeigen die positiven Beispiele doch, oder nicht?

Und weiter: „Die Debatte um Sinn und Nutzen der Homöopathie werde deshalb so leidenschaftlich geführt, weil der Wirkmechanismus von Globuli im Körper nicht aufgeklärt sei.“ Nein, auch das stimmt nicht. Die Debatte wird so leidenschaftlich geführt, weil die Wirkung von Globuli über Placebo hinaus nicht nachgewiesen ist und die Homöopathie es trotzdem geschafft hat, dass ihre Alkohol- und Zuckerzubereitungen als Medikamente gelten und von den Krankenkassen erstattet werden. Das muss sich ändern.

Kommentare (92)

  1. #1 Alisier
    9. März 2017

    Ach komm…..hättest du Globuli besorgt, wäre es dir durch reines Betrachten des Behälters bereits nach wenigen Stunden viel besser gegangen.
    Du hast es nur nicht probiert……

  2. #2 dy/dx
    9. März 2017

    Die Unlogik, Arroganz und Dogmatismus sind schwer zu überbieten.
    Mal sehen, was noch kommt.

  3. #3 Alisier
    9. März 2017

    Jetzt stellt sich nur die Frage, wen er meint…..
    Ich nehms mal auf mich.

  4. #4 dy/dx
    9. März 2017

    Sorry, der Blogpost

    • #5 Joseph Kuhn
      9. März 2017

      @ dy/dx:

      Können Sie etwas konkreter benennen, was für Sie am Blogbeitrag Unlogik, Arroganz und Dogmatismus sind? Vielleicht haben Sie ja ein Argument, das zum Nachdenken anregt?

  5. #6 Existenzquantor
    9. März 2017

    Die Unlogik, Arroganz und Dogmatismus von Dy/dx sind schwer zu überbieten.

  6. #7 Alisier
    9. März 2017

    ….und jetzt stellt sich die Frage, ob der Blogpost “Sorry” sagt, oder ob der Blogpost Sorry heißt……

  7. #8 RPGNo1
    9. März 2017

    @dy/dx
    Ach wie süß, schon wieder ein Homöopathiefan.
    Mach dich hier schlau (http://www.netzwerk-homoeopathie.eu/), und komm wieder, wenn du einen besseren Spruch als Unlogik, Arroganz und Dogmatismus drauf hast.

  8. #9 tomtoo
    9. März 2017

    Evtl. hat ja @dy/dx nur die Ironie von @Alisier falsch verstanden ?

  9. #10 Alisier
    9. März 2017

    Ich finde, “Sorry der Blogpost” wäre dennoch eine nette Comicfigur. Zusammen mit “Eso der Schwachmat” würden sie sicher ein sehr dynamisches Duo abgeben.

  10. #11 Alisier
    9. März 2017

    Aber gut, genug des Gläubigenbashings….
    @ Joseph Kuhn
    Darf ich mir die Bemerkung erlauben, dass du etwas dick aufträgst? Möchtest du die Fackeln und Mistgabeln wirklich hier auftauchen sehen? Und was sollen denn der arme Sorry und seine Freunde trotz Mistgabeln gegen Evidenz ausrichten?
    Ist das nicht ein ungleicher Kampf, und eines Klingonen unwürdig?

  11. #12 dy/dx
    9. März 2017

    @#5 Herr Kuhn
    Bei allem Respekt für den guten Willen klingt ihre Argumentation ein wenig nach “Im übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago vernichtet werden muss”. Einen Zweifler oder Suchenden werden Sie kaum überzeugen, einen Dogmatiker müssen sie nicht überzeugen.
    Glauben Sie an die Wirkung von Hypnose?

  12. #13 Alisier
    9. März 2017

    Liebe(r) dy/dx,
    erstens ist Homöopathie nicht Karthago, sondern eher Schwäbische Alp nur mit Schafen. Und zweitens ist dein Argumentationsversuch ein Rohrkrepierer der Extraklasse.
    Glaubst du an die Wirkung von Denken? Nein? Dacht ichs mir…..

  13. #14 tomtoo
    9. März 2017

    Oh doch keine Ironie.

    *popcorn*

  14. #15 Alisier
    9. März 2017

    Naja, tomtoo, unser Cato ultralight ist aber auch ganz alleine. Ich dachte schon daran, auf seine Seite zu wechseln, nur damit es etwas weniger vorhersehbar wird.
    @ Sorry der Blogpost
    Du könntest z.B. Joseph Kuhn vorwrfen, dass er von der Pharmaindustrie bezahlt wird. Oder dass er keine feinstofflichen Fühler hat. Ein wenig Originalität wäre auch nicht ganz verkehrt.

  15. #16 Joseph Kuhn
    9. März 2017

    @ dy/dx:

    “Glauben Sie an die Wirkung von Hypnose?”

    Ja, aber ich verstehe den Zusammenhang mit dem Blogthema nicht.

    “Bei allem Respekt für den guten Willen”

    Zuerst waren es “Unlogik, Arroganz und Dogmatismus”, jetzt “guter “Wille”. Ich kann Ihnen wirklich nicht folgen. Wissen Sie, was Sie sagen wollten?

    Oder meinen Sie einfach, es hat eh keinen Sinn, sich kritisch mit der Homöopathie auseinanderzusetzen? Falls ja, warum nicht? Dinge ändern sich. “Die Homöopathie in ihrem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf” könnte dazu gehören, auch wenn man es zugegebenerweise kaum glauben mag.

  16. #17 dy/dx
    9. März 2017

    @#16
    “Guter Wille” in einer Beurteilung ist nicht unbedingt mit einem Lob gleichzusetzen.
    Ihrer Argumentation fehlt die Dialektik. Desweiteren ignorieren sie die Wirkung. Ihr Krankheitsbeispiel kann allenfalls als Karikatur dienen. Hypnose entsteht unter Zuhilfenahme des dritten Signalsystems.

    p.s. Auf weitere Beiträge meine Person betreffend reagiere ich gesondert, um gewollte Missverständnisse zu vermeiden.

