Im Schatten der approbierten Ärzte und Psychotherapeuten gibt es in Deutschland noch einen Beruf, der ganz offiziell die Heilkunde ausüben, also Krankheiten behandeln darf: die Heilpraktiker. Grundlage ihres Tuns sind das Heilpraktikergesetz und die daran anschließenden Rechtsvorschriften. Vorgaben zur Ausbildung gehören nicht dazu. Heilpraktiker kann im Grunde jeder werden. Voraussetzungen sind lediglich ein Mindestalter von 25 Jahren, der Hauptschulabschluss, die gesundheitliche, geistige und sittliche Eignung sowie ein amtliches Führungszeugnis ohne Vorstrafeneintrag, das nicht älter als 3 Monate ist. Damit kann man zur amtlichen Heilpraktikerprüfung beim Gesundheitsamt antreten. Die Prüfung soll sicherstellen, dass der angehende Heilpraktiker keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellt. Die Prüfung ist zwar nicht ganz so einfach, wie Kritiker manchmal vermuten, aber der Stoff lässt sich lernen und nach der Prüfung sieht man das Gesundheitsamt nie wieder. Das hat gar keine Ressourcen, um der altehrwürdigen Aufgabe der Medizinalaufsicht bei Heilpraktikern wirksam nachzugehen. Und auf die eigenen Patienten ist Verlass, die sterben eher an einer alternativen Krebstherapie, als beim Gesundheitsamt nachzufragen, was der Heilpraktiker mit ihnen macht.

Natürlich gibt es viele Heilpraktiker, die ihren Patienten helfen und keine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung darstellen. Das wird insbesondere für Heilpraktiker mit sektoralen Erlaubnissen gelten, das sind meist Heilpraktiker, die eine Ausbildung z.B. als Psychologen, Podologen oder Physiotherapeuten haben und über die Heilpraktikerprüfung eine auf ihr Gebiet eingeschränkte Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde erwerben. Sie können dann ohne ärztliche Überweisung bzw. ohne für einen Arzt zu arbeiten, tätig werden. Für Psychotherapeuten ist das eigentlich seit dem Psychotherapeutengesetz nicht mehr nötig, aber das ist eine der unwichtigeren Formen des Wildwuchses im Heilpraktikerwesen.

Gravierender ist, dass man nicht weiß, was Heilpraktiker tun. Wir wissen nicht einmal sicher, wie viele es in Deutschland gibt. Im Mikrozensus, einer repräsentativen amtlichen Statistik auf Befragungsbasis werden sie unter der Bezeichnung „Berufe in der Heilkunde und Homöopathie“ erfasst. 47.000 soll es demnach im Jahr 2015 gegeben haben, stark zunehmend. Aber ob die Zahl stimmt und wie viele im Mikrozensus, weil sie „nur nebenbei ein paar Sachen“ machen, nicht mitgezählt werden, weiß man nicht. Ausgehend von den Daten der Gesundheitsämter ergäben sich jedenfalls deutlich höhere Zahlen.

Und wie gesagt, wir wissen nicht, was sie tun. Aufsehen hat vor ein paar Monaten der Fall eines Heilpraktikers in Brüggen erregt, weil er Krebspatienten mit einem nicht zugelassenen Mittel behandelt hat und einige daran gestorben sind. Für kurze Zeit war die Politik aufgeschreckt und es gab forsche Ankündigungen, im Heilpraktikerrecht nachzubessern, aber nach dem ersten Schreck ist es wieder ruhig darum geworden. Die Lobby ist stark und die Politik weiß, dass große Teile der Bevölkerung alternativmedizinische Angebote nachfragen. Wozu sich also ohne Not in Konflikte begeben, gar im Wahljahr. Politische Kalküle sind keine Übungen in wissenschaftlicher Integrität.

