Dass sich das frühere Mitglied der glaubenskritischen Giordano Bruno-Stiftung im Kampf gegen die „Genderideologie“ auch bei reaktionären katholischen Medien wie kathnet geistig zuhause fühlt, dürfte sich herumgesprochen haben. Nach dem Motto, der Feind meines Feindes ist mein Freund, tritt er jetzt auch im Propagandanetzwerk der AfD auf. Die AfD spricht sich in ihrem Parteiprogramm klar gegen die Gender-Studies aus und will sie abschaffen. Früher oder später musste hier wohl zusammenwachsen, was zusammengehört. Vor ein paar Tagen war Kutschera auf dem Storch-Kanal „Freie Welt“ zu Gast und hat mit Beatrix von Storch über seine bekannten Ansichten gesprochen. Inhaltlich nichts Neues. Die Bedeutung des Gesprächs dürfte für die AfD darin liegen, kulturelle Reichweite im wissenschaftlichen Milieu zu demonstrieren, die Bedeutung für Kutschera darin, dass ihm noch irgendwer zuhört. Am interessantesten vielleicht, dass er en passant behauptet, Klassen seien biologisch bedingt. Frau von Storch, geborene Herzogin von Oldenburg, wird das vermutlich ähnlich sehen, die AfD-Wähler im Osten der Republik eher weniger. Natürlich erklärt Kutschera auch einmal mehr, dass seine Kritiker einfach zu blöde wären, um ihn zu verstehen. Hauptsache Frau von Storch versteht ihn. „Als Biowissenschaftler zählen für mich Bildungsstand und Fachkompetenz – Frau von Storch ist studierte Juristin und Rechtsanwältin und somit eine ideale Gesprächspartnerin. Wäre sie Studienabbrecherin bzw. ohne Berufsausbildung, wie viele bekannte Politiker, hätte ich das Gespräch abgesagt, da ich keine gemeinsame intellektuelle Basis gesehen hätte“, wie sich Kutschera auf einer anderen Geistessumpfseite zitieren lässt. Ich fürchte, die „gemeinsame intellektuelle Basis“ ist in dem Fall ziemlich weit unten.

Kommentare (13)

  1. #1 rolak
    2. April 2018

    Er will das Gegendere mit Stumpf und Stiel ausrotten und läßt sich dazu in Sumpf und Siel zitieren?
    Ja, klingt schlüssig…

  2. #2 Alisier
    2. April 2018

    Gut…..ich meine, dass das immerhin ehrlich von Kutschera ist. Er gibt zu, dass ihm Argumente schnurzpiepe sind, und seien sie noch so gut belegt und schlüssig.
    Hauptsache der oder die das Argument vorbringende hat die nötige Ausbildung oder auch nur einen Titel, denn dann kann ich Ihm oder ihr Autorität zugestehen.
    Und brauche mich um Argumente nicht mehr zu scheren, sondern kann mich mit Behauptungen zufrieden geben.
    Es scheint das Zeitalter der Behaupter angebrochen zu sein, die Belege und saubere Diskussionen als etwas extrem Lästiges ansehen.
    Wozu denken wenn Urteile und die Wahrheit schon feststehen?

  3. […] hatte ich schon kurz über Ulrich Kutscheras neue Freunde berichtet. Ob kluge Leute, wenn sie intellektuell vom Weg abkommen, besonders tief ins Gebüsch […]

  4. #4 Blake
    3. April 2018

    Zu welchem Propaganda Netzwerk gehört eigentlich scienceblogs?

  5. #5 Alisier
    3. April 2018

    Zu den freien Illuminaten Blake!
    Eine neue Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Deppen jeder Art zu debunken, indem man sie sich selbst demontieren lässt.
    Und das klappt doch ganz gut, oder?

  6. #6 Basilios
    Martian Successor Nadesico
    3. April 2018

    @Alisier
    Ja wie jetzt?
    Arbeitet Scienceblogs.de nicht mehr für den Tiroler Geheimdienst?
    0_0

  7. #7 Alisier
    3. April 2018

    Du weißt genau, dass du für das Verraten dieses wohlgehüteten Geheimnisses wirst büßen müssen, Basilios.
    2 Stunden Parteitagsreden von von Storch, ungeschnitten und ohne Drogen!
    Lang lebe Tirol!

