Das neue Corona-Virus sorgt für Ängste. Das ist verständlich und natürlich muss man die Entwicklung genau beobachten und Menschen, die sich infiziert haben, vorsichtshalber isolieren, um Infektionsketten zu unterbrechen. Noch kann man sich ja nicht sicher sein, wie tödlich das Virus ist, ob es vielleicht für bestimmte Personengruppen besonders gefährlich ist oder in eine ungute Richtung mutiert.

Es scheint, als ob bisher viele asymptomatische Fälle unentdeckt geblieben sind. Das heißt, die Letalität könnte deutlich niedriger sein als bisher diskutiert, weil der Nenner der Rate viel größer anzusetzen ist. Die Kehrseite dieser Situation: Wenn es viele unentdeckte Fälle gibt, ist das Virus womöglich auch schon viel verbreiteter als gedacht. Manche Fachleute gehen von 100.000 und mehr Infizierten in China aus. Dabei sollte man zwar einerseits im Auge behalten, dass in China 1,4 Mrd. Menschen leben, ein Fünftel der Weltbevölkerung. Daran gemessen sind auch 100.000 oder 200.000 Menschen, die sich angesteckt haben, nicht viel. Andererseits könnte das aber bedeuten, dass man das Virus nie mehr los wird, dass es sich einreiht in den Pool an Corona-Viren, die uns jedes Jahr Erkältungskrankheiten bringen.

Dann wäre es immerhin schön, wenn wirklich die meisten Fälle milde verlaufen. Im Moment verlaufen jedenfalls manche Erzählungen über das Virus alles andere als milde. Es gibt eine Konjunktur an Verschwörungstheorien über die Ursachen der Epidemie, von Biowaffenlabors bis zu den Außerirdischen. Keine Verschwörungstheorie, sondern eine echt schräge Geschichte ist das: „Advisory for Corona virus. Homoeopathy for Prevention of Corona virus Infections“ – eine Empfehlung der indischen Regierung. Ob man daraus schließen soll, dass sie das Virus nicht für gefährlich und süße Beruhigungspillen für ausreichend hält? Eher wohl, dass in Indien die Gesundheitspolitik gefährlich dumme Empfehlungen gibt.

Kommentare (19)

  1. #1 Onkel Michael
    https://onkelmichael.blog
    1. Februar 2020

    Wobei, lieber Joseph, man hier sagen muss, dass die Homöopathie-Aussage keine offizielle Verlautbarung der indischen Regierung ist. Es handelte sich um einen Alleingang des AYUSH-Ministeriums.
    Mittlerweile kam auch eine sehr barsche Entgegnung des (richtigen) Gesundheitsministeriums mit reellen Empfehlungen zur Prävention.

    • #2 Joseph Kuhn
      1. Februar 2020

      @ Onkel Michael:

      Ja, ein komisches Ministerium. Wäre interessant, etwas mehr über das AYUSH-Ministerium zu erfahren. Wie kam es dazu, wer steht dahinter, welche Befugnisse hat es usw.

  2. #3 RainerO
    1. Februar 2020

    @ Joseph Kuhn
    Auch wenn Indien eher esoterikaffin, im Besonderen manchmal der Homöopathie zugeneigt ist, stammt diese lebensgefährliche Empfehlung eben nicht vom indischen Gesundheitsministerium, sondern von einem Quacksalber-Konglomerat. Das steht ja sogar im Tweet von Natalie Grams im letzten Link des Beitrags.
    Daher wäre ich dafür, dass der Artikel diesbezüglich abgeändert, oder ergänzt wird. Wer liest heutzutage schon Kommentare (mit den Richtigstellungen)… 😉

  3. #4 anderer Michael
    1. Februar 2020

    Auf der flachen Erde hilft Homöopathie hervorragend gegen Kopfschmerzen, wenn man mit dem Kopf gegen die Glaskuppel donnert oder vom Eisrand fällt. Also wird es auch gegen die von den Eliten und der NWO zur Ablenkung und Umvolkung gesteuerten Coronavirusepidemie helfen, aber nur in Verbindung mit Heilsteinen und sibirischen Trommelschamanen.