Und so machen neben den Heilpraktikern, die ihren Patienten wirklich Gutes tun, auch die weiter, die Schlangenöl verkaufen und ihren Patienten schaden, die Krebs homöopathisch, durch Handauflegen oder mit Ozon behandeln, unter den Augen der Behörden und mit freundlicher Unterstützung „aufgeschlossener“ Krankenkassen. Ihre Verbände schützen sie, indem sie von „einzelnen schwarzen Schafen“ sprechen, die es bei den Ärzten doch auch gebe, ohne dass man gleich die Ärzte abschaffen wolle. Dass es auch bei den Ärzten schwarze Schafe gibt, stimmt natürlich, aber die ärztliche Versorgung ist um Klassen transparenter. Hier hat die Versorgungsforschung bei der Durchleuchtung dessen, was Ärzte tun, was sie verordnen, wie leitliniengerecht sie arbeiten, wie sie kooperieren und was sie gut oder weniger gut machen, schon ein erhebliches Stück Weg hinter sich.

Zur Arbeit der Heilpraktiker gibt es keine Versorgungsforschung. Im Abseits des Wegschauens gedeiht dort dann eben so manches, was manchmal, siehe Brüggen, wie eine Eiterbeule aufbricht. Es wäre an der Zeit, dass sich die Versorgungsforschung um die Welt der Heilpraktiker kümmert, damit wir wissen, was sie tun und was dann der Gesetzgeber zu tun hätte. Von mir aus kann man aus Gleichbehandlungsgründen gern auch schauen, wie viele Hausärzte gar kein hausärztliches Tätigkeitsprofil haben, sondern esoterischem Firlefanz frönen und in manchen Gegenden den Versorgungsgrad für die Bedarfsplanung noch bedeutungsärmer machen, als er es ohnehin schon ist. Versorgungsforschung – an die Arbeit!

Kommentare (37)

  1. #1 Maria Katz
    16. Juli 2017

    Weitgehend d’accord mit dem Artikel – bis auf Eines: Trotz langer Recherche ist es mir noch nicht gelungen, einen Heilpraktiker zu finden (aus Interesse, nicht für mich), der ausschließlich evidenzbasierte Methoden anbietet. Auch bei Physiotherapie-HP ist grundsätzlich mindestens Osteopathie dabei, und die Psychologen, die sich direkt nach dem Studium als HP selbständig machen, weil sie die dreijährige Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten vermeiden wollen, haben keinerlei Therapieausbildung und -erfahrung.
    Die Mär vom seriösen, verantwortungsvollen und gut ausgebildeten HP wird gerne kolportiert, ist aber leider eine. Solange sich an den Gesetzen nichts ändert – und zwar massiv -, wird das so bleiben.

    • #2 Joseph Kuhn
      16. Juli 2017

      @ Maria Katz:

      Mir wird beim HP Psychotherapie immer wieder gesagt, das würden z.B. auch Leute mit einer Familientherapie- oder Gesprächstherapieausbildung machen, weil das eh keine Richtlinienverfahren seien (also auch wenn approbiert, nicht über die Kasse abzurechnen) und manche sich in dem Fall auch gleich die Approbation sparen.

      Ich würde die Forderung, Heilpraktiker sollten “ausschließlich evidenzbasierte Methoden” anwenden, nicht benutzen. Die Standardantwort ist, dass doch auch bei den Ärzten vieles nicht evidenzbasiert sei, was stimmt. Mir würde erstmal schon reichen, wenn man besser als heute sicherstellen könnte, dass Heilpraktiker im Regelfall, bis auf die unvermeidbar echten schwarzen Schafe, nichts tun, was nachgewiesenermaßen oder nach aller Vernunft schadet und dass sie auch bei den Dingen, die womöglich sogar evidenzbasiert sind, nichts tun dürfen, was sie nicht können. Bei der oben verlinkten “Umwelttagung” des Vereins VHUE e.V. trat z.B. eine Heilpraktikerin namens Sabine Linek auf, über die im Internet zahlreiche Filme kursieren, in denen sie echt harte Sachen verbreitet. z.B. Krebsbehandlungen durch Ozon, auf Youtube auch oft sehr sympathisch mit dem Esoterikpfarrer Fliege zusammen präsentiert. Das geht nicht.

