Vor ein paar Tagen hatte ich hier die Basisreproduktionszahl R(o) erläutert, also den Wert, der die Ausbreitungsdynamik eines Erregers wie SARS-CoV-2 in einer Population ohne Immunität und ohne Seuchenbekämpfung beschreibt. Der Wert, der die Ausbreitungsdynamik gegenwärtig beschreibt, also mit den getroffenen Maßnahmen, heißt effektive Reproduktionszahl R(t).

Statistiker berechnen R(t) nach unterschiedlichen Methoden, um die Details zu erklären, fehlt mir das statistische Know How, aber sie sind hier auch nicht von Belang. Ich will hier nur zwei solcher Berechnungen für R(t) zeigen, eine vom RKI für Deutschland, eine von der LMU München für Bayern. Beiden gemeinsam ist, dass R(t) etwa um den 20. März herum unter den wichtigen Schwellenwert 1 gesunken zu sein scheint. Unter 1 bedeutet, dass die Neuerkrankungszahlen nicht mehr zunehmen. Ganz sicher kann man sich nicht sein, weil sich die Ausbreitungsdynamik des Virus nicht direkt beobachten lässt, sondern aus den Meldedaten abgeleitet werden muss. Den Zeitverzug zwischen Erkrankung und Meldung berücksichtigen beide Modelle in sog. Nowcast-Verfahren.

Für Deutschland hat das Robert Koch-Institut heute in einer Pressekonferenz R(t) mit 0,9 angegeben. Vor ein paar Tagen hatte das RKI auch einen Trend für R(t) über einen Zeitraum von vier Wochen veröffentlicht:

Für Bayern hat die LMU München R(t) ebenfalls im Zeitverlauf berechnet, mit dem letzten Wert 0,8, also auch das ganz ähnlich wie in Deutschland insgesamt.

Die Kurven kann man als Beleg für die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen ansehen – und als Hinweis darauf, dass nicht viel Spielraum für Lockerungsexperimente ohne kompensatorische Schutzmaßnahmen ist. Ob der Kurvenverlauf auch so interpretiert werden kann, dass schon die Maßnahmen vor dem Lockdown ausgereicht hätten, weiß ich nicht. Vielleicht befände sich das Plateau, auf dem R(t) gerade verharrt, sonst etwas über 1? Vielleicht hätten auch weniger starke Maßnahmen ausgereicht? Oder reichen ab jetzt? Das müssen neuere und bessere Daten zeigen, und klügere Köpfe als ich bewerten.

So oder so: Wir werden in der nächsten Zeit viel darüber zu diskutieren haben, wie es weitergehen soll. Dabei geht es nicht nur um komplizierte Statistik, sondern auch darum, wie wir Sicherheit gegen Freiheit gewichten, wie alte und kranke Menschen leben sollen, wenn das Virus weiter zirkuliert, wie den wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Krise am besten zu begegnen ist – und auch, wie wir uns besser auf die nächste Pandemie vorbereiten als auf diese. Diese Vorbereitung betrifft nicht nur die Bevorratung von Schutzausrüstung, sondern auch die Bevorratung mit Know How, um die für die Politik nötigen Daten schneller als dieses Mal zu bekommen.

————-
Annex: Die neue Zeitrechnung n.C. heißt im Englischen A.D. (After Disease)

Kommentare (75)

  1. #1 shader
    21. April 2020

    @Joseph Kuhn, ich möchte neben RKI und LMU noch eine dritte Datenquelle für den Reproduktionsfaktor anbieten und das ist die Seite von den Stochastikern der TU Ilmenau: https://stochastik-tu-ilmenau.github.io/COVID-19/germany

    Die rechnen tageweise R aus, was den Nachteil hat, dass Artefakte in den Messzahlen auch im R-Wert voll durchschlagen und man dieses typische Wochentagsmuster sieht. Aber es verbietet auch niemand, die Werte anschließend mit einem 7-Tages-Durchschnitt zu glätten. 😉

    Aber wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, soll es hier gar nicht um die richtige Berechnung von R gehen, sondern um die Frage “Was sollen wir machen?” Das ist wirklich wichtig, gerade als gesellschaftliche Diskussion. Wobei ich finde, dass sie nicht völlig befreit von Mathematik und Fakten stattfinden darf, auch wenn es am Ende des Tages um Lebenswirklichkeiten und vielleicht neuen Corona-Ritualen geht. Man sollte bei all den Vorschlägen sich auch überlegen, sind die Maßnahmen oder Änderungen wirklich für die Mehrzahl der Menschen realisierbar und beruhen die Argumente auf Fakten und Logik. Was mich mittlerweile wirklich nervt, ist die Wiederholung des Arguments, “wir dürfen XY nicht öffnen, weil damit mehr Infektionen stattfinden”. Mit diesem Argument könnte man den Lockdown bis zur Freigabe eines Impfstoffes begründen. Das kann es nun wirklich nicht sein und man muss das auch den Leuten sagen, die damit immer wieder um die Ecke kommen.

  2. #2 Volker Birk
    https://blog.fdik.org
    22. April 2020

    Siehe auch diese Analyse:

    https://infekt.ch/2020/04/sind-wir-tatsaechlich-im-blindflug/

    Sowie diese Einschätzung der Wirksamkeit der drastischen Massnahmen:

    https://heise.de/-4706446

  3. #3 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    22. April 2020

    Die Weltbevölkerung ist sehr inhomogen durchseucht. das gilt auch für einzelne Länder, so dass eine pauschale Kurve für das ganze Land viele Details verschmiert.

    Die Lage ist in Österreich trotz der Nachbarschaft von Italien und Bayern mit hohen Infektionszahlen etwas günstiger:

    https://orf.at/corona/stories/3157533/

    https://www.ages.at/download/0/0/505787c756dc6802696ccd6081cdac50ec214ca5/fileadmin/AGES2015/Wissen-Aktuell/COVID19/Update_Epidemiologische_Parameter_des_COVID19_Ausbruchs_2020-04-17.pdf

    Schweden hat übrigens keine Nachbarn mit hohen Infektionszahlen. Die alternativen Maßnahmen der dortigen Regierung resultieren bisher in einer ungefähr dreimal höheren Anzahl an Verstorbenen: 15,30 vs. 5.31/100 000.

    Möglicherweise sieht man dort wirtschaftliche Gesichtspunkte etwas realistischer. Alte Leute kosten viel und bringen nicht.

