Wirkt Homöopathie eigentlich noch besser, wenn die Urtinktur beim “Potenzieren” mit Granderwasser verdünnt wird? Fragen wie diese boten sich letzte Woche im Österreichischen Wirtschaftsmuseum an, als der Vortragsabend am Mittwoch versprach, insgesamt vier Stunden lang hintereinander gleich über zwei esoterische Dauerbrenner zu informieren: Homöopathie und Granderwasser. Wer so etwas durchstehen will, braucht eiserne Nerven. Rudolf Kuchlbacher hat sie bewiesen. Er war dort, und hier ist sein Bericht.

Ein Gastbeitrag von Rudolf Kuchlbacher


Österreichisches Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum, Mi, 29.02.2012, 17:00 Uhr: “Die Homöopathie könnte bald überflüssig sein.
Mit dieser Einleitung des Vortrags zur Homöopathie von Frau Dr.
Laschkolnig könnte man als Skeptiker doch ganz zufrieden sein. Der
Fairness halber aber hier noch die Fortsetzung des Zitats:

Jeder muss halt für sich das Richtige herausfinden – ob
das jetzt die Homöopathie ist oder ein Schamane oder Geistheilung. Oder
einfach nur richtiges Einatmen der kosmischen Energien…

Aber der Reihe nach…

Direktor Hans Hartweger, mit schmuckem, rot blinkendem Mascherl bewehrt,
fragt ins Publikum, wie spät es denn sei. Und es sollte auch ein Abend
voller Fragen bleiben.

Zumindest diese wurde noch beantwortet und schnell wurde klar, was
einigen Skeptikern vor Beginn der Veranstaltung noch Verwunderung
abgerungen hatte: Warum wird in diesem Haus, das ansonsten sehr interessante Vorträge und Vortragende
zu bieten hat, der Pseudomedizin und Parawissenschaft eine Bühne
geboten? Direktor Hartweger outet sich als fast glühender Verehrer von
Frau Laschkolnig und erzählt begeistert von eigenen Erfahrungen mit der
Homöopathie. Auch Granderwasser hat’s ihm angetan – ist doch der
Kaffeeautomat in der Kantine seit neuestem mit Grander-“Technologie”
ausgestattet.

Auftritt Dr. Laschkolnig

Zu Beginn malt die studierte Medizinerin vor mittlerweile vollem Saal in dunklen Farben:

Wir leben in einer schlimmen Zeit. Die Finanzwelt bricht
zusammen, der Euro, der Missbrauch in der Kirche und der Politik. Ich
höre auch viele Geschichten von Schwierigkeiten im Beruf und Beziehungen
– denn wie außen so auch innen, das ist ja klar.

Gut. Als jemand, der einen Vortrag dieser Art zum ersten Mal ertragen
miterleben durfte, hatte ich mir einen etwas rosigeren Einstieg
erwartet, aber sei’s drum. Frau Laschkolnig bietet ja auch gleich eine
Hypothese an, warum wir Menschen mit all diesen schwierigen Umständen zu
kämpfen hätten, aber davon auch profitieren könnten:

Das Magnetfeld der Erde hat sich verändert. Es gibt jetzt mehr Sonnenstürme und deshalb mehr Heilungsenergien.

Nicht gut. Die Erde besitzt ein (ja – veränderliches) Magnetfeld
und es gibt auch (immer wieder) Sonnenstürme – aber weder befinden wir
uns momentan in einer Phase besonders starker Sonnenaktivität (siehe zum
Beispiel hier), noch erfährt das Magnetfeld der Erde dadurch nachhaltige Veränderungen.

Von wachsenden Füßen und Energieschubsen

Dr. Laschkolnig erzählt in weiterer Folge von einer Begebenheit die … naja, sagen wir mal, nicht als besonders
glaubwürdig einzustufen ist: Ihr rechter Fuß war immer schon eineinhalb
Nummern kleiner als ihr linker, was natürlich enorme Probleme beim
Schuhkauf verursacht. Doch plötzlich, eines schönen Tages in einem
Schuhgeschäft bei der Anprobe zweier gleich großer Schuhe, passten sie
beide perfekt!

Und da hab ich mich dann im Nachhinein erinnert –
monatelang hat’s im rechten Knöchel immer wieder vibriert. Das sind die
Energien, und die schau’n d’rauf, dass ich wieder auf zwei gleich großen
Füßen geh…

Frau Laschkolnig, auch ich kaufe mir ab und an
neue Schuhe. Und ich gehe jetzt einmal davon aus, dass das auch andere
Menschen tun. Ich für meinen Teil habe in den letzten paar Jahren
erlebt, dass mir sogar Schuhe der Größen 41 bis 43,5 passen. Und wann
muss ich damit rechnen, nur noch in Geschäften mit Übergrößen einkaufen
zu gehen, falls das Universum mit seinen rätselhaften Energien
beschließt, auch meine Füße wachsen zu lassen?

Aber es geht weiter – und zwar endlich mit Homöopathie:

Es hat ja schon jeder gehört, dass da nix drinnen ist – aber
es ist ein Schubs drin. Die Energie. Und die Menschen können dann
weiter springen.

Es folgen einige Striche und Wellenlinien
zur “Lebensenergie” auf einer Flipchart und endlich eine Hypothese für
die Quelle der Macht Energie:

Die Lebensenergie ist abhängig von der Energie bei der
Zeugung. Wir brauchen nicht viel von außen. Und was macht das
(homöopathische, Anm.) Mittel? Es gibt uns einen Schubs!

Aha.
Aber gleich darauf erzählt Frau Laschkolnig – und darüber war ich (kaum
zu glauben) noch erstaunter – von möglichen Komplikationen und
Nebenwirkungen der Homöopathie (außerhalb der Erstverschlimmerung,
welche sie ja ausdrücklich als gut empfindet):

Aber er (der Schubs, Anm.) kann auch darüber hinaus schießen
– vor allem bei einer Hochpotenz. … C30 jeden Tag – da kann es sich
dauerhaft verschlechtern. Da war der Schubs dann zu kräftig.

Was uns krank macht

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Kommentare (56)

  1. #1 Ludger
    8. März 2012

    Dass der Hokuspokus im Wirtschaftsmuseum stattgefunden hat ist schon paradigmatisch. Hoffentlich werden alle Umsätze sauber abgerechnet, damit wenigstens der Fiskus was davon hat.

  2. #2 schak
    8. März 2012

    @Ludger
    Wieso ? Ich finde ein Museum als Ort solcher Vorträge zu benutzen geradezu hervorragend, denn dann wird schnell klar wo Granderwasser und Homöopathie hingehören:
    Ins Museum der zwar nett gemeinten, aber leider falschen Interpretationen der Wirklichkeit.

  3. #3 Folke Kelm
    8. März 2012

    Da wäre ich ja gerne dabei gewesen, aber dank dieses Beitrages hier weiss ich jetzt wenigstens, warum meine verzweifelte Suche nach wasserdichten Reitstiefeln in Grösse 48 letztens ein gluckliches Ende hatte, als ich einfach welche in Grösse 46 anprobierte…..Siehe da, sie passten….
    “Das sind die Energien, und die schau’n d’rauf, dass ich wieder auf zwei gleich großen Füßen geh…”
    naja, meine Füsse haben sich nicht geändert, aber die energien des sich ändernden Magnetfeldes und die Sonnenaktivität haben eben eine nette Hand über die Stiefel gehalten die auf wundersame Weise ihre grösse meinen Füssen anpassten.

    Hach wie schön rosa könnte die Welt gefärbt sein, wenn nicht wir pöhsen und überkritischen Wissenschaftler wären und immerzu nach Belegen fragen würden. Warum können wir nicht auch einfach mal “einfach glauben”. Wir würden fröhlich Granderwasser trinken (schmeckt das denn nun anders als mein pöhses Leitungswasser?), die homöopatische Industrie würde uns mit homöopatischen Antibiotika versorgen, gegen die es garantiert keine Resistenzen geben würde, die Wirtschaft würde wieder boomen, weil wir ja dann wieder alles kaufen würden was uns da verkauft werden will…..

    nee, oder?….ich bleib lieber kritisch und geh einfach davon aus, dass mir meine Stiefel in Grösse 46 passen, weil einfach die Leisten des Schuhherstellers etwas gross ausfallen.

