Die Diskussion um alternativmedizinische Behandlungen wird in den ungewöhnlich unterrichteten Kreisen oft als Kampf zwischen Gut und Böse inszeniert. Hier Big Pharma, das Reich des Bösen, beherrscht vom Mammon, dort die sanfte Alternative aus einer besseren Welt. Ich habe zwar nie verstanden, warum z.B. Firmen im Imperium von Quandt-Erben allein dadurch gut werden, dass sie Globuli herstellen, aber ist halt so. Und Big Pharma ist ja wirklich ein Biotop dunkler Machenschaften. Das Andere dessen muss also gut sein, zwingend, das verlangt die Logik.

Zu diesem Anderen gehört bekanntlich auch die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Die NZZ schätzt den Umsatz dieses Zweigs der besseren Welt auf 100 Mrd. Euro. Aber in der anderen Welt spielt Geld keine Rolle. Schon gar keine böse. Außerdem ist das verglichen mit Big Pharma Kleingeld. Wobei, wie man aus der homöopathischen Parallelwelt weiß, auch kleinste Summen große Wirkungen haben können. Angeblich.

Ich schweife ab. Letzte Woche hat der SPIEGEL gemeldet (36/2019, S. 86), dass in Asien das Tokeh-Gecko selten wird. Wer hat davon je gehört? Der TCM sei Dank: Jetzt weiß man, dass es dieses Tier gibt, dass es früher häufig war und jetzt selten. Und zwar deswegen selten, weil es so oft getrocknet und pulverisiert in der chinesischen Apotheke landet. Es soll, so der SPIEGEL, gegen Impotenz, Asthma, Diabetes oder Hautleiden helfen. Genauso wie z.B. Nashorn-Hörner oder Tigerknochen. Gegen Asthma würde in China vermutlich saubere Luft besser helfen, gegen Diabetes eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung. Aber wozu, wenn es sanftere Alternativen gibt. Noch. Auch Tiger und Nashörner werden selten. In Bayern wurden schon lange keine mehr gesehen. Ob die Chinesen schuld sind?

Unbekannt dürfte den meisten Leuten auch das Pangolin sein, das „Tannenzapfentier“, dessen Schuppen gegen Kopfschmerzen helfen sollen. Zu Oktoberfestzeiten in Bayern ein Notfallmedikament mit Potential. Vermutlich hilft es auch gegen Impotenz, Asthma, Diabetes oder Hautleiden. Dass die Chinesen wissen, was Tokeh von Pangolin unterscheidet, oder das gar anhand klinischer Phase I-III-Studien untersucht haben, ist schließlich nicht anzunehmen. Das Pangolin ist, wie man liest, in Asien auch schon selten geworden.

Und schon mal das Wort Plumploris gehört? Nein? Chinesische Apotheker möglicherweise schon. Es ist inzwischen selten, alle Arten gelten als gefährdet oder stark gefährdet, muss also so was wie das Tokeh oder das Pangolin sein und wird auch gegen irgendwas helfen. Gegen Artenschwund eher nicht. Seepferdchen kennt dagegen jeder. Sie fördern – wie das Gecko oder Tigerknochen – die Potenz, also die Fähigkeit zur Fortpflanzung. Bei uns reicht dazu ein Porsche oder ein tiefergelegter Opel. Oder, alles hängt mit allem zusammen, ein BMW, das ist dann Quandtenmedizin. Selber fortpflanzen können sich die pharmazeutisch verarbeiteten Seepferdchen allerdings nicht mehr so gut, sie gehören, man ahnt es, auch durch die alternativmedizinische Nachfrage zu den bedrohten Arten.

Und so weiter und so weiter. Am Aussterben der Dinosaurier war die Traditionelle Chinesische Medizin übrigens nicht beteiligt. Sie sind potenztherapeutisch gesehen umsonst gestorben. Was für eine Verschwendung! Diese Kraft! Einfach weg. Apropos Aussterben: Ist eine Welt ohne Dinosaurier nicht sogar eine bessere Welt? Und warum soll eine ohne Tokeh oder Pangolin schlechter sein? Was hat der Juchtenkäfer für ein Glück gehabt, dass er nicht auf der Zutatenliste chinesischer Apotheker steht, die Frontlinien bei Stuttgart 21 wären ganz anders verlaufen.