  17. #18 Laie
    10. März 2017

    Es gibt leider keinen Wettbewerb für Gesundheit unter den Ärzten, sondern einen für Krankheitsbehandlung.

    Mein Vorschlag ist:
    Ärzte werden solange bezahlt, so lange man Gesund ist, im Krankheitsfalle fällt Einkommen weg. Dadurch gibt es eine Motivation effizient zu helfen. Dadurch werden alle nicht wirksamen Medikamente eher vom Markt verschwinden, ebenso jene, die Plazebo sind.

    Derzeit verdient man aber am Kranken.

  18. #19 Uli Schoppe
    10. März 2017

    @dy/dx also ich finde das Krankheitsbeispiel ganz nett wenn man erklären will das das Wer heilt hat Recht Argument nie und für keinen gilt…

  19. #20 DasKleineTeilchen
    terra
    10. März 2017

    @dy/dx;

    ah, zur abwechslung versuchen wirs mal mit knackiger rethorik, ja?

  20. #21 Ludger
    10. März 2017

    Joseph Kuhn
    9. März 2017

    @ dy/dx:

    “Glauben Sie an die Wirkung von Hypnose?”

    Ja, […]

    Gibt es dazu einen Wirksamkeitsnachweis vom Rang eines RCT, oder darf man auch ohne einen solchen Wirksamkeitsnachweis an die Wirksamkeit einer therapeutischen Maßnahme glauben?

  21. #22 Adent
    10. März 2017

    @dy/dx

    Ihrer Argumentation fehlt die Dialektik. Desweiteren ignorieren sie die Wirkung.

    Ihrer “Argumentation” (Kicher) fehlt noch was ganz anderes. Sie konnten in den ersten Posts keinen geraden Satz schreiben und wollen sich allen Ernstes über fehlende Dialektik beschweren?
    Lesen Sie bitte zur eigene Bildung mal unter dem Stichwort Duning Kruger nach, vielleicht nebenher noch den Donner Report aus den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts (dann wissen sie warum HP ein schon Xmal zu Tode gerittenes Pferd ist, das eigentlich nie gelebt hat) und dann kommen Sie bitte nicht wieder, Danke!

  22. #23 Adent
    10. März 2017

    @Ludger
    Moment mal, da steht nichts von einer irgendwie spezifizierten Wirkung. Hypnose wirkt, das glaube sogar ich, aber was bewirkt sie, dazu war ja gar keine Frage gestellt.

  23. #24 Ludger
    10. März 2017

    @ Adent
    Aber wirkt Hypnose besser als Placebo?

    • #25 Joseph Kuhn
      10. März 2017

      @ Ludger:

      Sie meinen therapeutisch, in Bezug auf bestimmte Störungen? Das wäre eine eigene Diskussion. Ich habe die Frage unseres mutmaßlich homöopathieaffinen Differentialquotienten so pauschal beantwortet, wie sie gestellt war. Es gibt wirklich tolle Hypnoseshows. Ob es auch Placeboshows gibt, weiß ich nicht.

  24. #26 DasKleineTeilchen
    terra
    10. März 2017

    manchmal kannst du vor allen dingen in den leicht übersehbaren details wirklich böse sein, joseph *grins*

  25. #27 Adent
    10. März 2017

    @Joseph
    Irgendwie verstehen wir uns :-)

  26. #28 Adent
    10. März 2017

    Placeboshows wären eine nette Idee die HP mal so richtig vorzuführen…

  27. #29 Adent
    10. März 2017

    @DKT
    Du hast in #20 ein n zuviel, in dem Wort vor Rhetorik 😉

  28. #30 DasKleineTeilchen
    terra
    10. März 2017

    @Adent: ich hab kurz gebraucht *gacker*. 😉

  29. #31 dyldx
    10. März 2017

    @JK
    Viel Spaß und Erfolg mit solchen Freunden wie in #26-#30 im argumentativen Disput gegen die Homöopathie.

  30. #32 DasKleineTeilchen
    terra
    10. März 2017

    “…argumentativen Disput gegen die Homöopathie”

    “argumentativ”. harhar. erleuchte uns, meister. aber pass auf, daß deine “argumente” nicht sattsam bekannter bullshit sind, die hier bereits gefühlte äonen lang durchgekaut und nachweislich widerlegt wurden. oder haste was neues?

  31. #33 rolak
    10. März 2017

    verstehen wir uns (..) n zuviel

    Ja, Adent, zu gewissen kommentierenden Menschen, virtuell hin oder her, entwickelt sich hier ebenfalls positive Empathie.

    #26-#30

    Joseph, hau rein! An Dich traut sich das aussagefreie Differential nicht ran :‑)

    gacker

    Hühner!

    Falls nach der Integration etwas von Null verschiedenes sich ergeben sollte: Es ist schwer, gegen Homöopathie zu argumentieren – denn für ‘gegen’ braucht es etwas wogegen es geht. Doch die H ist bislang jedweges sie stützende valide Argument schuldig geblieben.

  32. #34 DasKleineTeilchen
    terra
    10. März 2017

    rolak, schatz, warum wohl setz ich argumente in anführung?

  33. #35 DasKleineTeilchen
    terra
    10. März 2017

    ach, my bad; now I see, dyldxs “gegen”.

  34. #36 rolak
    10. März 2017

    my bad

    Oder meins, DKT.

    Da hätte ein deutlicher Trenner nämlich (wie immer mit ‘h’) gut gepaßt…

  35. #37 Ludger
    10. März 2017

    @ Joseph Kuhn #25

    Sie meinen therapeutisch, in Bezug auf bestimmte Störungen?

    Ja. Therapeutische Hypnose und Homöopathie sind Therapieverfahren, deren gefühlter Therapieerfolg von der Empfänglichkeit der behandelten Patienten abhängt. Für die Homöopathie gibt es keine Evidenz für die Überlegenheit gegenüber Placebo. Und gibt es die für die therapeutische Hypnose? Wäre dann auch zu fordern, dass die Hypnosetherapie aus der Leistungspflicht der Krankenkassen herausgenommen wird? Allerdings: vielleicht gehört sie ja gar nicht zu den Kassenleistungen, da bin ich überfragt.

