Im Januar habe ich mich ja schon über die blödsinnige Erklärung der Schwerelosigkeit in der Zeitschrift TK aktuell echauffiert. Gerade habe ich die neue Ausgabe aufgeschlagen. Wieder haben die “Wissenschaftsexperten” es geschafft, absoluten Blödsinn zu verzapfen.

Unter dem Titel “Ein Bioprodukt – was ist das eigentlich” erläutert das aktuelle Heft:

Früher, als es noch keine chemischen Düngemittel
gab, haben die Bauern ihr Obst und Gemüse automatisch „bio” ange­
baut.

Genau. Früher gab es nämlich noch gar keine Chemie – da bestanden die Dünger noch aus – ähh … “bio”? (Kleiner Hinweis: Es gibt eine Disziplin namens “Biochemie” – wie das wohl angehen kann, wo “Chemie” und “Bio” doch offensichtlich Gegensätze sind?)

Um jeden Zweifel daran, dass es sich hier um absolute Ahnungslosigkeit und nicht etwa nur um unglückliche Wortwahl handelt, auszuräumen, lesen wir zwei Sätze später:

Damit ist schon klar, was nicht „bio” ist: Wenn beim Anbau von Obst und Gemüse Chemie verwendet wird,

Genau. Denn Chemie ist was ganz schrecklich schlechtes, deswegen wird bei Bioprodukten “auf den Einsatz von Chemie oder Gentechnik verzichtet”.

Liebe Autoren von TK aktuell, hier ein Tipp (wie schon beim letzten Mal): Wenn man keine Ahnung hat, dann hilft das Internet. Wikipedia erläutert zum Beispiel sehr schön:

Die Chemie ist die Lehre vom Aufbau, Verhalten und der Umwandlung von Stoffen sowie den dabei geltenden Gesetzmäßigkeiten.

Auch der biologischste Bio-Bauer wendet also “Chemie” an, wenn er auch nur Wasser auf seine Pflanzen kippt, von biologischem Dünger ganz zu schweigen – die Phosphatgruppen in biologischer Jauche bestehen aus den gleichen Atomen wie die im künstlichsten Kunstdünger.

Natürlich habe ich damit nicht gesagt, dass Bio-Produkte unsinnig sind – das sind sie sicher nicht. Aber wer Kindern einredet, dass der Unterschied zwischen “Bio” und “Nicht-Bio” der ist, dass ich “Nicht-Bio” ganz viel “Chemie” drin ist, der redet Blödsinn – und wenn Kinder dann eines Tages in der Schule das Fach “Chemie” doof finden, muss man sich vielleicht nicht wundern.

Jetzt könnte ja jemand sagen “Ist doch nicht so schlimm”. Aber es kommt noch etwas hinzu: Wenn ein Artikel in TK aktuell Blödsinn enthält – wie ist es dann mit den anderen, die ich vielleicht nicht so leicht beurteilen kann? Ist der Rest der Zeitschrift genauso schlecht (besser gesagt: gar nicht) recherchiert und einfach entstanden, weil ein Journalist ohne jede Ahnung eine Seite vollbekommen wollte?

Auch heute werde ich einen Link auf diesen Blog-Eintrag an die Techniker-Krankenkasse schicken – mal gucken, ob diesmal etwas passiert (beim letzten Mal hat sich niemand bei mir gemeldet).

