Was es mit dem Sokal-Hoax auf sich hat, muss man hier wohl niemandem erklären. Jargon sells, könnte man die zentrale Botschaft der Einreichung eines Nonsens-Artikels über die transformative Hermeneutik der Quantengravitation durch Alan Sokal 1995 bei einer sozialwissenschaftlichen Zeitschrift nennen. Sokal ging es darum, darauf aufmerksam zu machen, dass sich häufig wissenschaftlicher Unsinn in postmoderner Sprache tarnt und als Wissenschaft durchgeht. In ihrem Buch „Eleganter Unsinn“ haben Alan Sokal und Jean Bricmont die Story aufgearbeitet und viele Beispiele für inhaltsleere Sprachfiguren bei berühmten postmodernen Philosophen zusammengestellt. Der Philosoph Paul Boghossian hat 1997 in der ZEIT den Fall als Symptom des Verfalls wissenschaftlicher Standards und intellektueller Verantwortung bezeichnet, eine Diagnose, auf die ich gleich noch einmal zurückkomme.

Sokal musste seinen Artikel noch mühevoll in Handarbeit erstellen. Inzwischen gibt es im Internet Textgeneratoren für Nonsens-Artikel und seitdem werden immer wieder kunstvolle Produkte der Sinnleere bei Tagungen und Zeitschriften eingereicht, um peer reviews zu testen.

Gerade geht wieder ein Fall durch die Medien. Der Philosoph Peter Boghossian – kein Pseudonym von Paul Boghossian – und der Mathematiker James Lindsay haben einen Artikel über den Penis als sozialem Konstrukt in der Zeitschrift „Cogent Social Sciences“ untergebracht. Die Gutachter werden im SPIEGEL mit wertschätzenden Bemerkungen, die sie zum Artikel gemacht haben, zitiert. Peinlich peinlich, und witzig.

Die Frage ist, was der aufgewärmte Sokal-Hoax bringt. Natürlich, man kann sich wieder einmal über diese blöden Sozialwissenschaften und die Gender Studies amüsieren – wenn man die Bücher „Irrwitziges aus der Wissenschaft“ oder „Fälscher, Schwindler, Scharlatane“ von Heinrich Zankl nicht kennt, sonst bleibt einem nämlich auch mit Blick auf andere Wissenschaften das Lachen im Halse stecken.

Und an der Stelle möchte ich auf Paul Boghossians Diagnose zurückkommen. Vor zwei Jahren hatte ich hier über eine gefakte Studie zur Gewichtsreduktion durch Schokolade berichtet. Sie ging weltweit durch die Medien. Mit der „Studie“ verband sich die Absicht, auf den Studienmüll in den Ernährungswissenschaften aufmerksam zu machen, also wissenschaftliche Standards und intellektuelle Verantwortung einzufordern. Selbstkritische Reflexionen bei den Ernährungswissenschaften konnte die Studie allerdings nicht auslösen, stattdessen hat sie kurioserweise dem beteiligten Arzt den Vorwurf eingebracht, berufsethische Grundsätze verletzt zu haben.

Seit Jahren gibt es Anstrengungen, in der Medizin, den Biowissenschaften oder der Psychologie den Studienmüll einzudämmen. Dabei geht es weniger um Binnenkonsens-Zeitschriften aus den Randbereichen der Komplementärmedizin, bei denen zuweilen auch die Autoren nicht wissen, dass sie Unsinn einreichen, sondern um Kernbereiche der experimentellen Forschung, vor allem in der Medizin. „Increasing value, reducing waste“ war eine Artikelserie dazu im renommierten Lancet vor einigen Jahren überschrieben und das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin hatte dem Thema die letzte Jahrestagung gewidmet. Die Notwendigkeit des Vorhabens sollte jedem einleuchten: In der Medizin kann Studienmüll lebensgefährlich werden, weil er den Blick auf die Evidenzbasis von Behandlungsverfahren verstellt.

Die Wiederherstellung wissenschaftlicher Standards und intellektueller Verantwortung in den genannten Wissenschaftsbereichen scheint mir die Herausforderung der Zeit zu sein. Für die Psychologie hat übrigens gerade der Münchner Psychologe Felix Schönbrodt im Laborjournal dazu Stellung genommen. Es geht um mehr Qualität und weniger Quantität. Noch einmal eine sozialwissenschaftliche Zeitschrift mit postmodernem Geschwurbel vorzuführen, ist zweifellos amüsant, aber sonst? Wo ist gegenüber dem Sokal-Hoax die neue Botschaft?

Kommentare (62)

  1. #1 Alisier
    25. Mai 2017

    “Mantel des Schweigens”

    • #2 Joseph Kuhn
      25. Mai 2017

      ??

  2. #3 MartinB
    25. Mai 2017

    Das problem ist ja, dass Bogghossian das Ganze erst bei einem halbwegs anerkannten Journal eingereicht hat, wo es abgelehnt wurde. Danach hat er es bei einem Bezahl-Journal untergebracht. Und jetzt wird argumentiert, dass der Hoax sowohl beweist, wie schlimm Bezahl-Journale sind, als auch, wie schlecht es um die Gender studies bestellt ist. Logischerweise kann nur eines der beiden Argumente gelten, aber wenn es um das Bestätigen eigener Vorurteile geht, ist Logik ja nicht immer im Vordergrund…

  3. #4 Robert aus Wien
    25. Mai 2017

    Logischerweise kann nur eines der beiden Argumente gelten

    Nein, warum sollte das eine Argument das andere ausschließen?

