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(via cimddwc)

Kommentare (29)

  1. #1 rotfell
    15. April 2009

    *meld* Bin bereit für die Prüfung! Sofort! Nach der Prüfung binde mir eine Socke um die Stirn, nenne mich Wunderheilerin und werde stinkreich. Muahahar!

    Das Leben könnte ja so schön einfach sein … 😀

  2. #2 Dr. E. Berndt
    15. April 2009

    Granderwasser in der Ordination?

    Als Arzt soll man, so das Geraune, zum Unterschied von anderen Berufen immer noch mehr Freiheit haben, sich sozusagen nach Lust und Eingebung Verfahren und Mittel zuzuwenden, die nicht mit den Naturwissenschaften in Einklang zu bringen sind. Man muß nur dafür sorgen, daß nichts passiert, und selbstverständlich ist anzunehmen, daß es nur gute Ärzte gibt.

    Der Fehler, den viele Therapeuten, Erfinder und Wunderheiler machen oder besser die Falle, in die Sie laufen, ist, daß sie ihr Tun bzw. die zugrundeliegenden “Theorien” wie z.B. die Homöopathie als wissenschaftlich erwiesen darzustellen versuchen. Das sollte man nicht tun. Schon viele Anbieter im gesunden Business sind so schlau und machen das nicht. Und indem sie von vorne herein auf diese nutzlosen Anstrengungen für irgendwelche Hinweise auf Wissenschaftlichkeit verzichten und auch in der Aufmachung klar und deutlich zum Ausdruck bringen, daß die Wirkung ihrer Methoden und Mittel wissenschaftlich nicht beweisbar ist, geht alles viel leichter.

    Diese Vorgangsweise ist von mehrfachem Nutzen.

    Erstens schützt das weitgehend vor gerichtlichen Belangungen und zweitens, fall es noch nicht bemerkt wurde, die Leute kommen erst recht auf einen zu und wollen dieses und nichts anderes kaufen bzw. so und nicht anders behandelt werden. Diese Vorteile sollte niemand sich entgehen lassen. Drittens muß sich niemand mehr mit Skeptikern herumschlagen, die immer so lästig nach Beweisen der Wissenschaftlichkeit von alternativen Methoden und Mitteln fragen. Dies verschafft jedem viertens noch mehr Zeit zum Verkaufen und Heilen.

    Ich bin überzeugt, daß jeder Erfolg hat, wenn er diese Regeln verinnerlicht und dann besteht sicher auch die Chance, zur Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst vorgeschlagen zu werden. Ein staatsbekannter Anbieter im Gesundheitsbusiness, ein gewisser Herr Johann Grander aus Tirol, hat uns ja das erfolgreich vorexerziert. Der gute Mann klagte einen seiner Kritiker, weil dieser sein Wunderwassserpatent in Frage gestellt wurde auf Geschäftsstörung oder so ähnlich. In höchster Not berief er sich auf Jesus Christus, der ihm das Wunderwasserpatent persönlich offenbarte. Nun die Klage wurde abgewiesen und jeder darf heute sagen, daß Granderwasser ein aus dem esoterischen Milieu stammender Humbug ist. Seit dieser Zeit preist er seine Erfindung als wissenschaftlich nicht nachweisbar an! Als Arzt tut man sich noch ein wenig leichter.
    Selbstverständlich kann heute jeder Arzt, der das wollte, auch Granderwasser zu Heilzwecken verordnen, ohne Gefahr zu laufen, dafür belangt werden zu können. Denn sollte jemand so dreist sein, diese Behandlung in Zweifel ziehen, vor Gericht gehen und sein Geld zurückhaben wollen, so braucht der beklagte Arzt, wenn es so sein sollte, zum Unterschied des Nicht-Kollegen Grander keinerlei Erklärung darüber abzugeben, wie das wirken hätte sollen, sondern lediglich sagen, daß dies seiner Meinung nach zum Behandlungserfolg führen hätte sollen! Dies soll, zugegebenermaßen mit gewissen Einschränkungen, die herrschende Rechtsauffassung sein. Ob man sich als Attribut eine lederne Latzhose zulegen oder doch beim weißen Kittel bleiben soll, ist eine Frage des Marketings.