  36. #38 rolak
    10. März 2017

    Evidenz?

    Ja, Ludger.

    Kassenleistung

    Ebenfalls.

  37. #39 Ludger
    10. März 2017

    @ rolak
    ok, danke

  38. #40 Joseph Kuhn
    10. März 2017

    @ rolak:

    In dem von Dir verlinkten Wikipedia-Artikel steht zwar: “Die Anerkennung als wissenschaftliche Psychotherapiemethode im Sinne des § 11 des deutschen Psychotherapeutengesetzes erstreckt sich auf folgende Anwendungsbereiche und kann damit auf Antrag von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden … “.

    Aber: Was im ambulanten Bereich in der Psychotherapie von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird, bestimmt nicht das Psychotherapeutengesetz, sondern das regeln die Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses, z.B. die Psychotherapierichtlinien. Hynpotherapie als Psychotherapie wird in der Regel nicht erstattet.

    Im Wiki-Artikel ist über dem entsprechenden Passus auch ein Warnhinweis, dass der Abschnitt nicht hinreichend belegt ist. In dem Fall stimmt es.

    Höre auf meine Stimme. Du bist ganz entspannt. Du hörst Deinen Atem usw. usw. – und jetzt bitte aufwachen: Die Kassen bezahlen das aber nicht.

  39. #41 jester
    10. März 2017

    Ich hab da ma ne Frage.
    Vielleicht kennt ihr ja das Phänomen. Ihr stellt eine Schüssel Smarties bei einer geselligen Runde auf den Tisch die Letzten, die gegessen werden sind die Braunen. Wieso ?
    Bestimmt hat das was mit Farbenpsychologie zutun, meine Eso-Nichten, beide knapp 3, sagen, weil die Anderen leckerer sind.
    Leider können sie mir das noch nicht erklären, ausser einem “Ist so” bekomm ich nichts aus denen raus.

  40. #42 rolak
    10. März 2017

    in der Regel nicht

    Allerdings, Joseph, generell auf Antrag nach Einzelfallprüfung aber schon. Dasselbe Procedere wie bei einer meiner Therapien, lästig, aber mit einer gewissen Aussicht auf Erfolg.

    Speziell ist es afaik allerdings für approbierte Ärzte und Psychotherapeuten sehr wohl möglich, eine “Kassenzulassung für Hypnose” zu beantragen und so den erwähnten bürokratischen (aber bei weitem nicht sinnfreien) Überbau zu umgehen.

    Hypnobrabbel

    Ulkigerweise sind die allermeisten Eigenbeeinflussungen nonverbal, lang erprobte Techniken und intensive Beobachtung der KörperReaktionen führen dazu, daß schon wenige kontrollierte Atemzüge recht erfolgreich auf ein angemessenes Niveau führen.

  41. #43 Joseph Kuhn
    10. März 2017

    @ rolak:

    “Kassenzulassung für Hypnose”

    Wirklich für Psychotherapie? Hast Du da mehr Infos, das würde mich interessieren.

  42. #44 rolak
    10. März 2017

    die Braunen. Wieso ?

    Weil Du zu wenige Runden ausprobiert hast, jester. Welche zuerst und zuletzt gegessen werden und in welcher Reihenfolge (mal ganz was anderes: immer möglichst gleich große ‘Restbestände’ ist durchaus auch üblich) ist persönliche Vorliebe bzw Gewohnheit; daß überhaupt herumsortiert wird, dürfte eine Kombination aus Spieltrieb und MusterVerarbeitung sein.

  43. #45 jester
    10. März 2017

    @rolak vermutlich haste recht, dass es für eine Studie nicht reicht, allerdings überrascht mich weniger die Situation unter Erwachsenen, sondern dass meine Nichten nicht agen, weil die schöner sind, sondern weil sie leckerer sind.
    … und ich denk du gibst mir recht, dass alle gleich schmecken.

  44. #46 rolak
    10. März 2017

    mehr Infos?

    Bis eben warens wie abk-angedeutet nur Erinnerungen, Joseph, doch eine schnelle Suche brachte diverse Treffer. Zum Beispiel in einer nicht existenten Stadt.

    jaja, ist keine Info, sondern eine Anekdote; suchmusterbedingt.

    • #47 Joseph Kuhn
      10. März 2017

      @ rolak:

      Danke. Sehr interessant. Da muss ich mich mal schlau machen.

  45. #48 jester
    10. März 2017

    achja
    kennst du diese Tests in der Fußgängerzone, wo Nahrungsmittel angeboten werden und diese verglichen werden ? Ein teures Produkt gegen ein Günstiges, die Probanden meist äußern, dass das teurere besser geschmeckt hat und letztlich nur das Günstige angeboten wurde und dann total verwundert sind.
    Womöglich ist die Tatsache, dass alle Globuli das Gleiche enthalten egal, weil ein anderes Bäppelchen draufklebt und die Erwartungshaltung eine “andere” ist. ?!

  46. #49 rolak
    10. März 2017

    gibst mir recht

    Wenn mich nicht alles täuscht, sind die Farbstoffe einerseits das Einzige, was die verschiedenen Smarties unterscheidet und andrerseits geschmacksneutral. Aber, großes ABER: Bei guter Sicht können die tatsächlich anders schmecken, da die Leckermäuler so ihren (den ganz ganz kleinen Kindern vorbehaltenen) Spieltrieb rationalisieren. (geraten).

    Mach doch mit den Grazien mal einen Blindtest, da lernen sie direkt etwas Methodisches fürs Leben. Augenbinde ist doch supertoll in dem Alter…

  47. #50 jester
    10. März 2017

    “Augenbinde ist doch supertoll in dem Alter…”
    😀 nee sobald es in ungewohnter Umgebung duster wird, wird geschrien.
    “die tatsächlich anders schmecken” irgendwas fundiertes vielleicht ? … oder ist das tatsächlich nur ausversehen reingerutscht

  48. #51 rolak
    10. März 2017

    wird geschrien

    Früher™ war mehr Lametta Blindekuh-Training^^

    ausversehen

    Nein, jester, das steht da absichtlich, bezieht sich allerdings (wie aus dem Kontext ‘bei guter Sicht’ als erkennbar angenommen) ausschließlich auf die Eigenwelten von Personen oder Gruppen. Irgendwann schmecken die anders (das war wieder subjektiv formuliert, die objektive Variante wäre in etwa ‘werden die als verschieden schmeckend wahrgenommen’) und die Unterschiede können sogar detailliert beschrieben werden.
    Dagegen helfen nicht einmal Blindtests zuverlässig, fast wie (ein hinkender Vergleich, doch der wahrgenommene Effekt ist sehr ähnlich) bei solchen optischen Täuschungen: Du kannst nachmessen, Lineale anlegen, egal, sobald die Hilsmittel vom Tisch sind, ist wieder alles schief und krumm.

