Der Konstrukteur der britischen Verschlüsselungsmaschine “Cryptocode” aus dem Jahr 1928 machte einige entscheidende Fehler. Sein Gerät wurde dadurch zum Flop.

Der Erste Weltkrieg war für die Kryptologie ein Fiasko. Verschlüsselt wurde praktisch nur mit Papier und Bleistift, wobei sich die verwendeten Verfahren regelmäßig als zu unsicher und zu umständlich erwiesen. Kein Wunder, dass mehrere Ingenieure auf die Idee kamen, Maschinen für die Verschlüsselung zu entwickeln. In den zwanziger Jahren kamen zahlreiche Geräte dieser Art auf den Markt. Viele davon wirken heute kurios und zeugen von wenig Sachverstand. Das gilt auch für die Maschine Cryptocode aus dem Jahr 1928, die ein gewisser Joseph Grassi aus England anbot. Ich kenne nur ein Exemplar dieses Geräts, das erhalten geblieben ist (es gehört dem US-Sammler Nick Gessler). Hier ist es:

Cryptocode

Cryptocode besteht aus zehn Scheiben (von 0 bis 9 nummeriert), auf denen außen jeweils vier Segmente aufgebracht sind. Jedes Segment reiht die 26 Buchstaben des Alphabets auf. Zum Verschlüsseln bringt der Nutzer die Ringe in eine bestimmte Reihenfolge (z. B. 4351706829) und wählt auf jedem Ring ein Segment aus. Die Reihenfolge der Ringe und die gewählten Segmente bilden den Schlüssel. Jeweils zehn Buchstaben auf einmal lassen sich verschlüsseln. Diese zehn Buchstaben bringt man auf eine Linie unter einem der vier Stifte, die die Ringe umgeben, und liest sie an einem anderen Stift aus. Die zehn ausgelesenen Buchstaben sind der Geheimtext.

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Die Buchstaben sind so angeordnet, dass Vokale immer in Vokale und Konsontanten immer in Konsonanten verschlüsselt werden. Dadurch bleibt der Geheimtext aussprechbar. Dies sollte vermutlich Fehler vermeiden.

Wer mehr über die Funktionsweise wissen will, findet hier die Gebrauchsanweisung (der untere Teil ist recht unscharf, er ist hier besser zu sehen):

Cryptocode-Manual

Die Verschlüsselung der Cryptocode ist nicht trivial, vor allem wenn jeweils nach zehn Buchstaben der Schlüssel gewechselt wird. Wer sich ein bisschen mit historischen Verschlüsselungsmaschinen auskennt, erkennt jedoch sofort einige Designfehler:

  • Die Konstruktion aus massiven Metall dürfte ziemlich teuer gewesen sein. Eine gleichwertige Verschlüsselung hätte man auch mit einer billigen Vorrichtung aus Papierstreifen hinbekommen können. Die etwa zur gleichen Zeit entwickelte US-Verschlüsselungsvorrichtung M-138 (siehe Bild unten) zeigt, wie es geht.
  • Die Cryptocode arbeitete mit nur zehn Ringen. Die erwähnte M-138 verwendete dagegen 30 Papierstreifen (ein Ring entspricht einem Papierstreifen), was das Verschlüsseln benutzerfreundlicher und sicherer machte.
  • Die Cryptocode sah außer den zehn genutzten Scheiben keine weiteren vor. Die M-138 hatte dagegen einen Vorrat von 100 Streifen, aus denen jeweils 30 ausgewählt wurden. Das machte die M-138 sehr sicher.

M138-bar

Man sieht also: Die Cryptocode hätte billiger, sicherer, tranportabler und benutzerfreundlicher ausfallen können. Vermutlich deshalb wurde sie kein Erfolg.

Zum Weiterlesen: CRYPTOCODE


Kommentare (3)

  1. #1 Rich SantaColoma
    17. April 2014

    But it is so beautiful that I forgive it its flaws.

  2. #2 Ole Phat Stu
    17. April 2014

    Habe solche Dinge für Demozwecke im Eigenbau aus Holz gemacht, siehe
    http://www.savory.de/chiffrea.htm und
    http://www.savory.de/chiffreb.htm 🙂

    • #3 Klaus Schmeh
      17. April 2014

      Sehr interessant. Die Modelle sind ja auch schon 13 Jahre alt.