Das Umweltbundesamt hat errechnet: In Deutschland sterben mindestens 6.000 Menschen pro Jahr vorzeitig an Stickstoffdioxid. Gewichtet nach der Bevölkerung 2016 auf die deutschen Großstädte übertragen ergibt das folgende Bürgermeisteralarmliste:

Dieseltote_Städte

Noch mehr erschrecken würden die Bürgermeister, wenn sie das Gleiche mit den viel belastbareren Daten zum Feinstaub machen würden, aber Bürgermeister haben es eh schon schwer. Ich will auch nicht groß darüber diskutieren, wie viel Sinn meine Pi-mal-Daumen-Rechnung macht, da gibt es sicher das eine oder andere zu bedenken. Mir geht es darum, solche Zahlen aus dem abstrakten bundesweiten Himmel auf den Boden der wohnortnahen Lebenswirklichkeit zu holen. Wenn man davon ausgeht, dass die Zahlen des Umweltbundesamtes nicht völlig belanglos sind, dann hat das auch Relevanz für die Situation vor Ort.

Die Frage ist, welche Relevanz. Zurecht wird bei all diesen Hochrechnungen hinterfragt, wie sich diese statistischen Sterbefälle konkret auf die Bevölkerung verteilen, welche Gruppen mehr und welche weniger betroffen sind, und um wie viel verlorene Lebenszeit es für die Betroffenen jeweils geht.

Und natürlich weiß man auch nicht so wirklich, wie belastbar die Daten des Umweltbundesamtes sind. Die Studie macht einen sehr sorgfältigen Eindruck, aber es gibt auch ernstzunehmende Stimmen, die zu Vorsicht mahnen und vermutlich ist in der Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen. So ist eben Wissenschaft: ein stetes Bemühen, eine Frage zu klären, Fehler und Irrtümer eingeschlossen. Wer trotzdem dem letzten Wort in der Sache näher kommen will, muss sich mit solchen Berechnungen, ihren Unsicherheiten, den Grenzen der Aussagemöglichkeiten und der Verbesserung der Datenlage beschäftigen. Wir brauchen dringend mehr umweltepidemiologische Forschung. Einfach als „politisches Auftragsgutachten“ abtun, wie es manche Medienkommentare machen, sollte man die Ergebnisse des Umweltbundesamtes jedenfalls nicht. Sie könnten sogar noch in Cottbus relevant sein.

Kommentare (43)

  1. #1 Ludger
    10. März 2018

    Ich hätte zu den Zahlen gerne die Konfidenzintervalle.

  2. #2 luftikus
    10. März 2018

    Der Schnellleserekord der 172seitigen Studie geht vermutlich an die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Judith Skudelny. Am 8.3.18 10:30 Uhr wurde die Studie vom UBA vorgestellt, um 14:38 Uhr lautete ihr Urteil:

    „”Studien wie diese sind lediglich Munition für Lobbyverbände wie die Deutsche Umwelthilfe und werden regelmäßig zur Panikmache gegen den Dieselmotor genutzt.” Entgegen der in der Wissenschaft vorherrschenden Meinung werde so mit unbegründeten Schreckensmeldungen Politik gemacht. “Die Untersuchung geht von 6.000 Toten durch den Einfluss von Stickstoffdioxiden aus. Selbstverständlich sind diese nicht gesund, allerdings stellt die Studie keinen Kausalzusammenhang zwischen Todesursache und Feinstaub- bzw. Stickstoffdioxid-Belastung her”, deckt Skudelny die Schwächen der Studie auf. Zudem würden andere Einflussfaktoren wie Gesundheitszustand, Alter oder Lebensweise ignoriert.“

    https://www.liberale.de/content/studie-des-umweltbundesamtes-ist-munition-fuer-lobbyverbaende

    Ich meine, dass Frau Skudelnys schnelles Urteil der Studie nicht gerecht wird. Werden hier doch aussagekräftige statistische Zusammenhänge zwischen NO2-Belastungen und Gesundheitsauswirkungen aufgezeigt. Das was Frau Skudelny aufgedeckt haben möchte steht in der UBA Studie selbst, nämlich: „Allerdings ist die Evidenz für einen kausalen Zusammenhang für viele der Outcomes limitiert.“

  3. #3 luftikus
    10. März 2018

    @Ludger. Die UBA Studie macht hier folgende Angaben: “Für die Berechnung wurde ein gepooltes Hazard Ratio von 1,030 (95 % -Konfidenzintervall: 1,010 – 1,050) […] verwendet.” Wenn ich mich nicht verrechnet habe plusminus 66%. Das Konfidenzintervall der 12.860 vorzeitigen Todesfälle der EEA Studie wurde vergleichsweise mit plusminus 45% angegeben.

