Wurden gleich zwei Wetten in der Show am vergangenen Samstag mit Betrug gewonnen? Dies ist zumindest denkbar, denn die Kandidaten hatten die Möglichkeit, Steganografie einzusetzen.

Ein Zauberkünstler hat vier umgestülpte Pappbecher vor sich. Unter einen davon hat ein Zuschauer einen Nagel gestellt, dessen Spitze nach oben zeigt. Mit der flachen Hand schlägt der Zauberkünstler drei der Becher platt. Seine Hand bleibt unverletzt, denn der Nagel befindet sich unter dem vierten Becher.

Für dieses beliebte Kunststück benötigt man keine übersinnlichen Fähigkeiten, sondern einen Komplizen im Publikum. Dieser beobachtet, unter welchen Becher der Zuschauer den Nagel stellt, während der Zauberkünstler sich wegdreht. Anschließend signalisiert der Komplize dem Zauberkünstler mit einem einfachen Code (z. B. ein Finger <-> Position 1 von links; zwei Finger <-> Position 2, …), wo sich der Nagel befindet. Den Rest regelt der Zauberkünstler mit etwas Schauspielerei.

Ein solcher Code ist ein Beispiel für Steganografie, also für die versteckte Vermittlung von Informationen. Am vergangenen Samstag gab es in “Wetten dass” gleich zwei Wetten, in denen es möglich war, mit Steganografie zu betrügen.

Akkordeon-Wette

  • Ablauf: Ein Vater spielt ein Stück auf einem Akkordeon, allerdings ohne (musikalischen) Ton. Seine beiden Kinder erraten das gespielte Stück alleine am Klappern der Akkordeontasten und ähnlichen Geräuschen, die das Instrument von sich gibt.
  • Ergebnis: Die beiden Kinder erraten vier von fünf Stücken problemlos. Damit ist die Wette gewonnen.
  • So könnte ein steganografischer Betrug ausgesehen haben: Der Vater hatte zahlreiche Möglichkeiten, einen Code zu nutzen. Schon die Verzögerung zwischen dem Kommando des Moderators und dem Beginn des Spielens könnte einen Hinweis geben. Auch im Klappern lassen sich Nachrichten verstecken.

Zahnputz-Wette

  • Ablauf: Eine junge Frau putzt sich die Zähne und küsst anschließend ihren Freund (Zungenkuss). Dieser errät daraufhin die Zahnpastasorte. Aus 30 Sorten werden vier für die Wette ausgewählt.
  • Ergebnis: Der Freund hat zwar Mühe und ist sich in zwei Fällen nicht sicher. Am Ende errät er aber drei von vier Zahnpastasorten – Wette gewonnen.
  • So könnte ein steganografischer Betrug ausgesehen haben: Da sich die beiden Kandidaten mit der Zunge berühren, ist es lächerlich einfach, einen steganografischen Code zu vereinbaren, mit dem man eine Zahl zwischen 1 und 30 übermitteln kann. Um den Trick anzuwenden, muss man lediglich jeder Zahnpasta eine Nummer zuordnen und auswengig lernen.

Fazit

Wohlgemerkt: Ich behaupte nicht, dass in den beiden Wetten (oder auch nur einer davon) betrogen wurde. Ich behaupte aber, dass es einfach möglich war. Vor allem bei der Zahnputz-Wette war ein möglicher Betrug ziemlich einfach und kaum zu entdecken.

Wetten, bei denen ein Steganografie-Betrug möglich war, gab es bei “Wetten dass” schon öfters. Erhebliche Zweifel an der Ehrlichkeit des Kandidaten wurden vor allem bei der “Stiefel-Wette” im Jahr 2009 laut. Hier ist die Wette (es ging darum, am Geruch zu erkennen, welche Person zuvor einen Stiefel anhatte). “Das stinkt zum Himmel” hieß es anschließend in der Presse. Trotzdem konnte man dem Kandidaten nie einen Betrug nachweisen.

