Ein Nobelpreis für Malala?

O.k., für eilige Politik-Nachrichten ist das hier nicht der richtige Ort – und normalerweise blogge ich ja über Wissenschaft. Aber diese Nachricht ist einfach zu gut, um sie nicht sofort weiterzuverbreiten (und bisher hat sie es anscheinend nicht mal bis zur tagesschau geschafft): Malala Yousafzai, die pakistanische Aktivistin für die Rechte von Mädchen auf Bildung, ist von der norwegischen Arbeiterpartei offiziell für den Friedensnobelpreis noiniert worden.

Malalas Geschichte findet ihr natürlich an vielen Orten im Netz – ich empfehle die Logo-Seiten (Logo und der KiKa allgemein sind ja so ziemlich die einzige Rechtfertigung fürRundfunkgebühren, die ich akzeptieren kann). Und nach so merkwürdigen Preisen wie den für Obama (ein Nobelpreis dafür, dass andere ihre Hoffnungen in jemanden hineinprojizieren ist schon ziemlich seltsam, Guantanamo ist übrigens noch immer nicht geschlossen…) oder die EU (den habe ich bis heute nicht verstanden) wäre Malala sicher eine würdige Preisträgerin und der Preis für sie ein deutliches Zeichen für die Rechte von Frauen und gegen die Unterdrückung durch religiöse Fanatiker.

via Butterflies and Wheels

PS: Die Petition, die den Nobelpreis für Malala fordert, kann man übrigens immer noch unterschreiben.

PPS: Falls sich jemand beschweren will, dass das hier doch die Scienceblogs sind oder so: Lest dies!

Kommentare

  1. #1 Zockerjoe
    Europa
    3. Februar 2013

    Dieses ewige genöle über den Friedensnobelpreis für die EU kann ich nicht mehr hören. Wo sonst auf der Welt gibt es 27 Nachbarstaaten die seit 60 Jahren keinen Krieg gegeneinander führen, in denen man frei herumreisen, wohnen und arbeiten kann, in dem es keine Zollschranken gibt, die einheitliche Normen in der Sozial-, Wirtschafts- oder Bildungspolitik akzeptieren? Wem das alles nicht gefällt, der kann sich mal im Fernen Osten umsehen. Dort herrscht zwischen den Koreas, Japan, Taiwan, China und Vietnam bestenfalls Waffenstillstand. Ich, in meiner Naivität, bin da doch lieber Europäer.

  2. #2 emreee
    4. Februar 2013

    Ähm Srbrenica Schon vergessen ?
    Nato Angriffe auf Serbien ?
    Griechenland Türkei Krieg um Zypern ?

  3. #3 Stefan W.
    http://demystifikation.wordpress.com
    4. Februar 2013

    @emree: … Irland, Basken, Korsen nicht vergessen. Bayern macht auch immernoch Zicken.

    Aber zurück zum Thema: Ich finde Obama sollte ihn erneut bekommen. Ist ja seine 2. Amtszeit, soll er einen 2. Nobelpreis bekommen.

  4. #4 MartinB
    4. Februar 2013

    @Zockerjoe
    Und wie groß daran ist genau der Anteil der EU im Gegensatz zu dem der NATO und der Tatsache, dass ein guter Teil des Prozesses wohl vor allem auf die gemeinsame Bedrohung durch die UdSSR zurückgeht?
    Zum anderen hat gerade der Friedensnobelpreis auch immer eine starke symbolische Wirkung und hilft, Missstände aufzuzeigen – auch da ist der für die EU wenig hilfreich.

  5. #5 Zockerjoe
    Europa
    4. Februar 2013

    @emreee
    Während des Jugoslawienkrieges gehörte weder Bosnien noch Serbien der EU an. Die Türkei ist auch nicht in der EU.

    @Stefan W.
    In Nordirland, im Baskenland und auf Korsika sind Terroristen unterwegs, warum spricht das für oder gegen die EU? Das Bayern einen Krieg gegen einen EU Staat führt, ist mir neu.

    @MartinB
    Ausser dem Papst und David Hasselhoff gibt es noch ein paar andere, die den Zusammenbruch des Ostblocks für sich reklamieren.
    Meiner Meinung nach ist es aber hauptsächlich die Attraktivität Westeuropas und das totale Scheitern kommunistischer Utopien gewesen die die Menschen dazu gebracht hat, ihre Dikaturen abzuschütteln.

  6. #6 Merowech
    Hannover
    4. Februar 2013

    @emreee

    Ähm Srbrenica Schon vergessen ?
    Nato Angriffe auf Serbien ?
    Griechenland Türkei Krieg um Zypern ?