  4. #4 Joseph Kuhn
    10. März 2018

    @ Ludger:

    Was meine Tabelle angeht, frage ich mich, ob man da nicht eher so etwas wie eine Berechnung der Fehlerfortpflanzung für die Unsicherheiten der Komponenten bräuchte, aber darüber mögen klügere Köpfe grübeln. Im konkreten Fall sollte man es mit der Zahlenakrobatik besser nicht übertreiben, die deutschlandweiten Zahlen einfach bevölkerungsgewichtet zu übertragen, ist schließlich keine sehr seriöse Geschichte. Es reicht, wenn sie den von mir genannten “pädagogischen” Zweck erfüllt: Die Frage der Berechnung von Risiken geht uns alle an, auch in Cottbus, und wir tappen in wichtigen Dingen doch sehr im Dunkeln.

    @ luftikus:

    Zur Ehrenrettung der FDP muss man sagen, dass es viele Spontanepidemiologen gibt, die wissen, wo es an der UBA-Studie hakt. Wenn man die Kommentarspalten der Medien liest, fragt man sich, warum das UBA überhaupt Fachleute wie Frau Prof. Peters vom Helmholtzzentrum München beauftragt hat und nicht die vielen Experten aus den Kommentarspalten, die es doch offensichtlich viel besser wissen. Ich könnte die Studie im Detail jedenfalls nicht bewerten.

  5. #5 luftikus
    10. März 2018

    @JK bzgl. “Zahlenakrobatik”. David Spiegelhalter, Statistiker in Cambridge, der mehr von Statistik als ich versteht, hat hier eine ähnliche Einschätzung. Zitat:

    “There are huge uncertainties surrounding all the measures of impacts of air pollution, with inadequate knowledge replaced by substantial doses of expert judgement. These uncertainties should be better reflected in the public debates.”

    https://wintoncentre.maths.cam.ac.uk/news/does-air-pollution-kill-40000-people-each-year-uk

  6. #6 Ludger
    10. März 2018

    Die Frage ist, ob eine Hazard Ratio von 1,030 (95 % -Konfidenzintervall: 1,010 – 1,050) mehr ist als heiße Luft, weil die Berechnung auf weichen Parametern beruht.

  7. #7 Ludolf W.
    10. März 2018

    Keine Frage Stadtluft ist schlechter als Landluft und bestimmt nicht gut für die Gesundheit.
    Mich interresiert, wie man so eine Studie machen kann und dabei ein Stoff herausisolieren kann?
    Dazu müßte man doch mehrere Gegenden finden, wo alles identisch ist bis auf den Stoff den man untersuchen möchte oder?

    Gibt es solche Gegenden?
    Bitte nicht als Kritik auffassen ich möchte es “nur” verstehen, wie so eine Studie funktionieren kann.

  8. #8 Peter
    10. März 2018

    “Die Studie zeigt unter anderem, dass acht Prozent der bestehenden Diabetes mellitus-Erkrankungen in Deutschland im Jahr 2014 auf Stickstoffdioxid in der Außenluft zurückzuführen waren” – Hm. Frage als interessierter Laie mit statistischen Grundkenntnissen: Kann da definitiv ausgeschlossen werden, dass es sich nicht um ein weiteres Beispiel der berühmten Scheinkorrelation mit den Störchen und der Geburtenhäufigkeit handelt, in diesem Fall mit Urbanität oder sozialer Schichtzugehörigkeit als vermittelnde Variable? Korrelative Zusammenhänge zwischen Variablen für die es sonst keine kausalen Beziehungen gibt, deuten normalerweise eher auf Scheinkorrelationen hin.

    • #9 luftikus
      10. März 2018

      @Peter: Zu Diabetes und Luftverschmutzung gibt es eine Metaanalyse, die auf das hohe Bias Risiko hinweist: “Existing evidence indicates a positive association of air pollution and T2DM risk, albeit there is high risk of bias.” Es gibt durchaus plausible pathophysiologische Erklärungsansätze, wie in derselben Studie dargestellt.

      https://ehp.niehs.nih.gov/1307823/

    • #10 Joseph Kuhn
      10. März 2018

      @ Peter:

      “Kann da definitiv ausgeschlossen werden …”

      Das Wörtchen “definitiv” ist in der Epidemiologie wie sonst im Leben auch fast immer fehl am Platz. Man sollte die Messlatte nicht höher hängen als notwendig für die Entscheidungen, die man treffen muss.

      “Korrelative Zusammenhänge zwischen Variablen für die es sonst keine kausalen Beziehungen gibt, deuten normalerweise eher auf Scheinkorrelationen hin”

      Eine “Scheinkorrelation” wäre eine nichtexistente Korrelation. In dem Fall ginge es um eine echte Korrelation, der aber kein kausaler Zusammenhang zugrunde liegt, gewissermaßen eine “Scheinkausalität”.

      Wie es mit den Hinweisen zu kausalen Beziehungen zwischen NO2 und Diabetes aussieht, weiß ich nicht, ich habe mich damit nicht beschäftigt. Studien, die das untersuchen, gibt es jedenfalls. Zum schnellen Einlesen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=no2+diabetes

      Nachtrag: luftikus war mit seinem Kommentar schneller, insofern hat sich mein letzter Hinweis erledigt.