Mehr zum Thema Stegnografie gibt es in meinem Buch Versteckte Botschaften – Die Faszinierende Geschichte der Steganografie.

Kommentare (17)

  1. #1 Jens
    11. November 2013

    Danke für diese Hinweise 🙂 Bei der Zahnpasta-Wette habe ich mich auch gefragt, warum er unbedingt seine Freundin dabei hatte. Er hätte die Paste auch einfach so aus der Tube oder einem anonymen Behälter probieren können.
    SKANDAL !

  2. #2 Svechak
    12. November 2013

    Man hätte die Zahnpasta-Marke vor der Frau verheimlichen können. Wenn sie selbst nicht weiß, mit welcher Marke sie putzt, kann sie auch nichts übermitteln.

  3. #3 rolak
    12. November 2013

    Nagel.. einen Komplizen im Publikum

    Was hat Dich denn ausgerechnet zu diesem Beispiel angeregt, Klaus? Wie im jüngsten Beitrag der Fernsehkririk (schönen Dank dorthin!) unmißverständlich zu erkennen ist, kann die Nummer auch im Soloflug durchgezogen werden – ohne daß sie dadurch auch nur einen Deut besser würde.

    Aber generell: Unter Steganographie verstand ich bisher das Verstecken einer geheimen Nachricht im Rahmen einer möglichst offensichtlichen Nachrichten-Übermittlung – und letzteres scheint bei Tricks eher ungewünscht zu sein, da doch der Tatbestand ‘überhaupt keine Möglichkeit, Information zu übermitteln’ vorgetäuscht werden soll. Doch ich lasse mich gerne weiterbilden…

    Beim Akkordeon sollte das Übermitteln einer speziellen Nachricht unnötig sein, da nach Ausschalten der normalen Klangerzeugung die Gesamtinformation zwar reduziert, aber bei weitem nicht komplett uterdrückt ist.. Aus eigener Erfahrung: Eine damals recht gute Freundin war nicht schlecht erstaunt, als ich sie an der Tür mit ‘Na, wieder die blöde Stelle im Schostakowitsch?’ empfing. Denn trotz ein Stockwerk höher und des Tonwolfs war es einfach zu erkennen gewesen – am rhythmischen Tappen der Füße. So eine Leistung scheint das Hirn bei andauerndem Zuhören automagisch zu vollbringen.

    Aus 30 Sorten

    Da kann ja sogar ich noch als Rate-Tier mitmachen: Es sind erst 5 meiner Zähne entfernt worden 😉 Ganz abgesehen davon, daß das Zeug tatsächlich unterschiedlich schmeckt. Doch angesichts des Standbildes beim eingebundenen clip: Schleichwerbung kann das aber nicht mehr genannt werden, oder?

    • #4 Klaus Schmeh
      12. November 2013

      >Was hat Dich denn ausgerechnet zu diesem Beispiel angeregt, Klaus?
      DieseR Trick ist mir eingefallen, weil ich ihn selbst schon vorgeführt habe. Allerdings war es bei mir keine Nagel, sondern nur eine (ungefährliche) Murmel. Ich weiß, dass es auch Varianten gibt, die ohne Komplizen funktionieren.

      >Aber generell: Unter Steganographie verstand ich bisher das Verstecken einer geheimen Nachricht
      >im Rahmen einer möglichst offensichtlichen Nachrichten-Übermittlung
      Steganografie ist generell die versteckte Kommunikation. Diese muss nicht notwendigerweise im Rahmen einer offensichtlichen Nachrichtenübertragung erfolgen.

      • #5 rolak
        12. November 2013

        nicht notwendigerweise

        Ok, thx.

      • #6 rolak
        12. November 2013

        oops, vergessen – die Frage mit der Anregung bezog sich nur auf die Koinzidenz, nicht mehr…

  4. #7 Uwe
    12. November 2013

    @rolak: Wenn man aber nicht fähig ist, klappt der Nagel-Trick aber nicht immer, wie dieses Filmstück, eine Live-Aufnahme von Center.TV bei 03:00 eindrucksvoll zeigt: https://www.youtube.com/watch?v=nuWEvXxMMZk (nichts für schwache Nerven)

    • #8 Klaus Schmeh
      12. November 2013

      Hier gibt es noch ein Video. Allerdings funktioniert der Trick hierbei etwas anders. Dennoch ist Steganografie im Spiel.