Kommentare (39)

  1. #1 Umami
    12. September 2019

    Warum sollte der Konsum von Teilen eines Tieres, dass durch diesen vermehrten Konsum selten wird und es durch eigene Fortpflanzung nicht schafft, dem erfolgreich entgegenzuwirken, dem Konsumenten bei seiner eigenen Fortpflanzung helfen?

    Wäre da nicht Konsum von eingefangenen wilden Ratten oder Mäusen oder australischen Kaninchen irgendwie naheliegender?

  2. #2 JW
    13. September 2019

    @Umami: Oder der Konsum der Hoden von Vielfach-Vätern. Da würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Das Bevölkerungswachstum bremsen und Besten Stücken Auftrieb verschaffen.
    Zynismus am morgen macht echt munter!

  3. #3 Anonym
    13. September 2019

    Beschränkter Artikel. Bei TCM geht es nicht nur darum Tiere oder Produkte aus Tieren zu essen. So wie es in der konventionellen Medizin nicht nur darum geht alles mit Cortison zu bekämpfen.

    • #4 Joseph Kuhn
      13. September 2019

      @ Anonym:

      Wohl wahr. So wie es beim Kommentieren nicht nur darum geht, Buchstaben in Wörtern zu gruppieren.

  4. #5 Kerberos
    13. September 2019

    “”Es soll, so der SPIEGEL, gegen Impotenz, Asthma, Diabetes oder Hautleiden helfen. “”

    Derlei Aufzählungen werden normalerweise mit :
    “Sowie alle nichtgenannten”
    abgeschlossen.
    Der Spiegel ist auch nicht mehr, was er mal war. :=(

  5. #6 RainerO
    13. September 2019

    @ Anonym

    Beschränkter Artikel

    Beschränkter Kommentar.
    Klarer Fall von wlkikiv.

  6. #7 bote
    13. September 2019

    Dass die Menschen für das Aussterben von vielen Tierarten ursächlich sind, ist ja bekannt. Dass wir auch für die Vermehrung von Tierarten zuständig sind, das beweisen die vielen Schweine, Schafe und Rinder.
    Also greifen wir in den Tierhaushalt ein, indem wir aus Schadinsekten Proteine gewinnen. Die Giftstoffe werden vorher weggezüchtet. Wir könnten auch Ratten und Mäuse züchten und die mit den Schadinsekten ernähren. Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt.
    Die Chinesen werden wir doch noch toppen können.

  7. #8 Axel
    Kölle
    13. September 2019

    1/2
    Hallo und guten Morgen,
    erst einmal wieder vielen Dank für den intelligenten und humorvollen Artikel über ein ernstes Thema.
    Allerdings fiel mir beim Lesen -als ich den Teil mit den Nashorn-Hörnern las- ein Absatz aus
    “Last Chance to see” von Douglas Adams ein:
    “There is a widespread myth about what people want rhino horns for – in fact two myths. The first myth is that ground rhino horn is an aphrodisiac. This, I think it’s safe to say, is just what it appears to be – superstition. It has little to do with any known medical fact, and probably a lot to do with the fact that a rhino’s horn is a big sticky-up hard thing.
    The second myth is that anyone actually believes the first myth.
    It was probably the invention of a journalist, or at best a misunderstanding. It’s easy to see where the idea came from when you consider the variety of things that the Chinese, for example, believe to be aphrodisiacs, which include the brain of a monkey, the tongue of a sparrow, the human placenta, the penis of a white horse, rabbit hair from old brushes, and the dried sexual parts of a male tiger soaked in a bottle of European brandy for six months. A big sticky-up hard thing like a rhinoceros horn would seem to be a natural for such a list, though it’s perhaps harder to understand, in this context, why grinding the thing down would be such an attractive idea. The fact is that there is no actual evidence to suggest that the Chinese do believe rhino horn to be an aphrodisiac. The only people who do believe it are people who’ve read somewhere that other people believe it, and are ready and willing to believe anything they hear that they like the sound of.