      Aber bevor ich mir darüber den Kopf zerbreche, wüsste ich eben gerne jenseits der anekdotischen Evidenz von Internetfilmen, individuellen Recherchen oder Zeitungsberichten halbwegs verlässlich, was die Heilpraktiker insgesamt tun und in welchem Umfang sie richtiggehend ungute Sachen machen.

  2. #3 gimpl
    16. Juli 2017

    Das hat gar keine Ressourcen, um der altehrwürdigen Aufgabe der Medizinalaufsicht bei Heilpraktikern wirksam nachzugehen. Und auf die eigenen Patienten ist Verlass, die sterben eher an einer alternativen Krebstherapie, als beim Gesundheitsamt nachzufragen, was der Heilpraktiker mit ihnen macht.

    Da bin ich zu 100% dabei, Heilpraktiker und zugelassene Ärzte sollten sich einer regelmäßigen Kontrolluntersuchung unterziehen.

  3. #4 Peter Köhler
    16. Juli 2017

    Zu der letzten Frage gibt es eine interessante Studie aus Heidelberg (erst örtliches Fokusgruppeninterview, dann bundesweite Stichprobenbefragung). 60% der Hausärzte setzen CAM ein, vor allem Neuraltherapie (“Quaddeln”), Heilpflanzenpräparate wie Echinacea, und Akupunktur. Vor externer Qualitätskontrolle haben sie Angst. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3140199/
    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2442431/

    • #5 Joseph Kuhn
      16. Juli 2017

      @ Peter Köhler:

      Da gibt es einige Studien, das fällt unter die Rubrik der besseren Transparenz, was ärztliche Behandlungen angeht, im Blogbeitrag etwas weiter oben angesprochen. Mein Hinweis im letzten Satz war etwas spezifischer gemeint. Es gibt Hausärzte, in manchen Gegenden gehäuft, die vor allem “Szene-Therapien” anbieten. In der Bedarfsplanung zählen sie ganz normal mit. Angeblich seien die Kassen dagegen, dass die KVen einen Standard für hausärztliche Behandlungsprofile vorgeben, weil sie dann solche Praxen, mit denen u.a. auch die berühmten guten Risiken gebunden werden, anders finanzieren müssten. Ich stecke da nicht so tief drin, um wirklich mitreden zu können, aber interessieren würden mich regionale Unterschiede der hausärztlichen Behandlungsprofile unter diesem speziellen Gesichtspunkt schon. KV-intern sind sie vermutlich bekannt.

  4. #6 Tim
    16. Juli 2017

    Im Abseits des Wegschauens gedeiht dort dann eben so manche

    So ist das nun mal in offenen Gesellschaften. Das Problem sind nicht merkwürdige Bräuche oder Menschen, die Unsinniges tun, sondern die Feinde der offenen Gesellschaft.

  5. #7 Dr. Webbaer
    16. Juli 2017

    @ Herr Dr. Kuhn :

    Womöglich würde die Versorgungsforschung bei solchen typischen Fragestellungen :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Versorgungsforschung#Typische_Fragestellungen
    … bei den sogenannten Heilpraktikern kneifen, euphemistisch werden oder anderweitig Humor zeigen müssen.

    Was halten Sie von so etwas :
    -> https://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40080317

    MFG
    Dr. Webbaer (der hier ein wenig gespalten ist, meinungsmäßig, der einerseits nicht einmal sei Kfz zum “Kfz-Heilpraktiker” bringen würde, seinen Körper zum “Heilpraktiker” also erst recht nicht, andererseits auch die Freiheit der Einzelnen zu berücksichtigen hat, aus liberaler Sicht soll ja möglichst wenig verboten werden)

    • #8 Joseph Kuhn
      16. Juli 2017

      @ Webbär:

      Den Verweis auf das (nicht mehr aktuelle) österreichische Arztrecht verstehe ich nicht. Meinen Sie, ob eine Beschränkung der Heilkunde auf Ärzte in Deutschland sinnvoll wäre? Eine schwierige Frage, weil man dann erst einmal gut definieren müsste, was Heilkunde ist. Und ob man die approbierten nichtärztlichen Psychotherapeuten dann auch formell als Ärzte bezeichnen müsste. Und warum es keine selbständige Ausübung der Heilkunde durch Nichtärzte in bestimmten, definierten Bereichen geben sollte, und …

      @ Tim:

      Sie meinen, freie Bahn für freie Quacksalber, und koste es die Patienten nicht nur Geld, sondern auch das Leben? Ich glaube, das mit der “offenen Gesellschaft”, ein Begriff, der in der Tradition des Denkens Karl Poppers steht, haben Sie irgendwie falsch verstanden. Da geht es nicht um Freibriefe für Irrsinn aller Art und dass man den gesundheitlichen Verbraucherschutz und die Patientensicherheit mit Füßen tritt.