  4. #5 Joseph Kuhn
    25. Mai 2017

    @ MartinB:

    Da heute Vatertag ist und somit Anlass zu genderreflexivem Denken: Du bist zu sehr auf die typisch männliche binäre Logik festgelegt. Es geht darum, mit feministischer Dialektik Widersprüche zusammenzudenken. Der Bezahlvorgang als männliche Form des numerisch bezifferbaren Austausches entlang klarer Abgrenzungen im Unterschied zur weiblichen Form, die emotional organisiert ist und einen ohne Grenzlinien operierenden Austausch konstituiert, kennzeichnet die sozialkognitive Verbindung zwischen Bezahljournalen und gesellschaftlichen Geschlechterstrukturen. Das haben die Genderstudies zwar nie geschrieben, aber man glaubt es ihnen trotzdem gerne.

    Im Ernst: Du hast natürlich völlig recht.

  5. #6 MartinB
    25. Mai 2017

    @Robert
    Entweder ich argumentiere, dass Bezahljournale jeden Mist veröffentlichen, weil sie Bezahljournale sind – dann hat das nichts mit Gender Studies zu tun, sondern ist eine Kritik an Bezahljournalen.
    Oder ich argumentiere, dass die gender Studies generell jeden Mist veröffentlichen (was alerdings durch die erste Ablehnung des papers widerlegt ist). Dann kann ich eine Kritik an gender studies konstruieren.
    Aber ich kann nicht ein und dasselbe Fakt benutzen, um zwei unterschiedliche Hypothesen, die es beide erklären könne, gleichzeitig zu stützen.

  6. #7 MartinB
    25. Mai 2017

    Siehe auch diese Analyse hier:
    http://www.salon.com/2017/05/22/why-the-conceptual-penis-hoax-was-a-bust-it-only-reveals-the-lack-of-skepticism-among-skeptics/#.WST61hc1dso.twitter
    Money quote:

    Submitting an article on gender studies to that particular journal and then claiming that its publication proves that gender studies is idiotic is tantamount to a creationist writing a fake article about evolutionary biology, publishing it in an unknown pay-to-publish non-biology journal (whose editorial board includes no one with expertise in evolutionary biology), and then exclaiming, “See! The entire field of evolutionary biology is complete nonsense.”

  7. #9 demolog
    25. Mai 2017

    Ich habe die angebliche Hoax-Studie nicht gelesen.
    Aber falls zur Erwähnung des Penis noch der Faktor Beschneidung hinzu käme, könnte man rein statistisch ganz sicher den Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und Penissen erklären. Beides hat seit langer Zeit zugenommen, richtig?

    • #10 Joseph Kuhn
      25. Mai 2017

      … zumindest wenn man es mit dem Kehrwert des Sinngehalts Ihrer Kommentare multipliziert. Sie sind nicht zufällig der bisher unbekannte dritte Autor des Hoax-Artikels? Oder einer der Reviewer der Zeitschrift?

      • #11 demolog
        25. Mai 2017

        Warum reagieren sie denn so übergriffig? Ich habe ihnen nichts getan.

        Wollen sie leugnen, dass die Statistik “funktioniert”?

  8. #12 Marcus Anhäuser
    25. Mai 2017

    Hier auch nochmal ein Artikel, der die Sache richtig einordnet: veröffentlicht, https://netzpolitik.org/2017/fake-news-mit-fake-journals-gender-studies-hoax-als-verlagsversagen/

    Und eine Bitte: Der Text wurde nicht im SPIEGEL (Wochenmagazin), sondern auf Spiegel Online veröffentlicht. Zwei Redaktionen.

  9. #13 anderer Michael
    25. Mai 2017

    Donnerwetter!
    Jetzt ist mir einiges klarer. Nämlich warum ich manche Genderbeiträge einfach nicht verstanden habe und zwar von denen , die ich für mich als ” linksideologisch durchgeknallt ” bezeichnet habe. Das ” links ” lasse ich künftig weg, weil es eine Beleidigung für die politische Linke ist, gerade aus diesen Kreisen kommen heftige Kritiker der Postmodernen Philosophie. Und es geht nicht nur um Genderwissenschaften, die ich sehr wohl für sinnvoll halte, auch um andere Wissenschaftszweige. Im “Zeit” Artikel wird beispielhaft ein archäologisches Thema kritisch behandelt.
    Auch der Satz im Wikipediabetrag , dass die Verbreitung des postmodernen Denkens die Fähigkeit der politischen Linken zur Gesellschaftskritik einschränkt ( nach Sokol und Bricmont ), kann ich voll unterstützen. Vielleicht ist das ein Teil der Erklärung für so manche Tätigkeit im Rahmen von Gleichstellung. Dort werden Tribunale wegen mangelnder gendergerechter Sprache ( ansich schon ein wichtiges Thema) abgehalten, die wirklich relevanten Themen wie Zwangsprostitution, Loverboys oder Frauen in islamischen Kreisen einfach scheinbar ignoriert. Den Hinweis auf den Islam möge bitte niemand als Anlass sehen mit plumpen menschenfeindlichen Kommentaren einzusteigen. Ich halte, den Islam als gesellschaftlich relevante Kraft anzusehen, für einen sehr schweren Fehler und für einen Irrweg. Das gilt für mich für alle Religionen.

