Der Ärztetag 2018 hat nicht, wie von vielen zu Recht gefordert und von manchen erhofft, die Zusatzbezeichnung Homöopathie abgeschafft. Wie bisher sieht die Musterweiterbildungsordnung vor, dass diese Zusatzbezeichnung unter folgenden Voraussetzungen erworben werden kann:

“Mindestanforderungen gemäß § 11 MWBO
– Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung
und zusätzlich
– 240 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Homöopathie
und zusätzlich
– 100 Stunden Fallseminare unter Supervision
Die Fallseminare können durch 6 Monate Weiterbildung unter Befugnis an Weiterbildungsstätten ersetzt werden.“

Die Kammern zertifizieren also weiterhin wissenschaftlich unhaltbaren Unsinn, zumindest soweit man unter Homöopathie den Glauben an die Wirksamkeit der Homöopathika versteht. Und genau so versteht die Bundesärztekammer die Homöopathie, als Arzneimitteltherapie:

„Die Zusatz-Weiterbildung Homöopathie umfasst in Ergänzung zu einer Facharztkompetenz die konservative Behandlung mit homöopathischen Arzneimitteln, die aufgrund individueller Krankheitszeichen als Einzelmittel nach dem Ähnlichkeitsprinzip angewendet werden.“

Viele der Homöopathen sagen, sie sähen die Homöopathie als Alternative zu den Mitteln der Pharmaindustrie. Die gilt in den einschlägigen Kreisen nämlich als böse. Woher die süßen Homöopathika kommen, darüber wollen Homöopathen so wenig nachdenken wie manche strenggläubige Christen über die Herkunft von Babys. Die bringt der Storch.

Man könnte die Homöopathen, um im Bild zu bleiben, fragen, ob die Homöopathie dann wohl so etwas wie ein illegitimes Kind der Pharmaindustrie sei. Aber zumindest die Pharmaindustrie verleugnet ihr Kind nicht. Zur Beibehaltung der Zusatzbezeichnung Homöopathie beim Ärztetag hat der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie eigens eine Presseerklärung verfasst:

Zusatzbezeichnung “Homöopathie” bei Ärzten ist sinnvoll
16.05.2018 – 13:14
Berlin (ots) – Das auf dem 121. Ärztetag in Erfurt ausgesprochene explizite Bekenntnis der Ärzteschaft zur ärztlichen Zusatzbezeichnung “Homöopathie” begrüßt Henning Fahrenkamp, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie e. V. (BPI): “Wichtig ist, dass der Patient die für seine Erkrankung passende Diagnose und Therapie erhält. Um dies zu gewährleisten, ist es umso wichtiger, dass der Patient rechtzeitig Fachärzte aufsucht, die zum Wohle des Patienten sämtliche Therapieoptionen wie auch Homöopathie im Sinne einer Integrativen Medizin nutzen können.”
Der BPI setzt sich für den Pluralismus in der Medizin und für Therapievielfalt und Therapiefreiheit der Ärzte ein. Fahrenkamp: “Patienten wünschen auch den ganzheitlichen Behandlungsansatz und entsprechend aus- und weitergebildete Mediziner.”
Kontakt: Julia Richter (Pressesprecherin), Tel. 030/27909-131, jrichter@bpi.de
Original-Content von: BPI Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie, übermittelt durch news aktuell

Einmal davon abgesehen, dass der Homöopathikamarkt zu großen Teilen gar nicht über die Fachärzte gesteuert wird, sondern ein Selbstmedikationsmarkt ist: Solange die Pharmaindustrie evidenten Unfug so ungeniert verteidigt, sollte man auch vorsichtig sein, was ihre Studien zu ihren konventionellen Mitteln angeht. Warum sollte die Industrie bei ihren Blockbustern weniger zimperlich sein?

Kommentare (58)

  1. #1 rolak
    19. Mai 2018

    vorsichtig sein

    Ja sicher. Ist ja auch nicht der erste Anlaß. Da darüber hinaus Studienergebnisse keine Garantie darstellen, auf die sie festgenagelt werden kann, sondern durchaus auch mal ~eine Hypothese aus dem aktuellen Kenntnisstand sein können, wäre jede Marketingabteilung schön blöd, die nicht den günstigsten Aspekt der passendsten Studie als Aufhänger nähme.

    Und ~räusper~ dieser VorauswahlFilter dürfte auch sämtlichen extern zu Studienzwecken Beauftragten vorher klar sein…
    Man sollte halt nur nicht relevant negative Ergebnisse ‘übersehen’.

    Abgesehen davon ist doch wohl naheliegend, daß der BPI sich für Homöopathie einsetzt – vielleicht nicht der größte Markt, aber eifrig kaufende Stammkunden.

  2. #2 Alisier
    19. Mai 2018

    Schande?……… Schande!

  3. #3 tomtoo
    19. Mai 2018

    340h Weiterbildung um Tic-Tac verkaufen zu dürfen. Beachtlich.

  4. #4 Michael
    20. Mai 2018

    Rolak, Alisier & tomtoo

    Social bots?

  5. #5 Beobachter
    20. Mai 2018

    Nicht nur die pharmazeutische Industrie macht sich unglaubwürdig, sondern auch die Ärzteschaft, die bei Homöopathie und Co. mitmacht.

    Zu “… und Co.”:
    “Pluralismus” in den “(Integrativen) Medizin” bedeutet, dass Mediziner z. B. vom Bioresonanzverfahren über “lebendiges Wasser” bis hin zum ätzenden Wundermittel MMS alles anbieten und zur Anwendung bringen können/dürfen.