  8. #8 RPGNo1
    3. April 2018

    a) Kutschera ist laut eigener Aussage apolitisch und Nichtwähler.
    b) Er hat mal erklärt, dass ihm die Redakteure von kath.net immer höflich und zuvorkommend gegenübertreten und er deshalb keinerlei Problem darin sieht, ihre Anfragen ebenso höflich zu beantworten.

    Fazit: Dass Kutschera nun einer bekannten rechtnationalen AfD-Politikerin Rede und Antwort steht, die anscheinend die richtigen Knöpfe gedrückt hat (siehe b), ist somit nur logisch. Dass er sich somit allerdings immer mehr ins Abseits stellt, obwohl er selber so wohl nicht wahrnimmt, ist eine weitere Konsequenz, der er sich stellen muss.

    • #9 Joseph Kuhn
      3. April 2018

      @ RPGNo1:

      “Kutschera ist laut eigener Aussage apolitisch”

      Das nennt man – bestenfalls – einen bias blind spot.

      “Redakteure von kath.net immer höflich und zuvorkommend … deshalb keinerlei Problem”

      Das nennt man – bestenfalls – naiv. Aber ich halte ihn nicht für so dumm, dass er nicht weiter darüber nachdenkt, wer ihn da anfragt und in welchen Sumpf er sich damit begibt.

  9. #10 RPGNo1
    4. April 2018

    @Joseph Kuhn
    Mir und sicher auch vielen anderen Kommentatoren erscheint Kutscheras Verhalten in Bezug auf nationalkonservative bzw. rechtslastige Medien als mindestens naiv.

    Aber ich denke, er tickt tatsächlich so. Die Botschaft, die er hat, soll verbreitet werden. Das Medium, welches es verbreitet, ist ihm egal, solange eine Form gewahrt bleibt (siehe Storchs Befähigung als Interviewer aufgrund ihrer Bildung oder das Auftreten von kath.net ihm gegenüber).

    Ein letztes Beispiel: Im Buch “Das Gender-Paradoxon” beschreibt, wie seine Teilaspekte seiner Aussagen sowohl in sciencefiles.org (https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4nnerrechtsbewegung#Männerrechtsbewegung_im_deutschsprachigen_Raum) als auch in der Emma präsentiert/diskutiert wurden. Gegensätzlicher geht es kaum – Männerrechtler versus feministische Zeitschrift.

  10. #11 anderer Michael
    4. April 2018

    ” Der Regenwurm in uns lebt fort.” Zitat von Herrn Professor Kutschera, der sich vierzig Jahre mit dem Liebesleben von Ringelwürmern nach eigenen Bekunden beschäftigt hat

    Ich verstehe gar nicht, wieso das Interview so negativ gesehen wird. Es ist eine Quelle von vielfältiger Inspiration und praxistauglicher Lebenserfahrung.

    Vielleicht bilde ich es mir nur ein. Der Gesichtsausdruck der Frau von Storch , dominierendes alpha Weibchen, ist eher sorgenvoll in Richtung des Herrn Professor Kutschera, so im Sinne von :”..hoffentlich redet der nicht zuviel d…… Zeug ..”

  11. #12 RPGNo1
    4. April 2018

    @anderer Michael
    Frau von Storch schaut immer so aus der Wäsche. Das schlägt sie sogar unsere frisch wiedergewählte Alt- und Neukanzlerin. 😉

  12. #13 shader
    5. April 2018

    Übrigens ein interessantes Nebenthema, Kutschera beschwert sich darüber, dass so viele Politiker nicht studiert haben oder angeblich keine Berufsausbildung besitzen. Die Wirklichkeit sieht aber so aus, dass über 80% im Bundestag Akademiker sind. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen sind es aber nur 18% mit einem akademischen Abschluss. Jetzt könnte man schon die Frage stellen, inwieweit ein Akademiker-Parlament über die Bedürfnisse und Interessen von Nicht-Akademikern Bescheid weiß.