Vortrag von Martinus Pitor

anlässlich der 3. Kosmologietagung, Florenz, AD 1631

“Die in jüngster Zeit veröffentlichten Arbeiten von Kepler und Galilei zur Kosmologie haben zu Recht für großes Aufsehen gesorgt. In diesem Vortrag sollen die erzielten Ergebnisse kritisch analysiert und gewürdigt werden.

Zunächst ist festzuhalten, dass die vorgelegte alternative Kosmologie ein eindrucksvolles mathematisches Ergebnis darstellt. Vermutlich hätte niemand erwartet, dass es möglich ist, die Bewegungen der Planeten und der Sonne durch ein anderes Rechenschema als das bewährte System der Epizykel um eine ruhende Erde herum zu beschreiben. Für diesen großartigen Erfolg gebührt den beteiligten Wissenschaftlern unsere Anerkennung.

Allerdings mehren sich in letzter Zeit auch Stimmen, die die neue, “heliozentrisch” genannte Theorie nicht als Rechenschema interpretieren wollen, sondern als tatsächliche Beschreibung der realen Welt. Im Folgenden möchte ich aufzeigen, dass diese Interpretation, so kühn und interessant sie auch erscheinen mag, in klarem Widerspruch zu zahlreichen bekannten Fakten steht, eine unzulässige Vielzahl an Zusatzannahmen erfordert und sogar in sich widersprüchlich ist.

Im Einzelnen ergeben sich drei fundamentale Probleme mit einer solchen Theorie.

1. Damit das heliozentrische Weltbild korrekt sein kann, muss sich die Erde nicht nur um ihre eigene Achse drehen, sondern auch mit hoher Geschwindigkeit durch das Universum bewegen. Dies wirft gleich zwei Fragen auf: Zum einen ist zunächst nicht klar, warum wir die notwendige rasche Bewegung nicht spüren können, zum anderen ist zu klären, wie diese Bewegung aufrecht erhalten werden kann.

Im Rahmen des heliozentrischen Weltbildes wurde zur Lösung dieser Probleme eine neue Mechanik vorgeschlagen, die eine Hypothese verwendet, die als “Relativität” bezeichnet werden kann. Darunter ist zu verstehen, dass eine Bewegung nur relativ zu einer anderen Bewegung überhaupt bemerkbar sein soll, dass aber eine gleichförmige Bewegung selbst nicht zu detektieren sein soll. Hieraus folgt auch, dass eine gleichförmige Bewegung ohne den Einfluss äußerer Kräfte nicht beendet werden kann, sondern für alle Zeit anhält.

Natürlich steht diese Hypothese in klarem Gegensatz zu unserer Alltagserfahrung und unzähligen Beobachtungen. Irdische Bewegungen können über einen mehr oder weniger großen Zeitraum anhalten, kommen aber ohne äußeren Anstoß immer zum Erliegen, wenn der zur Bewegung notwendige Impetus aufgezehrt ist. Wie wir weiter unten noch näher beleuchten werden, ist dies auch im Rahmen der Elementarlehre unmittelbar verständlich. Die Hypothese der Relativität steht hierzu in klarem Widerspruch.

Doch dies ist nicht nicht einmal ihr Hauptproblem. Zur Bestätigung der Hypothese wurden Demonstrationen angeführt, bei denen beispielsweise eine Kugel auf einem bewegten und dann plötzlich stoppendem Wagen zunächst mit ihrer anfänglichen Schnelligkeit weiterrollt. Dies soll demonstrieren, dass die seit Aristoteles bekannte Neigung der Körper, zur Ruhe zu kommen, auf äußeren Einflüssen beruht und dass Körper in Bewegung bleiben, wenn sie von allen äußeren Einflüssen soweit als möglich getrennt werden.

Hier ergibt sich jedoch ein klarer Widerspruch innerhalb der Theorie: Selbst wenn es richtig wäre, dass ein Körper, der frei von äußeren Einflüssen wäre, sich nicht verlangsamt und zur Ruhe kommt, so kann dies für eine um die Sonne kreisende Erde ja nicht gelten, denn diese bewegt sich ja eben nicht auf einer geradlinigen Bahn, sondern auf einer Kreisbahn. Hierzu müssen also Kräfte auf die Erde wirken können, so dass nicht einzusehen ist, warum die Erde bzw. die auf ihr befindlichen Gegenstände dann nicht zur Ruhe kommen. Der Ursprung der Kraft, die die Erde auf eine solche Bahn zwingen kann, ist ebenfalls innerhalb der Theorie nicht erklärbar. Die heliozentrische Theorie ist also bereits in sich widersprüchlich, wenn man die getroffenen Zusatzannahmen ernsthaft verfolgt.

2. Durch Beobachtung wissen wir, dass die Himmelskörper aus einer anderen Substanz bestehen als die Erde, denn sie fallen nicht zu Boden und sie sind in der Lage, selbsttätig zu leuchten. Dass diese ätherische Substanz deshalb auch ein auf der Erde nicht bekanntes Vermögen besitzen kann, sich unablässig zu bewegen, scheint eine vergleichsweise einleuchtende Annahme.

Bewegt sich dagegen die Erde ebenso wie die anderen Himmelskörper, so ergibt sich das Problem, dass die vier irdischen Elemente sich genauso verhalten müssen wie es die ätherischen Himmelskörper tun. Da irdische Elemente (vom Element Feuer abgesehen, das aber bekanntlich eine große Flüchtigkeit besitzt und dem Äther so am ähnlichsten ist), nicht selbst leuchten, ist aber die unterschiedliche Zusammensetzung von Erde und anderen Himmelskörpern unmittelbar demonstriert. Anzunehmen, dass die irdischen Elemente dennoch denselben Bewegungsgesetzen unterliegen wie die Himmelskörper, wobei diese Gesetze allerdings nicht mit den für die irdischen Elemente Beobachteten übereinstimmen, wie oben demonstriert, stellt eine weitere durch nichts begründete Zusatzannahme des heliozentrischen Weltbildes dar.

3. Würde sich die Erde tatsächlich bewegen, so müsste sich diese Bewegung auch unmittelbar wahrnehmen lassen. Befindet sich die Erde auf der einen Seite ihrer Bahn, so sind die dortigen Fixsterne ihr näher und die Sternbilder müssten dementsprechend größer erscheinen, während die Sternbilder auf der anderen Seite entsprechend verkleinert wären. Auch dieses Phänomen widerspricht unseren, mir hoher Präzision gemachten, Beobachtungen.

