Schon so mancher Mörder, Entführer oder Betrüger nutzte Verschlüsselung. Leider gehen viele Quellen nur am Rande darauf ein. Heute stelle ich sechs verschlüsselte Nachrichten von Kriminellen vor, deren Inhalt mir nicht bekannt ist. Vielleicht wissen meine Leser mehr.

Adolf Eichmann (1906-1962) gehörte im Dritten Reich zu den bedeutendsten Schreibtischtätern. Als Referatsleiter im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) organisierte er die Deportation und Ermordung von etwa sechs Millionen Juden. In der Öffentlichkeit war er nahezu unbekannt, den von ihm verehrten Adolf Hitler traf er nie persönlich.

Nach dem Krieg gelang Eichmann über die sogenannte Rattenlinie die Flucht nach Argentinien, wo er ein neues Leben begann. Doch seine Vergangenheit holte ihn ein: 1960 wurde er vom israelischen Geheimdienst Mossad entführt und nach Israel gebracht. In einem Aufsehen erregenden Prozess wurde er zum Tode verurteilt und anschließend hingerichtet.

Eichmann

Über Adolf Eichmann wurde schon viel geschrieben. Außerdem gibt es bei YouTube sehenswerte Dokumentationen über ihn (zum Beispiel eine zehnminütige Doku aus der ZDF-Serie 100 Jahre). Die wenigsten Autoren gehen darauf ein, dass Eichmann im Jahr 1950 eine verschlüsselte Nachricht an seine Frau Vera schickte (siehe hier). Was genau in dieser Nachricht stand und welches Verschlüsselungsverfahren die beiden nutzten, konnte ich bisher nicht herausfinden. Schade, denn es würde mich sehr interessieren.

Die geheime Botschaft von Eichmann an seine Frau ist kein Einzelfall. Verschlüsselte Nachrichten haben in vielen Episoden der jüngeren Geschichte eine Rolle gespielt, doch die entsprechenden Quellen gehen oft nicht näher darauf ein. Heute stelle ich sechs Fälle dieser Art vor. In allen gab es mindestens eine verschlüsselte Nachricht, über die ich nichts Genaues herausfinden konnte. Alle Fälle haben mit Verbrechen  zu tun. Es gibt natürlich auch verschollene Kryptogramme ohne kriminellen Hintergrund, doch diese sollen heute nicht das Thema sein.

1. Nina von Gallwitz (Entführungsopfer)

Die damals achtjährige Nina von Gallwitz wurde 1981 entführt und nach 149 Tagen gegen Zahlung eines Lösegelds freigelassen. Die Täter wurden nie gefasst. Zwei Unterhändler der Famile Gallwitz kommunizierten mit den Entführern über verschlüsselte Zeitungsanzeigen. Laut Wikipedia kam dabei ein “Fünf-Zeilen-Caesar” zum Einsatz (angeblich ein Verfahren aus dem Geheimdienst-Bereich). Was dabei übermittelt wurde und was ein Fünf-Zeilen-Caesar überhaupt ist (vermutlich handelt es sich um eine Variante der Caesar-Chiffre), ist mir leider nicht bekannt. Vielleicht weiß ein Leser mehr.

2. Victor Lustig (Hochstapler)

Victor Lustig (1890-1947) war ein berühmter Trickbetrüger und Hochstapler. Sein bekanntester Coup war der “Verkauf” des Eiffelturms an einen französischen Altmetall-Händler, dem er eine stattliche Summe abknöpfte. Laut dem Buch The Man who Broke Purple (S. 124) von Ronald Clark dechiffrierte Meister-Codeknacker William Friedman im Jahr 1936 eine verschlüsselte Nachricht, die Lustig anschließend ins Gefängnis brachte. Details dazu sind mir nicht bekannt.

Lustig

3. Petras Dominas (Mörder)

Über die verschlüsselten Aufzeichnungen des Doppelmörders Petras Dominas habe ich am 21. November in Klausis Krypto Kolumne berichtet. Leider ist nur ein Schnipsel davon übrig geblieben. Weiß jemand mehr dazu?