  4. #4 holz
    8. März 2012

    Aber Herr Kuchlbacher – Frau Laschkolnig bezieht sich in ihren Ausführungen schließlich auf fundamendale, wissenschaftliche Beweise – wie aus ihrer Homepage hervorgeht. Hier nochmal dieser von Ihnen erwähnte Hinweis zum Ähnlichkeitsprinzip aus dieser Homepage:
    “Der Zauberstab von Harry Potter enthält unter anderem eine Phönixfeder. Sein Gegenspieler Lord Voldemort hat in seinem Zauberstab ebenfalls eine Phönixfeder. Beide Federn stammen vom gleichen Vogel.”
    Solche Beweise darf man nicht außer Acht lassen, sonst kommt noch Lord Voldemort und übernimmt mit seinen schwarzen Magie all unsere Energiefelder.
    Jetzt, wo ich dran denk, bekomm ichs gleich mit der Angst. Vielleicht sollt ich mir doch noch zur Sicherheit ein paar homäpathische Mittel gegen Angst vor den dunklen Mächten besorgen – denn: “Für jeden Menschen gibt es – entsprechend seiner Individualität – eine genau zu ihm passende Arznei.” …

  5. #5 ralfi
    8. März 2012

    Die Nerven von Rudolf Kuchlbacher möchte ich haben … Ich glaub’ ich wäre schon nach dem zweiten Satz geplatzt. So ein Schmarrn …

  6. #6 Thomas Wolkanowski
    8. März 2012

    Eine interessante Beobachtung machte meine Frau kürzlich, als sie einen genaueren Blick in unseren Kühlschrank warf: Der von ihr gekaufte Senf Dijon von “Münchner Kind’l”, hergestellt nach der EG-Öko-Verordnung, sieht eigentlich ganz harmlos aus. Schaut man sich aber das Etikett genauer an, so bemerkt man das recht große Logo von Grander und daneben den Hinweis: “Mit Granderwasser in traditioneller handwerklicher Weise hergestellt.” Ich muss nicht anmerken, wie schockiert ich über diesen Umstand gewesen bin, als sie mich wütend in der Uni anrief; wie kann man schließlich einen Skeptiker ernst nehmen, der solche Produkte im Haus hat?

    Ihre Schlussfolgerung: Man muss weder in speziellen Lebensmittelgeschäften ein-, noch spezielle Produkte kaufen, um sich Hokuspokus ins Haus zu holen. Der Witz ist, wenn Menschen gar nicht wissen, was dieses Wasser ist, dann ist ihnen auch nicht klar, dass sie die ganze Strömung mit dem Kauf solcher Produkte unterstützen. Ein weiterer Grund die Aufklärung darüber voranzutreiben.

  7. #7 Wolfgang
    8. März 2012

    Ich bin immer wieder entsetzt, dass solche Leute praktizieren dürfen. Ich werde jetzt auch mal dem Finanzamt erzählen, dass sie eigentlich umso mehr Geld von mir bekommen, umso weniger ich ihnen gebe. Sie merken das natürlich nicht so unvermittelt, weil das homöopathische Prinzip sanft ist, aber die Wirkung ist natürlich da, auch wenn die Wissenschaft etwas Anderes erzählt. Ich glaube kaum, dass ich damit durch käme. Aber bei unserem höchsten Gut – der Gesundheit – kommt man mit so einem Humbug ohne Weiteres durch.

  8. #8 Barton Fink
    8. März 2012

    Bumsti!
    Ich denke mich hätten’s dort rausschmeissen müssen, ich hätte mich sicher nicht halten können und den beiden sicher einige evidenzbasierte Dinge akustisch an den Kopf geworfen!

  9. #9 Ex-Esoteriker
    8. März 2012

    Das sind die Energien, und die schau’n d’rauf, dass ich wieder auf zwei gleich großen Füßen geh…

    seltsam, manchmal spüre ich sogar “weibliche” Energie in meiner Umgebung, die dafür sorgt, dass ein Körperteil von mir extrem anschwellen und vergrößern lässt…:-)

  10. #10 Jörg W.
    8. März 2012

    Danke dir für deinen Bericht. Es ist zwar nicht überraschend, aber man muss doch gelegentlich informiert sein, was bei solchen Vorträgen tatsächlich abgeht – so weh es auch tut. Außerdem kann es auch nicht schaden, bei solchen Events mit der einen oder anderen intelligenten Frage zumindest die Saat des Zweifels zu säen.

  11. #11 Jörg W.
    8. März 2012

    Danke dir für deinen Bericht. Es ist zwar nicht überraschend, aber man muss doch gelegentlich informiert sein, was bei solchen Vorträgen tatsächlich abgeht – so weh es auch tut. Außerdem kann es auch nicht schaden, bei solchen Events mit der einen oder anderen intelligenten Frage zumindest die Saat des Zweifels zu säen.

  12. #12 Jörg W.
    8. März 2012

    Danke dir für deinen Bericht. Es ist zwar nicht überraschend, aber man muss doch gelegentlich informiert sein, was bei solchen Vorträgen tatsächlich abgeht – so weh es auch tut. Außerdem kann es auch nicht schaden, bei solchen Events mit der einen oder anderen intelligenten Frage zumindest die Saat des Zweifels zu säen.

  13. #13 E. Berndt
    8. März 2012

    Schade, dass mir das entgangen ist, aber ich bin halt weit weg!

    Patientenschutz im Gegensatz zu Biologie und Naturwissenschaft?
    Die Widersprüche zu gesicherten naturwissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnissen werden auf Integrationsveranstaltungen und Fortbildungsseminaren nicht angesprochen. Das Ziel ist klar. Keine klassische Behandlung ohne alternativem, komplementärem und ganzheitlichem Beiwerk. Nicht die Nachweisbarkeit einer postulierten Wirkung soll Basis für die Zulässigkeit und für das „lege artis“ von Therapien und Mitteln sein sondern die von interessierter Seite erweckten objektiv unhaltbaren, subjektiven Wunschvorstellungen der Patientinnen und Patienten. Integration bedeutet nichts anderes, als dass den jeweils von interessierter Seite entrierten Wellnessmoden und Wundermitteln, die nichts außer Werbeversprechen aufzuweisen haben, unbeschränkter Verkauf am besten im Placebo-Point Apotheke zugestanden wird. Mit dem Ausrufen des mündigen Patienten, der eigenverantwortlich handelt, dem aber als Laien die dazu notwendigen Voraussetzungen fehlen, dies zu durchschauen, entledigt man sich elegant jeder moralischen und ethischen Verantwortung. Der Geldbeutel des mündigen Patienten darf von jedem Wundermittelhersteller und Wundertherapeuten geplündert werden und die Apotheke hilft beratend mit. Die Webseiten vieler Apotheken konterkarieren jede Ausbildung.
    So wird das hohe Niveau an Sicherheit und an Konsumentenschutz, das uns unsere auf naturwissenschaftlichen Kausalitäten basierte Zivilisation gebracht hat, nun wieder zunehmend gefährdet durch die Salonfähigkeit von pseudowissenschaftlichem Schmarren, der sich geschickt mit Demokratie und Meinungsfreiheit seine zweifelhafte Existenz absichert; vor allem in der Medizin. Patientenschutz ist offenbar etwas ganz anderes als Konsumentenschutz.
    Jede Auszeichnung eines Voodoowissenschaftlers, jede Sortimentserweiterung um fragwürdige Produkte, jede diesbezügliche Tagung und jede Fortbildung ist auch eine Qualitätsbekundung für Voodoo und wird auch als solches von den dahinter stehenden Vereinen und Firmen vermarktet. Ergänzt wird dieses Szenario durch eine wohlwollende und meist unkritische Berichterstattung in den Medien. Der Bogen reicht vom offenkundigen Inserat bis hin zu den zahlreichen redaktionellen Informationsbeiträgen, die das Marketing ergänzen. Die Legalisierung von Betrug und Übervorteilung wird begünstigt.
    Die Konsumentenschutzvereinigungen haben damit keine Freude. Naturwissenschaftliche Fakten kümmerten auch Wissenschaftsminister Hahn nicht, als er auf einer Auszeichnung für den Wasserwunderwuzzi Grander, beharrte. Es gibt Parlamentarier und höchste Beamte, die sich eine Ampulle Granderwasser umhängen, die sich ihr Büro nach Feng-Shui einrichten, die sich einen Rosenquarz auf den Monitor stellen usw. Ich glaube auch, dass nicht wenige Pendler und Muter unter den Parlamentariern sind.

    Das Boomen der Esoterik hängt sicher auch mit beruflicher und persönlicher Überforderung zusammen. Esoterik ist eine Entscheidungshilfe, wenn auch fragwürdige. Sie ist nicht ein Minderheitenprogramm, eine Verhaltensweise von neukeltischen Druidinnen oder Voodooanhängern in Haiti, sondern das Esodenken ist bei uns mittlerweile bis in höchst verantwortliche Kreise des Staatslebens und des Gesundheitswesens vorgedrungen und es werden dementsprechend Entscheidungen – bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt – von den Anhängern getroffen. Und wenn mit Entscheidungen noch Wählerstimmen zu gewinnen sind, die durch Esoterik und Aberglauben inspiriert werden, dann ist alles andere zweitrangig. So werden Spitäler mit Granderwaser und esoterischen Strahlenabschirmgebilden auf Kosten der Allgemeinheit ausgerüstet. Das WiFI bietet Fortbildung und Ausbildung zum Energethiker und Astrologen an.
    Heute hat der Staat eben nicht mehr die Aufgabe seine Bürger zu schützen. Der Umsatz der Beutelschneider, besonders wenn es um die Gesundheit geht, ist ein unantastbares und höherwertiges Rechtsgut. Die Patienten sind ja – wie erwähnt – mündig! Aufklärung ist eine Geschäftsstörung. Das haben der Biologe Prof. Erich Eder und der Apotheker Gregor Huismann zu spüren bekommen. Ersterer wagte es auf einer eigenen Webseite die Wirkung von Granderwasser zu hinterfragen und letzterer bezweifelte die Wirkung von Haifischknorpeln in seinem legendärem Schaufenster „Scheiß des Monats“.