Um dieses Problem zu umgehen, vertreten Anhänger des heliozentrischen Weltbildes weitere Zusatzannahmen: So sollen die Fixsterne so weit entfernt sein, dass die Größenänderung der Sternbilder nicht wahrnehmbar ist. Diese Annahme, die wiederum durch nichts begründet ist, bedingt aber eine weitere Schwierigkeit: Die erforderliche Entfernung der Fixsterne wäre in diesem Fall so gigantisch, dass sie über eine extreme Helligkeit verfügen müssten, die der unserer Sonne zumindest gleichkäme.

Gestützt wird diese Behauptung angeblich durch die Beobachtung Galileis, dass sich innerhalb des Bandes der Milchstraße einzelne Sterne erkennen lassen, wenn dieses mit einem Teleskop beobachtet wird. Hierzu ist allerdings zweierlei anzumerken: Die Teleskopie ist eine vergleichsweise neue Technik, die noch nicht in allen Einzelheiten verstanden ist. Störungen in der Luft oder Fehler in den verwendeten Glaslinsen können zu fehlerhaften Beobachtungen führen, die nur schwer zu kontrollieren sind. Zwar kann die Wirkungsweise der Teleskope an irdischen Beobachtungen überprüft werden, doch ist nicht klar, ob das durch ätherische Himmelskörper ausgesandte Licht in einem Teleskop nicht anderweitig verändert wird und so zu zusätzlichen Fehlern führt. Allein aus diesem Grund sind auch die angeblich beobachteten Phasen der Venus mit großem Misstrauen zu betrachten. Weiterhin wäre allein die Tatsache, dass sich im Milchstraßenband einzelne Punkte isolieren lassen, selbst kein Beleg dafür, dass diese Punkte tatsächlich Sonnen sind, sondern nur dafür, dass das Milchstraßenband eine Struktur besitzt.

Die willkürlich zur Rettung der heliozentrischen Theorie getroffene Annahme, bei den Fixsternen handele es sich in Wahrheit um Sonnen, besitzt also keinerlei Rechtfertigung. Doch darüber hinaus ergibt sich noch eine viel fundamentalere Schwierigkeit: Wenn die Fixsterne an Leuchtkraft unserer Sonne gleichkommen, so müssen sie ihr auch in den anderen Eigenschaften gleichen. In diesem Fall allerdings stellt sich die Frage, inwieweit die Annahme, dass die Sonne selbst im Zentrum des Universum steht, noch gerechtfertigt ist. So ist dann nicht mehr zu verstehen, warum sich die Planeten auf Bahnen nur um diese eine Sonne bewegen sollen, wenn es derer denn so viele gibt, vielmehr müssten sich die Planeten entsprechend der Theorie auf komplizierten Bahnen um all diese Sonnen herum bewegen.

Abschließend zeigt sich also, dass die Annahme, das heliozentrische Weltbild sei mehr als ein brillanter Rechenformalismus, nicht nur im Widerspruch zu zahlreichen wissenschaftlichen Prinzipien steht, sondern auch in sich widersprüchlich ist. Die Beantwortung der Frage, warum es überhaupt ein alternatives Rechenschema zur Berechnung der Planetenbewegung geben kann, wird in der Zukunft ein fruchtbares Forschungsgebiet der Kosmologie bilden. Als realistisches kosmologisches Modell ist das heliozentrische Weltbild jedoch
ungeeignet.”


Nachbemerkung:

Im Nachhinein ist es ganz einfach: Heute wissen wir, dass Galilei Recht hatte. Wer populärwissenschaftliche Darstellungen der Physikgeschichte liest, der denkt vermutlich “Hätte ich damals gelebt, wäre ich nicht so dogmatisch gewesen, sondern hätte Galileis Thesen akzeptiert”.

Dieser Text entstand, als ich darüber nachdachte, ob das wirklich so wäre. Sicherlich waren nicht alle Menschen, die Galileis Thesen hörten, dogmatisch verbohrt, und vielleicht hätte es für jemanden, der damals lebte, scheinbar gute Gründe gegeben, Galileis Thesen abzulehnen, vielleicht hätte ich selbst, wenn ich damals gelebt hätte, seine Thesen ebenfalls nicht geglaubt. Aus dieser Idee heraus schrieb ich diesen Text – wobei ich eigentlich sagen muss, dass er sich fast von selbst schrieb.

Da ich kein Wissenschaftshistoriker bin, kann ich nicht sagen, ob alle Argumente, die ich hier anführe, in der damaligen Zeit wirklich so hätten vorgebracht werden können. Vielleicht hat es einige der Argumente so nie gegeben (beispielsweise die Kritik an der Teleskopie), wahrscheinlich habe ich andere übersehen. Vermutlich aber gab es Gegenargumente, die damals einleuchtend erschienen, auch wenn wir heute wissen, dass sie falsch waren. (Eine kurze Darstellung, die sich zumindest teilweise mit meiner Einschätzung deckt, habe ich beim MPI für Wissenschaftsgeschichte gefunden, dort wird vor allem die Rolle des Teleskops herausgestellt.)

Natürlich möchte ich mit diesem Text nicht relativieren, dass die Kirche mit Kritikern barbarisch umgesprungen ist; nicht, dass jemand diesen Text als “Entschuldigung” missversteht, so ist er keinesfalls gemeint. Aber selbst, wenn es damals keine Kirche gegeben hätte, dann hätten Galileis Thesen es vielleicht schwerer gehabt, als man heute gern annimmt, sie waren vielleicht revolutionärer als wir es heute wahrnehmen.
Der Text ist übrigens auch nicht als Ermunterung für Relativitätstheorieleugner, Flache-Erde-Anhänger und andere “Galilei-wurde-auch-verlacht”-Cranks gemeint – aber das versteht sich hoffentlich von selbst.

Kommentare (40)

  1. #1 Christian A.
    28. August 2010

    Hervorragender Vortrag. Es ist erfrischend zu sehen, wie die abstrusen Hypothesen eines Galilei mit den Methoden und Kenntnissen der modernen Physik zerpflückt werden.

    Einziger Kritikpunkt: Wo sind die Slides? … 😉

    Dein Text gefällt mir außerordentlich gut! Hübsch ist vor allem die Verwendung der modernen Umgangs- bzw. Vortragssprache der Physik. Außerdem gefällt mir die Erinnerung daran, dass die klassische Mechanik kontraintuitiv ist. Unendlich lange durch die Gegend fliegende Objekte gibts halt in unserer Erfahrung nicht; die Sterne bewegen sich zu langsam und sind zu weit weg, und Meteoriten brechen plötzlich über uns herein.

  2. #2 kommentarabo
    28. August 2010

  3. #3 Ludmila
    28. August 2010

    Schöner Text.
    Kepler selbst hat – so weit ich mich erinnere – seine Methoden auch als reines Rechenmodell gesehen, damit es nicht mit seinem Glauben kollidiert.

