Heute sind die Medien voll mit den Meldungen über die Dieselabgas-Experimente mit Affen in den USA und mit Menschen in Aachen. Die halbe politische Klasse regt sich demonstrativ auf, die Autokonzerne distanzieren sich von sich selbst. Dass die Autokonzerne auf das, was bisher beim Dieselskandal bekannt wurde, noch was drauf legen können, war nach dem ganzen Vorlauf anzunehmen, jetzt also das. Die allgemeine Aufregung ist zum Teil berechtigt, zum Teil aber auch hysterisch und an den falschen Punkten festgemacht. Eigentlich hätte die Politik an anderen Stellen des Dieselskandals mehr Anlass zur Aufregung gehabt. Der wirklich schlimme Dieselabgas-Menschenversuch läuft seit Jahren mit der ganzen Bevölkerung.

Worum geht es? Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, haben BMW, Daimler, VW und ursprünglich auch Bosch vor Jahren eine „Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor (EUGT)“ eingerichtet. Diese „Forschungsvereinigung“ beauftragte 2013 in den USA das Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) damit, zu untersuchen, wie sich die Autoabgase eines alten Ford und eines neuen VW bei mehrstündiger Exposition auf Affen auswirken. Ziel war, die Sauberkeit des neuen VW zu demonstrieren. Eine Marketingstudie. Ob auch gemessen wurde, welchen Schadstoffen im Einzelnen die Affen ausgesetzt waren, ist nicht bekannt, manche Medien melden, das sei gar nicht bestimmt worden. Die Studie wurde nicht veröffentlicht, weil das LRRI nach den Medienberichten über Abschalteinrichtungen vermutete, auch beim VW könnte eine solche Abschalteinrichtung aktiv gewesen sein. Eine wissenschaftlich wertlose Studie also auch noch. Für die Frage, ob eine alte Dreckschleuder gesundheitsschädlicher ist als ein neues Auto, eine neue Dreckschleuder oder eines mit guter Abgasreinigung, hätte man ohnehin keine Tierversuche gebraucht, es hätte gereicht, zu messen, was hinten rauskommt. Aber vielleicht wäre das zu gefährlich gewesen.

Die Studie an Menschen elektrisiert die Medien erst recht. Bei „Menschenversuchen“ denkt jeder spontan an die Menschenversuche in den KZs. Aber an sich sind „Menschenversuche“ natürlich nicht verwerflich, kein Medikament kommt ohne Test am Menschen auf den Markt. Gottseidank. Unfreiwillige Menschenversuche wie bei Contergan will niemand mehr. Wichtig ist, dass die ethischen Verpflichtungen zur Durchführung von Versuchen an Menschen eingehalten werden, z.B. die Helsinki-Deklaration des Weltärztebundes und die darauf aufbauenden konkretisierenden Bestimmungen.

In diesem Fall geht es um eine Studie, mit der die EUGT das Institut für Arbeits- und Sozialmedizin an der RWTH Aachen beauftragt hat. Ziel war, kurzfristige biologische Effekte von Stickstoffdioxid, u.a. auf die Lungenfunktion, zu untersuchen. An sich kein Problem. Die Fragestellung ist legitim, man hatte 25 freiwillige Probanden (überwiegend Studierende, 19 Männer, 6 Frauen), die Studie ging durch die zuständige Ethikkommission der medizinischen Fakultät der RWTH, 2016 wurde sie unter dem Titel „Biological effects of inhaled nitrogen dioxide in healthy human subjects“ veröffentlicht.

Herausgekommen ist nicht so wirklich viel. Für manche mit Blick auf kurzfristige Expositionen interessante Fragen, z.B. was unterschiedliche Effekte bei unterschiedlich vulnerablen Personen angeht, war das Studiendesign auch nicht angelegt. Dazu hätte man nicht einfach 25 junge gesunde Leute nehmen dürfen, was womöglich unter ethischen Gesichtspunkten wiederum schwierig geworden wäre – worauf die Autoren im letzten Satz ihres Artikels selbst hinweisen. Die Studie nimmt ihren Ausgang übrigens nicht von einer Fragestellung zu Autoabgasen oder Belastungen an verkehrsreichen Straßen, sondern von Belastungen am Arbeitsplatz. Getestet wurden vier verschiedene Stickstoffdioxid-Konzentrationen, maximal 1,5 ppm, deutlich unter dem alten MAK-Wert.

Die Autoren geben ordnungsgemäß an, dass die Studie von der EUGT finanziert wurde: “This study has been financially supported by the European Research Group on Environment and Health in the Transport Sector (EUGT).” Obwohl damit die Frage nahelag, was wohl die Autoindustrie damit wollte, schreiben die Autoren zum conflict of interest für meinen Geschmack etwas unbeschwert: “None of the authors have a conflict of interest to declare in relation to this work.” Aber daraus ist kein Staatsdrama zu machen. Die Studie der RWTH ist kein Skandal. Der Skandal droht in den dubiosen Machenschaften der EUGT zu schlummern, siehe die Affenstudie in den USA. Der notorisch industriefreundlich gutachtende Helmut Greim war natürlich auch bei der EUGT mit im Boot. Die Forschungsvereinigung mit dem schönen Namen wurde, wie Medien berichten, 2017 aufgelöst. Game over? Wohl eher nicht.

Kommentare (52)

  1. #1 Beobachter
    29. Januar 2018

    Treffender Kommentar in der TAZ:

    Es findet sozusagen
    ein “laufender Feldversuch auf der Straße ” statt …

    http://www.taz.de/Kommentar-Abgastest-an-Menschen/!5477881/

    “Kommentar Abgastest an Menschen
    Die Straße ist dreckiger als das Labor
    Deutsche Firmen haben Tiere und Menschen benutzt, um Autos sauber zu lügen. Doch der größere Versuch an Menschen findet auf der Straße statt.
    … ”

    Siehe dazu auch Beitrag und Thread
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2017/07/25/vw-und-seine-abschalteinrichtungen-und-unsere-entsorgende-erinnerungskultur/

    zur Geschichte der deutschen Autoindustrie (VW) und aktuell zum Thema die letzten Kommentare.
    – Siehe auch Link oben im Beitrag (“Vorlauf”) –

  2. #2 Joseph Kuhn
    30. Januar 2018

    Update:

    Inzwischen differenzieren die Medien zwischen den Affenexperimenten in den USA und den Humanexperimenten in Aachen (was übrigens auch bei mir einen Moment gebraucht hat, ich musste auch erst einmal die Aachener Studie selbst lesen und nicht nur die Medienberichte darüber).