    Und zertifiziert ärztlich weiterbilden kann man sich auch sehr nett und exklusiv z. B. auf einem Kreuzfahrtschiff-Törn:

    http://www.csn-deutschland.de/blog/2012/02/24/umweltmediziner-auf-kreuzfahrt/

    Zur “globulisierten Welt”:

    https://www.globuliwelt.de/heel-gmbh-biologische-heilmittel/

  6. #6 Beobachter
    20. Mai 2018

    zu # 4:

    “Rolak, Alisier & tomtoo
    Social bots?”

    :-)

    http://www.bpb.de/252585/was-sind-social-bots

  7. #7 Catweazle
    20. Mai 2018

    Ärzte die unbedingt das Homöopathie-Papperl an ihrer Praxistür haben wollen kennzeichnen doch nur ihre ganz besondere Kompetenz. Quasi ein Warnschild für alle halbwegs intelligenten Patienten.

  8. #8 Beobachter
    20. Mai 2018

    zu # 7:

    “Das Homöopathie-Papperl” an der Praxistür bedeutet, dass diese Ärzte die Homöopathie-affinen Patienten mit “gutem Risiko” bzw. Befindlichkeitsstörungen auch noch mitnehmen wollen.
    D. h., gerade die – weil wenig Arbeit, viel Verdienst.
    Und die meisten Homöopathie-begeisterten Patienten sind “halbwegs intelligent” und “gebildet” (vom Typ “grüner” Lehrer und Bioladen-Kunde).

  9. #9 Ludger
    20. Mai 2018

    Beobachter #8:
    “Und die meisten Homöopathie-begeisterten Patienten sind “halbwegs intelligent” und “gebildet” (vom Typ “grüner” Lehrer und Bioladen-Kunde).”

    Das ist wohl so. Was kann man daraus ableiten? Wohl doch, dass das Wesen einer Wissenschaft weder bei der Erlangung der Hochschulreife (Abitur) noch bei den meisten akademischen Abschlüssen vermittelt wird. Die Gebildeten scheinen auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie ein Defizit zu haben: “Mir hat Homöopathie aber geholfen!” ist eben kein Beitrag zur Erkenntnis! Vielleicht ist es auch das menschliche Bedürfnis nach einem Wunder. Und weil Gott immer seltener persönlich eingreift um einen Menschen zu retten, nimmt er die geheimnisvolle Homöopathie als Surrogat.

  10. #10 Cornelia S. Gliem
    20. Mai 2018

    “Heilung nach Ähnlichkeitsprinzip” – und das wagen die echt offiziell öffentlich zu sagen?!
    O man.
    Ich habe es schon oft gesagt: wenn Homöopathie wirken würde (=siehe Artikel von Florian “was folgt daraus?”), dann:
    würde jedes Glas Wasser Wirkungen haben, dann würde die Abfüllung Herstellung der globuli und tropfen jederzeit unerwünscht beeinflusst, jedes gefäß hätte Verunreinigungen zu folge. sowieso: globuli – wie bitte kann man Wasser-Gedächtnis/Muster-als-Medizin in trockene Kügelchen pressen?!
    Also echt. Ich verstehe die “Gläubigen” nicht.
    Und dabei will die Homöopathie doch wissenschaftlich sein/wirken.

  11. #11 Ludger
    20. Mai 2018

    Der Weihnachtsmann hält sich ja auch sehr tapfer. Manche Illusion will man gar nicht verlieren.

  12. #12 tomtoo
    20. Mai 2018

    @Ludger
    Speziell wenn sie sehr einträglich ist.

  13. #13 Beobachter
    20. Mai 2018

    zu # 11/12:

    Eben.
    Weihnachten ist ein jährlich wiederkehrendes großes Geschäft für Industrie und Handel.
    Aber weder Weihnachtsartikel-Produzenten/Vertreiber noch Kunden glauben an den Weihnachtsmann –
    aber beide haben etwas vom Weihnachtsgeschäft:
    Bei Industrie und Handel füllt es die Kassen, beim Kunden beruhigt es Gewissen und Gemüt.

    Ähnlich bei der Homöopathie (da jedoch das ganze Jahr über):
    Bei Herstellern/Vertreibern (Apotheken)/Verordnern (homöopathischen Ärzten) füllt es die Kassen, beim Patienten/Kunden hinterlässt es Wohlgefühl an Körper und Geist aufgrund des Placebo-Effekts.

    Den und das Wohlgefühl an Körper und Geist könnte man aber in Arztpraxen genauso gut vermitteln/erzielen – ohne Globuli und Schüttelwasser – , wenn man wieder (mehr) mit den Patienten reden würde (regelrechte Anamneseerhebungen, Beratungsgespräche; “sprechende Medizin”) und das auch als wichtiger, wesentlicher Teil ärztlichen Tuns betrachtet und honoriert werden würde.

    Aber wer lässt sich schon gerne das Weihnachtsgeschäft bzw. das Geschäft mit Homöopathie und Co. nehmen ?!
    Die Illusion liegt nicht im Glauben an den Weihnachtsmann –
    sondern darin, zu glauben, jemand würde freiwillig und zugunsten einer besseren Medizin für Alle seine pseudomedizinischen Geschäftsinteressen aufgeben.

  14. #14 rolak
    20. Mai 2018

    Rolak.. Social bots?

    Ja sischer dat, michael, ich halte mich für ein soziales Wesen un en bots han ich auch aan, esu wärm isset nämlich noch janit.

