Wir leben umweltpolitisch in seltsamen Zeiten. Der Klimawandel dringt getriggert durch Wetterextreme immer mehr ins öffentliche Bewusstsein. Der Ausstieg aus der Verstromung fossiler Energieträger, vor allem der Kohle, vollzieht sich gegenüber dem Ausstieg aus der Kernenergie trotzdem nur im Schneckentempo. Und in der Verkehrspolitik gibt es bestenfalls homöopathische Dosen eines Ausbaus des öffentlichen Nahverkehrs. Zugleich ist der der einst als CO2-freundlich angepriesene Dieselmotor als Dreckschleuder in Verruf geraten, es gibt erste Fahrverbote in deutschen Städten infolge der Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden und in zeitlicher Koinzidenz einen absurden Streit darüber, bei wem die Kosten für die Abgasmanipulationen der Autohersteller abgeladen werden. Eine Situation, die wie geschaffen dafür ist, „wissenschaftlich“ die eine oder andere Seite des Streits zu munitionieren.

Der Lungenarzt Dieter Köhler hat sich festgelegt: Die Grenzwerte bei den Stickoxiden sind Unfug. Ganz grober Unfug sei es, die Stickoxidbelastung auch noch für vorzeitige Sterbefälle verantwortlich zu machen. Der Mann war einmal Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, also ein von Fachärzten gewählter Kompetenzträger, könnte man meinen. Vor allem die Studie des Umweltbundesamtes mit einer Abschätzung von 6.000 vorzeitigen Sterbefällen durch Stickoxide ist für ihn ein rotes Tuch. Da scheut er auch nicht davor zurück, auf der „Achse des Guten“ als Anti-UBA-Trompete aufzutreten und natürlich hat er seine Meinung auch im Deutschen Ärzteblatt kundgetan – und eine harsche Antwort von Joachim Heinrich vom Helmholtz-Zentrum München provoziert, der anders als Köhler selbst zum Thema forscht. Gelernt hat er daraus nichts.

Zugegeben: Mit den statistischen Toten ist das immer so eine Sache. Je nach den Ausgangsdaten und den Rechenmodellen können sich die Ergebnisse dafür, wie viele vorzeitige Sterbefälle einem Risikofaktor zuzurechnen sind, stark unterscheiden. Und weil man das Zusammenspiel der verschiedenen Risikofaktoren und der diversen Confounder, also nicht kausaler, nur statistischer Begleitfaktoren, in epidemiologischen Studien meist nicht ganz sauber in den Griff kriegt, addieren sich die Sterbefälle für die verschiedenen Risikofaktoren gerne mal auf eine Summe, die größer ist als die reale Zahl der Sterbefälle. Mit dem Problem kommunizierender Röhren könnte man sich auch noch beschäftigen: reduziert man einen Risikofaktor, haben andere bessere Chancen, ihre unheilbringende Wirkung zu entfalten. Das ist genauso wie beim Kampf gegen Krebs: je erfolgreicher man hier ist, desto mehr Leute werden zwangsläufig an Herzinfarkten oder anderem sterben. Trotzdem ist das natürlich kein Argument gegen präventive Interventionen: Immer, wenn nach dem Modell kommunizierender Röhren durch die Reduktion eines Risikofaktors andere mehr zur Geltung kommen, wurde ja ein früher oder stärker wirkender Risikofaktor zurückgedrängt, also das Sterben zeitlich nach hinten geschoben. Wir sind alle froh, dass wir nicht mehr im ersten Lebensjahr an Durchfallerkrankungen sterben, auch wenn das dazu führt, dass viele von uns jetzt mit 80 an Krebs oder einem Herzinfarkt dahinscheiden.

Noch ein Cave vorab, um Missverständnisse zu vermeiden: Ich weiß nicht, ob Fahrverbote für Dieselautos ein sinnvolles Instrument zur Luftreinhaltung sind, das ist eine ganz andere Frage als die nach den gesundheitlichen Folgen von Stickoxiden, eine Frage, bei der es um Handlungsfolgen geht und auch darum, welche Alternativen es gibt.