  49. #52 jester
    10. März 2017

    @rolak
    Meine Intention, dass ich das geschrieben habe, war nicht die Kinderpsychologie zu erörtern. Die leben eh in ihrer ganz eigenen Welt voller Wunder und wunderschön es mitzuerleben, ähem Gefühlsduseligkeit aus. 😀
    Immer wieder wird hier darüber geschrieben, dass Homöopathie stumpfsinn ist und naturwissenschaftlich macht es keinen Sinn, dass es mehr als ein Globuli gibt, halt ein Placebo.
    Warum unterscheiden denn die Homöopathiefaszinierten zwischen den zig verschiedenen Arten ?
    Warum meinen meine Nichten, dass die braunen am wenigsten lecker sind. Warum meinen Leute, dass das teurere Produkt das bessere sei, obwohl es das Gleiche ist. Womöglich müssten andere Wissenschaftler sich mit Homöopathie befassen und warum tun sie das nicht ? Weil sie sich nicht bedroht fühlen ?!

  50. #53 rolak
    10. März 2017

    nicht die Kinderpsychologie

    Das Ganze ist von allem möglichen völlig unabhängig, jester, unter anderem unabhängig vom Alter.

    warum tun sie das nicht ?

    Mu

    Sie tun es andauernd.

  51. #54 jester
    10. März 2017

    #51… in meinem Sprachverständnis deutet “tatsächlich” ein Faktum an und keine subjektive Wahrnehmung und höchstens eine eigengeglaubte Wahrheit und das was du als objektiv anbietest hinkt, da es wenn dann “könnte” heissen müsste, ausser du weisst natürlich um die Wahrnehmung einer anderen Person, was ich bezweifel. Entweder du hast ewas “tatsächliches”, nach meinem Verständnis, oder eben nicht. Bei dem Geschwurbel eher nicht, aber deine Meinung fand ich trotzdem intressant.

  52. #55 jester
    10. März 2017

    @rolak
    ich hatte eher an die Sozialwissenschaften gedacht.

  53. #56 rolak
    10. März 2017

    deutet “tatsächlich” ein Faktum

    ‘Tatsächlich’ deutet nichts an, jester, sondern hat einen Bedeutungsraum, der u.a. naheliegenderweise ‘als Tatsache vorhanden’ umfaßt. Und ‘Tatsache’ bezieht sich nicht ausschließlich, wie Du gerne nachlesen kannst, auf objektiv Festlegbares, sondern auch auf Wahrnehmungen, Sinneseindrücke und Empfindungen.

    was ich bezweifel

    Das kannst Du gerne weiterhin so betreiben, wird sich allerdings objektiv nur aufrecht erhalten lassen, wenn Du ausschließlich mit Menschen zu tun hast, die aus irgendeinem Grunde ihre Wahrnehmungen, Sinneseindrücke und Empfindungen nicht kommunizieren können.

    deine Meinung

    Welche Meinung?

  54. #57 jester
    10. März 2017

    @rolak
    ” Du gerne nachlesen kannst, auf objektiv Festlegbares, sondern auch auf Wahrnehmungen, Sinneseindrücke und Empfindungen”
    Da ich kein Philosoph bin und die Schlagworte nicht auffindbar waren, halte ich mich an “nach Auffassung ein wirklicher, nachweisbarer, bestehender, wahrer oder anerkannter Sachverhalt.”

    • #58 rolak
      11. März 2017

      nicht auffindbar

      Hast Du Probleme mit Verlinkung? Draufklicken und Nachlesen.

  55. #59 jester
    10. März 2017

    die meinung weshalb meine nichten sagen, dass die braunen weniger lecker sind.

    • #60 rolak
      11. März 2017

      Das war keine Meinung, sondern eine von mehreren wahrscheinlichen Möglichkeiten.

  56. #61 jester
    10. März 2017

    “die aus irgendeinem Grunde ihre Wahrnehmungen, Sinneseindrücke und Empfindungen nicht kommunizieren können” oder mit menschen deren Eindrücke ich nicht nachvollziehen kann.

  57. #62 jester
    10. März 2017

    “die aus irgendeinem Grunde ihre Wahrnehmungen, Sinneseindrücke und Empfindungen nicht kommunizieren können” … und das sind homöopathifaszinierte. ich denke schon, dass ihre wahrnehmung real ist, allerdings kann ich mit meinem denken nicht korrespondieren

    • #63 rolak
      11. März 2017

      Nein, das ist eine völlig falsche Einordnung von Anhängern oder Verfechtern der Homöopathie, selbstverständlich können die genauso wie andere Menschen auch kommunizieren (Briefmarken sind für Gedankenaustausch eine echte Fortkommensbremse…).

      allerdings kann ich (..) nicht

      Ja, da scheint mir das Pronomen die richtige Richtung vorzugeben.

  58. #64 DasKleineTeilchen
    terra
    11. März 2017

    na, seid ihr beiden mal durch? was ist das, sport? 8)

    • #65 rolak
      11. März 2017

      Eher wohl ein Frage-Antwort-Spielchen, wenn es sich auch von meiner Seite aus wie ein Trollversuch anfühlt, mit mitternächtlicher Sonnenbrille sprechendes Teilchen. Solange es allerdings um irrationale Verhaltensweisen und Welterklärungen geht, bleibt es imho nahe genug am Thema, um fortgesetzt werden zu können; solange der Ton im Rahmen bleibt, kann zugehört werden. Trotz des Hautgouts von Torpfostenverschieben und ArgumentIgnorieren – denn bisher erlaube ich mir, auch eine überschießende MusterErkennung meinerseits als Erklärung für dieses Aroma gelten zu lassen.
      NichtKönnen und NichtWollen sind halt schwer unterscheidbar…

  59. #66 dy/dx
    11. März 2017

    Läuft ganz gut für mich.