  15. #15 RPGNo1
    20. Mai 2018

    Der BPI ist ein Lobbyverband und handelt wie ein solcher. Er begrüßt, dass die Zusatzbezeichnung “Homöopathie” bei Ärzten erhalten bleibt und somit in direkter Folge der Umsatz seiner Mitglieder, der Homöopathiefirmen, nicht geschmälert wird.
    Traurig ist eher, dass viele Anhänger der Homöopathie immer noch glauben, dass die Hersteller von Homöopathika von Big Pharma unterdrückt würde. Homöopathie ist Big Pharma (im übertragenen Sinn), siehe z.B. Boiron
    Revenue €607,8 million (2015)
    Net income €73,9 million (2015)
    https://en.wikipedia.org/wiki/Boiron

  16. #16 Beobachter
    20. Mai 2018

    @ RPGNo1, # 15:

    … auch nicht schlecht:

    “Heel erwirtschaftete im Jahr 2016 einen Umsatz über 200 Millionen Euro.”

    https://www.heel.de/de/facts-and-figures.html
    https://de.wikipedia.org/wiki/Biologische_Heilmittel_Heel

    Meine Sicht:

    Homöopathie-Unternehmen gehören mit zur pharmazeutischen Industrie.
    Aber NICHT zu “Big Pharma”, weil sie “nur” Produkte herstellen, die (so gut wie) keine Wirkstoffe enthalten und somit zumindest nicht schaden können.
    Es wird deshalb durch Homöopathika niemals solcher Schaden verursacht werden können wie z. B. mit “Contergan”.
    Schaden wird “nur” dann angerichtet, wenn bei ernsthaften Erkrankungen mit Homöopathika behandelt wird STATT mit wirksamen Medikamenten oder Therapien.

    Zum Contergan-Skandal:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Contergan-Skandal

  17. #17 tomtoo
    20. Mai 2018

    @Beobachter
    Das ist so eine Argumentation wie wenn ein Elektriker meiner Omi eine nur virtuell verlegte Steckdose verkauft. Die ist auch nicht so gefährlich wie eine tatsächlich angeschlossene.

  18. #18 Markweger
    20. Mai 2018

    Die Wahrheit ist dass es über dem Umweg der Psychologie gewissermaßen wirkt.
    Wer´s glaubt wird seelig.
    Wer zuversichtlich und optimistisch ist, wird tatsächlich eher gesund.
    Und so lange es nur “begleitend” angewandt wird ist es vielleicht ja auch gleichgültig.
    Nur dort wo man damit die Medizin überhaupt ersetzen will da kann es dann gefährlich werden.

  19. #19 Beobachter
    20. Mai 2018

    @ tomtoo, # 17:

    Wenn ein Elektriker deiner Omi eine virtuell verlegte Steckdose verkauft und behauptet, sie tut, betrügt er sie und schadet ihr “nur” finanziell.

    Wenn er tatsächlich eine richtige verkauft und verlegt, und die ist defekt, nicht gesichert oder hat einen Materialschaden o. ä., kriegt deine Omi beim Anschließen eines Gerätes an diese defekte Steckdose u. U. einen Stromschlag und ist im schlimmsten Falle tot.
    Dann hat der Elektriker ihr finanziell UND gesundheitlich geschadet –
    gesundheitlich u. U. so sehr geschadet, dass sie tot ist.

    Deshalb muss man sich drauf verlassen können, dass jeder Elektriker tatsächlich einwandfreie Steckdosen ordentlich und regelrecht verlegt.
    Wenn unredliche Pfuscher am Werk sind, ist so ziemlich alles gefährlich – das trifft auch und besonders auf Ärzte zu …

    Siehe auch:
    https://correctiv.org/recherchen/stories/2015/12/18/alternativmedizin-krebs-leben-der-patienten-gefaehrdet/

  20. #20 tomtoo
    20. Mai 2018

    @Beobachter
    Evtl. habe ich das Ziel deiner Argumente mal wieder nicht verstanden. Aber es ist doch wohl klar das Dinge die eine Wirkung besitzen, falsch angewandt, gefährlicher sind als Dinge die keine Wirkung besitzen. Was bleibt, selbst bei richtiger Anwendung, ist der Betrug wirkungsloses als wirksam zu verkaufen.

  21. #21 Joseph Kuhn
    20. Mai 2018

    @ Beobachter:

    Heel mit seinen 200 Mio. Jahresumsatz würde man zwar nicht zu “Big Pharma” zählen, aber es gehört auf jeden Fall zu Big Money: https://de.wikipedia.org/wiki/Delton

  22. #22 Beobachter
    21. Mai 2018

    @ tomtoo, # 20:

    Ziel war, anhand deines Elektriker-Beispiels nochmal drauf hinzuweisen und zu verdeutlichen, dass Homöopathie-Unternehmen nicht einfach so zu den “bösen Big-Pharma-Unternehmen” gezählt werden können (auch nicht “im übertragenen Sinn”), wie es RPGNo1 tut (# 15).

  23. #23 Beobachter
    21. Mai 2018

    @ Joseph Kuhn, # 21:

    Ja, eben:
    Mit Homöopathika wird “Big Money” gemacht –
    d. h. mit Zuckerkügelchen und Schüttelwasser, was beides als pharmakologisch wirksame Arznei verkauft wird, aber (so gut wie) keine Wirkstoffe enthält.
    (Nicht nur) In meinen Augen ist das Betrug.
    Und es ist eine Schande, dass die Ärzteschaft bzw. ihre Vertretung da mitmacht und es auch noch öffentlich und ungeniert vertritt.
    Die Innung des Elektrohandwerks würde Mitglieder rausschmeißen, die im Rahmen ihrer Berufsausübung betrügen und es bekannt wird.

    Und wenn man auch nur einen Bruchteil des Geldes, was für wirkungslose Homöopathika verdummbeutelt wird, für die wirkungsvolle Ausbildung und Einstellung von qualifizierten Pflegefachkräften ausgeben würde… !