  4. #4 Joseph Kuhn
    22. April 2020

    @ shader:

    “gesellschaftliche Diskussion … nicht völlig befreit von Mathematik und Fakten stattfinden darf”

    Auf keinen Fall. Die wissenschaftlichen Daten – und ihre Unsicherheiten (!) – sind eine wichtige Basis für die gesellschaftliche Diskussion. Das gilt nicht erst seit Corona. Beim Thema Passivrauchen hatte ich im Jahr 11 v. C. dazu mal drei Szenarien skizziert:

    “1. Es kommt zum Ausschluss vieler Menschen aus der politischen Diskussion, Expert/innen übernehmen die Debatte.

    2. Der wissenschaftliche Sachstand kann allgemeinverständlich vermittelt werden und leistet ein Beitrag zum Aufbau von „health literacy“ (…).

    3. Es kommt zu einer Debatte, in der die Unverständlichkeit der Wissenschaft den Boden für pseudowissenschaftliche Argumentationen im Dienste außerwissenschaftlicher Interessen bereitet.”

    Mir scheint, das lässt sich gut auf die aktuelle Situation übertragen.

    @ Karl Mistelberger:

    “Möglicherweise sieht man dort wirtschaftliche Gesichtspunkte etwas realistischer. Alte Leute kosten viel und bringen nicht.”

    Realistischer? Zynischer?

  5. #5 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    22. April 2020

    > #4 Joseph Kuhn, 22. April 2020
    >> “Möglicherweise sieht man dort wirtschaftliche Gesichtspunkte etwas realistischer. Alte Leute kosten viel und bringen nicht.”
    > Realistischer? Zynischer?

    Realistischer. Die aktuellen SPDler sind ja Doldis, Stefan Löfven ist aber das gleiche Kaliber wie Gerhard Schröder.

    Die Alten denke nicht an das sozialverträgliche Frühableben, da kriegen sie es vom Staat verordnet. Das Image der Schwedischen Regierung gewährt diesen Handlungsspielraum. So wird er auch genutzt. Wenn es in die Hose geht heißt es: Ja, wir haben Fehler gemacht …

    Die Regierung hat Anders Tegnell. Wenn ich bei Wikipedia nachschaue habe ich den Eindruck, er hält es mit dem braven Soldaten Schweik:

    Hauptmann: Schweik, scheißen sie dick oder dünn?
    Schweik: ganz wie sie befehlen, Herr Hauptmann!

  6. #6 rolak
    22. April 2020

    v.C. / n.C.

    Viel zu kompliziert, Joseph. ‘pp’ reicht für beides, zeitlich einerseits ‘prä pestilentiam’ und zeitlich andererseits ‘post pestilentiam’ – den Rest macht der Kontext, wie bei Dir das ‘nicht erst seit Corona’. Mit der ansonsten üblichen Verwendung ‘etc pp’ dürfte keine Verwechslung aufkommen, da einerseits das ‘etc’ fehlt und andererseits in Zeiten des lockdown eh keiner fortfahren darf.

  7. #7 gevert
    22. April 2020

    @ Joseph Kuhn

    „Statistiker berechnen R(t) nach unterschiedlichen Methoden, um die Details zu erklären, fehlt mir das statistische Know How“

    Ja, das fehlt mir auch. Offenbar ist die Reproduktionszahl R(t) aber ja eine aus Fallzahlen und Wahrscheinlichkeiten abgeleitete Zahl. Ich frage mich, ob wir eine solche Zahl wirklich brauchen, um den Stand der Corona-Epidemie einzuschätzen. Geht das nicht einfacher und anschaulicher mit den originären Fallzahlen? Z.B. sind die letzten 14 täglichen Fallzahlen der Jons Hopkins Universität: 5.633, 2.904, 6.000, 2.700, 2.954, 2.178, 2.178, 2.544, 2.944, 3.699, 2.327, 2.018, 1.323, 1.388. Sie vermitteln m.E. einen guten Überblick über die Entwicklung der letzten vierzehn Tage. Und wenn man sie graphisch darstellt, dann sieht man auch, dass sie mit der in dieser Krise immer wieder an die Wand gemalten Exponentialfunktion aber auch gar nichts mehr gemein haben. Ich brauche jedenfalls die Reproduktionszahl nicht, um vorsichtig in die Zukunft zu schauen.

  8. #8 gevert
    22. April 2020

    … vorsichtig optimistisch, meinte ich.

  9. #9 Helmut
    22. April 2020

    Zu dem Vergleich Schweden sei 3 mal zynischer/realistischer vorgegangen als Deutschland:

    https://www.worldometers.info/coronavirus/?utm_campaign=homeAdvegas1?

    In Deutschland ist man dann ergo 1000 mal zynischer/realistischer vorgegangen als in Angola?
    Ja, solche Statistiken eignen sich für alles mögliche und jeder liest eben das heraus was er gerne sehen möchte.

  10. #10 shader
    22. April 2020

    @gevert, für den Normalbürger reicht es erstmal aus zu wissen, dass die Fallzahlen derzeit(!) runtergehen. Wer aber nicht nur an der Oberfläche kratzen will und sich an der politischen Debatte beteiligt (insbesondere mit Verantwortung), der darf…nein der sollte sich mit der Mathematik von Epidemien beschäftigen. Diese Bringschuld darf man in solchen Fällen verteilen.

  11. #11 shader
    22. April 2020

    Danke Volker Birk, besonders der Bericht aus der Schweiz ist erhellend, weil es das bestätigt, was man auch in Deutschland beobachtet hat. Die ganz einfachen Maßnahmen wie keine Großveranstaltungen und auf Hygiene achten reichen schon aus, um R massiv zu senken. Nur zur Erinnerung, die Kontaktsperre wurde bei uns ausgerufen, weil wir noch den Anstieg der Infektionszahlen zwei Wochen davor beobachtet haben und uns ängstigte (mich auch).

    Die gute Nachricht, viele Lockerungen, die jetzt stattfinden, werden das R nicht viel erhöhen. Und in Kombination mit einer Maskenpflicht könnte man das noch stabilisieren. Das erklärt auch, warum ein Land wie Japan ohne viele staatliche Maßnahmen und dem freiwilligen Tragen der Masken lange Zeit ein schwach exponentielles Wachstum hatten. Aber auch ein solch schwaches Wachstum muss man irgendwann einbremsen, wenn man nicht in eine böse Epidemie reinlaufen will.