Kommentare (51)

  1. #1 Christian A.
    15. Mai 2011

    Wenn ein Artikel in TK aktuell Blödsinn enthält – wie ist es dann mit den anderen, die ich vielleicht nicht so leicht beurteilen kann?
    Ähm … Knoll’s Law of Media Accuracy: Everything you read in the newspapers is absolutely true except for the rare story of which you happen to have firsthand knowledge
    Wahrscheinlich schon :-/

  2. #2 Dr. Webbaer
    15. Mai 2011

    Was wollen Sie erwarten, “Bio = Leben”, anderes schlecht für die Umwelt, immer “Bio-Obst” oder “Lebens-Obst” bei Mama und Papa anfordern – so sollen’s die Kleinen lernen. Indoktrination, damit die schon früh diffuse Ängste aufbauen, die später von den ökologistischen Parteien exploitet werden können, gähn, das geht in D schon so seit Jahrzehnten…

    BTW, nächstes Mal vielleicht einen Screenshot oder zumindest eine Seitenangabe (es ist Seite 31) einbauen, dann muss der Leser nicht in dieses schreckliche “E-Paper”.

    MFG
    Dr. Webbaer

  3. #3 Ulrich Berger
    15. Mai 2011

    Pah, die sind nur scharf auf das Goldene Brett!

  4. #4 Ex-Esoteriker
    16. Mai 2011

    Pah, die sind nur scharf auf das Goldene Brett!

    Neidisch? 🙂

    Aber stimmt, ein gaanz schöner Widerspruch, “ohne Chemie” aber dafür mit “Bio(chemie)-Dünger”.

  5. #5 peer
    16. Mai 2011

    Auch sonst falsch, denn Bauern haben schon immer alles mögliche auf ihre Pflanzen gekippt.
    Ist Dünger “bio”? Chilesalpeter?

  6. #6 Frank
    16. Mai 2011

    Dieses Gerede über “Bio = gut” ist genauso ein Unfug wie, zu sagen, etwas für den Naturschutz Positives sei ökologisch bzw. dessen Gegenteil sei unökologisch. Immerhin ist genau wie die Chemie auch die Ökologie nur eine neutrale wissenschaftliche Lehre (vom Zusammenleben der Lebewesen). Mann kann der Ökologie zwar Erkenntnisse entnehmen, die positiv für den Naturschutz sind, aber solche Erkenntnisse kann man eben auch der Chemie entnehmen. Folgt man der Logik der „Öko = gut“-Sprechweise, müsste man konsequenterweise genauso für die Natur positive Chemie-Erkenntnisse als „chemisch“ (oder wahrscheinlich cool klingender „chemo“) bezeichnen: Blumengießen mit Wasser ist voll chemo, Blumengießen mit Säure dagegen absolut unchemo!

  7. #7 radicchio
    16. Mai 2011

    bitte die absolut berechtigte kritik auch direkt beim verursacher abwerfen:

    http://www.tk.de/tk/tk/kontakt/8022

  8. #8 MartinB
    16. Mai 2011

    @radicchio
    Hab ich doch (und zwar direkt ins Feedback-Formular für das Käseblatt) steht oben ganz am Ende.

  9. #9 Anke Bebber
    16. Mai 2011

    Hallo.

    So ziemlich den gleichen Unsinn fand ich gestern in der Fernsehzeitung meiner Eltern. Sehr ärgerlich, das Ganze. Mit wenig Aufwand hätte man einen besseren Text haben können, der trotzdem auch für den nichtwissenschaftlichen Leser nachvollziehbar gewesen wäre.

  10. #10 MartinB
    16. Mai 2011

    @Anke
    Ja, meine Fernsehzeitung hatte auch gerade “Kopfschmerzmittel ohne Chemie” – und dann kamen Kräuter und Bäder…
    Bei ner TV-Zeitschrift kann ich das aber eher verschmerzen als bei einer expliziten Wissenschaftsseite der Krankenkassenzeitung, wo die Verlässlichkeit von Artikeln etwas wichtiger ist.

  11. #11 Anke Bebber
    16. Mai 2011

    @Martin:
    Aber die trügerische Schreibweise in Zeitschriften erreicht mehr Leser, ich persönlich stufe dieses “Verdummungspotenzial” noch höher ein…

  12. #12 MartinB
    16. Mai 2011

    @Anke
    Stimmt auch wieder.