  6. #9 Joseph Kuhn
    16. Juli 2017

    Nachtrag:

    Die Datenbank Versorgungsforschung liefert gerade einmal zwei Einträge zum Suchbegriff Heilpraktiker: http://www.versorgungsforschung-deutschland.de/suchergebnisse.php?suche=Heilpraktiker

    Beides kleine Stichproben, um Aufschluss über die Behandlungsverfahren scheint es nicht direkt gegangen zu sein, soweit aus den Projektbeschreibungen ersichtlich.

  7. #10 rolak
    16. Juli 2017

    gerade einmal zwei

    Ja, Joseph, einmal zwei ist zwei und damit gerade. Was wolltch denn eijentlich? Ahja: und beide ergebnis- und veröffentlichungslos, obgleich bereits 2013 beendet.
    Muster oder Standard dort?

  8. #11 Tim
    17. Juli 2017

    @ Joseph Kuhn

    Sie meinen, freie Bahn für freie Quacksalber, und koste es die Patienten nicht nur Geld, sondern auch das Leben?

    Natürlich. Wenn der betreffende Patient es ausdrücklich will, warum denn nicht? Wir haben zwar seit langer Zeit einen Trend der zunehmenden staatlichen Bevormundung in allen möglichen Bereichen, aber das heißt ja nicht, daß es immer noch mehr werden muß.

    Was soll denn noch alles im Dienste der zunehmenden Lebenserwartung reguliert werden? Private Diskussionen über Großmutters Hausmittel, Gebete und Kerzenaufstellung zur Gesundung der kranken Tochter in der Katholischen Kirche, Aufnahme gefährlicher Sportarten, Genuß alkoholhaltiger Lebensmittel usw.? Wir reden hier über erwachsene Menschen!

    Merke 1: Wenn alle Beteiligten einer Handlung aus freien Stücken zustimmen, ist sie O.K. So ist das auch, wenn ein (Halb-)Esoterikfan zum Heilpraktiker geht.

    Merke 2: Wenn man den Menschen durch Staatseingriffe immer mehr Verstandesarbeit abnimmt, erzieht man sie zur Unmündigkeit.

  9. #12 Ursula
    17. Juli 2017

    @ Tim
    Merke 1: Es wird im Bereich Gesundheit auch für andere Menschen bestimmt.
    Kinder, Pflegefälle, besachwaltete Menschen.
    Merke 2: Der Staat sollte keine wie immer gearteten Behandlungen ohne vorliegen von Evidenz bezahlen.
    Merke 3: Schwer kranke Menschen sind oft leichte Beute, und das ist verachtenswert, diese Menschen gehören geschützt.
    Merke 4: Viele Berufe unterliegen – mit Recht – einer Ausbildungpflicht. Stichwort: “alternativer Automechaniker”. Im Bereich Gesundheit soll dies aufgegeben werden, ausgerechnet da?

  10. #13 Dr. Webbaer
    17. Juli 2017

    Meinen Sie, ob eine Beschränkung der Heilkunde auf Ärzte in Deutschland sinnvoll wäre?

    Exakt zu dieser Frage interessiert Dr. Webbaer Ihre Meinung. Ist es in Österreich nicht verboten als Heilpraktiker zu arbeiten? Haben Sie zur österreichischen diesbezüglichen Gesetzgebung eine Meinung, die Sie ausbreiten möchten?

    MFG
    Dr. Webbaer

    • #14 Joseph Kuhn
      17. Juli 2017

      In Österreich gibt es keine Heilpraktiker, die wie Ärzte Krankheiten behandeln dürfen, aber die sog. “Energetiker”, ein Beruf auf der Basis der österreichischen Gewerbeordnung, gewissermaßen amtlich zugelassener Aberglaube.

