Heute hat der bayerische Landtag mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und Grünen die Staatsregierung aufgefordert, „durch eine Studie zu untersuchen bzw. untersuchen zu lassen, wie ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann. Dabei soll auch und insbesondere die Rolle alternativmedizinischer Methoden in den Blick genommen werden. Auch soll in diesem Zusammenhang eine mögliche positive Rolle von ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten beleuchtet werden.“

Zumindest mit Blick auf die Medienresonanz wirkt die Homöopathie, hier eine kleine Auswahl:

ZEIT-ONLINE

Süddeutsche Zeitung

Münchner Merkur

tz München

Nordkurier

Ärzteblatt

DAZ-online

Bayerischer Rundfunk

Was alle Pressestimmen eint: Es gibt keine positiven Kommentare.

Was jetzt interessiert: Wer wird mit der Studie beauftragt? Wie wird das Studiendesign aussehen? Welche anderen „alternativmedizinischen Methoden“ werden neben der Homöopathie untersucht? Wie wird die zuständige Ethikkommission votieren?

Was herauskommt, ist dagegen nicht so interessant, das kann man sich denken. Aber bei einem klugen Design, z.B. der Eingrenzung auf banale Infekte, könnte die Studie immerhin zu einem zwar nicht neuen, aber doch richtigem Ergebnis führen: Man braucht nicht immer Antibiotika, ein Placebo zu geben bzw. nichts zu tun, tut’s manchmal auch.

Kommentare (53)

  1. #1 Alisier
    8. November 2019

    Nun, man könnte auch überlegen eine Studie in Auftrag zu geben, die untersucht ob es nicht vernünftig ist, abends ins Bett zu gehen, damit man sich am nächsten Tag nicht völlig gerädert fühlt……
    Es sieht zumindest für mich nicht so aus, als ob bei der Art wie die Fragestellung kommuniziert wurde, irgendwelche Erkenntnisse zu erwarten sind.
    Deswegen halte ich die Reaktionen der Presse für sehr verständlich, und als Signal an Gläubige Homöopathen ist die Ablehnung einer Studie ebenfalls nicht zu verachten.
    “Leute, weitergehen, es gibt Wichtigeres als sich mit den wirren Vorstellungen von Gläubigen zu beschäftigen” kann als Aussage auch mal sinnvoll sein.
    Und soweit ich weiß ist der Placeboeffekt ausreichend belegt. Und dass man möglichst auf Antibiotika verzichtet, wenn es nicht absolut nötig ist, scheint mir ebenfalls in Deutschland gut belegter Konsens zu sein.

  2. #2 kaktus
    8. November 2019

    Interessant finde ich den Artikel in der Zeit. Überschrift: “Kann der Einsatz von Antibiotika durch homöopathische Mittel reduziert werden? Das soll in Bayern mit einer Studie geprüft werden. Die Opposition ist empört.”
    Und dann im Text: “Dazu genehmigte der Landtag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CSU und Freien Wählern einen Antrag […]”

    In diversen anderen Medien finde ich die Information, dass die Grünen dem unsäglichen Antrag zugestimmt haben, allerdings mit widersprüchlichen Angaben zu den Zahlen der Stimmen.

    In Anbetracht der bei den Grünen laufenden Diskussion, ob man sich vielleicht doch mal entschwurbeln möchte: Hat jemand offzielle Zahlen?

  3. #3 Richard
    8. November 2019

    für mich ein verheerendes Signal, das hier ausgesandt wird, und Beleg dafür, dass Populismus immer stärker um sich greift. Da überrascht eigentlich die Ablehnung durch die AfD, aber das könnte mit deren politischer Aussenseiterrolle im Landtag bzw dem anderen, nicht homöopathieaffinem Wählerpotential zusammenhängen?

  4. #4 Richard
    8. November 2019

    @kaktus
    SZ: Die FDP-Fraktion stimmte wie auch AfD und SPD gegen den Antrag, drei Grünen-Abgeordnete enthielten sich.

  5. #5 borstel
    8. November 2019

    @ Richard: Was ich verblüffend fand: Die Rede des AfD-Abgeordneten Winhart war sachlich, inhaltich zutreffend, man darf sagen: klug. Und sie kam ohne irgendwelche Ausländerpöbeleien aus (die bringen uns die multiresistenten Erreger ins deutsche Vaterland!…) – ein Betriebsunfall?