  3. #3 Rose
    15. April 2009

    Was is’n das für ein Niveau?
    Da fehlen so wichtige Schlüsselbegriffe wie “Schwingung” und “Frequenzmuster” und “Information” und “Selbstheilungskräfte”! Tststst! 🙂

  4. #4 ChristianW
    16. April 2009

    Hat der Herr Doktor etwa einen weissen Kittel an? Ich wette, er ist mit den Pharma-Riesen im Bunde!

  5. #5 GeMa
    16. April 2009

    @Dr. Berdt
    Zukünftig werden EU-weit für das Inverkehrbringen selbst eines Shampoos strengere Kriterien zum Wirkungsnachweis angelegt, als an Homöopathika. Das kann man sich auch einmal in einer stillen Stunde vergegenwärtigen.

  6. #6 Dr. E. Berndt
    16. April 2009

    @ ChristianW
    Ihr Kommentar: Hat der Herr Doktor etwa einen weissen Kittel an? Ich wette, er ist mit den Pharma-Riesen im Bunde!

    Und was soll man daraus schließen? Biite nicht so kryptisch.

  7. #7 Marius
    16. April 2009

    Dazu eine schöne Anekdote, weil die Alternativheiler doch so auf Anekdoten stehen. Vor ein paar Monaten waren wir mit Baby beim Kinderarzt. Die Ordination hat einen halboffenen, nur durch einen Vorhang abgetrennten Bereich beim Wartezimmer, in dem insbesondere unangemeldete Akutfälle angeschaut werden. Hinter dem Vorhang höre ich eine Mutter und den Arzt.

    Arzt: (unverständlich)
    Mutter: “Also abwarten?”
    Arzt: “Ja, das vergeht schon nach ein paar Tagen.”
    Mutter, besorgt: “Mhm…na hoffentlich…”
    (Pause)
    Arzt: “Aber wenn S’ wollen, kann ich Ihnen schon was Homöopathisches verschreiben…”
    Mutter, hörbar grinsend: “Oje, simma in die Placebogruppe gelost worden?”

  8. #8 Rose
    16. April 2009

    Homöopathie goes U-Bahn-Gratiszeitung!

    Der “Gesundheitsteil” der Fellnerschen Gratis-Postille ist schon an und für sich unglaublich informativ. (“So bekämpfen Sie Stress ultimativ: bei Überlastung gegensteuern und regelmäßig kleine Pausen einlegen!”…) Die nett geplauderten Binsenweisheits-Gschichterln unterscheiden sich aber kaum von den in letzter Zeit immer flächendeckender geschalteten Homöopathie-Inseraten. Direkt proportional zum Anzeigenvolumen wird diese “umfassende Heilmethode” als unglaublich wirkungsvoll und sanft gepriesen. Erst gestern gelesen: Mit den Wirkstoffen der Zwiebel gegen Heuschnupfen! Dreiklang – Globuli – “eine neue Generation von homöopathischen Einzelsubstanzen, die sich aus drei unterschiedlichen Potenz-Akkorden desselben Mittels zusammensetzen.” (Btw, was zum Teufel sind “Potenz-Akkorde”? Eine von Pfizer gesponserte Hausmusik-Combo? :-))

    Rein propagandatechnisch ist die Homöopathie-Lobby also mächtig unterwegs.

  9. #9 GeMa
    16. April 2009

    Nein, Rose, das kann nicht sein. Ausschliesslich Bikfama hat eine Lobby und korrupte Willfährige (aka Schulmediziner), bezahlte Schreiber und ausschliesslich die ist mächtig und unterwegs. Homöopathie hat auch keinerlei aktive Sympatisanten in unseren Abgeordneten- und Ministerriegen.

  10. #10 Dr. E. Berndt
    16. April 2009

    Sehr geehrte Frau Apotheker! Sehr geehrter Herr Apotheker!

    Am Freitag, 17. April 2009 findet im Apothekenmuseum in Mauthausen die Veranstaltung “Haydn, Homöopathie & Pharmazie” statt, zu der wir Sie im Namen des Kulturkreises Mauthausen und des Apothekenmuseum Mauthausen sehr herzlich einladen dürfen.

    Termin:
    Freitag, 17. April 2009, 19.00 Uhr

    Ort:
    In den Räumlichkeiten des Schloss Pragstein Mauthausen

    Programm:
    Vortrag von Herrn Dr.med. Peter König
    “Die Homöopathie verstehet man durch die ganze Welt! Der fürstliche Kapellmeister Joseph Haydn als Patient”

    Konzert mit Kanako Shimada (Mezzosopran) und Stefan Gottfried (Cembalo)
    “Lieder und Clavierwerke von Joseph Haydn”

    anschließend für Interessierte: Führungen durch das Apothekenmuseum………

    Darauf meine Antwort an die Kammer und CC Dr. Peter König

    Sehr geehrte Damen und Herrn Kollegen!