  14. #14 Jonas W.
    8. März 2012

    Gerade der Teil mit Harry Potters Zauberstab und dem japanischen WIssenschaftler, der meint dass Wasser den Namen Adolf Hitler lesen kann, sich daran erinnnert, dass ein böser Mensch so hieß und dann vor Angst nicht so gefriert wie es soll, ist genial.

    Es ist mir ein Rätsel, wie Menschen sowas glauben können. Aber unvernünftige Gedankengänge kann man ja auch bei den Vorwahlen der Republikaner in den USA beobachten :-).

  15. #15 Kuchlbacher Rudolf
    8. März 2012

    @ralfi

    Ich bin Lehrer… Gute Nerven gehören da zum Berufsbild 😉

    @Barton Fink

    Genau diese Fragen, bzw. Anmerkungen sind ja aus den kritischen Publikumsreihen durchaus gekommen – von Rausscmiss aber keine Rede – ich glaub man muss sich einfach nur trauen offensichtliche Phantasiegebilde mit kritischen Fragen einem Realitätscheck zu unterziehen.
    Ich hatte auch durchaus das Gefühl, dass das restliche Publikum (bis auf wenige Ausnahmen) dankbar dafür war.

  16. #16 Wookie Monster
    8. März 2012

    Zu dem Harry Potter-Verweis möchte ich anmerken, dass Lord Voldemort versucht hat, seine Seele homöopathisch zu verdünnen. Besonders gut getan hat ihm das nicht.

  17. #17 Ernst Reinwein
    8. März 2012

    Zum Granderwasser möchte ich anmerken, dass eine Bundesministerin – obwohl geistig eingeschränkt – Herrn Grander anscheinend nicht wegen erbrachter, sondern im Hinblick auf künftige wissenschaftliche Leistungen einen österreichischen Orden verliehen hat, denn in dem beim Vortrag aufliegenden Prospekt lautet eine Stelle:”Mit herkömmlichen wissenschaftlich analytischen Messmethoden ist diese Art von Energie- und Informationsübertragung noch nicht messbar, weshalb alle hier gemachten Wirkungsbeschreibungen auch noch nicht als wissenschaftlich fundierte Erkenntnisgrundlagen angesehen werden können.” Na, wer kann dem alten Grander helfen, wo sind die jungen Talente, die sich auch einen Orden “verdienen” wollen?

  18. #18 Wolfgang
    8. März 2012

    Vielfach wird Homöopathen unterstellt dass Wasser kein Gedächtnis hat. Das ist falsch Wasser hat ein Gedächtnis.

    Nur ist es gleich wieder weg- nach 50 femtosecunden also millionstel einer milliardstel Sekunden.

    Das kann man messen ist hochrangig in Nature publiziert

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15758995

    Nur sind halt 50 femtosek für eine Haltbarkeitsdauer eines Arzneimittels gar ein wenig kurz.

    Und dann beschreibt ja Hahnemann selber in §260 Organon, unter welchen Umständen Homöopathie nicht wirksam ist.

    http://www.homeoint.org/books4/organon/org260.htm#p260

    beim Lesen schlüpfriger Schriften zB also U-Bahn Zeitung/Krone S 3 oder 5 schon ist die HP unwirksam.

    Und die moderne Homöopathieforschung hat ja auch herausbekommen, dass HP nicht wirkt, wenn die Globulis über die Scanner Kasse gezogen wird, oder im Handtascherl dicht am Mobiltelefon anliegt.

    Es gibt halt nach Guru Hahnemann kaum noch eine Situation im real life in der HP wirksam ist, und wenn HP wirksam ist, dann nur für 50 fsec.

  19. #19 std
    8. März 2012

    Ja. Man hat herausgefunden, dass unsere Gefühle die DNA beeinflussen.

    Herausgefunden? Von wem? Und wo? Fragen über Fragen…

    Hört sich für mich nach diesem Dr. Pjotr Garjajev an. Ich enthalte mich einer Bewertung :)

    Scientists_Prove_DNA_Can_Be_Reprogrammed_by_Words_and_Frequencies

  20. #20 E. Berndt
    8. März 2012

    Alpenländischer Paradigmenwechsel – vom Weihwasser zu Granderwasser

    Naturwissenschaftliche Überlegungen verlieren heute wieder an Bedeutung. Das magische Denken kehrt aus dem Hinterkopf zurück. Es hat sich aus Köpfen der Menschen trotz Aufklärung und aller damit verbundenen Erfolge nicht verabschiedet. Heute wie gestern nimmt es Einfluß auf unsere Entscheidungen. Magische Vorstellungen sind immer noch und wieder zusehends mehr, als man zu glauben gewillt ist, als Entscheidungshilfe anerkannt. Die Götterdämmerung der Aufklärung beginnt im Alltag. Wenn der Freitag mit Vorsicht begonnen und darauf geachtet wird, nicht mit dem linken Bein aufzustehen, wenn große Teile der Bevölkerung unerschütterlich an das Horoskop und felsenfest an die Kräfte des Mondes glauben, wenn mit Jahreswechsel die Glücksbuden aus dem Nichts erscheinen und Rauchfangkehrerfigürchen und Glücksschweinderl verkauft werden.

    Mit einer Hasenpfote um den Hals läuft niemand mehr herum, aber unzählige dem entsprechende Geräte sind in Verwendung. Aber auch das modernste Outfit und eine noch so imposante high-tec Elektronik vermögen nicht Wirkungen herbeizuzaubern, die uns ein magisches Denken nahelegt. Fetischismus kann viele Formen annehmen und beschränkt sich nicht auf Nobelmarken. Die Bindung an oder – man könnte auch sagen – die Abhängigkeit von Maskottchen, überschreitet oft genug die Grenze zu einem üblicherweise akzeptierten Tic. Dies mag noch als harmlos gelten, aber wenn man in den Leistungssport hineinschaut, läßt sich beobachten, daß der Rahmen des „Mental-Coaching“ sehr weit gespannt ist. Auch hier ist Glückbringen mit transrealen Vorstellungen zum einträglichen Geschäft geworden. Meditationsübungen und Umhängen angeblich harmonisierender, energetisierender und vor allem vor böser Umwelt schützender Schrottelektronik gehen Hand in Hand. All das gilt als ganz normal. So normal, daß wer nicht daran glaubt, Gefahr läuft, für schrullig gehalten zu werden. Das Gegenteil von Aufklärung ist im Trend. Die postmoderne Eintrübung des Denkens zeigt Wirkung. Die unkritische Masse im alltäglichen Denken hat so zugenommen, daß eine esoterische antiwissenschaftliche Kettenreaktion abläuft.

    Warum nicht wieder an die Wunder des Wassers glauben?/b>

    Die alten Mächte werden nicht mehr um Hilfe angefleht. Heute, in der modernen Hölle, glauben die Verzweifelten an Energien, Schwingungen und Bioinformation und hoffen, daß diese nun Wunder bewirken. Ja, früher, in der guten alten katholischen Zeit, da war das anders. Damals konnte man noch wallfahren, an allen möglichen Gnadenorten das Heil des Himmels erflehen, auf ein Wunder hoffen, Kraft tanken für das Jenseits und zahlreiche Heilige um Fürsprache beim Allerhöchsten bitten. Jeder Beruf, jeder Stand, jede Gegend, jedes Land hatte eigene, höchst wundertätige Heilige. Heute noch erzählen uns Tausende Votivtafeln von vielen erflehten und auch in Erfüllung gegangenen Wundern. Diese wunderbaren Erfahrungen waren einmal Standard und ganz normaler Alltag. Man sollte darüber als moderner Mensch nicht ungläubig lächeln und womöglich mit Achselzucken bemerken, daß der Glaube eben Berge versetze. Und für diese Wunder wurde auch sehr viel Geld ausgegeben. Wenn nicht Geld für Breverl , Schluckbildchen und Andachtsbilder bezahlt wurde, so mußte doch gespendet werden, um sich der göttlichen Hilfe zu versichern. Eine Wachskerze war damals etwas sehr kostbares und kein Billigpräsent!