  9. #11 luftikus
    10. März 2018

    Meine Lesart der UBA Studie und der Expertise Wichmann ist die folgende:

    Eine Reduktion des NOx Ausstoßes ist zum Schutz der Gesundheit notwendig.

    Einschränkungen:
    Es besteht eine enge Korrelation zwischen NO2, Ruß und Partikelzahl. „Wenn Schadstoffe eng korreliert sind ist es schwierig bis unmöglich, ihre Effekte voneinander abzugrenzen.“ (Wichmann)

    „Betrachtet man NO2 in seiner Rolle als Indikator auch für andere verkehrsabhängige Luftschadstoffe dann können die dadurch bedingten gesundheitlichen Auswirkungen nicht durch die alleinige Reduktion der Freisetzung von NO2 vermieden werden. Hierzu ist es erforderlich, auch die Freisetzung dieser anderen Schadstoffe zu verringern. Da diese Stoffe überwiegend zu den Partikeln zählen oder an Partikel angelagert sind, sind zusätzliche Maßnahmen zu Verminderung der Partikelemission sinnvoll.“ (Wichmann)

    Folgen:
    Wenn nun Dieselmotoren gegen direkteinspritzende Ottomotoren mit Typprüfung vor dem 1.9.2017 (Stichtag Ende des „Partikelprivilegs“ der Direkteinspritzer) ersetzt werden, ist für die Gesundheit der Menschen vermutlich nichts gewonnen.

    Beispielsweise stößt das „Stadtauto“ Smart als Benziner das 138-Fache des Partikel-Grenzwerts aus, den Dieselfahrzeuge seit 2011 einhalten müssen. Solche Autos müssen vorrangig aus den Städten verbannt werden.

    https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/zu-viel-feinstaub-deutsche-umwelthilfe-will-den-smart-von-der-strasse-holen/19789018.html

    Für eine gesündere Atemluft brauchen wir nicht nur sauberere Autos, sondern insgesamt weniger Autos in den Städten.

    Wissen wir genug um zu handeln? Ja!

  10. #12 Bernhard Schmalhofer
    München
    10. März 2018

    Ludolf W. schreibt: “Keine Frage Stadtluft ist schlechter als Landluft”. Kann man das so sagen? Auf dem Land gibt es ja auch mehr Holzheizungen, Schweineställe und Gülle auf den Feldern.

  11. #13 Joseph Kuhn
    10. März 2018

    Update, Breaking News im Deutschen Zentralblatt für Risikokommunikation:

    Die Bildzeitung titelt in ihrer heutige Ausgabe: “Ergebnis von Abgas-Studie dreist verfälscht. So pfuscht das Umwelt-Ministerium mit Trausenden Diesel-Toten.” Schriftgröße 80, rot unterstrichen, Alarm Alarm.

    Mit der “dreisten Verfälschung” haben sie mich doch glatt geködert, ich habe 90 Cent dafür ausgegeben. Zur Erläuterung wird auf Seite 7 verwiesen. Da wird dann unter der ebenfalls dicken und völlig irreführenden Überschrift “Kein einziger Diesel-Toter wirklich nachweisbar” Prof. Dr. Joachim Heinrich von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie zitiert: “Ist eine Person an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung gestorben, kann dies nicht eindeutig etwa auf eine Belastung mit Stickstoffdioxid zurückgeführt werden.” Ja potzblitz, genau deswegen musste das UBA doch so eine aufwändige Studie machen. Joachim Heinrich ist übrigens kein Verharmloser der Stickoxiddebatte. Er hat selbst z.B. zum Zusammenhang von Stickoxiden und Asthma geforscht und dürfte sich hier eher missbraucht fühlen.

    Bild hat aber noch zwei Kronzeugen für die “dreiste Verfälschung”: Einmal das Bundesumweltministerium höchstselbst, das sage, es gehe um statistische Zusammenhänge. Ja potzblitz noch einmal. Die Bildzeitung folgert daraus: “Eine statistisch höchst umstrittene Annäherung, die in keinster Weise belastbar ist”. Dass die Studie “in keinster Weise belastbar” ist, hat die Bildzeitung vermutlich von ihrer Wissenschaftsredaktion, die früher immer die Busengirls vorgestellt hat. Und dann kommt der Top-Experte, Prof. Dr. hc mult. dies. Dobrindt: “Wir brauchen endlich mehr Sachlichkeit in der Diesel-Debatte und keine weitere ideologische Verunsicherung.” Potzblitz, dem kann ich sogar zustimmen. Aber ob Dobrindt umgekehrt auch mir zustimmen könnte?

    Das war’s auch schon mit der “dreisten Verfälschung”. Irgendwie stimmt die Schlagzeile also doch.