  8. #9 Axel
    Köln
    13. September 2019

    2/2
    There is no known trade in rhino horn for the purposes of Aphrodisiac.(This, like most things, is no longer strictly true. It is now known that there are a couple of people in Northern India who use it, but they only do it to annoy.) Much horn is used in traditional medicine in the Far East, but a major part of the trade in rhino horn is caused by something much more absurd, and it’s this:
    fashion.
    Dagger handles made of rhinoceros horn are an extremely fashionable item of male jewellery in the Yemen. That’s it: costume jewellery.”
    (Douglas Adams – Last Chance To See)

    • #10 Joseph Kuhn
      13. September 2019

      @ Axel:

      Da hat Douglas Adams vielleicht Recht: “Nashorn gilt in traditionellen Arzneibüchern als Mittel gegen Kopfschmerzen, Fieber und Entzündungen. Als Potenzmittel spielte es hingegen in der TCM nie eine wesentliche Rolle” – heißt es beispielsweise auf der Seite “Heilpraxisnet”. Es sei denn, die TCM-Kunden lesen in westlichen Medien, dass Nashorn-Hörner als Potenzmittel gelten und bestellen es dann beim Apotheker ihres Vertrauens 😉

      Bleibt zu hoffen, dass es auch weiter keine Berichte über die Potenz des Juchtenkäfers gibt, Züge aufzuhalten, sozusagen als Nashorn unter den Rosenkäfern.

  9. #11 Alisier
    13. September 2019

    Vor zwei Monaten bat eine Bekannte, meine Frau möge ihr doch zwei TCM-Präparate(pflanzlich) aus China mitbringen.
    Antwort meiner Frau, die Chinesin ist: “Du weißt aber schon, dass der Effekt höchstens auf Placebo beruht? Willst du wirklich dafür Geld ausgeben?”
    Die Chinesen(und Chinesinnen) sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, aber die Esoteriker/Hömöopathiker/TCM-Freaks in Deutschland immer noch eine Plage.
    Dass die Tokehs durch TCM gefährdet sind halte ich übrigens für ein Gerücht. Und die Pangolins sind hoch gefährdet, allerdings nicht nur durch TCM: da ist die Lage komplexer.
    Übrigens: das weitaus meiste in China Verkaufte im Bereich TCM wird in Pulverform gereicht: was da drin ist überprüft keiner, und es wird geschätzt, dass weit über 80% Fakes sind.
    Bildung hilft übrigens: in Festlandchina und Taiwan hat sich längst herumgesprochen, dass Viagra hilft und nicht Nashorn. Auch hier ist die Lage warum es den Schwarzhandel immer noch gibt komplexer.
    Und nochmal: die TCM-Freaks hierzulande haben nicht mal die Tradition als Entschuldigung. Es sind einfach ahnungslose Esos mit Gefährdungspotenzial für Mensch und Tier.

  10. #12 rolak
    13. September 2019

    beim Apotheker ihres Vertrauens

    Netter Spruch, aber muß denn immer dieses patriarchlische Überstülpen der eigenen Denkschemata über egal was lustvoll ausgelebt werden? In China wird ein hehrer Kommunismus gelebt, erst der des bösen Mao [auch Stalins Wertung], jetzt der des Werauchimmer wannauchimmer; égalité, fraternité, portemonnaie.
    Da wird selbstverständlich der Apotheker des günstigsten Preises gewählt. Nicht wie hier bei den pöhsen Kapitalisten…

  11. #13 rolak
    13. September 2019

    Und noch einen Nachschlag, zum ‘Biotop dunkler Machenschaften’: In Panoramas “Das Ende der Antibiotika“, wird so ab 2:50 ein Stück Theater aufgeführt (Kontext hilft, aber es geht auch isoliert), das in Punkto Absurdität einen Ionesco oder Beckett vor Neid erblassen lassen würde (wenn sie noch könnten).
    Demaskierender geht kaum…

    • #14 Joseph Kuhn
      13. September 2019

      @ rolak:

      Ja, die Passagen mit den Pharma-Aufpassern für Journalisten sind wirklich demaskierend. Wobei man darüber leicht einen Punkt übersieht, der viel gravierender ist: Die Entwicklung von Reserveantibiotika ist ja wirklich nicht lohnend, weil sie möglichst nicht eingesetzt werden sollen. Hier versagt der Markt essentiell, das geht in der Sendung durch die Aufpasser-Story praktisch unter.