    @ Alisier: Das mit dem Schlafengehen ist ja gut und schön, aber die wirklich entscheidende Frage ist doch, wie sich das Aufstehen mit dem sprichwörtlichen falschen Bein auf den Tagesablauf im allgemeinen und bei speziellen Gruppen auf politische und wirtschaftliche Entscheidungen auswirkt. Dies sollte massiv untersucht werden!! Und alles andere ist rausgeschmissenes Geld!!!

  6. #6 Richard
    8. November 2019

    @Borstel: Winhart wird tatsächlich der “gemäßigten Fraktion” zugeordnet. Am besten fand ich aber die Redebeiträge der SPD-Abgeordneten Ruth Waldmann. Bei Gesundheitsministerin Huml war offensichtlich, dass sie den eigenen CSU-Abgeordneten nicht in den Rücken fallen wollte. Sehr schade…

  7. #7 Aginor
    8. November 2019

    Also ich hätte vielleicht auch dafür gestimmt, dass untersucht wird, ob Homöopathie da etwas bringt.

    Denn dann hat man im Ergebnis eine gezielte Studie für dieses Thema welche beweist dass dem nicht so ist, und das Thema ist dann hoffentlich ein bisschen näher daran, endlich durch zu sein.

    Wissenschaft ist auch, zu untersuchen/belegen dass und warum etwas _nicht_ funktioniert. Selbst wenn es offensichtlich scheint was das Ergebnis sein muss.

    Gruß
    Aginor

  8. #8 noch'n Flo
    Schoggiland
    8. November 2019

    @ Aginor:

    Denn dann hat man im Ergebnis eine gezielte Studie für dieses Thema welche beweist dass dem nicht so ist, und das Thema ist dann hoffentlich ein bisschen näher daran, endlich durch zu sein.

    Da kannst Du noch so viele Studien machen – für die Homöos wird das Thema niemals durch sein.

  9. #9 Alisier
    8. November 2019

    Naja Aginor…..200 Jahre ohne Beleg trotz zahlreicher Studien sollte eigentlich reichen…..noch mehr Aufmerksamkeit für den Mumpitz sollte dann wirklich sehr gut begründet sein.

  10. #10 RainerO
    8. November 2019

    könnte die Studie immerhin zu einem zwar nicht neuen, aber doch richtigem Ergebnis führen

    D.h., es werden Hunderttausende Euro verschwendet, um bereits mehrfach gesicherte Erkenntnisse zu bestätigen. Zum Glück ist es nicht mein Steuergeld.

  11. #11 gedankenknick
    8. November 2019

    @ borstel #5
    (die bringen uns die multiresistenten Erreger ins deutsche Vaterland!…)
    Wenn derjenige schlau war/ist, weiß er, dass der größte Hort von MRSA in Deutschland weder Krankenhäuser sind noch Ausländer (die können sich das gar nicht leisten), sondern Schweinemastbetriebe. Und wenn man dann eine so offensichtlich falsche Aussage trifft wie “die Ausländer schleppen diese Keime ein”, schießt man sich nur selbst ins Knie, ins Auge und in die politische Karriere. So dumm ist nicht mal die AfD.

    Wenn man sich jetzt allerdings fragt, wieso ausgerechnet Tiermastbetriebe ein Hort für multiresistente Keime sein könnten…. könnte man natürlich auf die Idee kommen, dass da Darwinistische Selektion via sinnbefreitem Massen-Einsatz von (Reserve)Antibiotika betrieben wird. Und man könnte vielleicht einen kausalen Zusammenhang vermuten. man könnte diesen sogar untersuchen – oder einfach mal suchen, ob der schon untersucht wurde. Die Frage ist da eher – will man das auch?

  12. #12 Aginor
    8. November 2019

    @noch’n Flo und Alisier

    Das sind Argumente die ich verstehen kann.

    Aber ich denke dass die Aufmerksamkeit für die Homöopathie dadurch dass man sich weigert die Homöopathie überhaupt zu untersuchen das schlimmere wäre.

    Die stilisieren sich zum Opfer, kriegen also sowieso Aufmerksamkeit. Dann kann man IMO lieber Fakten produzieren um das zu kontern.
    Es stimmt schon dass das vermutlich nie aufhören wird. Schade.