Aber zurück zu Dieter Köhler und seinem ganz persönlichen Kampf gegen die Dieselrisiken. Der Kommentator „luftikus“ hat nebenan gerade auf ein SWR-Interview Köhlers aufmerksam gemacht. Darin erklärt er zu den Stickoxid-Belastungen aus Dieselautos, nachdem er dem Umweltbundesamt fälschlicherweise Dummheit in Form einfacher Stadt-Land-Vergleiche unterstellt:

Screenshot SWR-Interview Köhler

Screenshot, SWR, Interview mit Dieter Köhler, www.swr.de/swraktuell/Stickoxid-Grenzwerte-und-Diesel-Fahrverbote-Lungenspezialist-Schon-Raucher-muessten-tot-umfallen,lungenspezialist-stickoxid-diesel-100.html, Abruf 27.10.2018

Dagegen wirkt der Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft in der Außenluft in der Tat albern, auch der von 950 Mikrogramm an arbeitsmedizinisch überwachten Produktionsarbeitsplätzen. Köhler bewegt sich mit seinen Zahlen im Bereich tödlicher Konzentrationen. Vielleicht hat er auch nur Punkt und Komma verwechselt, nach drei Tagen könnte das dann auch mal beim SWR auffallen.

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Kommentare (44)

  1. #1 Markweger
    27. Oktober 2018

    Wie gesundheitsschädlich die Dieselabgase auch immer sein mögen.
    Dass die Problematik überhaupt entstehen hat können war eine Frage mangelnder Kontrolle und damit eine politische Verantwortung.
    Die politische Verantwortung einer Regierung die sich auch sonst nur durch Unfähigkeit und Verantwortungslosigkeit auszeichnet.

  2. #2 luftikus
    28. Oktober 2018

    Der SWR wurde am 25.10. per Mail über die unhaltbaren Zahlen informiert – bislang (28.10.) ohne Reaktion.

  3. #3 luftikus
    28. Oktober 2018

    Von den ehem. und aktuellen Präsidenten der Fachgesellschaften GMDS, DGAUM, GHUP und auch der DGP (Dieter Köhler ist ehem. Präsident der DGP) gibt es eine frei abrufbare und lesenswerte Veröffentlichung zum Thema: “Wird die gesundheitliche Bedeutung von NO2 in der öffentlichen Diskussion richtig eingeschätzt?”

    Unstrittig unter den Autoren sei, “die bestehenden Grenzwerte, die für NO2 abgeleitet wurden und dem Schutz der Gesundheit dienen, müssen unbedingt eingehalten werden.”

    https://www.ecomed-umweltmedizin.de/leseproben/self/umweltmedizin–hygiene–arbeitsmedizin-band-23-nr-2-2018-.pdf

    • #4 Joseph Kuhn
      28. Oktober 2018

      @ luftikus:

      Danke für den Link. Die Beiträge dort sind lesenswert, vor allem, was die Bewertung der Datenlage angeht. Auch eine gute, allgemeinverständliche Aufbereitung der Datenlage und der dabei verwendeten Kennziffern wie vorzeitigen Sterbefällen, verlorenen Lebensjahren usw., wie dort vorgeschlagen, wäre sicher gut. Die Qualität der Risikokommunikation hat bei dem Thema sicher ihr Optimum noch nicht erreicht. Das gilt auch für den sonst beim Verständnis von Risiken so bemühten Gerd Gigerenzer, der bei den Dieselabgasen einfach das Lied “Die Studien taugen nichts” mitpfeift, statt herauszufiltern, was man trotz aller Probleme weiß – wie es erfreulicherweise die Autoren der verlinkten Zeitschrift tun.

  4. #5 Laie
    28. Oktober 2018

    Herr K. könnte ja so nett sein, seine Behauptungen der ungefährlichen Konzentrationen in Form einer Studie an sich selbst zu beweisen, sich also mit den von ihm behaupteten völlig ungefährlichen Konzentrationen auszusetzen, um das Gegenteil zu beweisen.

    Wäre interessant, was dann evidenz-basierend passiert oder auch nicht passiert.

    • #6 Joseph Kuhn
      28. Oktober 2018

      @ Laie:

      Eine solche N=1-Studie wäre wissenschaftlich wertlos und würde zu Recht auch durch keine Ethikkommission kommen.

  5. #7 Basilios
    28. Oktober 2018

    @Markweger

    Dass die Problematik überhaupt entstehen hat können war eine Frage mangelnder Kontrolle und damit eine politische Verantwortung.