  12. #12 2xhinschauen
    22. April 2020

    Ein geradezu epischer und unendlich peinlicher Verkacker in dieser Krise ist m. E. das Meldesystem mit Semaphoren und reitenden Boten: Vom Labor zum behandelnden Arzt zum Kreisgesundheitsamt zum Landesamt zum RKI. Natürlich nur montags bis freitags, versteht sich. Ich will das einfach nicht verstehen. Und einer der offensichtlich wichtigsten Parameter wird nicht publiziert oder womöglich gar nicht erst erfasst: Die Anzahl der durchgeführten Tests m(

    • #13 Joseph Kuhn
      22. April 2020

      @ 2xhinschauen:

      “Ein geradezu epischer und unendlich peinlicher Verkacker in dieser Krise ist m. E. das Meldesystem”

      Ein “peinlicher Verkacker” sind vor allem Kommentare wie diese. Die Gesundheitsämter arbeiten bis zum Anschlag, um die Pandemie einzudämmen, mit Arbeitszeiten, die jeder Arbeitszeitvorschrift spotten. Viele auch am Wochenende. Da ist die Meldung der Fallzahlen nicht immer proritär. Sie erfolgt auch nicht in Papier, sondern elektronisch, über das vom RKI schon vor Jahren allen Ämtern vorgegebene Meldesystem “survnet”.

      Dass man da noch einiges verbessern kann, steht außer Frage, aber das billige Behördenbashing sollte man sich wirklich sparen, wenn man keine Ahnung hat, was in den Ämtern derzeit los ist.

  13. #14 Jolly
    22. April 2020

    @ gevert

    In meinem Browser sehen die Zahlen der Johns Hopkins Universität für Deutschland etwas anders aus (immerhin gibt es auch wenige Übereinstimmungen):

    08.04.2020 5633
    09.04.2020 4885
    10.04.2020 3990
    11.04.2020 2737
    12.04.2020 2946
    13.04.2020 2218
    14.04.2020 1287
    15.04.2020 3394
    16.04.2020 2945
    17.04.2020 3699
    18.04.2020 1945
    19.04.2020 1842
    20.04.2020 1881
    21.04.2020 1226

    Quelle: https://coronavirus.jhu.edu/data/new-cases

  14. #15 Florian
    Karlsruhe
    22. April 2020

    Hallo Joseph,

    ich bin heute über diese Übersichtsgrafik von n-tv gestolpert die sich ebenfalls auf die Zahlen vom RKI berufen:
    https://www.n-tv.de/infografik/Coronavirus-aktuelle-Zahlen-Daten-zur-Epidemie-in-Deutschland-Europa-und-der-Welt-article21604983.html

    Dort sieh man in der Abb. “Coronavirus Ansteckungsrate” dass wir erst seit dem 14.04. bei einer Reproduktionszahl von <1 sind.

    Kannst du dir erklären woher diese große Abweichung kommen kann? Ich versuche seit Tagen eine Statistik zu finden, die die harten Maßnahmen am 23.03. rechtfertig und freue mich über die Grafik von n-tv 🙂

    Aber so richtig glücklich bin ich damit noch nicht, wegen der angesprochenen Abweichung.

    Viele Grüße aus Karlsruhe
    Florian

    • #16 Joseph Kuhn
      22. April 2020

      @ Florian:

      “Dort sieh man in der Abb. “Coronavirus Ansteckungsrate” dass wir erst seit dem 14.04. bei einer Reproduktionszahl von <1 sind. Kannst du dir erklären woher diese große Abweichung kommen kann?"

      Das ist recht einfach zu erklären. Die Grafik bei n-tv beginnt zeitlich dort, wo die Grafik oben im Blogbeitrag endet. Ob R(t) allerdings kurzzeitig wirklich wieder über 1 gehüpft war oder ob man da Meldeartefakte besser durch eine Glättung bereinigt hätte, weiß ich nicht, aber vielleicht gibt es irgendwo im Netz dazu auch schon Kommentare. Die Kollegen vom RKI will ich im Moment nicht fragen, die sind sich völlig landunter.

      “Ich versuche seit Tagen eine Statistik zu finden, die die harten Maßnahmen am 23.03. rechtfertig(t)”

      Die oben im Blog gezeigten Kurven zu R(t) gab es erst nach dem Lockdown. Selbst wenn man sie so interpretieren würde, dass die harten Maßnahmen vielleicht gar nicht nötig gewesen wären: die Politik hatte diese Daten damals nicht.

  15. #17 gevert
    22. April 2020

    @Jolly

    Liegt vielleicht daran, dass die JHU mehrmals am Tag Fallzahlen meldet?

  16. #18 RainerO
    22. April 2020

    @ 2xhinschauen
    Jo, mit Ruhm bekleckert sich das deutsche Meldewesen wahrlich nicht. Das ist in anderen Ländern aber auch so, was keine Entschuldigung für den heftig wiehernden Amtsschimmel ist. Schweden hat am WE immer einen massiven Rückgang der Toten, um sie dann spätesten am Dienstag nachzumelden. Tests werden auch nur sporadisch gemeldet und dann nur als Schätzung, wenn man die runden Zahlen sieht. Zahlen über Genesene scheint es dort so gut wie gar keine zu geben, aber da sind die deutschen Zahlen offenbar auch eher eine Pi*Daumern-Schätzung.
    Das ginge sicher besser. Frage ist, ob die ganzen Berechnungen dann erst mit den RKI-Zahlen gemacht werden. Mit den Wochenend-Schwankungen muss das dann ein gleitender Mittelwert über 7 Tage sein.
    Die Tests für Deutschland wurden auf worldometers erst 2x aktualisiert. Die jetzige Zahl ist schon über eine Woche alt. Wobei das bei vielen Ländern mit großer Vorsicht zu betrachten ist. Russland scheint die Zahlen zu würfeln, Hauptsache es sieht nach viel aus. Es gibt viele Länder mit auffällig glatten Zahlen. Die scheinen teilweise irgend etwas zu melden, damit die JHU Ruhe gibt.
    Für Österreich beobachte ich genauer und da stimmen die Zahlen. Die werden auch täglich aktualisiert.

  17. #19 Jolly
    22. April 2020

    @gevert

    Gut, als ich die Fallzahlen recherchiert habe, stand da: “This page was last updated on Tuesday, April 21, 2020 at 9:03 PM EDT”. Daher wird sich für den 21.4. vermutlich noch was ändern, aber für die weiter zurückliegenden Tage?

  18. #20 Robert
    22. April 2020

    Gibt es eigentlich auch eine Statistik der Intensivbettenbelegung? Das wäre aufgrund der Dunkelziffer doch viel Aussagefähiger als die bestätigten Infektionen.

  19. #22 RPGNo1
    22. April 2020

    @shader

    Die gute Nachricht, viele Lockerungen, die jetzt stattfinden, werden das R nicht viel erhöhen.

    Bitte nenne mir den Hersteller deiner Kristallkugel. So ein Teil möchte ich auch haben, um mir die Lottozahlen der nächsten Ziehungen vorhersagen zu lassen.