    Und ganz nebenbei: Wenn ich das richtig verstanden habe soll ja die Studie nicht nur herausfinden ob Homöopathie etwas bringt (tut sie nicht), sondern allgemein ob es Verfahren geben kann, mit denen die Antibiotikamenge mit vertretbaren Auswirkungen reduziert werden kann. Ich halte das für eine gute Idee. Wenn z.B. herauskäme dass eine irgendwie geartete Änderung der Hygienevorschriften in medizinischen Einrichtungen eine 20%ige Einsparung des Antibiotikaeinsatzes erlauben würde, dann ist das ein Gewinn.

    Gruß
    Aginor

  13. #13 Joseph Kuhn
    8. November 2019

    Fortsetzungsgeschichten

    Focus Online

    WELT

    FAZ

    Der Standard

    Wiener Zeitung

    Auch abgesehen vom Wiener Schmäh: Die Homogenität der Pressereaktionen ist beeindruckend. Aber ob die Politik etwas daraus lernt? Ich zitiere dazu einmal die “Ruhrbarone”: “Wir Ruhrbarone kennen schon jetzt die Antwort: Nein. Ach Bayern.”

    Gut, die Frage der Ruhrbarone war eine andere, die Antwort passt trotzdem. Ach Bayern. Aber der Leberkäs hier ist wirklich gut, egal ob im Bioscan-Gerät getestet oder nicht, der Himmel ist blau, die Berge sind schön.

  14. #14 Alisier
    8. November 2019

    Gut, zu Bayern habe ich mir noch keine abschließende Meinung gebildet, aber zu behaupten dass der Leberkäs gut ist, halte ich für extrem forsch……dazu hätte ich dann doch gerne ein paar hieb- und stichfeste Studien.

    • #15 Joseph Kuhn
      8. November 2019

      @ Alisier:

      Ihr immer mit euren Studien. Wem’s schmeckt, hat Recht!

      Ich frage mich nur, was macht jetzt Julia Klöckner. Wollte die nicht den Zuckerkonsum in homöopathischen Dosen reduzieren? Statt dessen freut sich jetzt die Zuckerlobby über ihren Erfolg in Bayern: “Die Carstens-Stiftung konnte durch wissenschaftliche Expertise und Bereitstellung von Studiendaten diese Entscheidung erfolgreich begleiten. Wir freuen uns: Unser Einsatz zeigt Wirkung.”

  15. #16 Alisier
    8. November 2019

    Spaß kurz beiseite:
    Der verlinkte Beitrag der Carstes-Stiftung ist ein Musterbeispiel manipulativer Sprachspielerei.
    Spannend sowas auseinanderzupflücken, und erschreckend, sich vorzustellen wie viele sich durch ein solch durchsichtiges Manöver beeinflussen, respektive in ihrer Blase bestätigen lassen.
    Und ja, Carstens ist schon der richtige Schutzpatron: ein Opportunist, wie er im Buche steht.
    Hauptsache Kügelchen, egal was Vernunft und Statistiken behaupten. Darauf eine Falschaussage wie weiland bei Guillaume.

  16. #17 noch'n Flo
    Schoggiland
    9. November 2019

    @ Aginor:

    Aber ich denke dass die Aufmerksamkeit für die Homöopathie dadurch dass man sich weigert die Homöopathie überhaupt zu untersuchen das schlimmere wäre.

    Man hat sie ja über viele Jahre genauestens untersucht, die Datenlage ist eindeutig. Warum soll man dafür noch gutes Geld zum Fenster rauswerfen, welches anderswo sehr viel besser angelegt wäre, nur damit die Homöos sich besser fühlen?

  17. #18 PDP10
    9. November 2019

    „durch eine Studie zu untersuchen bzw. untersuchen zu lassen, wie ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann. Dabei soll auch und insbesondere die Rolle alternativmedizinischer Methoden in den Blick genommen werden. Auch soll in diesem Zusammenhang eine mögliche positive Rolle von ggf. ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten beleuchtet werden.“

    *seufz*

    Aber ich denke dass die Aufmerksamkeit für die Homöopathie dadurch dass man sich weigert die Homöopathie überhaupt zu untersuchen das schlimmere wäre.

    *doppelseufz*

    Die Homöopathie ist so gut “untersucht” worden, wie nur was. Jetzt is langsam ma gut.

    Funktioniert nicht. Ist Unsinn. Hat sich erledigt.

    “Was will Bayern! Ist wie Flasche leer!” um mal einen berühmten Trainer derselben zu zitieren …

    Als ob es im Bayerischen Landtag nicht irgendwen in irgendeinem Ausschuss gäbe, der / die kompetent genug wäre, mal eben einen ruhigen Dienstag-Nachmittag lang die Studienlage zu prüfen .. (Shang et al., Linde et al. … hallo?)

