John Walker kassierte für seinen Verrat über eine Million Dollar – und eine lebenslange Haftstrafe.

John Anthony Walker (geboren 1937) begann 1955 eine Karriere bei der US-Marine. Bei seiner Arbeit hatte er Zugang zu streng geheimen Informationen. Von Geldproblemen geplagt, beschloss er 1968, auf verbotene Weise Kasse zu machen. Er suchte die sowjetische Botschaft in Washington auf und bot geheime Dokumente zum Kauf an.

So begann eine lange Karriere als Spion, die Walker im Laufe der Jahre über eine Million Dollar an Bezahlung eingebracht haben soll. Er konnte einen Kollegen, seinen Bruder und seinen Sohn, die alle drei ebenfalls Zugang zu geheimen Informationen hatten, zur Mitarbeit überreden, wodurch ein ganzer Spionagering entstand. Zum Material, das Walker an die Sowjets lieferte, gehörten auch Benutzerhandbücher, Pläne und Schlüssel zur NATO-Verschlüsselungsmaschine KL-37. Bei dieser handelt es sich um eine automatisch arbeitende Variante der KL-7, die man als Weiterentwicklung der Enigma betrachten kann.

KL-7

Die Sowjetunion soll mit Walkers Hilfe über eine Million Funksprüche entschlüsselt haben. Nicht zuletzt deshalb gilt Walker neben Aldrige Ames und Robert Hanssen als einer der bedeutendsten Spione des Kalten Kriegs. Hier ist eine Dokumentation über ihn:

Die US-Marine war lange Zeit völlig ahnungslos. Sie bemerkte nicht, dass Walker immer wieder geheime Dokumente kopierte, fotografierte und durch die Sicherheitskontrollen schmuggelte. Dieser sagte später: “KMart has better security than the Navy”. Erst 1985, als Walker längst im Ruhestand war und seine Informationen nur noch aus zweiter Hand bezog, flog die Sache auf. Allerdings war ihm nicht etwa die Marine auf die Schliche gekommen, sondern seine Ex-Frau hatte ihn nach einem Streit angezeigt. Nun zog die NATO die KL-7 aus dem Verkehr. Da die Ausmusterung der veralteten Maschine ohnehin bevorstand, konnten die NATO-Staaten diesen Verlust verkraften.

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Walker wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. In meinen Büchern (z. B. Codeknacker gegen Codemacher) habe ich mehrfach über ihn berichtet. Zuletzt hörte ich, dass er schwer an Diabetes und Kopf-Hals-Krebs erkrankt war. Gestern las ich im Blog von Dirk Rijmenants, dass John Walker am 28. August im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Bitter für ihn: 2015 hätte er nach 30 Jahren im Gefängnis entlassen werden können.

Zum Weiterlesen: Der US-Spion, den seine Rechtschreibschwäche verriet

Kommentare (5)

  1. #1 Ralf Bülow
    4. September 2014

    Vielleicht noch der Hinweis, dass Walkers älterer Bruder und Mit-Spion Arthur Walker Anfang Juli starb: http://hamptonroads.com/2014/07/convicted-spy-arthur-walker-dies-prison

    • #2 Klaus Schmeh
      4. September 2014

      Danke für den Hinweis. Was mir auffällt, ist, dass in diesem Fall immer wieder Lügendetektoren eingesetzt wurden. Ich dachte eigentlich, dass diese Technik ziemlich fragwürdig ist.

  2. #3 Dirk Rijmenants
    6. September 2014

    Ein Symbol des Kalten Krieges weniger. Weitere Details (technisch und historisch) der KL-7, eine der Maschinen, die er Kompromiteerte, finden Sie unter diesen Links, inklusiv ein KL7 Simulator. Spaß garantiert!

    http://users.telenet.be/d.rijmenants/en/kl-7.htm

    http://users.telenet.be/d.rijmenants/en/kl-7sim.htm

    • #4 Klaus Schmeh
      6. September 2014

      Danke für den Hinweis. Ich kann bestätigen, dass die Simulatoren von Dirk Rijmenants sehr gut sind.

  3. #5 Michel
    Lönneberga
    7. September 2014

    Hier gibt es einen offiellen Bericht zu den Hintergründen des John-Anthony-Walker-Falls: http://www.fas.org/irp/eprint/heath.pdf
    Tenor: Die NSA hat ihre Sache ordentlich gemacht, aber die Navy hat tief und fest geschlafen.