O.k. – eigentlich heißt die Sendung, von der ich gerade ein paar Minuten gesehen habe, Faszination Universum. Aber das, was da erzählt wurde, war zum guten Teil blühende Fantasie.

Normalerweise gucke ich keine Wissenschaftssendungen im Fernsehen – aber heute habe ich gegen 19:50 im ZDF ein paar Minuten der Sendung “Terra X – Faszination Universum” gesehen. Eingestiegen bin ich, als gerade der Übergang von der Newtonschen zur Einsteinschen Gravitationstheorie erklärt wurde. Naja, wie üblich mit dem fehlerhaften Bild von der Raumkrümmung, aber darüber rege ich mich ja schon gar nicht mehr auf… (Folgt den Links, wenn ihr wissen wollt, warum das Bild nicht korrekt ist.) Aber dann gab es einen Ausflug in die Geschichte. Es ging um den Nachweis der Lichtablenkung durch die Raumzeitkrümmung um die Sonne.

Die englische Astrophysikerin Arthur Eddington wurde also vorgestellt, die 1919 die Theorie der damals noch vollkommen unbekannten Deutschen namens Albert Einstein überprüfen wollte, so wurde es erzählt. Huh? Was? Einstein war 1919 vollkommen unbekannt? 14 Jahre nach dem berühmten “annus mirabilis”, in dem Einstein, die Grundlagen der Quantentheorie gelegt, die spezielle Relativitätstheorie veröffentlicht und die Theorie der Brownschen Molekularbewegung beschrieben hat (was letztlich ein schlagender Beweis für die Atomtheorie war). [Ja, es ist richtig, dass Einstein in der allgemeinen Öffentlichkeit insbesondere durch die ART und deren Bestätigung bekannt wurde, aber Eddington war ja nicht irgendwer, sondern Professorin der Astronomie, und hier wird die Geschichte in der Wissenschaft erzählt, und in Physikerinnenkreisen dürfte kaum jemand den Namen Einstein nicht gekannt haben.]

Anschließend wird uns erzählt, dass die junge Eddington ihre Karriere daran hängt, diese Theorie zu beweisen. Äh, klar. Die junge Eddington (zu dieser Zeit 37 Jahre alt). Die zu der Zeit Professorin in Cambridge und Direktorin des Observatoriums in Cambridge war – quasi vollkommen unbekannt.  (Na gut, unbekannter als Einstein, das wohl schon, und die kannte ja auch keiner damals, wie wir gerade gelernt haben.) Es wird in dramatischen Bildern gezeigt, wie Eddington die Aufnahmen machte und dann die Fotografien während der Sonnenfinsternis mit denen ohne Lichtablenkung durch die Sonne verglich. Und dazu wird nochmal erzählt, dass Eddington ihre Karriere aufs Spiel setzte, indem sie diese Messungen machte.

Hallo? Seit wann setzt man in der Wissenschaft die Karriere aufs Spiel, wenn man eine Theorie überprüft – egal ob die sich hinterher als richtig oder falsch herausstellt? Genau das ist es, was Experimentalphysikerinnen oder beobachtende Astronominnen tun – sie messen Dinge, um Theorien zu überprüfen oder zu widerlegen. Mal ganz davon abgesehen, dass die Lichtablenkung zwar ein schlagendes Argument war, aber ja nicht das einzige, auch damals nicht, immerhin gab’s da noch die Sache mit der Periheldrehung des Merkur.

Ich verstehe ja, dass man im Fernsehen Dinge vielleicht etwas dramatischer darstellen möchte, als sie in Wirklichkeit waren. Aber muss man sich Dinge wirklich einfach ausdenken – Einstein 1919 quasi unbekannt, Eddingtons Karriere wäre zerstört gewesen, wenn die ART sich als falsch herausgestellt hätte? Wer denkt sich so einen Blödsinn aus? Und warum? Und das ganze nicht bei Galileo oder Welt der Wunder, sondern im angeblich seriösen öffentlich-rechtlichen Fernsehen?

Wie es in der Geschichte weiterging und was da sonst noch alles an Blödsinn erzählt wurde, weiß ich nicht – nach den knapp 8 Minuten war meine Leidensfähigkeit erschöpft. Und ich werde wohl weiterhin darauf verzichten, Wissenschaftssendungen im Fernsehen zu gucken – wenn ich Alternativrealitäten will, lese ich lieber Romane…

Kommentare (53)

  1. #1 Blimy
    11. Oktober 2015

    “… englische Astrophysikerin Arthur Eddington …”
    Sorry, dass ich auf Ihren dummen Text reingefallen bin.