    Ach so?
    Wenn jemand eine Bank überfällt, dann trägt der Bürgermeister die Verantwortung, weil er nicht genug hat kontrollieren lassen?

    Also bei mir wäre da immer noch einfach der Täter schuld.

  6. #8 rolak
    28. Oktober 2018

    einfach der Täter schuld

    Nicht doch, Basilios: In diesem speziellen Falle ganz eindeutig auch das Verkehrsministerium. Immerhin hat es mit der ständigen Straßenpflege die Anfahrt und insbesondere die Flucht enorm unterstützt. Wie gesagt, eindeutig, Beihilfe.

  7. #9 Markweger
    28. Oktober 2018

    Sagen wir es so.
    Die Autonzerne haben ganz gut gewußt dass da schon keiner so genau schaut. Wirtschaft ist wichtiger.
    Und wenn es VW nicht in Amerika übertrieben hätte, dann hätte da auch weiterhin niemand etwas gesehen.

  8. #10 Joseph Kuhn
    28. Oktober 2018

    @ Basilios:

    Wenn man einmal von Markwegers Grundmotiv, Merkel sei an allem schuld, absieht, ist der Vorwurf mangelnder Kontrolle gegenüber den Autokonzernen nur allzu berechtigt. Was man da im Lauf der Zeit alles mitansehen musste, bis hin zu den peinlichen “industriefreundlichen Grüßen” der Aufsichtsbehörde, ist einfach nur noch zum Verzweifeln. Kein Wunder, dass Herbert Diess in jeder Talk Show zufrieden vor sich hingrinst.

  9. #11 Tim
    28. Oktober 2018

    Technische Regulierung ist haarsträubend labyrinthisch, vor allem bei einem derart komplexen Produkt wie dem modernen computergesteuerten Verbrennungsmotor. Weiß jemand, wie es genau zu den NO2-Grenzwerten kam und wie die Prüfverfahren genau beschrieben sind?

    Es würde mich nicht wundern, wenn am Ende nach vielen Jahren Rechtsstreit der Automobilindustrie kein wesentlicher Verstoß nachgewiesen werden kann, weil die Regulierung so komplex ist, dass sie beinahe frei interpretiert werden kann.

  10. #12 Joseph Kuhn
    28. Oktober 2018

    @ Tim:

    Zu den Umwelt-Grenzwerten siehe z.B. die oben von Luftikus verlinkte Leseprobe, dort den Artikel “Gesundheitliche Risiken von Stickstoffdioxid im Vergleich zu Feinstaub und anderen verkehrsabhängigen Luftschadstoffen” von Erich Wichmann, einem ausgewiesenen Fachmann auf dem Gebiet.

    Bei den Prüfverfahren sagte Herr Diess vor ein paar Tagen in einer Talk Show, ich glaube bei Maybrit Illner, man hätte früher gar nicht auf der Straße messen können und die Zulassung in Deutschland mit den Prüfstandwerten sei daher rechtskonform (nur in den USA hätte man betrogen). Dass man früher auf der Straße nicht messen konnte, kann glauben, wer will, und warum das, wenn es stimmen würde, spezielle Abschalteinrichtungen zur Verheimlichung der Abgaswerte im Realbetrieb (in der Sprache der Konzerne: “zum Schutz des Motors”) legitimieren soll, bleibt ohnehin sein Geheimnis. Der Schutz vor Nichtzulassung hat jedenfalls funktioniert.

  11. #13 Basilios
    Fate/Stay Night
    28. Oktober 2018

    @Joseph Kuhn
    Natürlich darf man mit aller Berechtigung eine mangelnde Kontrolle anprangern. Ich kann mich nicht erinnern, daß sich in den letzten zwanzig Jahren unser Verkehrsministerium in irgendeiner Form als ernsthafte Kontrollinstanz der Autoindustrie zum Wohle der Bürger profiliert hätte.

    Bei Markweger führt die Fixierung auf sein Feindbild halt leider dazu, daß die tatstächlichen Täter komplett ausgeblendet werden.

    Unabhängig davon kann ich schon verstehen, daß eine die latente Gewissheit, daß man eh nicht so richtig verfolgt wird, es einem schon leichter macht eine Straftat zu begehen. Ich denke deswegen gibt es ja auch das Gebet dazu mit diesem “…und führe uns nicht in Versuchung.”. Aber ich denke, daß man trotzdem ganz klar sagen kann, daß das noch nie eine gute Entschuldigung für eine Straftat war.