    So ist dann nicht mehr zu verstehen, warum sich die Planeten auf Bahnen nur um diese eine Sonne bewegen sollen, wenn es derer denn so viele gibt, vielmehr müssten sich die Planeten entsprechend der Theorie auf komplizierten Bahnen um all diese Sonnen herum bewegen.

    Newton kam mit seinen drei Axiomen und insbesondere der Gravitationskraft viel später, um das erklären zu können. Danke für die Erinnerung. Vergisst man oft in der Rückschau.

    Nur bei der Sache mit dem Impetus bin ich mir nicht ganz sicher, ob das den Stand der Kenntnis von damals widergibt. Das, was Du beschreibst, ist die aristolelische Sichtweise nicht?

    Galileo und andere haben aber schon zu Zeiten Keplers ziemlich an diesem Weltbild genagt. Allerdings erschienen Galileos Hauptwerke dazu erst nach Keplers Astronomia Nova.

    Tja, wir vergessen aus unserer Sichtweise heraus, wie viel sich damals ändern musste, damit die Erkenntnisse Keplers und Galileis sich durchsetzen konnten. Und wieviele Puzzlesteine denen fehlten, um das vollständigere Bild der Bewegung der Planeten zusammenzusetzen. Vor allem weil die heutige wissenschaftliche Methodik noch nicht entwickelt war.

  4. #4 rolak
    28. August 2010

    Einen kleinen Moment lang (bis “Relativität”, und ich lese in Blöcken, das geht fix 😉 habe ich tatsächlich gedacht: Schau an, da kommt also diese merkwürdige Argumentation der denial-freaks her, hat ja richtig Tradition^^
    Aber auch als fiktiver Text gut als Lehrstück für das spätere Erkennen obskurer Pseudoargumentation, wenn natürlich auch nur im Rahmen des jeweiligen Grundkenntnisstandes, d.h. dunnemals wäre es (wenn alles passen würde und ich es richtig sehe) trotz der heute erkennbaren Wunderlichkeit ein echter Diskussionsbeitrag gewesen.

  5. #5 Niels
    28. August 2010

    Das Fehlen der Fixsternparallaxen war meines Wissens das wissenschaftliche Hauptargument, mit dem die Inquisition 1633 den Galileo Galilei verurteilte.
    Der Astronom Tycho Brahe versuchte Fixsternparallaxen zu beobachten, fand aber keine. Nach der von ihm selbst angenommenen Messgenauigkeit müssten die Fixsterne mindestens 4000 mal weiter von der Erde entfernt sein als die Sonne.
    Ein derartig großes Universum erschien völlig unsinnig.
    Die erste zuverlässige Messung einer Fixsternparallaxe gelang erst Friedrich Bessel im Jahre 1838.

    Auch bei einer anderen empirischen Überprüfung bekommt man ein Problem.
    Fallexperimente konnten eine Ostablenkung fallender Körper gegenüber dem Lot infolge der Erdrotation, wie von Galilei vorhergesagt, ebenfalls nicht bestätigen.
    Das liegt daran, dass man einen verdammt hohen Turm braucht, um auch nur einen Zentimeter Ablenkung zu bekommen. Außerdem ist es extrem schwer, Störfaktoren wie Wind usw. auszuschließen.
    (Der Foucaultsche Pendelversuch 1851 war der erste direkte Nachweis der Erdrotation, oder?)

    Es gab damals also keinerlei empirischen Belege für die heliozentrische Theorie, nicht?

  6. #6 MartinB
    28. August 2010

    @Ludmilla
    Ja, der Impetus basiert auf Aristoteles, aber der war damals ja noch sehr “in”. Ich erinnere mich an einen Vortrag über Wissenschaftsgeschichte, da wurden tolle Bilder gezeigt, wie man sich so im 16. Jahrhundert Flugbahnen von Kugeln in Geschützen vorstellte: Auf den Bildern flog die Kugel geradeaus, bis ihr Impetus aufgezehrt war, dann fiel sie senkrecht nach unten. Dann hat man wohl versucht, die real beobachteten gekrümmten Flugbahnen als Störeffekte wegzudiskutieren (ein Schelm wer jetzt an das Wegdiskutieren von überzähligen Dimensionen denkt…?). Wie der Stand genau 1631 war, weiß ich nicht.

    @rolak
    Ja, ich denke, das wäre ein netter Text für Erstsemester in der Orientierungseinheit, um sie zum Diskutieren zu bringen.

    @Niels
    Dass die Parallaxen damals so wichtig waren, hab ich gar nicht gewusst (sondern selbst ausgedacht). Wäre wohl doch ein guter Dogmatiker geworden, kicher.
    Empirische Belege? Nur die Teleskopbeobachtungen (Venusphasen, Jupitermonde, Milchstraße), soweit ich weiß. So steht’s auch in dem Link vom MPI oben.

  7. #7 Niels
    28. August 2010

    Eine “Feinstruktur” der Milchstraße ist wie von dir selbst beschrieben eigentlich kein Problem.
    Ein größeres Problem war die 1572 von Tycho Brahe bemerkte Supernova im Sternbild Kassiopeia. Die Fixsterne sind also nicht unveränderlich. Könnte man aber auch als Gegenargument dafür sehen, dass Fixsterne Sonnen sind. Schließlich nimmt die Helligkeit der Sonne nicht einfach mal für ein paar Wochen unglaublich zu.

    Die Venusphasen sind doch ebenfalls kein Problem. Schließlich zeigt der Mond auch Phasen. (Das Problem ist, dass die beobachtete Größe der Venus sehr stark schwankt, wenn man mit dem Fernrohr schaut. Das kann man ohne Fernglas rein über ihre sichtbare Helligkeit nicht bemerken. Ihre sichtbare Helligkeit variiert nämlich nur deshalb nicht besonders stark, weil sie gerade dann am größten ist, wenn sie sichelförmig erscheint.
    Aber vielleicht hast du das auch gemeint?)

    Die Jupitermonde zeigen nur, dass nicht alles direkt um die Erde kreist. Deswegen kann die Erde trotzdem im Zentrum des Universums sitzen.

    Belege für die heliozentrische Theorie sind das aber alles nicht. Das können höchstens Belege dafür sein, dass die geozentrische Theorie falsch ist oder noch Teile fehlen bzw. unverstanden sind.