  24. #24 Stephan
    21. Mai 2018

    “Der Ärztetag 2018 hat nicht, wie von vielen zurecht gefordert….”
    Ich rücke nach diesem Schreck erstmal meinen Stuhl und meinen Tisch einschließlich Computer zurecht. Meine Oma hat dies zu Recht gefordert.

    • #25 Joseph Kuhn
      21. Mai 2018

      Danke, habe die Zeile zurecht gemacht.

  25. #26 Beobachter
    21. Mai 2018

    @ Stephan, # 24:

    Du wirst dich doch nicht an diesem kleinen Schreibfehler im Beitrag aufhängen … ?!

  26. #27 tomtoog
    21. Mai 2018

    @Beobachter
    Ok, danke. Mit deiner #23 gehe ich absolut d’accord.

  27. #28 tomtoo
    21. Mai 2018

    Uhhps da hatt sich ein g eingeschlichen.

  28. #29 yerainbow
    21. Mai 2018

    davon träumt die Pharmaindustrie, daß sie keine umfassenden Wirksamkeitstests mehr machen muß, und wie bei den Homöopathika einfach behaupten kann…
    würde enormes Einsparpotenzial mit sich bringen.

  29. #30 Stephan
    22. Mai 2018

    #26

    Nein. Aber high-end Inhalt erfordert high-end Sprache !!!
    Oder etwas weniger enthusiastisch: Die deutschsprachigen Wissenschaftler jedwegen Faches haben die selbstverständliche Pflicht, sich der deutschen Sprache zu bedienen.
    (Das war leider kein Schreibfehler. Es war ein Teil der der Vernichtung der Wissenschaft. Steter Tropfen höhlt immer und überall den Stein, unmerklich.)

  30. #31 Beobachter
    22. Mai 2018

    @ Stephan, # 30:

    Dein Einsatz für korrekte Orthographie in allen Ehren.

    Aber 1 unwesentlicher kleiner Schreibfehler wie hier trägt sicherlich NICHT zur “Vernichtung der Wissenschaft” bei, das ist ein schlechter Witz.

    Wenn in der Wissenschaft Vieles problematisch ist, dann liegt es bestimmt NICHT an vereinzelten unwesentlichen (nicht das Verständnis/den Sinn betreffenden) orthographischen Flüchtigkeitsfehlern in ansonsten sprachlich völlig korrekten Texten.
    Wenn`s nur das wäre …

    Übrigens:
    In deinem eigenen kurzen Kommentar sind 2 Fehler.

  31. #32 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Beobachter

    In deinem eigenen kurzen Kommentar sind 2 Fehler…

    Ich zähle 4 (ohne Rudeltierhaltung von Satzzeichen).
    Auf die immer wieder (besonders bei FF) aufschlagenden Sprachpedanten*) würde ich aber gar nicht mehr eingehen, das trägt nur zum Entgleisen*) bei.

    *) wegen der schlimmen Anglizismen habe ich mich nicht getraut, “Grammar Nazi” und “Drailing” zu verwenden

  32. #33 Beobachter
    22. Mai 2018

    @ RainerO, # 32:

    ” …4 … ”
    Ich war großzügig … :-)

    FF geht mit der deutschen Sprache schon sehr schlampig um, das finde ich auch nicht gut – manchmal tut es einem richtig in den Augen weh.
    Aber man weiß immer, was gemeint ist, und man gewöhnt sich dran.

    Gut, dass du dich mit den “schlimmen Anglizismen” nicht getraut hast –
    die sind nämlich wirklich schlimm und vor allem überflüssig.

  33. #34 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Beobachter
    Zurück zum Thema…

    (Nicht nur) In meinen Augen ist das Betrug.

    In den Augen der Justiz bedingt das aber Vorsatz.
    Und beweise einmal einem Homöopathen, dass er nicht daran glaubt, sondern seine Klientel vorsätzlich hinters Licht führt.*)
    Nicht einmal ich (als entschiedener Gegner) würde Homöopathen pauschal als Betrüger bezeichnen (Ich hoffe, du auch nicht). Es gibt unter denen sicher einen Anteil von Gläubigen. Wobei ich annehme, dass dieser Anteil bei Ärzten und Pharmazeuten kleiner sein dürfte/sollte, als bei Heilpraktikern.

    *) und selbst wenn jemand ohne den rechten Glauben homöopathisch behandelt, ist das kein justiziables Vergehen, solange Homöopathie juristisch nicht als spezifisch wirkungslose Scheintherapie angesehen wird.

  34. #35 Beobachter
    22. Mai 2018

    @ RainerO, # 34:

    Wenn ein niedergelassener Arzt (mit Abitur, abgeschlossenem Medizinstudium und Approbation) in seiner Privatpraxis einen Krebspatienten (mit noch guter Prognose) ausschließlich mit Homöopathika behandelt, weil er daran GLAUBT, dass sie wirken –
    wo liegt dann hier die Grenze zum Kunstfehler, zur unterlassenen Hilfeleistung (weil wirkungsvolle Hilfe verweigert wird), zur Verletzung der Genfer Deklaration, zur Quacksalberei?!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Genfer_Deklaration_des_Welt%C3%A4rztebundes

    Für diesen Krebspatienten ist es völlig unerheblich, ob er unnötigerweise vorzeitig krepiert aufgrund der homöopathischen Therapie eines betrügerischen oder eines gläubigen Arztes.

    Wenn du schon homöopathischen Ärzten keinen Betrug unterstellen willst und tatsächlich meinst, dass viele überzeugt daran glauben, hätte unser Bildungssystem komplett versagt (inkl. der universitären Medizinischen Fakultäten).
    Dann wäre alle naturwissenschaftliche Wissensvermittlung spurlos an diesen Dr. med.s vorübergegangen –
    denn anders kann man nicht dran glauben, dass etwas wirkt, das nicht vorhanden ist.