  2. #2 CArsten
    11. Oktober 2015

    @Blimy: http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2015/03/26/das-generische-femininum/

    Nicht *dumm* sondern eher /generisch/ 😉

  3. #3 CArsten
    11. Oktober 2015

    So, nun noch einmal on-topic: Ich schaue die Sendungen häufiger, die Qualitätsschwankungen sind leider erheblich. Manchmal erscheinen die Sendungen gut recherchiert und sind stimmig, allerdings muss es wohl so sein, dass in *jeder* Sendung an mindestens einer Stelle “Sensation” oder “sensationell” vorkommen muss 😉

    Ansonsten will man sich wohl immer noch von den wirklich öden Sendungen der 70er und 80er absetzen und daher muss es immer sehr geheimnisvoll oder hochdramatisch sein. Nicht zu vergessen, dass es häufig eher um die Personen geht, die in dem jeweiligen Thema involviert waren als um die Themen an sich. Meine Vermutung ist da, dass es einfacher ist, über Personen als über ein evtl. trockenes Thema zu schreiben – oder man nimmt an, dass die Zuschauer sich eher für die Sendung interessieren, wenn man über Personen als über harte Themen berichtet.

    Hatte ich mich schon über die häufige Verwendung des Superlativs ausgelassen…?

    Was mich eher beunruhigt ist, wie ungenau sind die Sendungen über Themen, über dich ich mich nicht so gut auskenne?

  4. #4 rolak
    12. Oktober 2015

    Mal schauen, wie der Rest so ist – falls ich daran denke, wenn diese Folge via Mediathek eintrudelt…

    SofortKorrektur: Das ganz oben ist ja der generische Titel, die Folge nennt sich ‘Eddington und der gekrümmte Raum’ und ist schon da. Nachher mal sehen, wie strapazierfähig meine Leidensfähigkeit beim NebenherSchauen ist…

  5. #5 Axel
    Karlsruhe
    12. Oktober 2015

    @CArsten
    “die öden Sendungen der 70er und 80er“?
    Das Niveau von “Querschnitt“ mit Volker Arzt und Hoimar von Dithfurt (auch Autor hervorragender Bücher, vermutlich ein Grund, dass ich in einem MINT-Fach gelandet bin) ist immer noch unerreicht…

  6. #6 MartinB
    12. Oktober 2015

    @CArsten
    Ja, manche sind wohl auch o.k. – die Sendung über den Spinosaurus war sehr dicht an der wahren Story, die Ibrahim Nizar auch selbst erzählt hat. Ich vermute, das ZDF kauft einige der Sendungen eh ein (die war von National Geographic, wenn ich mich recht entsinne).

    @Axel
    Volle Zustimmung – das Buch zur Sendung habe ich so oft gelesen, dass ich es fast auswendig konnte.

  7. #7 CArsten
    12. Oktober 2015

    Natürlich war das mir den “öden” Sendungen ein wenig zu überspitzt – aber wenn man sich ein paar dieser Sendungen heute ncoh einmal anschaut, dann – nun ja – fehlt einem etwas der Spannungsbogen, der inzwischen antrainiert wurde 😉

    Es gab auch sehr viele gute Sendungen – die angesprochenen und eingekaufte (“Cosmos” anyone?), aber… es gab auch…noch den einen…..der… immer so etwas…. spannungsgeladene…Pausen gemacht……….hat (Joachim B.).

    Momentan wühle ich mich durch alte BBC Horizon Folgen, *das* waren gute Sendungen – aus heutiger Sicht dann aber auch wieder etwas langatmig…

  8. #8 MartinB
    12. Oktober 2015

    @CArsten
    “Joachim B.”
    AAArgh. *den* konnte ich nur maximal 2 Minuten ertragen.

    Während ich als Teenie bei Hoymar v. Dithfurth quasi an den Lippen klebte (und Volker Arzt total cool fand)

  9. #9 Hav0k
    Göttingen
    12. Oktober 2015

    Ich hab mich mit dem generischen Femininum in deinen Artikeln zumindest arrangiert, weil die Artikel so lesenswert sind. Aber “die englische Astrophysikerin Arthur Eddington” ist ja nun wirklich Quatsch. Es würde ja auch niemand vom “polnischen Physiker und Chemiker Marie Curie” reden.

  10. #10 Toddy
    12. Oktober 2015

    Wie es der Zufall will, habe ich erst gestern diesen sehr interessanten Clip zum gleichen Thema gesehen:

    http://www.youtube.com/watch?v=bj8rZnOUjWU

    Ein Vortrag über den Weg Albert Einsteins zur ART.
    Hochinteressant, kann ich nur sagen.