    Der Wunderglaube hat Konjunktur

    Es funktioniert heute noch genauso wie gestern, nur ein wenig anders. Die Menschen haben sich ja in 3–4 Generationen nicht verändert – genetisch am allerwenigsten. Sie werden heute im Grunde von den gleichen Sorgen geplagt wie gestern. Und diese werden immer noch mit den gleichen ererbten Strategien wie gestern bewältigt. Der Glaube an Wunder hat immer Konjunktur, man muß ihn nur zu vermarkten wissen! Heute glauben wir an alle möglichen feinstofflichen Wunder. Mit modernen Begriffen wird das unmögliche Wunder zur logischen Möglichkeit. Die Wunder sind heute technoid und konsumgerecht. Damit läßt sich natürlich auch Geld verdienen. Unsere modernen Gurus machen es wie die alten Scharlatane.

    Wer kein Versprechen halten kann, kann alles versprechen

    Die Befriedigung der Sehnsucht nach einer glückhaften Veränderung der Lebensumstände und der Gesundheit ist die hohe Kunst der Scharlatanerie. Ihr Charisma ist Teil des Überzeugungs- und Werbeprogramms. Das Aussehen und das Gehabe zielt auf Ablenkung und Eindruckschinden hin. Und auch dem Wort kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Scharlatan weiß instinktiv – und das ist seine wahre Kunst –mit welchen Ohrwürmern er seine psychologischen Angelhaken zu Anbeißen bestückt.

    Um zu Beindrucken und um Seriosität vorzutäuschen, werden griffig erscheinende Ausdrücke aus Wissenschaft und Technik schlicht gestohlen und verdreht. Sie werden – im Klartext geschrieben – entgegen ihren ursprünglichen Definitionen und ungeachtet ihres angestammten Kontextes zu undefinierten Modebegriffen verfälscht, um damit einem disponierten Publikum die gewünschten Wunder glaubhaft verklickern und verhökern zu können.

    Sie kennen die dafür verwendeten undefinierten und sinnentleerten Begriffe, die überall in den Medien herumschwirren: Bio-, Natur-, Energie, Schwingung, Information, Quanten etc. Und die Magie beschränkt sich nicht auf Gesundheit oder Glück. Auch Benzin kann belebt und das Handy harmonisiert werden und unzählige Konsumenten warten auf die freie und kostenlose Energie aus dem Vakuum! Real an all diesen transrealen Vorstellungen ist, daß man damit echtes Geld machen kann.

    Von Bio-Fetischismus zum Wasser-Info-Wunderglauben

    Es floriert der Glaube an unbekannte Energien, Schwingungen und Bioinformationen generell und besonders rund ums Wasser. Wasser ist Leben und daher muß es informiert sein. Logisch, oder? Um das Leben zu meistern, werden daher Kraftorte aufgesucht, Bäume umarmt und informierte Wässer getrunken. Biologische Informationen und Energien werden verehrt. Neue Gottheiten, die Bio-, Immun- u. Informationsgötter werden angebetet. Und siehe da, sie wirken – wie die alten Götter und Heiligen der Wallfahrtsorte – Wunder!

    Die wirklich ganz großen Wallfahrtszentren gibt es natürlich noch, aber die vielen kleineren Orte der Gnade von anno dazumal fristen traurig dahin. Wir erfahren von dort keine Wunder mehr. Um das Verarmen und das Vergessen ganzer Orte und Gegenden hinauszuzögern, hat sich der Tourismus ihrer angenommen und vermarktet sie zu Kraftorten, wo positive Energie in der Gegend herumströmt. Das ist modern und läßt sich verkaufen. Die Wünschelrutengänger erzucken dazu mit Ruten die konsumwissenschaftlichen Beweise, die Pendel der Esoteriker schwingen, daß es nur so ein Wunder ist. Das moderne Opfergeld sind die Tourismusabgabe und die Kurtaxe. Granderwasser mauserte sich zum universellen Heilwasser des 3. Jahrtausend. Endlich gibt es gibt eine Erlösung für die Probleme einer scheinbar überholten oder überentwickelten Zivilisation. Granderanhänger vermeinen die Physik auf den Kopf stellen zu können und die Anbieter der Grandertechnik sehen zusätzliches Umsatzpotential. Ideale Vorraussetzungen für einen Hype.

    Die Eigendynamik von Granderwasser

    Der finanzielle Erfolg des „Unternehmen“ Grander erscheint beispiellos. Ein Blick in die Geschichte der Scharlatanerie zeigt jedoch, daß derartige Phänomene so neu auch wieder nicht sind und auch von Zeitgenossen damals richtig eingeschätzt wurden. Der „Grander-Hype“ hat diesbezüglich seine historischen Pendants. Granders „Erfindung“ ist aus der Sicht einer naturwissenschaftlichen Kausalität ein Wunder. Eine Wirkung kann nach allem, was wir heute als gesichertes Wissen bezeichnen, völlig ausgeschlossen werden.

    Wasserverbesserer u. -veredler sind aber nicht neues. Der Förstersohn Viktor Schauberger kann als ein erster Wasserveredler angesehen werden. Er vermeinte Wasser durch gezielte Verwirbelungen, die er der Natur abgeschaut haben will, verbessern zu können. Heute kursiert ein buntes Sammelsurium von skurril bis krausen Ideen und extrem simpel bis mit high-tec Elektronik aufgepeppten Gerätschaften ist im Umlauf und hat Anhänger. Die Begriffe und Vergleiche, die zum Erklären und Vermarkten verwendet werden, sind samt und sonders pseudowissenschaftlicher Kauderwelsch. Die Rede ist von Informieren, Levitieren, Dynamisieren, Energetisieren usw. Diese Vorgänge werden selbstredend immer als biologisch und natürlich bezeichnet. Leitungswasser ist tot und muß belebt werden. Es werden bunte Steine in Wasser eingelegt, an die Wasserleitungen werden diverse Magnete gelegt und mit elektronischen Schnickschnack wird das Hauswasser nicht irgendwie sondern auch über die Biorhythmen der Hausbewohner informiert. Der Unsinn ist grenzenlos. Die Speicherkapazität des ständig postulierten Wassergedächtnis offenbar auch.

    Der Grander Sanktus – Das Perpetuum mobile der Bioinformation

    Nach der Methode „Grander“ wird mittlerweile weltweit „totes“ Wasser mit Naturinformationen des „lebendigen“ Wassers aus einem ehemaligen Kupferbergwerk informiert. Die sensationelle Technik besteht lediglich darin, dass sozusagen „Ur“-Granderwasser in einem Edelstahlblechbehälter hermetisch eingeschlossen wird, und dann – im Vorbeifließen – unedles, gewöhnliches, chaotisches kurzum gerade noch unschädliches Wasser in edles, biologisches, richtig informiertes und richtig gedrehtes also gesundes Wasser verwandelt wird. Warum gerade das Tiroler Wasser aus Jochberg so einzigartig informiert oder geordnet ist und daher seinen Biosegen exklusiv auf alle anderen Wasser berührungsfrei und ohne Energieverluste auf immer und ewig ab- u. weitergibt, ist und muß ein Mysterium bleiben. Dieses Mysterium, der Grander Sanktus, zählt zu den einträglichsten Tiroler Handelsobjekten und wird daher auch von der Wirtschaftskammer entsprechend gewürdigt.

    Warum dieser Informationsstrom nie versiegt, nie zum Stillstand kommt und nicht auch einmal kentert und unerwünschte lebensfeindliche Information und Unordnung in die Gegenrichtung fließt, ist noch mysteriöser. Abermillionen Liter chaotisches Wasser mit unbiologischen und negativen Informationen kontaminiert können der Wirkung eines Viertel Liters positiven Granderwassers nichts anhaben. Einmal eingebaut, wird auf ewig und immerdar informiert! Die Wissenschafter stehen vor einen Rätsel, die Psychologen eher weniger. Das Hokus-Pokus ist schlicht: Es wird erwartet, daß es wirkt.

    Die bekennenden Anhänger und Anwender sind die Grundlage der Werbung. Diesen neugläubigen Spätheiden verdankt Granderwasser seinen traumhaften Erfolg und seine Eigendynamik. Josef Grander hat alle seine Konkurrenten weit hinter sich gelassen und ist nun der ungekrönte Doyen aller Wasserbeleber. Ihm kann niemand mehr das Wasser reichen. Vielleicht gelingt es Psychologen die Ursachen dieser Eigendynamik zu enträtseln und Welt vom Granderismus zu heilen.

