Eine Mini-Enigma für unter 1.000 Dollar. Das ist das Ziel des Open Enigma Project. Wer etwas Geld übrig hat, kann es per Crowdfunding unterstützen.

Auf dem Crowdfunding-Portal Kickstarter wird derzeit ein interessantes Projekt vorgestellt: Zwei nordamerikanische Jungunternehmer suchen Geldgeber, um einen Simulator der legendären Verschlüsselungsmaschine Enigma bauen zu können. Die Idee dieses “Open Enigma Project”: Für einen Preis von unter 1.000 US-Dollar sollen Enigma-Repliken am Markt angeboten werden, die mit eingebauter Elektronik alle bekannten Enigma-Varianten simulieren können. Eine solche Enigma-Replik ist eine kostengünstige Alternative zu einer Original-Enigma, für die man derzeit 70.000 Euro oder mehr auf den Tisch blättern muss. Auf der Kickstarter-Seite heißt es:

Imagine having this iconic device on your desk: You can use it to simply display a scrolling marquee of any text message on its unique LED screen or encrypt/decrypt any information you wish using (still today) a very secure key.

Außerdem findet sich auf der Web-Seite der Hinweis, dass die beiden Unternehmer auf dem Charlotte Cryptologic Symposium vertreten sind. Das traf sich gut, denn genau diese Veranstaltung habe ich letzte Woche besucht. Und tatsächlich habe ich dort die beiden Köpfe hinter dem Open Enigma Project kennen gelernt. Sie heißen Marc Tessier und James Sanderson. Marc (links auf dem Foto) ist Franko-Kanadier, James US-Amerikaner mit Deutschland-Erfahrung (er war als Soldat in Schweinfurt stationiert).

Enigma-Kickstarter

Das Open Enigma Projekt ist nicht das erste, das Enigma-Nachbauten zum Inhalt hat. Es ist laut Marc und James aber das erste, bei dem auf dem verwendeten Chip eine Open-Source-Software zum Einsatz kommt. Wer ein solches Gerät kauft, kann also nach Belieben weitere Enigma-Varianten und andere Verschlüsselungsverfahren implementieren.

Man kann das Open Enigma-Project mit verschiedenen Summen zwischen 5 und 900 US-Dollar unterstützen. Für 5 Dollar erhält man beispielsweise als Gegenleistung regelmäßig Informationen über das Projekt zugeschickt. Für 25 Dollar gibt es ein Open-Enigma-T-Shirt, für 900 Dollar eine Luxus-Ausführung der Enigma-Replik, sobald diese lieferbar ist. Die Zahl der geplanten Repliken ist auf 100 limitiert. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels haben Marc und James 148 Investoren gefunden, die insgesamt 39.537 Dollar zur Verfügung stellen (bei 11 verbleibenden Tagen):

Enigma-Kickstarter-Numbers

Wer also ein interessantes Projekt unterstützen oder sich eine von 100 limitierten Enigma-Repliken sichern will, sollte zuschlagen.
Banner-Codecracker
Das Charlotte Cryptologic Symposium war übrigens auch sonst eine tolle Veranstaltung. Es gab zahlreiche Vorträge rund um die Enigma und andere Verschlüsselungsmaschinen. Außerdem hatten mehrere Sammler eine Auswahl ihrer kryptologischen Schätze mitgebracht. Ich werde in den nächsten Tagen noch darüber berichten.

Kommentare (5)

  1. #1 Jörg
    Berlin
    24. März 2014

    Das niederländische Cryptomuseum verkauft sehr preiswert eine elektronische Replik:
    http://www.cryptomuseum.com/crypto/enigma/index.htm#replica

    Jörg

  2. #2 nautilu
    25. März 2014

    Enigma-Simulatoren gibt es doch schon Dutzende im Netz, und das gratis.

    • #3 Klaus Schmeh
      25. März 2014

      Stimmt, aber hier geht es nicht um eine Software, sondern um eine Maschine. Die Idee einer Enigma-Replik ist zwar auch nicht ganz neu (wie im Artikel erwähnt), aber interessant finde ich das Projekt trotzdem.

  3. #4 Dave
    26. März 2014

    >Stimmt, aber hier geht es nicht um eine Software, sondern um eine Maschine<

    Sieht aus wie eine Enigma, aber im Grunde ist es eben doch mehr ein Computer als eine Maschine wie es die Eniga eben war.

  4. #5 Peter
    26. März 2014

    Sicher eine schöne Deko zum ausstellen für einen Sammler oder so.
    Aber als Staubfänger in einem Regal neben Tellern und Puppen nur weil es schön aussieht, doch etwas teuer.