  13. #13 miesepeter3
    16. Mai 2011

    Ja, es ist schon ärgerlich, wenn die Umgangssprache die Feinheiten der wissenschaftlichen Ausdrucksweise einfach übergeht und mißachtet.
    Was heißt denn da nun – chemisch – natürlich oder künstlich?
    Natürlich künstlich.
    Bio ist natürliche Chemie und chemisch ist eben künstliche Chemie. Ist doch ganz einfach.
    Florian regt sich ja auch nicht immer gleich auf, wenn einer sagt “nun mach aber fix” und damit “nun mach aber schnell” meint. Ein Fixstern ist ja nicht schnell.
    Lohnt doch nicht, deswegen so eine Visage (nicht Gesicht, sondern heute Fresse) zu ziehen.

  14. #14 Olli F.
    16. Mai 2011

    Apotheken wären auch Super-Kandidaten für das Brett

    > http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,759599,00.html

    Alt aber gut – es geht auch anders
    > http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9202478.html

  15. #15 MartinB
    16. Mai 2011

    @miesepeter3
    Genau, die “Feinheiten” der wissenschaftlichen Ausdrucksweise. “Chemie” ist ja schon echt ein richtiges Fachwort, das nur eingeweihte benutzen.
    “Chemisch ist Künstliche Chemie” – aha, na denn ist ja alles klar.

  16. #16 Bjoern
    16. Mai 2011

    @MartinB: miesepeter hat (leider!) schon irgendwie recht – im normalen Sprachgebrauch meint “Chemie” halt heutzutage “künstlich, im Labor, hergestellt”. Natürlich entspricht das nicht der tatsächlichen Bedeutung des Begriffs, und natürlich regt das einen auf. Aber letztlich bestimmt eben nicht der Duden oder ein Lexikon, was ein Begriff bedeutet – sondern der alltägliche Sprachgebrauch…

    Mich regt so etwas ja auch auf – aber ich frage mich, ob man wirklich noch eine Chance hat, dagegen anzukommen…

  17. #17 Alex
    16. Mai 2011

    Da es um Sprache und nicht um Wissenschaft geht, sollte man in dem Fall vielleicht besser den Duden als die Wikipedia heranziehen (deren obige Definition ich ohnehin für fragwürdig halte, schließlich könnte man das gleiche auch über die Festkörperphysik schreiben).

    Der Duden jedenfalls deutet “Chemie” unter anderem so:

    (umgangssprachlich) chemische Behandlung, Beeinflussung, die eine Veränderung bewirkt
    Beispiel: der Pudding schmeckt nach Chemie

  18. #18 MartinB
    16. Mai 2011

    @Alex, Bjoern
    Das problem ist aber ja, dass damit die Disziplin “Chemie” in Probleme gerät – und mittelfristig bekommen wir dann ähnliche Probleme wie mit dem Missbrauch des Wortes “Theorie” – “Evolution ist doch nur ne Theorie”. Und irgendwann heißt es dann entsprechend “Igitt, der macht Chemie, der erfindet also lauter Giftstoffe.”
    Gerade auf einer vermeintlichen Wissenschaftsseite für Kinder sollte man dem doch entgegentreten, statt es zu fördern.

  19. #19 Geoman
    16. Mai 2011

    Der Unterschied besteht darin, dass die Dünger früher aus tradierten Erfahrungswissen und nicht aus abstrakten Labor- und Experimentwissen bestanden. Nur ein Wissenschaftsabergläubiger kann auf die Idee kommen, dass Dünger zu allen Zeiten aus Chemie bestanden haben.

  20. #20 MartinB
    16. Mai 2011

    @geoman
    Genau, früher bestand Dünger aus erfahrungswissen – da kippte so ein Bauer tonnenweise Wissen auf die Felder.
    Au weia.

  21. #21 miesepeter3
    16. Mai 2011

    @Martin B.