    Oder anders ausgedrückt: Wenn du dich irrst und die Fallzahlen doch wieder steigen, wirst du dann immer noch auf so einem hohen Ross sitzen?

  20. #23 gevert
    22. April 2020

    @Jolly
    Aber ich habe sie immer Tag für Tag – am späten Vormittag – rausgesucht.

  21. #24 Jolly
    22. April 2020

    @gevert

    Okay, das erklärt es. Danke.

  22. #25 Uli Schoppe
    22. April 2020

    Oder anders ausgedrückt: Wenn du dich irrst und die Fallzahlen doch wieder steigen, wirst du dann immer noch auf so einem hohen Ross sitzen?

    Dann leben wir mit der gerade grassierenden Ebola Epedemie.

  23. #26 shader
    22. April 2020

    @RPGNo1, das Geheimnis und Herkunft meiner Kristallkugel werden nicht verraten. Berufsgeheimnis. 😉 Im Ernst, ich habe versucht, konsequent weiterzudenken, wenn die Aussage aus der Schweiz stimmt. Kurz vor dem 23.März stand R schon um die 1,0. Die jetzigen Lockerungen der kommenden 3 Wochen werden uns in einer Situation versetzen, die immer noch strenger ist als vor dem 23.März. Gaststätten, Hotels, Bars, große Läden werden immer noch geschlossen haben. Es gibt eine Kontaktsperre, die es vor dem 23.März nicht gab und es wird vermutlich flächendeckend einen Mundschutz geben. Man müsste jetzt eine potentielle Ansteckungsgefahr übersehen haben, die das R erheblich steigern müsste. Sowas vorherzusagen finde ich ehrlich gesagt einfacher als einen Dreier im Lotto zu erzielen. Schon Ende März hatte ich gesagt, dass eine Maskenpflicht kommen wird, wenn wir wieder Geschäfte öffnen wollen. Manchmal genügt auch der gesunde Menschenverstand statt gläserne Sphären. 😉

  24. #27 Jolly
    22. April 2020

    @RPGNo1

    Bitte nenne mir den Hersteller deiner Kristallkugel [@shader].

    Der wurde von @shader doch im ersten Absatz genannt.

    Auch beide hier im Artikel gezeigten Grafiken belegen, dass R(t) bereits unter 1 lag, als noch keine Konsequenzen aufgrund der Ende März angeordneten Maßnahmen in R(t) eingeflossen sein können. Daraus lässt sich schließen, dass auch nach aufheben dieser Maßnahmen, und beibehalten der bereits vorher erfolgten, R(t) unter 1 bleiben würde. die Fallzahlen also sinken müssten.

    Welches Ross reitest Du?

  25. #28 Prime
    22. April 2020

    @Jolly

    Viele Maßnahmen wurden von den Menschen auch schon inoffiziell in umgesetzt, bevor sie gesetzlich codifiziert wurden. Ich zb hatte auch schon Ausflüge und Treffen abgesagt bevor es Gesetz wurde. Dass die Maßnahmen generell nicht funktionieren, kann ich aus der Grafik nicht ableiten.

  26. #29 noch'n Flo
    Schoggiland
    22. April 2020

    @ shader:

    Hier in der Schweiz haben wir ja noch ein anderes Phänomen – der sog. “Röstigraben” macht sich auch in der Corona-Letalität bemerkbar: in der Romandie (also dem französischen Teil der Schweiz) gibt es 4x so viele Sterbefälle, wie in der Deutschschweiz. Im Tessin sogar 10x so viele. Das sind eben die Landesteile, die an Italien und Frankreich grenzen (wenn wir mal die recht kurze Grenze, die Graubünden mit Italien (Südtirol) hat, ausser Acht lassen).

    Insgesamt hat die Schweiz zwar, gerechnet pro 100’000 Einwohner, deutlich mehr Corona-Tote als Düütschland, allerdings sieht die Alterspyramide hierzulande auch ganz anders aus; vor allem, weil wir hier wesentlich mehr über-85-Jährige haben (eine Folge des 2. Weltkrieges) und dank einer der niedrigsten Geburtenraten weltweit (1.1) deutlich weniger unter-25-Jährige.

    Auch das wirkt sich im Moment natürlich stärker aus.

  27. #30 RPGNo1
    22. April 2020

    @jolly, shader

    Das folgende Ross

    https://www.youtube.com/watch?v=OLBav50d-X8

    @prime

    Danke

  28. #31 Joseph Kuhn
    22. April 2020

    @ Jolly:

    “Daraus lässt sich schließen, dass auch nach aufheben dieser Maßnahmen, und beibehalten der bereits vorher erfolgten, R(t) unter 1 bleiben würde.”

    Das ist eine Annahme, die gewagt ist, weil die Aufhebung von Beschränkungen ziemlich unabsehbare Verhaltenseffekte auslösen wird, siehe das von RGPNo1 verlinkte Video mit Ranga Yogeshwar.

    Aber man wird trotzdem sehen müssen, auch durch Versuch und Irrtum, welche Maßnahmen sich mit welchen Folgen aufheben lassen. Der Lockdown kann nicht noch vier Wochen so weitergehen, sonst richtet man damit z.B. in den Pflegeheimen mehr Schaden an als dass man hilft.

    Wichtig wären Abschätzungen zum Effekt einzelner Maßnahmen. Die Statistiker modellieren dazu was das Zeug hält, mit etwas Glück wird man also Versuch und Irrtum zunehmend durch evidenzbasierte Lockerungen ersetzen können.

  29. #32 shader
    22. April 2020

    Ja danke für das Video, aber ich fühle mich da gar nicht angesprochen. 😉 Denn ich sage nicht, dass der Lockdown unnötig war. Zum einen wusste man die genaue Wirkung vorher nicht und wollte auf Nummer Sicher gehen. Zum anderen hat es das Bewusstsein der Bevölkerung zur Krankheit massiv geändert. Spätestens zusammen mit den Bildern aus Italien war den meisten klar, das ist keine saisonale Grippe. Und selbst Leute in meiner Umgebung, die anfangs meinten es werde Panik verbreitet sahen das nach einigen Wochen doch anders und nahmen die Sache ernst. Und so denke ich auch, dass eine Maskenpflicht ebenfalls dazu beitragen wird, dass die Menschen die Sache weiterhin ernst nehmen. Ich fände es wäre kein gutes Signal nach draußen, wenn man Bilder von halbvollen U-Bahnen zeigt, wo die Leute ohne Maske dasitzen.