  8. #8 MartinB
    28. August 2010

    @Niels
    Hast recht mit den Venusphasen – steht übrigens sehr schön hier:
    https://www.galilei-online.de/pages/venusphasen.php
    Echte Beweise gab es nicht, das stimmt.
    Sind alles nur Indizien dafür, dass das statische, einfache Universumsbild falsch ist, aber spricht nicht direkt gegen das heliozentrische Bild.

  9. #9 Florian W.
    28. August 2010

    Schöner Text! Ich kann es bis heute nicht verkraften, dass Gott es gewagt hat, die Erde nicht in den Mittelpunkt des Universum zu setzen – Nur die, die einen Pakt mit dem Teufel haben, können so etwas denken! Und wer gegen Gott ist, ist auch gegen den Papst und den Kaiser. Können wir so etwas dulden? Können wir es dulden dass hier gegen die göttliche Ordnung gehetzt wird? Gegen die Fundamente der Gesellschaft? Oder sollen wir hier ein Exempel statuieren?

    So Schluß mit der Ironie. Wollte nur darauf hinweisen, dass das ganze ja auch eine emotionale Komponente hatte.

  10. #10 Jürgen
    28. August 2010

    Aus dem Stand kann ich keine Texte zitieren. Ich erinnere mich aber grob daran, dass unter der Annahme von kreisförmigen Bahnen (und die hatte Galilei) das heliozentrische Modell von Aristarch und späteren die Beobachtungswinkel der Planeten wohl tatsächlich schlechter vorausgesagt hat, als das Modell von Ptolemäus. Erst unter der Annahme von elliptischen Bahnen und der (in der Zeit vorn Newton wohl wirklich sehr ad hoc wirkenden) Zusatzannahme, dass in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen der Ellipse überstrichen wurden, war das heliozentrische Modell konkurrenzfähig.

  11. #11 Jürgen
    28. August 2010

    Aus dem Stand kann ich keine Texte zitieren. Ich erinnere mich aber grob daran, dass unter der Annahme von kreisförmigen Bahnen (und die hatte Galilei) das heliozentrische Modell von Aristarch und späteren die Beobachtungswinkel der Planeten wohl tatsächlich schlechter vorausgesagt hat, als das Modell von Ptolemäus. Erst unter der Annahme von elliptischen Bahnen und der (in der Zeit vorn Newton wohl wirklich sehr ad hoc wirkenden) Zusatzannahme, dass in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen der Ellipse überstrichen wurden, war das heliozentrische Modell konkurrenzfähig.

  12. #12 PtolemäusFan
    29. August 2010

    Jo, auch von mir ein dickes Lob für den Text.
    Übrigens gibt es vom Handbuch der Astronomie von Ptolemäus eine deutsche Übersetzung, wird hier:
    https://clemen4758.biblioman.info/titel_Clemen4758.011804.htm
    z.B. gerade antiquarisch angeboten. Das ist da natürlich etwas teuer, die Bücher sollten sich aber auch über eine Bibliothek ausleihen lassen. Ich konnte die Bücher vor über 30 Jahren günstig erwerben. Den größten Teil habe ich auch gelesen (als ich mal viel Zeit hatte) – und bin ziemlich begeistert von diesen Büchern. Nun ist das eine Übersetzung, aufgrund fehlender Sprachkenntnisse ist mir das Werk in Originalsprache leider nicht zugänglich. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, was (der offenbar von mathematischen Gedankengängen begeisterte) Übersetzer hinzugefügt hat. In der Übersetzung ist es ein Werk von bestechender Logik und Sachlichkeit. Ich war jedenfalls erstaunt, wie weit die Methode strigent wissenschaftlichen Denkens in der Antike ausgeprägt war. Dies umso mehr, als Ptolemäus immer von den Kommunisten ideologisch missbraucht wurde (ich bin ehemaliger Ossi).

  13. #13 PtolemäusFan
    29. August 2010

    Jo, auch von mir ein dickes Lob für den Text.
    Übrigens gibt es vom Handbuch der Astronomie von Ptolemäus eine deutsche Übersetzung, wird hier:
    https://clemen4758.biblioman.info/titel_Clemen4758.011804.htm
    z.B. gerade antiquarisch angeboten. Das ist da natürlich etwas teuer, die Bücher sollten sich aber auch über eine Bibliothek ausleihen lassen. Ich konnte die Bücher vor über 30 Jahren günstig erwerben. Den größten Teil habe ich auch gelesen (als ich mal viel Zeit hatte) – und bin ziemlich begeistert von diesen Büchern. Nun ist das eine Übersetzung, aufgrund fehlender Sprachkenntnisse ist mir das Werk in Originalsprache leider nicht zugänglich. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, was (der offenbar von mathematischen Gedankengängen begeisterte) Übersetzer hinzugefügt hat. In der Übersetzung ist es ein Werk von bestechender Logik und Sachlichkeit. Ich war jedenfalls erstaunt, wie weit die Methode strigent wissenschaftlichen Denkens in der Antike ausgeprägt war. Dies umso mehr, als Ptolemäus immer von den Kommunisten ideologisch missbraucht wurde (ich bin ehemaliger Ossi).

  14. #14 Niels
    28. August 2010

    Ich hab das Lob vergessen: Sehr schöner Text.
    Ich glaube, wenn ich damals gelebt und eine für die damalige Zeit ausgezeichnete Bildung besessen hätte, hätte ich das heliozentrisch Weltbild wahrscheinlich abgelehnt.

    Entgegen der populärwissenschaftlichen Darstellung stand auch nicht das simple ptolemäische geozentrischen Modell gegen das heliozentrische Modell.
    Vielmehr wurde von den Jesuiten die 1588 von Tycho Brahe entwickelte und in seinem Werk “De mundi aetheri recentioribus phaenomenis” beschriebene Theorie bevorzugt. In dieser Theorie umkreisen die Planeten die Sonne, die wiederum mit dem Mond die Erde umkreist. Kometen sind in diesem Modell integriert, es gibt keine Probleme mit Kristallsphären, die diesen Kometen im Weg wären. Tatsächlich wurde von großen Teilen der Kirche also eine Mischform aus der heliozentrischen und der geozentrischen Theorie favorisiert.
    Bild dazu:
    https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Tychonian_system.svg&filetimestamp=20091108152803
    Ab 1633 schrieb die Kirche sogar den Gebrauch dieser Theorie vor. Also nix mit simplem um die Erde kreisen gegen um die Sonne kreisen.
    Bis weit nach Galileis Zeit waren sämtliche Beobachtungen sowohl mit dem Kopernikanischen Weltmodell als auch mit dem Weltmodell von Brahe kompatibel.
    Wobei eben die nicht beobachtbare Fixsternparallaxe enorm gegen das heliozentrisches Weltbild spricht. Deswegen ist es doch sogar logisch, das Modell von Tycho Brahe zu bevorzugen.