    Ich weiß sehr wohl, daß ich gezwungen bin, an dem unwürdigen Schauspiel Homöopathie teilzunehmen!

    Das bedeutet aber noch lange nicht, daß ich ständig irgendwelche Einlullungsvorträge mit irgendeinem Homöopathen kammeramtlich empfehlen lassen muß?

    Was hat der arme Haydn mit der Volksverdummung Homöopathie zu tun?

    Schenken Sie doch Homöopathen, die sich an uns heranmachen und anschicken, die letzten Reste von wissenschaftsbasierter Pharmazie der Apotheke auszutreiben das Buch „Gesund ohne Pillen“ von Ernst/Singh!

    Langsam aber sicher bin ich es satt, wenn sich bei jeder sich bietenden Gelegenheit irgend so ein Homöopath mit seiner Unwissenschaft anbiedert!

    mfg

    Dr. Berndt

  11. #11 Rose
    16. April 2009

    @GeMa:
    Ach ja, ich vergaß, Werbung für Homöopathie stimmt die Feinsinnigen unter uns froh (siehe Doc Berndts banausenhaft ausgeschlagene Einladung zum Haydn-Abend) – Werbung für grobstoffliche pharmazeutische Produkte, die nicht auf dem Schwingungsprinzip beruhen, ist pöse, sehr pöse…:-)

  12. #12 David
    17. April 2009

    Hallo liebe Skeptiker,

    Kennen und lesen tue ich diesen Blog nun schon über ein Jahr, aber dies ist mein erster Kommentar…
    Ganz zu beginn möchte ich klarstellen, dass ich die ganze Alternativmedizin-, und im Speziellen, Homöpathiedebatte äußerst wichtig finde, damit diesen Scharlatenen endlich das Handwerk gelegt wird.
    Allerdings merke ich des Öfteren, dass wir (Skeptiker) uns teilweise verhalten, wie die Spinner der Pseudowissenschaften, wenn es z.B. um Pharmakonzerne und gefälschte (Medizin)Studien geht. In einer utopischen Welt, wäre jeder Wissenschaftler so objektiv und unbefangen wie irgend möglich und jeder Pharmakonzern wäre nur auf das Wohlergehen der Menschen bedacht (vielleicht sollten die Pharmakonzerne in Utopia die Medikamente verschenken).
    [Ich bin in keinster Weise ein Kommunist, wie oben stehender Text vermuten lassen könnte. Ganz im Gegenteil: Ganz offen und ehrlich gebe ich zu, dass ich eines jener Kinder des Kapitalismus bin, das bis jetzt nur von ihm profitiert hat]

    In Utopia leben wir aber nicht und in einer kapitalistisch orientierten Sichtweise, wie sie eben in unserer westlichen Welt zweifelsfrei vorherrschend ist, geht es um Profit. Und wo es um Profit und Kpitalmaximierung geht, da sind Interessenskonflikte nicht weit.

    Dies ist nun mal so, und man sollte sich dessen bewuisst sein. Soll heißen, dass vielleicht eine Studie von 100, 1000, 10000 (?) doch gefälscht sein könnte und im Sinne der Pharmaindustrie gemacht worden ist. Ganz konkret beziehe ich mich auf den “profil” Artikel “Böse Pillen”.
    Ein kurzer Auszug aus diesem Artikel (zusammengefasst): Scott Reuben, 50-jähriger Anästhesist vom Baystate Medical Center in Springfield, Massachutes, hat 21 (!) seiner Studien frei erfunden. Das Unerklärliche ist, dass er vom Fachjournal “Anesthesia & Analgesia” sogar wegen seiner “sorgfältig geplanten” und “akribisch dokumentierten” Studien gelobt worden ist. In zahllosen Leitlinien zur Schmerztherapie wurden seine Ergebnisse zitiert, Millionen nach seinen Vorgaben behandelt…
    Nun will keiner der Co-Autoren etwas von diesen Fälschungen gewusst haben. (Kann man alles in diesem profil Arikel nachlesen. Falls ihn jemand haben möchte, kann ich ihn als pdf per email zustellen)

    Wo ich das gelesen habe, war ich, muss ich zugeben, schockiert und bin mir jetzt wieder mehr bewusst, dass es Profitgier sowohl hüben (“evidenz”basierte Medizin) als auch drüben (Alternativmedizin) gibt.