    Die wesentliche Frage für die Zukunft ist aber, brauchen wir den Lockdown dauerhaft, um R<=1 zu halten, oder geht es auch ohne. Und da denke ich schon, dass man zumindest Teile davon nicht mehr braucht. Insbesondere wenn sich durch Studien herausstellt, dass an bestimmten Orten kaum Infektionen stattfanden.

    Übrigens bin ich schon vorher auf die Aussagen von Prof.Homburg gestoßen und dachte mir nur, wow, und so einer hat einen Lehrstuhl und ich habe nur einen Doktortitel. ^^

  30. #33 RPGNo1
    22. April 2020

    @shader

    Danke für Erklärung. Ich denke, wir liegen gar nicht so weit mit unseren Einschätzungen auseinander außer in dem Punkt, dass die “Lockerungen, die jetzt stattfinden, […] das R nicht viel erhöhen” werden. Da halte ich es doch eher mit Prof. Drosten.

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article207440029/Drosten-zu-Corona-Sind-dabei-Vorsprung-komplett-zu-verspielen.html

    Übrigens bin ich schon vorher auf die Aussagen von Prof.Homburg gestoßen und dachte mir nur, wow, und so einer hat einen Lehrstuhl und ich habe nur einen Doktortitel.

    Kann vielleicht damit zu tun haben, dass sich der Doktortitel (akademischer Grad) hart erarbeitet werden muss, während man zum Professor berufen wird (akademischer Titel).

  31. #34 Stefan Gasteiger
    Burghausen
    22. April 2020

    Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes in Deutschland beträgt wohl 78,5 Jahre, das Durchschnittsalter eines an Corona Verstorbenen liegt bei 80 Jahren…
    Bedeutet das, wenn ich Corona habe, steigt meine Lebenserwartung???

    • #35 Joseph Kuhn
      22. April 2020

      @ Stefan Gasteiger:

      “Bedeutet das, wenn ich Corona habe, steigt meine Lebenserwartung?”

      Leider nein. Es bedeutet, dass alte Menschen besonders gefährdet sind und dass alte Menschen, die Covid-19 bekommen, früher sterben, als sie sonst gestorben wären. Wenn jemand mit 95 Covid-19 bekommt und daran stirbt, während er sonst 100 geworden wäre, hat ihn die Krankheit 5 Lebensjahre gekostet. Es bedeutet nicht, dass andere Menschen mit Covid-19 auch 95 werden. Das Thema hatten wir schon mal hier: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2020/03/30/corona-zahlensalat/#comment-95324

  32. #36 shader
    22. April 2020

    @Joseph Kuhn, ich bin da was die Entwicklung angeht, optimistischer. Ranga hatte ja darauf hingewiesen, dass die Informationen die Menschen dazu bewegten, vorsichtiger zu werden. Und ich denke, die Menschen werden nicht plötzlich unvorsichtiger als Anfang März werden. Der Schock sitzt in uns allen drin und der geht nicht so schnell weg.

    Aber das soll jetzt nicht der Punkt sein, ich finde Versuch und Irrtum als einzigen gangbaren Weg. Und natürlich permanente Auswertung der Schritte. Aber mein Eindruck ist, dass es einem Teil der Bevölkerung nicht schnell genug geht und die “Zögerlichen” sich sehr schwer tun, auch mal den Irrtum zu riskieren. Es wird in meinen Augen zu sehr die Gefahr kommuniziert, dass man wieder in den Lockdown gehen müsste. Ich bin davon nicht überzeugt. Zum einen ist es ein großer Unterschied, ob ich durch Maßnahmen von R= 3…4 auf R<=1 runterkommen muss, aber schon von sagen wir R=1,3 starte. Die Änderungen, die man vornehmen müsste, wären nicht gar so schlimm, behaupte ich mal. Die Menschen würden das auch verstehen, wenn man die Zahlen zeigt.

    Aber viele gefällt der Gedanke nicht, dass wir in der Politik auch Schritte machen könnten, die eine Verschlechterung von R bringen. Irgendwann wird es schwierig praktikable Politik zu machen, wenn eine Bevölkerungsgruppe die Öffnung eines Buchladens schon für zu riskant ansieht.

  33. #37 Arthur Dent
    23. April 2020

    Gut, dass Sie das nochmal erläutert haben, Herr Kuhn. Ich hatte fälschlicherweise erwähnt, dass es erstmal wichtig wäre R0 auf >1 zu drücken, dabei hätte es Rt heißen müssen. Kleiner aber wichtiger Unterschied.
    Drosten ist nun besorgt, dass die ‘Aufbruchstimmung’ und die ganze ‘Ärmel-hochkrämpel-Dynamik’ die – wie Frau Merkel meinte – fragilen Erfolge wieder zunichte machen.

    Nun ist wohl genug mit Lockdown und ‘flatten the curve’. Wie in den 80ern wird hier bald wieder in die Hände gespuckt.
    Wir haben schon diesen ganzen Fremden geholfen, nun werden auch noch die Alten und Schwachen und diejenigen geschützt, die uns wieder genesen helfen, wenn wir sie brauchen. Eine verrückte Welt ist das geworden!

  34. #38 Arthur Dent
    23. April 2020

    Ich meinte natürlich <1

  35. #39 Wetterwachs
    23. April 2020

    @ Joseph Kuhn
    „Ob der Kurvenverlauf auch so interpretiert werden kann, dass schon die Maßnahmen vor dem Lockdown ausgereicht hätten, weiß ich nicht. (…) Das müssen neuere und bessere Daten zeigen, und klügere Köpfe als ich bewerten.“

    Was das jetzt wieder soll, ich meine das mit den klügeren Köpfen, ist mir schleierhaft. Als ob Leute, die klüger sind als Sie und gleichzeitig so vernünftig, niemals leichtfertig und nicht mit “Edelfeder” klecksend, hier im Dutzend rumspringen würden.

    • #40 Joseph Kuhn
      23. April 2020

      @ Wetterwachs:

      “Als ob Leute …”

      Ich verstehe das mal als feine Ironie gegenüber meiner gut gepflegten Eitelkeit 😉

      Davon abgesehen: So einfach ist das wirklich nicht zu bewerten. Zum einen schaut man auf Modellierungsergebnisse und nicht direkt auf die Wirklichkeit, zum anderen hängt diese Wirklichkeit von ziemlich komplexen Zusammenhängen ab, wie z.B. das Video von Ranga Yogeshwar schön zeigt. Hinzu kommt, dass durch ein R(t) unter 1 zwar die Zunahme der Neuerkrankungzahlen gestoppt ist, diese sogar rückläufig sind, aber reicht das überschaubare Maß, in dem sie rückläufig sind, wenn man bedenkt, dass sich ja doch noch recht viele Menschen anstecken und das Virus z.B. in den Heimen mit verheerenden Folgen umgeht? Reicht es mit Blick auf den nötigen Spielräum für Lockerungsmaßnahmen? Ein Bündel an Fragen epidemiologischer wie gesellschaftlich-politischer Natur.