  12. #14 Markweger
    28. Oktober 2018

    Wenn einer der Hersteller einmal damit anfängt die Gesetze zu unterlaufen dann wird es für die anderen Hersteller schwieriger.
    Denn wie sollen sie konkurrenzfähig bleiben wenn sich einer der Hersteller nicht an die Gesetze hält, sie selbst aber schon.
    Und natürlich merken sie was ein anderer Hersteller macht und sie sehen auch dass dem nichts passiert.
    Wenn sie also nicht einen Nachteil haben wollen bleibt ihnen fast nichts übrig als das gleiche zu tun.

  13. #15 Tim
    28. Oktober 2018

    @ Joseph Kuhn

    Jemand müsste sich mal die Berichterstattung in den Publikumsmedien ansehen und schauen, wie sich die Debatte über NO2 und Feinstaub in den letzten Jahren entwickelt hat.

    Rein gefühlsmäßig hat früher Feinstaub die Debatte bestimmt, in den letzten 1-2 Jahren hat dann NO2 das Ruder übernommen. Feinstaub ist nach derzeitigem Wissensstand das größere gesundheitliche Problem und zugleich natürlich auch das größere Problem für die Automobilindustrie sowie für alle Autofahrer, da es sich auch durch Elektromobilität nicht wirklich in den Griff bekommen lässt. NO2 dürfte für sehr viele Privatpersonen, Behörden und Unternehmen das sehr viel angenehmere der beiden Probleme sein.

  14. #16 Joseph Kuhn
    28. Oktober 2018

    @ Tim:

    Feinstaub ist gesundheitlich das gravierendere Problem, aber bei den Stickoxiden werden die EU-Grenzwerte gerissen, daher hat sich das rechtlich zugespitzt. Zudem gab es hier auch noch die Manipulation mit den Emissionswerten bei den Autos mit entsprechender Medienaufmerksamkeit. Aber ich bin kein Experte für Luftreinhaltungsfragen und kann da auch nur meinen zeitungsbelesenen subjektiven Eindruck wiedergeben.

  15. #17 Novidolski
    29. Oktober 2018

    Man kann Gesetze und Verordnungen noch so sehr verbiegen und anpassen, die Tatsache bleibt bestehen, dass alle Wärmekraftmaschinen Sauerstoff verbrauchen und gesundheitsschädliche Gase ausstoßen. Ein Verbot des Diesel ist nur das Kappen des Eisberges.
    Wenn man die Feinstaubdebatte begleitet, werden nirgends die Reifenabriebe von Fahrzeugen genannt.
    Wenn sich Dein Reifenprofil von 8mm auf 4mm verringert hat, wo sind denn dann die 4mm geblieben?

    Wenn du deine Sportschuhe heruntergelaufen hast, wo sind die Plastiksohlen geblieben?

    Wenn in der Müllverbrennung der recyclingungeignete Kunststoff verbrannt wird, wo bleibt dann der Ruß?

    Meine Meinung: Die Gesundheitsdiskussion wird viel zu “schmalbrüstig” geführt. Man muss der Öffentlichkeit vor Augen führen, was sie tut und was sie sich selbst antut.

  16. #18 roel
    29. Oktober 2018

    @Novidolski
    “Wenn man die Feinstaubdebatte begleitet, werden nirgends die Reifenabriebe von Fahrzeugen genannt.” “wo sind denn dann die 4mm geblieben?” “wo sind die Plastiksohlen geblieben?”

    Der Reifenabrieb wird zur Zeit eher in der Mikroplastikdebatte diskutiert. Er entsteht direkt am Boden und geht sehr schnell auf die nähere Umgebung und auf die Kanalisation und Abwasserauffangbecken über. Große Anteile landen im umgebenen Erdreich oder in umgebene Gewässer und von da in die Meere.

    Ich persönlich denke, dass Reifenabrieb nicht richtig dem Mikroplastik zugeordnet wird, da der Begriff Mikroplastik für zerfallenen Kunststoffteilchen und Kosmetikzusätze schon länger benutzt wird und ein Großteil des Abriebs Kautschuk ist. Egal, eine Umweltbelastung sind alle drei (Kunststofftteilchen, Kosmetikzusätze und Reifenabrieb). Das Fraunhofer Institut unterteilt in 30 verschiedene Quellen.