    Es gibt auch Ärzte, die glauben, man könne z. B. Ebola-Virusinfektionen mit Homöopathika heilen:

    https://www.psiram.com/de/index.php/Hom%C3%B6opathen_ohne_Grenzen

    Wenn das alles rechtens und nicht justiziabel ist, dann stimmt etwas mit unserer Justiz nicht.

  35. #36 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Beobachter
    Vielleicht wirfst du einmal einen Blick in Natalie Grams Buch “Homöopathie neu gedacht”.
    Danach kann man recht gut nachvollziehen, wie ein Arzt zur Homöopathie kommt. Wissenschaftliches Arbeiten wird an den Med-Unis meist nicht vermittelt. Das wäre natürlich unbedingt wünschenswert. Das derzeitige Fehlen würde ich aber nicht als komplettes Versagen ansehen, zumal sich ja auch nur ein kleiner Bruchteil der Ärzteschaft mit dieser Zusatzbezeichnung “schmückt”.
    Was die Homöopathen ohne (Scham-)Grenzen veranstalten, ist menschlich zu verurteilen, ohne Zweifel. Aber ob ein derartiges Vorgehen in Deutschland justiziabel wäre, weiß ich nicht.

  36. #37 Beobachter
    22. Mai 2018

    @ RainerO:

    So klein ist der Bruchteil der homöopathischen Ärzte nicht –
    und die homöopathische pharmazeutische Industrie macht “Big Money”.
    Es scheint sich doch zu lohnen …

    Der Leidtragende ist wie immer der behandlungsbedürftige Patient, der sich an den Arzt, den “Experten”, den “studierten Doktor” wendet, im Glauben und Vertrauen, dass ihm kompetent geholfen wird, “denn der muss es ja schließlich wissen”.

    Im Übrigen brauchst hier keine Werbung für Frau Grams und ihr Buch machen, die wird bei der GWUP schon genügend gemacht.

    Zu meinem Krebspatienten-Beispiel schreibst du gar nichts –
    wieder mal ein typischer Fall von Rosinenpickerei.

  37. #38 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Beobachter
    Du musst dir das Buch von Frau Grams gar nicht kaufen. Nimm einfach ihre Aussage über die fehlende wissenschaftliche Ausbildung und deren Bestätigung in diversen Blogs.
    Knappe 5% sind ein kleiner Prozentsatz und der Großteil des “Big Money” wird mit der Selbstmedikation gemacht und nicht durch homöopathische Ärzte (steht ja ohnehin im Artikel auch so drin).
    Damit du mich hoffentlich richtig verstehst: Für mich ist ein Arzt mit dieser Zusatzbezeichnung ein Ausschlusskriterium. Eine Apotheke, die mir ungefragt Homöopathika unterschieben will, betrete ich nicht mehr. Und das Verhalten eines Arztes, der Krebs ausschließlich mit Homöopathie behandelt, ist absolut verwerflich. Ich hoffe sehr, dass du mir nicht unterstellen willst, ich würde so etwas gutheißen, nur weil ich das nicht extra erwähnt habe.
    Ich weiß aber nicht, wo man die rechtliche Grenze ziehen kann. Ist ein Arzt, der neben der Chemotherapie zum vermeintlichen Lindern der Nebenwirkungen ein paar Zuckerkügelchen gibt, ebenso zu verurteilen, wie einer der Krebs ausschließlich mit Placebos behandelt? Aber das führt jetzt wohl zu weit vom Thema weg.
    Dass die pharmazeutische Industrie die Beibehaltung der Zusatzbezeichnung begrüßt, ist aus kaufmännischer Sicht absolut verständlich, fielen doch sonst vermeintlich glaubwürdige Multiplikatoren weg, die den Umsatz von Homöopathika antreiben. Dass mein Verständnis keine Zustimmung ist, muss ich hoffentlich nicht extra betonen.

  38. #39 Beobachter
    22. Mai 2018

    Schöner Artikel in der Ärztezeitug:

    https://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/berufspolitik/article/958765/weiterbildung-zank-zusatzbezeichnung-homoeopathie.html

    “Weiterbildung
    Zank um Zusatzbezeichnung Homöopathie
    “Esoterische Heilslehre” oder “Garant für Patientensicherheit”? Der “Münsteraner Kreis” fordert, die Zusatzbezeichnung Homöopathie abschaffen – das treibt die homöopathischen Ärzte auf die Barrikaden. Im Kern geht es beiden um die Evidenz.
    … ”

    ” … Knackpunkt beim Handeln der Homöopathie-Ärzte ist für den Münsteraner Kreis die fehlende wissenschaftliche Evidenz.

    Wie er ausführt, lägen homöopathische Präparate entsprechend der Lehre des Begründers dieser Fachrichtung, Dr. Samuel Hahnemann, bereits ab dem ersten Dynamisationsgrad in so starker Verdünnung vor, dass es vollkommen unerheblich sei, welche Einzelsubstanz, welche Pflanze oder welches Tier als Ausgangsmaterial dienen.

    Die Homöopathie führe die Wirkung ihrer Mittel deshalb auch nicht auf pharmakologische Mechanismen zurück, sondern auf den heilsamen Einfluss immaterieller, geistartiger Wirkkräfte.

    “Wenn die Musterweiterbildungsordnung für die Vergabe der Zusatzbezeichnung ‚Homöopathie‘ den Erwerb einer ‚fachlichen Kompetenz in Homöopathie‘ fordert, dann fordert sie nichts anderes als eine ‚Kompetenz‘ im Umgang mit geistartigen Kräften.

    Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wäre es dann ebenso gerechtfertigt, eine Zusatzbezeichnung ‚Gesundbeten‘ für die ‚Kompetenz‘ zu vergeben, welche Gebete zu welchen Heiligen bei welchen Krankheiten zur Anwendung kommen sollen”, heißt es launisch in dem Memorandum. … ”

    :-) :-)

  39. #40 Beobachter
    22. Mai 2018

    @ RainerO, # 38:

    Man darf nicht immer nur von sich selbst und seinem eigenen Informationsstand ausgehen.

    Die meisten Otto-Normalverbraucher-Patienten und da besonders ältere Menschen glauben einfach, was der Arzt sagt und tut (“Weißkittel-Effekt”).
    Wenn auf dem Praxisschild des Hausarztes oder des Internisten noch “Homöopathie” steht, denken sich viele: prima, der macht auch noch was mit Naturheilkunde, umso besser.
    Dass H. nichts mit Naturheilkunde zu tun hat, ist vielen Leuten immer noch nicht klar.

    Außerdem ist gerade H. bei “gebildeten” Mittelschichtlern sehr nachgefragt, also gerade KEIN Ausschlusskriterium.

    Und:
    Wenn etwas so “absolut verwerflich” ist (wie im Beispiel), warum ist es dann nicht auch justiziabel ?!
    Und warum schreiten die Ärztekammern nicht ein ?!

  40. #41 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Beobachter
    Das weiß ich doch alles. Aber das wusste ich nicht schon immer. Das musste ich mir erarbeiten. Und das Erarbeitetet versuche ich auch unter die Otto-Normalverbraucher zu bringen, wie z.B. meiner Mutter, die vorher tatsächlich kaum eine Ahnung hatte, was es mit Homöopathie (und Bach, Schüßler et al) auf sich hat.
    Eine Abschaffung der Homöopathie bei Ärzten zu fordern ist schnell hingeschrieben. Aber von wem glaubst du, würde der Hauptaufschrei derzeit kommen? Ich denke, dass das die Patienten selbst sind. Und die gilt es, besser zu informieren (ohne sie als gutgläubige Dummköpfe dastehen zu lassen). Verschwindet die Nachfrage, braucht es auch keine Ärzte mehr, die diese Zusatzbezeichnung tragen.

  41. #42 Beobachter
    22. Mai 2018

    @ RainerO, # 41:

    Also sind die (behandlungsbedürftigen) Patienten selber schuld, wenn sie so “blöd” sind und sich an homöopathische Ärzte wenden – die z. B. behaupten, sie könnten Krebs allein mit Homöopathika heilen (oder mit Gesundbeten).
    Das ist eine perfide Argumentation –
    und sie stellt Ärzten quasi einen Blanko-Scheck aus.

    Wenn du zu einem von der Handwerkskammer zugelassenem, zertifiziertem Meisterbetrieb gehst und dort die Verlegung einer Steckdose in Auftrag gibst, verlässt du dich darauf, dass der Auftrag mit einwandfreiem Material ordentlich und regelrecht ausgeführt wird.
    Wenn der Elektriker das nicht tut und nachweislich fehlerhaft arbeitet, kriegt er Ärger mit seiner Innung und du kannst ihn anzeigen.
    (siehe # 19 ff.)

    Jeder Reisende, der ein Flugzeug besteigt, muss sich darauf verlassen können, dass das Flugzeug funktionsfähig ist und der Pilot sein Handwerk bzw. seinen Beruf beherrscht.
    Siehe dazu auch:
    https://blog.psiram.com/2017/10/nur-erfahrungs-fliegen-ist-schoener-mit-dem-flugpraktiker/
    (was für Heilpraktiker gelten soll, muss für Ärzte erst recht gefordert werden)

    Und der Patient soll sich nicht auf den Arzt verlassen dürfen/können?!

    Und hast du noch nie etwas von Patientenschutz und Verbraucherschutz gehört?
    Beides ist notwendig, solange es Unredlichkeiten und Pfuscher/Betrüger gibt und Patienten/Verbraucher, die so “blöd” bzw. “unaufgeklärt”/uninformiert sind und darauf hereinfallen.

    Den Idealzustand, auf den du vertröstest (dass es keine Nachfrage mehr geben wird, wenn alle Patienten/Verbraucher perfekt aufgeklärt sind), wird es wohl nie geben.
    So wenig wie das Himmelreich auf Erden …
    Das ist reine Augenwischerei.

  42. #43 Stephan
    22. Mai 2018

    @Beobachter #31
    In der Wissenschaft ist Vieles problematisch ? Tatsächlich ?

    @RainerO #32
    Du zählst 4, soso…

  43. #44 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Beobachten
    Bitte fange nicht schon wieder damit an, Dinge in Aussagen hineinzuinterpretieren, die dort so nicht stehen.
    Ich habe nirgendwo gesagt, dass ein Patient selber schuld ist, wenn er zu einem homöopathischen Arzt geht. Schon gar nicht habe ich solche Patienten als blöd bezeichnet.
    Muss ich tatsächlich extra betonen, dass ich für Patienten- und Verbraucherschutz bin?
    Was schlägst du vor? Solange es die “besonderen Therapieformen” gibt, kann man einen Arzt nicht grundsätzlich belangen, wenn er Homöopathie anwendet (ausgenommen Extremfälle wie die ausschließliche Krebsbehandlung damit).
    Und was willst du mit Personen tun, die trotz bester Aufklärungsarbeit des Patientenschutzes zum homöopathischen Arzt gehen (wollen)? Denn die wird es immer geben. Insofern ist mein Wunsch des voll aufgeklärten Patienten natürlich ein Wunschtraum, der so nicht in Erfüllung gehen wird. Als Vertrösten war das auch nicht gedacht, sondern als Ziel, auf das man trotzdem hinarbeiten soll.
    Solange es die Sonderstellung der Homöopathie gibt, bleibt zum einen Aufklärung und zum anderen Hoffen auf eine mutigere Politik. Denn der beste Patientenschutz nützt wenig, wenn die Politik Esoterik als Medizin adelt.
    Im Grunde wollen wir doch beide dasselbe: Die Homöopathie soll ihren Platz dort finden, wo sie hingehört, im Esoterikkämmerchen bei den Tarot Kartenlegern, Aura Lesern und Mutern. Bei Ärzten hat sie nichts verloren. Nur beim Weg dorthin sind wir uns wohl nicht ganz einig. Du scheinst alleine auf eine Regelung von oben zu setzen (bitte korrigiere mich, falls ich falsch liegen sollte), ich hoffe auch auf den Druck von unten durch die (größer werdende) aufgeklärte Masse.

