Der BTK-Killer ermordete mindestens zehn Menschen. 2004 verschickte er ein verschlüsseltes Bekennerschreiben an eine Zeitung. Nach acht erfolglosen Jahren konnte das FBI diese nun lösen.

 

Die neue Ausgabe der Fachzeitschrift Cryptologia ist gestern erschienen. Es ist eine der interessantesten Ausgaben seit langem. Schon der erste Artikel ist aus meiner Sicht sehr bemerkenswert – er stammt nämlich von mir ;-) Ich werde in den nächsten Tagen noch darauf eingehen.

Noch spannender klingt der zweite Artikel. Hier geht es um eine verschlüsselte Nachricht, die der so genannte BTK-Killer  (BTK steht für Bind, Torture, Kill) an eine Zeitung geschickt hatte. Die Existenz dieser Nachricht war mir bis gestern nicht bekannt, sie wurde bisher nur in einigen nichtkryptologischen Quellen erwähnt. Der BTK-Killer ist nicht mit dem in Kryptologenkreisen deutlich bekannteren Zodiac-Killer zu verwechseln, der ebenfalls verschlüsselte Bekennerbriefe verschickt hat.

Immerhin wusste ich bereits vor dem Cryptologia-Artikel, wer der BTK-Killer ist – ich habe nämlich zufällig vor kurzem eine spannende Dokumentation über ihn auf YouTube gesehen. Hier ist sie (die verschlüsselte Nachrichte wird darin nicht erwähnt):

Der BTK-Killer schickte die verschlüsselte Nachricht 2004 an eine Zeitung in Kansas. Ein Jahr später wurde er gefasst. Der brutale Killer, so fand die Polizei heraus, hieß Dennis Rader und war ein scheinbar harmloser Monteur und Präsident einer Kirchengemeinde.

Rader

Die verschlüsselte Nachricht lautet:

GBSOAP7-TNLTRDEITBSFAV14

BTK-cryptogramm

Das Kryptogramm war ein Fall für die FBI-Codeknacker-Einheit CRRU, die Lesern dieses Blogs vielleicht schon bekannt ist. Doch die CRRU, die eine Erfolgsquote von etwa 99 Prozent hat, scheiterte. Nach der Verhaftung befragte man Rader nach dem Kryptogramm. Dieser erinnerte sich zwar an den vermeintlichen Inhalt der Nachricht (LET BEATTY KNOW FOR HIS BOOK), versicherte aber glaubhaft, die genaue Verschlüsselungsmethode vergessen zu haben.

Immerhin wusste Rader noch, dass er eine Abwandlung der Polybius-Chiffre zum Verschlüsseln verwendet hatte. Bei einer solchen verwendet man ein Alphabet mit 25 Buchstaben (meist gilt I=J), das man im Quadrat aufschreibt:

KRYPT
OABCD
EFGHI
LMNQS
UVWXZ

Jeder Buchstabe wird nun über seine Koordinaten angegeben; K=11, R=12, Y=13 , P=14, T=15, O=21 usw.

Bei der CRRU probierte man nun zahlreiche Varianten der Polybius-Chiffre aus, doch der Erfolg blieb aus.

Erst 2012 schaffte man schließlich den Durchbruch: Die CRRU erhielt von den FBI-Kollegen einen Zettel, den man bis dahin nicht in Zusammenhang mit dem Kryptogramm gebrachte hatte. Zu Unrecht, den auf dem Zettel wurde das Verschlüsselungsverfahren erklärt. Es steckte tatsächlich eine Polybius-Chiffre dahinter. Statt I=J hatte Rader J=K gesetzt. Zusammen mit einigen weiteren unüblichen Kniffen hatte dies das Dechiffrieren so sehr erschwert, dass selbst die allmächtige CRRU überfordert war.

Der Klartext, so stellte das nun FBI fest, lautete PJ PIANO LET BEATTIE KNOW. Raders Erinnerung war also nicht ganz exakt gewesen. PJ PIANO ist eine Abkürzung für “Project Piano” – so bezeichnete Rader einen seiner Morde. LET BEATTIE KNOW bezieht sich vermutlich auf einen bestimmten Polizisten, den Rader “Beattie” nannte.

Das BTK-Killer-Kryptogramm ist also ein kurzes Bekennerschreiben. Rader wollte einem Polizisten damit mitteilen, dass er für einen unlängst geschehenen Mord die Verantwortung übernahm.

Neue Erkenntnisse hat die Dechiffrierung des BTK-Killer-Kryptogramms nicht gebracht – aber immerhin ist ein interessantes Rätsel damit gelöst.

Kommentare

  1. #1 G. B. Kawez
    10. Juli 2013

    Ein neuer Höhepunkt der Kryptographie: eine chifferierte Botschaft deren Inhalt bekannt ist, wird als geknackt bezeichnet. MegaLOL.

    • #2 Klaus Schmeh
      13. Juli 2013

      In der modernen Kryptologie wird der Klartext sogar meist als bekannt angenommen.

  2. #3 Mira Belle
    11. Juli 2013

    @ GBKawez, hier gibt es nichts zu megalollen!? Ob Sie sich das vorstellen können oder nicht, aber für die Kryptographie ist nicht allein der Inhalt wichtig. Der Weg, die Technik, die Verschlüsselung ist es ebenso. Und die war eben nicht bekannt – und wurde geknackt.
    Und: Darüber hinaus hat man festgestellt, dass der Inhalt eben NICHT bekannt war, er lautete nämlich anders als angemommen.

  3. [...] Klausis Kryptokolumne featured den BTK-Killer, der Medien und er Polizei verschlüsselte Nachrichten schickte. [...]