    Wissenschaft kontra Wasserwunder

    Wurden zu Beginn der Granderära noch „wissenschaftliche“ Aussagen getätigt, so präsentiert sich heute ein Granderwasserprospekt in perfekter Hochglanztopqualität und absolut aussagefrei. Die juristischen Nachstellungen scheinen diese aalglatte Werbeform nahegelegt zu haben. Es spielt aber keine Rolle, daß seitens der Vertriebsfirma keine naturwissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen mehr getätigt werden. Der Hinweis „Wissenschaftlich nicht beweisbar“ gilt in vielen Kreisen schon als Qualitätsmerkmal!
    Die zahlreichen Studien zu Granderwasser sind in Summer negativ. Alles andere wäre eine Sensation allerersten Ranges gewesen. Prof. Erich Eder hat sie feinsäuberlich aufgelistet.

    http://homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser/indexstudien.htm

    Nach Ablauf der Sperrfrist kann auch in bisher „geheime“ Auftragsarbeiten eingesehen werden.

    http://dl.dropbox.com/u/2792090/granderwasser.pdf

    Das Resümee ist dürftig und typisch in seiner Argumentation. Wie immer, wenn keine Wirkung nachgewiesen werden konnte, wird moniert, daß die Prüfmethodik unzureichend ist. Merke, das negative Ergebnis ist nicht negativ, weil es real nicht ist, sondern weil nicht richtig geprüft worden ist. Das liest sich dann am Schluß dieser Auftragsarbeit so:

    “Nach den Ergebnissen dieser Arbeit zu urteilen, hat es aber den Anschein, als seien die angewendeten physikalisch-chemischen Methoden nicht die Mittel der Wahl, um den durch mikrobiologische Untersuchungen[Zitat:57] und ebenfalls durch Anwender vielfach bestätigten Grander-Effekt messbar zu machen. Ziel wird es daher vielleicht sein, einen anderen, kreativen, durchaus wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema zu finden, sei es in der Medizin oder in Kombination von Methoden, direkt oder indirekt. Dazu wird es nötig sein, immer wieder über althergebrachte wissenschaftliche Dogmen und sogenannte Grundregeln hinauszudenken – so wie es Herr Grander, der Entdecker dieser Technologie getan hat.”

    Zu erwähnen ist noch das Zitat 57:

    Ergebnisse aus Zwischenberichten sind in der Medizin ein beliebtes Marketingmittel. Entscheidend ist aber immer der Endbericht.

    In vielen Ländern wurden die entsprechenden Vertriebsfirmen für Granderwasser wegen unhaltbaren Werbeaussagen gerichtlich belangt. Im Kern geht es darum, daß Behauptungen über Wirkungen – sei es im Bereich der Technik oder der Medizin –, die nach den herrschenden Naturgesetzen schlichtweg unmöglich sind, offenbar nur mit sehr wenig Einschränkungen aufgestellt werden dürfen.

    Dies klingt im Schatten eines Zeitgeistes von heute durchaus gewohnt, der auch in den Naturwissenschaften eine Meinungsliberalität als korrekt und erstrebenswert sieht, wie sie für demokratische Weltanschauungen als notwendig erachtet wird. Die Sache hat nur den Haken, daß in den Naturwissenschaften die Kausalitäten, also die grundlegenden Naturgesetze, nicht per Konvention, Abstimmung oder nach Vorstellungen gefunden werden, die ein magisches Denken nahelegt. Aber, was soll das noch für eine Bedeutung haben, wenn von oberster Gesundheitsstelle die Aufforderung kommt, daß alternative, komplementäre und ganzheitliche Medizin in die konventionelle Medizin, die gerade mal erst in den letzten Jahrzehnten, 2000 Tausend Jahre nach Galen und Hippokrates, gelernt hat, wie die Spreu vom Weizen hinsichtlich einer tatsächlichen Wirksamkeit getrennt werden kann. Fortschritt in der Heilkunde passiert zurzeit nach dem Sprichwort: Einen Schritt nach vorne und zwei Schritte zurück. Medizinische Höchstleistungen sind kleine Inseln im Ozean einer scharlatanesken Gefälligkeitsmedizin.

    Unsere Demokratie beruht auf Aufklärung und diese wiederum ist untrennbar mit Wissenschaft verbunden. Allerdings beschert heute die Demokratie jedem das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben und viel Geld dafür auszugeben. Und schließt auch das Recht ein, Behauptungen aufzustellen, die den herrschenden naturwissenschaftlichen Kenntnissen völlig zuwiderlaufen. Darauf fußend dürfen auch Geschäfte getätigt werden. Das Grundrecht auf Erwerbsfreiheit ist offenbar so grundlegend, daß es nicht durch grundlegende naturwissenschaftliche Erkenntnisse eingeschränkt werden kann. Daher können völlig legal Ängste und Hoffnungen der Konsumenten mit Tecno-Dogmatik bedient werden. Es gibt ja auch Kurse für ’s Kartenlegen, für ’s Pendeln und für Astrologie. Die „mündigen“ Konsumenten, die mit Dogmatik vom Denken befreit wurden, wissen was sie tun und können sich ohnehin frei entscheiden. Die Beweislast liegt beim Käufer und nicht Verkäufer.

    Wer trotzdem öffentlich denkt, kommt in Schwierigkeiten mit den Gesetzen gegen unlauteren Wettbewerb etc. Man wird geklagt wegen – im weitesten Sinn – Geschäftsstörung und Unterlassung von wissenschaftlich begründeten Aussagen. So erging es dem Biologen Dr. Erich Eder, der die behauptete Wirkung in Sinne einer wissenschaftlich begründeten Kausalität verneinte. Schlußendlich konnte dieser wackere Kritiker buchstäblich gerade noch aufatmen. Immerhin wollte man von ihm an die 20.000 €.

    In höchstem Erklärungsnotstand, warum die Wasserveredelungsanlage so und nicht anders funktionierte bzw. das Wasser so wirksam sei, berief sich dann Johann Grander bei Gericht auf Jesus Christus, der ihm persönlich das Geheimnis des Wunderwasserpatents offenbart haben soll. Nun, das war dem Gericht doch zu spirituell und zu wenig wissenschaftlich. Die Klage auf Schadensersatz wurde abgewiesen. Und nun darf jeder öffentlich behaupten, daß Granderwasser ein aus dem esoterischen Milieu stammendes Wundermittel ist. Wer jedoch glaubt, dies sei das Ende des Wasserspuks, der irrt gewaltig. Die Grandertechnologie wird nun, anders als früher, mit dem unüberlesbaren Hinweis, wissenschaftlich nicht nachweisbar zu sein, angepriesen und offenbar noch erfolgreicher als bisher verkauft. Aber der große Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Unzählige weitere Wasservergolder bearbeiten nun ebenfalls den offenbar immer noch lukrativen Markt.

    Weihwasser kontra Granderwasser – was wirkt besser?

    Modernes Marketing ist auch in der römisch katholischen Kirche gefragt. Ihre altehrwürdigen Institutionen verschließen sich neuen Strategien nicht, um wieder bzw. neue Gläubige zu gewinnen. Fortschrittliche Geistliche ahnen, daß altmodisches Rosenkranzbeten und Weihwasser nicht mehr so gefragt sind wie früher, weil der Glaube an himmlische und höllische Mächte lau geworden ist. Um die Unbill von heute auszuhalten, den Anforderungen der Globalisierung zu genügen und am modernen Streß nicht zu erkranken, kurzum, um heute psychisch und physisch über die Runden zu kommen, bedarf es immer noch eines Glaubens – an Wunder eben!

    So vermeinten die Benediktiner des Stiftes Admont in der grünen Steiermark ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennen zu müssen und sprangen auf den Zug der modernen Wassermystik. Sollte dieser neue Glaube an die besonderen Kräfte des Granderwasser zu einem Weihwasser-Revival genützt werden? In ihrer Museumsbibliothek sprudelte 2007 Granderwasser. Jeder gläubige Besucher sollte offenbar sein Wasser vorfinden. Die einen zum Wohlfühlen, die anderen zum Seligwerden. Doch mittlerweile wurden die Wasserspiele im Stift beendet, und es wird strikt vermieden, mit Grander in Verbindung gebracht zu werden, obwohl Herr Jesus dem Tiroler die ganz spezielle Wassertechnologie hat schauen lassen. Genaue Auskünfte darüber sind nicht zu bekommen. Das Stift schweigt. Die Frage, ob dafür spirituelle, naturwissenschaftliche oder gar kommerzielle Gründe maßgeblich waren, bleibt offen.

    Nun das „Mittlerweile“ stimmt schon wieder nicht mehr. Die seitens der Stiftsverwaltung durch Herrn Gombotz im September 2009 getätigte Aussage, daß man nicht mit Grander in Verbindung gebracht werden will, ist Geschichte. In der Gratiszeitung „Aktiv Plus … lesen tut gut“ sind die Benediktiner Prior Mag. Pater Gerhard Hafner und Kaplan Pater Maximilian in vollem Ornat in einem Granderwerbeartikel zu bewundern. Auch der Bürgermeister von Admont ist bei dieser illustren Gesellschaft mit dabei. Zu lesen ist vom Nutzen in öffentlichen Gebäuden und das Wohl der Kinder wird als besonderes Anliegen des Grandervertriebes hervorgehoben. Warum sollte bei Wasser eine emotionale Bewerbung mit dem Hinweis, daß es gut für Kinder sei, nicht funktionieren, wo es doch bei Schokolade klappt?

