Im 17. Jahrhundert nutzte der römisch-deutsche Kaiser Ferdinand III. eine Geheimschrift. Ein Brief aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs könnte dazu beitragen, den Code zu knacken.

Der Wiener Historiker Prof. Leopold Auer hat mir freundlicherweise einen sehr interessanten Brief zu Verfügung gestellt. Er wurde im Jahr 1640 (also während des Dreißigjährigen Kriegs) zwischen dem damaligen Kaiser Ferdinand III. und dessen Bruder Leopold Wilhelm verschickt. Leider ist nicht klar, wer von beiden der Absender war. Hier ist die erste Seite.

Leopold-Wilhelm

Diese und drei weitere Briefseiten gibt es in hochauflösendem Format auf einer eigenen Seite, die ich dafür eigerichtet habe. Wie man sieht, ist der Brief teilweise verschlüsselt. Die Klartextpassagen sind auf Latein verfasst. Herr Prof. Auer hat noch weitere Dokumente gefunden, die in dieser Geheimschrift verfasst sind.

Das Original des Briefs liegt im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien im Bestand Familienkorrespondenz A Kart. 11. Die roten Markierungen stammen von Prof. Auer. Die häufige Kombination 12 4 könnte seiner Meinung nachfür die Endsilbe EN oder ER stehen.

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Eine vollständige Transkription gibt es am unteren Ende der besagten Web-Seite (vielen Dank an den Leser Finn Klein für das Erstellen). Falls jemand weitere Zeilen trankribiert, würde mich das sehr freuen. Hier ist meine Teanskriptionstabelle:

Ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Verschlüsselung lösbar ist. Vielleicht schafft es ein Leser, den Code zu knacken.

Kommentare (14)

  1. #1 Peter
    23. Mai 2014

    Ich habe mir das mal kurz angesehen, und bin der Meinung es handelt sich um einen doppel Code.
    Zeichen = Buchstabe…………..und
    Zahl = Buchstabe.
    Eine Verschlüsselungsart wo sicher in dieses Jahrhundert passt.

    • #2 Klaus Schmeh
      23. Mai 2014

      Das wäre also ein homphones Verschlüsselungsverfahren. Das könnte sein, so etwas gab es im 17. Jahrhundert bereits.

  2. #3 Peter
    23. Mai 2014

    > Leider ist nicht klar, wer von beiden der Absender war.
    Frage: Gibt es hier für keine Handschriften Analyse ?

    • #4 Klaus Schmeh
      23. Mai 2014

      Meines Wissens nicht.

  3. #5 Peter
    23. Mai 2014

    An den Herrn Wiener Historiker Prof. Leopold Auer,
    Zur Erinnerung, Die Habsburger sind eingewanderte Schweizer.

  4. #6 Peter
    26. Mai 2014

    Ich habe mich mal bei den Handschriften umgesehen. Für mich hat eindeutig Leopold den Brief verfasst.
    Schön zu sehen am Datum 1640, die passen 1 zu 1. Auch die Handschrift spricht Bände.
    Leopold:
    http://img.zvab.com/member/a03303/39845970.jpg

    Ferdinand:
    http://www.kiefer.de/Abbildungen/78/78-5088-1.jpg

  5. #7 Klaus Schmeh
    27. Mai 2014

    Weitere Kommentare (darunter einige sehr interessante) finden sich hier:
    http://scienceblogs.de/klausis-krypto-kolumne/the-secret-writing-of-the-habsburgians/

  6. #8 Finn
    2. Juni 2014

    Mein Ex-Lateinlehrer ist momentan sehr beschäftigt, wir müssen wohl noch auf die Transkription warten. Eine interessante Parallele ist mir jedoch aufgefallen:
    Ich habe S.1 mit einem anderen Schreiben Leopolds verglichen
    (http://img.zvab.com/member/a1010w/36724163.jpg)
    und auf beiden Briefen kann man eine Buchstabenfolge erkennen, die wie “If” aussieht. Da aber glücklicherweise in der Produktbeschreibung des Briefes (sowas gibt es zu kaufen, wusste ich auch noch nicht :-)) eine partielle Transkription vorliegt, (der Cat->h<-olischen Religion Feinden neuerlich erhaltenen ansehnlichen Victori) kann man erkennen, dass das, was ursprünglich wie ein "f" aussieht, ein "h" verkörpern soll. Im Lateinischen gibt es allerdings keine Wörter, die mit "ih" beginnen – sagt zumindest Ingerslev. Im Deutschen gäbe es ja die Abkürzung "Jh.", also stellt sich mir folgende Frage:
    Können rein theoretisch auch zwei Sprachen in gemischter Form in diesem Brief vorhanden sein? Kryptologie-historisch erfahrene Leute wissen so etwas doch bestimmt.

    • #9 Klaus Schmeh
      3. Juni 2014

      >Können rein theoretisch auch zwei Sprachen in
      >gemischter Form in diesem Brief vorhanden sein?
      Das ist mir zwar noch nie begegnet, kann aber sicherlich sein. Vielleicht ist es ja ein Teil der Verschlüsselung, dass der Text in eine andere SPrache übersetzt wird.

    • #10 Klaus Schmeh
      13. Juni 2014

      Inzwischen habe ich mich noch einmal erkundigt: Kaiser Ferdinand und sein Bruder sprachen mehreren Sprachen und haben zwischen diesen öfters gewechselt. Es könnte also durchaus sein.

      • #11 Finn
        14. Juni 2014

        Vielen Dank, dass Sie sich hierfür noch einmal Zeit genommen haben. Ich befürchte nur, dass das die Entschlüsselung nicht unbedingt einfacher macht, da man sich nun mit zwei verschieden Buchstabenhäufigkeiten herumschlagen muss…

        • #12 Klaus Schmeh
          14. Juni 2014

          Ich habe inzwischen einen weiteren Brief in der gleichen Geheimschrift. Evtl. werde ich in FOCUS Online mal darüber berichten. Je mehr Leute dieses Rätsel kennen, desto besser.

  7. […] ScienceBlogs / Klausis Krypto Kolumne, 23.05.2014 Die ungelöste Geheimschrift von Kaiser Ferdinand III. […]

  8. #14 Peter
    Wernigerode
    4. Oktober 2018

    Ich habe dieser Tage im Rahmen meiner Forschungen zum 30 jährigen Krieg einige tausend Archivseiten im Wiener Hofarchiv gesichtet und teilweise fotografiert. Hierbei sind gut ein Dutzend auch mit Zahlencode versehen, im Archiv konnte damit niemand etwas anfangen, da es ein Mischtext aus deutschen Sätzen und Zahlen ist versuche ich mich auch anhand der inhaltlichen Interpretation des Code, liegen bei Ihnen schon weitere Erkenntnisse vor, welche Sprachen hier gemischt wurden? Es sind übrigens keine Briefe ihrer Majestäten, sondern von Ministern an seine Majestät. Für eine Kurzinfo wäre ich dankbar.

    Peter Nüchterlein
    Stadtschreiber in Wernigerode