  10. #14 anderer Michael
    25. Mai 2017

    In Ergänzung zum Link von Marcus Anhäuser :
    Herr Schönstein, Geograffitico, hat unlängst in seinem Blogartikel”Payola” eine Arbeit in einem dieser Journale, die gegen Geld wohl ungeprüft alles veröffentlichen, einen Artikel erwähnt, der nur aus folgendem sich ständig wiederholenden Satz bestand ” Send me your f…… E-Mail list” ( oder so ähnlich). Das hat retrospektiv noch einen gewissen Charme, hingegen das Vorgehen der Herren Boghossian und Lindsay vollkommen wertlos ist, und den Verdacht nährt, plump eine andere Fachrichtung zu diskreditieren ( obwohl die Genderwissenschaften durchaus eine sehr kritische Überarbeitung ihres Anspruches und ihrer Grundlagen bedürfen, aber nicht so!)

  11. #15 Marcus Anhäuser
    25. Mai 2017

    Und hier auch nochmal eine Einordnung. ‘Gender’ ist hier nicht wirklich das Problem, so lustig das Geschwurbel auch ist:https://platofootnote.wordpress.com/2017/05/24/an-embarrassing-moment-for-the-skeptical-movement/

  12. #16 rolak
    25. Mai 2017

    →henceforth

    hach, ein schönes Wort, läßt ‘jetzt und für immerdar’ anklingen…

  13. #17 Joseph Kuhn
    25. Mai 2017

    @ Marcus Anhäuser:

    Inhaltlich bin ich weitgehend bei Platons Fußnote, aber etwas Kurioses ist mir aufgefallen:

    Version 1:

    “And the DOAJ is a “community run” agency with (it seems) no official standing–and whose express criteria for something being a peer-reviewed journal with quality control is that it “must exercise peer-review with an editor and an editorial board or editorial review…. carried out by at least two editors”. As far as I know, most vanity presses meet this very minimal standard.”

    “This journal doesn’t even hit the top 115 journals in Gender Studies. So, what happened here was that they submitted a hoax paper to an unranked journal …”

    Quelle: http://bleedingheartlibertarians.com/2017/05/conceptual-penis-hoax-just-big-cock/

    Version 2:

    “… but the DOAJ is community run, has no official standing, and to make it on its list of recommended publications a journal “must exercise peer-review with an editor and an editorial board or editorial review…. carried out by at least two editors.” Even vanity journals easily meet those criteria.”

    “The reality is that NORMA itself doesn’t make it even on the list of top 115 publications in gender studies, which makes it an unranked journal …”

    Quelle: https://platofootnote.wordpress.com/2017/05/24/an-embarrassing-moment-for-the-skeptical-movement/

    Zufall? Embarrassing moment? Oder werden auch die Kritiken schon von Textgeneratoren erzeugt? 😉

  14. #18 Hampel
    26. Mai 2017

    San Harris, Peter Boghossian, Steven Pinker, Michael Shermer etc sind Helden der “skeptics” Community, halten Vorträge – und sich für Experten- über Cognitive Bias, group thinking und rationales Denken.
    Selbstkritik liegt ihnen aber nicht so sehr.
    Es ist ja nicht so schlimm , wenn man vor lauter Begeisterung sich zu einem “gotcha” hinreissen lässt. Wenn man danach aber sämtliche Kritik ignoriert, Strohmänner abfackelt und weiterhin alle anderen einfach nur für zu dumm hält…Ist halt jegliche Glaubwürdigkeit und Reputation hinüber.
    Schade :/

    • #19 Joseph Kuhn
      26. Mai 2017

      @ Hampel:

      “Ist halt jegliche Glaubwürdigkeit und Reputation hinüber”

      Naja, da wäre ich nachsichtiger. Oder vorsichtiger. Zum einen ist es, jeder kennt es und einige Kritiker des Hoaxes haben es nochmal betont, schwieriger sich selbst gegenüber skeptisch zu sein als anderen gegenüber. Gerne zitiere ich bei dieser Gelegenheit eine Postkarte, die ich hier an der Wand hängen habe: “Glaube nicht alles, was Du denkst”, auf dem Bild ist ein Esel. Bei Leuten, die über motivated reasoning arbeiten, ist das vielleicht besonders vertrackt, weil sie möglicherweise in einer Art déformation professionnelle eine besonders “geschulte” Form des bias blind spot entwickeln.

      Zum anderen sollte man solche Einsichten immer mal wieder auf sich selbst anwenden und sich nicht genauso schnell zu einem “gotcha” hinreißen lassen.

      Mich irritiert eher, dass die kritischen Statements zum Hoax praktisch kein Wort über die bekannten und ja durchaus in prominenten Journalen diskutierten Fehlentwicklungen in den vielpublizierenden Wissenschaften an sich verlieren und sich wie getunnelt nur entlang der alten Linie Realismus versus Sozialkonstruktivismus der science wars von vor 20 Jahren bewegen, jetzt halt ein Schützengraben mit den Genderstudies besetzt.

  15. #20 Uli Schoppe
    26. Mai 2017

    @MartinB mit Verlaub wenn es ein nicht bezahl Magazin abgelehnt hat ist es nur anekdotisch und keine Wiederlegung der These das in dem Bereich wirklich fast jeder Mist veröffentlicht zu werden scheint. Aber das Kernthema ist hier denke ich auch weniger gender und @Joseph Kuhn, sollte das das kleine Traktat das du verfasst hast (war toll ☺️ll von vielen mit klar das die so einen Mist schreiben ohne zu zucken den gender studies zugerechnet wird zeigt imho zumindest das da jemand zumindest in Form und Ausdruck an den Menschen vorbei redet…

  16. #21 MartinB
    26. Mai 2017

    @UliSchoppe
    Also: Wenn ein nicht-Bezahl-Magazin das paper ablehnt, ist das nur anekdotisch aber wenn ein Bezahlmagazin es dann annimmt, belegt das die Krise der Genderforschung?
    Logics, how does it work?

