Ein neues Buch präsentiert die angebliche Lösung des Zodiac-Killer-Falls. Ist tatsächlich etwas dran?

In den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ermordete der Zodiac-Killer mindestens fünf Menschen, zwei weitere verletzte er schwer. Interessant an diesem Fall ist unter anderem, dass der unbekannte Täter vier verschlüsselte Nachrichten verschickte, von denen drei nie gelöst wurden.

In Klausis Krypto Kolumne habe ich schon mehrfach über den Zodiac-Killer berichtet. Hier sind zwei der Artikel:

Jetzt gibt es wieder einmal Neugikeiten zum Zodiac-Killer. Ein gewisser Gary L. Stewart behauptet in seinem neu erschienenen Buch The Most Dangerous Animall of All: Der Killer sei sein Vater Earl Van Best Jr. gewesen.

Sensationelle Berichte zum Zodiac-Killer gab es schon viele – meist erwiesen sie sich als heiße Luft. Daher war ich auch bei dieser neuen Meldung skeptisch. Schauen wir daher einmal auf die Argumente, die Stewart vorbringt:

Argument 1: Earl Van Best sieht dem Phantombild des Zodiac-Killers sehr ähnlich

Dieser Behauptung kann ich leider nicht folgen. Man schaue sich den Vergleich hier an.

Banner-Nicht-zu-knacken

Argument 2: In einer der verschlüsselten Nachrichten des Killers ist der Name Earl Van Bests enthalten

Das sollte wohl eher ein Witz sein. Hier ist die entsprechende Stelle (es handelt sich um den zweiten Teil der ersten Zodiac-Nachricht; diese ist gelöst):

Zodiac-Suspect

Zwar taucht das Wort BEST im Klartext auf, doch das ist in einem englischen Text nichts Besonders. Dass in der Nachbarschaft auch die Buchstaben VE (“Earl Van”) und JR (“Junior”) stehen, kann man wohl kaum als Namensnennung werten. Für mich ist das kein Indiz für für Stewarts Hypothese, sondern ein klarer Fall von Parasteganografie. Nach versteckten Botschaften in der Bibel, in den Werken Shakespeares, in den ägyptischen Pyramiden und im Voynich-Manuskript hat man nun also auch in den Zodiac-Nachrichten einen Code entdeckt.

Argument 3: Die Fingerabdrücke von Earl Van Best und dem Zodiac-Killer weisen beide eine Narbe an etwa der gleichen Stelle auf.

Na sowas! Das beweist nun wahrlich nicht allzu viel.

Argument 4: Ein Handschriftenexperte konnte Bests Unterschrift mit der Handschrift des Killers in Verbindung bringen.

Was heißt das genau? Handelt es sich eindeutig um dieselbe Schrift oder gibt es nur eine gewisse Ähnlichkeit?

Argument 5: Bests Geliebte heiratete nach der Trennung einen gewissen Rotea Gilford. Dieser war Polizist und Ermittler im Zodiac-Fall.

Na ja, das kann auch Zufall sein.

Insgesamt wirken die Argumente meiner Meinung nach mehr als dürftig. Wenn man nach irgendwelchen Übereinstimmungen sucht, dann findet man auch welche – und wenn es nur eine Narbe am Finger ist. Ich vermute also, hier will jemand Geld mit einem Buch verdienen. Das will ich zwar auch, doch dafür ist mein Buch Nicht zu knacken, in dem ein ausführliches Kapitel zum Zodiac-Killer enthalten ist, sicherlich besser recherchiert.

Kommentare (5)

  1. #1 mindshaker
    20. Mai 2014

    da halte ich die ähnlichkeit zum phantombild noch am wahrscheinlichsten.
    ansonsten gute PR fürs buch, sonst kaufts ja keiner 😉

  2. #2 Dennis S.
    21. Mai 2014

    I live in Baton Rouge; here is a link to the article about Gary Stewart and his book:

    http://theadvocate.com/home/9165392-125/in-new-book-baton-rouge

    AlthoughI only read the article, I found his account fairly convincing. He tells how the authorities would always keep him away from their files, and finally destroyed the files; that seems highly significant.

    • #3 Klaus Schmeh
      21. Mai 2014

      Thanks for the link. It’s hard to tell whether Stewart has really found convincing evidence for his father being the Zodiac Killer. Maybe we will learn more when a DNA test has been made.

  3. #4 Godfried
    29. Dezember 2015

    “Argument 3: Die Fingerabdrücke von Earl Van Best und dem Zodiac-Killer weisen beide eine Narbe an etwa der gleichen Stelle auf.
    Na sowas! Das beweist nun wahrlich nicht allzu viel.”
    Genau! Es ist ja bekannt, das ein Täter und ein Verdächtiger in einem Mordfall, mal eben an der selben Stelle eine Narbe hat.
    Kennt man ja…nicht.

  4. #5 lars jansen
    crimecity
    20. Oktober 2016

    Es sollte nie ein Indiz, als belanglos hin gestellt werden. Man sollte sich auch mit beschuldigungen bedeckt halten, wenn sie wild und belanglos sind. Ein etwas verwirrender punkt ist das stewart angibt, das sein vater noch eine tochter hat. Diese hatte bei den killer touren mit gemacht und sogar texte des killers geschrieben. Aber das sind zwei verschiedene väter. Der von perez heißt Guy Ward Hendrickson. Etwas merkwürdig im stewart fall, warum wenn man so ein brisantes buch schreibt, wartet man nicht auf die dna ergebnisse? Naja fuer das spiel csi crime wuerden die hinweise auf jedenfall reichen um den verdaechtigen zu ueberfuehren.