    Der bei Galileis Prozess beteiligte jesuitische Kardinal Robert Bellarmin, der sogar neben seiner theologischen Ausbildung Astronomie studiert hatte, schrieb:

    Wenn es einen realen Beweis gäbe, dass die Sonne in der Mitte des Universums ist, dass die Erde sich in der dritten Sphäre befindet und dass die Sonne feststeht, aber die Erde ringsum die Sonne geht, dann sollten wir mit großer Umsicht fortfahren, wenn wir Passagen von Büchern erklären, die das Gegenteil zu unterrichten scheinen, und wir sollten eher sagen, dass wir es nicht verstanden, anstatt es als falsch zu deklarieren. Aber ich denke nicht, dass es so einen Beweis gibt, da mir bisher keiner gezeigt wurde.

    Allerdings ist Bellarmin auch der Mann, der als Großinquisitors Giordano Bruno verbrennen ließ…

    Ähnlich ist ja auch die Geschichte mit Kolumbus. Da katholische Kirche war keineswegs der Ansicht, die Erde wäre eine Scheibe, wie gerne behauptet wird. Die Jesuiten konnten nur besser rechnen als Kolumbus. Dieser ging nämlich von einer Entfernung von 5000 Kilometern zwischen Japan und Spanien aus, während die Kirchenleute die Entfernung fast exakt auf die tatsächlichen 20 000 Kilometer berechneten. Diese 20 000 Kilometer hätten wirklich nicht mit den damaligen Schiffen überwunden werden können.

  15. #15 Jürgen
    28. August 2010

    Aus dem Stand kann ich keine Texte zitieren. Ich erinnere mich aber grob daran, dass unter der Annahme von kreisförmigen Bahnen (und die hatte Galilei) das heliozentrische Modell von Aristarch und späteren die Beobachtungswinkel der Planeten wohl tatsächlich schlechter vorausgesagt hat, als das Modell von Ptolemäus. Erst unter der Annahme von elliptischen Bahnen und der (in der Zeit vorn Newton wohl wirklich sehr ad hoc wirkenden) Zusatzannahme, dass in gleichen Zeiträumen gleiche Flächen der Ellipse überstrichen wurden, war das heliozentrische Modell konkurrenzfähig.

  16. #16 PtolemäusFan
    29. August 2010

    Jo, auch von mir ein dickes Lob für den Text.
    Übrigens gibt es vom Handbuch der Astronomie von Ptolemäus eine deutsche Übersetzung, wird hier:
    https://clemen4758.biblioman.info/titel_Clemen4758.011804.htm
    z.B. gerade antiquarisch angeboten. Das ist da natürlich etwas teuer, die Bücher sollten sich aber auch über eine Bibliothek ausleihen lassen. Ich konnte die Bücher vor über 30 Jahren günstig erwerben. Den größten Teil habe ich auch gelesen (als ich mal viel Zeit hatte) – und bin ziemlich begeistert von diesen Büchern. Nun ist das eine Übersetzung, aufgrund fehlender Sprachkenntnisse ist mir das Werk in Originalsprache leider nicht zugänglich. Deshalb kann ich auch nicht beurteilen, was (der offenbar von mathematischen Gedankengängen begeisterte) Übersetzer hinzugefügt hat. In der Übersetzung ist es ein Werk von bestechender Logik und Sachlichkeit. Ich war jedenfalls erstaunt, wie weit die Methode strigent wissenschaftlichen Denkens in der Antike ausgeprägt war. Dies umso mehr, als Ptolemäus immer von den Kommunisten ideologisch missbraucht wurde (ich bin ehemaliger Ossi).

  17. #17 Niels
    29. August 2010

    @Florian W.
    Man darf auch nicht vergesse, dass zwischen 1618 und 1648 der Dreißigjährige Krieg tobte, bei dem Religionsfragen eine wichtige Rolle spielten.
    Das war also die denkbar ungünstigste Zeit, irgendwelche Thesen vorzubringen, die die Dogmatik der katholischen Kirche unterminieren könnten.

    @Jürgen
    Der Prozess gegen Galilei war 1633, obiger fiktiver Vortrag ist von 1631.
    Die beiden vor dir angesprochenen ersten beiden keplerschen Gesetze wurden schon 1609 veröffentlicht.
    Die für mich wirklich unanschauliche ad hoc Zusatzannahme, dass dritte keplersche Gesetz, wurde auch schon 1619 von Kepler veröffentlicht.
    Zwar bestand Galilei tatsächlich auf Kreisbahnen. Er kannte aber Keplers Arbeiten und wusste, dass Ellipsenbahnen die Beobachtungen besser beschreiben. Galileis “Dialog über die zwei Weltsysteme”, für den ihm der Prozess gemacht wurde, ist von 1630.
    In der damaligen Diskussion waren Galileis und Keplers Ansichten daher durchaus schon vermengt.

    Galilei lehnte übrigens aufgrund seiner Kreisbahnfixierung auch die Idee von Kometen ab und hielt sie für rein atmosphärische Objekte, wie Regenbögen oder Wolken.
    Allerdings konnte Tycho Brahe schon 1577 mit Hilfe seiner Kometenbeobachtungendaten zeigen, dass diese Kometen sich jenseits der Mondbahn bewegt haben mussten, und hat das deswegen wie oben schon erwähnt auch in sein Planetenmodell eingebaut.
    Überhaupt hat Galilei ganz bewusst nur gegen das alte, eigentlich schon überholte ptolemäische Weltbild argumentiert und das eigentlich aktuelle Gegenmodell von Brahe mit keinem Wort erwähnt.

  18. #18 MartinB
    29. August 2010

    @Niels
    Mal ne Frage zum Brahe-Modell:
    Wenn es keine Fixstener etc. gäbe sondern nur die Planeten und die Sonne, gäbe es dann überhaupt eine Möglichkeit, dieses Modell vom heliozentrischen durch Beobachtung zu unterscheiden?

    @Jürgen
    Ja, im Kopernikusmodell gab es auch Epizyklen – es waren am Anfang weniger als bei Ptolemäus, und soweit ich weiß, war das der “große Vorteil” – man rechnet mit etwa 30 statt mit etwa 40 Epizyklen.

  19. #19 Jörg Friedrich
    29. August 2010

    Ich möchte mich dem allgemeinen Lob anschließen.

    Was mich ein wenig irritiert ist der letzte Satz der Nachbemerkung. Eine “Ermunterung an Relativitätstheorie-Leugner” kann der text ja nicht sein – schließlich ist Galileis Theorie ja richtig. Aber wie unterscheiden Sie denn nun die von Ihnen so genannten Cranks von Galilei und Kepler?