    Edit, Korrektur 11.3.2018:
    In der ersten Fassung des Kommentars hatte ich geschrieben, Herr Heinrich sei so wenig Professor wie Herr Köhler Präsident der Peumologen. Das war falsch. Herr Heinrich hat einen Professorentitel, auch wenn er auf der LMU-Seite ohne firmiert. Richtig ist dagegen, dass er die NO2-Risiken nicht verharmlost.

  12. #15 luftikus
    10. März 2018

    Ein paar Anmerkungen zur Geschichte des NO2 Jahresmittelgrenzwertes, auch wenn das leicht OT ist:

    In der Schweiz gilt seit 1986 für NO2 ein 30μg/m3 Jahresmittelwert, der in der Schriftenreihe Umweltschutz mit epidemiologischen Untersuchungen begründet wurde. (Immissionsgrenzwerte für Luftschadstoffe, Bundesamt für Umweltschutz, Bern, 1986).

    Laut UBA wurde der 40μg/m3 Jahresmittelwert von der WHO vorgeschlagen und von der EU unverändert übernommen.

    „Für den Langzeit-Richtwert schlussfolgerte die WHO im Jahr 2000, dass eine Festlegung auf der Basis geeigneter Studien nicht möglich sei. Dennoch zog sie den Wert von 40 µg/m3 aus einer früheren Abschätzung heran (WHO 1997).“

    „Der gültige NO2-Jahresmittelwert für die Außenluft von 40 µg/m3 wurde 1999 auf Vorschlag der EU-Kommission von den EU-Mitgliedstaaten beschlossen und 2008 von der EU bestätigt.“ https://www.umweltbundesamt.de/themen/stickstoffdioxid-belastung-hintergrund-zu-eu

    Die EU übernahm also die WHO Jahresmittelwerte für NO2 unverändert. Vielleicht war man 2008 so sehr mit der Abänderung des PM2.5 Grenzwertes von WHO 10µg/m3 auf EU 25µg/m3 beschäftigt, dass man den NO2 Jahresmittelwert schlicht übersah oder keine Bedeutung beimaß.

    Walter Krämer bietet nun in den Stuttgarter Nachrichten eine interessante Erklärung für den 40µg/m3 Jahresmittelwert an:

    „Die Grenzwerte im Freien sind auf Druck von Interessengruppen zustande gekommen, die den Autoverkehr aus den Städten verbannen wollen. Sie sind politisch gesetzt und werden wissenschaftlich bemäntelt.“

    https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.statistikprofessor-kritisiert-studien-zu-diesel-abgasen-die-abgastoten-sind-reine-panikmache.eccdfa2c-1441-49b9-88d5-c52735b9e41b.html

    Wurden die niedrigen WHO Grenzwerte tatsächlich politisch gesetzt?

    Laut dem Factsheet des Sciencemediacenters werden die WHO Grenzwerte rein gesundheitlich präventiv festgelegt.
    https://www.sciencemediacenter.de/fileadmin/user_upload/Fact_Sheets_PDF/__SMC-Factsheet_Grenzwerte_Luftverschmutzung_2017-01-27.pdf

    Auch Erich Wichmann, der von 1994 bis 2010 “WHO air pollution – Advisor” war, stellt die Geschichte anders dar:

    “Nach eigenem Verständnis werden die Richtwerte der WHO ausschließlich auf der Grundlage des Wissensstandes zu gesundheitlichen Auswirkungen festgelegt. Demgegenüber fließen in die Grenzwertfestsetzung bei EU und in den USA zusätzliche Gesichtspunkte ein. Dies zeigt sich u.a. daran, dass die WHO-Richtwerte von Expertengruppen festgelegt werden, die ausschließlich das toxikologische und epidemiologische Wissen sowie Ergebnisse von Risikoabschätzungen berücksichtigen, während vor der Festlegung der Grenzwerte zusätzlich politische Instanzen, Behörden und Industrievertreter angehört werden.”
    https://vm.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mvi/intern/Dateien/PDF/PM_Anhang/Wichmann_2018_Gesundheitliche_Risiken_durch_Stickstoffdioxid_Expertise_1.pdf

  13. #16 hmann
    10. März 2018

    JK
    Positiv zu werten ist die Tatsache, dass die Bildzeitung überhaupt so ein Thema auf die Titelseite setzt.
    Welcher Bürger kann solche Analysen , wie Sie bei #13 machen durchführen geschweige denn verstehen. Nicht viele.
    Und genau so wenig ist die “schlechte Luft Problematik” in der Öffentlichkeit verankert. Wir haben stuttgart einen grünen OB und einen grünen Ministerpräsidenten. Beide sagen, Fahrverbote sind die schlechteste Lösung.
    Vor einem Jahr wurde hier an einer vielst befahrenen Ausfallstraße ein neues Mietshaus gebaut mit 10 m Abstand. An der gleichen Straße haben sie einen Kinderspielpaltz gebaut, allerdings mit 20 m Abstand.
    Einen Kommentar dazu erspare ich mir.

  14. #17 Tim
    10. März 2018

    Naja, Epidemiologie ist lediglich Wissenschaft auf dem Niveau der Volkswirtschaftslehre.