    Offen bleibt aber das Interesse der EUGT an den Aachener Experimenten. Dass die daran interessiert waren, ob sich aus einer Kurzzeitexposition etwas über MAK-Grenzwerte ableiten lässt, ist unwahrscheinlich. Naheliegender ist, dass sie sich eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gegen kurzfristige Expositionen aus “ganz neutraler Forschung, die gar nichts mit Autoabgasen zu tun hat”, erhofft haben. Das wäre dann eine ähnliche Konstellation wie bei der früher praktizierten Förderung der Herzkreislaufforschung oder der Krebsforschung durch die Tabakindustrie: an sich fachlich oft saubere Forschung, aber mit höchst manipulativen Hintergedanken bei den Finanziers (im Falle der Tabakindustrie die Etablierung eines Diskurses über “konkurrierende Risiken”).

    Vielleicht auch von Interesse: Ein Kommentar des Münchner Medizinethikers Georg Marckmann zu den Experimenten bei Focus online: https://www.focus.de/auto/news/abgas-skandal/schadstoff-tests-mit-affen-und-menschen-ethik-professor-zu-diesel-tests-industrie-finanzierte-studien-gehen-oft-in-eine-richtung_id_8381781.html

  3. #3 Ludger
    30. Januar 2018

    Interview mit dem Leiter/Autor der Studie:
    https://www.youtube.com/watch?v=CMfgQ25o-Nk&feature=youtu.be
    Danach weiß man, dass viele Anwürfe unberechtigt sind:
    – Studie ist älter als der Dieselskandal
    – Ergebnisse sagen nichts über die Gefährlichkeit von Dieselabgasen aus, weil die Studie nicht mit Schadstoffgemischen gearbeitet hat.
    – Stickoxide sind am Arbeitsplatz ein Problem bei Schweißarbeiten.
    Viele Medienleute, die sich zu dem Thema Stickoxiduntersuchung an der RWTH Aachen geäußert haben, sollten in Sack und Asche gehen!

  4. #4 roel
    30. Januar 2018

    @Joseph Kuhn

    “Die Studie an Menschen elektrisiert die Medien erst recht. Bei „Menschenversuchen“ denkt jeder spontan an die Menschenversuche in den KZs.”

    Zumal die Versche mit Gas in geschlossenen Räumen abliefen.

    Ich möchte gerne auf den Arbeitsbericht der EUGT verlinken: http://www.handelsblatt.com/downloads/20903386/2/eugt_taetigkeitsbericht_2012_bis_2015.pdf

    Der enthält Köpfe und Projekte der EUGT.

    [Edit: Link editiert, jetzt direkt ohne den langen google-Suchterm ;-), JK]

  5. #5 Beobachter
    30. Januar 2018

    Es geht ja nicht “nur” um Stickoxide in der Atemluft (auf der Straße) oder am Arbeitsplatz.
    In der Atemluft ist man einer Kombination verschiedener Schadstoffe ausgesetzt:

    https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/hintergrund-stickoxide-feinstaub-cozwei-risiken-auto-abgase-diesel-skandal-100.html#sprung1

    Kohlendioxid (CO2)
    Stickstoffoxide (NOx)
    Feinstaub
    Kohlenmonoxid (CO)
    Kohlenwasserstoffe (HC)
    (und gesundheitsschädliche Lärmbelastung)

    Die erlaubten bzw. empfohlenen Grenzwerte liegen bei der WHO oft weit unter denen der EU:

    http://www.spiegel.de/auto/aktuell/feinstaub-who-haelt-eu-grenzwerte-fuer-viel-zu-hoch-a-440992.html
    (2006)

    Dazu kommen gesundheitsschädliche Belastungen (auch mit Schadstoffen) am Arbeitsplatz.
    Man stelle sich die Folgen bei z. B. einem Akkordarbeiter am Band im Schichtbetrieb vor (der vielleicht noch Glaswollgewebe, Lacke o. ä. verarbeitet) oder die bei einem Bauarbeiter oder Maler/Lackierer.

    Außerdem kommen gesundheitliche Belastungen durch “ungünstige/unschöne” Wohnverhältnisse dazu:
    in Städten an viel befahrenen Straßen/Kreuzungen mit hoher Lärmbelastung, vielleicht noch mit Schimmel in der Wohnung.

    Und wir haben zu hohe Nitratwerte im Trinkwasser, Schadstoffe in Lebensmitteln, in der Kleidung, in Spielzeug, in Teppichböden etc.
    Immer mehr Lebensmittel sind hochverarbeitete Fertigprodukte mit Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Zusatzstoffen etc.

    Die äußerst umstrittenen eventuellen Auswirkungen von “Elektrosmog” sind noch gar nicht untersucht – obwohl im ICD als Krankheit gelistet.

    Die zunehmenden Umweltbelastungen sind also erheblich und im Zusammenhang zu sehen.
    Ich denke, es nützt wenig, Einzelaspekte zu verharmlosen oder zu übertreiben –
    und am wenigsten nützt es, die Problematik zu ignorieren.

  6. #6 Mars
    30. Januar 2018

    … und gestern kam noch irgendwo im TV ein bericht über feinstaubbelastung bei Laserdrucker in büros (und zu hause), dass die Neckartorstr. in Stuttgart nicht der schlechteste platz bei feinstaub ist.
    aus das ist lange bekannt, aber interressiert erst, wenn Asthma und Dermitis zu krass werden … und die kollegen sich das nicht mehr ansehen können!

