Scienceblogs-Leser “roel” ist ja in den Kommentaren hier sehr aktiv. Deswegen hatte ich ihn auch gebeten, mein neues Buch als Testleser anzuschauen (nochmal vielen Dank dafür!). roel wollte euch gern an seinen Erfahrungen teilhaben lasse, hier sein Bericht:

Dezember 2017, der letzte Monat in einem ereignisreichen Jahr. Private Veränderungen wechselten sich mit beruflichen ab. Im Dezember war soweit alles geregelt, als mich eine Nachricht von Martin Bäker erreichte.

Sie haben Post oder so ähnlich kann man sich das vorstellen. „Ich bin gerade auf der Suche nach ein paar Testlesern“. Ich hatte zwar mitbekommen, dass Martin ein Buch schreibt, auf dem Blog war es sehr ruhig geworden und aus einem seiner Kommentare ging der Grund dafür schon hervor. Das Thema sei die Relativitätstheorie, das Buch bereits zu 90% fertig und er sei jetzt auf der Suche nach “mal ein bisschen Feedback”.

Ich war überrascht. Ich als Testleser. Wo war der Haken? Schließlich gab es früher schon die Namenssuche für einen Radfahrer. Keinen Haken gefunden, das Thema war auch zu echt und ernst. Ich fühlte mich geehrt, als Testleser fungieren zu dürfen.

Aber, ich bin kein Physiker, ich hatte bereits mehrere Anläufe genommen die Relativitätstheorien zu verstehen. Alle sind an der Unverständlichkeit des Geschriebenen gescheitert. Schwere Themen verlangen anscheinend nach schwierigen Erläuterungen. Bisher habe ich fast alles, was Martin in seinem Blog geschrieben hat verstanden, wenn auch mehrmaliges durcharbeiten erforderlich war. Mein Problem ist also nicht das Verständnis, wenn es verständlich erklärt wird. Mein Problem ist vielmehr, dass ich es nachdem ich es verstanden habe nicht mehr brauche bzw. gebrauche. Aber das ist eine andere Sache. Es war auch Martin bewusst, dass ich ein Nicht-Physiker bin.

Gerne sagte ich Martin zu. Ich wollte sehen, wie weit ich in dem Buch ohne Probleme komme. Um es vorweg zu nehmen, Probleme gab es einige, aber der Vorteil eines Testlesers ist, dass er den Autoren fragen kann. Und ich denke es war eine spannende Zeit, in der wir beide etwas gewonnen haben.

Martin schickte mir das Buch als PDF. Das Inhaltsverzeichnis alleine war schon mit 6 Seiten sehr mächtig und ließ meine Bedenken, wie lange ich bei dem Thema mithalten kann, stark wachsen. Es folgte die Einführung und Einleitung. Soweit OK. Das war problemlos. Dann kam eine merkwürdige Begegnung, damit hatte ich nicht gerechnet. Das Buch besteht aus 2 ineinander verflochtenen Teilen. Und einiges erschließt sich erst zum Schluss. Es gibt eine Handlung, Dialoge und Erklärungen.

Zuerst konnte ich nur Eindrücke wiedergeben und ein paar Rechtschreibfehler korrigieren. Das Buch ist ähnlich geschrieben wie der Blog, aber eben nur ähnlich. Ich brauchte etwas Zeit, um damit klarzukommen. Ich las in jeder Pause, in jeder Minute, die ich frei schaufeln konnte. Und mit Hilfe von Rückfragen, verstand ich das Geschriebene. Auf der anderen Seite nahm Martin meine Fragen und Anmerkungen zum Anlass, die Passagen verständlicher zu schreiben, was – so hoffe ich – allen Nicht-PhysikerInnen und angehenden PhysikerInnen helfen wird.