    Was mich auch interessieren würde: Wie hätte der Kosmologen-Kongress Ihrer Meinung nach weiter gehen sollen? was hätte die Diskussion ergeben sollen.

    Oder stellen wir uns vor, der Referent und die, die mit ihm übereinstimmten, wären nebenbei als Gutachter für “Science” und “nature” tätig gewesen – wäre es nach diesem Vortrag nicht selbstverständlich, dass Artikel von Galilei und Kepler in führenden Journalen nichts zu suchen hätten?

  20. #20 Jörg Friedrich
    29. August 2010

    Ich möchte mich dem allgemeinen Lob anschließen.

    Was mich ein wenig irritiert ist der letzte Satz der Nachbemerkung. Eine “Ermunterung an Relativitätstheorie-Leugner” kann der text ja nicht sein – schließlich ist Galileis Theorie ja richtig. Aber wie unterscheiden Sie denn nun die von Ihnen so genannten Cranks von Galilei und Kepler?

    Was mich auch interessieren würde: Wie hätte der Kosmologen-Kongress Ihrer Meinung nach weiter gehen sollen? was hätte die Diskussion ergeben sollen.

    Oder stellen wir uns vor, der Referent und die, die mit ihm übereinstimmten, wären nebenbei als Gutachter für “Science” und “nature” tätig gewesen – wäre es nach diesem Vortrag nicht selbstverständlich, dass Artikel von Galilei und Kepler in führenden Journalen nichts zu suchen hätten?

  21. #21 Jörg Friedrich
    29. August 2010

    Ich möchte mich dem allgemeinen Lob anschließen.

    Was mich ein wenig irritiert ist der letzte Satz der Nachbemerkung. Eine “Ermunterung an Relativitätstheorie-Leugner” kann der text ja nicht sein – schließlich ist Galileis Theorie ja richtig. Aber wie unterscheiden Sie denn nun die von Ihnen so genannten Cranks von Galilei und Kepler?

    Was mich auch interessieren würde: Wie hätte der Kosmologen-Kongress Ihrer Meinung nach weiter gehen sollen? was hätte die Diskussion ergeben sollen.

    Oder stellen wir uns vor, der Referent und die, die mit ihm übereinstimmten, wären nebenbei als Gutachter für “Science” und “nature” tätig gewesen – wäre es nach diesem Vortrag nicht selbstverständlich, dass Artikel von Galilei und Kepler in führenden Journalen nichts zu suchen hätten?

  22. #22 Niels
    29. August 2010

    @MartinB
    Meiner Meinung nach gäbe es dann keine Möglichkeit.
    Deswegen war die Sache mit den Fixsternparallaxen auch so zentral. Da keine gefunden wurden, war die Entscheidung zwischen Brahe-Modell und Kepler-Galileo-Modell letztlich eine Glaubensfrage.
    Und in Glaubensfragen fühlte sich die katholische Kirche zuständig. Der Papst hatte zu entscheiden, woran zu glauben war. Da durfte man sich nicht einfach frei entscheiden.
    Außerdem hat Brahes Version noch einen nicht unwesentlichen Vorteil: Es ergibt sich anders als beim heliozentrischen Bild kein Widerspruch zur Bibel.
    Josua 10: 12,13

    Damals, als der Herr die Amoriter den Israeliten preisgab, redete Josua mit dem Herrn; dann sagte er in Gegenwart der Israeliten: Sonne, bleib stehen über Gibeon / und du, Mond, über dem Tal von Ajalon! –
    Und die Sonne blieb stehen / und der Mond stand still, / bis das Volk an seinen Feinden Rache genommen hatte. Das steht im «Buch des Aufrechten». Die Sonne blieb also mitten am Himmel stehen und ihr Untergang verzögerte sich, ungefähr einen ganzen Tag lang.

    (Aber die Stelle dürfte auch so ungefähr bekannt sein, oder?)

    @Jörg Friedrich
    Der Unterschied zwischen Galilei, Kepler und den Relativitätstheorie-Leugnern dürfte sein, dass die Relativitätstheorie-Leugner bisher noch kein alternative Theorie entwickelt haben, die alle empirischen Daten gleich gut beschreibt (und die sich trotzdem noch falsifizieren ließe).

  23. #23 SingSing
    29. August 2010

    Trotz oder gerade wegen der modernen Sprache meine ich, dieser Text gibt uns eine viel bessere Vorstellung davon, “wie es einst gewesen”, als das Galileo-Stück von B. Brecht.

    Arrggh! Allein beim Gedanken daran bekomme ich einen Wutanfall. Liegt es an der Pflichtlektüre im Schulunterricht oder daran, dass es ein marxistisches Holzhammer-Lehrstück des Augsburger Unsympathen und Verhunzers meiner geliebten Three Penny Opera sowie der Landstörzerin Courasche ist?

  24. #24 Karl Mistelberger
    29. August 2010

    Der Beitrag ist äußerst lobenswert, da er das durch die Aufklärung verzeichnete Bild von der Auseinandersetzung etwas zurecht rückt. Einen kurzen Abriss über Galileo Galilei gibt es hier: https://www.scinexx.de/inc/artikel_drucken_komplett.php?f_id=492&a_flag=2

    Die Teleskopie ist eine vergleichsweise neue Technik, die noch nicht in allen Einzelheiten verstanden ist. Störungen in der Luft oder Fehler in den verwendeten Glaslinsen können zu fehlerhaften Beobachtungen führen, die nur schwer zu kontrollieren sind. Zwar kann die Wirkungsweise der Teleskope an irdischen Beobachtungen überprüft werden, doch ist nicht klar, ob das durch ätherische Himmelskörper ausgesandte Licht in einem Teleskop nicht anderweitig verändert wird und so zu zusätzlichen Fehlern führt. Allein aus diesem Grund sind auch die angeblich beobachteten Phasen der Venus mit großem Misstrauen zu betrachten.

    Dieser Teil scheint mir der schwächste zu sein, wenn man sich vor Augen führt, mit welcher Akribie der Jesuit Christoph Scheiner die Sonnenflecken untersuchte und welche ausgefeilten Maßnahmen er dabei traf, Instrumentenfehler der benutzten Teleskope auszuschließen, und das schon zwanzig Jahre vor dem Prozess gegen Galilei.

  25. #25 Niels
    29. August 2010

    @Karl Mistelberger
    Mag schon sein, dass das ein schwaches Argument ist. Selbst Galilei hat aber ähnlich argumentiert, als er Kometen als erdnahe optische Effekte wegzudiskutieren versuchte.