    Fahrlässige Verschwendung von Steuergeldern das …

  18. #19 PDP10
    9. November 2019

    @Joseph Kuhn:

    Ihr immer mit euren Studien. Wem’s schmeckt, hat Recht!

    Mir schmecken aber Zigaretten! Und jetzt?

    😉

    • #20 Joseph Kuhn
      9. November 2019

      @ PDP10:

      “Und jetzt?”

      Es gilt das Grundprinzip der Politischen Epidemiologie: “Berufe dich nur auf Studien, wenn sie deine Position unterstützen.” Die Grünen haben das gerade im Vorfeld ihres Parteitags mustergültig anhand der Fälle Klimaschutz und Homöopathie vorexerziert, aber andere Parteien machen es je nach Thema natürlich genauso. Eine kleine Anleitung mit 10 Regeln zum kompetenten Gebrauch dieser Methode findet sich in dem Büchlein “Besser reich und gesund als arm und krank”.

  19. #21 hto
    9. November 2019

    Mit dem Antibiotika verhält es sich VORERST NOCH so wie mit Homöopathie: ES WIRKT und heilen tut sich Mensch mit seinem Körper weniger oder mehr bewusst selbst.
    Allerdings sieht es inzwischen so aus: Erst wirkt Antibiotika nicht mehr, dann stirbt Mensch mangels unterstützender Bakterien im Darm, da hilft auch Homöopathie nicht mehr, dumm gelaufen!?

  20. #22 rolak
    9. November 2019

    Das Erstaunliche an der Publikation der CarstensStiftung ist imho die tolldreiste Kombination des Cochrane-Zitierens bzgl Antibiotika/URTI und des Cochrane-NichtZitierens bzgl Homöopathika/ARTI.

  21. #23 PDP10
    10. November 2019

    @hto:

    Antibiotika [..]: ES WIRKT und heilen tut sich Mensch mit seinem Körper weniger oder mehr bewusst selbst.

    Äh … nein.

  22. #24 Kinseher Richard
    10. November 2019

    @Aginor
    Ich stimme Dir zu, dass man die geplanten Studien durchführen soll. Wenn als Ergebnis der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann, ist das auf jeden Fall ein Gewinn.

    Mich amüsiert die Diskussion und manche Medienberichte zum Thema.
    Von Kritikern der Homöopathie werden immer wieder nachprüfbare Studien unter wissenschaftlichen Standards gefordert – aber jetzt, wo solche Studien geplant werden, ist dies auch nicht recht.

    Ich bin vielleicht etwas konservativ im Denken: Man soll diese Studien durchführen und danach erst die wissenschaftliche Qualität und Ergebnisse diskutieren.

    Wer aber jetzt schon GLAUBT, dass diese Studien nichts bringen – sollte den Anhängern der Homöopathie ihren Glauben nicht vorwerfen

  23. #25 Echt?
    10. November 2019

    Viel wichtiger wäre es Magnetmotoren zu untersuchen. Die stoßen ja keine Schadstoffe aus.

  24. #26 rolak
    10. November 2019

    Von Kritikern der Homöopathie werden immer wieder nachprüfbare Studien unter wissenschaftlichen Standards gefordert

    Obwohl zu dem jeweiligen Thema bereits derart viele Studien durchgeführt wurden, daß sich ein review lohnte und auch schon gemacht wurde?
    Da hättest Du jetzt aber dringend ein klares Beispiel bringen müssen, Richard

    • #27 Joseph Kuhn
      10. November 2019

      @ rolak:

      “Von Kritikern der Homöopathie werden immer wieder nachprüfbare Studien unter wissenschaftlichen Standards gefordert”

      Ich dachte immer, die Homöopathen fordern Studien unterhalb von wissenschaftlichen Standards?

      • #28 rolak
        11. November 2019

        Das ist mal wieder übersimplifiziert, Joseph: Gefordert werden selbstverständlich, wenn auch unter verschiedenen Bezeichnungen, die Homöopathie bestätigende Studien, deren wissenschaftliche Qualität per Glaubensdekret festgelegt wird und außerhalb der Homöopathie gefälligst nicht in Frage gestellt werden soll.