Kapitel 14 kam, ich versuchte verzweifelt mich zu konzentrieren. Es ging einfach nicht, alles war durcheinander: Einstein-Tensor, Weyl-Tensor, Ricci-Tensor, Riemannsche Krümmungstensor, Energie-Impuls-Tensor und nochmal Einstein-Tensor und alles nochmal von vorn. Gerade hatte ich den einen Begriff wieder nachgeschlagen, folgte der nächste und wieder der nächste und zurück zum ersten Begriff. Wie viele Tensoren kann es geben? Ich nannte es Wortjongliererei. Vor meinem geistigen Auge stand Martin und jonglierte mit farbigen Bällen, die mit immer anderen Tensoren beschriftet waren. Keine Chance für mich, zu erkennen welcher Ball wie beschriftet und an welcher Position war. Es folgte, denke ich, der längste und fruchtbarste Dialog. Das Ergebnis war eine völlig neue Tabelle, die Martin entworfen hat und die unheimlich hilfreich ist, die Allgemeine Relativitätstheorie zu verstehen – jedenfalls für mich.


Die folgenden Kapitel waren teils einfach, teils etwas schwerer zu lesen, teilweise hatte ich einen wahren Lese- und Erkenntnisrausch. Es macht einfach Spaß dieses Buch zu lesen. Der technische Anhang ist zurzeit für mich noch eine Herausforderung und ich denke für ambitionierte Physikinteressierte geeignet. Mein Plan ist es, diesen Anhang zu erarbeiten.

Nach 3 Monaten Relativitätstheorie und unzähligen E-Mails war die Testlesezeit zu Ende. Es war anstrengend aber gerade deswegen hat es sehr viel Spaß gemacht. Martin Bäkers „Isaac oder Die Entdeckung der Raumzeit“ zählt für die nächsten Jahre zu meiner Pflichtlektüre. Am 28.03.18 kam die Nachricht: „Fertig“ gefolgt am 30.03.18 vom Beitrag „Geschafft“. Im Dezember 2017 schrieb Martin „Das Ganze ist inzwischen so 90% fertig und soll so im März beim Verlag sein.“ Ob die 90% passten, weiß ich nicht, aber auf jeden Fall, hat der Zeitplan zu 100% gepasst. Im Januar 2019 erschienen zuerst das E-Book und nun auch das Taschenbuch.

Ich hoffe andere kommen ebenfalls in den Genuss, bei ähnlichen Projekten Erfahrungen zu sammeln. Für dieses Buch war ich nicht der einzige Testleser. Anmerkungen und Textänderungen lassen erahnen, dass es nicht nur mir Spaß gemacht hat.

Ich freue mich für alle Leserinnen und jeden Leser von „Isaac oder Die Entdeckung der Raumzeit“, denen dieses Buch den Einstieg in eine spannende physikalische Welt ermöglicht.

PS: Ja, das Jonglierbild ist echt – mit drei Bällen komme ich klar. Martin.

Kommentare (2)

  1. #1 Karl-Heinz
    1. Februar 2019

    @roel

    Danke, dass du als Testleser teilgenommen hast und deine Erfahrungen hier im Blog schilderst. Ich bin schon gespannt, wie es mir als Konsument ergeht, wenn ich das Buch lese. Die Erwartungen sind sehr hoch. Vor allem möchte ich bestimmte abstrakte Dinge verinnerlichen und festigen, also jene Zutaten kennen lernen, die man benötigt um die ART so einigermaßen zu verstehen. Vielleicht teilen auch andere Leser hier ihre Erfahrungen.

  2. #2 roel
    1. Februar 2019

    @Karl-Heinz “Die Erwartungen sind sehr hoch. Vor allem möchte ich bestimmte abstrakte Dinge verinnerlichen und festigen, also jene Zutaten kennen lernen, die man benötigt um die ART so einigermaßen zu verstehen. ”

    Mir hat es sehr geholfen, dass die Entdeckungen aus den Dialogen in den Erklärtexten wieder aufgegriffen werden.