  11. #15 Tim
    17. Juli 2017

    @ Ursula

    Viele Berufe unterliegen – mit Recht – einer Ausbildungpflicht. Stichwort: “alternativer Automechaniker”. Im Bereich Gesundheit soll dies aufgegeben werden, ausgerechnet da?

    Keinesfalls, das hat doch auch niemand gefordert. Es geht hier nur um Heilpraktiker und die unappetitliche Neigung der Deutschen, die Menschen immer stärker vor Folgen ihrer eigenen Entscheidungen schützen zu wollen.

  12. #16 uwej
    17. Juli 2017

    @Tim

    “… die unappetitliche Neigung der Deutschen, die Menschen immer stärker vor Folgen ihrer eigenen Entscheidungen schützen zu wollen.”

    In der Tat, das ist der subtile Kontext, in dem dieser Diskurs Fahrt aufnimmt. Wer meint – nein Amt und Siegel darüber hat – es besser zu wissen (mag ja sein), erwirbt damit autoritäre Kompetenz. Nach und nach wird daraus ein Stachelhalsband mit Internetanschluß, obwohl es doch anfangs eigentlich nur um Aufklärung ging, auf deren Dialektik irgendwann aber niemand mehr hingewiesen hat.

  13. […] Zu Recht fordert der Gesundheitswissenschaftler Dr. Joseph Kuhn im Science-Blog Gesundheits-Check: […]

  14. #18 Joseph Kuhn
    17. Juli 2017

    @ Tim, uwej:

    Na dann, weg mit dem ganzen Verbraucherschutz. Wozu die Industrie auf Grenzwerte verpflichten, erwachsene Menschen können doch selbst darauf achten, dass nicht zuviel Aluminium in den Brezeln ist. Und wie soll ein Amt schon besser wissen als der mündige Bürger, ob zu viel Nitrat im Trinkwasser ist. Wenn an der Sicherheit beim Flugzeugbau gespart wird, mein Gott, kann sich jeder doch selbst überlegen, ob er fliegen will oder zu Fuß geht. Weg mit den Nunnystate, lasst uns alle frei und ohne Bevormundung den Produkten und Dienstleistungen gegenübertreten, wie echte harte Männer dem Tiger!

  15. #19 tomtoo
    17. Juli 2017

    Freiheit den Schlangenöl Fabrikanten!
    Ja auf sowas beruht eine echte Demokratie ! Make Schlangenöl great again !

  16. #20 Dr. Webbaer
    18. Juli 2017

    Aja, danke Herr Dr. Kuhn, es gibt in Österreich also so etwas :
    -> https://de.wikipedia.org/wiki/Humanenergetik

    Kommentatorenkollegin Ursula hat’s nett formuliert.

    MFG
    Dr. Webbaer (der gegen den zunehmenden Paternalismus ist, sich bei den Heilenden aber Qualität wünscht, die staatlich festgestellt wird)

  17. #21 Dr. Webbaer
    18. Juli 2017

    @ Tim :

    Was soll denn noch alles im Dienste der zunehmenden Lebenserwartung reguliert werden?

    Gute Frage. Womöglich die zentrale Frage. Die nach den originären Staatsaufgaben, in aufklärerischen Gesellschaftssystemen.
    Die Sicherstellung der Qualität der Gesundheitsversorgung müsste zu diesen Staatsaufgaben gehören.

    Vermutlich kann das sogenannte Heilpraktikertum nicht verboten werden, weil es A) ordentlich arbeitende sogenannte Heilpraktiker gibt (auch von Herrn Dr. Kuhn so erwähnt) und B) die allgemeine gesellschaftliche Zufriedenheit mit ihnen zu groß ist.