  7. #7 Beobachter
    30. Januar 2018

    Update:

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/abgase-bundesregierung-muss-zum-rapport-beim-eu-umweltkommissar-1.3845081

    ” … Der Europäischen Kommission zufolge werden in 23 von 28 Mitgliedsstaaten – und europaweit in insgesamt mehr als 130 Städten – die EU-Normen für Luftqualität dauerhaft nicht eingehalten. In Europa gebe es deswegen jedes Jahr mehr als 400 000 vorzeitige Todesfälle. In den Städten sind Dieselfahrzeuge für einen Großteil der Stickoxid-Emissionen verantwortlich. Bereits im Februar 2017 hatte die Kommission wegen der andauernden Überschreitung der Grenzwerte bei Stickoxid eine letzte Warnung an Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien ausgesprochen.”

  8. #8 RPGNo1
    30. Januar 2018
  9. #9 Joseph Kuhn
    30. Januar 2018

    @ Ludger:

    “Viele Medienleute, die sich zu dem Thema Stickoxiduntersuchung an der RWTH Aachen geäußert haben, sollten in Sack und Asche gehen!”

    So einen pauschalen Persilschein möchte ich den Autoren nicht ausstellen.

    Die Studie selbst ist wohl in Ordnung, aber: Zum einen frage ich mich, ob die Studie wirklich notwendig war. Es gibt ja eine ganze Reihe an Probandenstudien zu Stickoxiden. Ich bin kein Toxikologe, aber wenn die Studie demgegenüber nichts Neues erwarten ließ, hätte man sie als unnötige Studie verrmeiden sollen. Ganz abgesehen von der dann ebenfalls unnötigen (wenn auch marginalen) Belastung der Probanden.

    Zum anderen habe ich doch Zweifel, ob man sich an einer Uni, die eine lange Zusammenarbeit mit der Autoindustrie hat, nicht denken konnte, welche Absichten die EUGT mit der Studie verfolgt hat und dass daher erstens ein Interessenkonflikt anzugegeben gewesen wäre und man zweitens im Artikel eine klare Aussage hätte treffen müssen, dass die Befunde keinerlei Schlussfolgerungen auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickoxiden durch Umweltbelastungen, insbesondere aus dem Straßenverkehr, zulassen. So stellt sich die Frage, ob die Autoren naiv waren (glaube ich nicht, die Leute kennen die Geschichte der Tabakindustriemanipulationen) oder – durch einen Interessenkonflikt – gehemmt waren.

    Wie gesagt, der eigentliche Dieselskandal ist natürlich der Menschenversuch in natura und das Verhalten der Bundesregierung gegenüber der Autoindustrie. Bei den Dieselabgasen hat Dobrindt gegenüber Obergrenzen ein deutlich entspannteres Verhältnis als in anderen Fällen.

  10. #10 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    30. Januar 2018

    @Joseph Kuhn

    Aus dem von mir geposteten Link oben, die Datei ist vom 16.06.2015 und auch seitdem zugänglich:

    Test an Menschen:

    “Kurzzeit-Inhalationsstudie zur biologischen Wirkung von Stickstoffdioxid bei Gesunden”

    “BEITRAG EUGT
    EUGT hat auf Empfehlung des Forschungsbeirates eine Kurzzeit-Inhalationsstudie
    mit NO2 bei gesunden Menschen gefördert, in der NO2-Konzentrationen
    genutzt wurden, die für arbeits- und umweltmedizinische Belange von Bedeutung
    sind. Als höchste experimentelle Konzentration wurde dabei der dreifache
    Arbeitsplatzgrenzwert eingesetzt.

    Untersucht wurde die Wirkung unterschiedlicher NO2-Konzentrationen in der
    Atemluft auf 25 gesunde Probanden. Es konnten mehr als 100 funktionelle
    und biologische Parameter erfasst werden (z.B. durch Lungenfunktionsprüfungen,
    die Messung von Entzündung und Biomarkern im Blut etc). Neben
    einem Leerwertversuch
    mit 0 ppm wurden drei verschiedene NO2-Konzentrationen
    zur Exposition der Probanden über jeweils 3 Stunden eingesetzt:
    0.1 ppm (~ 180 μg/m³), 0.5 ppm (~ 940 μg/m³) und 1.5 ppm (~ 2800 μg/m³).

    ERGEBNIS
    Bei allen untersuchten Konzentrationen konnten bei den Probanden keine
    Reaktionen auf das inhalierte NO2 nachgewiesen werden.

    BEWERTUNG
    In dieser toxikologischen Kurzzeitstudie konnten keine entzündlichen Wirkungen
    von NO2 an den Atemwegen festgestellt werden. Dies gilt unter Nutzung
    modernster und innovativster Untersuchungsmethoden.”

    Test an Affen:

    “Kurzzeit-Inhalationsstudie zur biologischen Wirkung von alten und neuen Dieselmotoremissionen”

    “BEITRAG EUGT
    Der wissenschaftliche Forschungsbeirat von EUGT geht angesichts nur vereinzelt
    vorliegender Erkenntnisse davon aus, dass bei „modernem“ Dieselabgas
    aufgrund der technischen Maßnahmen wie zum Beispiel Einsatz
    eines Dieselpartikelfilters keine relevanten gesundheitlichen Wirkungen
    nachweisbar sind. Dies wird gestützt durch die neue ACES-Studie, in der
    keine Krebsgefährdung durch „modernes“ Dieselabgas mehr nachgewiesen
    werden konnte. Sonstige biologische Wirkungen außerhalb einer möglichen
    Krebsgefährdung sollten jedoch weiter erforscht und unter realitätsnahen
    Umweltbedingungen getestet werden.
    EUGT fördert zu diesen Fragestellungen eine experimentelle Studie beim
    Lovelace Respiratory Research Institute (LRRI) in Albuquerque. Mit einer
    Exposition gegenüber DME eines Pkw aus dem Jahr 1999 und eines neuen
    Pkw mit dem zeitgemäßen Emissionsstandard EURO 6 (Modelljahr 2015) sollen
    in mehrstündigen Inhalationsversuchen mit Affen die Unterschiede in den
    biologischen Reaktionen untersucht werden. Die Expositionen erfolgen – dabei
    anders als in allen bisher vorliegenden Studien – in einer umwelttypischen
    Situation mit direkten Dieselabgasen aus den Fahrzeugmotoren. Die Fahrzeuge
    werden dabei während der Expositionsdauer auf einem Rollenprüfstand in
    einem typischen Fahrzyklus betrieben. Der Schwerpunkt dieser Inhalationsstudie
    liegt auf den Kurzzeitwirkungen der DME auf die Lunge und das Herz-
    Kreislaufsystem.