  44. #45 RainerO
    22. Mai 2018

    @ Stephan
    In #43 waren es nur zwei. Es wird besser…

  45. #46 Stephan
    23. Mai 2018

    #45
    Du machst mich lachen.

  46. #47 Beobachter
    23. Mai 2018

    @ RainerO, # 44:

    Ohne “Regelung von oben” geht es nicht.
    Und ohne weitere Aufklärung natürlich auch nicht.

    Solange die Gesundheitspolitik durch entsprechenden Lobbyismus bestimmt wird, wird es sehr schwer sein, an systembedingten Missständen etwas zu ändern (wie z. B. am Binnenkonsens, dem Heilpraktiker(un)wesen, dem Pflegenotstand).
    Gröhe hat das Gesundheitswesen ganz offen als “Haifischbecken” bezeichnet – in dem sich der Stärkste/Einflussreichste durchsetzt, im “freien Spiel der Kräfte” (!).
    Und der alerte Newcomer Spahn setzt ja nun noch so Einiges obendrauf … :
    https://lobbypedia.de/wiki/Jens_Spahn

    Um “Regelungen von oben” durchzusetzen/zu erzwingen, muss der “Druck von unten” steigen:
    durch Patienten- und Verbrauchervertetungen/-organisationen –
    durch Arbeitnehmervertretungen im Gesundheitswesen (Gewerkschaften, kritische Ärztverbände etc.) –
    durch “Wohlfahrtsverbände” –
    durch Initiativen –
    usw.

    Eine “mutigere Politik” kommt nicht von selbst …

  47. #48 Onkel Michel
    https://onkelmichael.wordpress.com
    23. Mai 2018

    Hinter der Homöopathie steckt ein knallhartes Geschäft: https://onkelmichael.wordpress.com/2017/11/25/das-geschaeft-mit-der-homoeopathie/

  48. #49 RainerO
    23. Mai 2018

    @ Beobachter
    Dann sind wir uns ja weitestgehend einig.
    Ich setze nur den “Druck von unten” zusätzlich noch eine Stufe weiter unten an, beim Patienten/Verbraucher selbst. Denn eine Patientenschutz oder andere Vertretungen haben wesentlich mehr Rückenwind, wenn sie sich der Unterstützung der Mehrheit ihrer Klientel sicher sind.

  49. #50 Beobachter
    23. Mai 2018

    zu # 48:

    Hinter der gesamten pharmazeutischen Industrie (inkl. der Homöopathie-Unternehmen) steckt ein knallhartes Geschäft.
    Die Konzerne, die pharmakologisch wirksame Medikamente herstellen, treiben die Preise so in die Höhe, dass Ärzte sich nicht mehr trauen, sie zu verordnen (z. B. zur individuellen Krebstherapie), um keinen Ärger mit den Krankenkassen (GKVs) zu bekommen.
    Es steht zu befürchten, dass der so hoch gelobte medizinische Fortschritt zunehmend nur Wenigen zugute kommt:

    http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zweiklassenmedizin-schweizer-pharma-unternehmen-sollen-medikamentenpreise-senken-1.3988482

    ” … Zwei der größten Medikamentenhersteller der Welt stehen unterwartet wegen ihrer Medikamentenpreise unter Druck.
    Aktivisten und Ärzte fordern von Roche und Novartis transparentere Preise. Sie befürchten, dass andernfalls eine Zweiklassenmedizin entsteht.
    … ”
    ” … Ihre Befürchtung: Selbst in der Schweiz, wo das Gesundheitssystem einen hohen Standard hat, könnte eine Zweiklassenmedizin entstehen. Zwischen steigenden Krankenkassenbeiträgen, einer alternden Gesellschaft und Therapien, die zum Teil viele 100 000 Euro kosten, könnte das öffentliche System über kurz oder lang in die Knie gehen. Nicht mehr jeder Versicherte würde die Therapie bekommen, die er braucht.
    … ”
    ” … “Profite wie im Drogenhandel” … “

  50. #51 Beobachter
    23. Mai 2018

    @ RainerO, # 49:

    Selbstverständlich: Je mehr Unterstützung, desto besser.
    Aber auf eine aufgeklärte, unterstützende Mehrheit bei Patienten/Verbrauchern als Ausgangsbasis wirst du wohl vergeblich hoffen.

    Denn wenn man so lange damit wartet, Missstände/Probleme zu benennen, zur Diskussion zu stellen, öffentlich zu machen und anzuprangern, bis man die aufgeklärte, unterstützende Mehrheit hinter sich weiß –
    ist es schon lange zu spät.

    Wie heißt es so schön ? : “Wehret den Anfängen ! ”

    ( … wird leider oft erst dann zitiert, wenn es schon zu spät ist … )

  51. #52 RainerO
    23. Mai 2018

    @ Beobachter

    Denn wenn man so lange damit wartet, …

    Das habe ich ja auch nie bestritten.
    Derzeit ist es aber halt so, dass die pharmazeutische Industrie (durchaus nicht unbegründet) argumentieren kann, dass die Patienten es ja wollen und Forderungen von Patientenschützern als paternalistische Bevormundung darstellen können.