  11. #11 MartinB
    12. Oktober 2015

    @Hav0k
    “Es würde ja auch niemand vom “polnischen Physiker und Chemiker Marie Curie” reden.”
    Implizit schon. Eine Liste der “bedeutendsten Mathematiker” könnte durchaus Emmy Noether beinhalten, das ist ja die Crux mit dem “generischen” Genus.
    Weitere Diskussionen zum Thema bitte beim entsprechenden Blogartikel unterbringen.

  12. #12 Methadir
    12. Oktober 2015

    @MartinB
    Das ist aber nicht der Punkt. EXPLIZIT wird das generische Mskulinum so nicht verwendet.
    Ich habe tatsächlich auch bis zu den Kommentaren gedacht, da sei tatsächlich eine Frau beschäftigt. So gerne ich das jetzt als Beweis für den Punkt verstehen würde, dass das generisches Maskulinum der Wahrnehmung von Frauen schadet, ist das keiner – weil das genrische Maskulinum so eben auch nicht verwendet wird, sondern eigentlich NUR bei der Bezeichnung von (potentiell) gemischten Gruppen.
    Um ehrlich zu sein, bin ich in der Hinsicht ein bisschen enttäuscht. Man stolpert sich ob guter Inhalte und guten Willens in der Geschlechterdebatte schon lange durch dieses eigentümliche Stilmerkmal und stellt nun fest, dass Dir doch ein bisschen das sprachliche Feingefühl zu fehlen scheint, um das tatsächliche geschlechtersprachliche Problem richtig zu erkennen …

    Davon abgesehen schadet es hier auch noch Deiner Sache, weil Leute, an die man diesen Beitrag weiterleitet und die das Blog sonst nicht kennen, direkt antworten “‘Astrophysikerin Arthur Eddington’? Und der Bäker redet über Genauigkeit?”

  13. #13 MartinB
    12. Oktober 2015

    @Methadir
    “weil das genrische Maskulinum so eben auch nicht verwendet wird, sondern eigentlich NUR bei der Bezeichnung von (potentiell) gemischten Gruppen.”
    Das ist mir überrraschenderweise bekannt (oder auch nicht, es gab bei den entsprechenden Debatten durchaus Leute, die gesagt haben, man würde selbstverständlich Emmy Noether als “Mathematiker” bezeichnen, es sei denn,d as geschlecht sei im Kontext gerade wichtig. Ganz so klar ist das wohl doch nicht).
    Warum ich durchweg feminine Formen verwende (und damit mehr tue als nur den status quo umzudrehen), habe ich glaube ich ausführlich erklärt – und außer “fehlendes feingefühl” hast du gerade kein echtes Argument gebracht, oder?

    Aber den Link auf den erklärenden Artikel hätte ich vielleicht einbauen sollen, hole ich hiermit nach:

    @alle
    Falls jemand, der den Blog nicht kennt, sich hierher verirrt, und sich über die ausschließliche Verwendung weiblicher Formen wundert, guckt ihr hier:
    http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2015/03/26/das-generische-femininum/

    Weitere Diskussionen gehören dann aber wirklich dorthin.

  14. #14 volker
    Waakirchen
    12. Oktober 2015

    Na schön, den Kollegen Harald Lesch mal so richtig in die Pfanne gehauen. Von mir aus.
    Muss allerdings zugeben, dass “Wissenschaftler”, die nach meinem Geschmack allzusehr der Faszination von Publizität und Mammon erliegen, mir schon immer suspekt waren.
    Ich würde mich im Augenblick mal mehr interessieren für den Zusammenhang “Neutrinos haben Masse, weil sie oszillieren können, und wie viele gibt es vermutlich im Universum davon”.
    Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Von mir aus auch Neutrinas, wenn’s unbedingt sein muss. Ist da mal was geplant?

  15. #15 MartinB
    12. Oktober 2015

    @volker
    Was ie Neutrinos angeht – ich glaube, das wird im Moment quasi überall erklärt; eigentlich schreibe ich nur über die Nobelpreise, wenn mir die üblichen tagesaktuellen Erklärungen komisch oder unverständlich erscheinen (so wie bei Higgs oder bei Haroche).