    Um mal die Dimensionen für Deutschland zu klären:

    Umweltbelastung
    durch Mikroplastik gesamt: 330.000 t pro Jahr
    durch Reifenabrieb: ca. 100.000 t pro Jahr (31%)
    gefogt von
    Freisetzung bei der Abfallentsorgung: ca. 25.000 t pro Jahr (8%)
    An 7. position:
    Freisetzung über Schuhsohlen: ca. 9.000 t pro Jahr (3%)

    Werte: https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/publikationen/2018/kunststoffe-id-umwelt-konsortialstudie-mikroplastik.pdf

    Das ist zwar hier nicht Thema, aber in der aktuellen Umweltdiskussion über Plastikabfälle und Mikroplastik, Verschmutzung der Weltmeere wird hier selbst von namhaften Experten einiges durcheinander gebracht und ein falsches Bild erzeugt.

    Aber zurück zum Thema, denn zum Feinstaub werden auch 10% des Reifenabriebs gerechnet, die sich dann später aber auch am Boden oder im Wasser wiederfinden.

  17. #19 aristius fuscus
    29. Oktober 2018

    Man sollte bei der Feinstaub-Diskussion auch nicht vergessen, dass die Zusammensetzung des Feinstaubs von seiner Quelle abhängt. Feinstaub aus Verbrennungsprozessen enthält erhebliche Mengen der z.T. hochgradig krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (u.a. das berüchtigte Benzo-(a)-pyren), während Feinstaub aus Gummiabrieb eben aus gesundheitlich nicht so bedenklichen Kunststoffpartikeln besteht. Insofern hat sich die Feinstaubproblematik durch den Einbau von Partikelfiltern stärker entschärft als dies die reinen Feinstaubwerte zeigen (nachzulesen hier: https://www.umweltbundesamt.de/benzoapyren-im-feinstaub#textpart-1). Es ist also durchaus sinnvoll, sich jetzt dem nächsten Problem zuzuwenden.

  18. #20 Dr. Webbaer
    29. Oktober 2018

    Bemerkenswert bleibt womöglich schon, dass derartige Veranstaltung primär oder zentral bundesdeutsche Sorge empor zu bringen in der Lage ist, i.p. “Diesel”-Gerät; Dr. W fühlt sich hier zuvörderst an das sog. Waldsterben erinnert, dass es außerhalb der BRD nicht gab.

    Sollte obige Einschätzung stimmen, wäre Dr. W nicht un-geneigt derartigen dem deutschen Ökologisten als Veranstaltungsinhalt zuzusprechen.

    MFG + schöne KW44 noch,
    Dr. Webbaer (der im Moment Slade hört, nicht schlecht auch dies hier, “Slade” waren anfänglich auch sozialkritisch)

  19. #21 Hubert
    29. Oktober 2018

    Gibt es eine Statistik, wo die NO2 Opfer in Deutschland aufgelistet werden?

    Ich würde gerne diese Statistik mit der Jährlichen Auswertung NO2 2002 – 2017 vergleichen wollen.

    https://www.umweltbundesamt.de/themen
    /luft/luftschadstoffe/stickstoffoxide

  20. #22 Novidolski
    29. Oktober 2018

    roel
    danke für die ausführlichen Angaben zum Feinstaub.
    Wenn man sich wieder auf den Diesel konzentriert, dann scheint das Problem weniger technischer Natur zu sein, sondern dem Unwillen der KFZ-Lobby geschuldet.
    Den Behörden scheint auch das Personal zu fehlen, notwendige Kontrollen durchzuführen.
    Und wenn ich mir die Werbung für den neuen VW Van anschaue, der mit einem “sauberen” Diesel wirbt, dann frage ich mich, bin ich jetzt im falschen Kino?
    Das ist Provokation pur.

  21. #23 Novidolski
    29. Oktober 2018

    Dr. W.
    was soll das denn? Wollen Sie uns weismachen, dass unsere Ängste unbegründet sind, typisch bundesdeutsch eben ? Sie wohnen vielleicht nicht an einer vielbefahrenen Straße.

  22. #24 RainerO
    29. Oktober 2018

    @ Novidolski

    Das ist Provokation pur.