  4. #5 Onkel Michael
    https://onkelmichael.blog
    1. Februar 2020

    Lieber Joseph,
    Dein Wunsch ist mir Befehl 😉
    https://onkelmichael.blog/2020/01/31/das-ayush-ministerium-in-indien/
    Liebe Grüße
    Michael

    • #6 Joseph Kuhn
      1. Februar 2020

      @ Onkel Michael:

      Danke. Ich sollte wohl mal öfter in deinen Blog schauen, dann wäre ich nicht so hinterher. 😉

  5. #7 zimtspinne
    1. Februar 2020

    @ RainerO
    Das wurde ja auch in dem Artikel gar nicht behauptet.
    Ich weiß jetzt nicht, was in Indien so alles unter “Gesundheitspolitik” fällt und wie das dort überhaupt geordnet ist und wer auf wen hört oder auch weghört.

    Zum neuartigen Coronavirus, das seinen “Übergriff” auf den Menschen möglicherweise auf einem Bazar in Wuhan beim Wildtier(genauer Schlangen)-Handel hatte, würde mich interessieren, ob jeder Infizierte überhaupt Symptome entwickelt oder ob es da nicht eine hohe Dunkelziffer klinisch symptomloser Virusträger gibt?
    Ich kenn schon seit Jahren feline Coronaviren, die eigentlich harmlos sind, in der tödlichen Variante (hohe Virenlast? Mutationsfreudigkeit/Gen-Rekombination) zu FIP führen bei immungeschwächten Tieren. Mit immer tödlichem Verlauf, ist FIP einmal ausgebrochen.
    Impfung ist möglich, aber auch umstritten und sowieso nur bei nicht infizierten Tieren sinnvoll.

  6. #8 zimtspinne
    1. Februar 2020

    Nachtrag-
    dieser Wuhaner Fleischmarkt als Bazar für den Handel von Coronaviren zwischen wechselwarmen Wirten und Warmblütern war jetzt mein Stand von vor ca einer Woche…. hab das seither nicht mehr verfolgt.

    Dazu gibts nun aber einen Artikel bei correctiv.

    https://correctiv.org/faktencheck/medizin-und-gesundheit/2020/01/28/keine-belege-dass-ein-markt-mit-exotischen-tieren-in-wuhan-der-ursprung-des-neuen-coronavirus-war
    Als VT sehe ich das dennoch nicht, da dieser Übertragungsweg absolut realistisch und möglich wäre, Coronaviren sind genetisch hochvariabel und eine Übertragung unter verschiedenen Arten ist prinzipiell möglich.
    Der Artikel findet ja auch dafür nur keine ausreichenden Belege… irgendwie klingt das auch ein bisschen nach Verharmlosung dieses schwungvollen Handels exotischer Viecher auf chinesischen Märkten.
    Vielleicht kann ja die Virenpanik dazu genutzt werden, diesem blühenden Handel (sicher auch für pseudomed. Zwecke) ein wenig auf die Patschen zu hauen.
    (ich hab gerade überlegt, ob ich sowieso ne falsche Vorstellung von dem Markt hatte — dachte nämlich bis eben, das sei ein Markt für Haustiere und Hoftiere und Zuchttiere und illegale Mitbringsel von Touristen ins Ausland…. “Fleischmarkt” klingt aber eher nach Essen. Das ändert aber auch gar nichts grundsätzlich.)

  7. #9 R. Weber
    1. Februar 2020

    Leider konnte ich auf die schnelle im Internet nichts darüber finden, deswegen die Frage an die Experten:

    – wie hoch wird die Letalität bei der saisonalen Grippe geschätzt?

    – ab welcher Letalität sprechen die Experten von einer “kritischen” Letalität?