    “Von mir aus auch Neutrinas,”
    Ich lache bei Gelegenheit (slow clap…)

  16. #16 BreitSide
    Beim Deich
    12. Oktober 2015

    Upps, wieder was gelernt ;-( Ich hatte die Sendung nur so nebenbei angeschaut und war über die Ungereimtheiten einfach weggegangen. Hätte mich stutzig machen müssen. Keine Lust zum Denken…

  17. #17 schorsch
    12. Oktober 2015

    @Volker Ich glaube nicht, dass H. Lesch der “Faszination von Publizität und Mammon” erlegen ist – er dürfte es nur sehr schwer haben, einen Sender zu finden, der heute noch bereit ist, mit so sparsamen Mitteln zu arbeiten, wie weiland BR alpha mit “Alpha Centauri”.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass H. Lesch jeden Tag überlegt, ob er sich diesen Scheiss noch länger antut, oder ob er nicht lieber das Feld räumt und die “Wissenschaftsvermittlung” im Fernsehen Krakeelern wie Aiman Abdallah und Stefan Gödde bzw. den in den öffentlich rechtlichen Sendern notorischen Schamanen überlässt.

    Auf der anderen Seite fragt man sich, wer noch irgendwelchen Gewinn aus Sendungen wie Terra X ziehen soll. Im Kinderprogramm mag solch ein Gedudel, Gefasel und Geraune immerhin eine (wenn auch völlig fehlgerichtete) Faszination für die Wissenschaft erwecken – aber letztlich sind solche Sendungen nichts weiter als eine auch von H. Lesch früher vielbeklagte Kapitulation vor der selbstverschuldeten Unmündigkeit des deutschen Fernsehzuschauers.

  18. #18 MartinB
    12. Oktober 2015

    @schorsch
    Lustigerweise ist gerade das kinderprogramm in vieler Hinsicht seriöser, z.B. Wissen macht Ah oder pur+ im Kika – da wird nur selten Blödsinn erzählt (manchmal werden Dinge vereinfacht, aber nur selten unzulässig stark).

  19. #19 Gerald Fix
    12. Oktober 2015

    Es gibt einen Film, Einstein and Eddington – der Link führt zur IMDB -, in dem Eddingtons Lebenswerk darauf reduziert wurde, dass er Einsteins Theorien in England zum Durchbruch verhalf. Eddington sei, so der Film, unter starkem Druck deutschfeindlicher Kollegen gestanden. Diese hätten auch seine Ablösung als Leiter des Observatoriums Cambridge betrieben.

    Den mit 7,4 Sternen freundlich eingestuften Film kann man in Deutschland ab und zu mal im Sky-Kanal Atlantic sehen. (Trivia: Eddington war in Wirklichkeit natürlich Dr. Who, wie man am Schauspieler erkennen kann :-)

  20. #20 BreitSide
    Beim Deich
    12. Oktober 2015

    In welcher Zeit war das? Wie war damals das allgemeine Verhältnis D-UK?

  21. #21 Gerald Fix
    12. Oktober 2015

    @ BreitSide
    War ich gemeint? Der Film spielt hauptsächlich in der Zeit bis 1919 (Eddingtons Sonnenfinsternis-Expedition), und nun ja, der 1.Weltkrieg war noch nicht lange vorbei. In dem Film wird – wenn ich mich recht erinnere – der Hauptgegner Eddingtons zitiert, sein Sohn sei in Frankreich begraben.

  22. #22 BreitSide
    Beim Deich
    12. Oktober 2015

    Ja, danke, das hatte ich gemeint :-)

  23. #23 Christian
    12. Oktober 2015

    Mich kotzt das auch an: Ich lese “Astrophysikerin Eddington” und denke, das ist eine Frau…

    Generisches Maskulinum ist für den Plural gedacht; wach auf, Meister!

  24. #24 Krypto
    12. Oktober 2015
  25. #25 schorsch
    12. Oktober 2015

    @Christian: Du hast aber eine seltsame Kotzschwelle. Echte Männer kotzen wegen zuviel gesoffen.

    Schwuchtel!

  26. #26 Friedhelm
    12. Oktober 2015

    “Hallo? Seit wann setzt man in der Wissenschaft die Karriere aufs Spiel, wenn man eine Theorie überprüft – egal ob die sich hinterher als richtig oder falsch herausstellt?”

    Jaja, der Wissenschaft, erhaben über jeglicher Zweifel, stärker als die perfideste menschliche Makel.

    Und manche, wie die große Alfred Wegener, sind auch schon zu Lebzeiten von allen Artgenossen begeistert für ihre ketzerischen Ideen bejubelt worden, ja sie wurde geradezu zum Empfang der höchsten weihen und Aufnahme in die heiligen Hallen des Elfenbeinturms gedrängt.

    Frau, Frau, Frau MartinB. So romantisch systemverliebt kennt man dich ja sonst auch nicht!