    Ich kann Deinen Ärger ja gut verstehen, aber es ist ja nun nicht meine Schuld, wenn Umgangssprache und “fachchinesisch” pardon Wissenschaftsprache sich in dem einen oder anderen Begriff unterscheiden. Sprache entwickelt sich nun mal da, wo das Volk spricht und nicht im Elfenbeinturm. Was glaubst Du, wie unsere Rechtschreibreform ausgefallen wäre, wenn man ein Volksentscheid darüber hätte durchgeführt und nicht von Sprachwissenschaftlern hätte durchführen lassen?
    Man muß davon nicht unbedingt begeistert sein, aber sich dagegen sträuben ist so ähnlich, wie gegen Windmühlenflügel anzutreten.
    Ansonsten taugte der TK-Artikel wirklich nicht besonders viel.

  22. #22 MartinB
    16. Mai 2011

    @miesepeter
    Das problem ist halt, dass man Leute so nur immer mehr verwirrt – wenn Länder zur Atomfreien Zone erklärt werden sollen (so einst in der ZEIT gelesen) oder genfreie Tomaten propagiert werden (Info-Stand der Grünen) oder eben ein chemiefreier Biodünger erklärt wird, dann wird es für den Normalmenschen ziemlich schwer, Wissenschaft überhaupt noch zu verstehen.

  23. #23 Geoman
    16. Mai 2011

    @MartinB

    Dein Grundmissverständnis ist, dass Du nicht begreifst, dass es zwischen der Sprache eines Gärtners und Biologen zwar Überschneidungen gibt, das sich diese Sprachen aber nur ganz schwer oder gar nicht ineinander übersetzen lassen. Ein Gärtner läuft normalerweise nicht mit dem Nultsch (Allgemeine Botanik) oder dem Straßburger (Lehrbuch der Botanik) oder gar dem Kreeb (Ökologie und menschliche Umwelt) durch seinen Gemüsegarten. Man kann aber sagen, dass sich das abstrakte Wissen des Wissenschaftsbetriebes aus dem konkreten Erfahrungswissen des Handwerkers etc. entwickelt hat.

  24. #24 MartinB
    16. Mai 2011

    @Geoman
    Dadurch wird deine Aussage oben keinen Deut sinnvoller…

  25. #25 Geoman
    16. Mai 2011

    Für jemand der dem Wissenschaftsaberglauben verfallen ist oder für den die wissenschaftliche Bühne, die Bretter sind, die die Welt bedeuten, ist die Welt erst dann in Ordnung wenn auch noch im letzten Krankenkassenblättchen wissenschaftliche Poesie nachgebetet wird. Seltsamerweise regt sich kein Wissenschaftler darüber auf, wenn in solchen Postillen darüber berichtet wird, wie man sich vor der Klimaerwärmung schützen kann.

    Dabei ist doch wohl jedem Wissenschaftler klar, dass kein Hauspostillenredakteur beurteilen kann, ob an der Klimaerwärmung was dran ist oder nicht. Es kommt eben darauf an, ob sie auf Mainstream-Linie schreiben. Gott sei Dank gibt es noch wissenschaftsfreie Räume und in keine Wissenschaftsdiktatur in unserer Gesellschaft!

  26. #26 miesepeter3
    16. Mai 2011

    @MartinB.