    ERGEBNIS
    Ende 2014 wurden die technischen Voraussetzungen für die Studie weitgehend
    abgeschlossen. Erste Ergebnisse werden Mitte 2015 erwartet.”

    Ich will nur einen Namen nennen, der sowieso schon im Beitrag auftaucht, andere werden in der Broschüre genannt:

    Vorsitzender des Forschungsbeirates
    Prof. Dr. Helmut Greim
    TU München

    Kurz zum Test an den Affen: “Die Fahrzeuge
    werden dabei während der Expositionsdauer auf einem Rollenprüfstand in einem typischen Fahrzyklus betrieben. ”

    Die Werte sind für den eingesetzten Pkw mit dem zeitgemäßen Emissionsstandard EURO 6 (Modelljahr 2015) und zeitgemäßer Schummelsoftware natürlich wertlos.

  11. #11 roel
    30. Januar 2018

    @Joseph Kuhn “Zum einen frage ich mich, ob die Studie wirklich notwendig war. Es gibt ja eine ganze Reihe an Probandenstudien zu Stickoxiden. Ich bin kein Toxikologe, aber wenn die Studie demgegenüber nichts Neues erwarten ließ, hätte man sie als unnötige Studie verrmeiden sollen. Ganz abgesehen von der dann ebenfalls unnötigen (wenn auch marginalen) Belastung der Probanden. ”

    Nochmals aus dem Link:

    “Die vorliegenden wissenschaftlichen Daten ergeben bislang kein einheitliches
    Bild der Wirkung von Stickstoffdioxid (NO2) beim Menschen. Dies gilt für die
    epidemiologischen Daten aus Beobachtungsstudien in der Bevölkerung, weil
    häufig keine eindeutige Expositionszuordnung erfolgt oder Einflüsse anderer
    Luftschadstoffe die Interpretation beeinträchtigen. Es gilt auch für experimentelle
    Expositionsstudien, in denen teils hohe Konzentrationen verwandt wurden, aber
    trotzdem widersprüchliche oder nicht reproduzierbare Befunde auftraten. Obwohl
    auch aus Tierversuchen keine eindeutigen Ergebnisse
    vorliegen, gibt es in
    diesen Studien Hinweise, dass bereits bei relativ niedrigen NO2-Konzentrationen
    funktionelle, entzündliche oder strukturelle Effekte auftreten können. Die
    Übertragung derartiger Daten auf die Situation beim Menschen ist mit erheblicher
    Unsicherheit behaftet. Daher lassen sich bislang keine abgesicherten
    Aussagen über das Gefahrenpotenzial von NO2 für Menschen bei niedrigen
    Umweltkonzentrationen treffen.”

    [Edit: Schreibfehler im Zitat aus meinem Kommentar und in meinem Kommentar der besseren Lesbarkeit zuliebe korrigiert, JK]

  12. #12 Joseph Kuhn
    30. Januar 2018

    @ roel:

    Die Autoren schreiben das mit der nicht ausreichenden Studienlage auch in ihrem Paper. Ich habe das weder nachrecherchiert noch könnte ich es fachlich wirklich beurteilen. Ein Umweltmediziner, mit dem ich zufällig über die Sache gesprochen habe (der sich bei dem Thema auskennt und auch diese Studie kannte), meinte, die vorliegenden Studien hätten im Prinzip schon gereicht.

  13. #13 Ludger
    30. Januar 2018

    Joseph Kuhn:
    Zum anderen habe ich doch Zweifel, ob man sich an einer Uni, die eine lange Zusammenarbeit mit der Autoindustrie hat, nicht denken konnte, welche Absichten die EUGT mit der Studie verfolgt hat und dass daher erstens ein Interessenkonflikt anzugegeben gewesen wäre und man zweitens im Artikel eine klare Aussage hätte treffen müssen, dass die Befunde keinerlei Schlussfolgerungen auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickoxiden durch Umweltbelastungen, insbesondere aus dem Straßenverkehr, zulassen.

    Das unterstellt, dass die Autoindustrie damit rechnete, bei den gefälschten Stickoxidwerten aufzufliegen, und deshalb schon 2012 Argumente für die Harmlosigkeit einer höheren Stickoxidbelastung generieren wollte. Es unterstellt weiter, dass die Arbeitsmediziner der RWTH genau dieses hätten erkennen müssen, obwohl die Diesel-Abgasmanipulation 2012 noch gar nicht bekannt war. Oder gab es doch Insiderwissen?
    Prof. Kraus begründet die Notwendigkeit der Studie damit, dass man prüfen wollte, ob bisher nicht fassbare akute Schädigungen durch bestimmte Stickoxidkonzentrationen mit den neueren zur Verfügung stehenden Messmethoden vielleicht doch erfasst werden konnten. Der Ethikkommission hat das als Begründung offenbar ausgereicht.

    • #14 Joseph Kuhn
      30. Januar 2018

      @ Ludger:

      Hier kommt man ganz ohne Unterstellungen aus. Die Autoindustrie wusste, dass ihre Werte nicht o.k. sind, sie wusste, dass die EU die Abgasgrenzwerte weiter senken wird und sie wusste, dass die EU auf Dauer nicht die hohe Luftbelastung in den Städten dulden wird. Deswegen waren Unbedenklichkeitsstudien notwendig. Das Auffliegen der Abschalteinrichtungen war dafür nicht notwendig, auch kein Insiderwissen über die Abschalteinrichtungen.

      Den Studienautoren muss man im Hinblick auf die Abschalteinrichtungen ebenfalls nichts unterstellen, wohl aber, dass ihnen klar sein konnte, welches Ziel die EUGT als Autoverein verfolgt und dass es denen nicht um MAK-Werte – oder gänzlich zweckfreie Forschung – gehen wird. Die EUGT ist ja keine undurchsichtige Tarnfirma gewesen. Über die EUGT wurde z.B. vorher schon eine gefällige Studie über den Nutzen von Umweltzonen lanciert (Ergebnis: bringt so gut wie nichts), 2013 in “Pneumologie” publiziert. Eingeschlossen war u.a die Augsburger Umweltzone, die winzig war und damals erst seit wenigen Wochen bestand.