    Alles was ich sagen will: Vielleicht hat nicht nur die Alternativmedizin die Aufmerksamkeit der Skeptikergemeinde verdient; vielleicht haben es auch die “Evidenzen”, der einen oder anderen klinischen Studie…

  13. #13 Ulrich Berger
    17. April 2009

    @ David:

    Sie haben schon Recht, aber dass Big Pharma – grob gesprochen – böse ist, ist nicht gerade ein Geheimnis und wird hier auch nicht geleugnet. Es gibt eigene Blogs, die sich damit beschäftigen, z.B. http://gesundheit.blogger.de/ , es werden Bücher darüber geschrieben und Artikel wie jener im Profil darüber verfasst. (Den gibts übrigens hier: http://www.profil.at/articles/0915/560/238974/ ) Auf ScienceBlogs haben sich Marc und Tobias mit dem Fall Scott Reuben auseinandergesetzt. Ich selbst habe versucht, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, http://www.sciblog.at/stories/37047/#comments .

    Das Problem ist, dass die CAM als “natürlicher” und “sanfter” Gegenpol zu evil pharma aufgebaut wird, obwohl auch dort das kommerzielle Interesse klar überwiegt.

  14. #14 Ronny
    17. April 2009

    @David
    Sie sprechen genau das Problem an. In der richtigen Medizin gibt es viele funktionierende Systeme aber auch schwarze Schafe (wie überall). Gerade um dies möglichst gering zu halten MUSS jedes Medikament und jede Behandlung bestimmte Voraussetzungen erfüllen: die Wirksamkeit muss klinisch getestet sein, die Wirksamkeit muss nachgewiesen werden und es erfolgt eine ständige Qualitätskontrolle. Selbst bei diesen hohen Anforderungen kann es noch zu Betrug kommen.

    So, jetzt stellen sie sich das einmal in einem medizinischen Bereich vor in dem die Wirksamkeit NUR AUFGRUND VON BEOBACHTUNG gewährleistet ist. Niemand weiß genau warum, aber es klappt manchmal. Man muss sogar mystische oder zumindest physikalisch/medizinisch unmögliche Effekte postulieren um auch nur in die Nähe einer Erklärung zu kommen. Es gibt weiters keinerlei Qualitätskontrolle und auch keine Überprüfung.

    Ein Vergleich:
    Würden Sie ein Auto (=Medizin) kaufen welches keinen Motor hat (=kein Wirkstoff) nur weil der Verkäufer der am Hang (=Placeboeffekt) wohnt sagt: Schauen sie doch, es fährt (=es heilt) !

    Betrug ist vorprogrammiert. Man verkauft reine Zuckelglaubuli und nennt es ‘Medizin’. Da es keinerlei Wirkstoffe enthält kann man niemand klagen. Echt toll ! Und wenns nicht funktioniert, dann ist der Patient schuld.

    Kurz: Die Pharmaindustrie arbeitet oft mit schrägen Methoden und Betrug gibt es überall, aber zumindest gibt es ein Kontrolle. Dies jetzt durch eine total unkontrollierte Medizin zu ersetzen (selbst nur als Beiwerk) ist Wahnsinn.

    Auch frage ich mich bei dem ständig steigenden Lebensalter der Menschen wieso die Medizin einen so schlechten Ruf hat, dass wir sie durch mystische Behandlungsmethoden ergänzen müssen ?

  15. #15 Roland
    17. April 2009

    Wir bräuchten in der EU ein “Wirksamkeitsnachweis-Gütesiegel” für Medikamente, das streng und objektiv geprüft wird. Ich könnte mir vorstellen, dass Konsumenten dann einen guten Wirksamkeitsnachweis als Kaufanreiz sehen (zum Stichwort Kapitalismus). So würden wissenschaftliche Kriterien wieder mehr ins Bewusstsein der Konsumenten rücken.