    Ohne jetzt einen Vortrag über Sprache halten zu wollen, dazu verstehe ich davon wirklich nicht genug, kann ich aber sagen, dass diese Ausdrücke keine Erlärungen darstellen, sondern auch für einfache Gemüter einprägsame Slogans sein sollen.
    Natürlich gibt es keine atomfreien Zonen, schließbesteht ja alles aus Atomen. Aber hier hat man aus dem atomwaffen- und atomkraftwerksfreien Gegenden eben “Atomfreie” Zonen gemacht. Da hat man nur bestimmte Techniken mit gemeint und nicht die Gesamtheit der Atome. Worte haben eben nicht nur eine enge Bedeutung, sondern müssen auch aus dem Zusammenhang erklärt werden und erklärbar sein. Und das kann dann manchmal ziemlich weit hergeholt sein. Gerade da, wo Sprache schnell einem Wandel in der Bedeutung unterliegt, in der Jugendsprache, ist das sehr deutlich zu merken. Meine Haare sind nicht grau, sondern friedhofsblond.
    Da muß man erst einmal drauf kommen. Ich finde, man muß unterscheiden, ob man sich mit Fachleuten eines bestimmten Gebietes unterhält oder mit der Allgemeinheit.
    Oder hättest Du gedacht, dass “General Umkehr” nicht aus dem Jargon der Bundeswehr stammt, sondern aus der Begriffswelt der Buchhaltung?

  27. #27 MartinB
    16. Mai 2011

    @miesepeter
    Stimmt prinzipiell – aber “friedhofsblond” birgt halt kein Verwechslungspotential.

    ein Problem habe ich halt dann, wenn die Begriffe widersprüchlich werden, so wie “genfrei” oder “atomfrei”. ich glaube nämlich nicht, dass da jedem, der das hört, klar ist, dass das Blödsinn ist – am Stand der Grünen war man seinerzeit jedenfalls fest davon überzeugt, dass in den “guten” Tomaten natürlich keine Gene drin sind. Und dass Chemiker nicht nur böse Gifte erfinden und Chemieunterricht wichtig ist, dürfte Kindern und Jugendlichen auch schwerer zu vermitteln sein, wenn sie immer nur hören, dass Chemie böse ist.

    @geoman
    Geh woanders trollen, das wird mir jetzt echt zu albern.

  28. #28 radicchio
    16. Mai 2011

    Hab ich doch (und zwar direkt ins Feedback-Formular für das Käseblatt) steht oben ganz am Ende.

    COOL! ich habs im büro gelesen und war etwas in eile, da ist mir der letzte satz glatt entgangen, sry

  29. #29 Geoman
    16. Mai 2011

    “Albern” ist ein gutes Stichwort. Albern ist für mich, wenn ein Physiker, der sich als Steckenpferd mit dem Sprintvermögen von Sauriern beschäftigt, statt sich über die Schwerkraftverhältnisse in der Kreidezeit Gedanken zu machen, über die Diktion in der Hauspostille einer Krankenkasse empört.

  30. #30 MartinB
    16. Mai 2011

    @Geoman
    Zum Glück habe ich ja genügend Leser, die meine Texte nicht albern finden. Und vom Autor der “kritischen Naturgeschichte” brauche ich wahrlich keine Ratschläge, womit ich mich beschäftigen sollte…

  31. #31 Geoman
    16. Mai 2011

    Ich halte Dich ja für einen der qualifiziertesten und interessantesten Blogger auf Scienceblogs; deshalb solltest Du das mit den Krankenkassenblättchen wirklich lassen und dies solchen populistischen Anklick-Bloggern wie Florian Freistätter überlassen.

  32. #32 ZielWasserVermeider
    16. Mai 2011

    Tjaja “Bio”….

    Also für mich ist “Bio”, wenn man es als Qualitätsmerkmal auffasst, daß die Herstellung umweltverträglich und das Endprodukt ohne, oder minimal, mit Schadstoffen belastet ist.
    Ich hab auch keine Probleme mit Zusatzstoffen in Lebensmitteln, wenn sie unschädlich und auch geschmacksfördernd sind.(Das gilt auch für genetisch veränderte Pflanzen und Tiere…da gehen meine Bedenken eher in Richtung Patentwesen und Verantwortungslosigkeit UNternehmen)

    Aber ich denke das hat mit dem Begriff “Bio” den einige haben sehr wenig zu tun.