  60. #67 DasKleineTeilchen
    terra
    11. März 2017

    @dy/dx:

    aha. why is that?

  61. #68 dy/dx
    12. März 2017

    @#5

    gegen meine Männerhaltung

    das ist wahrscheinlich etwas lax gemeint, klingt aber für manchen der Leidensdruck hat und/oder im Krankheitsfall unbedingt einen Krankenschein braucht etwas arrogant.

    Unlogik

    Dass HP nicht funktionieren kann, wird ihnen sicher jeder Physiker/Chemiker erklären, warum Hypnose funktioniert, können sie ihnen aber nicht erklären. Sie erwarten vielleicht für alles eine mechanistische Erklärung, und damit rede ich nicht für Quantenheilung sondern für Dialektik.

    Nein, auch das stimmt nicht…Das muss sich ändern..

    Sie haben eine unumstößliche Meinung. Das ist nicht schlecht per se, aber ihre (dogmatische) Intoleranz gegenüber Andersgläubigen füht nur zur einer Abwehrhaltung.
    Anstelle von

    Wer heilt hat recht

    favorisiere ich

    “primum non nocere, secundum cavere, tertium sanare”, — “erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen”

    vor allem nicht schaden

  62. #69 inga
    13. März 2017

    @dy/dx
    Den ersten Vorwurf vestehe ich nicht. Wenn ich sage, “normalerweise gehe ich nicht gerne zum Arzt und halte es lieber aus, aber dafür ging es mir dieses Mal einfach zu schlecht”, inwiefern ist das arrogant?

    Hypnose vs. Homöopathie: Wissenschaftler haben, offenbar entgegen Ihrer Meinung, gar kein Problem mit der Vorstellung, nicht jedes Phänomen erklären zu können. Sie behaupten auch nicht, dass etwas, das sie (bislang) nicht erklären können, nicht existiere. Aber damit man sich als Wissenschaftler überhaupt mit einem Phänomen befasst, sollte schon klar sein, ob das Phänomen überhaupt besteht. Und das Phänomen “Krankheit geht mit Zuckerkugeln weg” konnte eben nie belegt werden, obwohl so ein Wirksamkeitsnachweis eigentlich ziemlich simpel ist (teile Patienten zufällig in drei Gruppen, behandle die erste Gruppe homöopathisch, die zweite mit einer geeigneten Placebobehandlung, die dritte gar nicht; Schaue hinterher, welcher Gruppe es am besten geht). Und das beschreibt Kuhn oben: Zwar weiß er auch nicht, ob sein Krankheitsverlauf ohne das Antibiotikum anders verlaufen wäre, aber dadurch, dass es eine RCT durchlaufen hat, weiß er, dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch ist, dass es ihm tatsächlich geholfen hat. Was ist daran unlogisch?

    Unumstößliche Meinung: Irgendwann hat man sich mit einem Thema so weit auseinandergesetzt, dass man so ziemlich jedes Argument der Gegenseite gehört, geprüft und verworfen hat. Dann darf man sich seiner Sache auch schon mal einigermaßen sicher sein, finden Sie nicht? Sie jedenfalls haben hier bisher kein einziges Argument gebracht, warum Kuhn sich irren könnte. Nur Vorwürfe, die Sie nicht belegen. Wenn Sie so gute Argumente haben, die geeignet sind, uns Ungläubige von Ihrer Sicht zu überzeugen, warum nutzen Sie dann nicht die Gelegenheit? Kuhn hat Sie oben doch genau dazu aufgefordert? Haben Sie Angst davor, dass Ihr Kartenhaus einstürzen könnte? Es tut mir sehr leid, aber Sie machen mir nicht den Eindruck, dass Sie sich Ihrerseits überzeugen lassen möchten, dass Homöopathie Quatsch ist, wieso werfen Sie anderen dann vor, “unumstößliche Meinungen” zu haben?

    “erstens nicht schaden, zweitens vorsichtig sein, drittens heilen”
    Nö, erstens Situation verbessern. Deswegen muss man zwischen Wirkung und Nebenwirkung einer Behandlung abwägen. Situation verbessern heißt u.a.: heilen, Leben verlängern, Lebensqualität erhöhen. Chemotherapie z.B. schadet definitiv massiv, aber sie kann das Leben verlängern und manchmal sogar heilen. Schmerztherapie heilt oft nicht, aber erhöht die Lebensqualität.

  63. #70 Stephanie
    Hamburg
    13. März 2017

    @inga: Dank für diese Klarheit. Volle Zustimmung !

  64. #71 tomW
    26. Februar 2018

    Hallo Joseph!

    Ich habe mir wissentlich die Rubrik “Pharmaindustrie” heraus gesucht, um ein Thema anzusprechen, das mich schon eine Weile beschäftigt.

    Ich arbeite im größten KH der Hauptstadt. Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr, wie ich darauf kam, mich über Metamizol zu belesen. Wahrscheinlich weil ich ein neugieriger Mensch bin.

    Was ich dann erfahren habe, hat mich erschüttert. Ein Medikament, dass in so ziemlich allen halbwegs “fortschrittlichen” Ländern verboten ist und zu dem es beängstigende Studien gibt (mal abgesehen von der, von Hoechst finanzierten), wird in meiner Klinik wie Bonbons verteilt! Spreche ich die verschreibenden Ärzte, an wird abgewinkt. Ich weiß, um ehrlich zu sein, nicht einmal, ob diese sich für solche Dinge interessieren (die große Frage, ob Mediziner/Ärzte Wissenschaftler oder “Handwerker sind).

    Vielleicht kannst Du mir ja weiter helfen, nein ich würde Dich sogar bitten, mir zu erklären, warum das nirgendwo in den Medien auftaucht.