  36. #41 Wetterwachs
    23. April 2020

    Nein, keine “feine Ironie”. Es ist ein ernst gemeintes Kompliment, das vermeiden möchte, als plumpe Schmeichelei oder Heldenverehrung aufgefasst zu werden.

  37. #42 noch'n Flo
    Schoggiland
    23. April 2020

    @ RPGNo1:

    dass sich der Doktortitel (akademischer Grad) hart erarbeitet werden muss

    Bei Ärzten? LOOOOOOL!

  38. #43 shader
    23. April 2020

    Also ich hab RPGNo1 schon richtig verstanden. Ich selbst habe auch keinen Doktor der Medizin. 😉

  39. #44 RPGNo1
    23. April 2020

    @noch’n Flo

    Frank und frei: Der Doktortitel bei Ärzten hat das Niveau eines Diploms oder Masters bei NaWi. (So, jetzt darfts du mich hauen.)

    Die Amis haben es mit ihrer sichtbaren Trennung von PhD und MD klüger gemacht.

  40. #45 Arthur Dent
    23. April 2020

    Ich kann mich Wetterwachs’ dezentem Kompliment nur anschließen, ebenfalls ganz ohne plumpe Schmeichelei. Das Internet ist voll genug mit Gekeife in allen möglichen Schattierungen.
    Nun ist aber auch genug mit Süßholzgeraspel. Nicht dass hier der Eindruck entsteht gegenseitiger Respekt wäre ein gangbares ‘Konzept’.

  41. #46 Herr Senf
    23. April 2020

    ob die Prozentrechnung wohl stimmt?
    https://advance.sagepub.com/articles/The_Scenario_of_a_Pandemic_Spread_of_the_Coronavirus_SARS-CoV-2_is_Based_on_a_Statistical_Fallacy/12151962/1

    “In conclusion, the present findings indicate that the coronavirus crisis appears to be based on a statistical fallacy: at some point in time, a new virus test is developed, accompanied by a big echo in the media, leading to a rapid increase in the application of the new virus test, and thus a rapid increase in reported new virus infections and deaths, which gives the impression that we are facing a pandemic with millions of infections and deaths –although in reality the increase in new infections has been only relatively small, and the number of new infections has relatively quickly started to decrease.”

  42. #47 Basilios
    Galaxy Angel II
    24. April 2020

    @Herr Senf
    Welche Prozentrechnung genau meinst Du? Ich habe jetzt nicht das ganze Paper gelesen, aber allein der Titel ist schon falsch oder zumindest grob verzerrend reißerisch.
    Vielleicht hat der Autor auch ein anderes Verständnis davon, was eine Pandemie ist. In der Wikipedia wird das so definiert:

    Als Pandemie wird eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit beim Menschen bezeichnet, im engeren Sinn die Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Im Unterschied zur Epidemie ist eine Pandemie örtlich nicht beschränkt,

    Ich hätte schon gesagt, daß Covid-19 sich inzwischen Weltweit ausgebreitet hat, also eine Pandemie geworden ist.

  43. #48 Prime
    24. April 2020

    @Herr Senf

    bedeutet das umgekehrt, dass wenn ich nicht teste, dass es dann auch kein Covid-19 in meinem Land gibt?

    Zu beachten: Bei preprints werden aktuell wohl auch recht viele Schnellschüsse rausgeballert, die sonst niemals publiziert werden würden.

    Abgesehen davon vertraue einem Pädagogischen Psychologen in epidemiologischen Fragen grundsätzlich eher weniger.

  44. #49 Herr Senf
    24. April 2020

    @Prime,

    war doch meine Meinung, wollte hier und auf den scilogs nur dezent bleiben –
    “stimmt?” andere haben schon empfohlen, die Privatrechnerei zurückzuziehen.

  45. #50 Gerhard
    26. April 2020

    Hier noch ein Link zu den von der Arbeitsgruppe von Prof. Meyer-Hermann (Helmholtz-Zentrum) – auch für alle 17 Bundesländer separat – ermittelten R0-Werten.

    https://gitlab.com/simm/covid19/secir/-/wikis/Report#current-reproduction-number-r_t-for-federal-states

  46. #51 RainerO
    26. April 2020

    @ Gerhard

    – auch für alle 17 Bundesländer separat –

    Inklusive Mallorca? Wow!

  47. #52 Joseph Kuhn
    26. April 2020

    R (t)

    Man beachte die vielen Differentialgleichungen im Modell von Meyer-Hermann (Link Kommentar #50). Ich habe gerade für unsere Wohnung R(t) mit Null berechnet. Hoffentlich bleibt das so, einen familiären Lockdown an Kühlschrank und Fernseher halt ich nicht lange durch.

  48. #53 shader
    26. April 2020

    @Joseph Kuhn, kommt bei der häuslichen Wohnungs-R(t)-Berechnung dann nicht eine Division durch 0 vor? Ganz gefährlich! ^^

    Zu dem Paper, ich hab nicht alles gelesen, aber als erstes fiel mir auf, dass ein R(t) für den 22.April berechnet wird. Die Reproduktionsrate kann man eigentlich noch nicht kennen, weil deren Auswirkung sieht man erst frühestens eine Woche in den Testzahlen.

    Wenn ich das erste Diagramm richtig lese, dann war das Minimum von R(t) bei 0,5. Das RKI hatte damals 0,7 geschätzt. Erstaunlich finde ich, dass Thüringen gerade über R>1 liegt, aber Jena seit 2 Wochen kaum noch Neuinfektionen hatte.

    • #54 Joseph Kuhn
      26. April 2020

      @ Shader:

      “Wohnungs-R(t)-Berechnung”

      Die Wohnungs-R(t) wird mit 5 Fingern berechnet, diskrete Biotech-Numerik. Nix Division durch Null.

      “frühestens eine Woche”

      Die Braunschweiger schreiben: “Because of dynamic changes in the reported case numbers of the final days as the result of delayed reporting, calculating Rt on those might be misleading. Therefore, we do not show the result for the two last days. We are not considering any delay in reporting for the model. This issue is resolved over time by frequent updates in the data and simulation.”

  49. #55 Gerhard
    26. April 2020

    @RainerO
    Nicht Mallorca, “Germany” heisst das 17. Land in Abb.2 (hab’ einfach stur die einzelnen Länder in dieser Abbildung durchgezählt).