    Naja, ein Diesel, lege artis betrieben, kann im Rahmen der Möglichkeiten eines Verbrennungsmotors sehr wohl “sauber” sein. Sogar beim Feinstaub liegt er dann unter den Werten eines Benzin-Direkteinspritzers.
    Ob das beim neuen VW Van der Fall ist, weiß ich natürlich nicht.

    Zum Braunbären:
    Vergiss ihn einfach. Das, was er betreibt ist zumeist einfach nur geistige Selbsbefriedigung. Er ist stolz auf seine total verbogene pseudo-philosophische Intellektuellen-Mimikry. Im nächsten Posting lässt er dann einen leicht braun angehauchten Seitenhieb fallen, im übernächsten wird er dann offen xenophob und mit dem darauf folgenden Posting bekommt er wieder einmal eine Denkpause vom Hausherrn verpasst. Zum gefühlt 325. Mal.

  23. #25 Basilios
    Fate/Stay Night
    29. Oktober 2018

    @Markweger

    Wenn sie also nicht einen Nachteil haben wollen bleibt ihnen fast nichts übrig als das gleiche zu tun.

    Die klar verständliche Kurzfasszung davon lautet:
    “Die bösen anderen bescheißen alle. Allso muss ich es auch tun. Ich kann ja gar nicht anders!”
    Ist das wirklich Deine Vorstellung von Moral und Anstand?
    Markweger, es ist eigentlich ganz einfach. Wer da mitmacht bescheißt auch und gehört fortan genauso zu den Bösen und auch genauso bestraft.
    Nix da mit Entschuldigung.

  24. #26 aristius fuscus
    29. Oktober 2018

    @ RainerO:
    Natürlich liegen Sie mit der Einstufung des Kommentators Webbaer völlig richtig. Trotzdem sollte man die Legenden, die derselbe immer wieder verbreitet (ob aus Unkenntnis, Voreingenommenheit oder was auch immer) nicht so ohne weiteres stehen lassen. Da Webbaer sich hier wie immer kenntnisfrei zum Thema Waldsterben ausgelassen hat: neuartige Waldschäden (die bessere Bezeichnung) sind keineswegs eine deutsche Erfindung, sie sind seit den 70er Jahren europaweit (mit Schwerpunkt Mitteleuropa) dokumentiert. Eine gute Zusammenfassung des Sachstandes findet sich hier: https://www.spektrum.de/lexikon/geographie/neuartige-waldschaeden/5466.

    Um den Bogen zum Thema dieses Threads zu schlagen: dass sich die Waldsituation nicht verschlechtert und z.T. sogar gebessert hat, war nicht zuletzt konsequenten gesetzgeberischen Massnahmen zu verdanken. Die von der Regierung Schmidt erarbeitete 13. Bundesimmisionsschutzverordnung hat den Schadstoffausstoss von Grosskraftwerken drastisch reduziert, wobei es im Vorfeld zu massiven Protesten der üblichen Verdächtigen kam: die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie stünde auf dem Spiel, und was für Unsinn den Lobbyisten noch eingefallen ist. Trotzdem ist die 13. BImSchV umgesetzt worden und hat sich im Gegenteil als Innovationstreiber erwiesen -ein schönes Beispiel, dass eine konsequente Umsetzung von vernünftigen Umweltschutzmassnahmen auch ökonomisch von Nutzen sein kann.

  25. #28 wereatheist
    29. Oktober 2018

    Zum Rückgang von acid rain, wie das den neuartigen Waldschäden zugrunde liegende Phänomen oft genannt wird (klingt doch auch viel besser als ‘Waldsterben’, nicht?) trug auch die weitgehende Deindustrialisierung des östlichen Mitteleuropa nach 1990 bei. Manche Leute waren damit nicht glücklich.
    Manche wählen anscheinend jetzt die ‘AfD’ deswegen.

  26. #29 Novidolski
    30. Oktober 2018

    RainerO
    Sauberer Diesel,
    unter “Laborbedingungen schon”. Mit Laborbedingungen meine ich Betriebszustände, die nicht wirklichkeitsnah sind.
    Wenn es stimmt, was ich über das Motormanagement des Diesels gelesen habe, dann greifen alle Maßnahmen erst beim erreichen der richtigen Betriebstemperatur. Damit die ein 3 l Diesel im Stadtverkehr erreichen kann, braucht er mindestens 15 Minuten. bis dahin bläst er seine unverbrannten Kohlenwasserstoffe ungefiltert aus.
    Zur Ehrenrettung des Diesel muss man sagen, dass die Benziner das Gleiche tun. Die werden erst sauber
    nach 5 km.