  17. #22 rolak
    26. Mai 2017

    how?

    Also bitte, MartinB, das ist doch sogar zu einem Schlagerchen vertont worden: ‘Die Logik ist ein seltsames Spiel‘…

  18. #23 Joseph Kuhn
    26. Mai 2017
  19. #24 MartinB
    26. Mai 2017

    Aber wie bei CC nicht anders zu erwarten leider ein reines Bejubeln ohne jedes kritische Hinterfragen…
    Im übrigen auch fehlerhaft, weil Cornelius behauptet, dass die Gutachter vom fach gewesen seien, währned das Journal ja gerade kein Journal der Genderforschung ist.
    Aber solange es die eigenen Vorurteile bestätigt, ist das ja egal.
    Gut, dass du drüben kommentiert hast.

  20. #25 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2017/05/25/was-heisst-hier-wahrheit/
    27. Mai 2017

    Das problem ist ja, dass Bogghossian das Ganze erst bei einem halbwegs anerkannten Journal eingereicht hat, wo es abgelehnt wurde. Danach hat er es bei einem Bezahl-Journal untergebracht.

    Hier fehlt m.E. der Hinweis, dass die Empfehlung des Bezahljournals vom ablehnenden Journal selbst kam, und dass dieses im gleichen Verlag erscheint, wie das Bezahljournal, wenn ich das, was ich gelesen habe, richtig in Erinnerung habe.

    @anderer Michael

    Herr Schönstein, Geograffitico, hat unlängst in seinem Blogartikel”Payola” eine Arbeit in einem dieser Journale, die gegen Geld wohl ungeprüft alles veröffentlichen,

    Nun, gänzlich ungeprüft wurde der Artikel nicht veröffentlicht. Zu einer Behauptung wurde eine weitere Quelle angemahnt, wenn ich auch da richtig gelesen habe und eine gefakte Quelle dann beigebracht, worauf hin die Arbeit dann veröffentlicht wurde.

  21. #26 MartinB
    27. Mai 2017

    @UliSchoppe
    Da du ja anscheinend drüben bei CC auf mich antwortest (wo ich nicht kommentiere) hier noch mal der Hinweis:
    Mein Argument oben ist kein Strohmann, den ich habe nicht behauptet, die Ablehnung des papers wäre ein Beweis dafür, dass die Genderwissenschaft keine Probleme hat o.ä.. Solche Einzelfälle beweisen nichts in der einen oder anderen Richtung – aber wer behauptet, die Annahme in einem Bezahljournal wäre ein Argument, der muss ach die Ablehnung in einem anderen Journal als Argument gelten lassen.

    MaW Entweder, das ganze ist anekdotisch, dann beweist weder die Ablehnung noch die Annahme nicht besonders viel, oder das ganze ist nicht anekdotisch, dann ist die Ablehnung in einem guten Journal ein stärkeres Argument als die Annahme in einem Bezahljournal. Aber man kann nicht die Ablehnung als “anekdotisch” abtun, die Annahme dagegen als Argument akzeptieren, das ist schlicht unredlich.

    Es werden ja auch ständig irgendwelche paper in Journalen abgedruckt, in denen die Wirksamkeit von Homöopathie oder Akupunktur oder sonst etwas “belegt” wird – Skeptiker beklagen dann, dass einige Journale anscheinend keinen guten Review-Prozess haben, schließen daraus aber nicht, dass die ganze Medizin eine Pseudowissenschaft ist.

    • #27 Uli Schoppe
      27. Mai 2017

      Jo da bin ich im Blog verrutscht Martin sorry.
      Du wolltest mir aber doch erklären wo ich “… wenn ein Bezahlmagazin es dann annimmt, belegt das die Krise der Genderforschung?
      Logics, how does it work?” Das behauptet habe oder? ich habe lediglich angemerkt das man mal darüber nachdenken sollte warum solche Nummern wie Joseph eine verfasst hat sofort für voll nimmt. Vielleicht weil man sich nicht laut erMainstgenug gegen die Schreihälse wehrt? Sondern sich damit rausredet das ist ja Gender Mainstream damit haben wir nix zu tun? Das ist so als würde Joseph sich hinstellen und sagen das ist ja Pseudomedizin damit habe ich nichts zu tun. Da wäre ich auch schwer enttäuscht ☺️

  22. #28 MartinB
    27. Mai 2017

    @user unkown
    “Hier fehlt m.E. der Hinweis, dass die Empfehlung des Bezahljournals vom ablehnenden Journal selbst kam, und dass dieses im gleichen Verlag erscheint, wie das Bezahljournal, wenn ich das, was ich gelesen habe, richtig in Erinnerung habe. ”
    Das wirft dann ein schlechtes Licht auf das Journal bzw. dessen Editoren, aber kaum auf die Reviewer, von denen die Empfehlung ja vermutlich nicht kam, und ficht deshalb die Fachdisziplin als solche nicht an.

