Im Jahr 1897 schickte ein Deutscher eine verschlüsselte Postkarte aus Thessaloniki (Griechenland) in seine Heimat. Die Verschlüsselung ist nicht schwer zu lösen, doch der Inhalt gibt Rätsel auf.

Postkarten waren um 1900 das mit Abstand beliebteste Kommunikationsmittel. Das Telefon hatte sich noch nicht durchgesetzt, dafür war das Porto für die Grußkarten billig. Die Post kam vielerorts dreimal am Tag – wer am Morgen eine Karte verschickte, konnte am Abend schon auf eine Antwort hoffen. Dumm nur, dass jeder, der eine Postkarte in die Hand bekam, mitlesen konnte. Deshalb waren verschlüsselte Postkarten in dieser Zeit alles andere als selten. Der Münchner Tobias Schrödel, der als führender Experte auf diesem Gebiet gilt, kennt viele davon. Auch die Karte aus Thessaloniki stammt von ihm.

Postkarte-aus-Saloniki

Wie fast alle verschlüsselten Postkarten ist auch diese nicht besonders gut chiffriert. Mehr als eine einfache Buchstabenersetzung fiel den meisten Kartenschreibern damals nicht ein. Tobias Schrödel hatte daher keine große Mühe, die Verschlüsselung zu knacken. Wer es ihm nachmachen will, der sollte bei MysteryTwister C3 nachschauen. MysteryTwister C3 ist eine Online-Plattform, auf der es kryptologische Knobeleien aller Art zu lösen gibt. In den Challenges der Schwierigkeitsstufen I, II, III und X kann jeder seine Fähigkeiten als Codeknacker unter Beweis stellen.

Die Challenge Die seltsame Nachricht aus Thessaloniki ist auf Level I eingeordnet, gehört also zu den leichten Aufgaben. Wer die Nachricht gelöst hat, möge die Lösung bitte nicht im Diskussionsforum veröffentlichen (gegen die Veröffentlichung einer Transkription hätte ich dagegen nichts einzuwenden).

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Auch wenn die Verschlüsselung leicht zu knacken ist, ist die Karte aus Thessaloniki durchaus ungewöhnlich. Wer sie löst, bekommt scheinbar den Liebesgruß eines Seemanns namens Fritz an seine Frau zu lesen. Bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch, dass folgendes gemeint sein könnte: “Lage erholt sich langsam; keine weiteren Lieferungen senden; Zielgebiet noch nicht erkundet; um angreifen zu können, brauche ich Längen- und Breitengrad; diese schnellstens schicken; Nachschub noch nicht angekommen.” Das liest sich wie die Nachricht eines Terroristen oder Partisanen.

Von wem könnte die Karte stammen? Thessaloniki war damals von den Osmanen besetzt. Viele deutsche Offiziere waren als Berater und Unterstützer des osmanischen Militärs vor Ort. Sie gründeten sogar einen deutschen Kegelclub – von diesem stammt die Postkarte, wie am Aufdruck zu erkennen ist. Der Absender der Karte dürfte aus diesem Kreis stammen oder mit diesen Leuten gehabt haben. Doch warum schickt so jemand eine derartige Nachricht nach Deutschland? Steckte eine griechische Widerstandsgruppe dahinter? Doch warum nutzte diese Kontaktpersonen in Deutschland? Wer eine Antwort weiß, möge sich melden.

Zum Weiterlesen:


Kommentare (3)

  1. #1 Svechak
    6. Mai 2014

    Hier sind noch mehr verschlüsselte Postkarten: http://www.sichere.it/postcards.php?language=DE

  2. #2 Peter
    7. Mai 2014

    Wirklich sehr Interessant, da die Karte genau in der Zeit vom Türkisch-Griechischer Krieg geschrieben wurde. Das lässt doch eine Menge Vermutungen zu, denn so wirklich normal ist die Karte nicht.

    Datum
    3. Februar 1897–4. Dezember 1897
    Ort
    Griechenland, Kreta, Epirus und Thessaloniki

    http://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrkisch-Griechischer_Krieg

  3. […] erste Scienceblogs-Artikel den ich vorstellen möchte ist bei Klausis Krypta Kolumne erschienen. Es geht dabei um eine Postkarte aus Thessaloniki. Den Text zu entschlüsseln, ist diesmal nicht das […]