  27. #27 MartinB
    13. Oktober 2015

    @schorsch
    “Schwuchtel” als Beleidigung ist jenseits *meiner* persönlichen Kotzschwelle – die sexuelle Orientierung eines Menschen ist nichts, was man als Herabsetzung verwenden sollte. Ich lasse es diesmal stehen (um zu erklären, warum), nächstes Mal fliegt so ein Kommentar raus.

    @Friedhelm
    “Jaja, der Wissenschaft, erhaben über jeglicher Zweifel, stärker als die perfideste menschliche Makel.”
    Wüsste gern, wo ich das geschrieben habe. Aber ich hätte gern ein historisches Beispiel, wo jemand eine Theorie, die in der Fachwelt ernsthaft diskutiert wird, überprüft, und dadurch die Karriere aufs Spiel setzt.

  28. #28 roel
    *****
    13. Oktober 2015

    2 Links um die Beziehung Einsteins zu Eddington und zur Royal Astronomical Society zu verstehen:

    https://archive.org/stream/reportontherelat028829mbp#page/n1/mode/2up

    http://articles.adsabs.harvard.edu/full/seri/QJRAS/0020//0000251.000.html

  29. #29 Dwon
    13. Oktober 2015

    Sätze wie “Die englische Astrophysikerin Arthur Eddington” kann ich normal lesen, weil ich die Berufsbezeichnung neutral auffasse. Die weibliche Form in ihrem Blog hat mich nur beim ersten Mal überlegen lassen ob sie damit etwas bezwecken wollen.
    Allerdings spricht der (Beispiel-) Satz “dass die junge Eddington ihre Karriere daran hängt” so was von eindeutig von einer Frau, dass das Chaos nicht mehr lesbar für mich ist.

  30. #30 verwundert
    Berlin
    13. Oktober 2015

    @Dwon
    “die weibliche Form […]hat mich nur beim ersten Mal überlegen lassen”

    Na ist doch toll… wenn da nur drei Leute nochmal drüber nachdenken, egal mit welchem Ergebnis, dann ist schon was erreicht. Allein schon dafür geht mein Dank an den Blogger. Wieder drei Leute zum Nachdenken bewegt

  31. #31 Friedhelm
    13. Oktober 2015

    @MB: “Wüsste gern, wo ich das geschrieben habe. Aber ich hätte gern ein historisches Beispiel, wo jemand eine Theorie, die in der Fachwelt ernsthaft diskutiert wird, überprüft, und dadurch die Karriere aufs Spiel setzt.”

    Nun, in der Tat ist deine Aussage sehr spezifisch (“ernsthaft diskutierte Theorie überprüfen”). Und Wegener hat nicht ihre Karriere auf’s Spiel” gesetzt, sondern wurde nur heftigst kritisiert und ignoriert. Da mir gerade kein besserer Falle einfällt, nehme ich meinerseits meine Aussage zurück.

  32. #32 MartinB
    14. Oktober 2015

    @Friedhelm
    Bei Wegener muss man auch bedenken, dass es damals keinen Mechanismus gab, der die Verschiebung hätte erklären können und dass Wegener selbst einen Mechanismus propagierte, der offensichtlich falsch war, siehe
    https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Wegener#Ursache_der_Kontinentalverschiebung

  33. #33 Artur57
    16. Oktober 2015

    @roel

    Man sieht hier schon, wie Eddington mit den damaligen Vorurteilen zu kämpfen hatte. Eben war der Erste Weltkrieg zu Ende gegangen und beide Seiten betrachteten sich als “Erbfeinde”. Eine Einstellung, die den nächsten Krieg schon vorprogrammiert. Eddington wusste, dass er viele Gegner hat, wenn er mit Einstein ein Projekt beginnt. Er tat es trotzdem, was wohl ein Zeichen der Aussöhnung und Völkerfreundschaft setzen sollte.

    Von diesem Eddington gäbe es noch eine nette Episode, die dem ZDF natürlich entgangen ist. Er wollte unbedingt das Rätsel der 137 lösen, das ist die dimensionslose Feinstrukturkonstante. Später meinte Richard Feynmann, jede Physikerin sollte sich diese Zahl an die Tür hängen und überlegen, was sie bedeutet. Eddington nun hatte eine supi Theorie, aber dazu hätte die Konstante 136 und nicht 137 betragen müssen. Er hat dann viel Zeit damit verbracht, zu begründen, warum er hier eine Eins addieren darf, ohne die Theorie zu beschädigen. Was ihm den Spitznamen Arthur Adding-One einbrachte.

