Während die Briten im Zweiten Weltkrieg die Enigma schon früh knacken konnten, bissen sie sich an der Lorenz-Verschlüsselungsmaschine zunächst die Zähne aus – bis ihnen ein entscheidender Fehler der Deutschen weiterhalf.

Neben der Turing-Bombe, auf die ich vor ein paar Tagen eingegangen bin, bauten die Briten im Zweiten Weltkrieg noch eine weitere Codeknack-Maschine: Colossus. Diese war sogar noch deutlich komplexer als die Turing-Bombe und hatte noch mehr Ähnlichkeit mit einem modernen Computer. In meinem aktuellen Artikel in Focus Online geht es um Colossus.

lorenz-maschine
Colossus diente nicht dazu, die Enigma zu knacken, sondern ein anderes deutsches Verschlüsselungsgerät: die Lorenz-Maschine. Diese diente dem Verschlüsseln von Fernschreiben und wurde unter anderem von Adolf Hitler genutzt.

 

lorenz-maschine-2
Die Lorenz-Maschine arbeitete mit Zahnrädern, deren Zähne sich deaktivieren ließen. Die Verschlüsselung erfolgte mit einer Binär-Logik. (Quelle: Matt Crypto)

 

lorenz-maschine-3
Die Lorenz-Maschine ist heute ein sehr seltenes und begehrtes Sammlerstück. Im Deutschen Museum in München gibt es ein Fragment davon. Ansonsten kann man in Deutschland nirgendwo eine Lorenz-Maschine bewundern.

 

colossus1
Mit der Dechiffrier-Maschine Colossus konnten die Briten die Lorenz-Maschine knacken. Colossus war die komplexeste Datenverarbeitungsmaschine ihrer Zeit. Sie hatte schon einige wesentliche Eigenschaften eines Computers.

 

colossus-2
Alle Colossus-Exemplare wurden nach dem Zweiten Weltkrieg demontiert. Im Museum Bletchley Park gibt es jedoch einen Nachbau dieser faszinierenden Maschine.
Follow @KlausSchmeh

Zum Weiterlesen: Bei mir laufen rund um die Uhr zwei Computer unter Dauerlast

Kommentare (9)

  1. #1 Jerry McCarthy
    England
    4. Februar 2015

    Um genau zu sein, ist der Nachbau des Colossus im National Museum of Computing.

    http://www.tnmoc.org/explore/colossus-gallery

  2. #2 Joe
    Berlin
    4. Februar 2015

    In der illustren Runde fehlt noch:

    Arne Beurling und Hitlers Geheimschreiber
    Bengt Beckman

    • #3 Klaus Schmeh
      5. Februar 2015

      Stimmt, diese Geschichte werde ich demnächst auch noch verarbeiten.

  3. #4 Jerry McCarthy
    England
    5. Februar 2015

    Laut Wikipedia (Englisch) wurden nicht alle Maschinen sofort demontiert. “Two Colossus computers, along with two replica Tunny machines, were retained, moving to GCHQ’s new headquarters at Eastcote in April 1946, and moving again with GCHQ to Cheltenham between 1952 and 1954. usw”

  4. #5 Joe
    Berlin
    5. Februar 2015

    Korrekt! Zitat:
    William T. Kvetas, Center for Cryptologic History, 972-2893s

    Im Jahr 1956 hat Ellie Carmen Klitzke in der Arlington Hall Station, Leiter der kryptoanalytischen Abteilung für den Bereich der DDR, Prestion Welch benachrichtigt das die Arbeit auf dem Gebiet der Enigma beendet werden. Elliot Welch war Kryptoanalytiker und entwickelte die “Menüs” mit dessen Hilfe die “Bombe” entsprechend zur Entschlüsselung der Sprüche eingestellt wurden. Die “Menüs” wurde anhand von Schlüsselwörtern erstellt. Pfingstmontag hatte Preston Welch das letzte Paket für die “Menüs” erhalten.

    • #6 Klaus Schmeh
      5. Februar 2015

      Das war allerdings nicht Colossus, sondern die Desch-Bombe (also der US-Nachbau der Turing-Bombe).

  5. #7 jaksar
    eifel
    16. Februar 2015

    Es ist Traurig das nach mehr als 20 Jahren nach dem Kälten Krieg weiter hin wird die alte Wahrheit manipulation verbreitet. Selbst die Britten haben zugesagt das Enigma Code wurde bereits vor dem Sept.1939 durch drei Poln. Kriptologen geknact. Die Polen haben jeweils den Franzosen und Engländern Sept.1939 Kopie der Enigma übergeben. Alle drei poln. Mathematiker haben zu erst in Frankreich und dann in England als Die Kriptologen gearbeitet.

  6. #8 Jerry McCarthy
    England
    16. Februar 2015

    #7 Das war auch nicht Colossus. Colossus hat absolut nichts mit dem Enigma Code zu tun.

  7. #9 Maier Georg
    Deutschland
    17. März 2016

    Meiner Meinung wird nie mehr alles aufgedeckt werden, was sich in Bezug auf die Entschlüsselungen abgespielt hatte.
    Es ist ja auch denkbar, dass ein eingeweihter deutscher Offizier, insbesondere nach dem missglückten Stauffenberg Attentat Geheimnisse verraten hatte oder dass ein gefangener Offizier von den Briten gefoltert worden ist.
    In jeden Krieg sind Gefangene gemacht und gefoltert worden.
    Die Briten etwa nicht?