Vor zwei Wochen hielt ich bei der Weltkonferenz für Verschlüsselungsgeschichte einen Vortrag über verschlüsselte Bücher. Inzwischen liegen mir ein paar neue Erkenntnisse zu diesem Thema vor.

Das NSA Cryptologic History Symposium, das vor zwei Wochen stattfand, war ein echter Knaller. Natürlich war es eine Ehre für mich, bei dieser Weltkonferenz für Verschlüsselungsgeschichte mit einem Vortrag vertreten zu sein. Thema: Verschlüsselte Bücher aus den letzten 600 Jahren. Im Vorfeld hatte ich eine Liste von verschlüsselten Büchern zusammengestellt, am Ende umfasste sie 32 Einträge. Wer sich den Vortrag ansehen will, kann es hier tun (leider ist die Tonqualität recht bescheiden, ein guter Lautsprecher ist notwendig). Hier ist Teil 1:

Und hier ist Teil 2:

Mit David Kahn, dem Begründer der Kryptologie-Geschichtsforschung, und Craig Bauer, dem Chefredakteur der Fachzeitschrift Cryptologia, hatte ich zwei der wichtigsten Szenegrößen als Zuhörer (das war keine Selbstverständlichkeit, da es parallel zu meinem noch zwei weitere Vorträge gab). Die beiden sind am Ende des Videos zu sehen, da beide Fragen stellten. Kahn fragte, warum einige der Bücher nicht öffentlich zugänglich sind. Meine Antwort: In einigen Fällen liegt es daran, dass es sich um Tagebücher handelt, deren Inhalt die Nachkommen des Autors nicht veröffentlichen wollen. Bauer fragte, ob ich eine Liste der Bücher auf einer Web-Seite veröffentlichen könnte. Das werde ich bei Gelegenheit tun.

In meinem Vortrag fragte ich, ob jemand im Publikum weitere verschlüsselte Bücher kennt, die noch nicht auf meiner Liste stehen. Tatsächlich war dies der Fall: Der ungarische Historiker Benedek Láng konnte mir zwei verschlüsselte Bücher aus Ungarn nennen:

Hungarian-Books

Cryptologia-Chefredakteur Craig Bauer fragte mich nach dem Vortrag, ob ich einen Artikel über verschlüsselte Bücher für die Cryptologia schreiben könnte. Mehrere Zuhörer schlugen mir außerdem vor, die Liste der verschlüsselten Bücher (“Schmeh-Liste”) dauerhaft zu pflegen und dabei zu erweitern. Das nehme ich mir vor.

Das NSA Cryptologic History Symposium hat also wieder einmal gezeigt, wie wichtig es ist, dass sich Fachleute untereinander austauschen. Außerdem wurde deutlich, dass die Forschung in der Kryptologie-Geschichte immer noch große Lücken aufweist. Dass es bisher noch keine Liste verschlüsselter Bücher gibt, ist nur eine davon. Es gibt noch viel mehr unbearbeitete Themen. Eine Liste davon könnte ich bei Gelegenheit auch einmal zusammenstellen. Sie dürfte länger werden als die “Schmeh-Liste”.

Kommentare (4)

  1. #1 Ilona Bernhardt
    Zörbig
    2. November 2013

    Schwiegermutter hat aus Hitlerszeiten ein Musiknotenbuch, dies ist sehr gut erhalten, was sie gerne verkaufen würde, Haben uns erkundigt, das das Buch sehr wertvoll sein soll. Wir möchten gern wissen ob es wirklich so sei. Wir hoffen das Sie uns helfen können. Mit freundlichen Gruß I.Bernhardt

    • #2 Klaus Schmeh
      12. November 2013

      ICh befürchte, ich kann da nicht helfen. Ich bin Fachmann für historische Verschlüsselungstechnik. Wenn es um ein altes Musiknotenbuch geht, würde ich mich an ein Antiquariat wenden.

  2. #3 KeinAnfang
    http://keinanfang.wordpress.de
    10. Dezember 2013

    Die Schmähliste,
    Verzeihung die Schmeh-Liste hört sich nett an und erzeugt zumindest bei Österreichern für eine gewisse Erheiterung.

    • #4 Klaus Schmeh
      12. Dezember 2013

      >erzeugt zumindest bei Österreichern für eine gewisse Erheiterung.
      Weiß ich. Es ist für mich jedes Mal ein Spaß, wenn mich jemand aus Österreich anruft und ich mich mit “Schmäh” melde.