    MFG
    Dr. Webbaer (der nun die Forderung nach einer diesbezüglichen Anpassung der Versorgungsforschung meint verstanden zu haben)

  18. #22 anderer Michael
    18. Juli 2017

    Je mehr ich nachdenke, um so unsicherer werde ich. Es ist einleuchtend, die GKV sollte nur Therapien bezahlen, für die es wissenschaftliche Überprüfungen gibt und die rational nachvollziehbar sind . Andererseits Tim hat nicht ganz Unrecht, soll der Bundestag über die Wirksamkeit der Neuraltherapie nach Huneke(1) entscheiden und bestimmen: Bürgerin, dort darfst du nicht hingehen?

    Ich möchte jedoch nicht, dass jeder Scharlatan oder jede Schlangenölverkäuferin verzweifelten Kranken Menschen das Geld aus der Tasche zieht. Die Möglichkeiten der Medizin sind begrenzt.

    Wer schwer krank ist, findet vielleicht den Zuspruch und den Trost , den sie braucht, bei solchen Akteuren anstatt in seinem Umfeld.Eine Lösung weiß ich auch nicht. Mir ist bekannt, dass Menschen ohne Erkrankung sich “alternativen oder komplementären” Behandlungen unterziehen, weil es ihnen ” gut tut ” .Verbieten kann man so ein Verhalten nicht.

    Ganz unabhängig davon, es ist erstaunlich, dass man nicht weiß, wieviel Heilpraktikerinnen es gibt, was diese bewerkstelligen und mit welchem Ergebnis.

    1. Diese ” Therapieform” (Quaddeln) erwähne ich, weil es im Rahmen der Schmerztherapie auch percutane Behandlungsverfahren gibt, die damit nichts zu tun haben

  19. #23 cero
    18. Juli 2017

    @Tim #11: Der entscheidende Unterschied ist, dass bei einer gefährlichen Sportart oder bei Alkohol/Drogen vorher die Risiken bekannt sind und so gut wie möglich darüber aufgeklärt wird.

    Bei Heilpraktikern wird aber häufig gezielte Desinformation betrieben, indem behauptet wird, dass diese Dinge wirken und man damit auf Medizin verzichten kann.

    Von daher: Verbieten der Heilpraktikertätigkeit oder Zwangseinnahme von Medikamenten ist Quatsch, aber Aufklärung muss gefördert werden. Und man kann durchaus darüber diskutieren, ob die gezielte Irreführung strafbar sein sollte.

    Ich denke, einen Arzt würde man auch verklagen, wenn sich herausgestellt hat, dass er einem gezielt unwirksame Medikamente statt der echten verabreicht hat, oder?

  20. #24 uwej
    18. Juli 2017

    @Joseph Kuhn#18
    Verbraucherschutz, sagen Sie? Wenn die EU-Kommision (nicht ohne Expertise des wissenschaftlichen Dienstes) Glyphosat als unbedenklich einstuft, wo fängt dann Ihrer Meinung nach der Verbraucherschutz an? Im unbewaffneten Widerstand? Ist es die objektive Wissenschaft, die in diesem Fall die Einschätzung vornimmt, oder sind es die Interessen riesiger Agrarkonzerne (Monsanto, Bayer), die hier Einfluß nehmen? Und was wiegt schwerer? Quacksalbernde Heilpraktiker in Hünxe oder global agierende Unternehmen mit supraleitendem Draht in die Politik?

    • #25 Joseph Kuhn
      18. Juli 2017

      @ uwej:

      Glyphosat ist nicht unbedenklich, aber auch ganz bestimmt keines der vordringlichen Verbraucherschutzprobleme, die wir in Deutschland haben. Es gibt dazu unterschiedliche Bewertungen, die Risikobewertungen liegen dennoch nicht weit auseinander und dass man es hier mit einem Problem vergleichbar etwa dem Feinstaub oder Asbest zu tun hätte, sagt keine seriöse Stelle. Und ja, das ist seriöse Wissenschaft, die man nicht einfach als konzernkorrumpiert beiseite schieben kann.

      Das gegen quacksalbernde Heilpraktiker auszuspielen, die ihre Patienten ausbeuten und in nicht wenigen Fällen auch den Tod von Menschen verschuldet haben, ist schlicht zynisch. Ich nehme an, Impfgegner sind Sie auch?