  27. #30 RainerO
    30. Oktober 2018

    @ Novidolksi
    … Sauberer Diesel
    Darum habe ich auch “im Rahmen der Möglichkeiten eines Verbrennungsmotors” geschrieben und “sauber” unter Anführungszeichen gesetzt.
    Ich wehre mich nur ein wenig dagegen, den Diesel als den alleinigen Bösewicht hinzustellen und der Benziner fliegt fröhlich unterm Radar durch.

  28. #31 FloB
    30. Oktober 2018

    > Ich wehre mich nur ein wenig dagegen, den Diesel als den alleinigen Bösewicht hinzustellen und der Benziner fliegt fröhlich unterm Radar durch.

    Keine Angst, sobald die Diesel Fahrzeuge nicht mehr in die Innenstadt reinfahren dürfen, sind die Benziner an der Reihe.

  29. #32 Novidolski
    30. Oktober 2018

    RainerO
    damit wir uns nicht selber dem Vorwurf der Irreführung aussetzen, der Dieselmotor bleibt unverzichtbar bei Schiffen, bei diesel-elektrischen Antrieben und bei Stationärmotoren. Da ist er energetisch gesehen Benzinmotor überlegen. Und auch noch aus einem anderen Grunde sind Diesel “ökologisch” gesehen besser, ja sie hören richtig, beim Cracken von Erdöl fallen nun mal 50 % Dieselöl und andere Schweröle an.
    Deshalb war es wirtschaftlich gesehen nur logisch, auch die PKW mit Dieselmotoren auszustatten.

    Unsere Diskussion hier geht aber mehr um den Einsatzort von Dieselmotoren, also den Innenstädten, und hier sollten eben die Dieselfahrzeuge draußen bleiben, notfalls per Gesetz.

    FloB
    Wer auch den Benziner verbieten will, der begeht politischen Selbstmord.

  30. #33 Stephan
    31. Oktober 2018

    wereatheist #28

    “Manche Leute waren damit nicht glücklich.”
    Ja, stell dir vor, die waren doch tatsächlich nicht glücklich, daß sie plözlich keine Arbeit mehr hatten ergo nichts zu beißen.
    Das hat eine Flüchtlingsbewegung von mehreren Millionen ausgelöst.
    Weil sie eben nicht glücklich waren.

  31. #34 Stephan
    31. Oktober 2018

    #25 Basilios

    Es ist tatsächlich so, daß der Kapitalist bei Strafe des Todes seine Ware zu ähnlichen (oder besser besseren) Konditionen (Preis, Qualität, auch scheinbare Qualität) wie sein Konkurrent auf dem Markt anbieten muß. Das hängt mitnichten von seinem Charakter ab, es ist ein ökonomisches Gesetz de Kapitalismus.
    Somit entstehen bei mangelnder staatlicher Kontrolle allenthalben Tricksereien und Betrug, angefangen bei 55 Mrd. über illegale Software in Autos bis zu zu kurzen Schnürsenkeln. Kein Wunder- der Kapitalist entsendet seine Leute in die Regierung. Kann er auch, denn er hat die Macht dazu, schließlich gehört ihm der Laden.

  32. #35 Stephan
    31. Oktober 2018

    #26 aristius fuscus

    Daß sich der Zustand des Waldes gebessert habe, halte ich für ein ganz arges Gerücht.
    Die Waldschadensberichte der Regierung sagen etwas anderes aus.
    Alle geschichtlichen Tatsachen tragen sich zweimal zu, einmal als Tragödie, dann als Farce. Wir sehen es jetzt beim Waldsterben.

  33. #36 Basilios
    Akiba'S Trip
    31. Oktober 2018

    @Stephan
    Wer ist denn da beim grausamen Gesetz des Kapitalismus der Strafvollstrecker?
    o_0

  34. #37 Basilios
    ak
    31. Oktober 2018

    @Stephan
    Ah!
    Nein! Halt, nichts sagen. Ich weiß schon.
    Gerade ist es mir eingefallen.