    Mit den Sonnenflecken ist es auch so eine Sache. Alles schien darauf hinzudeuten, dass Christoph Scheiner eben doch etwas falsch gemacht hatte oder Instrumentenfehler vorlagen. Die Zahl der Sonnenflecken nahm nämlich seit Schreibers genauen Beobachtungen 1610 sehr stark ab. Zwischen 1645 und 1715 gab es sogar praktisch gar keine Sonnenflecken.
    Das nennt man das Maunderminimum.
    Wenn man also 1631 oder noch später auf die Sonne geschaut hat, konnte man nur einen Bruchteil der von Scheiner behaupteten Sonnenflecken beobachten. Da kann man sich dann schon Gedanken machen, ob Scheiners Akribie wirklich so toll war.

  26. #26 MartinB
    29. August 2010

    @Niels
    danke, das bestätigt, was ich auch dachte.

    @KarlMistelberger
    Stimmt, das ist der schwächste Teil – war ja auch historisch der, der dann letztlich zur Akzeptanz geführt hat, siehe den Link vom MPI.
    Ich fand mein Gegenargument mit den “ätheirschen Elementen” aber eigentlich ganz clever, das ist ja quasi unmöglich zu widerlegen.
    Zudem sind Sonnenflecken kein Beweis (nicht mal wirklich ein Argument) für die heliozentrische Theorie, oder?

    @JF
    “Aber wie unterscheiden Sie denn nun die von Ihnen so genannten Cranks von Galilei und Kepler? ”
    Wie Niels schon sagt, die können nur einen Bruchteil von dem erklären, was die gängige Theorie kann, meist wird ja schon an den Texten ein erschreckender Mangel an Fachkenntnis deutlich.

    “Wie hätte der Kosmologen-Kongress Ihrer Meinung nach weiter gehen sollen? was hätte die Diskussion ergeben sollen.”
    Na, dass Martinus Pitor den “Best paper award” bekommt, logischerweise.
    Ernsthaft: Die Diskussion sollte sich an den aufgeführten Argumenten entzünden – was kann man widerlegen, etc.?

    “wäre es nach diesem Vortrag nicht selbstverständlich, dass Artikel von Galilei und Kepler in führenden Journalen nichts zu suchen hätten?”
    Ich glaube nicht, dass man die Situation damals mit der heute vergleichen kann – angesichts des ungeheuer gestiegenen Wissens (und der ungeheuer gestiegenen Sicherheit des Wissens) ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Crank-Theorie stimmt, noch wesentlich kleiner als damals. Und wenn man einmal überlegt, dann gab es in den letzten 400 Jahren vielleicht ein oder zwei Handvoll “Cranks”, die am Ende in irgendeiner Weise recht hatten – insofern ist Konservativismus sicher eine sinvolle Strategie.

    Trotzdem: Ein kleiner Zweifel bleibt immer – sonst hätte der Text keinen Bezug zu heute. Und ein Universalrezept zum 100%igen Erkennen von Cranks kann es logischerweise nicht geben.

  27. #27 Ireneusz Cwirko
    29. August 2010

    „Der Text ist übrigens auch nicht als Ermunterung für Relativitätstheorieleugner, Flache-Erde-Anhänger und andere “Galilei-wurde-auch-verlacht”-Cranks gemeint – aber das versteht sich hoffentlich von selbst.“

    Ein guter Schachzug. Sogar die Dame die an einer Koprolalie zu leiden scheint hat es nicht gerissen.. Na gut in Anbetracht der Tatsachen keine große Leistung. Dass aber die anderen Hexenjäger still halten zeigt, dass die Methode funktioniert.
    Sowieso ist interessant zu beobachten, wie sich Scienceblogs verändert ohne dass die Gruppe die ihm als Ablager des EsoWatch missbrauchte auch merkte.

    Die trojanischen Pferde sind also bekannt. Wer ist aber der Odysseus?

  28. #28 Andrea Thum
    29. August 2010

    Danke für den interessanten Beitrag!

    Wie war das denn damals, was dachte man, warum die Sonne sich um die Erde dreht? Welche Kräfte haben nach der damaligen Meinung gewirkt und gab es da keine Widersprüche (abgesehen von den seltsamen Planetenbewegungen), sollte dann nicht auch die Sonne mal stehenbleiben oder so?

  29. #29 Karl Mistelberger
    29. August 2010

    Die Zahl der Sonnenflecken nahm nämlich seit Schreibers genauen Beobachtungen 1610 sehr stark ab.

    Das ist nicht der Fall: https://de.wikipedia.org/wiki/Sonnenfleck#Geschichte die starke Abnahme erfolgte erst nach 1633.

  30. #30 Karl Mistelberger
    29. August 2010

    Ich fand mein Gegenargument mit den “ätherischen Elementen” aber eigentlich ganz clever, das ist ja quasi unmöglich zu widerlegen.

    Galilei hat selbst den Mond sehr genau beobachtet. Da ist nichts von “ätherischen Elementen” zu sehen. Durch das Teleskop sieht er einfach aus wie eine ziemlich wüst geratene Erde.

  31. #31 MartinB
    30. August 2010

    @Andrea
    Welche Kräfte haben nach der damaligen Meinung gewirkt
    Ich weiß nicht, ob man da wirklich über Kräfte nachdachte – bin mir nicht sicher, ob das Konzept damals so verwendet wurde. Es gab ja Modelle mit Kristallsphären etc., die eben ätherisch sind und deswegen nicht abbremsen – ob das wirklich damals noch jemand geglaubt hat, muss ein Geschichtsexperte beantworten.

    @KarlMistelberger
    Klar. Aber das schließt ja nicht aus, dass die Teleskope trotzdem was verfälschen – man konnte ja nicht wisse, ob der Mond wirklich so aussieht. Aber ich gebe es gern zu, das Argument ist nicht wirklich gut – wenn Galilei im Publikum der Konferenz säße, dann gäbe es sicher einen heftigen Disput, der dann auf die Kaffeepause vertagt wird, so wie immer…

  32. #32 Felis faber
    3. Oktober 2010

    Sehr geehrter Herr Dr. Martinus Pitor,

    vielen Dank für diese einfache und überzeugende Darlegung der offensichtlichen Grundlagen der Kosmologie.

    Ein Blick aus dem Fenster muss doch jeden verständigen Menschen davon überzeugen, daß die Sonne sich um die Erde dreht.

    Wenn die Methode von Herrn Galileo bessere Rechenergebnisse erbringt, so möge man sie verwenden, aber daß sie der Realität entspräche, ist doch völlig absurd.