  21. #26 rolak
    18. Juli 2017

    Ich nehme an

    Wie weit unter der Erde das Niveau war, Joseph, kann ja schon an der Separatnennung Bayer-Monsanto erahnt werden. Mal ganz abgesehen von der trostlosen KindergartenNummer ‘der macht das aber auch – und noch viel doller’.

    Derweil flutschte heute ein gestriger Artikel der SZ herein, der diverse Aspekte der hiesigen Titelfrage anspricht.

  22. #27 Joseph Kuhn
    18. Juli 2017

    @ rolak:

    Der SZ-Artikel und sein Bezug zum Beitrag hier war gestern auch schon Thema drüben bei den Skeptikern. Papierzeitungsbesitzer konnten ihn übrigens schon am Samstag im Bayernteil der SZ lesen.

    “Separatnennung Bayer-Monsanto”: Immerhin kam er nicht mit IG Farben an.

    @ all:

    Vielleicht von Interesse, eine Sammlung anekdotischer Evidenz durch das Recherchenetzwerk correktiv Ende 2015, geht nicht nur um Heilpraktiker, aber auch, als Warnung vor gängigen Vorstellungen, man habe es einfach nur mit harmlosen Handauflegern zu tun und solle sich besser um Wichtigeres kümmern: https://correctiv.org/recherchen/stories/2015/12/18/alternativmedizin-krebs-leben-der-patienten-gefaehrdet/

  23. #28 tomtoo
    19. Juli 2017

    Ich bin mal ganz böse, aber solange sich so einige Wissenschaftler sich nicht der Wissenschaft sondern dem Mamon verplichtet fühlen. Wirds diese Diskussionen zu Recht immer geben.

  24. #29 tomtoo
    19. Juli 2017

    Oder anders ausgedrückt. Leider ist die Wissenschaft auch nicht Kohle unabhänging.

    • #30 Joseph Kuhn
      19. Juli 2017

      @ tomtoo:

      Ich hoffe mal, dass Du jetzt Heilpraktiker nicht unter Wissenschaftler subsumierst, sondern meinst, die Versorgungsforschung sei hier untätig wegen irgendwas mit Geld? So streng würde ich das nicht sehen. Natürlich würden Versorgungsforscher aktiv, wenn Forschungsvorhaben zu Heilpraktikern ausgeschrieben würden, Geld lockt schon, aber bei dem Thema könnte man auch ohne Geld was machen, z.B. über Masterarbeiten. Ich glaube, die haben das Thema einfach nicht auf dem Schirm, weil sie vor allem dahin schauen, wo es gute Daten gibt, z.B. bei Krankenkassen, KVen etc. Womit man bei der nächsten Hürde ist: Wie soll man das Thema überhaupt methodisch angehen, wie kommt man an aussagekräftige Daten? Kann man mit einer Sichtung der Internetwerbung der Praxen was anfangen? Sollte man die Praxen ganz naiv befragen? Sollte man eine Region auswählen oder lieber großräumiger vorgehen? usw.

  25. #31 Umami
    20. Juli 2017

    Da Sie so schreiben, dass ich es meist verstehe:
    Was ist eigentlich Versorgungsforschung? Und warum regt sich Norbert Aust im Zusammenhang mit Homöopathie darüber auf?

    • #32 Joseph Kuhn
      20. Juli 2017

      @ Umami:

      “Was ist eigentlich Versorgungsforschung?”

      „Versorgungsforschung ist die wissenschaftliche Untersuchung der Versorgung von Einzelnen und der Bevölkerung mit gesundheitsrelevanten Produkten und Dienstleistungen unter Alltagsbedingungen“, so die vielzitierte Definition des Arbeitskreises Versorgungsforschung beim wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2004. Das letzte Wort, die Alltagsbedingungen, ist entscheidend im Vergleich etwa zu Studien unter “Laborbedingungen”, z.B. den RCTs. Unter Laborbedingungen meint dabei nicht, dass die Studien in einem Laborraum erfolgen, sondern dass die Fälle entsprechend eines vorher festgelegten Studienprotokolls nach definierten Einschlusskriterien ausgewählt und zufällig auf eine Interventions- und Kontrollgruppe verteilt werden.

