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Virtuelle Welten und das Silo-Problem

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Virtuelle Welten haben einen Nachteil, der als Silo-Problem bekannt ist. Ihre Bildräume sind isoliert. Man kann sie nicht verlassen.
So viele Inseln Secondlife auch immer baut, es bleibt selbst eine Insel, solange die Avatare nicht von einer Welt zur nächsten wechseln können. Das heißt: von einem Unternehmen zum anderen. Bis dahin bleibt jede Welt eine geschlossenes Silo. Das erinnert ein wenig an das Modell der Portale im frühen Internet, die so tun wollten, als bestünde das Web nur aus den Seiten einer Firma.
Nun wird von den allen möglichen Seiten daran gearbeitet, die verschiedenen Räume miteinander zu verbinden oder sie gleich ganz ans Internet anzuschließen. Dann benötigt man keine eigene Software mehr, um eine 3-D Welt zu betreten, sondern das Eingangstor ist dasselbe wie das zum Internet. Geschäftsmodelle wie die von Secondlife hätten sich damit weitgehend erledigt. Es würde eine Bildwelt entstehen, die es erlaubt, von einer 3D-Welt zur anderen zu wechseln, so wie man von einer Website zur nächsten springt.

Interoperabilität zwischen virtuellen Welten ist das Ziel von OpenGrid, einem gemeinsamen Projekt von IBM und Secondlife. Hamilton Linden von
Lindenlab konnte im Juli die erste erfolgreiche Telportation zwischen 3D-Welten verkünden.

This is a historic day for Second Life, and for virtual worlds in general. IBM and Linden Lab have announced that research teams from the two companies successfully teleported avatars from the Second Life Preview Grid into a virtual world running on an OpenSim server, marking the first time an avatar has moved from one virtual world to another. It’s an important first step toward enabling avatars to pass freely between virtual worlds.

Doch das Projekt steht mit dem Rücken zur Wand. Denn eine weit einfachere Lösung gewinnt zusehends an Boden. Gelingt es nämlich, dreidimensionale Welten in normalen Web-Browsern zu erschließen, so werden sie zu einem Teil des Internets, in dem jedes Objekt und jeder Ort seine eigene Adresse erhält. Dann hätten nicht 3d-Welten das Netz geschluckt, sondern umgekehrt. Und an Stelle der mühsamen Teleportation von einem Silo zum anderen könnte die Avatare frei auf dem Bauernhof umherspazieren. Es gibt genügend Webservices, die sich der Aufgabe angenommen haben: die Plattform Vivaty, das Lively Project von Google und die Plattform WebFlock der Firma Electric Sheep.

Erick Schoenfeld hat für Techcrunch Philipp Rosedale, einen der Gründer von LindenLabs zur aufkommenden Konkurrenz befragt. Noch sieht er einen Vorsprung der virtuellen Welten in der Verwaltung der virtuellen Identitäten und ihrer Körperbilder.

It’s just that in a virtual world you can bring your body, you can bring your identity, your capabilities with you in the way you don’t have it in the web.

Doch zur Beweglichkeit zwischen den Welten sieht auch Rosedale keine Alternative.
Entscheidend ist die Frage der Standards, die auch eine Frage der Macht und damit der Geschäftsmodelle ist. Solange die Browser beim Bildaufbau der 3D-Welten nicht gleich gezogen haben, können die Betreiber der Silos auf ihren Vorsprung hoffen. Aber der schmilzt dahin.

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Bild: http://www.electricsheepcompany.com/webflock/