  23. #29 Alisier
    27. Mai 2017

    @ Joseph Kuhn
    Das Problem ist, schlafende, aber beißende und geiferne Hunde zu wecken. Eine seriöse Diskussion ist in dem Bereich kaum noch zu führen, auch wenn es dich, MartinB, rolak, und auch ein paar andere gibt.
    Der Aufhänger ist einfach unglücklich, und ich habe kaum Hoffnung, dass das Diskussionsverhalten besser werden wird, wenn wir nicht bald einen guten Hebel finden.
    Das hier ist wieder nur Wasser auf die Mühlen der Nichtwissenwollenden. Der Nebeneffekt, dass manche sich als Wissenschaftler selbst diskreditieren fällt der rasenden Meute nicht mal auf.

  24. #30 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2017/05/26/dorrey-lyles-im-zzjc/
    27. Mai 2017

    @MartinB:

    Ich muss einräumen mich mit solchen Journals und den wissenschaftlichen Gepflogenheiten nicht auszukennen. Was mich als Laie wundert: Wenn die Wissenschaftler solche Pay-for-publish-Journals als wertlos erachten, dann dürfte es sich doch nicht lohnen dort zu publizieren – es würde keine Reputation bringen. In der Folge müssten diese Journale dann leer sein.

    … und ficht deshalb die Fachdisziplin als solche nicht an.

    Es ficht die Fachdisziplin dann nicht an, wenn in ihr generell auf derart windige Journals verzichtet wird und Aufsätze in solchen als nicht zitierbar gelten. Ist dem so?

    Oder definiert man umgekehrt mit der no-real-scotsman-Methode die Fachdisziplin einfach als die Teilmenge derjenigen, die sich als Genderstudiestreibende verstehen abzüglich derer, die dies unter Verwendung solcher Journals tun?

    Eine Darstellung der Geschichte aus der Feder der Faker selbst findet sich übrigens hier .

    • #31 Joseph Kuhn
      27. Mai 2017

      @ user unknown:

      “dann dürfte es sich doch nicht lohnen dort zu publizieren”

      Ja. Die gängige Erklärung ist, dass es – soweit nicht Cranks – junge unerfahrene Leute seien, die unter dem Druck publish or perish da reingeraten. Aber ob das je einer untersucht hat? Interessant wäre es schon, mal ein paar Jahrgänge eines solchen Journals zu durchforsten, wer da publiziert. Vielleicht gibt es das aber auch schon als medienwissenschaftliche Bachelor- oder Masterarbeiten.

      “Ist dem so?”

      Auch eine gute Frage. Im konreten Fall ist es kein spezifisch genderwissenschaftliches Blatt, sondern ein “multidisziplinäres”, also Friseurauslage. Und was das Zitieren angeht: Da werden die guten Sitten auch in anderen Fächern nicht immer eingehalten. Ein Artikel, bei dem ich Coautor war, wurde jahrelang mit falscher Schreibweise des Hauptautors zitiert, und es gibt immmer wieder Referenzen auf ein Buch von mir, das unter diesem Titel nie erschienen ist, es war ein vorläufiger Verlagstitel. Zitieren von Veröffentlichungen, die man nicht gelesen hat, ist in gewisser Weise das Pendant dazu, Sachen verständig und gründlich zu lesen und wiederzugeben, aber die Quelle nicht zu nennen, also dem Plagiat.

  25. #32 MartinB
    27. Mai 2017

    @User Unknown
    Du musst einfach unterscheiden zwischen den (eventuell auch kommerziell interessierten) Editoren von Zeitschriften und den Reviewern. Oft sind Editoren zwar auch Wissenschaftler, aber nicht immer, soweit ich weiß.
    Und jetzt die Tatsache, dass ein Herausgeber einer relativ unbedeutenden Zeitschrift einem Autor eines abgelehnten Artikels ein Bezahljournal empfiehlt, zum Problem einer ganzen Wissenschaftsdisziplin zu erklären, ist dann noch absurder als der Rest der Debatte hier.
    Bei Respectful Insolence wurde übrigens gerade über ein paper berichtet, das zeigen soll, dass Autismus bei geimpften Kindern häufiger ist. Auch in nem bezahl-Journal. Komisch dass die ganzen Skeptiker da jetzt kein Problem des Medizinbetriebs sehen…

    • #33 Joseph Kuhn
      27. Mai 2017

      @ MartinB:

      “Komisch dass die ganzen Skeptiker da jetzt kein Problem des Medizinbetriebs sehen…”

      Das kannst Du doch nicht vergleichen. In der Medizin stehen bei zu viel Wissenschaftsmüll bestenfalls Menschenleben auf dem Spiel, bei den Genderstudies geht es dagegen um Männer und Frauen, also ums Ganze!

  26. #34 Joseph Kuhn
    27. Mai 2017

    Eigentlich will ich ja gar nicht so viel auf der Gender-Sache rumreiten, aber das muss ich jetzt doch loswerden: Es gibt ein Werk von Lacan namens “Der imaginäre und der symbolische Phallus”.

    Daran anschließend könnte man zwei Fragen stellen:

    1. Gäbe es zum Thema des Hoax-Artikels von Boghossian/Lindsay am Ende sogar etwas Vernünftiges zu sagen, jedenfalls Vernünftigeres, als die Autoren dachten?*
    2. Warum zitieren sie das Werk von Lacan nicht?** Den Spaß hätte ich mir nicht entgehen lassen.

    * Ich weiß es nicht, weil ich Lacan nicht gelesen habe. ** Boghessian/Lindsay vermutlich auch nicht.

  27. #35 tomtoo
    28. Mai 2017

    @Joseph
    Im Prinzip ist es doch ganz einfach.