    Ansonsten liebe Grüße und möge die Influenza Dich verschonen! 😉

  65. #72 Richard
    26. Februar 2018

    # 71 (Metamizol)
    Der Stellenwert von Metamizol wurde 2017 in der Schweiz analysiert:
    https://medicalforum.ch/de/article/doi/smf.2017.03098

    Fazit: Metamizol ist analgetisch gleich stark wirksam wie die NSAR.Metamizol zeigt wenig unerwünschte Wirkungen und führt zu weniger gastrointestinalen Blutungen als NSAR. Metamizol beeinflusst die Nierenfunktion kaum, kann aber sehr selten zu einer Agranulozytose führen.Patienten müssen informiert werden, bei Symptomen einer möglichen Agranulozytose das Metamizol zu stoppen und einen Arzt für eine Blutbildkontrolle zu konsultieren.

  66. #73 tomW
    26. Februar 2018

    @ Richard

    Die Inzidenz der metamizolinduzierten Agranulozytose und ihre Relevanz für den klinischen Alltag werden seit Jahrzehnten kontrovers diskutiert.1986 gelangte eine vom deutschen Hersteller Hoechst bezahlte Studie zu einer Schätzung der Häufigkeit von 1,1 pro 1 Millionen Anwendungen pro Woche. Diese Studie wurde jedoch unmittelbar wegen schwerwiegender methodischer Fehler heftig kritisiert. Eine schwedische Studie von 2002 konnte sich die dortigen Systeme personenbezogener Arzneimittelstatistik und ärztlicher Meldepflichten zunutze machen und fand ein weitaus höheres Risiko der Agranulozytose von mindestens 1 pro 1439 Verordnungen.Eine vergleichbare Studie von 2014, die die Daten der größten deutschen gesetzlichen Krankenkasse (Techniker Krankenkasse) nutzen konnte, bestätigte die schwedischen Ergebnisse von 2002 auf einer vielfach größeren Datenbasis.

    Zitat Wikipedia

    1:1439 ? Seltene Agranulozytose? Bei einer solchen Inzidenz im Straßenverkehr würde ich zu Hause beleiben.

  67. #74 Joseph Kuhn
    26. Februar 2018

    @ tomW:

    “ich würde Dich sogar bitten, mir zu erklären, warum das nirgendwo in den Medien auftaucht.”

    Ab und zu ist es schon in den Medien, siehe z.B. vor längerem hier im STERN, oder kürzlich in der Deutschen Apotheker-Zeitung.

    Wenn ich die Problematik beim google-Screening halbwegs richtig verstanden habe, scheinen die Ärzte die enge Indikation nicht hinreichend zu beachten. Aber ich kenne mich bei dem Thema nicht aus und muss daher auf’s Internet verweisen, z.B. die Arzneimittelkommission der Ärzte oder das BfArM. Den durchaus kritischen Wikipedia-Eintrag zu Metamizol haben Sie ja selbst schon zitiert.

  68. #75 tomW
    26. Februar 2018

    Okay und danke.

    Das ist wirklich, wirklich traurig für dieses Land.
    Kann man da etwas tun? Ich verstehe es halt einfach nicht. Ich scheue ja eigentlich solche Vergleiche: aber kommt das micht fast einem vorsätzlichen “Contergan Skandal” gleich?
    Mehr, als den Ärzten den Wikipedia Artikel in die Hand zu drücken, kann ich ja nicht tun…

    Erschreckend!!!

    • #76 Joseph Kuhn
      26. Februar 2018

      @ tomW:

      “kommt das micht fast einem vorsätzlichen “Contergan Skandal” gleich?”

      Nein. Das kann man in keiner Weise vergleichen, weder von den Voraussetzungen noch von den Folgen her und auch nicht, was den Umgang mit der Problematik angeht.

  69. #77 anderer Michael
    27. Februar 2018

    TomW
    Ich bin Facharzt. Seit Jahren nicht mehr tätig, wegen Hausmanntätigkeit ( bitte bitte keine Grundsatzdebatte ” als Arzt bist du Hausmann?”, darf ich mir in der Verwandtschaft ständig anhören).
    Seit meinem Studium ist Metamizol ein ständiges Thema. Der Artikel , auf den du dich und Wikipedia sich beziehen, ist ein Leserbrief. Zwar habe ich die Zusammenfassungen der weiteren zugrunde liegenden und dort zitierten Primärliteratur gelesen , die Entgegnung und Kritik nicht gefunden. Der Widerspruch ist gewaltig. Auf der einen Seite der alltägliche empfohlene Routineeinsatz , und dann diese postulierte unerwünschte Wirkung mit drastischen Problemen. Ich verstehe es auch nicht. Metamizol wird so häufig verabreicht, es müsste in jedem Kreiskrankenhaus regelmäßig zu Agranulozytosen kommen. Das ist jedoch nicht der Fall.

    Was aber ein Problem unbestritten ist: notwendige Laborkontrollen bei Medikation werden entweder zu schematisch und zu oberflächlich durchgeführt. Das ist ein persönlicher Eindruck von mir, keine wissenschaftlich fundierte Feststellung und auch keine Anklage.

  70. #78 tomW
    27. Februar 2018

    Moinsen!

    “Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat 2009 darauf hingewiesen, dass es bei leichten oder mittelstarken Schmerzen nicht angewendet werden darf.”

    Mich wundert es einfach nur (bzw. ich finde es erschreckend), dass dieses Medikament mit einer so drastischen Nebenwirkung in meiner Klinik praktisch als Standardmedikament an so ziemlich alle Patienten ausgegeben wird. Spricht man die Ärzte darauf an, erntet man ein Schulterzucken bzw. wird man als Hysteriker behandelt.

    Klar, auch ich (@anderer Michael) frage mich, warum ich nichts von diesen schweren Nebenwirkungen im Alltag meiner Arbeit höre. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich diese Diagnose in der letzten Zeit mal irgendwo in meiner Rettungsstelle gesehen habe. Ich habe das aber darauf zurückgeführt, dass die eigene Erfahrung keine wissenschaftliche Statistik ist.