    Wäre es Zahlen aus der Toxikologie, könnte man drüber diskutieren.

    • #18 Joseph Kuhn
      10. März 2018

      @ Tim:

      “Wäre es Zahlen aus der Toxikologie, könnte man drüber diskutieren.”

      Zu NO2 gibt es natürlich auch Daten aus der Toxikologie. Aber das geht nur für kurzfristige Effekte. Oder würden Sie sich gerne für einen Versuch zur Verfügung stellen, bei dem Sie jahrelang in einer Kammer sitzen und NO2 zugeführt wird?

      “Epidemiologie ist lediglich Wissenschaft auf dem Niveau der Volkswirtschaftslehre.

      Schön, wenn man so klug ist wie Sie und gleich zwei Wissenschaften (wobei das eine eher eine Methodensammlung ist) fundiert beurteilen kann, ohne auch nur eine davon zu kennen.

  15. #19 Ludolf W.
    10. März 2018

    > Kann man das so sagen? Auf dem Land gibt es ja auch mehr Holzheizungen, Schweineställe und Gülle auf den Feldern.

    Aber auf dem Land ist man so schlau und wohnt nicht direkt neben einem Schweinestall bzw. Sickergrube.
    In der Stadt gibt es jedoch genug Menschen, die wohnen direkt an der Hauptstraße …

  16. #21 Peter
    10. März 2018

    @10: eine Scheinkorrelation ist m. E. keine “nichtexistente” Korrelation – zumindest wird das Wort üblicherweise anders verwendet: “Scheinkorrelation oder (engl.) spurious relationship bezeichnet (missverständlicherweise) eine Korrelation zwischen zwei Größen, der kein Kausalzusammenhang zu Grunde liegt. Dies ist z. B. der Fall, wenn konfundierende Variablen (Störvariablen) oder andere intervenierende Variablen einen Einfluss haben.” (Wikipedia)Konkret gemeint habe ich diesen Effekt hier: http://statistik-dresden.de/archives/1089

    • #22 Joseph Kuhn
      11. März 2018

      @ Peter:

      😉

  17. #23 Joseph Kuhn
    11. März 2018

    Update:

    Achgut, die Seite mit dem Klagelaut im Titel, setzt ihre “aufklärerische” Berichterstattung gegen den linksgrünversifften Studiensumpf fort. Nachdem sie vor ein paar Tagen das Bundesgesundheitsamt wiederbelebt hat, erweckt sie jetzt, haha, wie witzig, die Dieseltoten wieder zum Leben. Dirk Maxeiner schrieb sich von der Seele, was er schon immer über umweltepidemiologische Risikoschätzungen dachte, es ist immer dasselbe. Gelesen hat er die UBA-Studie sichtlich so wenig wie die meisten anderen Spontanepidemiologen.

    Innovativ ist immerhin sein Umgang mit Professorenmeinungen. Erst plädiert für den gesunden Menschenverstand: “Man kommt mit dem Laienverstand in der Beurteilung von sogenannten „Studien“ oft recht gut zurecht. … Also keine Angst vor Professoren. Schon beim ersten Nachfragen stellt sich mitunter heraus, dass sie zwar Professor sind, aber leider auf einem anderen Fachgebiet.” Um dann ein paar Zeilen später andächtig Dieter Köhler zu zitieren. Egal, es handelt sich ja um “Professor Dieter Köhler, ein renommierter Lungenexperte, der von 2002 bis 2007 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie war”.

    Der muss es wissen, auch wenn er kein Epidemiologe ist, sondern als Pneumologe ein anderes Fachgebiet vertritt, dafür aber Maxeiners Meinung bestätigt. Die ist entscheidend. Für die “sogenannten Studien” der Epidemiologie reicht ja der Laienverstand, man muss diese Studien schließlich nicht einmal lesen, man weiß ja auch so, was drin steht. Und wenn sie auch noch vom Umweltbundesamt kommen, ist für Maxeiner sowieso noch die eine oder andere alte Rechnung offen.

  18. #24 Reno M
    11. März 2018

    Ähnlich interessant: https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/manipulierte-messungen-der-schadstoffe/

    Kann zu den dortigen Einwänden jemand was sagen?

  19. #25 Rowa
    11. März 2018

    Stimmen die Zahlen?

    “In Deutschland sterben mindestens 6.000 Menschen pro Jahr vorzeitig an Stickstoffdioxid.”

    “Allein in Deutschland erkranken mehr als 279.000 Menschen jährlich an einer Sepsis – Tendenz steigend. Fast jeder vierte Patient stirbt.”

    “2012 starben hierzulande 14.551 Menschen an den Folgen von Alkoholkonsum.”

  20. #26 Joseph Kuhn
    11. März 2018

    @ Rowa:

    Es hilft immer, wenn man die Quelle seiner Daten angibt. Die Sepsiszahlen sind aus einem Artikel im Deutschen Ärzteblatt. Dahinter steht eine Auswertung von Krankenhausdaten. Wie die Daten unter Fachleuten diskutiert werden, weiß ich nicht, jedenfalls gehört die Sepsis zu den wichtigsten vermeidbaren Todesursachen.