  14. #15 Joseph Kuhn
    30. Januar 2018

    Updates:

    1. Sehr schön ist die Antwort von Helmut Greim auf eine Anfrage der Deutschen Welle, inwiefern es bei der EUGT um Lobbyarbeit gegangen sei. Greim: “Der EUGT war zwar eine von der Automobilindustrie finanzierte Institution, der wissenschaftliche Beirat arbeitete jedoch völlig unabhängig, irgendwelche Einflussnahmen durch den Vorstand von EUGT hätten wir zurückgewiesen”. Das ist glaubhaft. Leute wie Greim werden schließlich in solche Funktionen berufen, weil man auf sie keinen Einfluss mehr nehmen muss, sie machen von alleine, was die Industrie erwartet.

    2. Andere haben da mehr Skrupel. Die Süddeutsche meldet, dass 3 der 7 Mitglieder von Greims Forschungsbeirat zurückgetreten sind, als 2015 die Abgasmanipulationen der Autohersteller bekannt wurden. Einer von ihnen, Ulrich Keil (das ist der, der für das Deutsche Krebsforschungszentrum einst die Schätzung von 3.300 Passivrauchtoten errechnete) wird in der SZ so zitiert: “Es war beschämend, dass Wissenschaftler so vorgeführt wurden.”

    3. Auch die Stuttgarter Zeitung hat noch ein paar Nuancen zur Instrumentalisierung der Wissenschaft beizutragen, vor allem, was die klaren und dokumentierten Absichten von EUGT angeht, siehe auch den Link oben von roel.

    4. Der “Generalbevollmächtigte” von VW, Thomas Steg, nimmt wegen der Affäre seinen Hut. Vorbildlich. Ob es dafür in seinem Vertrag eine eigene Honorarregelung gibt, § 007 im Kleingedruckten, Sündenbockregelung?

  15. #16 No comment
    30. Januar 2018

    Zitat: Beobachter
    ‘Es geht ja nicht “nur” um Stickoxide in der Atemluft (auf der Straße) oder am Arbeitsplatz.
    In der Atemluft ist man einer Kombination verschiedener Schadstoffe ausgesetzt:

    https://www.mdr.de/nachrichten/politik/inland/hintergrund-stickoxide-feinstaub-cozwei-risiken-auto-abgase-diesel-skandal-100.html#sprung1

    Kohlendioxid (CO2)
    Stickstoffoxide (NOx)
    Feinstaub
    Kohlenmonoxid (CO)
    Kohlenwasserstoffe (HC)
    (und gesundheitsschädliche Lärmbelastung)’
    Ich denke nicht dass CO2 in dieser Auflistung einen Platz verdient. Das Molekül ist chemisch äußerst träge und gilt nur deshalb als Atemgift da es mit anderen Gasen, etwa den lebensnotwendigen Sauerstoff, um Raum konkurriert.

    Eine gefährliche Konzentration dürfte im Alltag aber wohl eher schwer aufzufinden sein, nicht zuletzt da es als heißes Abfallprodukt meist eh recht schnell verfliegt.

    Zitat: Beobachter
    ‘Immer mehr Lebensmittel sind hochverarbeitete Fertigprodukte mit Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Zusatzstoffen etc.’
    Genau genommen geht der Trend seit Jahren in die andere Richtung.

    Und das noch nichtmal weil Konservierungs- oder Farbstoffe per se ungesund wären, sondern weil die meisten Kunden diesbezüglich keine Kenntnisse haben und sich als Folge der Unwissenheit ein diffuses Gefühl von Bedrohung einstellt.

  16. #17 Floh
    30. Januar 2018

    Jetzt warte ich nur noch, bis ein die Medien das mitbekommen und laut schreien …

    Forscher des schwedischen „Danderyd University Hospital“ haben herausgefunden, dass direkt nach dem Konsum von E-Zigaretten bei den Probanden ein erhöhter Puls und Blutdruck auftreten. Der Effekt dauert mehrere Stunden an. Ebenso konnten die Mediziner eine Versteifung der Arterien feststellen.
    Für die relativ kleine Studie untersuchten die Forscher 15 gesunde Probanden, die bisher keine E-Zigaretten geraucht hatten. Eine Gruppe der Teilnehmer rauchte Liquids mit Nikotin, die zweite ohne Nikotin. Bei ihnen blieben die negativen Wirkungen aus.

  17. #18 Floh
    30. Januar 2018

    … laut schreien, wieso man gesunde Probanden mit Nikotin belastet hat natürlich und nicht etwa wieso man E-Zigaretten und normale Zigaretten frei kaufen kann.

  18. #19 Joseph Kuhn
    30. Januar 2018

    Nächste Runde:

    Spiegel online zitiert Herrn Greim: “Natürlich haben die Autohersteller von den Tests an Affen und menschlichen Probanden gewusst. Die jetzige Reaktion der Autovorstände ist für mich daher nicht nachvollziehbar”.

    Bevor man jetzt achselzuckend sagt, naja, was sonst, sollte man seine Aussage doch einmal näher betrachten.

    Da wollten die Autokonzerne sich doch zusammen mit der Bundesregierung an die Spitze der Empörung über die Versuche setzen – und jetzt sagt Greim persönlich, das sei Heuchelei und lässt durchblicken, dass er die Vorstandsebene (nicht der EUGT, sondern der Autokonzerne) als Heuchler ansieht, dass sie also möglicherweise informiert waren. War das so? Das wäre interessant. Denn wenn die “Studien” ihren Weg bis auf die Vorstandstische der Weltkonzerne gefunden haben sollten, müssen diese die Sache für wirklich wichtig befunden haben. Philantropische Neugier wird nicht ihr Motiv gewesen sein.

    Ob es nun so war oder nicht, für die Industrie dürfte Greim damit zur loose cannon werden, das könnte es ihm erschweren, noch mal eine Anschlussverwendung zu finden.

