Soweit jedenfalls die Erkenntnisse des papers und der üblichen Nachrichten-Artikel. Es gibt aber auch Zweifel. Scott Hartmann hat in seinem Blog die Rekonstruktion vermessen und mit den Daten, die im paper angegeben waren, verglichen. Seltsamerweise passt da etwas nicht zusammen – passt man das Bild an die Rekonstruktion an, sehen die Proportionen des Spinosaurus plötzlich deutlich normaler aus.  Auch Jaime Headden ist auf seinem Blog skeptisch, was die Aussage angeht, dass Spinosaurus wirklich nur auf vier Beinen laufen konnte (zumal die Hände auch nicht so aussehen, als würden sie sich zum Laufen eignen). Auch er kritisiert die Zuordnung verschiedener Fossilien zur Rekonstruktion (und zwar ziemlich detailliert), die dadurch etwas problematisch wird. Ob da wirklich etwas schief gelaufen ist, muss man wohl abwarten, aber es wäre natürlich schon etwas peinlich.

Dass Spinosaurus wahrscheinlich ein schwimmender Dino war, wird durch diese Zweifel nicht angetastet, aber seine Proportionen waren vielleicht doch nicht ganz so exotisch, wie im paper angegeben und in den Rekonstruktionen zu sehen.

Die Knochen wurden übrigens eingescannt und dann mit einem 3D-Drucker ein vollständiges Skelett rekonstruiert, das jetzt in Washington ausgestellt wird.  (Und da kann man nur hoffen, dass sich nicht später zeigt, dass die Rekonstruktion doch Mist war…)

So hier noch eine Sammlung von Links:

Hier ein ausführliches Video mit Paul Sereno (soweit ich sehe, wird es dann wohl demnächst ein National geopgraphic special zum Thema geben):


Ein ausführlicher Artikel mit Bildern der Skelett-Rekonstruktion und eines lebensgroßen Modells hier.

Bei newswise gibt es (rechts in der Spalte) ein paar Videos der Skelett-Rekonstruktion und viele Infos.

Falls ihr deutsche Texte bevorzugt, hier der ZEIT online Artikel.

Giant dinosaur was a terror of Cretaceous waterways.
Science  345(6202): 1232
DOI: 10.1126/science.345.6202.1232
http://www.sciencemag.org/content/345/6202/1232.summary

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Kommentare (10)

  1. #1 Florian Freistetter
    13. September 2014

    Hier ist übrigens ein sehr hörenswertes Interview mit dem Entdecker: https://resonator-podcast.de/2014/res041-palaeontologie-mit-nizar-ibrahim/

  2. #2 Sascha
    14. September 2014

    Du solltest vielleicht “schwinnender” durch “schwimmender” ersetzen.
    Apropos Wasser-Dino. Was ist mit den bekannten Ichtyo- und Plesiosaurus? Zählen die nicht unter “Dino”?

  3. #3 rolak
    14. September 2014

    “schwinnender” ersetzen

    Wieso, Sascha? Er ist doch verschwunnen.

  4. #4 MartinB
    14. September 2014

    @Sascha
    Wer Tpipfelher findet, darf sie behalten… Ich hab’s aber mal korrigiert.

    Nein, die sind keine Dinosaurier, die sind nicht mal besonders eng mit ihnen verwandt (Dinos, Krokodile und Vögel gehören alle zur Gruppe der Archosaurier, Ichthyosaurier und Plesiosaurier:
    http://biology.unm.edu/ccouncil/Biology_203/Images/Phylogeny/ReptileCladogram1.jpg

  5. […] noch andere über Säugetiere und Amphibien…). Gespannt war ich vor allem auf den Vortrag zum Spinosaurus – der war aber in gewisser Weise enttäuschend. Nizar Ibrahim hat zwar einen Super-Vortrag […]

  6. #6 dilopho
    5. Dezember 2014

    Zu der Sache mit den Proportionen hat Scott Hartman auch eine Antwort der Autoren veröffentlicht:
    http://www.skeletaldrawing.com/home/aquatic-spinosaurus-the-authors-responsd9182014

    Mark Witton hat sich auch zu der Sache geäußert, allerdings weiß ich, wie viel Links ich hier reinpacken kann, ohne in der Spamliste zu landen.
    Es scheint auch eher so zu sein, als wird insgesamt nur die Quadrupedie angezweifelt. Dass Spinosaurus (genauso wie sein Verwandter Suchomimus) relativ kurze Hinterbeine hat, ist eigentlich ziemlich sicher.

    Zu der Geschichte mit der semiaquatischen Lebensweise ist vielleicht das Paper von Amiot et al. (2010) noch interessant. Demnach gleichen die Sauerstoff-Isotope in den Zähnen von Spinosaurus mehr dem Verhältnis von Schildkröten und Krokodilen als dem von terrestrischen Raubsauriern, ergo ein weiterer Beleg für einen semiaquatischen Spinosaurus.

    Und noch eine Frage aus Eigeninteresse. Darf man die Bilder aus dem Supplementary Material einfach so verwenden?

  7. #7 MartinB
    5. Dezember 2014

    @dilopho
    Ja, die Quadrupedie glaubt wohl keiner, die Proprtionen stimmen aber vermutlich (hoffentlich, sonst kann Ibrahim seine Karriere wohl vergessen…).

    “Darf man die Bilder aus dem Supplementary Material einfach so verwenden?”
    Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung – Bilder aus wissenschaftlichen Artikeln verwende ich meist direkt, bisher gab’s keine Beschwerden und ich glaube, das fällt unter “Bild-Zitat” oder “fair use”-Verwendung, aber sicher bin ich nicht.

  8. #8 Ernst Probst
    Mainz-Kostheim
    19. Mai 2015

    Literatur zum Thema: Ernst Probst: Der rätselhafte Spinosaurus. Leben und Werk des Forschers Ernst Stromer von Reichenbach, GRIN-Verlag, München 1015

  9. #9 Ernst Probst
    Mainz-Kostheim
    19. Mai 2015

    Wer Fotos oder Zeichnungen ohne Genehmigung übernimmt, riskiert, dass ihm der Rechteinhaber von einem Rechtsanwalt wegen Urheberrechtsverletzung einen Brief schrieben lässt. In der Regel kostet das mindestens 1.600 Euro bei einem Bild. Bei mehreren Bildern wird es noch teurer.

  10. #10 MartinB
    21. Mai 2015

    @Ernst Probst
    Was soll mir das jetzt sagen?