Dominas-Cipher

4. John Wilkes Booth (Mörder von Abraham Lincoln)

Der Schauspieler John Wilkes Booth verübte 1865 ein erfolgreiches Attentat auf den US-Präsidenten Abraham Lincoln. Er hatte mehrere Komplizen, mit denen er sich mit verschlüsselten Nachrichten verständigte (siehe hier). Leider weiß ich nichts über die Inhalte und die verwendeten Verfahren.

Booth

5. Gefängnis in Ohio

Und noch eine Geschichte, die im Buch The Man who Broke Purple (S. 124) von Ronald Clark steht. Dort ist von einer verschlüsselten Nachricht die Rede, die im Staatsgefängnis von Ohio sichergestellt wurde (vermutlich in den dreißiger Jahren). Meister-Codeknacker William Friedman löste die Verschlüsselung und deckte damit einen geplanten Ausbruch auf. Mehr weiß ich nicht darüber.

6. Adolf Eichmann (Kriegsverbrecher)

Wie eingangs erwähnt, verfasste Adolf Eichmann eine verschlüsselte Nachricht an seine Frau. Details sind mir nicht bekannt. Vielleicht kann ein Leser weiterhelfen.

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Kommentare (4)

  1. #1 Jens
    15. Dezember 2015

    5er Cäsar dürfte die Verschiebung um 5 sein. Ziemlich simple:
    Hallo wäre CFQQT.

  2. #2 Jens
    15. Dezember 2015

    Alternativ könnte man den Cäsar auch immer weiter nach unten verschieben. 5 Zeilen bilden und dann nach oben auflösen.

  3. #3 Klaus Schmeh
    17. Dezember 2015

    Und hier noch ein Nachtrag:
    Auch der legendäre Gangster-Boss Al Capone nutzte Verschlüsselung.
    “Capone’s eventual conviction on tax evasion charges was largely supported by evidence from coded ledgers. Federal agents successfully proved to a jury that coded entries in the ledgers represented payments for alcohol.”
    Quelle: http://famguardian1.org/Publications/USAttyBulletins/usab4905.pdf
    Details sind mir leider nicht bekannt.

  4. #4 Rolf
    28. Dezember 2015

    zu 1. Nina von Gallwitz

    Seinerzeit landete einer der verschlüsselten Texte (Titelseite „DIE WELT“)
    auf meinem Schreibtisch (leider verspätet und nicht mehr aktuell). Dieser Text war auch zu entziffern – nicht so ganz einfach, aber lösbar nach der Kasiski – Methode.

    Das Schlüsselverfahren wird in Wikipedia als „5 Zeilen Cäsar “ bezeichnet.
    Diese Bezeichnung ist mir völlig unbekannt.

    Ich vermute, dass die Bezeichnung daher rührt, dass der Chi-Text in Gruppen zu
    5 Ziffern (5Z) (nicht 5 Zeilen) übermittelt wurde. Die erste der 5 Ziffern war übrigens ein „Blender“ der gestrichen werden konnte und für den Text keine Bedeutung hatte.
    Übrig blieb eine 4z Gruppe, die nach weiterer Teilung eine 2Z Verschlüsselung ergab.

    Das letztlich angewendete Verfahren könnte man entweder als „15 Spalten Cäsar “ oder als „ periodischen Wurm der Länge 15 “ bezeichnen.

    Übermittelt wurden auf diese Weise Modalitäten zur Geldübergabe.

    Die Schlüsselwörter (-sätze) lauteten „ALLES ODER NICHTS“ bzw. „ENDE GUT ALLES GUT“

    Bemerkenswert erscheint mir in diesem Fall noch folgendes:

    In dem Text wurde seitens des Entführers grundsätzlich statt des deutschen Buchstabens ’Z’ ein ’C’ benutzt. (z.B. Koblenc , cwei. cehn …).
    Ich glaube nicht an einen Schlüsselfehler. Vielmehr könnte es ein Hinweis darauf sein, dass der Entführer aus dem slawischen Sprachraum stammt.
    Dem Buchstaben, der im Deutschen wie ’Z’ ausgesprochen wird, entspricht z.B.
    im Russischen der Buchstabe ц (цапля). (Transkription = C).

    In Presseberichten habe ich zur möglichen Herkunft des Entführers nichts gelesen.