  12. #15 uwe hauptschueler
    13. September 2019

    Für die Feinschmecker unter den Esoterikern gibt es TCM™ Kochtöpfe.

    Auf unseren Produkten finden Sie – vom T-Shirt bis zum
    Kochtopf – das TCM Siegel. Dieses garantiert ausgezeichnete
    Produktqualität , sorgsame Auswahl und exklusive Herstellung.
    TCM steht dabei für ‚Tchibo Certified Merchandise’.

    Q.:[https://www.tchibo.com/servlet/content/690804/-/starteseite-deutsch/tchibo-unternehmen/qualitaet/qualitaet-bei-tchibo/was-ist-tchibo-qualitaet/das-tcm-siegel-das-qualitaetssiegel.html

  13. #16 Alisier
    13. September 2019

    Um das dann ein wenig zu präzisieren:
    Die hoch geschätzten und inzwischen extrem teuren Cordyceps-Raupen(korrekterweise Ophiocordyceps sinensis: über 5000 $ das Kilo) sind nicht deswegen so teuer weil man in China glaubt, dass sie so irre wirksam sind, sondern weil sie als “Geschenk”(Teil der Korruptionskultur) gebraucht werden. Dasselbe gilt für Nashorn und Pangolin.
    Es ist aber noch komplexer.

  14. #17 Alisier
    13. September 2019

    Nachtrag: an die Heilkraft glauben hauptsächlich die dämlich(st)en Europäer, die nun wirklich gar nichts mitgekriegt haben.

  15. #18 NullcoManix
    13. September 2019

    Ob als angebliches Potenzmittel oder zu anderen Zwecken, für Rhino-Hörner scheint manchen Leuten das Geld nach wie vor locker zu sitzen:

    In South Africa, rhinoceros poaching incidents have increased from 13 in 2007 to 1,215 in 2014. This has occurred despite strict trade bans on rhinoceros products and strict enforcement in recent years. https://doi.org/10.1016/j.cub.2017.11.005

    Unter den in Afrika überführten Tätern sind hiernach übrigens nicht nur Einheimische, sondern auch Chinesen und Vietnamesen. Dass sich der Absatz jetzt zu westlichen Wundermedizin-Anhängern verschoben haben soll, ist nicht ganz glaubhaft. Die scheinen als Abnehmer eher dazugekommen zu sein.

  16. #19 Spritkopf
    13. September 2019

    TCM steht dabei für ‚Tchibo Certified Merchandise’.

    Ich dachte immer, das hieße ‘Tchibo China-Müll’.

    Passt irgendwie sogar in den Kontext des Artikels.

  17. #20 rolak
    14. September 2019

    geht in der Sendung (..) praktisch unter

    Das kommt allerdings sehr auf die Definition von ‘praktisch’ an, Joseph, da es nicht nur mindestens einmal explizit formuliert wird, sondern imho auch in jedem einzelnen der Interviews mit den Ex-Entwicklern deutlich wird.

    • #21 Joseph Kuhn
      14. September 2019

      @ rolak:

      Ja, ok., da hast Du Recht, wobei eben die Aufpasserstory viel Empörung generiert, ebenso die Argumentation, dass andere Medikamente profitabler sind als Antibiotika (was leicht so verstanden werden kann, dass die Pharmaindustrie aus reiner Geldgier nicht will), während das strukturelle Marktversagen bei den Rerserveantibiotika z.B. im Interview zwar angesprochen, aber nach meinem Befinden (“praktisch”) nicht in seinen Konsequenzen ausgeleuchtet wird. Dabei ist das ein schönes Beispiel dafür, dass der Markt nicht alles regelt, zumindest nicht unter menschlichen Rahmenbedingungen. Daseinsvorsorge ist eine öffentliche Aufgabe.