    Und was hat das alles mit der EU zu tun ? Nur weil es vor der Haustür der EU passierte ?

    NATO != EU

    Und davon mal abgesehen…..hat die NATO und die UNO davor, VIEL ZU SPÄT eingegriffen. Das ist ja mal ein absolut in allen Punkten ein falsches Beispiel.

    @MartinB
    Na ja, die EU ist eine Staatengemeinschaft, eine Idee, in Teilen auch schon eine Institution. Da muss man schon andere Maßstäbe und Messeinheiten für einen Friendensnobelpreis ansetzten.

    Klar hat man bei der EU kein kleines Mädchen vor dem geistigen Auge das sich vor einen fahrenden Panzer wirft.

    Zudem, warum muss man immer Missstände aufzeigen, wenn man auch positives aufzeigen kann. Wie Zuckerjoe es schon ganz gut formuliert hat.

  7. #7 emreee
    4. Februar 2013

    Meine Post bezog sich nicht auf den Artikel sondern auf Post 1.
    Da steht “wo sonst gibt es auf der Welt 27 Nachbarstaaten die 60 JAHRE kein KRIEG gegeneinander geführt haben.”

  8. #8 peer
    4. Februar 2013

    Intereressante Diskussion; Die EU hat sicherlich für Stabilität in Europa gesorgt (auch in ihrem Entstehungsprozess) und somit auch für Frieden.
    Malala kämpft gegen Missstände – und da hat sie meine Unterstützung – aber für den Frieden (im eigentlichen Sinne) ja nur sehr, sehr indirekt.
    Das zeigt, das der Friedensnobelpreis eigentlich mehr als Weltverbesserungspreis wahrgenommen wird :-)

  9. #9 MartinB
    4. Februar 2013

    @Merowech
    Ich frage mich eben zum einen, ob es die EU als solche ist, die den Preis verdient (weil die Effekte von EU, NATO etc. schwer zu trennen sind) und zum anderen, warum man einen Preis überhaupt an eine solche große Institution vergibt.

    @peer
    Zum Frieden gehört auch der soziale Frieden, nicht nur die direkte Verhinderung von Krieg.
    Aber früher oder später wird die Unterdrückung von Frauen sich auch in Gewalt niederschlagen – so wie die Ents im Herrn Der Ringe:
    “A thing is about to happen which has not happened since the Elder Days: the Ents are going to wake up and find that they are strong.””

  10. #10 Zockerjoe
    Europa
    4. Februar 2013

    Um zum Thema zurückzukommen: Wahrscheinlich ist die Bildung und die Gleichberechtigung von Frauen einer der am meisten unterschätzten Faktoren für Wohlstand und Friedfertigkeit einer Nation. Ich habe Unterschrieben.

  11. #11 sumo
    4. Februar 2013

    ich habe soeben noch die Petition unterzeichnet. Diese kleine Mädchen hat meiner allerhöchste Hochachtung, denn sie tut, was sie tut, unter der Fuchtel und der Beobachtung von steinzeitlichen Taliban, und demzufolge unter Lebensgefahr.
    Sie hätte diesen Preis mehr verdient als mancher, der in Sonntagsreden oder beim Schwatzclub mit gekühlter Cola über die Ungerechtigkeiten der Welt debattiert. ich habe diesen Mut nicht!

  12. #12 Sim
    4. Februar 2013

    Ich sehe das Ganze kritisch. Es ist ein Stück weit eine Instrumentalisierung eines Mädchens und die rückt sie womöglich noch mehr ins Fadenkreuz von verrückten Mördern. Zumal der Friedensnobelpreis sowieso ziemlich unwichtig ist und oft nicht mehr als ein PR-Gag.

    Ich finde es auch sehr gut, dass sie sich für Bildung für alle Mädchen einsetzt und das ist auch ein wichtiges Ziel aber ist sie die richtige Botschafterin wenn sie Aussagen wie

    Wegen all dieser Gebete hat Gott mir ein neues, ein zweites Leben geschenkt

    tätigt ? Es sind nicht etwa die Ärzte und die Wissenschaft die dafür verantwortlich sind, dass sie noch am Leben ist. Nein, man musste Gott erst durch gutes zusprechen dazu überreden sich doch bitte nochmal zu überlegen ob man ein Kind nach einem solchen Attentat unbedingt über den Jordan schicken muss.

  13. #13 Ulf Lorenz
    4. Februar 2013

    Ich kann dieser Petition irgendwie nicht viel abgewinnen.