    “”Der symbolische Phallus ist ein feh­lender Signifikant für ein Fehlen.””

  28. #36 Joseph Kuhn
    28. Mai 2017
  29. #37 demolog
    28. Mai 2017

    Alisier
    25. Mai 2017

    “Mantel des Schweigens”

    #2 Joseph Kuhn
    25. Mai 2017

    ??

    -> Wegen mir hat Alisier das geschrieben. Ich soll dazu angehalten werden, zum Thema zu schweigen.Denn freilich gäbe es was zu sagen, was hier niemand sagt.

  30. #38 tomtoo
    28. Mai 2017

    @demolog

    Na dann schieß mal los.

    • #39 Uli Schoppe
      28. Mai 2017

      Wieso? Man hat ihn gebeten das zu lassen

    • #40 demolog
      28. Mai 2017

      Sensorischer Humunkulus, you know?

  31. #41 Alisier
    28. Mai 2017

    Übrigens auch interessant, dass manche immer denken, sie seien irgendwie gemeint, auch wenn niemand an sie gedacht hat.
    Ein Grund für die enorme Aufregung bei Gender und Ähnlichem. Zu viele fühlen sich gemeint und zudem ganz persönlich angegriffen und betroffen.
    Das könnte mal genauer untersucht werden.

    • #42 Uli Schoppe
      28. Mai 2017

      Es wird für die breite Masse genau so viel Effekt hinterlassen wie die Genderforschung. Keinen.

    • #43 MarcoBallhaus
      29. Mai 2017

      Ja, das müsste mal erforscht werden. Ist ja fast so, als ob diese Vielen, die sich da immer angesprochen fühlen, nur eine und die selbe Person wären!

  32. #44 Alisier
    29. Mai 2017

    Ja, die ganzen Glaskugelspezialisten…..sie wissen immer schon alles, und auch und vor allem, dass andere nichts wissen und auch nichts wissen können, weil sie ja nicht sie selber sind.
    “Ich will aber nicht, aufstampf” ist als Argument gegenüber Forschung die ihnen auf den Zeiger geht zudem nicht sehr überzeugend.

  33. #45 roel
    29. Mai 2017

    @Joseph Kuhn danke für die zusätzlichen Links in #36. Ich denke es ist sehr beachtlich wie die beiden Autoren Peter Boghossian, Ed.D. (aka Peter Boyle, Ed.D.)
    und James Lindsay, Ph.D. (aka, Jamie Lindsay, Ph.D.) damit umgehen, ob,dass,wie für die Veröffentlichung ihrer Arbeit gezahlt wurde.

    Aus deinem 2. Link in #36: “We didn’t pay a penny.”

    Aus: http://www.skeptic.com/reading_room/conceptual-penis-social-contruct-sokal-style-hoax-on-gender-studies/

    “For a minimal payment of $625, Cogent Social Sciences was ready to publish, “The Conceptual Penis as a Social Construct.”2

    Notes:
    “2. Portland State University has a fund dedicated to paying fees for open access journals, and this particular journal qualified for disbursement. For ethical reasons, however, we did not apply for funding, which in this case was virtually guaranteed. Instead, the article was externally funded by an independent party. We never received an invoice from the journal. We did not pay to have this published.”

    Ist eigentlich bekannt welche “independent party” die $625 gezahlt hat?

    • #46 Joseph Kuhn
      29. Mai 2017

      @ roel:

      “Ist eigentlich bekannt …”

      Mir zumindest nicht. Die Formulierung wirkt in der Tat seltsam schwiemelig. Wobei das aus meiner Sicht letztlich irrelevante Nebenkriegsschauplätze sind. Wichtig wäre, siehe oben, dass man verstärkt dem Wissenschaftsmüll im “normalen Geschäft” entgegenwirkt.

  34. #47 roel
    29. Mai 2017

    @Joseph Kuhn “Wichtig wäre, siehe oben, dass man verstärkt dem Wissenschaftsmüll im “normalen Geschäft” entgegenwirkt.” Ja klar.

    Die beiden Autoren versuchen einen Wissenschaftszweig als (zumindest) anfällig für Schwindel darzustellen. Aber das geht mit jeder Wissenschaft.

    Ich denke Boghossian und Lindsay haben nicht wirklich (obwohl sie das vorgeben) die Gender studies entlarvt, sondern den Interessenkonflikt eines Pay-to-publish-Journals ausgenutzt. Das geht aber nur wenn auch bezahlt wird oder das Journal von einer Zahlung ausgeht. Um diesen Eindruck zu vermeiden, heißt es erstmal “We didn’t pay a penny”. Das signalisiert: Es wurde nichts gezahlt. An anderer Stelle heißt es aber: “Der Artikel wurde extern von einer unabhängigen Partei finanziert”. Hier scheint extern und unabhängig wichtig zu sein. Wie extern und unabhängig die/der edle SpenderIn ist, finde ich äußerst interessant. Ich denke nicht viele geben 625$ für einen Artikel aus, den sie nicht kennen und dessen Absicht ihnen unbekannt ist. Das ist zwar nur ein Verdacht, aber ich denke so extern und unabhängig ist diese Geldquelle nicht.

  35. #48 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2017/05/26/dorrey-lyles-im-zzjc/
    29. Mai 2017

    @MartinB

    Auch in nem bezahl-Journal. Komisch dass die ganzen Skeptiker da jetzt kein Problem des Medizinbetriebs sehen…

    Ist das nicht die oft kritisierte Unsitte des Othering? Man lenkt von einem Problem ab und fordert auf, erst das eine, andere Problem zu lösen oder die vielen anderen?