  18. #22 rolak
    14. September 2019

    Empörung

    ..kam bei dem KaffeeAutomat-Abwiegler allerdings auf, Joseph. Doch RenditeOptimierung ist system-normal, dabei gibts nichts personen/firmen-bezogenes zu meckern. Beim jeweiligen Abstreiten dieses Agierens aber schon.
    Klar sind die Antibiotika ein Beispiel dafür, daß der Ansatz ‘wenns sich lohnt, machts schon einer’ keineswegs alle Probleme löst, doch nur eines unter vielen.

    öffentliche Aufgabe

    ..und im gesellschaftlichen Kontext sogar monetär deutlich profitabler, kommen doch die eingesparten Kosten für infektionsbedingte zB Pflege, Amputationen und deren Nachsorge hinzu. Trotzdem erachte ich einen Obulus für dieses outsourcing nicht so profitabler, doch gesellschaftlich relevanter Geschäftszweige für angemessen, umsatzrelativ oder wie auch immer, branchenübergreifend.

  19. #23 Uli Schoppe
    14. September 2019

    Aus reiner Geldgier ist einfach falsch formuliert. Marktwirtschaft und Aktienmärkte generieren solche Abläufe einfach zwangsläufig.

  20. #24 bote
    15. September 2019

    Dieser Artikel über den Wunderglauben an Elfenbein ist geignet einmal die Zusammenhänge des Handels von Elfenbein, den Preis von Elfenbein und dem Aussterben der Tierarten zu diskutieren.
    In Afrika versuchen ja einige Länder den Abschuss von Elefanten wieder zu erlauben und den Verkauf des Elfenbeins ebenso.
    Die EU besteht strikt auf dem Verbot und der Vernichtung von gefundenem oder beschlagnahmten Elfenbein.
    In Deutschland hat diese strikte Handhabung dazu geführt, dass der Handel mit Elfenbein zum Erliegen gekommen ist. Jedes stück Elfenbein muss erfasst sein und die Kontrollen erfolgen unangemeldet.
    Das hatte zur Folge, dass es keine Elfenbeinschnitzer mehr gibt. Ein Elfenbeinhändler erzählte mir, er habe noch Elefantenzähne in seinem Lager , aber er finde keine Elfenbeinschnitzer mehr.
    Damit kommen wir zu dem zweiten Punkt, der Verarbeitung zu medizinischen Zwecken. Hier sind die Preise ins Astronomische gestiegen, weil das Material knapp wird. Würde man auhören beschlagnahmte Ware zu vernichten und auf den Markt zu werfen, dann würden die Preise einbrechen und das Wildern nicht mehr lohnend machen. Aber das ist nur eine Vermutung.

  21. #25 RainerO
    15. September 2019

    @ bote

    Dieser Artikel über den Wunderglauben an Elfenbein…

    Ich weiß nicht, was du da gelesen (oder genommen) hast. Aber im Artikel von Joseph Kuhn kommt Elfenbein mit keinem Wort vor.

  22. #26 rolak
    15. September 2019

    weiß nicht

    Ja das kann man lesen, RainerO, scheint Dir doch nicht bekannt zu sein, daß alles, was an Tieren spitz und lang daherwächst, aus Elfenbein ist. Deswegen ja der exorbitante Marktpreis von Stachelschweinen. Oder dachtest Du, der wär wg der Rippchen?

  23. #27 Joseph Kuhn
    15. September 2019

    @ rolak, @ RainerO:

    Man muss den “boten” ganzheitlicher verstehen.

    Die taz hatte im letzten Jahr einen Beitrag mit der Überschrift “Chinas neues Elfenbein ist Eselhaut”. Aus eingeweichter und ausgekochter Eselshaut wird für die TCM, so kann man im taz-Artikel lesen, “Ejiao” hergestellt, schwarze Gelatine: “Sie soll gegen allerlei Krankheiten helfen, von Erkältungen bis hin zu Gebrechen des hohen Alters.” Und gewiss auch gegen Impotenz, Asthma, Diabetes oder Hautleiden.