    @ anderer Michael

    Eine schwedische Studie von 2002 konnte sich die dortigen Systeme personenbezogener Arzneimittelstatistik und ärztlicher Meldepflichten zunutze machen und fand ein weitaus höheres Risiko der Agranulozytose von mindestens 1 pro 1439 Verordnungen. Eine vergleichbare Studie von 2014, die die Daten der größten deutschen gesetzlichen Krankenkasse (Techniker Krankenkasse) nutzen konnte, bestätigte die schwedischen Ergebnisse von 2002 auf einer vielfach größeren Datenbasis.

    Zitat Wiki
    Wie kommst Du darauf, dass dies auf einen Leserbrief zurück geht?

  71. #79 Joseph Kuhn
    27. Februar 2018

    Wie gesagt, ich kann bei dem Thema nicht wirklich mitreden, daher nur als Ergänzung zu den von tomW genannten Daten:

    Die Arzneimittelkommission der Ärzte hatte 2011 die Risikoberechnung der schwedischen Studie für eine Agranulozytose zwar als “deutlich zu hoch und unsicher” bewertet, “weil sie auf einer absoluten Zahl von nur acht Fällen beruht”, aber die erwähnte TK-Studie von Klose et al. 2014 kommt in der Tat zu vergleichbaren Zahlen: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0034-1374463: “Es wurden 615 476 Metamizolnutzer identifiziert und mit 664 660 Nichtexponierten gepaart, darunter war für 570 bzw. 72 Versicherte eine arzneimittelinduzierte Agranulozytose dokumentiert. Für diese Diagnosen zeigte sich in der Metamizol Gruppe ein deutlich erhöhtes Risiko: Odds-Ratio (OR) 8,56 (…), 1 Fall auf 1080 Abgaben. (…) Das ermittelte Risiko einer Agranulozytose ist vergleichbar mit dem einer schwedischen Studie (1:1439 Verordnungen).” Des Weiteren werden vergleichsweise hohe Letalitätszahlen ausgewiesen (17,5 %, OR 8,52), aber das müsste man sich vermutlich im Hinblick auf die Grundkrankheiten der Vergleichsgruppen genauer ansehen.

    Was daraus zu folgen hätte, auch in Abwägung zu den Behandlungsalternativen, kann ich nicht beurteilen.

  72. #80 tomW
    27. Februar 2018

    Joseph, Du kannst nicht mitreden?

    Du bist doch Gesundheitswissenschaftler! Wer, wenn nicht Du, kann denn da mitreden?
    Wie gesagt, spreche ich die Ärzteschaft an, werde ich als fachfremder Idiot mit einem Verfolgungswahn abgestempelt.
    Über die Dieselkrise wird – zu Recht – diskutiert, über die Risiken von Metamizol weiß so ziemlich niemand außerhalb des Gesundheitswesen etwas.
    Das erschreckt mich halt und deshalb habe ich mich an Dich gewandt.

    • #81 Joseph Kuhn
      27. Februar 2018

      @ tomW:

      “Du bist doch Gesundheitswissenschaftler! Wer, wenn nicht Du, kann denn da mitreden?”

      Fachkompetenz hätten z.B. Pharmakologen oder Schmerztherapeuten. Die Gesundheitswissenschaften sind ein weites Feld. Mein täglich Brot sind gesundheitsbezogene Massenstatistiken, nicht die Wirksamkeit oder die Nebenwirkungen von Medikamenten.

  73. #82 anderer Michael
    27. Februar 2018

    TomW
    Weil das im Wikipediaartikel so verlinkt war. Inzwischen habe ich die Entgegnung auf den Leserbrief gefunden.

    https://www.aerzteblatt.de/archiv/63085/Schmerztherapie-bei-Kindern-und-Jugendlichen-Schlusswort

    Der Autor stellt das komplett anders dar.

    Die von Herrn Kuhn verlinkte Untersuchung der TK ist erschreckend . Sehr grob überschlagen: 1 Todesfall zu 10 000 Metamizolverordnungen , im Vergleich zu 1 zu 80 000 in der Vergleichsgruppe ohne Metamizolmedikation ( Vorsicht ,das ist Schmalspurlaienstatistik von mir). Wenn in einem kleinen bis mittleren Krankenhaus 3000 Op`s vorgenommen werden und die Hälfte der Operierten erhält eine postoperative Analgesie mit Metamizol , dürfte ein Todesfall so alle 7 -8 Jahre auftreten ( auch wieder grobe Schätzung)

    Was ich nicht weiß, ob Agranulozytose von der Dosis, der Art der Verabreichung, der Dauer oder der Komedikation oder bestimmter Risikofaktoren abhängig ist .

  74. #83 Richard
    28. Februar 2018

    Metamizol: Bevor hier weiter viel spekuliert wird.
    Offenbar hat sich niemand die Mühe gemacht, den von mir verlinkten aktuellen Artikel aus der Schweiz (# 72) zu lesen. Hier wird die Studienlage zusammengefasst und kommentiert, schwedische Studie, TK etc u.a.
    Zusammenfassend heißt es: “Wenn wir die heute verfügbaren epidemiologischen Studiendaten zusammenfassen, scheint das Agranulozytoserisiko unter Metamizol sehr gering zu sein (…) Die Inzidenz einer Agranulozytose nach Metamizol kann aufgrund qualitativ guter Studien auf etwa 0,5–1,5 Fälle pro Million AT oder einen Fall pro 95 000–286 000 Anwendungen über eine Woche geschätzt werden.”

  75. #84 anderer Michael
    28. Februar 2018

    Richard
    Zu meiner Schande , nein habe ich nicht gelesen, sondern überlesen den Link. Bitte bedenke auch, für Ungeübte oder gar Fachfremde ist das Verstehen und das Herausarbeiten der Kernpunkte und das kritische Analysieren nicht so einfach.

    Der Unterschied ist erstaunlich: 1 Fall auf 95 000 – 286 000 Anwendungen zu 1 Fall auf 1080 Abgaben.

    Dein Link beantwortet dankenswerterweise größtenteils mein in Kommentar 82 erwähntes Nichtwissen.