    Die Alkoholtoten sind aus einer alten Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes. Die Daten beruhen auf einer Auswahl von ICD-Ziffern aus der Todesursachenstatistik, die recht eindeutig dem Alkoholmissbrauch zugerechnet werden können. Die Daten unterschätzen daher die reale Zahl der alkoholbedingten Sterbefälle erheblich, weil z.B. die alkoholbedingten Herzkreislauferkrankungen oder die Krebserkrankungen fehlen: Diese Krankheitsbilder können viele Ursachen haben und sind nicht allein aufgrund der ICD-Ziffern dem Alkoholkonsum zuzurechnen. Dafür braucht es Studien zur Abschätzung der attributablen Risiken, Fachleute gehen von 40.000 bis 70.000 (letzteres mit Mischkonsum durch Tabak) alkoholbedingten Sterbefällen aus.

    @ Reno M.

    Bei Tichy kommen wie zu erwarten nur Stimmen gegen die UBA-Daten zu Wort, er beruft sich auf den Stuttgarter Lungenarzt Hetzel und den Arbeitsmediziner Drexler. Beide werden derzeit (zusammen mit Köhler) als Kronzeugen gegen die UBA-Daten herumgereicht, beide, wie auch Tichy sagt, keine Epidemiologen, oder wie Maxeiner sagen würde, “zwar Professoren, aber leider auf einem anderen Fachgebiet”. Der Tichy-Artikel ist ein Beispiel dafür, wie man das Kind mit dem Bade ausschütten und mit Professorenzitaten ein Verharmlosungspamphlet konstruieren kann.

  21. #27 Reno M
    11. März 2018

    zu Kuhn/26

    Meine Frage zielte eher darauf hinaus, ob in D tatsächlich – entgegen den EU-Vorgaben – die Messstellen so platziert werden, um nicht-repräsentative Spitzenwerte zum Argumentieren der Umweltlobby zu erhalten.
    Dass alternative Medien eher Contra-Argumente listen, ist verständlich, da die Pro-Argumente in den Mainsteams zur Genüge abgedeckt sind.

  22. #28 rolak
    11. März 2018

    Pro-Argumente in den Mainsteams

    Selbst wenn man Papa Freud sonst für nix dankbar sein zu können glaubt, die nach ihm benannte Fehlerklasse hat was…

    Sofort, ach was, sofortest. Demaskierend.

  23. #29 Joseph Kuhn
    11. März 2018

    @ Reno M:

    “Meine Frage zielte eher darauf hinaus, ob in D tatsächlich – entgegen den EU-Vorgaben – die Messstellen so platziert werden, um nicht-repräsentative Spitzenwerte zum Argumentieren der Umweltlobby zu erhalten.”

    Sofern es um die Münchner Messstelle am Stachus geht: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/no-studie-umweltbehoerde-weist-kritik-an-stickstoffdioxid-messungen-zurueck-1.3898071

    Mehr kann ich dazu nicht sagen, ich bin kein Umweltingenieur. Aber dass die UBA-Zahlen bei einem anderen Standort am Stachus anders wären, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, auch wenn Münchner Messwerte Teil der Datenbasis der Studie sind.

    “Dass alternative Medien eher Contra-Argumente listen …”

    oder Mainstream-Medien wie die BILD alternative Fakten …

  24. #30 luftikus
    12. März 2018

    Die aktuelle Bild Ausgabe zeigt, wie weit man mit “Laienverstand in der Beurteilung von sogenannten „Studien“ ” (Maxeiner) kommt. Unter der Überschrift “Wut der BILD-Leser über Pfusch mit Diesel-Studie” dürfen sich Küchentischepidemiologen an der UBA Studie abarbeiten inklusive Rücktrittsforderung der UBA Präsidentin. Wer Laien über die Qualität von Studien urteilen lässt, darf sich nicht wundern, wenn ein künftiges UBA später von Lobbyisten wie Scott Pruitt geleitet wird.

    https://www.bild.de/geld/wirtschaft/abgas-skandal/der-pfusch-mit-der-diesel-studie-55066454.bild.html

  25. #31 shader
    12. März 2018

    Also wenn man so liest, was da BILD und Maxeiner von sich geben, dann war der March for Science leider eine notwendige Veranstaltung.

  26. #32 shader
    12. März 2018

    @Reno M, der Autor findet es also nicht gut, dass dort gemessen wird, wo der Schadstoffanteil besonders hoch ist. Nun, damals haben DDR-Behörden auch so gedacht wie der Tichy-Autor und haben dort Umweltmessungen vorgenommen, wo die Natur noch in Ordnung war. Wie praktisch. 😉 So hält man die Grenzwerte wunderbar ein.

