Aus dem Spanischen Bürgerkrieg (1936-1939) ist ein verschlüsseltes Telegramm erhalten geblieben. Die verwendete Verschlüsselungsmethode ist zwar bekannt, dennoch konnte man den Code bisher nicht knacken. Schafft es ein Leser?

Wer Klausis Krypto Kolumne liest, sollte auch MysteryTwister C3 (MTC3) kennen. MTC3 ist eine Web-Seite für kryptografische Rätsel, die inzwischen über 6.000 registrierte Teilnehmer angelockt hat. Die Zahl der Rätsel wächst ständig. Wer selbst eine pfiffige Knobelidee hat, kann diese einreichen. Die MTC3-Rätsel sind in vier Schwierigkeitsgrade (Level) eingeteilt – von Level 1 (einfach) über Level 3 (schwierig) bis Level X (ungelöst).

Einige der Level-X-Aufgaben habe ich eingereicht. Daher begegnet man bei MTC3 beispielsweise der berühmten Kryptos-Skulptur, deren Aufschrift noch nicht vollständig entziffert ist. Auch das ebenfalls bekannte Dorabella-Kryptogramm und die Beale-Kryptogramme warten in diesem Level auf ihre Lösung.

Besonders spannend finde ich eine Level-X-Aufgabe, die der Informatiker Luis Alberto Benthin Sanguino von der Universität Bonn eingestellt hat. Es handelt sich dabei um ein verschlüsseltes Telegramm aus dem Jahr 1936. Es wurde im Spanischen Bürgerkrieg verschickt. Hier ist es:

Spanish-Telegram

Die Details zum Telegramm gibt es hier auf Deutsch und hier auf Englisch. Benthin Sanguino geht davon aus, dass man die Zahlen jeweils als Paare betrachten muss. Seine Transkription sieht wie folgt aus:

23 22 31 02 30 58 10 68 55 14 03 16 90 41 81 05 17 44 35 50 45
31 78 68 04 05 50 32 48 23 84 83 77 51 47 44 81 83 14 08 17 32
76 38 10 81 24 19 04 35 38 32 16 45 03 16 32 10 68 28 03 83 64
19 60 81 69 32 98 45 03 40 22 32 34 35 48 73 05 55 31 16 51 47
82 78 98 90 63 81 48 06 31 83 74 08 32 98 62 68 65 90 91 76 63
64 68 84 16 05 83 28 32 39 31 48 69 44 90 83 11 68 74 82 48 10
08 43 44 90 14 81 74 51 18 35 32 50 49 44 84 14

Benthin Sanguino vermutet außerdem, dass jede zweistellige Zahl für einen Buchstaben des Alphabets steht. Offensichtlich stehen dabei manchmal unterschiedliche Zahlen für denselben Buchstaben (homophone Verschlüsselung). Wenn etwa 23, 22 und 31 jeweils für das E stehen, kann der Verschlüssler zwischen diesen Zahlen abwechseln, was verbirgt, dass das E ziemlich häufig im Text vorkommt.

Hierbei ist zu beachten, dass im Spanischen das LL oft als eigenständiger Buchstabe betrachtet wird. Benthin Sanguino hält es außerdem für möglich, dass auch das im Spanischen ziemlich häufige CH einen eigenen Eintrag in der Verschlüsselungstabelle hat.

Findet jemand mehr heraus? Wer die Lösung hat, sollte sie am besten auch bei MTC3 einreichen. Es gibt viele Punkte dafür.

Zum Weiterlesen: Die mysteriöse Nachricht im Seidenkleid

Kommentare (1)

  1. #1 Svechak
    23. Mai 2015