    • #10 Joseph Kuhn
      1. Februar 2020

      @ R.Weber:

      Die Letalität der Influenza liegt deutlich unter 1 %, wenn ich es recht sehe, irgendwo zwischen 0,1 % und 0,4 %. Das ist wie bei den Coronaviren wegen der Nennerproblematik nicht einfach so anhand der laborbestätigten Fälle allein zu bestimmen, und es schwankt vermutlich von Jahr zu Jahr in Abhängigkeit von den jeweils zirkulierenden Viren. Den Begriff “kritische Letalität” kenne ich nicht, aber ich bin kein Infektionsepidemiologe, vielleicht weiß jemand von den Mitlesenden mehr.

  8. #11 R.Weber
    1. Februar 2020

    Sie schreiben einen Satz den ich nicht ganz verstehe:

    “Wenn es viele unentdeckte Fälle gibt, … -> … könnte das aber bedeuten, dass man das Virus nie mehr los wird, … ”

    Stimmt das so? Ich dachte der Grund wieso man einige Virenstämme nicht loswerden kann (durch eine globale Impfung) ist,
    – weil die Viren als Rückzugsort auf Tieren überleben können und dann in mutierter Form auf Menschen überspringen können.
    Wenn diese beiden Voraussetzungen (Tiere als Zwishenwirte und schnelle Mutation) nicht eintreten, kann man die Viren durch Impfung ausrotten, egal wieviele unentdeckte Fälle es gibt.

    weiter schreiben sie:
    ” dass es sich einreiht in den Pool an Corona-Viren, die uns jedes Jahr Erkältungskrankheiten bringen.”

    Heißt es die saisonale Grippeviren gehören zu den Pool der Corona-Viren?

    • #12 Joseph Kuhn
      1. Februar 2020

      @ R.Weber:

      “kann man die Viren durch Impfung ausrotten, egal wieviele unentdeckte Fälle es gibt”

      Eine impfpräventable Krankheit, die nur den Menschen als Reservoir hat, kann man durch die Impfung ausrotten, wenn es einen Impfstoff gibt und wenn die Impfquoten für den Herdenschutz ausreichen. Das jetzt bekämpfte Virus kam neu von Tieren, hat also nicht nur den Menschen als Reservoir und es gibt bisher keinen Impfstoff.

      Bisher steht uns nur ein konsequentes Ausbruchsmanagement zur Verfügung, um zu verhindern, dass sich das Virus in der menschlichen Population festsetzt: Identifizierung und Isolation der Fälle, um Infektionsketten zu unterbrechen. Asympotmatische Fälle sind aber so gut wie nicht zu identifizieren.

      “Heißt es die saisonale Grippeviren gehören zu den Pool der Corona-Viren?”

      Nein. Influenzaviren sind eine andere Familie. Aber auch Coronaviren können Atemwegskrankheiten auslösen, manche sehr schwere (SARS, MERS), die vorerst wieder verdängt werden konnten (bzw. bei MERS auf Arabien eingegrenzt), manche nur banale, die zu unseren normalen “Erkältungen” gehören. Wikipedia hilft bei diesen Basisinformationen weiter.

      —–
      Edit 2.2.2020: Halbsatz zu MERS ergänzt, um Missverständnisse zu vermeiden.

  9. #13 ajki
    2. Februar 2020

    Trotz durchaus herauslesbarem Widerstand gegen die Nutzung des Wortes “Folter” gehen Sie meiner Ansicht nach doch sehr nachsichtig mit der Nutzung dieser Hyperbel um. Es ist ja wohl nur deshalb noch “nur” eine Hyperbel, weil es im Griechischen oberhalb von “hyper” nichts gibt. In post-truth-Zeiten und der Verharmlosung von “fake news” wäre es vielleicht richtiger, solche bewusst eingesetzten Agitationsbegriffe als das zu benennen, was sie eben sind: Lügen.