  16. #16 Roland
    17. April 2009

    Die Realität schaut doch so aus:

    Man geht in die Apotheke und wird entweder von einem Pharmazeuten beraten oder von einer Apotheken-Hilfe. Beide tragen den gleichen weißen Mantel, für den Durchschnittskunden ist kein Unterschied zu bemerken (der Unterschied ist ein kleiner Pharmazie-Anstecker)

    Die Apotheken-Hilfe hat eine Lehre absolviert und kann verkaufen, hat aber kein wirkliches Pharmazeutisches Wissen. Der Pharmazeut hat zwar studiert, aber interessanterweise nie gelernt wie man wissenschaftlich die Wirksamkeit eines Medikamentes nachweisen kann (zumindest bis vor kurzem war das nicht Teil des Pharmazie-Studiums). Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Homöopathie etc. wird alles hübsch nebeneinander in die Regale geschlichtet. Dass es zwischen Medikamenten und Nahrunsergänzungsmitteln Unterschiede bei der Zulassung gibt ist dem Kosumenten meist gänzlich unbekannt. Er kann ja nicht einmal zwischen diesen Kategorien unterscheiden.

    Die Apotheken haben immer geringere Gewinnspannen und gehen daher vermehrt über zusätzliche Produkte und Beratungen zu verkaufen. Immer öfter kann man sich in der Apotheke auch zu Homöopathie, Schüßler-Salzen oder Bachblüten beraten lassen. Die Apotheken-Mitarbeiter bilden sich dazu in Wochenendseminaren weiter und sorgen so für einen Mehrumsatz und für mehr Kundenbindung.

    Von sachlicher, objektiver Beratung ist wohl (bald) nicht mehr viel übrig geblieben. Es geht im wesentlichen darum möglichst viel Umsatz zu machen. Um ein Rezept in der Apotheke einzulösen, muss man wohl bald auch noch die Frage über sich ergehen lassen: “… und hätten sie Interesse an einer Bachblüten-Beratung? Die wäre heute nämlich im Angebot”.

  17. #17 Rose
    20. April 2009

    Heute durften im “Ö1-Radiodoktor” wieder einmal die “Komplementärzmediziner” ihren unverzichtbaren Beitrag bei der Bekämpfung von Allergien wortreich darstellen. Neben einer Akupunktur-Vertreterin und einem Vertreter der “Schulmedizin” kam auch Michael Frass zu Wort, der das Banner der Homöopathie an der Onkologie-Ambulanz im Wiener AKH hochhält, wenn ich mich nicht irre. Auf den Einwand eines Hörers, Homöopathie sei bloß Glaubenssache, erwiderte Frass allen Ernstes, die HP beruhe doch auf dem “Ähnlichkeitsgesetz”, dieses sei “angewandte Toxikologie”, was jeder überprüfen könne. Er gebe zu, dass die Frage der Hochpotenzen “etwas schwieriger zu verstehen sei”, aber auch da gebe es wissenschaftliche Beweise aus dem Bereich der Physik, die belegen würden, dass auch Hochpotenzen “physikalische Effekte” hätten. (Ich zitiere aus dem Gedächtnis und anhand einer schnell angelegten. Mitschrift.) Müßig zu erwähnen, dass Frass einige Studien, die im “Lancet” erschienen sind, als Beleg für die Wirksamkeit der HP aufruft, freilich ohne Namen zu nennen.

    Als naturwissenschaftlicher Laie, der ich bin, frage ich mich, wie sich ein ausgebildeter Arzt so ungeniert über die naturwissenschaftlichen Paradoxien der HP hinwegschummeln kann, ohne zu erröten. Von seiner Interpretation der Datenlage ganz zu schweigen – siehe Edzard Ernst.

    Die beiden CAM-Vertreter haben zudem das gute Einvernehmen mit der Schulmedizin gepriesen: Kein Wunder – die darf nämlich die etwas aufwendige Diagnostik leisten und ganz nebenbei “ergänzend” dann doch die gängigen Medikamente, Sprays, Augentropfen beisteuern, wenn die achtwöchigen Nadelkuren und HP-Behandlungen vielleicht doch nicht den umfassenden Heilerfolg bringen. (Zumindest das haben sie zugegeben, dass in der Regel nur eine “Linderung” möglich ist.)

    Mir ist schon klar, dass es auch in der medizinischen Forschung manipulative Dateninterpretation und Fälschungen gibt, Korruption etc., das hat zuletzt der Fall Reuben gezeigt. Aber wenigstens fällt das irgendwann jemandem in der scientific community auf und dann wird auch kritisch darüber berichtet. Bloß die CAMs hocken in ihrer Kuschelecke und dürfen frei flottierenden Unsinn von sich geben, freilich mit dem Prestige ausgebildeter Ärzte. Da könnten ebensogut studierte Zoologen Vorträge über weiße Einhörner halten – man wird es ihnen glauben?