    • #9 rolak
      12. November 2013

      Na da hat er ja Schwein gehabt, Uwe, daß nur ein Nagel, nicht so eine martialische Klinge im Spiel bzw Becher war. Obgleich, wie mir von dunnemals beim Spielen auf der Baustelle und nicht Hand sondern Fuß schmerzhaft erinnerlich ist, daß das auch mit einem Nagel nicht gerade in Richtung Wellness geht.

  5. #10 Uwe
    12. November 2013

    @Klaus: Das ist sogar die sicherere Variante, finde ich.
    @rolak: Ja, das wäre echt fies gewesen.
    PS: Wie erreicht ihr eigentlich die Einrückung beim Antworten auf Kommentare?

    • #11 rolak
      12. November 2013

      Wie erreicht ihr

      Nicht daß ich Klaus’ Geheimnis kennen würde, doch vermutlich hat er als lokal allmächtiger Eigner einen extra-button im WP-Verwaltungs-Fenster.
      Nun zu mir und meinesgleichen: Einerseits gibt es die Möglichkeit, vermittels eines Kommentares einen thread ‘zu abonnieren’, siehe unten bei

      Benachrichtige mich über nachfolgende Kommentare via E-Mail.

      und in den dann hereintrudelnden mails auf [Antwort] zu klicken (thx BreitSide), andererseits war damit klar, daß die Möglichkeit prinzipiell besteht, was nach einigem Probieren zu einem GreaseMonkey-Skriptchen führte, das ich zwar weder für ausgereift noch nutzerfreundlich halte, aber immerhin das Erscheinungsbild der Kommentare passend anpaßt:. Wie leicht zu erkennen ist, sind zwei der drei Erweiterungen mittlerweile obsolet geworden…

  6. #12 Barton Fink
    12. November 2013

    Also bei der Harmonikawette war’s ja wohl klar und nicht versteckt!
    Der Vater hat ja die Lieder so auf die Knöpfe geklopft, dass man sich hier wohl eindeutige Rhythmen aus den paar CDs vom Gabalier merken kann.
    Man sieht ja auch den Unterschied des Stakkato-Geklopfes zum eigentlichen Lied ja sofort als der Gabalier gespielt hat – ganz anderes Tempo der Hände, des Drückens – leichte Wette!

  7. #13 peer
    12. November 2013

    Ich erinnere mich an eine Bierwette (Bier am Geglucker erkennen), bei dem es nur 25 Sorten (oder so) waren. Die beiden waren zu zweit, ein dritter Komplize schüttelte immer das Bier aus der Flasche. Er musste es immer wiederholen (also nochmal kippen), bevor die beiden Geraten haben. Der dritte sagte mal “Achtung”, Manchmal “Jetzt!”, manchmal nichts (und manchmal bestimmt nochwas, was ich nicht mehr weiß). Ich fand das damals schon recht klar, dass da ein Code im Spiel war.

  8. #14 Heino
    13. November 2013

    http://www.youtube.com/watch?v=MEhqHtavpqQ

    Das Superhirn bei Wetten Dass, das auch jemand, der fehlende Instrumente heraushören konnte. Durch einen Code

    🙂

  9. #15 na ujnd
    13. November 2013

    @rolak

    Nun zu mir und meinesgleichen …

    Was für ein Schwachsinn! Sinnfreies Geschwafel!

    • #16 rolak
      13. November 2013

      Sollte etwa so etwas wie Stalken eingetreten sein, á la dort ff? Falls ja: Schönen Dank für die freiwillige Öffnung des nächsten Levels, na ujnd!

  10. #17 weyoun
    13. November 2013

    Das mit dem nagel geht auch nach hinten los