    Der Link in #50 führt auch zu keinem eigenständigen paper, sondern ist eine aktualisierbare Ergänzung zu diesem Manuskript:
    https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2020.04.04.20053637v1

  50. #56 UMa
    26. April 2020

    @shader: Thüringen dürfe über 1 liegen, diese Woche meldete das RKI 342 Neuinfektionen, die Woche davor 292. Die regionale Verteilung kann aber natürlich sehr unterschiedlich sein.

    Ein R von 0,5 könnte höchstens sein, wenn die mittlere Zeit von einer Infektion zur nächsten mehr als eine Woche beträgt.

    Ich komme auf ein Minimum für Deutschland am 11.April von 0,74 mit den RKI Daten und am 12.April von 0,73 mit den Worldometerdaten.

    Für die einzelnen Bundesländer bin ich für den April bisher auf folgende mittlere Werte gekommen (RKI Daten):
    BaWü 0,83
    Bayern 0,81
    Berlin 0,82
    Brand 0,95 *
    Bremen 1,08
    Hamburg 0,79
    Hessen 0,89
    MeckPom 0,66
    NiederS. 0,86
    NRW 0,87
    RheinlPf 0,82
    Saarl. 0,76
    Sachsen 0,77
    Sach.Anh 0,84
    Schles.Hol. 0,81
    Thür. 0,94 *

    Allerdings sind die mit einem * markierten wieder über 1,0 gestiegen

  51. #57 RainerO
    26. April 2020

    @ Gerhard
    Das mit dem 17. Bundesland sollte ein Scherz gewesen sein, da Mallorca als Lieblingsinsel der (teilweise sehr trinkfesten) Deutschen manchmal als solches bezeichnet wird.

  52. #58 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    27. April 2020

    Ausblick für Schweden:

    Resources needed for COVID-19 patients on May 19

    All beds needed
    7,412 beds
    All beds available
    4,508 beds
    Bed shortage
    2,904beds

    ICU beds needed
    2,273beds
    ICU beds available
    218beds
    ICU bed shortage
    2,055beds

    https://covid19.healthdata.org/sweden

  53. #59 RainerO
    27. April 2020

    @ Karl Mistelberger
    Diese Seite bietet kaum mehr als eine paar Zahlenspielerei.
    Mit den bei worldometer gemeldeten Zahlen kann man gerade bei Schweden sehr schwer vernünftig rechnen, da es da an den Wochenenden immer wieder zu starken Meldeverzögerungen kommt. Das sieht man auch an der exorbitant hohen Spannweite der prognostizierten Toten für die nächsten Tage. Das lässt Interpretationen von “wird noch viel schlimmer” bis “geht bereits zu Ende” zu, ist in meinen Augen also ziemlich wertlos.
    Ich habe mir die Prognose für Österreich angesehen und da stimmt z.B. schon die Anzahl der verfügbaren Intensivbetten nicht. Tatsächlich gibt es fast 3x so viel, wie auf healthdata.org angegeben. Auch die Zahl der verfügbaren Betten ist um 4.000 zu niedrig.

  54. #60 shader
    28. April 2020

    Rätselraten über RKI-Reproduktionszahl. Es ist mehr als verwunderlich. Gestern ging die Zahl der Neuinfektionen seit dem 15.März das erste Mal unter 1.000. Wir beobachten seit langem eine Schrumpfung der Ansteckungszahlen. Wenn man jeweils 7 Tage zusammenfasst und mittelt, sieht man einen klaren Trend nach unten.
    7.-13.April: 3.814
    14.-20.April: 2.428
    21.-27.April: 1.670
    Vor kurzem wurde über die eingereichte Arbeit des Helmholtz-Zentrums berichtet, dass R(t) unter 1,0 sieht. Wenn man die Seite der Stochastiker an der TU Ilmenau nimmt und die letzten 7 gesicherten Tageswerte heranzieht, liegt deren R(t) bei 0,77.

    Aber! Das Robert-Koch-Institut gibt die Meldung heraus, dass die Reproduktionszahl wieder auf 1,0 gestiegen ist. Ganz ehrlich, was ist da los?

  55. #61 Jens
    28. April 2020

    @shader
    “””
    Ganz ehrlich, was ist da los?
    “””
    Das würde mich auch mal interessieren. Es hängt ja von der Datenbasis und dem Schätzer ab. Vlt könnte sich mal ein mathematisch versierter Kolumnist damit auseinandersetzen.

    Außer der ilmenau/helmholtz-Gruppe gibt es z.B. auch noch diesen Ansatz:

    https://github.com/k-sys/covid-19/blob/master/Realtime%20R0.ipynb.

    Ich glaube, die genaue Methode, die hinter dem RKI-“Nowcast” steckt, ist auch nicht publiziert !? Das RKI sollte diese Methode sicherlich nicht on-the-fly ändern, aber wenigstens sagen, wie sie genau funktioniert. Es ist klar, in the long run landet man bei den gleichen Zahlen, aber für die kurze Frist können die unterschiedlichen Schätzer halt schon einen erheblichen Unterschied machen, zumal der scheinbar schmale Bereich zwischen R=0 bis R=1 ja auch ein weites Feld ist.

  56. #62 shader
    28. April 2020

    Ich habe mir zeitversetzt die heutige PK vom RKI Wieler angehört. Es kamen auch viele Fragen zum Reproduktionsfaktor und auch die Verwunderung der Journalisten, dass der Wert bei 1 liegt. Herr Wieler wies darauf hin, dass der Wert gerundet ist und aktuell bei 0,96 steht. Er wies auch auf das Nowcast hin, dass das auf den RKI-Servern veröffentlicht wurde. Trotzdem bleiben viele Fragezeichen zurück und auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Wertes, der nicht das erklären kann, was wir derzeit beobachten, einen deutlichen Abstieg der Neuinfektionen.

  57. #63 Jens
    28. April 2020

    Im “Epidemiologischen Bulletin 17/2020” vom 23.April 2020 wird die Ermittlung von R(t) ganz gut beschrieben (Schätzung der Reproduktionszahl R). Steht ja auch oben im Text, mea culpa.