    Die Werbung für ein Produkt, das auf Grund eines Gerichtsurteils öffentlich als unwirksam bezeichnet werden darf, mit der Sorge um die Kinder zu verknüpfen und dazu noch Geistliche zu präsentieren verstößt offenbar gegen keine gesetzlichen und moralischen Regeln. Kinderschokolade mit Milch mag ja kritisiert werden, aber Wassertrinken ist ja nicht schädlich. Und wenn es den Leuten als Notwendigkeit assoziativ zwischen den Zeilen geschickt näher gebracht wurde, dann ist es geradezu mitmenschlich, wenn die entsprechenden Gerätschaften für teures Geld auch gleich verkauft werden. Man kann ja nicht wissen, vielleicht wirkt es doch. Und die Patres sind auch dabei. Diesen kann man doch vertrauen.

    Spirituell ist die Sache sicherlich etwas heikel. Neiden vielleicht kirchliche Würdenträger dem Herrn Grander das Wunder? Die Behauptung des Herrn Grander vor einem weltlichen Gericht, Jesus habe ihm die Technik persönlich schauen lassen, wurde bis heute von der Amtskirche meines Wissens nicht bestätigt. Theologische Abhandlungen darüber sind mir nicht bekannt geworden.

    Weihbischof Andreas Laun, der sich gerne zu Wort meldet, hat so z.B. in einer unnachvollziehbaren Logik Medikamente, die bestimmungsgemäß zur Heilung und Linderung von Krankheiten ersonnen und produziert werden, mit Kriegswaffen, die zum Töten, also zum gänzlich entgegengesetzten Zweck erdacht und verwendet werden, verglichen. Zu Granderwasser hat er sich meines Wissens noch nicht öffentlich geäußert. Auch Kardinal Christoph Schönborn äußerte sich nicht zur Tirolerischen Variante eines intelligenten Wassers. Könnte nicht die unerklärliche revolutionäre Evolution von Wasser zu Wunderwasser als Beweis für das Wirken eines intelligenten Designers angesehen werden? Welche außerlogischen Schlüsse könnten dazu verlautbart werden? Entspräche es katholischen Vorstellungen, daß diese Wunder verkauft werden können und daß es überall und jedem zur Verfügung steht. Ist es mit der christlichen Tradition vereinbar, daß es keinen Klerus, keine Wallfahrt und keine Gottesgnade mehr braucht, um die Segnungen einer angeblich himmlischen Technik zu erlangen.

    Jesuales Wasserwunder für Atheisten

    Auch Muhammed, ihr türkischer Installateur, hat keine Probleme, Buddhisten, Agnostikern oder gar Atheisten dieses jüngste Wunder Jesu zu verkaufen. Wo kommen wir hin, werden sich vielleicht die Benediktiner gefragt haben, wenn backwoodlerische Energieforscher ihre Patente jenseits der Naturwissenschaft als von Jesus höchstpersönlich inspiriert reklamieren. Vielleicht war es gar nicht Jesus, sondern der Teufel höchstpersönlich, der die Technik vermittelt hat?

    War die Berufung auf Jesus vor Gericht nur eine dreifach bauernschlaue Schutzbehauptung, um sich juristischen, wissenschaftlich-skeptischen und geistlichen Anfeindungen zu entziehen? Müßte man dieser Teufelei nicht mit einem Exorzismus begegnen? Jedenfalls ist der Weihwasserver- u. Gebrauch im Vergleich zu Granderwasser keine vergleichbare Größe mehr. Der kommerzielle Erfolg des Granderwassers ist geradezu teuflisch. Während die Neugläubigen für das Tiroler Jesuspatent gerne zahlen, muß sich die Kirche zu hohe Kirchensteuer vorhalten lassen und mit Almosen von Altgläubigen begnügen.

    Ja früher begleitete uns der Segen von Weihwasser vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Heute wird der Tagesablauf daheim, in Handwerk, in Industrie und vor allem in der Wellnessbranche, dem ehemaligen Erholungsgewerbe, vom Granderwasser bestimmt. Mit Hilfe himmlischer Technik veredeltes Wasser sprudelt heute in Admont nur mehr aus profanen Brunnen. Ich denke, es wäre schon schön gewesen, wenn ein Konzil so brisante Glaubensfragen „Wie wirkt Granderwasser?“ oder „Warum wirkt Granderwasser besser als amtskirchlich gesegnetes Wasser?“ klären hätte können, denn die Naturwissenschaft ist in solchen Fragen wissenschaftlich befangen. Die Wissenschafter denken zu kompliziert! Immerhin eine Latzhose wirkt so authentisch, daß wenigstens einfache Leute und Handwerker die Technik verstehen

    Die Wirkung liegt im Marketing

    In dieses Bild paßt die Sendung „Vera exklusiv“ vom Sonntag den 30.11.2009 im ORF am Nachmittag. Selbstverständlich ist die ganze Sendung Werbung, Werbung und wieder Werbung, obwohl eigentlich nichts über die Grandertechnik erzählt wird. Gerade das ist die hohe Kunst. Die Botschaft einer Wirksamkeit wird durch die Reichweite eines Sendeformats vermittelt, ohne daß man darüber spricht. Jeder kann ja selbst im Wahrmachermedium Nr. 1 sehen, wie erfolgreich die heile Familie Grander und ihr Unternehmen ist. Also muß da etwas dran sein! Der Bekanntheitsgrad der Moderatorin und ihr freundliches Äußeres bestimmen den Wirkungsgrad vom Granderwasser.

    Der Zweck solcher Sendungen erscheint klar. Es darf keine verstörende wissenschaftliche oder gar skeptische Diskussion aufkommen. Die vielen Frohbotschaften der zahlreichen Anwender, die eine Sinnhaftigkeit und eine Wirksamkeit – wie auch immer – belegen, spießen sich fundamental mit unserem naturwissenschaftlich kausalen Weltbild. Diese eigentlich jedem erkennbare Diskrepanz geht im mächtigen Gefühlsrauschen einer Familiensendung unter. Das Denken wird ausgeschaltet. Eine „Conditio sine qua non“ mit der der Erfolg von Wundern steht und fällt.

    Ungewollt hat die Moderatorin mit einem Scherz am Schluß der Sendung Granderwasser in Punkto Wirksamkeit mit der Homöopathie gleichgestellt. In Anspielung auf die zahlreichen Nachkommen bzw. auf die Großfamilie meinte Sie freundlich lächelnd, wie es einer Infotainment-Tante zukommt, daß Granderwasser nicht empfängnisverhütend ist. Der Homöopathie mangelt es auch an dieser Wirkung. Bis dato hat es noch kein Homöopath gewagt, die als Globuli bekannten Streukügelchen anstelle der Pille zu verordnen, obwohl immer unentwegt die Wirksamkeit der Homöopathie gerade bei Steuer- und Regulationsvorgängen des Organismus beschworen wird.

    Es bleibt die Frage „cui bono?“ Die Antwort liegt in der Finanzierung dieser Sendung. Wer bezahlt das alles? Wird es zur Gänze mit den diktatorisch eingehobenen ORF-Zwangsgebühren finanziert? Die Sendung wird höchstwahrscheinlich nicht vom ORF selbst produziert, sondern von einer TV-Film-Produktionsfirma. Üblicherweise werden die Produktionskosten dafür teils über Werbung, Sponsoren etc. aufgebracht und/oder die Sendung an eine Sendeanstalt verkauft. Gesendet wird meistens auch nicht unentgeltlich, sondern die Kosten dafür werden ebenfalls in gleicher Weise wie für die Produktion gedeckt. Letztendlich erscheint es zulässig, derartige Sendungen als Info-Commercials zu bezeichnen.

    Der Meinungsdruck

    Das Marketing für Grander ist perfekt, schlechthin. Die eigentliche Werbung und den Schutz ihres Meisters übernehmen die zahlreichen gewerblichen und privaten Anwender. Sie sorgen für die Missionierung neuer Glaubensgenossen. Die Anwerbung neuer gläubiger Kunden ist eine Bestätigung, selbst richtig gehandelt zu haben. Wenn andere das auch machen, dann habe auch ich mein Geld nicht verschwendet und bin keiner Fiktion erlegen. Die erfolgreiche Weiterverbreitung der Meinung, daß Granderwasser wirkt, schützt vor peinlicher Bloßstellung.

    Entsprechend dieser Werbestrategie sind auf der WEB-Seite für Granderwasser seitenweise Prominente aus allen denkbaren Brachen gelistet, denen die frohe Kunde vom wunderbaren Wasser am Gesicht abgelesen werden kann, womit die Immunisierung gegen Kritik und Skepsis perfekt ist. Auch Einrichtungen, wo man es kraft personeller Besetzung besser wissen müßte, lassen stolz verlautbaren, Granderwasser zu verwenden. Der Bogen reicht von Spitälern, Schwimmbädern, Lebensmittelerzeugern bis hin zu technischen Betrieben, wo gewöhnlich nicht Glauben angesagt ist, sondern Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die dafür bezahlt werden, dies sachverständig auf der Basis rationaler Aktivitäten wie Zählen, Rechnen, Messen, naturwissenschaftlich kausal gesichertem Wissen und logischem Denken zu tun.