    Esel sind allerdings bisher nicht vom Aussterben bedroht, weder die einen noch die anderen.

  24. #28 bote
    15. September 2019

    Rainer O,

    wenn du meine Einleitung liest, dann verstehst du meinen Beitrag. Wenn du dazu fähig bist , einen Transfer herzustellen zwischen den Zähnen des Elefanten und dem Horn eines Nashorns dann muss ich nicht noch extra erwähnen, dass das auch für Walrösser gilt und sonstigem Getier, dem man Heilkräfte zuspricht.
    rolak
    Der Tipp mit den Stachelschweinen ist nicht schlecht, man sollte mal ernsthaft untersuchen wogegen diese Stacheln helfen. Sicher schon mal gegen Spitzfindigkeiten einiger Kommentatoren.

  25. #29 RainerO
    15. September 2019

    @ rolak
    Dieses Niveau der Lesekompetenz erklärt auch seine “Interpretation” der letzten Artikel nebenan bei Tobias. Er kann halt Sachen lesen, die wir Normallesenden nicht sehen.

  26. #30 Alisier
    15. September 2019

    “Esel sind allerdings bisher nicht vom Aussterben bedroht, weder die einen noch die anderen.”
    Hmja…….:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Afrikanischer_Esel
    Und das gilt auch für die spärlichen Überreste anderer Wildeselarten.
    Nur weil es Milchkühe gibt, heißt das nicht, dass das Wisent nicht gefährdet ist.
    Und wir sind uns sicher darin einig, dass die anderen Esel auch zu meinem größten Bedauern nicht gefährdet sind, auch wenn sie sich permanent als bedroht inszenieren.

  27. #31 RainerO
    15. September 2019

    @ bote
    In deiner Einleitung erwähnst du einen Artikel über den Wunderglauben an Elfenbein. Du kommentierst aber in einem Artikel, der Elfenbein überhaupt nicht erwähnt.
    Mit ist vollkommen klar, woraus du hinaus willst. Trotzdem ist es (wieder einmal) verwunderlich, was in deinem Kopf vorgeht, wenn du deinen Kommentar wie in #24 einleitest.
    Zwar wird Elfenbein (das man übrigens nicht ausschließlich aus Elefanten-Stoßzähnen gewinnt) durchaus auch in der TCM verwendet, aber Hauptabnehmer sind wohl die Schnitzer. China hat ein landesweites Verbot für Elfenbeinhandel. Erlaubt sind leider wieder der Handel mit Tiger- und Nashornprodukten.
    Mit dem eigentlichen Thema des Artikels hat das, wie so oft bei dir, aber nur am Rande zu tun. Es geht darum, dass die “sanfte TCM” einen nicht unerheblichen Anteil an der Ausrottung von Tierarten hat. Nicht gerade “gutmenschenlike”.

  28. #32 nota.bene
    15. September 2019

    @Alisier
    Ich wage zu bezweifeln, dass die Chinesen selbst nicht an ihren Hokuspokus glauben, wenn ich mir anschaue, mit welcher Überzeugung und Ernsthaftgkeit chinesische Apotheker nach den Angaben ihrer Kunden tausenderlei Pülverchen, Essenzen, Blättchen und Blüten zusammenmischen. Mehr als ein bitterer Kräutertee kann dabei nicht herauskommen. Selbst wenn die eine oder andere Pflanze arzneilich wirksame Inhaltsstoffe besitzen sollte, kriegt man auf diese Weise kein echtes Medikament zustande.

