Eine These Nebenan bei Mathlog geht es gerade um eine Rede des Wikimedia-Deutschland-Chefs Abraham Taherivand bei der re:publica letzte Woche. Taherivand: „‘Freies Wissen‘ ist Wissen, das frei ist von Meinungen in einer Welt, die von Meinungen zunehmend destabilisiert wird.“ Ich will diesen Satz einmal als Aufhänger für den darin markierten Gegensatz von Meinung und Wissen…

Wer kennt ihn nicht, den Shakespeare-Satz, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt. Das ist so, gar keine Frage. Fragen sollte man sich aber, ob es deswegen vernünftig ist, an Elfen, Marsmenschen oder den Pumuckl zu glauben. Wilhelm von Ockham hat schon vor 700 Jahren die Einsicht…

Es gibt Formen politischer Wissenschaft, die eindeutig abzulehnen sind, z.B. die „Deutsche Physik“ oder die Vererbungslehre Lyssenkos. Gleiches gilt für die diversen Spielarten gekaufter Wissenschaft. Sie führen von der Sache her in die Irre und machen die heuristische Orientierungsleistung der Forderung Max Webers, Wissenschaft solle auf der Aussagenebene „wertfrei“ sein, unmittelbar plausibel. Aber wie so…

Dieter Köhler war für eine kurze Zeit der Liebling der Medien, die dachten, jede ungewöhnliche Botschaft hat Nachrichtenwert. Man kennt das ja: Mann beißt Hund ist die bessere Schlagzeile als Hund beißt Mann. Jetzt beißen die Medien ihren Mann. Er habe sich mehrfach verrechnet. Ja klar. Erstens hat er so gut wie gar nichts gerechnet.…

Wissenschaftspluralismus und Wissenschaftsfreiheit Vor ein paar Tagen hat die Ärztezeitung berichtet, eine Gruppe um Peter Matthiessen, den Vorsitzenden des Sprecherkreises des Dialogforums Pluralismus in der Medizin, habe eine „Homöopathie-Deklaration“ veröffentlicht, die den Streit um die Homöopathie deeskalieren solle. Wie die Ärztezeitung auf die Idee mit der Deeskalation kommt, weiß ich nicht, die „Homöopathie-Deklaration“ zieht höchst…

Dass immer dann, wenn ein Thema regulationsrelevant wird, die Evidenz ähnlich wie die Wahrheit im Krieg zum Opfer der Interessenkonflikte wird, ist nichts Neues. Das war beim Rauchen so, beim Passivrauchen, bei der Homöopathie, bei Glyphosat, beim Klimawandel und aktuell eben beim Diesel. Niemand will Fahrverbote, diese „Lösung“ des Luftreinhalteproblems hat die Politik untätig herbeigeführt,…

Seit ein paar Tagen geht wieder einmal der Fall James Watson durch die Medien. Watson irrlichtert schon seit einiger Zeit mit rassistischen Bemerkungen durch die Schlagzeilen. Schwarze hätten genetisch bedingt eine geringere Intelligenz als Weiße. Diese Geschichte ist eine Endlosschleife in rassistischen Narrativen. Die Dawkins Foundation gab jetzt dem Historiker Lukas Mihr eine Bühne, um…

Nebenan bei „Weitergen“ nimmt Tobias Maier gerade die Geschichte um die erfundenen Geschichten des SPIEGEL-Redakteurs Claas Relotius zum Anlass, um über die Rolle von Geschichten in der Wissenschaftskommunikation nachzudenken. Neu sind Geschichten als Methode der Wissensvermittlung ja nicht, eher sind sie die Urform der Wissensvermittlung, siehe z.B. die “Gleichnisse” in der Bibel. Geschichten stellen Sachverhalte…

Fragen Die Grundfragen der Philosophie – was kann ich wissen, was soll ich tun und was darf ich hoffen – münden, so Kant, in die Frage, was ist der Mensch. Angesichts von gut 350 Milliarden Euro Ausgaben jährlich im Gesundheitswesen ist Kant fast zwangsläufig auch medizinisch durchzubuchstabieren: Was können wir über Gesundheit wissen, was sollen…

In der Süddeutschen Zeitung ist heute ein Artikel von Sebastian Herrmann über die Replikationskrise in der Psychologie. Die Psychologie ist, wie alle empirischen Wissenschaften – von der Ökonomie bis zur Biomedizin – dem Risiko ausgesetzt, dass sich Studienbefunde bei einer Überprüfung nicht bestätigen lassen. So weit, so trivial. Unter den Bedingungen eines Wissenschaftsbetriebs allerdings, der…