  19. #20 Richard
    31. Januar 2018

    “das könnte es ihm erschweren, noch mal eine Anschlussverwendung zu finden.”
    Irgendwann sollte es halt zumindest beruflich Schluss sein, wenn man schon 82 Jahre ist…

  20. #21 Beobachter
    31. Januar 2018

    Greim wird sicherlich zu gegebener Zeit selbst einen würdigen Nachfolger lancieren/empfehlen und/oder man wird sich in der Industrie rechtzeitig nach einem Ebenbürtigen zur “Anschlussverwendung” umsehen.
    Nachwuchs-Probleme wird es wohl kaum geben …

  21. #22 Ludger
    31. Januar 2018

    Joseph Kuhn #9:
    Zum anderen habe ich doch Zweifel, ob man sich an einer Uni, die eine lange Zusammenarbeit mit der Autoindustrie hat, nicht denken konnte, welche Absichten die EUGT mit der Studie verfolgt hat und dass daher erstens ein Interessenkonflikt anzugegeben gewesen wäre und man zweitens im Artikel eine klare Aussage hätte treffen müssen, dass die Befunde keinerlei Schlussfolgerungen auf die gesundheitlichen Auswirkungen von Stickoxiden durch Umweltbelastungen, insbesondere aus dem Straßenverkehr, zulassen.

    Die Studie wurde 2012 aufgelegt.
    Aus der Süddeutschen https://static.onleihe.de/content/sz/20180130/SZ20180130/vSZ20180130.pdf

    Nachdem 2015 aufgeflogen war,
    dass VW bei Dieselfahrzeugen jahrelang
    Messergebnisse manipuliert hatte, erklär-
    ten drei der sieben Mitglieder des For-
    schungsbeirates ihren Rücktritt. Einer von
    ihnen, Professor Ulrich Keil von der Univer-
    sität Münster, sagte am Montag: „Ich fühle
    mich im Nachhinein beschissen.“

    [Hervorhebung der Jahreszahl durch mich]
    Ex post vom Factum auszugehen, die Aachener hätten es wissen müssen, finde ich problematisch. Das sollte man besser andren überlassen – Homöopathen, Astrologen usw. (*). Vielleicht ist Prof. Kraus aus Aachen ja auch nur “beschissen” worden?
    (*) Entschuldigung, das Wortspiel konnte ich mir nicht verkneifen. LG. Ludger

  22. #23 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    31. Januar 2018

    @Joseph Kuhn Aus der Drucksache 18/12900 vom 22.06.2017
    Zum Untersuchungsausschuss zur Dieselaffaire

    Hier ist die kurze Aussage zu dem NOx-Test am Menschen:

    “Kurze, mehrere Stunden andauernde Expositionen von 1,5 ppm bzw. 3000 g/m3 sind laut dem Sachverständigen Professor Dr. Greim als für den Menschen gesundheitlich unbedenklich getestet worden.”

    @Ludger “Die Studie wurde 2012 aufgelegt” Wo genau steht das, allgemein wird von einer Studie von 2013 – 2014 berichtet.

  23. #24 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    31. Januar 2018
  24. #25 Ludger
    31. Januar 2018

    roel #23
    “@Ludger “Die Studie wurde 2012 aufgelegt” Wo genau steht das, allgemein wird von einer Studie von 2013 – 2014 berichtet.”

    Das sagt Prof. Kraus aus Aachen im o.a. Interview etwa ganz zu Beginn: https://www.youtube.com/watch?v=CMfgQ25o-Nk&feature=youtu.be
    Eine gewisse Vorlaufzeit ist glaubhaft, aber auch 2014-2014 liegt vor 2015.

  25. #26 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    31. Januar 2018

    @Ludger Danke! Das Interview kannte ich noch nicht. Grundsätzlich ist es immer schwer zu sagen wer, was, wann hätte wissen können oder müssen.

    Der oben von mir zitierten Satz “Kurze, mehrere Stunden andauernde Expositionen von 1,5 ppm bzw. 3000 g/m3 sind laut dem Sachverständigen Professor Dr. Greim als für den Menschen gesundheitlich unbedenklich getestet worden.” zeigt zweierlei:

    1. Jeder, der damals Anwesend war oder das Protokoll gelesen hat, hätte spätestens ab 22.06.2017 wissen können, das es Versuche am Menschen gab. Jeder – inklusive vieler Journalisten, Politiker und vielleicht auch der Vorstände der Automobilindustrie.

    2. Die Ergebnisse der Studie wurden von der Automobilindustrie genutzt.

    @Joseph Kuhn Davon abgesehen werden die Automobilindustrie Chefs durch Berichte und Gespräche von ihren Abgesandten in das Lobbyunternehmen EUGT unterrichtet worden sein. Niemand gründet ein Unternehmen, finanziert es und interessiert sich hinterher nicht für die Ergebnisse. Der Vorstand bestand aus hochrangigen Bosch, VW, Daimler, Fraport und BMW-Leuten, die Geschäftsleitung hatte ein hochrangiger VW-Mann. Da lief die Kommunikation auf höchster Ebene ab. Leider ist das nicht ganz leicht nachzuweisen. Naja, vielleicht rückt ja der ehemalige Vorsitzende des Forschungsbeirates noch mit mehr Details raus, wenn er als Sündenbock geopfert werden sollte.

  26. #27 uwe hauptschueler
    31. Januar 2018

    3000 g/m3

    wird hier schon zum zweiten Mal zitiert.
    Was soll das sein, 3000gNO/1200gLuft?
    Für Luft gilt: 1m^3 sind ca 1200g

  27. #28 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    31. Januar 2018

    @uwe hauptschüler
    Danke für den Hinweis, beim kopieren wird das µ-Teichen verschluckt.

    Soll heißen: 3000 µg/m3

    Ich hoffe beim Schreiben bleibt es drin.

  28. #29 uwe hauptschueler
    31. Januar 2018

    Das Zitat sieht immer noch unrund aus. Wenn ich 3mg/m3 durch 1200000mg/m3 teile, bekomme ich 2,5/1000000, entspricht 2,5ppm.
    Was mir nicht gefällt sind die Einheiten ppm und insbesondere ppb, die zu Fehlinterpretationen geradezu einladen. Ppm und ppb haben meiner Meinung nach in technisch/naturwissenschaftlichen Artikeln nichts zu suchen.

