IRA-Bar

Die IRA verschickte in den 1920er Jahren Hunderte von verschlüsselten Briefen. Der US-Kryptologe James Gillogly dechiffrierte fast alle davon – aber nur fast.

“Decoding the IRA” heißt ein Buch von Tom Mahon und James Gillogly aus dem Jahr 2008. Die darin erzählte Geschichte nahm 2001 ihren Anfang, als Tom Mahon, ein Historiker, in einem Archiv in Dublin etwa 300 verschlüsselte Texte fand. Diese stammten aus dem Nachlass des irischen Aktivisten Moss Twomey  (1897-1978). Dieser war von 1926 bis 1936 der Anführer der Irish Republican Army (IRA).

Die verschlüsselten Texte stammten aus dem Nachrichtenaustausch zwischen dem IRA-Hauptquartier in Dublin und IRA-Aktivisten auf den Britischen Inseln sowie in den USA. Zudem standen einige inhaftierte IRA-Mitglieder auf diese Weise mit Twomey und seinen Kollegen in Kontakt.

Tom Mahon, der sich für die Lebensgeschichte Twomeys interessierte, hätte die Kryptogramme nur zu gern dechiffriert, doch ihm fehlte das Know-how dazu. Er wandte sich daher an die American Cryptogram Association und stieß über diese auf den Kryptologen James Gillogly. Zwischen den beiden entstand eine fruchtbare Partnerschaft. Gillogly dechiffrierte in der Folgezeit nahezu alle der über 300 Kryptogramme, Mahon wertete die Klartexte aus. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die beiden im besagten Buch “Decoding the IRA”.

Wie Gillogly beim Codeknacken vorging, zeigt die folgende IRA-Nachricht:

AEOOA IIIEO AEAEW LFRRD ELBAP RAEEA EIIIE AAAHO IFMFN COUMA
FSOSG NEGHS YPITT WUSYA ORDOO ERHNQ EEEVR TTRDI SOSDR ISIEE ISUTI
ERRAS TTKAH LFSUG RDLKP UEYDM ERNEO RULDC ERWTE ICNIA T

Gillogly stellte bei der Textanalyse fest, dass das E mit 23 Vorkommnissen eindeutig der häufigste Buchstabe war, gefolgt von A, R und I. Das Q, das B und das V waren dagegen nur sehr selten vertreten. Diese Kennzahlen entsprachen grob denen der englischen Sprache. Gillogly vermutete daher, dass es sich um eine Transpositionschiffre handelte (eine solche ändert die Reihenfolge der Buchstaben). Irritierend war lediglich der hohe Anteil an Vokalen im verschlüsselten Text.

GilloglyFür Transpositionschiffren gibt es verschiedene Lösungsmethoden. Mit einer davon erhielt Gillogly tatsächlich ein plausibles Ergebnis. Bei der Entschlüsselung entstanden Wörter wie ADDRESS, WILL, SEND, STUFF und YOU, die offensichtlich dem Englischen entstammten. Allerdings fanden sich dazwischen immer wieder einzelne Vokale oder Buchstabenkombinationen wie WHIECEH, die keinen Sinn ergaben. Gillogly erkannte sofort, wie dieses Ergebnis zustande gekommen war. Der Verschlüssler hatte an bestimmten Stellen des Klartexts bedeutungslose Vokale eingefügt, die beispielsweise aus WHICH das sinnlose Wort WHIECEH machten. Mit diesem Wissen konnte Gillogly das Kryptogramm knacken. Der Klartext lautete:

THE ADDRESS TO WHICH YOU WILL SEND STUFF FOR QMG IS MRS SWEENEY FRUITERER AND GREENGROCER FIVE HAROLD’S CROSS DUBLIN TRY TO MAKE IT UP TO APPEAR LIKE FRUIT.

Es handelte sich also um die Anweisung an ein IRA-Mitglied, eine Obst- und Gemüsehändlerin in Dublin als Anlaufstelle zu nutzen. Der Absender hatte die Nachricht vermutlich in Zeilen zu je zwölf Buchstaben aufgeschrieben, wobei er die fünfte und die achte Stelle mit bedeutungslosen Vokalen füllte. Anschließend änderte er die Reihenfolge der Spalten, wozu er wahrscheinlich ein Passwort nutzte. Dieses Passwort lässt sich heute nicht mehr ermitteln.

Am Ende konnte Gillogly nahezu alle der über 300 Nachrichten dechiffrieren. Zu den wenigen Ausnahmen gehört das folgende Kryptogramm:

GTHOO RCSNM EOTDE TAEDI NRAHE EBFNS INSGD AILLA YTTSE AOITDE.

Kann jemand dieses Kryptogramm lösen? James Gillogly und viele andere würden sich zweifellos darüber freuen.

 

Kommentare (3)

  1. #1 Alex O
    20. September 2013

    Hat Gillogly auch das Gälische in seine Betrachtungen einbezogen? Mir erscheint es zwar sonderbar, wieso die frühe IRA einen Großteil ihrer Botschaften auf Englisch und nur weniges auf Gälisch verfasst haben soll, das Gegenteil würde mich weniger überraschen, aber denkbar wäre es.

    • #2 Klaus Schmeh
      20. September 2013

      Interessanter Hinweis. Meiner Erinnerung nach steht im Buch “Decoding the IRA” nichts von Gälisch. Vielleicht ist das ja der Schlüssel zur Lösung, auch wenn IRA-Experte Mahon eigentlich daran gedacht haben muss.

  2. #3 Sur3
    Schambala
    24. November 2014

    Ich hab auch spontan an Gälisch denken müssen, zumal mich die Buchstabenhäufigkeit des verschlüsselten Textes mich auch ein wenig an das wenige Gälisch was ich kann erinnert, aber wenn er das nicht berücksichtigt hätte wäre das ja echt krass.. o.O
    Das mit den zusätzlich eingefügten Zeichen und Zeilenlängen erinnert mich ein wenig an den Doppelwürfel, wenn der Text kein vielfaches der Schlüssellänge war hat man ja manchmal mit sinnlosen Zeichen aufgefüllt, vielleicht wurde hier ja ein ähnliches Verfahren verwendet.. ^^