    =^.^=

  33. #33 EternelyTruth
    Osnabrück
    1. April 2013

    Bei meiner Internet-Recherche bzgl. des Themas Geozentrismus bin ich auch auf diese Diskussionsrunde gestoßen. Ich hoffe, es schaut noch einer in diesen Thread hinein, ist ja schon 3 Jahre her.

    Angesichts des internationalen Gelächters, welches sich erhob, als von einer Tagung von modernen Geozentrikern unter der Leitung von Robert A. Sungenis berichtet wurde, entstand bei mir die Frage, warum lachen die, ohne sachliche Argumente zu bringen?

    Bei meinen Forschungen nach Sachargumenten bin ich dann darauf gestoßen, daß es sich – wie man ja auch diesem Thread entnehmen kann – eigentlich um eine Strohmann-Diskussion gehandelt hat. Mit dem modifizierten Tycho-Brahe-Weltbild kann man eigentlich alle Beobachtungen ebenso wie beim heliozentischen Weltbild in Einklang bringen, auch die, die angeblich für das heliozentrische Weltbild ausschlaggebend waren (Venus-Phasen, Sternenparallaxe, Newtonsche Mechanik, Foulcautscher Pendel, Korioliseffekt, Verformung der Erde usw). Zusätzlich gibt es ein paar Experimente, die richtig gedeutet und doch einen Äther voraussetzend, für das geozentrische und gegen das heiliozentrische Weltbild sprechen (Sagnac-Experiment, Michelsen-Morley und M.-Gale, Ayries Failure).

    Aber auch ganz einfache Beobachtungen, die manchmal etwas belächelt und mit unbewiesenen Theorien hinweggewischt werden, sprechen für eine stationäre und sich nicht drehende Erde. Warum wird (angeblich) die Atmoshäre von der sich (angeblich) drehenden Erde mitgeführt, die darin enthaltenen Objekte, wie Wolken usw aber nicht? Dann die berühmte Kanonenkugel die in einer Richtung über einer sich unter ihr drehenden Erde hätte schneller und in der anderen Richtung langsamer ankommen müßte (heute können wir ein Flugzeug als Beispiel nehmen)? Warum werden wir nicht alle wie bei einem sich drehenden Karusell hinweggeschleudert? Warum spüren wir nichts von dieser Riesengeschwindigkeit der Erde um sich selbst und die Sonne? Es wäre ja nicht nur die Schwer- sondern auch die Fliehkraft wirksam! Warum zeigt die Erdachse immer auf den Polarstern, obwohl sich die Achsausrichtung beim Umlauf um die Sonne doch laufend ändert?

    Wenn das geozentrische Weltbild nach dem modifizierten Modell von Tycho Brahe Wahrheit ist, schrumpen auch die Entfernungen im All gewaltig, weil für die trigonetrischen Entfernungsmessungen nicht mehr der Durchmeser der Umflaufbahn der Erde um die Sonne, sondern der Erddruchmesser zugrunde zu legen ist. Die Enternungen schrumpfen dann um den Faktor 23000 und damit auch die monströsen Zeitangaben. In Verbindung mit dem was Barry Setterfield über die progressiv fallende Lichtgeschwindigkeit herausgefunden hat, paßt dann auch alles wieder in das Weltbild, welches uns die Bibel vermittelt.

    Ich habe dafür bei meinen Recherchen noch keine plausible Antwort von Befürwortern des “modernen” Weltbildes erhalten.

    Wer mehr über das moderne geozentrische Weltbild wissen will, kann ja mal googeln oder video-googeln und dabei Robert A. Sungenis, Malcolm, Bowden, Neville Jones, Marshalll Hall, Dr. Gerardus Bouw eingeben und feststellen, daß das keine Spinner, sondern hochgebildete Leute sind.

    Ich glaube, die Fakten sprechen für das geozentrische Weltbild und es hat ideologische Gründe, weshalb das heliozentrische Weltbild die Oberhand gewonnen hat. Es geht letztendlich darum Gott und die Bibel außen vor zu lassen und davon unabhängig zu werden. Eine Freiheit, die letztendlich auf Irrtum und Lüge aufgebaut ist.

    Ich glaube, wer zuletzt lacht, lacht am besten und zuletzt wird Gott über die Menschen lachen, die ihn aus dem Spiel lassen wollten und alles einem “Urknall” und blinder Evolution zuschreiben wollten.

  34. #34 MartinB
    1. April 2013

    @EternelyTruth
    Ich hoffe, dass dieser Kommentar ein Aprilscherz ist…

  35. #35 rolak
    2. April 2013

    Sehr optimistisch eingestellt, MartinB.

  36. #36 Adent
    2. April 2013

    @Rolak
    Es MUSS ein Aprilscherz sein denn Eternely Truth spricht ganz zu Anfang von “seinen Forschungen” und präsentiert dann einen derartigen Mist das es kracht.

  37. #37 Franz
    2. April 2013

    Die Fragen sind ja grenzgenial. Gibts echt Leute die darauf keine Antwort wissen ?
    Warum wird (angeblich) die Atmoshäre von der sich (angeblich) drehenden Erde mitgeführt, die darin enthaltenen Objekte, wie Wolken usw aber nicht?
    grenzgenial, die Wolken drehen sich nicht mit 🙂 die müssten dann aber mit etwa 1000km/h Richtung Westen düsen. Würde verdammt cool aussehen.
    Obwohl, manchmal sind solche Effekte gar nicht so einfach zu erklären. Ich brauchte mal 3 Anläufe um jemandem zu erklären, warum der Mond einmal um seine Achse rotiert in einem Monat, obwohl er uns doch immer dieselbe Seite zuwendet.

  38. #38 MartinB
    2. April 2013

    @Franz
    Ja, als Kind habe ich mich auch gefragt, warum ich nicht jedesmal mit 1000km/h gegen eine Mauer knalle, wenn ich hochspringe (weil ich gehört hatte, dass das die Geschwindigkeit der Erde an der Oberfläche ist und ich dachte, wenn ich die Erde nicht mehr berühre, dann kann sie mich ja auch nicht festhalten).

  39. #39 Franz
    2. April 2013

    @MartinB
    Wobei der Gedanke, dass eine konstante Bewegung und Stillstand nicht zu unterscheiden ist, schon ein bißchen seltsam anmutet.
    Aber mein Physikprofessor meinte immer: Newton ist schuld mit seiner Infinitesimalrechung: dx/dt von null ist null und dx/dt von C ist auch null. Wer definiert sowas ?´
    Und ich hoffe auch, dass der etherische Kommentar ein Aprilscherz war 🙂

  40. #40 MartinB
    2. April 2013

    Das mit Newton hab ich nicht verstanden…