Auf eine aktuelle Forschungsfrage von Helga Gebert antwortet ScienceBlogger Dr. Florian Freistetter:

Eine grobe Überschlagsrechnung, unter der Annahme, dass auf der Erde 7 Milliarden Menschen leben und jeder 100 kg wiegt, ergibt ein Gesamtgewicht der Menschen auf der Erde von 700 Millionen Tonnen.

Das klingt zwar viel – hat aber auf die Bahn der Erde keine relevante Auswirkung. Die Erde selbst wiegt 6000000000000000 Millionen Tonnen! Also 6000 Millionen Millionen Millionen Tonnen! Das Gewicht der Menschen macht nur 0,0000000000001 Prozent der Gesamtmasse aus.


Prinzipiell wirkt sich natürlich jede Massenänderung auf die Bahn der Erde aus. Umlaufzeit und Abstand der Erde von der Sonne hängen von der Masse der Erde ab – aber natürlich auch von der Masse der Sonne!

Die Sonne verliert pro Sekunde 4 Millionen Tonnen durch die Umwandlung von Masse in Energie. Alle 3 Minuten wird dort als das gesamte Gewicht der Menschheit vernichtet.

Der Einfluß, den die Menschen über ihr Gewicht auf die Bahn der Erde haben, ist also so minimal, dass er völlig zu vernachlässigen ist.

Weitere Antworten und Diskussionen sind erwünscht!

 » Dr. Florian Freistetter ist Astronom und bloggt bei Astrodicticum Simplex i-c66df4677014542642eb2fafa2f9d5bd-Florian_Freistetter_45.jpg

Kommentare (11)

  1. #1 Zweifler
    August 20, 2009

    Sehr interessant, aber woher kommt den die Masse, die die Menschheit zusammenbringt?
    Sie wird ja wohl nicht aus dem nichts entstanden sein, sondern aus Masse die in anderer Form auf der Erde schon vorhanden war. Somit machen die Menschen 0% Gewichtsänderung auf der Erde aus, oder liege ich da falsch?

  2. #2 Critique
    August 20, 2009

    Ganz klar, jetzt ist es herraus. Florian beweist in seinem Artikel ganz nebenbei, dass alle Menschen Außerirdische sind. Sonst würde die Masse der Menschen ja aus den Elementen (Feuer, Wasser, Erde, Luft) (!) entnommen, und dort fehlen.

  3. #3 Critique
    August 20, 2009

    Ernsthaft:
    Für die Bahnänderung ist nicht die Masseänderung an sich relevant, sondern die Implus-Änderung. Also mit welcher (relativen) Geschwindigkeit die Masse auf die Erde trifft, und aus welcher Richtung.

    Insofern wäre eine interessantere Frage die nach dem Einfluss der Meteoriten auf Bahn und Drehung der Erde.

  4. #4 Florian Freistetter
    August 20, 2009

    @Zweifler: Ja, das ist natürlich richtig 😉 Aber ich wollte trotzdem nochmal vorrechnen, dass die Menschen angesichts des gesamten Planeten vernachläßigbar sind (was die Masse angeht)

    @Critique: Es gibt ja auch immer das Beispiel mit den Chinesen, die gleichzeitig vom Tisch springen und die Erde zerbrechen. Ist natürlich auch Unsinn. Ich habe aber mal mit einem Prof. für Geodäsie gesprochen, der meinte, die Messungen wären mittlerweile so genau, dass man es merken würde, wenn plötzliche alle Chinesen auf Urlaub nach Tibet fahren würden. Diese Gewichtsverlagerung würde sich geringfügig auf die Rotation auswirken und könnte gemessen werden…

    Die Meteoriten haben einen ebenso geringfügigen Einfluß – sofern die Dinger nicht SEHR groß sind (Zwergplaneten), sind die Bahn/Drehungsänderungen bei der Erde vernachläßigbar gering.

  5. #5 Ludmila
    August 20, 2009

    @Florian: Große chinesische Staudämme haben auch diese Wirkung.

  6. #6 Georg Hoffmann
    August 20, 2009

    Und 2 cm Schnee in Tibet. Mit GRACE kann mann selbst die Regensaison im Amazonas “sehen”.
    http://www.csr.utexas.edu/grace/gallery/gravity/ggm01_americas.html

    El Nino fuehrt zu einer Drehimpuls-Aenderung durch abgeschwaechte Passatwinde, die einen Einfluss auf die Erdumdrehung hat.

    Und schliesslch natuerlich, dass seit 15.000 Jahren andauernde “Aus- respektive Entdehnen” der Erde nach Verschwinden der EIsschilde.

  7. #7 wolfgang
    August 20, 2009

    Und mit der Erderwärmung steigt auch die globale Biomasse, macht die was aus?

  8. #8 Surtur
    August 20, 2009

    Angenommen wir verbreiten die Nachricht, dass es in, sagen wir mal, Frankfurt unbegrenzt Freibier gibt…dann konzentriert sich die gesamte Masse der Menschheit (zumindest die der Männer) in Frankfurt. Würde die Erde dann unregelmäßig eiern?

  9. #9 Stan
    August 21, 2009

    @wolfgang
    Laut Wikipedia (sry, wer eine bessere Quelle hat, möge diese beisteuern) beträgt der Kohlenstoffanteil lebender Organismen Schätzungen zufolge 0,28 Millionen Millionen Tonnen. Geht man nun mal davon aus, dass das durchschnittliche Lebewesen zu 10% aus Kohlenstoff besteht (zum Vergleich: Beim Menschen beträgt der Kohlenstoffmasseanteil 28%. [1]), so wäre der Anteil der Biomasse an der Erde trotzdem nur 0,00000000005 Prozent. Das wären schon Größenordnungen mehr als die Masse der Menschen. Würde man aber beispielsweise eine Ameise auf einen Fußball setzen, würde sie 0,002% seines Gewichtes ausmachen, ohne seine Flugbahn merklich zu beeinträchtigen (basierend auf der Annahme, dass ein Fußball 500g und eine Ameise 10mg wiegt). So gesehen könnte sich die Biomasse getrost vervielfachen ohne einen relevanten Einfluss auf die Erdbahn zu nehmen.
    Außerdem ist es wichtig zu bedenken, dass die Masse ja, wie Zweifler schon erwähnt hat, nicht neu entstehen, sondern sich aus den auf der Erde vorhandenen Elementen zusammensetzen würde. Es fände also höchstens eine Verlagerung der Masse statt. Der Einfluss wäre also weiterhin “völlig zu vernachlässigen”.

    @Surtur
    Nein, sie würde nicht unregelmäßig eiern (zumindest nicht mehr als sonst, wie regelmäßig die Erdrotation ist, weiß ich nicht). Wie Florian in seinem Artikel geschrieben hat, ist die Masse der Menschen so klein, dass sie nicht relevant genug ist, um eine nicht vernachlässigbare Veränderung herbeizuführen. An dem Beispiel mit der Ameise von mir wird das, denke ich, nochmal deutlich.

    [1] http://www.chemie.fu-berlin.de/medi/suppl/mensch.html

  10. #10 Quh.
    August 21, 2009

    @Florian
    Darf ich Fragen mit welchem Geodäsie Prof du gesprochen hast?

  11. #11 florian
    August 21, 2009

    @Quh: Wenn ich mich richtig erinnere, war das Prof. Harald Schuh. Ist aber schon ein paar Jahre her, ich hoffe, ich irre mich nicht…