    Schon die Wortwahl: “Ähnlichkeitsgesetz” – als wäre das mindestens so zwingend wie die Schwerkraft! GRR! Ich hab Lust auf Globuli-Weitwerfen oder so! Wer macht mit?

  18. #18 Ulrich Berger
    20. April 2009

    Liebe Rose, als ich diese Ankündigung http://oe1.orf.at/programm/200904201601.html las, stellte ich mir genau das vor, was Sie hier beschrieben haben. “Frei flottierender Unsinn” trifft den Sachverhalt präzise.

  19. #19 Rose
    20. April 2009

    Lieber Ulrich, danke für den Link! Ich habe in der Eile aus Michael Frass irrtümlich Peter Frass gemacht – sorry für die Fehlinformation. 🙂
    Ich habe den Eindruck, dass die HP durch ihre intensive Promotion im Apothekenbereich und massive mediale Kampagnen einen Status des “Faktischen” erreicht hat, den kaum jemand mehr hinterfragt. Ein “Mega-Hoax”, wenn man so will, der aus den Köpfen der Menschen einfach nicht mehr herauszubekommen ist. Zumindest von seriöser wissenschaftlicher Information wäre da aber mehr zu erwarten als naive Fragen wie: “Können Sie denn Ihren Patienten wirklich helfen?” und artiges Kopfnicken, wenn der Homöopath behauptet: “Aber ja, gewiss!”

  20. #20 Dr. E. Berndt
    20. April 2009

    frei flottierender Unsinn, Mega Hoax leidersehr gute Worte für Tatsachen

  21. #21 sil
    20. April 2009

    Schaut mal hier:
    “Unis sollten Quacksalber nicht fördern”.

    “Gegen den wegen der Einladung von „Homo-Heilern“ umstrittenen Psychotherapeuten-Kongress an der Universität Marburg protestieren jetzt auch Wissenschaftler. Die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“ erklärte, bei den in einigen Workshops angebotenen Ansätzen zur „Behandlung“ von Homosexuellen handele es sich um „Pseudowissenschaften“, die „nicht dem Stand der biologischen und psychologischen Wissenschaft entsprechen“. Man betrachte „mit Sorge, dass Tagungen mit pseudowissenschaftlichen oder esoterischen Inhalten immer häufiger in einem universitären Raum abgehalten werden, ohne dass Universitäten hiergegen einschreiten“. In der Gesellschaft sind über 800 Forscher verschiedener Fachrichtungen von allen großen deutschen Universitäten organisiert, die fragwürdige, aber oft populäre Themen auf dem Grenzgebiet zur Wissenschaft kritisch hinterfragen.”

    Die GWUP hat´s mal wieder eine Zeitung geschafft.
    Religiöse Homo-Umpoler an der Uni sind dann wohl doch zu heftig.

  22. #22 Rincewind
    20. April 2009

    @David: kaum ein Skeptiker der Alternativ”medizin” dürfte deswegen die Pharmaindustrie für Schneewittchen halten. Aber immerhin: Es sind hunderte von Substanzen bekannt, welche zweifellos wirken und vielen Menschen das Leben gerettet oder verlängert haben. Immerhin können die das vorweisen. Das mit einer solchen Art von quasi existentiellen Produkten Schindluder getrieben werden kann, steht außer Frage.

    Den Fall Rouven halte ich dennoch für extrem selten aus verschiedenen Gründen:
    – es ist gar nicht so einfach, eine Studie komplett zu fälschen indem man sich irgendwelche Daten aus den Fingern saugt. Statistiker haben da sehr gute Mittel, sowas zu entdecken.
    – Jeder Forscher, der sich auf sowas einlässt weiß, dass es das Ende der Karriere bedeutet, sollte sowas auch nur einmal auffliegen.
    – Auch die Pharmahersteller haben ein Interesse an vernünftigen Studien. Die stehen auch in einem Konkurrenzverhältnis, und sind an möglichst wasserdichten Belegen interessiert. Es wäre ein Marketing-Gau, sollte sich herausstellen, dass eine Pharmafirma bewusst die Schädigung oder den Tod von Anwendern in Kauf genommen hätte. Da braucht man noch nicht mal von Ethik ausgehen, dass das dort keiner will. Da hat man die letzen Jahrzehnte kräftig dazugelernt.