    Ja früher war ein richtiger Kult um die 137, hingegen heute scheint das Interesse nahe Null zu sein. Richtig, es ist vom Odium des Altbackenen umgeben, wer sich daran versucht. Aber ich glaube nicht, dass sich Martin von so etwas erschrecken lässt. Wäre das nicht mal ein Thema?

    Ja, das war nun mein erstes generisches Femininum, zunächst einmal nur hingeschrieben. Es wirkt – um einen ersten Eindruck zu beschreiben – erfrischend. Lässt sich das noch steigern, wenn man es abschickt? Mal sehen.

  34. #34 MartinB
    16. Oktober 2015

    @Artur57
    Naja, zur 137 gibt es wenig zu sagen:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Eddington_number
    Feyman bezog sich nicht direkt auf die Numerologie von Eddington, sondern darauf, dass wir eben heute keine Ahnung haben, was in der Natur die Stärke der Kopplungskonstanten bestimmt (außer die String-Landschafts-leute, die wissen,d ass das Zufall aus 1e15ß0 Möglichkeiten ist)…

  35. #35 Zhar
    16. Oktober 2015

    auch, die olle 137! Jeder weiß doch, dass es ein Tippfehler von Gott war der eigentlich 1337 schreiben wollte..
    Aber gut dass ich nochmal nacgeschaut habe, war bislang wirklich davon ausgegangen es sei exakt 1/137, tja so ist das, aber es sieht jetzt nicht danach aus, als würde sich keiner mehr damit beschäftigen. Und die Eddington Nummer ist – skurril.. “Other physicists did not adopt this conjecture and did not accept his argument.” was mich nicht verwundert..

  36. #36 Artur57
    17. Oktober 2015

    @Zhar

    Ja, die olle 137. Ich wusste, dass jetzt das Odium des Altbackenen mir zufällt. Na ja, vielleicht sogar zutreffend.

    Die Feinstrukturkonstante hängt mit der Elementarladung e und dem reduzierten Planckschen Wirkungsquantum h zusammen über die Lichtgeschwindigkeit c und die elektrische Feldkonstante epsilon zusammen und trrotzdem ist sie dimensionslos. Ich verstehe die frühen Physiker schon, dass sie dem eine Bedeutung zumessen wollten. Nur hat man diese bislang nicht gefunden. Entweder, weil es wirklich keine besondere Bedeutung hat, oder aber, weil wir nicht in der Lage waren, sie zu erkennen. Es schmerzt irgendwie schon.

    Kollege Eddington lag mit seiner These wohl daneben, da sind wir uns wohl einig. Und von den Stringpropheten wird wohl auch nicht viel kommen. Schade eigentlich.

  37. #37 MartinB
    17. Oktober 2015

    @Artur57
    Die Bedeutung der Feinstrukturkonstante ist doch eigentlich klar – letztlich ist es die dimensioslose Schreibweise der Kopplungskonstante zwischen Elektronen und Photonen.

    Was wir nicht haben, ist ein Weg, die irgendwie vorherzusagen.

  38. #38 Physik-Fan
    29. Oktober 2015

    Martin, Du hast völlig recht mit Deiner Kritik! Ich habe es beim Betrachten der Sendung genauso empfunden und war entsetzt, wie verzerrt die Geschichte wiedergegeben wurde. Es kam so heraus, als ob Eddington der Treiber bei der ART gewesen wäre und Einstein nur derjenige, der’s ausgerechnet hat. Das ist grotesk! Es war bestimmt eine englische Filmproduktion und man kann ja verstehen, dass man sich in England die Sache gerne etwas zurechtbiegt. Es war damals ein Schock für sie, dass mit Newton einer ihrer Nationalheiligen vom Thron gestoßen wurde (was ja nicht wirklich der Fall war). Aber muss man in unserem TV diese Geschichtsklittung so einfach durchlassen? Die weitaus meisten Zuseher dürften nicht gewusst haben, wie es sich wirklich verhalten hat. Das war ganz schwach von Lesch. Er muss es besser wissen.