    Gruß
    Oli

  33. #33 radicchio
    16. Mai 2011

    Albern ist für mich, wenn ein Physiker, der sich als Steckenpferd mit dem Sprintvermögen von Sauriern beschäftigt …

    das ist alles andere als albern (achtung, alliterationsalarm). dieses käsesblatt hängt sich das mäntelchen der seriosität um und hat eine ziemliche auflage. viele versicherte hintefragen nicht, was da drinsteht.

  34. #34 junia
    16. Mai 2011

    Vielleicht schreibt ja mal jemand ein Wörterbuch “Volkssprachlich – Wissenschaftssprachlich. Oder jemand schreibt ein Lexikon,in dem er die Begriffe erklärt.

    Unter A: Atomfreie Zone_
    Eine atomfreie Zone ist ein Sperrgebiet, in dem Atome und Moleküle, da sie aus Atomen bestehen, nicht zugelassen sind. Ein Verbotsschild zeigt an: Atome verboten! Zutritt nur für freie, unabhängige elementare Einzelgänger.

    In einem atomfreien Gebiet dürfen sich also nur Pi-Mesonen und Anti-Pi-Mesonen, Neutrinos, Antineutrinos, Positronen und unverheiratete Elektronen, Photonen und überschüssige Quarks und ihre Antiteilchen aufhalten und ungenannte, alleinstehende Leptonen. Das Reagieren untereinander ist strengstens verboten. Bei Zuwiderhandlung erfolgt sofortige Auslieferung. Quarks, Gluonen und Elektronen, die miteinander flirten, werden nur einmal verwarnt.

    G–Genfreie Tomaten –
    Genfreie Tomaten sind künstlich hergestellte künstliche Tomaten. Da es in der freien Natur keine genfreien Tomaten gibt und auch die gentechnisch hergestellten Tomaten nicht genfrei sind, können genfreie Tomaten nur künstliche Tomaten sein, die aus einem anorganischen Material hergestellt wurden. Ob diese eßbar sind, muss erst noch getestet werden. Eigentlich dienen sie nur zu Dekozwecken.

    C- chemiefreier Biodünger-
    Chemiefreier Biodünger ist nichtexistenter Biodünger, also nichts.

  35. #35 Stefan W.
    17. Mai 2011

    Am meisten zu tun bekommt man, wenn man den Fehlgebrauch des Wortes ‘natürlich’ protokollieren will. Natürliche Bewegung beim Tichtennis, natürliche Reaktion auf Monopolbildung usw.

  36. #36 Thomas J
    17. Mai 2011

    @Stefan W.

    hmm… weisst du ein besseres Wort? ganz ernsthaft gefragt, nicht provozierend gemeint.

  37. #37 Andreas P.
    18. Mai 2011

    Na ich weiss nicht ob das eine ziehlführende Diskussionsstrategie ist .. stell ich mir in etwa so gut vor wie jedem auf die Nase zu binden, das er keine Kaffeemaschine hat, sondern einen Kaffeeapparat.

    Und ja, ich weiss, “atom-frei” is Unsinn …

  38. #38 MartinB
    18. Mai 2011

    @AndreasP
    Ist meiner Ansicht nach schon etwas anderes – denn “atom-frei” kann eben zu massiver Verwirrung führen.

  39. #39 Dr. Webbaer
    20. Mai 2011

    Genau, früher bestand Dünger aus erfahrungswissen – da kippte so ein Bauer tonnenweise Wissen auf die Felder.

    Yup, kann man so sehen. Schöne Metapher! – Asche, andere biologische Abfälle und so wurden wohl nach einigen Erfahrungen nicht mehr auf die Äcker geworfen…

    BTW, weil der Vorwurf hier hochkam: “Wissenschaftsgläubig” sind Sie doch nicht, oder? – Old Webbaer hatte jedenfalls seit Ihrer Inkarnation als Blogger (zuvor: “führendes Mitglied der drei Kritiker”) nicht diesen Eindruck.