    Zum Einen habe ich das Gefuehl, dass sie quasi fuer den Anschlag geehrt wird. Oder hat irgendjemand schon vor dem Anschlag von ihr gehoert? Man kann den Friedensnobelpreis gerne in einen Sensationspreis umwandeln, mit dem man die Aufmerksamkeit auf Probleme lenkt, die sowieso gerade schlagzeilenwuerdig sind; mein Geschmack ist es nicht.

    Wenn ich mir zum Anderen die Liste der Friedensnobelpreistraeger durchlese, stelle ich fest, dass sie irgendwie eher Landesklasse ist. Was sicher damit zusammenhaengt, dass das gute Maedchen gerade mal 15 Jahre alt ist. Koennte man wenigstens noch zehn Jahre warten, bis sie Zeit hatte, tatsaechlich etwas Tolles aufzubauen? Oder will man unbedingt weitere Wir-haben-noch-nichts-Handfestes-aber-sind-guter-Hoffnung-Obama-Friedensnobelpreise?

  14. #14 MartinB
    5. Februar 2013

    @Sim
    Nicht jeder, der religiös ist, ist deswegen gleich für den Friedensnobelpreis disqualifiziert, nicht mal dann, wenn er der Wissenschaft nicht die notwendige Hochachtung entgegenbringt.

    @Ulf
    ” hat irgendjemand schon vor dem Anschlag von ihr gehoert?”
    Ihr Blog wurde von sehr vielen gelesen, sie hat Interviews gegeben etc (siehe WikiEintrag) – sie wurde ja nicht umsonst angegriffen.

    “Koennte man wenigstens noch zehn Jahre warten, bis sie Zeit hatte, tatsaechlich etwas Tolles aufzubauen? ”
    Man kann natürlich streiten, was genau die Leistung einer Person sein muss, damit sie den Preis bekommt und ob ihre Leistung mit der z.B. der Preisträgerinnen von 2011 vergleichbar ist .
    Ich fände gerade in diesem Fall den Preis ein wichtiges Zeichen dafür, dass auch scheinbar kleine Handlungen große Wirkung haben können – und nebenbei fände ich es auch kein schlechtes Zeichen an alle Jugendlichen der Welt “Ihr könnt etws ändern”.

  15. #15 KeinAnfang
    keinanfang.wordpress.de
    5. Februar 2013

    Naja

    ich denke es hat trotzdem etwas mit Science zu tun
    Bildung (gerade der Frauen) ist in solchen Ländern etwas wichtiges, dass auf Lange Sicht gesehen ja auch der Wissenschaft hilft, da dann ALLE Menschen auf einem höheren Bildungsniveau anfangen. Schließlich hängt Wissenschaft und Bildung durchaus zusammen, auch wenn man manchmal ob gewisser esoterischer Auswüchse von “Gebildeten” daran zweifeln könnte.

    Von der moralischen Seite ganz zu schweigen.
    Denn ist es nicht so, dass ja viele der Wissenschaft aMoralität vorwerfen und damit das auch gleich den WissenschaftLERN anhängen wollen? Also hat es mit Wissenschaft zu tun, wenn man auch über solche Bereiche schreibt. Denn jeder Wissenschaftler ist ja auch MENSCH.

  16. #16 emreee
    6. Februar 2013

    @Ulf Lorenz

    “Ich kann dieser Petition irgendwie nicht viel abgewinnen.

    Zum Einen habe ich das Gefuehl, dass sie quasi fuer den Anschlag geehrt wird. Oder hat irgendjemand schon vor dem Anschlag von ihr gehoert? Man kann den Friedensnobelpreis gerne in einen Sensationspreis umwandeln, mit dem man die Aufmerksamkeit auf Probleme lenkt, die sowieso gerade schlagzeilenwuerdig sind; mein Geschmack ist es nicht.”
    ***
    Ja sie haben recht wenn man es aus dieser Perspektive sieht.Tatsache ist aber das sie diesen Ruhm jetzt inne hat .
    So eine Nominierung hat ein Symbolcharacter der ein deutliches Signal setzt .Dies sollten sie berücksichtigen.

  17. #17 Dr. Webbaer
    6. Februar 2013

    Die Vergabe kommt zumindest in Betracht.

    MFG
    Dr. W

  18. #18 Mike Macke
    6. Februar 2013

    Die Nominierung ist anscheinend “durch”:

  19. #19 MartinB
    7. Februar 2013

    @Mike
    Ja, dass die Nominierung steht, habe ich ja im Artikel geschrieben.