    Einstein mag in der englischen Öffentlichkeit und in manchen wissenschaftl. Kreisen unbekannt gewesen sein, aber in der Physikwelt war er um 1918 herum das gar nicht, i.G. er galt als die neue Größe schlechthin, als der Hoffnungsträger für die Entwicklung der Physik. Einstein war es auch längst klar, eigentl. von Anfang an, dass es zwei Nagelproben für die ART gibt, nämlich die Periheldrehung des Merkur und die Lichtablenkung am Sonnenrand. Er gewann den Berliner Astronomen Freundlich dafür, sich der Sache anzunehmen. Freundlich unternahm bereits 1914 (!) eine Expedition nach Russland zu einer Sonnenfinsternis. Zu Messungen kam er aber nicht. Der 1. WK war ausgebrochen und man verdächtigte ihn, ein Spion zu sein und setzte ihn fest. Wer weiß, vielleicht hätte er ohne das, die Lichtablenkung nachgewiesen. So gesehen war sein Pech das Glück Eddingtons. Und wenn Eddington keinen Erfolg gehabt hätte, wäre sicher nicht viel Zeit vergangen, bis jemand es geschafft hätte. Eddington war nicht unwichtig für die ART, als ein glühender Verfechter von ihr, aber seine Rolle war bei weitem nicht so zentral, wie es herauskommt. Es gab damals bereits Meister der ART, wie Weyl und der junge Pauli. Weyl hatte eine Erweiterung auf den Elektromagnetismus entwickelt, in der der bahnbrechende Gedanke der Eichsymmetrie eingeführt wird. Das war wirklich von großer Bedeutung für die Entwicklung der Physik.

  39. #39 MartinB
    29. Oktober 2015

    @Physik-Fan
    Die Geschichte mit Freundlich kannte ich nicht (oder habe sie wieder vergessen), danke.

    Und ja, Weyls Erweiterung ist cool (nett erklärt bei Penrose)

  40. #40 Bjoern
    29. Oktober 2015

    @Physik-Fan, @MartinB: Gibt’s zu der Arbeit von Weyl zu Eichsymmetrien gute Literatur? Gerne auch ein Link zur Originalarbeit.

    In den meisten Physik-Vorlesungen (vor allem in der theoretischen Physik) erfährt man für meinen Geschmack viel zu wenig darüber, von wem und aus welchen Zeiten die zentralen Ideen eigentlich stammen.

  41. #41 MartinB
    29. Oktober 2015

    @Bjoern
    Wie gesagt, ich habe das nur bei Penrose gelesen, wenn ich mich recht entsinne.

  42. #42 Bjoern
    29. Oktober 2015

    @MartinB: Wo denn bei Penrose? (Buch, Artikel, …?)

  43. #43 MartinB
    29. Oktober 2015

    Achso , ich dachte, wenn man “Penrose” sagt, versteht jeder sofort “road to reality” 😉

  44. #44 Niels
    29. Oktober 2015

    Er gewann den Berliner Astronomen Freundlich dafür, sich der Sache anzunehmen. Freundlich unternahm bereits 1914 (!) eine Expedition nach Russland zu einer Sonnenfinsternis. Zu Messungen kam er aber nicht.

    Das war aber vielleicht gar nicht so schlecht. Einstein sagte damals nämlich nur die Hälfte der tatsächlichen Lichtablenkung voraus.
    Er nahm für die Metrik in der newtonsche Näherung nämlich noch
    g = diag [ -(1+2*Phi/c^2), 1, 1, 1] an.
    Richtig ist aber
    g = diag [ -(1+2*Phi/c^2), (1-2*Phi/c^2), (1-2*Phi/c^2), (1-2*Phi/c^2)]

    Phi ist das newtonsche Gravitationspotential.

    Wer weiß, ob er in die richtige Richtung weiter gedacht hätte, falls sein erster Ansatz experimentell wiederlegt worden wäre.

  45. #45 Niels
    29. Oktober 2015

    @Bjoern
    Der deutsche Wiki-Artikel zur Eichtheorie führt als Literatur

    J. D. Jackson, L. B. Okun: Historical roots of gauge invariance.
    http://xxx.lanl.gov/abs/hep-ph/0012061

    und

    H. Weyl: Eine neue Erweiterung der Relativitätstheorie. In: Annalen der Physik. 59, 1919, S. 101–133

    auf.

  46. #46 Niels
    29. Oktober 2015

    Sorry, die richtige Originalarbeit von Weyl dazu ist vielmehr

    H. Weyl: Elektron und Gravitation. In: Z. f. Physik. Band 56, 1929, S. 330–352 (Gravitation and the electron. In: Proc. Nat. Acad. Sci. 15, 1929, S. 323–334).

  47. #47 Physik-Fan
    29. Oktober 2015

    @Bjoern
    @Physik-Fan, @MartinB: Gibt’s zu der Arbeit von Weyl zu Eichsymmetrien gute Literatur? Gerne auch ein Link zur Originalarbeit.