  25. #29 Spritkopf
    10. November 2019

    @Kinseher

    Wer aber jetzt schon GLAUBT, dass diese Studien nichts bringen – sollte den Anhängern der Homöopathie ihren Glauben nicht vorwerfen

    Man braucht nicht zu glauben. Es gibt Studien über Studien, die die Unwirksamkeit der Homöopathie zeigen. Ok, hat sich noch nicht bis zu Ihnen herumgesprochen.

    Und wer weiß? Vielleicht müssen wir in der Tat noch weitere 200 Jahre an der Homöopathie forschen und noch ein paar Tausend Studien durchführen, bis es auch beim Letzten angekommen ist, dass es sich dabei um eine wirkungslose Scharade handelt.

  26. #30 borstel
    10. November 2019

    @ gedankenknick: Bislang war der AfD nichts zu billig, um ihre Propaganda voranzutreiben (außerdem sind durch die Migranten tatsächlich einige community acquired MRSA-Stämme ins Land gebracht worden, die hier sonst nicht oft vorkommen, ebenso andere multiresistente Erreger. Insgesamt spielen die aber aus epidemiologischer Sicht keine Rolle. Aber es hätte für die AfD einen willkommenen Aufhänger darstellen können, gerade auch um vom Einsatz der Antibiotika in der Lantwirtschaft abzulenken.).

    Was mich aber viel mehr umtreibt, ist der Antrag der CSU vom 1.8.19, “Todesfälle durch multiresistente Keime vermeiden III – Möglichst sparsamer Einsatz von Antibiotika bei der Produktion von Lebensmitteln”, der im Plenum mitbeschlossen wurde – wer dachte, daß es um multiresistente Erreger (so z.B. sog. LA-MRSA) in der Landwirtschaft gehe, der wird bitterlich enttäuscht: Der Antrag macht Antibiotikarückstände in in Aquafarmen erzeugten Shrimps (!!) zum Thema. Wie schön, wenn unsere Probleme in Wirklichkeit aus Südostasien kommen. Zumal jeder Deutsche mindestens 5 kg Shrimps pro Jahr vertilgt. Und der Bayer bestimmt das Doppelte…

    Und ja, auch ich halte die Forderung nach weiteren Studien zu Homöopathika “on top”, wie es die Ministerin Huml sagte, für herausgeworfenes Geld. – “Wenn Du bemerkst, daß Du ein totes Pferd reitest, steige ab!”

  27. #31 noch'n Flo
    Schoggiland
    10. November 2019

    @ Kinseher:

    Von Kritikern der Homöopathie werden immer wieder nachprüfbare Studien unter wissenschaftlichen Standards gefordert – aber jetzt, wo solche Studien geplant werden, ist dies auch nicht recht.

    Es gibt bereits genügend, noch mehr brauchen wir nun wirklich nicht. Und schon gar nicht zu Lasten des Steuerzahlers.

  28. #32 RainerO
    10. November 2019

    An anderer Stelle habe ich das dazu geschrieben:
    Die Gefahr einer solchen Studie ist meiner Meinung nach folgende: Es ist wohl ziemlich unstrittig, dass es in einigen Bereichen eine übertriebene, oder nicht notwendige Anwendung von Antibiotika gibt und dies auch zur Bildung von Multiresistenzen beiträgt.
    Wenn man dann noch annimmt, dass sich die Studie auf Krankheitsbilder beschränkt, bei denen einen Antibiotikagabe nicht eindeutig angezeigt ist (sonst wird wohl auch die Ethikkommission intervenieren), ist ein wahrscheinliches Ergebnis der Studie, dass es in einigen Bereichen auch weniger Antibiotika tun.
    Das ist zwar eine Binsenweisheit, aber die Homöopathieanhänger werden dieses Ergebnis als „Beweis“ für sich reklamieren, wenn es in der Studie keine zusätzliche Kontrollgruppe mit Placebo gibt.
    Sollte es diese Studie also tatsächlich geben, ist ein sehr sauberes Design enorm wichtig und muss auch vorher für die Öffentlichkeit publiziert werden. Ich frage mich nur, ob eine saubere, aussagekräftige Studie um € 400.000,- überhaupt möglich ist.

  29. #33 Joseph Kuhn
    11. November 2019

    Unter Franken

    Man muss Schreibfehler nicht zu hoch hängen, aber etwas befremdlich wirkt es schon, wenn die grüne Abgeordnete Kerstin Celina in einem Kommentar zum Landtagsbeschluss auf Facebook durchweg von “Homöphatie” und “Homöphatika” spricht: https://www.facebook.com/permalink.php?id=678815422181853&story_fbid=2675118875884821

    Als Fränkin müsste sie doch wissen, dass es “Homöbadie” und “Homöbadika” heißt.