  58. #64 shader
    28. April 2020

    @Jens, so sehr schämen musst Du Dich jetzt auch nicht. 😉 Ein Bekannter von mir versucht seit einem halben Tag die Ausführungen zum Nowcasting und multiplen Imputation nachzuvollziehen und verzweifelt gerade daran. Ohne Frage ist das mathematische Modell vom RKI ausgesprochen komplex. Aber aus meiner eigenen wissenschaftlichen Erfahrung weiß ich auch, dass man bei wenig Vorwissen erstmal mit einfacheren Modellen anfangen sollte. Die Stochastiker von der TU Ilmenau haben zumindest den Quellcode in R (so heißt wirklich die Programmiersprache) mitgeliefert. (Ist jetzt aber nicht so meine Sprache. ^^)

  59. #65 shader
    28. April 2020

    Haaaaah: “Das RKI korrigierte seinen R-Wert am Nachmittag wieder auf 0,9. Die sogenannte Reproduktionszahl ist demnach mit Datenstand 28. April 2020, 0.00 Uhr wieder gesunken.”

    https://www.merkur.de/welt/coronavirus-deutschland-reproduktionszahl-rki-berlin-nrw-wieler-ansteckung-zahlen-statistik-tote-kurve-news-zr-13730761.html

  60. #66 shader
    29. April 2020

    Und jetzt vermeldet das RKI ein R vom 0,75! Keine 36 Stunden nachdem RKI-Chef Wieler auf der PK verkündete, dass wir bei 1,0 (genauer gesagt 0,96 liegen). Das ist doch echt ein Witz, was sich das Robert-Koch-Institut leistet.

  61. #67 RainerO
    29. April 2020

    @ shader
    Mich würde interessieren, wie das alles zustande gekommen ist.
    Einen Gefallen tut sich das RKI damit nicht. Es wundert danach wenig, wenn sich manche Leute fragen, ob man überhaupt noch etwas glauben soll, was aus dieser Quelle kommt.
    Vor allem, da die Gefahr besteht, dass diese Zahl nach jetzt drei aufeinander folgenden Tagen (leicht) steigender Neuinfektionen wieder nach oben korrigiert werden muss.

  62. #68 Jens
    29. April 2020

    https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-04-29-de.pdf?__blob=publicationFile

    Da wird auf S. 6 erläutert, was man am Nowcasting und dem R(t)-Schätzer verändert hat.

    Ich finde es unglücklich, dass die Methode nicht formalisiert ist. Die Beschreibung in Alltagssprache aus dem Epidem. Bulletin 17/2020 ist zwar recht ausführlich aber nicht missverständlich. Ich finde da z.B. auf Anhieb die Angaben zur Glättung, die geändert wurden (3-Tage-Mittel vs 4-Tage-Mittel) nicht; vlt bin ich da aber auch wieder blind.

    Außerdem kann man auf die Tages-Werte scheinbar nur über die versionierten PDFs zu den Situationsberichten zugreifen. Da wäre eine tabellarische Aufbereitung ganz praktisch.

    Und letztendlich wäre es halt auch nicht verkehrt, wenn man die unterschiedlichen Schätzer und ihre Werte, die sich aus der Anpassungen an der Methodik ergeben, auch weiterhin nebeneinander darstellen würde. Wobei es für die Pressekonferenz sicher reicht, wenn man sich nur auf den neuesten bezieht.

  63. #69 RainerO
    29. April 2020

    Laut aktuellem RKI-Situationsbericht gab es in der KW17 ca. 25.000 positive Tests. In dieser Woche wurden aber nur ca. 12.000 Neuinfektionen gemeldet. Werden positiv Getestete (manchmal) 2x getestet? Wie viele davon sind Tests an potentiell Gesundeten (die dann doch noch nicht gesund sind)? In Österreich muss man 2x negativ getestet worden sein, damit man wieder als gesund gilt.

  64. #71 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    13. Mai 2020

    > #3 Karl Mistelberger, mistelberger.net, 22. April 2020
    > Schweden hat übrigens keine Nachbarn mit hohen Infektionszahlen. Die alternativen Maßnahmen der dortigen Regierung resultieren bisher in einer ungefähr dreimal höheren Anzahl an Verstorbenen: 15,30 vs. 5.31/100 000.

    > Möglicherweise sieht man dort wirtschaftliche Gesichtspunkte etwas realistischer. Alte Leute kosten viel und bringen nicht.

    12. Mai 2020, 7:51 Uhr

    Coronavirus in Schweden:Tödlicher Sonderweg

    Der Schutz alter Menschen war Schweden beim Kampf gegen das Virus wichtig – ist aber nicht gelungen. Die Zahl der Opfer ist hoch, wirklich verantwortlich fühlt sich niemand.

    Von Kai Strittmatter, Kopenhagen

    https://www.sueddeutsche.de/politik/schweden-coronavirus-1.4904015

  65. #72 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    18. Mai 2020

    “Schwedens Wirtschaft leidet ebenso

    In Schweden gab es keinen Lockdown wie in den meisten anderen europäischen Staaten. Für die Wirtschaft hat das keinen Unterschied gemacht.”

    https://www.sn.at/politik/weltpolitik/schwedens-wirtschaft-leidet-ebenso-87512212

    365 Tote / Million

    https://www.worldometers.info/coronavirus/country/sweden/

    Schweden liefert eine Aufholjagd zu den Spitzenplätzen in der Welt: Frankreich 438, Italien 528, Spanien 591. Der Ausblick ist günstig.

  66. #73 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    30. Mai 2020

    Die Bankrotterklärung:

    Tegnell sagte am Sonntag im schwedischen Radio DN und dem Sender SVT online zufolge: „Es ist eine schreckliche Situation, in der wir gelandet sind, die unsere Gesellschaft wirklich herausfordert.“

    https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-als-4000-coronavirus-tote-in-schweden-wir-sind-in-einer-schrecklichen-situation-gelandet/25855760.html

    • #74 Joseph Kuhn
      30. Mai 2020

      @ Karl Mistelberger:

      Hinzu kommt, dass nach den Daten bei Worldometers die registrierten Neuinfektionen in Schweden nach wie vor nicht zurückgehen und die Sterbefälle zwar ihren Höhepunkt überschritten zu scheinen haben, aber seit einiger Zeit auf hohem Niveau stagnieren.

      Wie bei uns macht die Coronakrise auch in Schweden die lange bekannten Defizite der Pflege besonders brutal sichtbar, so wie sie viele Missstände sichtbar macht, von der Auszehrung des ÖGD bis zur versäumten Vorsorge bei Schutzausrüstung. Ich bin gespannt, was wir daraus lernen.

      Das Beispiel Schweden zeigt auch, dass man eine Strategie zur Eindämmung einer Epidemie nicht ohne Berücksichtigung des Gesamtsystems planen sollte. Wäre die Pflege besser gerüstet gewesen und hätte man sich für den Verdichtungsraum Stockholm ein gutes Konzept überlegt, wäre es vielleicht gutgegangen, im dünn besiedelten Schweden mit siedlungsstrukturell gegebenem social distancing auf den Lockdown zu verzichten.

  67. #75 Karl Mistelberger
    mistelberger.net
    1. Juni 2020

    How we must respond to the coronavirus pandemic | Bill Gates