  76. #85 Joseph Kuhn
    28. Februar 2018

    @ Richard:

    “Hier wird die Studienlage zusammengefasst und kommentiert, schwedische Studie, TK etc u.a.”

    Wo wird in der Schweizer Studie die TK-Studie von Klose et al. kommentiert?

  77. #86 Richard
    2. März 2018

    @ Joseph Kuhn
    Sie haben Recht: in der Schweizer Studie werden die TK-Daten, die im Rahmen eines Kongressbeitrages vorgestellt wurden, selbst nicht erwähnt, habe dies übersehen. Allerdings liegt mir eine Mitteilung einer der beiden Autoren (Haschke, Bern) vor: “Die gesamte Studie ist meines Wissens nicht publiziert und nicht in PubMed gelistet (deshalb auch nicht auf unserem Radar beim Verfassen des SMF Artikels). Die im abstract genannte Häufigkeit scheint im Vergleich zu allen anderen verfügbaren Daten viel zu hoch zu sein. Da keine Details publiziert sind zu dieser Arbeit, kann man auch den Einfluss von möglichen confoundern nicht abschätzen. Es ist zB nicht klar, ob potentiell Knochenmark-toxische Begleitmedikation (zB Metothrexat) in beiden Gruppen gleich häufig vorkam. Aus diesen Gründen sollten die im abstract gezeigten Resultate mit entsprechender Vorsicht/Zurückhaltung gehandhabt werden.”

  78. #87 Joseph Kuhn
    2. März 2018

    @ Richard:

    “Die gesamte Studie ist meines Wissens nicht publiziert und nicht in PubMed gelistet”

    Das scheint so zu sein, aber das oben verlinkte Kongressabstract von Klose et al. wurde 2014 publiziert, d.h. Haschke/Liechti hätten für ihre 2017 publizierte (und übrigens auch nicht bei Pubmed gelistetete) Übersichtsarbeit Zeit gehabt, bei den Autoren nachzufragen und sich die Studie geben zu lassen. Das wäre bei einer auf das Thema Agranulozytose bei Metamizol zentrierten Arbeit von Fachleuten, die sich mit dem Thema seit Jahren beschäftigen, eigentlich auch zu erwarten gewesen, zumindest hätten sie das abstract in ihrer Arbeit erwähnen müssen. Die Übersichtarbeit von Scherer et al. zu Metamizol-assoziierten unerwünschten Arzneimittelwirkungen hat das beispielsweise getan.

    Warum Haschke/Liechti das nicht getan haben, weiß ich nicht, aber da sie beide ihrem eigenen Disclosure Statement zufolge finanzielle Verbindungen zumindest zu einem Hersteller von Metamizol (Sanofi Aventis) haben, ist das kommentarlose Verschweigen der TK-Befunde irritierend, diese Irritation hätten sie besser vermieden.

    Ob sie in der Sache recht haben, kann ich nicht beurteilen und dass “die im abstract gezeigten Resultate mit entsprechender Vorsicht/Zurückhaltung gehandhabt werden” sollten, versteht sich von selbst – das ist aber keine Besonderheit der TK-Studie.

  79. #88 RICHARD
    3. März 2018

    @ Kühn
    Sie sollten eher der Frage nachgehen, warum es diese Studie nicht über einen Kongressbeitrag hinaus geschafft hat…

    • #89 Joseph Kuhn
      3. März 2018

      @ Richard:

      Lieber nicht, das überlasse ich den Fachleuten. Ihre Formulierung, dass es “diese Studie nicht über einen Kongressbeitrag hinaus geschafft hat”, klingt, als ob Sie Informationen zu Qualitätsmängeln der Studie bzw. kritischen Diskussionen dazu innerhalb der “community” haben? Der Leser “tomW”, der das Thema aufgebracht hätte, wäre sicher interessiert, mehr zu erfahren, falls das ohne Bruch von Vertraulichkeiten o.ä. möglich ist.

  80. #90 rolak
    3. März 2018

    moin Michael,

    im Wikipediaartikel so verlinkt

    Nein, dort ist die Referenz nicht als Leserbrief, sondern als Kommentar einsortiert.

    Inzwischen .. Entgegnung .. gefunden

    Eine reife Leistung, bringt doch die wiki-Referenz-initiierte Suche nach ‘Neumann Metamizol’ im Ärzteblatt die völlig unübersichtliche Liste von fünf Treffern, darunter die von Dir verlinkte Antwort und auch das Beantwortete. In letzterem wird durch das Verlinken der Studie die mit der wiki-Fußnote#25 versehene Höchst-Finanzierung eindeutig geklärt (“This study was sponsored by Hoechst AG, Frankfurt, Federal Republic of Germany” ist unmißverständlich im FullText lesbar). Und falls das für wenn auch immer zu schwierig gewesen sein sollte, wird besagte Studie in der satzbeendenden wiki-Fußnote#26 auch noch direkt verlinkt. Also ein völlig normaler Verbund von ‘da hab ich es erwähnt gefunden’ und ‘das ist das Erwähnte’.

    Was bitte soll also das ‘nur ein Leserbrief’-mimimi?

    Sie sollten eher…

    Auch nicht schlecht, verschieden sich schreibender RichARD, doch gegenüber Deinem unheilsschwangeren Raunen inklusive anderen die Arbeit anhängen wäre eine konstruktive Kritik an der Studie wesentlich zielführender.

  81. #91 rolak
    3. März 2018

    **MIST** nicht “wenn auch immer“, auch nicht wann, sondern “wen auch immer”.

  82. #92 Richard
    3. März 2018

    @ Rolak: “verschieden sich schreibender Richard”:
    hängt einfach mit verschiedenen Hard- und Software zusammen, Person bleibt aber gleich.
    Konstruktive Kritik an der Studie: Wie möglich, wenn ausser einem Abstract keine Daten zugänglich sind? Warum ist seit dem Kongressbeitrag (2014) kein Fachartikel veröffentlicht worden? Weiß ich nicht, wirft aber Fragen auf, so wie Herr Kuhn sich Fragen stellt wegen möglicher Interessenskonflikte der Schweizer Autoren.