    Getrickst wird auf subtilere Art: Man veröffentlicht z.B. keine Studien, die nicht positiv sind und nimmt nur die “guten”. Oder im großen Bereich der Scheininnovationen.

  23. #23 Roland
    20. April 2009

    Diese Schnell-Ausbildung haben wohl auch die Anbieter von diesem praktischen Anhänger für Hund und Katz besucht. Weil mit diesem bioenergetisierten Anhänger werden Zecken, Flöhe und Läuse ganz einfach vertrieben – und das völlig natürlich, biologisch und ohne Chemie. Ja, und der Quantenchip on YCT darf natürlich auch nicht fehlen. Wobei interessant ist, dass dieser Chip dann keine “böse” Technik und Chemie, sondern eine “Weltsensation” ist. Geschicktes Marketing würde ich sagen.

  24. #24 Rose
    20. April 2009

    Richtigstellung der Richtigstellung:
    Hey, ich hab ja Michael Frass gar nicht als “Peter” Frass bezeichnet – ich bin unschuldig! 😉 Muss wohl an meinem gestörten Chi-Fluss nach Genuss der oben beschriebenen Ö1-Sendung liegen. So eine geschwollene Zornesarterie kann energetisch ganz schön was anrichten…:-)

  25. #25 Ulrich Berger
    21. April 2009

    @ Rose: Richtigstellung der Richtigstellung der Richtigstellung:

    Ich fürchte Sie haben schon, aber ich habe das heimlich still und leise in Ihrem ersten Kommentar korrigiert, um keine Verwirrung auszulösen. Was nicht ganz gelang… 😉

  26. #26 S.S.T.
    21. April 2009

    @ Roland

    “Bio-Pend”, “YCT”: Man ist halt zu dämlich und/oder zu sehr mit Skrupeln behaftet, um im Leben erfolgreich zu sein. Offensichtlich lechzen zahllose Leute danach, betrogen zu werden und nehmen es einem auch noch übel, wenn man ihren Aberglauben Aberglauben nennt.

    Erinnert mich an eine Anekdote aus dem 18.(?) Jhd.: Ein Arzt besucht einen Quack in dessen Luxuswohnung und beklagt sich über die eigene Armut. Der Quack bittet den Arzt an das Fenster und fragt ihn, wie viele der Passanten der Arzt für intelligent halten würde. Der Arzt antwortet, so etwa 10%. Darauf der Quack: Das sind Deine Patienten, der Rest kommt zu mir.

  27. #27 Rose
    21. April 2009

    @ Ulrich Berger
    Ihre unsichtbare irdische Hand steckt also dahinter und doch nicht meine Chi-Blockade! (Ist mir ehrlich gesagt ohnehin lieber.) Danke für Ihre diskrete Korrektur, meine etwas wirren Selbstbezichtigungen konnten Sie dennoch nicht verhindern. 😉

  28. #28 ghw
    1. Mai 2009

    Apropos geförderte Quacksalber an Unis:

    Ich promoviere gerade an der MedUniWien und stelle mit Entsetzen fest, dass auch an dieser Universität die so genannte “Komplementärmedizin” immer mehr um sich greift (mittlerweile gibt es sogar eine Ringvorlesung zu dem Thema).

    Und mit Stephanie H. gibt es in der ÖHa sogar eine engagierte “Sachbearbeiterin” für dieses Thema…

    …und um Dr. E. Berndt aufzugreifen: “Wer heilt, hat Recht” – aber die Heilung sollte erst mal objektiv nachvollziehbar und vorallem reproduzierbar nachgewiesen werden.

    Und viel wichtiger wäre die strikte Anwendung des Verursacherprinzips: Wer als Arzt mit Komplementärmethoden Mist baut, sollte auch in vollem Umfang dafür entschädigen müssen… (dann würde sich der Unfug vermutlich schnell aufhören).

  29. #29 Dr. E. Berndt
    1. Mai 2009

    @ghw
    Ich bin nicht der einfachen Meinung: “Wer heilt, hat recht” Dieser Satz ist grober Unfug, und ist nicht anderes als eine faule Ausrede.
    Ich vertete die Ansicht: “Wer beahuptet, daß er heilt, muß nach allen Regeln der Kunst zuerst einmal beweisen, daß er recht hat”