    Weil ja auch so viel vom gesunden Menschenverstand gesprochen wurde, sagt der einem nicht auch, dass man gerade die Messpunkte an den Stellen aufstellen muss, wo Menschen leben und die Belastung am höchsten ist? Denn was nützt es, Messpunkte in den Stadtpark oder an Gewässern zu verlegen? Wenn wir wissen wollen, ob wir uns einer schädlichen Substanz im hohen Maße aussetzen, dann wählen wir auch nicht die Tage aus, wo wir der Substanz nicht begegnen. Was nützt es, wenn ich mich an 20.000 Tagen meines Lebens kein Milligramm Zyankali zu mir genommen habe, aber dummerweise heute gleich ein ganzes Gramm.

    Großstädte sind nun mal kompakt gebaut und so befinden sich viele Wohnhäuser sehr nahe an dicht befahrenen Straßen. Die Konzentration an Schadstoffen wird in deren Wohnungen nicht niedriger sein als am Straßenrand, sondern durch mangelnde Belüftung sogar etwas höher. Alles Dinge, die man durch gesunden Menschenverstand erfassen könnte. Warum funktioniert dieser ausgerechnet bei Tichy-Autoren nicht? ^^

  27. #33 Uli
    13. März 2018

    Solange Zigarettenrauchen noch legal ist, und Industriebetriebe in Ballungsgebieten produzieren, wird es nicht viel helfen, die Autos als Buhmann zu verdammen.
    Von denen kommt nämlich ein immer kleinerer Teil der Schadstoffe.

    Früher (TM) hat man das Problem ganz einfach gelöst. Ältere Autos mit höherem Schadstoffausstoß wurden einfach höher besteuert und so ganz ohne Fahrverbote löste sich das Problem binnen weniger Jahre, weil die Autos ins Ausland exportiert wurden.

    Und daß wir kein europaweites Plakettensystem haben, das setzt dem Ganzen noch die Krone auf.

    EU-Ausländer dürfen ohne Plakette nicht in unsere Innenstädte, wir dürfen z.B. nicht nach Straßburg rein, weil wir die französische Plakette nicht haben und so weiter. Nationale Einzelgänge zum Nachteil der Bürger. Hier wäre mehr EU deutlich besser für uns!

    • #34 luftikus
      13. März 2018

      Das kann man so nicht stehen lassen. Der Strassenverkehr ist in Grossstädten mit ca. 50% an der PM10 Belastung beteiligt.

      Zitat: “An der Messstation Stuttgart Am Neckartor trägt der Straßenverkehr mit insgesamt 51% zu der Belastung mit Feinstaub PM10 bei, wobei etwa 1/6 der Belastung aus dem Abgas und 5/6 aus dem verkehrsbedingten Abrieb/Aufwirbelung (Reifen-, Bremsen-, Straßenabrieb und deren Aufwirbelung) stammen.”
      https://www.landtag-bw.de/files/live/sites/LTBW/files/dokumente/WP16/Drucksachen/1000/16_1959_D.pdf

      Mit den europaweiten Plaketten gebe ich Ihnen recht. Bis wir die haben, können wir ja das Plakettensystem in Deutschland weiterentwickeln.

  28. #35 luftikus
    13. März 2018

    Die Auslassungen der Bildzeitung blieben für Holger Douglas nicht unbemerkt.

    Zitat: “Jetzt schlägt auch die Bild-Zeitung zu: „Kein einziger Diesel-Toter wirklich nachweisbar“ schreibt sie in dicken Lettern ziemlich genervt von den Märchen Maria Krautzbergers, der Noch-Präsidentin des Umweltbundesamtes.”

    https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/bild-diesel-manipulierte-daten-und-die-wut-der-leser/

  29. #36 shader
    13. März 2018

    Merken die Leute nicht, dass man mit derselben Argumentation auch behaupten kann “Kein einziger Zigaretten-Toter wirklich nachweisbar”?

  30. #37 luftikus
    15. März 2018

    Von Jan Fleischauer ist man eigentlich Besseres gewöhnt. Heute in SPON:

    “Die erfundenen Toten

    Jedes Jahr 6000 vorzeitige Tote durch Stickoxid – damit erschreckte das Umweltbundesamt die Deutschen. Was nach Wissenschaft klingt, ist in Wahrheit eine politische Zahl einer durch und durch politisierten Behörde.”

    http://m.spiegel.de/politik/deutschland/dieselgate-2-die-erfundenen-toten-a-1198225.html

    Was in Jan Fleischauers Kolumne nach Wissenschaft klingt, ist in Wahrheit seine politische Meinung.

  31. #38 luftikus
    15. März 2018

    Maria Krautzberger im Zeit Interview:

    “Und natürlich stirbt niemand sofort, wenn er täglich mehrere Stunden lang zu viele Stickoxide einatmet, genauso wenig wie jemand sofort stirbt, wenn er jeden Tag eine Schachtel Zigaretten raucht. Wir benennen aber Risiken, dadurch zu erkranken. Das tun Studien zur Krankheitslast durch das Rauchen übrigens auch, ohne dass das einen Aufschrei der Empörung auslöst. ”

    http://www.zeit.de/2018/12/stickstoffdioxid-studie-abgase-umweltbundesamt-verteidigung

  32. #39 PDP10
    15. März 2018

    Von Jan Fleischauer ist man eigentlich Besseres gewöhnt.