    Die direkten Arbeiten dazu kenne ich nicht, nur in verschieden Quellen Informationen dazu, z.B. in Einstein-Biographien. In “Jenseits der Nanowelt” von Dosch (Springer) wird in Kap. 5.1 die Eichsymmetrie erläutert. Es geht in dem Buch zwar um die Teilchenphysik/QFT, aber in 5.1 beschreibt er zunächst die ursprüngliche Idee von Weyl im Rahmen der ART. Was er nicht sagt ist, warum diese Theorie aufgegeben wurde. Das steht z.B. in “Albert Einstein” von Fölsing (Suhrkamp), Kap. VI 2. Einstein konnte zeigen, dass Raumzeit-Maße vom Weg abhängen, sodass sich z.B. für ein Atom je nach Weg Verschiebungen der Spektrallinien ergeben würden, was nicht beobachtet wird.

  48. #48 Physik-Fan
    29. Oktober 2015

    @Niels
    Das war aber vielleicht gar nicht so schlecht. Einstein sagte damals nämlich nur die Hälfte der tatsächlichen Lichtablenkung voraus.
    Er nahm für die Metrik in der newtonsche Näherung nämlich noch
    g = diag [ -(1+2*Phi/c^2), 1, 1, 1] an.
    Richtig ist aber
    g = diag [ -(1+2*Phi/c^2), (1-2*Phi/c^2), (1-2*Phi/c^2), (1-2*Phi/c^2)]

    Phi ist das newtonsche Gravitationspotential.

    Wer weiß, ob er in die richtige Richtung weiter gedacht hätte, falls sein erster Ansatz experimentell wiederlegt worden wäre.

    Es hätte auch so laufen können, dass er erkannt hätte, dass sein Ansatz, den man Entwurftheorie nennt, nicht stimmt. In die hatte er sich verrannt und erst im November 2015 entschloss er sich, sie aufzugeben und neu nach der Feldgleichung zu suchen.

  49. #49 Bjoern
    29. Oktober 2015

    @Niels, Physik-Fan, Martin: Danke! :-) Mal schauen, was ich davon alles auftreiben kann. 😉

  50. #50 MartinB
    30. Oktober 2015

    @Bjoern
    Na, den Penrose hast du hoffentlich im Bücherschrank. Wenn nicht, gehört der auf den Weihnachtswunschzettel. (Ist zwar an einigen Stellen seeeeehr abgefahren, aber enthält viele echte Perlen.)

  51. #51 MartinB
    6. November 2015

    Nachtrag: Hatte vorhin ein sehr freundliches telefonat mit der Redakteurin vom ZDF, die für’s Skript der Sendung zuständig war und wohl irgendwie auf dem Blog gelandet ist. Ich habe ein bisschen versucht, meine kritik nochmal deutlich zu machen und eingeladen, eine Replik zu verfassen, die ich hier veröffentliche oder verlinke.
    Auf jeden Fall schön und beeindruckend, dass so eine Kritik wahrgenommen und darauf reagiert wird.

  52. #52 Physik-Fan
    9. November 2015

    @MartinB
    Nachtrag: Hatte vorhin ein sehr freundliches telefonat mit der Redakteurin vom ZDF, die für’s Skript der Sendung zuständig war und wohl irgendwie auf dem Blog gelandet ist. Ich habe ein bisschen versucht, meine kritik nochmal deutlich zu machen und eingeladen, eine Replik zu verfassen, die ich hier veröffentliche oder verlinke.
    Auf jeden Fall schön und beeindruckend, dass so eine Kritik wahrgenommen und darauf reagiert wird.

    Ja, wirklich erstaunlich. Es wird wahrgenommen, was hier gesagt wird! Ein Problem war wohl, dass man die Filmchen aus England eingekauft hat und den Text ungeprüft, in direkter Übersetzung durchgelassen hat. Hat Lesch es nicht geprüft? Wenn nicht, welche Rolle spielt er bei der Sendung überhaupt? Macht er nur seine Moderation, ohne die eingespielten Beiträge zu kennen? Kann ja nicht sein.

  53. #53 MartinB
    9. November 2015

    @Physik-Fan
    Nein, das schien mir nicht das problem zu sein. Ich hatte zumindest an einigen Stellen das Gefühl, die redakteurin hatte sich wirklich Mühe mit dem text gegeben und an einigen Stellen einfach nicht gesehen, wie Zuschauerinnen den Text verstehen würden (z.B. Einstand war unbekannt – stimmt für die Öffentlichkeit ja auch). Und manche Dinge sind wohl einfach runtergefallen – Eddington hatte ja in der Tat Probleme wegen der Unterstützung für einstein – lag aber nicht an der Physik, sondern am verhältnis Deutschland-England.