    Wie dem auch sei.

    In der Tat ist mir in der Skeptikerszene aufgefallen, dass die realen Probleme der Medizin ein wenig verschwiegen werden; dass man, um mit dem Brustton der Überzeugung gegen Impfgegner und Homöopathen zu polemisieren die klassische Wissenschaft gerne idealisiert und als Hort realisierter, wissenschaftlicher Werte präsentiert – nicht immer und durchgehend von allen, aber um zu verhindern, dass die Auseinandersetzung zerfasert in Diskussionen über korrupte Forscher, geldgierige Ärzte, Anreizsysteme in der Gesundheitsversorgung, menschliches Versagen und den Rattenschwanz anderer Probleme, die da noch dranhängen – in dieser Gemengelage wird die evidenzbasierte Medizin gerne etwas unkritisch behandelt.

    Dass diese Kritik aber an alle Skeptiker zu richten ist würde ich auch wieder bestreiten.

    Und jetzt die Tatsache, dass ein Herausgeber einer relativ unbedeutenden Zeitschrift einem Autor eines abgelehnten Artikels ein Bezahljournal empfiehlt, zum Problem einer ganzen Wissenschaftsdisziplin zu erklären,

    Hat das wer gemacht?

    Der Kritik würde ich mich insofern anschließen, als dass der Vorfall sehr wenig über wissenschaftliche Standards bei Gender-Studies besagt. Hätte man den Artikel unkommentiert im Journal reifen lassen, und er wäre soundso oft in anderen Aufsätzen zitiert worden, dann hätte man ein Argument gehabt. Stattdessen hat man den Ballon gleich platzen lassen.

    Man hat nicht gerade “Lore ipsum” eingereicht, sondern ein wenig Jargon. Die Reaktion ist sich weitgehend einig, dass es ein Problem des gesamten Wissenschaftsbetriebs ist, dass es diese Bezahljournals gibt, dass diese benutzt werden, dass der Wissenschaftsbetrieb keine Mechanismen entwickelt hat gegen Schlamperei, Fälschung, Gefälligkeiten und Korruption vorzugehen um den eigenen Laden sauber zu halten.

    Wer ein Paper liest muss also selbst recherchieren, ob das Journal, aus dem er es hat, was taugt oder ob da nur der Ausschuss publiziert; ob das Journal quasi schon dafür bürgt, dass das, was drinsteht, Schrott ist, weil jeder ernsthafte Wissenschaftler sich bemüht hätte seine Arbeit bei einem seriösen Journal unterzubringen.

    Umgekehrt kann man aber auch sagen: Nur weil es kein Problem ist, dass spezifisch für Genderstudies wäre, heißt es nicht, dass es kein Problem, auch für Genderstudies ist.

  36. #49 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/2017/05/23/klagemauer/
    29. Mai 2017

    @Joseph Kuhn:

    Im konreten Fall ist es kein spezifisch genderwissenschaftliches Blatt, sondern ein “multidisziplinäres”, also Friseurauslage.

    Behaupten nicht die meisten genderwissenschaftlichen Ansätze multidisziplinär zu sein? Das klingt hier so, als seien das eigentlich 2 disjunkte Mengen. Sicher, es gibt auch multidisziplinäre Arbeiten, die sich nicht als Genderwissenschaft verstehen, aber wenn die Zahl der Arbeiten in den jeweiligen Gebieten so klein ist, dass man nicht für jede Kobination ein eigenes Journal rausbringen kann, und zudem die Disziplinen, die gemeinsam abgehandelt werden, sich meist wiederholen (Soziologie, Philosophie, Psychologie + …) ist ein solches Journal für sich noch keine Beleg.

    “Friseurauslage” klingt ein wenig, als könntest Du Dich manch genderwissenschaftskritischer Aussage hier problemlos anschließen.

    @roel:
    Die Hinweise zur Bezahlung haben mich auch stutzig gemacht.
    Eine Erklärung wäre, dass ihnen vorab die Übernahme der Kosten von dieser ungenannten Quelle zugesichert wurde, dass dann das Paper publiziert wurde, kurz darauf die Bombe platzte und der Verlag dann lieber darauf verzichtet hat, eine Rechnung zu stellen. So kann er widersprechen, gegen Geld alles zu veröffentlichen – es ist ja kein Geld geflossen. Und er kann sagen: “Doch, doch, eigentlich haben wir Mindeststandards beim Review. Diesmal kam es zu einem außergewöhnlichen Versagen und wegen der fehlenden Leistung (Review) nehmen wir dann gar kein Geld, auch wenn es gedruckt wurde, bzw. in ein digitales Sammelwerk aufgenommen wurde.”

    Ich denke sie werden es ja inzwischen auch aus dem Werk entfernt haben, so dass ein Bestehen auf der ganzen Forderung schlecht möglich wäre.

    IANAL, aber eine Teilforderung und Schadensersatz könnten der Verlag sicher geltend machen. Die Publicity eines Prozesses käme ihnen aber wohl ungelegen.

    • #50 Joseph Kuhn
      29. Mai 2017

      @ user unknown:

      “Behaupten nicht die meisten genderwissenschaftlichen Ansätze multidisziplinär zu sein?”