    Seit wann?

  33. #40 Joseph Kuhn
    15. März 2018

    @ luftikus:

    “Jan Fleischauer … Heute in SPON”

    Ein erschreckendes Dokument der Ignoranz. Da schreibt er allen Ernstes: “Ich bin ein neugieriger Mensch. Wie stellt man fest, dass 6000 Menschen in Deutschland noch leben könnten, wenn es den Dieselmotor nicht gäbe, habe ich mich gefragt.” Er war nicht neugierig, sonst hätte er sich erst mal fragen sollen, was er sich überhaupt fragt. Die UBA-Studie geht von 6.000 Sterbefällen infolge von NO2 aus. Darüber, wie viele Menschen durch Dieselabgase sterben, macht sie überhaupt keine Aussage. Fleischauer hat entweder nicht im Ansatz kapiert, wovon die Rede ist, oder er gibt seinen Vorurteilen gegen das UBA Zucker. Weiter unten schreibt er: “Je genauer man sich mit der Materie befasst, desto verwirrender wird es.” Aus der beginnenden Einsicht hätte er am besten die Konsequenz gezogen, seinen Quatsch nicht auch noch zu veröffentlichen. Statt dessen: “Jan Fleischauer … Heute in SPON”

    Vor einem Jahr hat Fleischhauer im Café Luitpold in München mit Nikil Mukerji über dessen Buch “Die 10 Gebote des gesunden Menschenverstandes” diskutiert: http://www.youtube.com/watch?v=inI95H2EEg8. Er hätte es mal lesen sollen, z.B. was zum confirmation bias drin steht.

  34. #41 PDP10
    15. März 2018

    “Je genauer man sich mit der Materie befasst, desto verwirrender wird es.”

    Ja so Sachen wie Statistik und Wissenschaft ganz allgemein sind aber auch doof gemein kompliziert!

    Ausser in der Welt vom Fleischauer.

    Da gibts so doof gemeine links-grün-versiffte Behörden und überhaupt die da oben wo so “Wissenschaftler” mit wüsten weißen Haaren und komischen Brillen sitzen und auf Leute zeigen und sagen: “Du stirbst an so Stickoxyd Zeugs. Du auch! Du nich!”

    Dä!

    Das wäre ja alles ganz lustig, wenn sich das nicht so nahtlos in die neuerdings wieder in Mode gekommene Verachtung der sog. konservativen Intellektuellen für die Naturwissenschaften einreihen würde.

  35. #42 shader
    16. März 2018

    Na das ist doch der Klassiker, wenn ich nicht verstehe, was mir die Wissenschaft sagen will, dann ist die Wissenschaft doof und nicht ich. Mit derselben Methode agieren auch Impfgegner, Kreationisten und Klima”skeptiker”.

  36. #43 luftikus
    16. März 2018

    Dass man von Jan Fleischhauer „eigentlich Besseres gewohnt ist“, war nicht als Kompliment gemeint, sondern sollte vornehm auf das gebotene unterirdische Niveau hinweisen.

    Wer wie Jan Fleischhauer meint, in der Diskussion um Langzeitschadstoffgrenzwerte vergleichend mit der MAK oder dem Ausschuss für Innenraumrichtwerte zu kommen, der möchte bewusst verharmlosen oder hat von der Sache keine Ahnung. Der Aufforderung, diesen verharmlosenden Vergleich richtigzustellen, kam er nicht nach, sondern relativiert lustig weiter mit Vergleichen von Eiern aus Legebatterien und Holzfeuerung.

    In seinem Holzfeuerungsvergleich verwendet er unzulässigerweise unterschiedliche Bezugsgrößen: “60.000 vorzeitige Todesfälle gehen angeblich auf das Konto der Holzfeuerung, dagegen ist der Diesel nichts.” Fleischhauer verschweigt aber, dass sich die 60.000 vorzeitigen Todesfälle durch Holzfeuerung auf die gesamte EU Bevölkerung beziehen und nicht auf Deutschland alleine.

    Auch sein Rauchervergleich ist nicht besser: “Raucher zum Beispiel nehmen 5000 Mikrogramm Stickoxid täglich zu sich. Erstaunlich, dass sie nicht auf der Stelle umfallen […].” Wäre Fleischhauer wirklich ein „neugieriger Mensch“ hätte er vielleicht nachgerechnet, dass z.B. in Stuttgart Menschen täglich 10m3 Luft und damit unfreiwillig ca. 500 Mikrogramm Stickoxide einatmen, was grob überschlagen einem Zehntel Stickoxid-Dosis des Rauchers entspricht. Davon fällt niemand sofort tot um, gesund scheint es aber auch nicht zu sein.