    • #34 rolak
      11. November 2019

      ph

      ..ist ja nicht nur eine klassische herablassende bis -würdigende Aussage, sondern in diesem Falle sicherlich die unausweichliche Folge der gesteigerten Nutzung eines ‘phat pencil’.

      Oder wg der 11. Konsonantenverschubsung…

  30. #35 Aginor
    11. November 2019

    @noch’n Flo, PDP10:
    Die Homöopathen selbst sind mir dabei recht Wurst, es geht mir viel mehr darum, ihnen nicht das Feld zu überlassen. IMO muss man ihnen immer und immer wieder _fundiert_ entgegentreten. Nur so kann man ihnen die unentschlossenen Leute aus den Klauen reißen.

    Gruß
    Aginor

  31. #36 noch'n Flo
    Schoggiland
    11. November 2019

    @ Aginor:

    Entgegentreten okay. Aber die Studien soll gefälligst die Homöos liefern (wer behauptet, der beweist) – gerne auf eigene Kosten.

  32. #37 Udo Endruscheit
    Essen
    11. November 2019

    JEDE “Studie” verlängert nur die unendliche Geschichte, den Popanz, den die Homöopathen um ihre “Evidenz” aufführen und damit das Süppchen schlicht am Kochen halten.
    Da kann man machen was man will.
    Man wird sehen, was ausgeschrieben wird. Eine klinische Studie kann es aus ethischen Gründen kaum sein. Was wird es also? Ein Review? Eine Literaturrecherche? Klar, alles überflüssig… Schon die dem BR von der CSU-Fraktion präsentierten drei Studien (Sepsis-Frass, Rhinosinusitis-Friese, Review Mathie 2014) sind ja keine Bestätigungen, sondern Widerlegungen.
    Aber wie ich schon mal an anderer Stelle schrieb:
    “Vielfach wird in wissenschaftlich orientierten Kreisen gefordert, keine weitere Forschung zur Homöopathie mehr anzustellen. Gleichwohl erscheinen immer wieder neue Arbeiten zur Homöopathie, die bislang in keinem Fall einer methodisch-kritischen Betrachtung standgehalten haben. Dadurch wird allerdings auch – im Sinne interessierter Kreise – eine Diskussion über die Wirksamkeit der Homöopathie stets neu befeuert und in der Öffentlichkeit als wissenschaftlicher Streit um gleichwertige Positionen wahrgenommen. Dies kann sich als besonderes Problem der Kritik darstellen, da einerseits diese vorgeblichen Belege pro Homöopathie nicht einfach ignoriert werden können, andererseits durch die Gegenvorstellungen seitens der Kritik dem erwähnten Eindruck einer ‘Debatte auf Augenhöhe’ ungewollt auch ein gewisser Anschein von Glaubwürdigkeit verliehen wird.”

  33. #38 Joseph Kuhn
    11. November 2019

    @ Udo Endruscheit:

    So ist es. Mit neuen Studien lassen sich eigentlich erledigte Debatten wunderbar offen halten: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2018/06/16/wissenschaftstheorie-und-lobbyismus/

  34. #39 PDP10
    13. November 2019

    @Aginor:

    Hast du die Kommentare dazwischen nicht gelesen?

    Nochmal zum Mitschreiben:

    Es gibt mehr als Genug Studien (wirklich mehr als mehr als genug) zur HP.

    Das Thema ist durch. Fertig. Aus. Ende. Nicht mehr auf dieser Welt, wie der Papagei in dem Monty Python Sketch. Auserzählt. Da kommt nichts mehr.

    Es reicht auf die Studienlage zu verweisen.

    Wer noch mehr von diesen Studien fordert möchte nur den Status-Quo der leicht verschämten Toleranz dieses Humbugs durch die Kassen und Anderer Institutionen im Gesundheitssystem noch ein bisschen länger aufrecht erhalten.

    Sonst nichts.

  35. #40 noch'n Flo
    Schoggiland
    13. November 2019

    @ PDP10:

    rAmen!

  36. #41 zimtspinne
    13. November 2019

    Mal eine Querfrage:
    Verändert sich an oder in der Homöopathie nie etwas, entwickelt sich das nicht weiter und fort?
    Dann wären natürlich auch immer neue Studien notwendig!
    Und wer jetzt sagt, nein, dort ist alles noch so wie vor 200 oder wievielen Jahren – kann eigentlich nicht sein.
    Selbst Steine, die nur herumliegen, verändern sich über die Jahre… bröseln, setzen Patina an, werden in den Fluss befördert und dort zerrieben usw usf!