      “Und warum regt sich Norbert Aust im Zusammenhang mit Homöopathie darüber auf?”

      Ich weiß nicht genau, worauf Sie sich hier beziehen. Vermutlich geht es darum, dass man die Wirksamkeit von Arzneimitteln, z.B. Homöopaathika, nicht wirklich durch Beobachtungsstudien unter Alltagsbedingungen untersuchen kann, sondern hierfür Studien unter Laborbedingungen und ganz konkret RCTs bzw. Metananalysen von RCTs notwendig sind. Nur so kann die Vielfalt der möglichen Verzerrungseinflüsse auf das Ergebnis effektiv kontrolliert werden. Allerdings kommt bei der Homöopathie ein besonderes Problem dazu: Weil naturwissenschaftlich gar kein Effekt zu erwarten ist, können auch RCTs nur ein statistisches Rauschen rund um den Nulleffekt liefern, hier fehlt sozusagen die “Scientabilität”, wie es Christian Weymayr einmal genannt hat, um überhaupt sinnvoll mit klinischen Studien arbeiten zu können.

      Dieser Vorbehalt betrifft, wie gesagt, die Untersuchung der Wirksamkeit von Homöopathika. Wenn es dagegen darum geht, unter welchen Bedingungen Homöopathika eingesetzt werden, bei welchen Krankheitsbildern welche Mittel angewandt werden, welche soziodemografischen Merkmale die Nutzer haben, wie zufrieden sie mit einer homöopathischen Behandlung sind, ob sie parallel auch andere Mittel einnehmen etc., für all diese Fragen wären Beobachtungsstudien der Versorgungsforschung natürlich angemessen und dagegen hat auch Norbert Aust sicher keine Vorbehalte.

      Was bedeutet das für die Diskussion hier: Wollte man die Wirksamkeit von Verfahren untersuchen, die Heilpraktiker anwenden, wären die Methoden der Versorgungsforschung nicht angemessen. Anders bei der Frage danach, was Heilpraktiker überhaupt tun.

  26. #33 Clemens M.
    20. Juli 2017

    @anderer Michel Den Zuspruch und Trost finden z.B. Krebskranke bei Psychoonkologen, bei Therapeuten, bei Gruppen von Erkrankten und anderen Beratungsangsangebote, die in der Regel nicht esotrisch orientiert sind.
    Diese Angebote sind wahrscheinlich sehr unregelmässig verteilt, also in großen Städten vielfältiger als auf dem flachen Land.
    Es ist ja außerdem so, dass bei einem Teil der Patienten, wenn sie zum Arzt gehen, Erwartungen bestehen, im Arzt auch eine Art Psychologen zu finden. Ärzte können lernen, besser zu zu hören, sie sind aber nicht automatisch Therapeuten, Seelsorger oder Sozialarbeiter. Die Scheu, wenn man Probleme hat, eine dafür eine dafür geeignete Beratung auf zu suchen, erzeugt nicht selten den Wunsch, das bei einem Arztbesuch gleich mit zu nehmen. Vielleicht müsste besser überbestehende Angebote informiwert werden, vielleicht auch die Schwellen abgebaut werden.

  27. #34 Umami
    20. Juli 2017

    Danke!
    Norbert Aust sagte das, was sie vermuteten.: http://www.beweisaufnahme-homoeopathie.de/?p=3078

  28. […] Heilpraktiker müssen in Deutschland zwar eine Prüfung ablegen um zu gelassen zu werden, dann aber kümmert sich keiner mehr darum, was sie eigentlich machen. Die meisten heilen irgendwelche Wehwechen, aber einige gehen auch zu weit und wagen sich an Krebs un ähnliches. Gesundheitscheck fordert, das man deren Treiben genauer überwacht. […]

  29. […] aufgewacht! Was machen Heilpraktiker in Deutschland? Gesundheits-Check am 15. Juli […]

  30. […] am Ende auch noch ernst nimmt und wissen will, was Ärzte mit ihren Patienten machen. Bei den Heilpraktikern wissen wir es schließlich auch nicht und die fahren doch prima […]