  29. #33 bote
    15. September 2019

    XXX

    [Kommentar gelöscht. Bitte nicht nur Sonntagsnachmittagsgeplauder, danke. JK]

  30. #34 Alisier
    15. September 2019

    @ nota.bene
    Auch wenn ich mich wiederhole: es ist komplexer.
    Das Kaufen der zusammengemixten Pülverchen ist weit mehr ein Ritual als irgendwas anderes.
    Als ich einen chinesischen Freund fragte wieso er bei einer ernsthaften Infektion nicht zuerst auf TCM zurückgriff,weil er das sonst oft tut, antwortete er:
    “Bist Du noch bei Trost? Ich bin wirklich krank!”
    Und das ist ein Teil des wesentlichen Unterschieds zu europäischen Esoterikern: der Widerspruch wird ausgehalten und Pragmatismus ist Trumpf.
    Für die Euroesos zählt hingegen nur der reine, wahre Glaube, gut protestantisch machen sie keine Kompromisse.
    Worüber Chinesen immer wieder den Kopf schütteln.

  31. #35 Uli Schoppe
    16. September 2019

    Trotzdem erachte ich einen Obulus für dieses outsourcing nicht so profitabler, doch gesellschaftlich relevanter Geschäftszweige für angemessen, umsatzrelativ oder wie auch immer, branchenübergreifend.

    Darf ich das so interpretieren das man Unternehmen staatlicherseits und auf Kosten der Normalos alimentieren soll das sie ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachkommen? Dafür das sie die Allgemeinheit dadurch erpressen das sie auf 33000 Tote in Europa scheissen um den shareholder value hochzuhalten?

  32. #36 rolak
    16. September 2019

    alimentieren

    Nein, Uli, sondern mit einer Abgabe belegen. Eine andere Variante wäre die bei seltenen Krankheiten und manchen Staaten erfolgte gesetzliche Verpflichtung/Förderung.

    Mal ganz abgesehen davon, daß Deine Interpretation des von mir Geschriebenen ziemlich rätselhaft ist, erwächst aus einer wie auch immer zu beschreibenden Verantwortung Einzelner der Gesellschaft gegenüber sicherlich keine Verpflichtung zur Produktionsverlagerung nach externem Gusto.

  33. #37 Uli Schoppe
    16. September 2019

    @rolak
    Darum habe ich ja gefragt ob ich das so interpretieren darf, manchmal bekommt man etwas einfach in den falschen Hals und ich war mir nicht sicher ob ich nacher nicht zurückrudern muss wenn ich sofort los polter 😉
    Nichts desto trotz haben auch Unternehmen eine Verantwortung, §14 GG und so…

  34. #38 rolak
    16. September 2019

    Darum

    Ist ja ok, Uli, trotzdem bleibt mir der Weg der Interpretation rätselhaft. Selbst mit meinem gräßlichen Tipp···Schreibfehler in ‘Obolus’ :·/

    §14 GG

    Das berühmte ‘(2) Eigentum verpflichtet’ ist halt eindeutig zu unspezifisch. Eine kleine, sogar komplett von der Steuer absetzbare Spende an irgendwas Gemeinnütziges und zack, Kernpunkt erfüllt.

  35. #39 Struppi
    9. Oktober 2019

    Die Verbreitung von TCM ist aufgrund des Irrsinns der “Kulturrevolution” enstanden. Ärzte wurden als “Konterrevolutionäre” ermordet. Aufgrund des Mangels an studierten Ärzten wurde dann die TCM propagiert, da diese auch von wenig ausgebildeten ausgeübt werden konnte. Das wird heute bei uns als jahrtausendalte Medizin verklärt.

    https://tcm-praxis-jin-feng.de/kaiser-medizin/tcm-wirklich-traditionell/

    Tatsächlich haben die Chinesen vor 1965 auf ähnlicher Basis behandelt, wie es auch bei uns üblich war und das was damals als “traditionell” galt war anscheinend durchsetzt mit mystischen Aberglauben.

    Lustig ist natürlich das eine in China aus schrecklichen Mangel entstandene Notlösung, hier als fundierte Medizin verkauft wird. Aufgrund meiner persönlicher Erfahrungen liegt das daran, dass leider in unserem Medizinbetrieb die gründliche Anamese und das Gespräch nicht so gewürdigt werden wie es sein sollte. Wer wirklich krank ist braucht Aufmerksamkeit auch vom Arzt. Wenn man diese nur von der “Alternativmedizin” bekommt ist es kaum verwunderlich, dass sich viele dort besser behandelt fühlen.