  52. #53 Beobachter
    23. Mai 2018

    @ RainerO, # 52:

    Ist es “paternalistische Bevormundung” von “Patientenschützern” (hört sich so an wie “Tierschützer”, und da noch womöglich nach den militanten à la PETA), zu fordern, gegen homöopathische Ärzte vorzugehen, die z. B. Krebspatienten allein mit Homöopathika (und u. U. noch in Kombination mit Quanten-Matrix-“Therapie”, Engel-Channelling o. ä.) heilen wollen ?!

    MUSS so ein ÄRZTLICHES Handeln nicht justiziabel sein bzw. werden ?!
    Wozu sind die Ärztekammern da ?!

    Man kann es gar nicht oft genug verlinken:

    https://correctiv.org/recherchen/stories/2015/12/18/alternativmedizin-krebs-leben-der-patienten-gefaehrdet/

    Die Homöopathie-Industrie tut mit ihren Werbe-/Marketing-Kampagnen und Strategien alles dafür, damit immer noch mehr Patienten/Kunden “es wollen” –
    H. gehört schon zum “Zeitgeist-Wohlfühl-Lifestyle” der “gebildeten” Mittelklasse.

    Und einem krebskranken oder schwerst herzkranken Arbeitslosen, Arbeiter oder kleinen Angestellten wird eine rechtzeitige, erfolgversprechende, wirksame, teure Therapie AUS KOSTENGRÜNDEN (vielleicht) vorenthalten !
    (siehe dazu # 50)

  53. #54 RainerO
    23. Mai 2018

    @ Beobachter

    Ist es “paternalistische Bevormundung” von “Patientenschützern”…

    Nein, natürlich nicht. Ich habe ja nur die Argumentationsweise der “Homöopathie-Industrie” geschildert. Die Parallele, die du in der Formulierung vermutest, war durchaus beabsichtigt.
    Im Übrigen zähle ich mich in gewisser Weise auch zur “gebildeten Mittelklasse”, kann aber mit Esoterik in welcher Form auch immer gar nichts anfangen.
    Die von dir erwähnte New Age 2.0-Schicht ist aber in meinen Augen nicht der Hauptabnehmer von Homoöpathika. Diese Leute wird man auch mit Aufklärung sehr selten erreichen, da sie meist Gläubige sind.
    Der überwiegende Teil der Anwender sieht Homöopathie als “sanfte Naturheilkunde”, oder macht sich gar keine besonderen Gedanken darüber. Und diesen Teil kann man noch mit Aufklärung erreichen.

    Zur Belangbarkeit von Ärzten, die Krebs ausschließlich mit Homöopathie behandeln: Die Reportage von Boytchev (die ich natürlich kenne) zeigt es ja klar, wie das im Regelfall funktioniert: Es wird nie explizit abgeraten, sondern so formuliert, dass man sich im Falle einer Klage auf ein “der Patient hat es so gewollt/war einverstanden” ausreden kann. Hamer war aber auch ein gutes Beispiel, dass Extremfälle sehr wohl belangt werden.

  54. #55 Beobachter
    23. Mai 2018

    @ RainerO, # 54:

    Hamer mit seiner unsäglichen GNM war ein extremes Hardcore-Beispiel seiner Zunft.
    Zig andere Ärzte ähnlichen Kalibers werden nicht belangt, obwohl alles bekannt ist.
    Im Correctiv-Artikel wird übrigens auch anders darüber berichtet, was ärztliche “Formulierungen” und das Verhalten der Justiz betrifft.
    Aber das ist ein anders Thema.

    Wie ich sehe, zielst du immer wieder auf die “Eigenverantwortlichkeit des mündigen Patienten” ab und drückst bei der Verantwortlichkeit der pharmazeutischen Industrie, der Ärzteschaft und der Justiz beide Augen zu.
    Das sei dir unbenommen – ich sehe die Dinge etwas anders.
    Ich will niemanden überzeugen oder missionieren.
    Auf fruchtlose Endlos-Diskussionen habe ich keine Lust und dafür auch keine Zeit.
    Immerhin scheint es, als ob wir uns in unseren Meinungen zumindest etwas näher gekommen wären – und du hast mal von den gewohnten Pöbeleien abgesehen.
    Das ist ja schon mal was … :-)

  55. #56 RainerO
    23. Mai 2018

    @ Beobachter

    Wie ich sehe, …

    Das siehst du etwas, das es so nicht gibt.
    Ich drücke gar kein Auge zu. Ich habe maximal mein Verständnis dafür ausgedrückt, warum sich (insbesonders) die pharmazeutische Industrie so verhält, wie sie sich verhält. Gutheißen tue ich das natürlich deswegen nicht.
    Und darüber, wie man Eigenverantwortung und Patientenschutz gewichten soll, könnte man getrennt diskutieren. Hier würde das zu weit führen. Nur so viel: Beide Extreme (der Patient hat sich ausschließlich selber darum zu kümmern, bzw. der Patient muss sich blind verlassen können) halte ich nicht für zielführend und auch nicht praktikabel.

    Deine Abschlussbemerkung hättest du dir übrigens sparen können.

  56. #57 Joseph Kuhn
    23. Mai 2018

    Die anderen Unglaubwürdigen:

    In der NZZ ist ein lesenswerter Beitrag, der noch einmal herausarbeitet, wie dreist die Homöopathielobby die Fakten verbiegt: https://www.nzz.ch/schweiz/die-schweiz-als-eldorado-fuer-deutsche-globuli-fans-ld.1387741

    In dem Punkt passen sie hervorragend in die Pharmabranche.

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