  37. #42 PDP10
    14. November 2019

    @zimtspinne:

    Verändert sich an oder in der Homöopathie nie etwas, entwickelt sich das nicht weiter und fort?

    Nein. Also “nein” zum zweiten Satzteil.

    “Richtige” Homöopathen orientieren sich selbstverständlich an dem 200 Jahre alten Buch von Hahnemann. Alle anderen sind keine “richtigen” Homöopathen und werden umgehend exkommuniziert.

    Nein, im Ernst (auch wenn das da oben eigentlich kein Witz ist):

    Die Homöopathie trifft ein paar Grundannahmen, die sich natürlich nicht geändert haben, sonst wäre es keine Homöopathie. Und diese Grundannahmen sind allesamt schlicht Unsinn.

    Das spielt aber keine Rolle, wenn es um Wirksamkeit geht. Die testet man nämlich mit doppelt verblindeten, Placebo-Kontrollierten Studien. Dabei ist es vollkommen egal, wie etwas wirkt. Es zählt nur und wird zweifelsfrei nachgewiesen, wenn die Studie gut ist, ob etwas wirkt.

    Und da gibt es inzwischen soviele gute Studien, die belegen, dass die HP nicht wirkt, dass es langsam mal gut ist.

    Das ist alles.

  38. #43 Joseph Kuhn
    16. November 2019

    Neues zum Thema:

    In der Süddeutschen ist heute ein Beitrag von Sebastian Beck, leider noch hinter der Paywall, der zum einen auf die harsche Reaktion Edzard Ernsts auf die geplante Studie hinweist, zum anderen auf einen möglichen Stichwortgeber hinter dem Landtagsbeschluss: Professor Jorgos Kavouras.

    Jorgos Kavouras ist ausweislich seiner Homepage “außerordentlicher Professor für Integrative Medizin und Homöopathie an der Universität für Medizin und Pharmazie Timisoara, Rumänien”. Dort habe ich allerdings nur vier nicht mehr ganz aktuelle Einträge zu seinem Namen gefunden. Studiert habe er in Erlangen, dort auch promoviert, wie man seiner cv auf der Seite der Uni in Rumänien entnehmen kann. Neben der Homöopathie hat er es auch mit der Orgonenergie und anderen nicht ganz irdischen Phänomenen.

    Nun denn, schreite voran, Wissenschaftsstandort Bayern! In die eine oder in die andere Richtung.

  39. #44 Alisier
    16. November 2019

    Und in Zukunft engagiert man erfahrene Pendler und Wahrsager um Gesundheitsstatistiken auszuwerten.
    Das wünschen wir uns doch alle.
    Und dann werden an jeder Ecke Orgon-Akkumulatoren aufgestellt um die Lebensqualität entscheidend zu erhöhen und die Lebensspannen nochmals auszudehnen.
    Paradiesische Zeiten für Bayern……..endlich ist die Macht der Wissenschaftshörigen gebrochen, und die Kirchen werden auch wieder voller werden, wenn die lästigen Ärzte erst mal abgeschafft sind.

  40. #45 noch'n Flo
    Schoggiland
    16. November 2019

    @ Alisier:

    wenn die lästigen Ärzte erst mal abgeschafft sind

    Never! Wer soll Euch denn dann die Erzeugnisse von Big Farmer verticken?

  41. #46 RPGNo1
    16. November 2019

    Man kann sich nicht einerseits, was die Klimakrise angeht, auf wissenschaftliche Erkenntnisse berufen´, und andererseits fortgesetzt Hokuspokus den Anstrich von Wissenschaftlichkeit geben wollen. (Aber-)Glaube ist Privatsache.

    https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/globuli-und-medizin-zwischen-wirksamkeit-und-aberglauben-kolumne-a-1296422.html

  42. #47 Joseph Kuhn
    16. November 2019

    @ Alisier:

    “Und in Zukunft engagiert man erfahrene Pendler und Wahrsager um Gesundheitsstatistiken auszuwerten.”

    Vielleicht müsste man einmal in einer Studie untersuchen, ob damit teure Wissenschaftlerstellen einzusparen sind?