    MFG
    Dr. Webbaer

  40. #40 MartinB
    20. Mai 2011

    Das Wort “wissenschaftsgläubig” ist so schlecht definiert, dass es wenig sinnvoll ist, auf solche Anwürfe zu reagieren. Heißt “wissenschaftgläubig”
    1. Ich glaube, dass die wissenschaftliche Methode funktioniert
    2. Ich glaube,dass die Wissenschaft die beste objektive Methode zur Erkenntnis der REalität ist
    3. Ich glaube die meisten gängigen Theorien der Wissenschaft (im Gegensatz zu abweichenden(nicht-Mainstream-Theorien)
    4. Ich glaube alle gängigen Theorien
    5. Ich glaube, dass die Wissenschaft als ganzes unfehlbar ist
    6. Ich glaube, dass jeder Wissenschaftler unfehlbar ist
    oder noch was anderes?

  41. #41 Dr. Webbaer
    20. Mai 2011

    @Meister
    => http://de.wikipedia.org/wiki/Szientismus
    Popper und Hayek hatten den Begriff wohl auch im Repertoire, Old Webbaer hat wegen der Unschärfe des (heutzutage immer abwertend) gebrauchten Begriffs die Anführungszeichen verwendet, wie Sie sehen können. (Aber mal so als Beispiel: Dieser Sportsfreund, der den Religösen die Weitergabe ihrer Glaubensmengen an die Kinder strafrechtlich untersagen will und “ganz trocken” mit Ockham’s Razor kommt, um Gott herauszukürzen, der ist wissenschaftsgläubig, der hat gesellschaftlich wenig verstanden. – Geoman wäre dort besser mit seiner dbzgl. Kritik aufgehoben, oder?)

    MFG
    Dr. Webbaer

  42. #42 MartinB
    20. Mai 2011

    @Wb
    Szientismus, aha. Zufällig habe ich gerade einen text in Arbeit, der sich mit ähnlichen Dingen beschäftigt – der kommt dann heute abend, dann können Sie selbst beurteilen, ob ich “wissenschaftsgläubig” bin.

    Über andere Blogger will ich hier jetzt nicht diskutieren, ich habe mich ja dort deutlich geäußert.

  43. #43 georg
    20. Mai 2011

    @wb

    “ganz trocken” mit Ockham’s Razor kommt, um Gott herauszukürzen, der ist wissenschaftsgläubig, der hat gesellschaftlich wenig verstanden

    Tatsächlich haben die Wissenschaften die ganzen Götter, Geister und Dämonen, die man früher für das Verständnis der Welt zu benötigen glaubte “herausgekürzt”, ob man das nun als Ockham’s Razor bezeichnet oder nicht.

    Und wer meint, für “Gott” müsste da eine Ausnahmeregelung gelten, hat’s halt noch nicht verstanden und ist diesbzgl. daher ein Agnostiker.

    mfg georg

  44. #44 Dr. Webbaer
    20. Mai 2011

    @kleiner Georg
    Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man für sich selbst mangelnde Relevanz erkennt oder in der ersten Person Plural von einer wissenschaftlichen Nichtexistenz einer Esoterik ausgeht, die man anderen vorzuschreiben gedenkt. [1]

    Das zum einen, zum anderen ist es einfach epistemologisch falsch spekulative, aber empirisch adäquate (empirisch unwiderlegte) Esoterik mit Ockie’s Razor [2] wegzukürzen. – Die Steigerungsform hier Richard Dawkins mit der lustig-dummen Aussage “Ich schätze die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes auf etwa zwei Prozent”. – Wer hierzu aber “Ockie” gesagt, der landet nun einmal auch irgendwann bei einem göttlichen Prozentsatz – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, LOL.