      Es mag sein, dass sich die Fachvertreter/innen der genderwissenschaftlichen Ansätze eher multidisziplinär verstehen, manche eher medizinisch, manche eher arbeitswissenschaftlich, manche literaturwissenschaftlich, manche soziologisch usw., wäre ja nicht unvernünftig, aber dazu kenne ich mich in dem Feld zu wenig aus. Ich sprach lediglich davon, dass sich die Zeitschrift als “multidisziplinär” versteht, d.h. sie hat kein fachwissenschaftliches Profil und würde sich schon von daher schwer tun, ein kompetentes Team an Reviewern für alle Bereiche vorzuhalten.

      “Nur weil es kein Problem ist, dass spezifisch für Genderstudies wäre, heißt es nicht, dass es kein Problem, auch für Genderstudies ist.”

      Ein tolles Argument. Das merke ich mir für künftige Rundumschläge gegen jedes beliebige Thema, wenn mir konkret nichts einfällt, was ich an Kritik vorbingen könnte.

  37. #51 MartinB
    29. Mai 2017

    @UserUnknown
    “Ist das nicht die oft kritisierte Unsitte des Othering? ”
    Nein, das ist der Hinweis darauf, dass die selbsternannten “Skeptiker” es einem Impfgegner oder Kreationiste auch nicht als Argument durchgehen lassen würden, wenn der auf einen Artikel in einem Bezahljournal als schlagende Evidenz verweist. Man nennt das nicht “Othering” sondern “Konsistenz”.

  38. #52 tomtoo
    29. Mai 2017

    Könnte mir evtl. mal jemand die Logik in diesem Satz erklären ?

    “”Umgekehrt kann man aber auch sagen: Nur weil es kein Problem ist, dass spezifisch für Genderstudies wäre, heißt es nicht, dass es kein Problem, auch für Genderstudies ist”””

    Ich bin überfordert.

    • #53 Joseph Kuhn
      29. Mai 2017

      @ tomtoo:

      Ganz einfach: Wenn logisches Denken kein Problem spezifisch für user unknown darstellt, heißt das nicht, dass es nicht ein Problem auch für ihn ist.

      Der Satz von user unknown ist logisch allerdings völlig korrekt, nur in der Aussage absoluter Nonsens.

  39. #54 MartinB
    29. Mai 2017

    @Tomtoo
    Die Logik ist etwa so:
    “Du hast ein schreckliches problem, du wirst sterben.”
    “Was? Warum das?”
    “Weil alle Menschen irgendwann sterben.”
    “Aber dann habe doch nicht ich spezifisch ein Problem.”
    “Habe ich auch nie behauptet.”

  40. #55 anderer Michael
    29. Mai 2017

    Ich sehe es viel einfacher. Ich schreibe irgendwas zusammen, zahle 500 Euro für die Veröffentlichung und sage ich: ” Seht mal was für ein Problem diese Wissenschaft nur hat”. Das sagt überhaupt nichts aus. Ein kleiner Scherz mehr nicht.
    Und selbst wenn der Artikel in einem seriösen Journal veröffentlicht worden wäre, sagt das zunächst nur , dass die Verantwortlichen dafür inkompetent oder bequem gewesen wären. Das Argument von User unknown finde ich gut, wäre der Artikel später immer wieder zitiert worden, dann sähe die Angelegenheit anders aus.

    Unabhängig davon, Gender ist in manchen Bereichen so ideologisiert und intolerant. Es ist schade, ich hoffe , dass sich dieser Wissenschaftszweig mit seinen interessanten Ansätzen und Überlegungen nicht selber demontiert.

    • #56 user unknown
      https://demystifikation.wordpress.com/2016/11/02/halloween-kehraus/
      30. Mai 2017

      @anderer Michael:
      Eher fällt der Turm von Babel um. 😉

  41. #57 Laie
    30. Mai 2017

    @anderer Michel
    Die Fehlerquote der Artikel in den Naturwissenschaften beträgt 70% laut neuem Artikel von Jürgen Schönstein.
    Nun darf man würfeln, wie hoch die Wahrscheinlichkeit bei den “Geistes”-Wissenschaften ist, Mist vorzufinden 😀

    Also, bei den Naturwissenschaften habn wir 30% nicht Mist, daher bin ich schon gespannt, wie viel sich von den “echten” Beiträgen der “gender studies” handfest repoduzieren lassen. Wer bietet mehr als 0%? :)

  42. #58 tomtoo
    30. Mai 2017

    @MartinB

    Danke ! Die Erklärung ist sehr verständlich.

  43. […] Wie zum Beispiel beim Thema des “konzeptionellen Penis” der sowohl bei Joseph Kuhns Gesundheits-Check als auch bei Cornelius Courts in BlooD’N’Acid lange Kommentarstränge produziert. […]

  44. #60 Joseph Kuhn
    30. Mai 2017

    @ Laie:

    “Wer bietet mehr als 0%?”

    Ich. Das fällt schon über die Methode cherry picking nicht schwer.

    … von den “echten” Beiträgen der “gender studies”

    Ach so, ich vermute, alles was in den Geschlechterwissenschaften/Genderstudies gute Wissenschaft ist, fällt dann “unechte Beiträge”, falsche Schottinnen sozusagen (“so was meine ich ja nicht”).

  45. #61 Laie
    3. Juni 2017

    @Joseph Kuhn
    Unechte Beiträge sind jene, bei denen man während des Lesens mit einem Lachkrampf am Boden liegend nach Luft ringen muss! :)

  46. […] reloaded, nett, aber sonst? Gesundheits-Check am 25. Mai […]