Sie suchen ein Thema für ein Referat, eine Studienarbeit oder ein Forschungsprojekt? Hier sind 25 bisher unbearbeitete Themen aus der Geschichte der Kryptologie.

Wer im Kalten Krieg eine Verschlüsselungsmaschine benötigte und diese nicht selbst bauen konnte, musste sich in der Schweiz bedienen. Dort gab es mit der Crypto AG, Gretag und Brown Boveri drei Anbieter, die nahezu den gesamten Markt im Griff hatten. Mit der Firma Zellweger existierte sogar noch ein weiterer Verschlüsselungsmaschinen-Hersteller, der jedoch seine Geräte nur an das Schweizer Militär lieferte. Alle vier Unternehmen hatten ihren Sitz in der Umgebung von Zürich. Diese Gegend kann man als das “Goldene Dreieck” der Chiffriermaschinen-Technik bezeichnen. Geheimdienste, Streitkräfte und die Diplomatie aus mindestens 100 Ländern deckten sich im Kalten Krieg dort ein – vom Vatikan über Deutschland bis nach Argentinien.

Während die Geschichte der Crypto AG bereits recht gut erforscht ist, ist über die anderen Unternehmen des Goldenen Dreiecks sowie über die Beziehungen dieser Anbieter untereinander kaum etwas bekannt. Es wäre sehr spannend, dieses Thema einmal aufzuarbeiten. Einige Quellen und Kontakte kann ich gerne vermitteln.

Golden-Triangle

Das Goldene Dreieck ist nur eine von vielen offenen Forschungsfragen in der Geschichte der Kryptologie, auf die ich in den letzten Jahren gestoßen bin. Um den Überblick nicht zu verlieren, habe ich eine Liste zusammengestellt. Diese habe ich nun veröffentlicht. Hier ist sie:

Liste mit offenen Forschungsfragen aus der Geschichte der Kryptologie

Momentan sind etwa 25 Fragen verzeichnet (auf Englisch, da das Thema weltweit relevant ist). Es gibt allerdings sicherlich noch mehr, und daher soll die Liste wachsen. Entsprechende Vorschläge nehme ich gerne entgegen. Außerdem bin ich für Hinweise aller Art dankbar – vielleicht ist das eine oder andere Thema ja bereits bearbeitet, ohne dass ich davon weiß.

Eine der offenen Forschungsfragen lautet beispielsweise: Welche Rolle hat die Kryptologie im Falklandkrieg gespielt? Sicher ist, dass sie eine wichtige Rolle gespielt hat, doch die Details sind nicht bekannt. Es ist sicherlich nicht leicht, in dieser Sache zu forschen, da die meisten Informationen noch geheimgehalten werden. Doch es könnte sich lohnen. Ein paar Ansatzpunkte für die Recherche kann ich gerne weitergeben.

Banner-Nicht-zu-knacken

Andere Fragen sind deutlich einfacher zu bearbeiten. Folgendes Thema ist beispielsweise auch für ein Schülerreferat geeignet: In den letzten Jahren haben die NSA, die US-Marine, der britische Geheimdienst GCHQ und einige andere Organisationen immer wieder Krypto-Rätsel veröffentlicht, um fähige Codeknacker zwecks Job-Angebot anzulocken. Meines Wissens hat bisher niemand diese Krypto-Rätsel gesammelt und eine Übersicht erstellt.  Ebenfalls kein Hexenwerk (und damit auch für Schüler geeignet) wäre eine Übersicht über Codeknack-Software. Es gibt eine Reihe von Programmen, mit denen sich verschlüsselte Botschaften analysieren und lösen lassen – einen Überblick scheint jedoch bisher niemand veröffentlicht zu haben.

Ich wünsche viel Spaß mit der Liste und hoffe, dass der eine oder andere sich davon inspirieren lässt.

Kommentare (8)

  1. #1 Peter
    17. Mai 2014

    Lustig, ich wohne genau in der Mitte von den grünen Punkten. Scheint ein magischer Ort zu sein 🙂

    • #2 Klaus Schmeh
      17. Mai 2014

      Na dann, Grüße ins Goldene Dreieick!

  2. #3 Pnugi
    17. Mai 2014

    Seltsam, dass die Sache mit Abraham Lincoln nie untersucht wurde. Die Amerikaner haben doch genug Kryptologen und Historiker, die sich um so etwas kümmern könnten.

  3. #4 Crazee
    19. Mai 2014

    Zu den3D-Modellen sollte man sich nicht nur auf fotorealistische Bilder stürzen. Mit den “neuen” “3D-Druckern” sollte man in FabLabs günstig akzeptable Nachbauten erzeugen können, die entweder “nur” gut aussehen oder sogar funktionstüchtig sein könnten.

    • #5 Klaus Schmeh
      20. Mai 2014

      Danke für den Hinweis. Das mit den 3D-Druckern wäre natürlich eine interessante Sache. Was mir bei dieser Gelegenheit noch einfäält: Es gibt massenweise Patente von Verschlüsselungsmaschinen, die nie gebaut wurden. Diese könnte man ja am Computer “bauen”.

  4. #6 Klaus Schmeh
    20. Mai 2014

    Der ungarische Krypto-Experte Benedek Láng hat das Thema in seinem Blog aufgegriffen: http://kripto.blog.hu/2014/05/20/tiz_kriptotorteneti_tema_amely_kutatast_erdemelne

    Mit Google Übersetzer kann man es auch auf Deutsch (halbwegs) lesen.

  5. #7 Peter
    22. Mai 2014

    Für die Interessierten unter Euch, hier noch ein Link für ein
    Krypto-Maschinen-Museum.

    http://www.cryptomuseum.com/crypto/enigma/index.htm

  6. #8 Peter
    25. Mai 2014

    Wer sich im Cryptomuseum mal umgesehen hat, hat sicher so einiges gefunden.
    z.B.Enigma Simulator for Windows und andere Simulatoren von Verschlüsselungsmaschinen.