    • #14 Joseph Kuhn
      2. Februar 2020

      @ ajki:

      Ich nehme an, der Kommentar sollte eigentlich in diesen Blog: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/02/01/wissenschaft-erziehung-erziehungswissenschaft/? Ich kann ihn leider nicht umsetzen.

      “Agitationsbegriffe als das zu benennen, was sie eben sind: Lügen”

      Könnte es sein, dass “Lüge” in dem Fall auch ein Agitationsbegriff ist, eine “Hyperbel”, also das Stilmittel der Übertreibung, für eine überzogene Bewertung? Oder bestreiten Sie den Sachverhalt, dass Kinder hier in einer gewaltsamen Form diszipliniert werden?

  10. #15 Joseph Kuhn
    2. Februar 2020

    Update – Reduktion individueller Bewegungsfreiheit in China:

    Man hat in den letzten Tagen viel über den Versuch der Isolation der ganzen Region Hubei gehört, eine Maßnahme, über deren Sinn und Effektivität man streiten kann. Nachvollziehbarer war für mich die Absage von Massenveranstaltungen oder die Schließung von Restaurants und anderen Einrichtungen, bei denen viele Menschen in engeren sozialen Kontakt kommen.

    Der SPIEGEL erwähnt jetzt Einschränkungen der individuellen Bewegungsfreiheit und damit der sozialen Kontakte in der Küstenstadt Wenzhou:

    “In der Neun-Millionen-Einwohner-Metropole Wenzhou an der Ostküste dürfe nur noch ein Mensch pro Haushalt alle zwei Tage auf die Straße, um das Notwendige einzukaufen, teilten die örtlichen Behörden der Nachrichtenagentur AFP zufolge mit.”

    Die Frage der Evidenzbasierung und Angemessenheit so scharfer Einschränkungen in ihrer ganz konkreten Ausgestaltung einmal beiseite gelassen: Die Menschen unmittelbar voneinander fern zu halten, ist auf jeden Fall ein wirksames Mittel, um Infektionsketten zu unterbrechen.

    Das gilt übrigens auch für andere Infektionskrankheiten. In den Regionen Chinas, in denen eine so strenge häusliche Isolation durchgesetzt wird, werden für eine Weile z.B. auch die Masern eliminiert sein.

  11. #16 ajki
    2. Februar 2020

    #14, oh, das war unachtsam – ja, es war der andere Beitrag gemeint. Ich bitte um Entschuldigung. Damit ist das natürlich “hier” völlig off-topic.

    • #17 Joseph Kuhn
      2. Februar 2020

      … wie gesagt, ich kann Ihren Kommentar nicht umziehen. Wenn Sie ihn neu nebenan posten, ziehe ich meine Antwort auch um und lösche hier alles.

  12. #18 schlappohr
    3. Februar 2020

    Etwas offtopic, aber vor einigen Tagen gab es im SWR Fernsehen eine erfreulich kritische Dokumentation zum Thema Homöopathie (https://www.swr.de/wissen/Heilung-oder-Humbug,homoeopathie-auf-dem-pruefstand-100.html). Angesichts des juristischen Säbelgerassels der Zauberergilde war die Art und Weise, wie die Homöopathie hier bloßgestellt wurde, ausgesprochen mutig. “Similia similibus” wurde sprichwörtlich zerfetzt. Hat mir gefallen. Das Fazit am Ende der Sendung war, dass die Homöopathie in Deutschland zunehmend mit den Widerstand der Ärzte zu kämpfen hat. Schön, dass es auch mal gute Nachrichten zum diesem Thema gibt. Im Anschluss gab es noch eine Diskussionsrunde, die ich leider nicht mehr sehen konnte.

  13. #19 RPGNo1
    5. Februar 2020

    “Gefährliche Heilversprechen und Videos, die Panik schüren: Falsche Informationen über den Erreger verbreiten sich schneller als er selbst.”

    https://www.zeit.de/digital/internet/2020-02/fake-news-coronavirus-falschinformation-who