    MFG
    Dr. Webbaer (der eigentlich nur wissen wollte, ob Geoman einen Bezugspunkt hatte oder nicht, der aber gerne bis “heute abend” wartet)

    [1] Die Wissenschaften haben gar nüscht “herausgekürzt”, sondern nur einiges unbeachtet liegengelassen.
    [2] das Sparsamkeitsprinzip, Aussagen und Theorien sollen möglichst sparsam sein und auch sparsam formuliert sein

  45. #45 georg
    20. Mai 2011

    @wb

    Die Wissenschaften haben gar nüscht “herausgekürzt”, sondern nur einiges unbeachtet liegengelassen.

    Ist ja interessant. Was haben die denn unbeachtet liegengelassen?

  46. #46 Dr. Webbaer
    20. Mai 2011

    @kleiner Georg
    Die Frage, ob es Gott gibt, ist wissenschaftlich marginalisiert worden [1]. Überhaupt hat die Esoterik wenig wissenschaftliche Beachtung gefunden, weil es dort eben mit den Mitteln der modernen Wissenschaftlichkeit nüscht oder bestenfalls nur sehe sehr wenig zu tun gibt, wenn wir mal das Meta oder das Soziologische weglassen.

    Geht jetzt aber eindeutig vom Topic weg, gell, warten wir mal auf die angekündigte abendliche Nachricht des Meisters…

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] sogar die katholische Theologie fordert mittlerweile den bewussten Glaubensentscheid

  47. #47 Bullet
    20. Mai 2011

    @wb:

    [1] Die Wissenschaften haben gar nüscht “herausgekürzt”, sondern nur einiges unbeachtet liegengelassen.

    Etwas “berechtigterweise unbeachtet liegenlassen” ist übrigens etwas, das dem “Herauskürzen” durchaus nicht so fern ist. Ein Faktor, der 1 ist oder ein Faktor, der auf Zähler wie Nenner gleichermaßen angewandt wird, ist vernachlässigbar, und wird demzufolge unbeachtet liegengelassen. Es hilft dir nicht viel, die Fakten umzubenennen.

  48. #48 Dr. Webbaer
    20. Mai 2011

    @Bullet
    Die in Wissenschaftskreisen geübte Ignoranz bestimmte esoterische Theorien betreffend ist etwas grundsätzlich anderes als esoterische [1] Theorien als falsch zu bezeichnen – etwa, weil sie nicht falsifizierbar erscheinen oder sind. Esoterik ist einfach oft nicht wissenschaftlich zu packen, man hat ja das Verifikationsprinzip aus gutem Grund aufgegeben. 🙂

    Es liegt also oft “Wissenschaftsgläubigkiet” vor, wenn Esoterik unter Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisse als falsch (vs. “als irrelavant” – “vernachlässigbar” ginge auch) abgelehnt wird. Und diese “Wissenschaftsgläubigkeit” ist eben nicht gut.

    MFG
    Dr. Webbaer

    [1] (nur) “dem Eingeweihten verständlich”, eine Metapher

  49. #49 Dominikus
    17. Juni 2011

    “Auch heute werde ich einen Link auf diesen Blog-Eintrag an die Techniker – Krankenkasse schicken – mal gucken, ob diesmal etwas passiert (beim letzten Mal hat sich niemand bei mir gemeldet).”

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass da etwas kommt. Ganz ehrlich, das sind doch alles Pfeifen! Traurig genug.

    Gruß, Dominik

  50. #50 MartinB
    17. Juni 2011

    @Dominikus
    Stimmt, da kam nix.

  51. #51 klauszwingenberger
    17. Juni 2011

    Wie sinnlos die Polarisierung zwischen “biologisch” und “chemisch” ist, und zwar ganz unabhängig vom Sprachgebrauch, konnten wir ja gerade studieren.

    Man nehme

    eine Handvoll Saatgut,

    Wasser

    und mollige Wärme.

    Nix Chemie, nur noch etwas biologisch in Rinderdärmen ausgebrütetes Mikrobenvolk.

    Ergebnis: zweieinhalbtausend infizierte Schwerkranke, achtunddreißig Tote…