  29. #30 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    31. Januar 2018

    @Uwe Hauptschueler Was immer du da auch rechnest.

    “Ppm und ppb haben meiner Meinung nach in technisch/naturwissenschaftlichen Artikeln nichts zu suchen.”
    Na ja, aber streichen aus einem Zitat möchte ich die auch nicht.

  30. #31 Joseph Kuhn
    31. Januar 2018

    @ Ludger:

    Ich glaube, Sie hängen fest. Ob die Studie 2012 oder 2008 aufgelegt wurde, ist doch völlig egal. Es geht nicht darum, ob die Studie vor oder nach dem Dieselskandal war, es geht darum, ob die Autoren die Ziele der EUGT kannten oder nicht. Dass sie die nicht kannten, kann ich mir nicht vorstellen, es sei denn, sie haben noch nie etwas vom Widerstand der Autoindustrie gegen die Absenkung der Abgasgrenzwerte gehört. Morgen kommt der Weihnachtsmann.

  31. #32 Cornelia S. Gliem
    31. Januar 2018

    U. v. a. fehlt mir die ethisch und juristisch relevante Unterscheidung, dass die Menschen an den Versuchen freiwillig wissend mitgemacht haben (im Labor direkt und selbst auf der Straße indirekt); die Affen nicht.
    Was einige Kommentatoren hier schon ansprachen:
    Versuche die keinen nennenswerten Neuwert bringen – dürfen nicht mehr mit Tieren durchgeführt werden! …Von wegen guter Grund …

  32. #33 Beobachter
    1. Februar 2018

    @ Cornelia S. Gliem:

    Der schadstoffbelasteten Atemluft auf der Straße (und auch oft am Arbeitsplatz) kann man sich nicht entziehen – man MUSS mitmachen.
    Auch wenn man (Bescheid) weiß.

    Haben Sie mehr Mitleid mit den Affen als mit den Menschen?

  33. #34 Herr Senf
    1. Februar 2018

    Wie der “Postillon” herausgefunden hat, hat die Autoindustrie jahrelang Elchtests durchgeführt, nur um ein kleines Auto zu bauen.

  34. #35 Sonne
    1. Februar 2018

    Lang lebe das Kurzzeitgedächtnis !

    Es ist nach wie vor ein Trauerspiel dass sich die
    Otto- und Dieselmotoren seit “Damals” gegen die Brennstoffzelle durchgesetzt haben… Wären wir doch besser einfach zu Fuß gegangen.

    Zum glück habe ich die Misere gleich wieder vergessen… dann kann ich nämlich gut einschlafen… zumindest bis ich morgen Mittag an der stark befahrenen Hauptstraße entlangspaziere auf dem Weg zum Pneumologen… *hust* *hust*

  35. […] Bei Gesundheitscheck gibt es deutliche Worte zu Affentests der Autohersteller (und auch von mir). […]

  36. #38 Ludger
    3. Februar 2018

    Nachtrag:

    DIE ZEIT, 1. Februar 2018 No.9, Seite 34, “Wissen”:
    “Hatte die Autolobby eine Studie in Auftrag gegeben, die sie reinwaschen sollte? Nein, sagt Thomas Kraus, Studienleiter und Chef des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der Uni-Klinik der RWTH Aachen. “Das Studiendesign inklusive methodischer Aspekte ist komplett unabhängig von EUGT konzipiert worden.” Erst nachdem die Studie geplant war, seien er und seine Mitarbeiter wegen der Finanzierung auf die EUGT zugegangen.”

    Der ZEIT wurden die Unterlagen zur Verfügung gestellt. Und es wird eingeräumt, dass der EUGT die Ergebnisse der Studie sehr gelegen kamen.

    • #39 Joseph Kuhn
      3. Februar 2018

      @ Ludger:

      Diesen Ablauf halte ich für absolut glaubwürdig. Umso mehr stellt sich die Frage, was Kraus und Kollegen sich wohl gedacht hatten, warum die Studie für die EUGT interessant und man die Mittel dort und nicht woanders beantragt. Das ist ein klassischer Interessenkonflikt, der wiederum, ceterum censeo, ein Nebenkriegsschauplatz. Mit Blick auf die Instrumentalisierung von Wissenschaft bleibt die Einrichtung und das Verhalten der EUGT das eigentlich anrüchige Thema. Solche Lobbyvereine unterhält die Industrie ja gerne, siehe z.B. die – sehr seriös daher kommenden – Stiftungen Verum oder Pandora. Wer denkt da schon an die Tabakindustrie? Immerhin waren die Freunde der rauchenden Wahrheit bei der Namensgebung und den mission statements humorvoller als die Autoindustrie mit “EUGT”.

  37. #40 Joseph Kuhn
    4. Februar 2018

    Updates:

    1. Die FDP fordert im Handelsblatt den Rücktritt des VW-Chefs Müller wegen der Abgasversuche. Es gäbe sicher gewichtigere Gründe. Aber interessant ist, dass Michael Spallek den Versuch mit den Affen in den USA akribisch mit den Konzernjuristen abgestimmt hat. Die Brisanz der Sache war den Beteiligten also bewusst, einschließlich dessen, dass das Forschungsziel kein Humanexperiment rechtfertigt. Das kann noch juristische Folgen haben (siehe unten).

    2. Der Leiter des Aachener Humanexperiments, Prof. Kraus, räumt der WELT gegenüber ein, in Bezug auf die EUGT zu blauäugig gewesen zu sein. Die Studie selbst verteidigt er, das ist o.k., und dann: “Im Rückblick ist die Zusammenarbeit mit der EUGT trotzdem kritisch zu bewerten”. Auch wenn mehr Sensibilität vorher und ein klarer Satz in der Publikation besser gewesen wäre – dass er anders als Greim die Rolle der EUGT immerhin jetzt kritisch bewertet, verdient trotzdem Anerkennung, wer sagt schon gern öffentlich, dass er bei seinen Forschungsgeldern zu leichtfertig war.