    Der unnachsichtige Strafvollstrecker nach dem Gesetz des Kapitalismus ist natürlich der schlimmste Feind des Unternehmers: Der Kunde.
    Er will schließlich unnötig hohe Qualität in seinen Produkten und nur einen lausigen Preis dafür bezahlen. Außerdem glaubt er auch noch die meisten Lüg… Produktversprechen und beschwert sich hinterher doch noch darüber (merkwürdig, das ist bei Wahlversprechen ganz ähnlich).

    Letztlich sind also die Autokäufer an den Dieselabgasen und damit auch am Klimawandel schuld.
    Die Schlußfolgerung ist total überzeugend. Schließlich sind die es ja die damit ungebremst auf der Straße herum fahren. Könnten ja gefälligst auch den Zug nehmen.
    -_-

  35. #38 Stephan
    1. November 2018

    #36
    Der Strafvollstrecker ist derjenige, der den Kuckuck an die Tür klebt, weil derjenige, der hinter der Tür sitzt, seine Schnürsenkel oder Autos nicht mehr verkaufen kann. Mit einem Wort: es ist der Markt!
    #37 ist vollkommen unverständlich

  36. #39 Basilios
    Akiba'S Trip
    1. November 2018

    @Stephan
    Wenn Du #37 vollkommen unverständlich fandest, #38 hingegen Deine ernstgemeinte Antwort auf meine Frage aus #36 war, dann ist Dein anscheinend ebenso ernst gemeinter Kommentar #34 für mich ein weiterer Grund, warum eine Gesellschaft niemals auf einen Staat verzichten darf, der regelnd in den ungezügelten freien Markt eingreift.

    Aber das habe ich eigentlich schon immer gefordert und werde es auch in Zukunft tun.

  37. #40 Stephan
    1. November 2018

    ja, was ist in dieser schlußfolgerung so neu ??
    regelnd eingreifen ist lediglich der erste schritt.
    er reicht nicht aus.

  38. #41 Basilios
    Acca 13
    2. November 2018

    #Stephan

    ja, was ist in dieser schlußfolgerung so neu ??

    Ich verstehe nicht, wie Du zu dieser Frage kommst, bzw. an wen die jetzt gerichtet sein soll?
    Ich jedenfalls habe doch gerade eben geschrieben:

    Aber das habe ich eigentlich schon immer gefordert und werde es auch in Zukunft tun.

  39. #42 Basilios
    Acca 13
    2. November 2018

    #Stephan

    Stephan: ja, was ist in dieser schlußfolgerung so neu ??

    Ich verstehe nicht, wie Du zu dieser Frage kommst, bzw. an wen die jetzt gerichtet sein soll?
    Ich jedenfalls habe doch gerade eben geschrieben:

    Basilios: Aber das habe ich eigentlich schon immer gefordert und werde es auch in Zukunft tun.

  40. #43 luftikus
    17. November 2018

    Bei PI News und in der AFD hat man aus Köhlers SWR Interview gelernt: Ein Adventskranz habe was mit 200.000 Mikrogramm Stickoxiden zu tun:

    https://afd-fraktion.nrw/2018/11/15/neuer-diesel-grenzwert-koennen-wir-jetzt-aufatmen/
    http://www.pi-news.net/2018/10/bild-weint-greint-schleimt-afd-waehler-kommt-zurueck/
    http://filterblog.de/stickoxide-adventskranz-reisst-grenzwert-um-das-200-fache/

    Bei Eike-Klima fielen hingegen die angeblich ungefährlichen 800.000 Mikrogramm auf furcht -Verzeihung- fruchtbaren Boden.

    https://www.eike-klima-energie.eu/tag/asthmatiker-prof-koehler/?print=print-search

    • #44 Joseph Kuhn
      17. November 2018

      @ luftikus:

      Jetzt werden Sie aber sehr pedantisch: Stickoxide oder Feinstaub, kurzfristig oder langfristig, großflächig oder in einem belüftbaren Zimmer – darauf kommt es doch wirklich nicht an. Die AfD nimmt es schließlich auch sonst nicht so genau. Angeblich führt die Invasion der Araber im christlichen Atemland sogar dazu, dass verängstige Bürger wochenlang Adventskranzdämpfe inhalieren, um sich ideologisch abzuhärten 😉