    Viele Gewerbebetriebe dürften einfach nur mitmachen, um ihren Kunden zu gefallen. Es gibt offenbar genügend Wunderwassergläubige fürs Geschäft. Der Einbau einer Wasserveredelung wirkt wie eine Gehirnwäsche. Die Betroffenen beginnen ebenfalls zu missionieren und meinen es besser als bisher zu haben. Dadurch steigt der Meinungsdruck. Wenn Grandergläubige mehrheitlich auftreten, können diese per Abstimmung zwangsmissionieren. Es kostet Mühe z.B. den Einbau vermeintlicher Wasserbelebungen in Wohnanlagen zu verhindern. Wer nicht aufpaßt, wird von der mehrheitlich bekehrten Wohngemeinschaft zu Kasse gebeten und zahlt Glaubensabgabe neu: Die Grandersteuer!

    Die Erfahrung des täglichen Lebens und die Geschichte der Scharlatanerie lehren, daß Gläubige alles tun und alles zu glauben bereit sind, um recht zu behalten. Manchmal führen Schockerlebnisse Gläubige zu einem Umdenken, aber meist dauert es nicht lange, bis wieder begonnen wird, den Tagesablauf und Schicksal mit Aberglauben zu strukturieren. Am empfindlichsten reagieren Scharlatane auf Satire und Spott. Als die Venezianer anfingen Spottlieder zu singen, sah sich der berühmte Goldmacher Bragadino gezwungen, die Stadt zu verlassen.

    Angesichts des Meinungsdrucks, der mit geschickten Marketingstrategien erzeugt wurde, ist ein gefestigtes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und ein gesunder Hausverstand nötig, um all dem Unsinn zu widerstehen. Wer überzeugt darlegt, dass, vom Standpunkt der Naturwissenschaften und/oder der Psychologie aus gesehen, an den zahlreichen Wasserverbesserungen nichts dran ist – außer einer Massenhysterie, wird als erfolgloser Außenseiter angesehen. Johann Grander, Urheber und Nutznießer bleibt ausgezeichnet mit dem Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst!

    Dr. E. Berndt

  21. #21 E. Berndt
    8. März 2012

    Alpenländischer Paradigmenwechsel – vom Weihwasser zu Granderwasser

    Naturwissenschaftliche Überlegungen verlieren heute wieder an Bedeutung. Das magische Denken kehrt aus dem Hinterkopf zurück. Es hat sich aus Köpfen der Menschen trotz Aufklärung und aller damit verbundenen Erfolge nicht verabschiedet. Heute wie gestern nimmt es Einfluß auf unsere Entscheidungen. Magische Vorstellungen sind immer noch und wieder zusehends mehr, als man zu glauben gewillt ist, als Entscheidungshilfe anerkannt. Die Götterdämmerung der Aufklärung beginnt im Alltag. Wenn der Freitag mit Vorsicht begonnen und darauf geachtet wird, nicht mit dem linken Bein aufzustehen, wenn große Teile der Bevölkerung unerschütterlich an das Horoskop und felsenfest an die Kräfte des Mondes glauben, wenn mit Jahreswechsel die Glücksbuden aus dem Nichts erscheinen und Rauchfangkehrerfigürchen und Glücksschweinderl verkauft werden.

    Mit einer Hasenpfote um den Hals läuft niemand mehr herum, aber unzählige dem entsprechende Geräte sind in Verwendung. Aber auch das modernste Outfit und eine noch so imposante high-tec Elektronik vermögen nicht Wirkungen herbeizuzaubern, die uns ein magisches Denken nahelegt. Fetischismus kann viele Formen annehmen und beschränkt sich nicht auf Nobelmarken. Die Bindung an oder – man könnte auch sagen – die Abhängigkeit von Maskottchen, überschreitet oft genug die Grenze zu einem üblicherweise akzeptierten Tic. Dies mag noch als harmlos gelten, aber wenn man in den Leistungssport hineinschaut, läßt sich beobachten, daß der Rahmen des „Mental-Coaching“ sehr weit gespannt ist. Auch hier ist Glückbringen mit transrealen Vorstellungen zum einträglichen Geschäft geworden. Meditationsübungen und Umhängen angeblich harmonisierender, energetisierender und vor allem vor böser Umwelt schützender Schrottelektronik gehen Hand in Hand. All das gilt als ganz normal. So normal, daß wer nicht daran glaubt, Gefahr läuft, für schrullig gehalten zu werden. Das Gegenteil von Aufklärung ist im Trend. Die postmoderne Eintrübung des Denkens zeigt Wirkung. Die unkritische Masse im alltäglichen Denken hat so zugenommen, daß eine esoterische antiwissenschaftliche Kettenreaktion abläuft.

    Warum nicht wieder an die Wunder des Wassers glauben?/b>

    Die alten Mächte werden nicht mehr um Hilfe angefleht. Heute, in der modernen Hölle, glauben die Verzweifelten an Energien, Schwingungen und Bioinformation und hoffen, daß diese nun Wunder bewirken. Ja, früher, in der guten alten katholischen Zeit, da war das anders. Damals konnte man noch wallfahren, an allen möglichen Gnadenorten das Heil des Himmels erflehen, auf ein Wunder hoffen, Kraft tanken für das Jenseits und zahlreiche Heilige um Fürsprache beim Allerhöchsten bitten. Jeder Beruf, jeder Stand, jede Gegend, jedes Land hatte eigene, höchst wundertätige Heilige. Heute noch erzählen uns Tausende Votivtafeln von vielen erflehten und auch in Erfüllung gegangenen Wundern. Diese wunderbaren Erfahrungen waren einmal Standard und ganz normaler Alltag. Man sollte darüber als moderner Mensch nicht ungläubig lächeln und womöglich mit Achselzucken bemerken, daß der Glaube eben Berge versetze. Und für diese Wunder wurde auch sehr viel Geld ausgegeben. Wenn nicht Geld für Breverl , Schluckbildchen und Andachtsbilder bezahlt wurde, so mußte doch gespendet werden, um sich der göttlichen Hilfe zu versichern. Eine Wachskerze war damals etwas sehr kostbares und kein Billigpräsent!

    Der Wunderglaube hat Konjunktur

    Es funktioniert heute noch genauso wie gestern, nur ein wenig anders. Die Menschen haben sich ja in 3–4 Generationen nicht verändert – genetisch am allerwenigsten. Sie werden heute im Grunde von den gleichen Sorgen geplagt wie gestern. Und diese werden immer noch mit den gleichen ererbten Strategien wie gestern bewältigt. Der Glaube an Wunder hat immer Konjunktur, man muß ihn nur zu vermarkten wissen! Heute glauben wir an alle möglichen feinstofflichen Wunder. Mit modernen Begriffen wird das unmögliche Wunder zur logischen Möglichkeit. Die Wunder sind heute technoid und konsumgerecht. Damit läßt sich natürlich auch Geld verdienen. Unsere modernen Gurus machen es wie die alten Scharlatane.

    Wer kein Versprechen halten kann, kann alles versprechen

    Die Befriedigung der Sehnsucht nach einer glückhaften Veränderung der Lebensumstände und der Gesundheit ist die hohe Kunst der Scharlatanerie. Ihr Charisma ist Teil des Überzeugungs- und Werbeprogramms. Das Aussehen und das Gehabe zielt auf Ablenkung und Eindruckschinden hin. Und auch dem Wort kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Scharlatan weiß instinktiv – und das ist seine wahre Kunst –mit welchen Ohrwürmern er seine psychologischen Angelhaken zu Anbeißen bestückt.

    Um zu Beindrucken und um Seriosität vorzutäuschen, werden griffig erscheinende Ausdrücke aus Wissenschaft und Technik schlicht gestohlen und verdreht. Sie werden – im Klartext geschrieben – entgegen ihren ursprünglichen Definitionen und ungeachtet ihres angestammten Kontextes zu undefinierten Modebegriffen verfälscht, um damit einem disponierten Publikum die gewünschten Wunder glaubhaft verklickern und verhökern zu können.

    Sie kennen die dafür verwendeten undefinierten und sinnentleerten Begriffe, die überall in den Medien herumschwirren: Bio-, Natur-, Energie, Schwingung, Information, Quanten etc. Und die Magie beschränkt sich nicht auf Gesundheit oder Glück. Auch Benzin kann belebt und das Handy harmonisiert werden und unzählige Konsumenten warten auf die freie und kostenlose Energie aus dem Vakuum! Real an all diesen transrealen Vorstellungen ist, daß man damit echtes Geld machen kann.