    “Paradiesische Zeiten für Bayern”

    Und für Nordrhein-Westfalen. Die sind bei innovativen Zuckeranwendungen sogar schon über das Forschungsstadium hinaus und in der Feldphase. In Hörstel/NRW wird der Eichenprozessionsspinner mit Homöopathie bekämpft, und zwar erfolgreich: “Bürgermeister David Ostholthoff geht davon aus, dass die homöopathische Methode bald auch andere Kommunen interessieren könnte.” Unklar ist noch, ob die Wirksamkeit noch besser wäre, wenn man unterstützend Geomantie anwenden würde. Oder eurythmisch den Namen des Eichenprozessionsspinners tanzt.

  43. #48 Alisier
    17. November 2019

    Übrigens: der verlinkte Artikel zu Thaumetopoea processionea ist aus mehreren Gründen eine Zumutung und ein echter Sch… . Und in gewisser Weise typisch: Der Schreiber hat wirklich nicht den Hauch einer Ahnung.
    Und ich möchte für die Tierchen hier mal eine Lanze brechen: wenn sie irgendwo auftreten, dann sagt das viel über den schlechten Zustand eines Waldes oder auch eines Baumes aus. Und wegen der Art gegendweise den Notstand auszurufen ist extrem überzogen.

    • #49 Joseph Kuhn
      17. November 2019

      @ Alisier:

      Die wirklich wichtige Frage: Wurden die Globuli auf Basis individueller Anamnese des jeweiligen Baums oder auf der Basis individueller Anamnese der jeweiligen Population von Eichenprozessionsspinnern ausgewählt? Die werden doch nicht einfach so Zuckersaft gegeben haben?

  44. #50 Alisier
    17. November 2019

    Echte Homöopathen können selbstverständlich mit Bäumen reden, Joseph. Willst du etwa unterstellen, sie seien dazu nicht in der Lage?
    Übrigens waren die meisten Eichenprozessionsspinner hier in den Stadtteilen zu finden, in denen auch Heilpraktiker ihr Unwesen treiben. Ich nehme sehr stark an, dass das kein Zufall ist, und die Natur sich gegen das Gequatsche auf ihre Weise zur Wehr setzt.

  45. #51 zimtspinne
    17. November 2019

    @ PDP
    Na, da muss ich nun aber mal hartnäckig nachhaken.
    Sollte es unter den Anwendern gar keine experimentierfreudigen Gemüter mit Lust auf Weiterentwicklung und neue Erkenntnisse geben?
    Sogar die Bibel hat sich neu erfunden, und die ist nun wirklich ein Ausbund an Stillstand und Urzeit.
    wenn nun ein Homöopate auf die Idee käme, die ja auch naheliegend ist und mir zB käme, dass etwas weniger Verwässerung eigentlich viel besser wäre, dafür wird das Zeug gerührt statt geschüttelt und mit einem Eiswürfel statt Lösungsmittel beackert, dann hätte es ja womöglich einen ganz neuen Wirkungskreis, je nach Ausgangssubstanz.
    Das müsste eigentlich bei jedem dieser Globuli-Stippchen neu überprüft, vermessen und getestet werden, über ein Zulassungsverfahren.
    Gibt es da überhaupt eine Qualitäts- und Sicherheitskontrolle? War da nicht mal was mit Belladonna und Kindern?
    Gar nicht auszudenken, wenn einer im Rausch sowas anschüttelt…..
    Für jedes Lebensmittel gilt ja auch eine strenge Kontrolle, für Produkte aus der Drogerie ebenfalls und sogar Köche und Fressbudenbesitzer werden regelmäßig überprüft bzw ihre Produkte.
    Außerdem weise ich drauf hin, dass die D-s beispielswiese nur in D verbreitet sind, anderswo aber ungeläufig, was ja bereits auf eine Weiterentwicklung aus Abdriften vom Ursprung hindeutet.

  46. #52 Ursula
    18. November 2019

    @ zimtspinne
    Auch nicht mehr ganz taufrisch, dafür besonders vertrottelr. Homöopathie zum Auf malen. blog.gwup.net/2018/02/26/neu-in-der-homoeopedia-homoeopathie-zum-aufmalen/

  47. #53 borstel
    18. November 2019

    Aller guten Dinge sind drei Ärztekammern:
    https://www.aekno.de/service-presse/nachrichten/nachricht/neue-weiterbildungsordnung-fuer-nordrhein-beschlossen-weiterbildung-wird-digital- die Ärztekammer ist zumindest schlauer als mancher Politiker: Tschüssi, Homöopathie!