    3. In den USA wird der Fall wie zu erwarten in eine Schadensersatzforderung verwandelt. VW habe sich unehrlicherweise von dem Versuch distanziert, obwohl der mit den Konzernjuristen abgestimmt gewesen sei. Die USA sind eben das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, für VW ebenso wie für die Schadensersatzspezialisten.

    4. Sehr schön die Schlussfolgerung des nach Dobrindts Wechsel amtierenden Bundesverkehrsministers Christian Schmidt: Er fordert ein “Umdenken in der Unternehmenskultur”. So isser, der Schmidt. Was er davon hält, wenn jemand ein “Umdenken in der Politik” fordert, will ich gar nicht wissen.

  38. #41 rolak
    4. Februar 2018

    wie zu erwarten

    Da ist ein winziger Tippfehler versteckt, korrekt wäre “wie vom Postillon prophezeit“.

  39. #42 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    4. Februar 2018

    @Joseph Kuhn “Kurz zur FPD Die Freiheitliche Partei Deutschlands (Kurzbezeichnung: FP Deutschlands) ist eine deutsche Kleinpartei mit Landesverbänden in Sachsen und Sachsen-Anhalt.” aus Wikipedia.

    • #43 Joseph Kuhn
      4. Februar 2018

      @ roel:

      Danke, der Dreher passiert mir immer wieder mal. Freud könnte es vielleicht erklären.

  40. #44 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    4. Februar 2018

    @Joseph Kuhn “Freud könnte es vielleicht erklären.” Bestimmt, ich weiß auch wie.

    • #45 Joseph Kuhn
      4. Februar 2018

      @ roel:

      “ich weiß auch wie”

      Jetzt bin ich aber gespannt.

      Zum Thema selbst:

      Das Handelsblatt zitiert gerade erneut aus Mails des amerikanischen Versuchsleiters Jacob McDonald: “Wir müssen sehen, wie wir diese dumme Studie machen und noch brauchbare Ergebnisse kriegen. Brauche Hilfe!“ Eine eindeutige Aussage zum wissenschaftlichen Wert der beauftragten Versuche, und das, obwohl er von der Schummelsoftware nichts wusste. Dem Handelsblatt zufolge hat das US-Justizministerium einen Aufpasser bei VW installiert, der schon eine Akte zum Affenversuch anlege. Es zitiert abschließend einen Informanten: “Das kann teuer werden.” In der Tat: Wenn der Einsatz der Schummelsoftware beim Versuch den verantwortlichen VW-Leuten bekannt war, sind die Affenversuche wohl als absichtliche Tierquälerei aus Marketinggründen zu werten.

  41. #46 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    4. Februar 2018

    @Joseph Kuhn “Jetzt bin ich aber gespannt.”Ach, jetzt wäre was von wegen Größe etc. gekommen, aber das eigentliche Thema ist spannender. Das Handelsblatt verlangt nach einer Registrierung.

  42. #47 roel
    http://scienceblogs.de/10jahrescienceblogs/author/roel/
    5. Februar 2018

    Seit Anfang Februar kennt das deutsche wikipedia auch die EUGT :

    de.wikipedia.org/wiki/Europäische_Forschungsvereinigung_für_Umwelt_und_Gesundheit_im_Transportsektor

  43. #48 Beobachter
    16. Februar 2018

    Update:

    Nicht zu fassen ! :

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/exklusiv-jetzt-soll-der-staat-fuer-saubere-diesel-autos-zahlen-1.3869463

    “Jetzt soll der Staat für saubere Diesel-Autos zahlen

    Regierungsberater empfehlen eine Förderung der Diesel-Nachrüstung mit öffentlichem Geld. Umweltpolitiker sind entsetzt. Dem nationalen Diesel-Gipfel droht der nächste Eklat.

    Im Kampf gegen Fahrverbote in Deutschland sollen womöglich nun auch Steuergelder helfen. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung und des Bayrischen Rundfunks schlagen die Diesel-Experten der Bundesregierung vor, eine Nachrüstung “ganz oder zu einem höchstmöglichen Anteil” durch eine Förderung abzudecken. … ”

    siehe auch:

    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2017/08/02/zwei-zahlen-zum-diesel-gipfel/

  44. #49 Joseph Kuhn
    25. Februar 2018

    Nachtrag:

    In der FAZ war schon Anfang des Monats ein Artikel, der den Sachstand zur Aachener Studie m.E. ganz gut zusammenfasst, auch wenn ein paar kritische Sätze zu den naheliegenden Absichten der EUGT nicht geschadet hätten: http://www.faz.net/aktuell/wissen/abgasversuche-war-das-den-aerger-wert-15430895.html

  45. […] ist industriefreundliche Wissenschaft besonders gefragt. Über die philanthrope EUGT wurde hier auf Gesundheits-Check schon diskutiert. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgt zurzeit auch wieder Prof. Dr. Dieter […]

  46. #51 Joseph Kuhn
    7. März 2018

    Noch ein Nachtrag, in der Sache nichts Neues, aber vielleicht interessant zum Einordnen:

    1. Das Votum der Ethikkommission der TU Aachen zur NO2-Studie, das offen lässt, was die Ethikkommission über EUGT denkt: https://www.ukaachen.de/fileadmin/files/global/vorstand/no2/Votum_final.pdf

    2. Das Schreiben des NRW-Wissenschaftsministeriums an den Wissenschaftsausschuss des Landtags in Sachen NO2-Studie, mit den Antworten des Klinikums auf einen Fragenkatalog: https://www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMV17-532.pdf;jsessionid=3FCE8D5554E977BEF683BD169F87F55D.ifxworker

    3. Ein “Politikbrief” des Uniklinikums Aachen, in dem zu den Medienmeldungen über die NO2-Studie Stellung genommen wird: https://www.ukaachen.de/fileadmin/files/global/180103_MO_Politikbrief_01_2018_NO2_Studie.pdf

  47. […] wie Monsanto „keinen Einfluss“ auf Helmut Greim genommen hat oder die Automobilindustrie nicht auf die Projekte, die die EUGT gefördert hat. Immerhin: Seit zwei Jahren ist das „Wissenschaftsbarometer“ jetzt rauchfrei, die […]