    Von Bio-Fetischismus zum Wasser-Info-Wunderglauben

    Es floriert der Glaube an unbekannte Energien, Schwingungen und Bioinformationen generell und besonders rund ums Wasser. Wasser ist Leben und daher muß es informiert sein. Logisch, oder? Um das Leben zu meistern, werden daher Kraftorte aufgesucht, Bäume umarmt und informierte Wässer getrunken. Biologische Informationen und Energien werden verehrt. Neue Gottheiten, die Bio-, Immun- u. Informationsgötter werden angebetet. Und siehe da, sie wirken – wie die alten Götter und Heiligen der Wallfahrtsorte – Wunder!

    Die wirklich ganz großen Wallfahrtszentren gibt es natürlich noch, aber die vielen kleineren Orte der Gnade von anno dazumal fristen traurig dahin. Wir erfahren von dort keine Wunder mehr. Um das Verarmen und das Vergessen ganzer Orte und Gegenden hinauszuzögern, hat sich der Tourismus ihrer angenommen und vermarktet sie zu Kraftorten, wo positive Energie in der Gegend herumströmt. Das ist modern und läßt sich verkaufen. Die Wünschelrutengänger erzucken dazu mit Ruten die konsumwissenschaftlichen Beweise, die Pendel der Esoteriker schwingen, daß es nur so ein Wunder ist. Das moderne Opfergeld sind die Tourismusabgabe und die Kurtaxe. Granderwasser mauserte sich zum universellen Heilwasser des 3. Jahrtausend. Endlich gibt es gibt eine Erlösung für die Probleme einer scheinbar überholten oder überentwickelten Zivilisation. Granderanhänger vermeinen die Physik auf den Kopf stellen zu können und die Anbieter der Grandertechnik sehen zusätzliches Umsatzpotential. Ideale Vorraussetzungen für einen Hype.

    Die Eigendynamik von Granderwasser

    Der finanzielle Erfolg des „Unternehmen“ Grander erscheint beispiellos. Ein Blick in die Geschichte der Scharlatanerie zeigt jedoch, daß derartige Phänomene so neu auch wieder nicht sind und auch von Zeitgenossen damals richtig eingeschätzt wurden. Der „Grander-Hype“ hat diesbezüglich seine historischen Pendants. Granders „Erfindung“ ist aus der Sicht einer naturwissenschaftlichen Kausalität ein Wunder. Eine Wirkung kann nach allem, was wir heute als gesichertes Wissen bezeichnen, völlig ausgeschlossen werden.

    Wasserverbesserer u. -veredler sind aber nicht neues. Der Förstersohn Viktor Schauberger kann als ein erster Wasserveredler angesehen werden. Er vermeinte Wasser durch gezielte Verwirbelungen, die er der Natur abgeschaut haben will, verbessern zu können. Heute kursiert ein buntes Sammelsurium von skurril bis krausen Ideen und extrem simpel bis mit high-tec Elektronik aufgepeppten Gerätschaften ist im Umlauf und hat Anhänger. Die Begriffe und Vergleiche, die zum Erklären und Vermarkten verwendet werden, sind samt und sonders pseudowissenschaftlicher Kauderwelsch. Die Rede ist von Informieren, Levitieren, Dynamisieren, Energetisieren usw. Diese Vorgänge werden selbstredend immer als biologisch und natürlich bezeichnet. Leitungswasser ist tot und muß belebt werden. Es werden bunte Steine in Wasser eingelegt, an die Wasserleitungen werden diverse Magnete gelegt und mit elektronischen Schnickschnack wird das Hauswasser nicht irgendwie sondern auch über die Biorhythmen der Hausbewohner informiert. Der Unsinn ist grenzenlos. Die Speicherkapazität des ständig postulierten Wassergedächtnis offenbar auch.

    Der Grander Sanktus – Das Perpetuum mobile der Bioinformation

    Nach der Methode „Grander“ wird mittlerweile weltweit „totes“ Wasser mit Naturinformationen des „lebendigen“ Wassers aus einem ehemaligen Kupferbergwerk informiert. Die sensationelle Technik besteht lediglich darin, dass sozusagen „Ur“-Granderwasser in einem Edelstahlblechbehälter hermetisch eingeschlossen wird, und dann – im Vorbeifließen – unedles, gewöhnliches, chaotisches kurzum gerade noch unschädliches Wasser in edles, biologisches, richtig informiertes und richtig gedrehtes also gesundes Wasser verwandelt wird. Warum gerade das Tiroler Wasser aus Jochberg so einzigartig informiert oder geordnet ist und daher seinen Biosegen exklusiv auf alle anderen Wasser berührungsfrei und ohne Energieverluste auf immer und ewig ab- u. weitergibt, ist und muß ein Mysterium bleiben. Dieses Mysterium, der Grander Sanktus, zählt zu den einträglichsten Tiroler Handelsobjekten und wird daher auch von der Wirtschaftskammer entsprechend gewürdigt.

    Warum dieser Informationsstrom nie versiegt, nie zum Stillstand kommt und nicht auch einmal kentert und unerwünschte lebensfeindliche Information und Unordnung in die Gegenrichtung fließt, ist noch mysteriöser. Abermillionen Liter chaotisches Wasser mit unbiologischen und negativen Informationen kontaminiert können der Wirkung eines Viertel Liters positiven Granderwassers nichts anhaben. Einmal eingebaut, wird auf ewig und immerdar informiert! Die Wissenschafter stehen vor einen Rätsel, die Psychologen eher weniger. Das Hokus-Pokus ist schlicht: Es wird erwartet, daß es wirkt.

    Die bekennenden Anhänger und Anwender sind die Grundlage der Werbung. Diesen neugläubigen Spätheiden verdankt Granderwasser seinen traumhaften Erfolg und seine Eigendynamik. Josef Grander hat alle seine Konkurrenten weit hinter sich gelassen und ist nun der ungekrönte Doyen aller Wasserbeleber. Ihm kann niemand mehr das Wasser reichen. Vielleicht gelingt es Psychologen die Ursachen dieser Eigendynamik zu enträtseln und Welt vom Granderismus zu heilen.

    Wissenschaft kontra Wasserwunder

    Wurden zu Beginn der Granderära noch „wissenschaftliche“ Aussagen getätigt, so präsentiert sich heute ein Granderwasserprospekt in perfekter Hochglanztopqualität und absolut aussagefrei. Die juristischen Nachstellungen scheinen diese aalglatte Werbeform nahegelegt zu haben. Es spielt aber keine Rolle, daß seitens der Vertriebsfirma keine naturwissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen mehr getätigt werden. Der Hinweis „Wissenschaftlich nicht beweisbar“ gilt in vielen Kreisen schon als Qualitätsmerkmal!
    Die zahlreichen Studien zu Granderwasser sind in Summer negativ. Alles andere wäre eine Sensation allerersten Ranges gewesen. Prof. Erich Eder hat sie feinsäuberlich aufgelistet.

    http://homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser/indexstudien.htm

    Nach Ablauf der Sperrfrist kann auch in bisher „geheime“ Auftragsarbeiten eingesehen werden.

    http://dl.dropbox.com/u/2792090/granderwasser.pdf

    Das Resümee ist dürftig und typisch in seiner Argumentation. Wie immer, wenn keine Wirkung nachgewiesen werden konnte, wird moniert, daß die Prüfmethodik unzureichend ist. Merke, das negative Ergebnis ist nicht negativ, weil es real nicht ist, sondern weil nicht richtig geprüft worden ist. Das liest sich dann am Schluß dieser Auftragsarbeit so:

    “Nach den Ergebnissen dieser Arbeit zu urteilen, hat es aber den Anschein, als seien die angewendeten physikalisch-chemischen Methoden nicht die Mittel der Wahl, um den durch mikrobiologische Untersuchungen[Zitat:57] und ebenfalls durch Anwender vielfach bestätigten Grander-Effekt messbar zu machen. Ziel wird es daher vielleicht sein, einen anderen, kreativen, durchaus wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema zu finden, sei es in der Medizin oder in Kombination von Methoden, direkt oder indirekt. Dazu wird es nötig sein, immer wieder über althergebrachte wissenschaftliche Dogmen und sogenannte Grundregeln hinauszudenken – so wie es Herr Grander, der Entdecker dieser Technologie getan hat.”

    Zu erwähnen ist noch das Zitat 57:

    Ergebnisse aus Zwischenberichten sind in der Medizin ein beliebtes Marketingmittel. Entscheidend ist aber immer der Endbericht.

    In vielen Ländern wurden die entsprechenden Vertriebsfirmen für Granderwasser wegen unhaltbaren Werbeaussagen gerichtlich belangt. Im Kern geht es darum, daß Behauptungen über Wirkungen – sei es im Bereich der Technik oder der Medizin –, die nach den herrschenden Naturgesetzen schlichtweg unmöglich sind, offenbar nur mit sehr wenig Einschränkungen aufgestellt werden dürfen.

    Dies klingt im Schatten eines Zeitgeistes von heute durchaus gewohnt, der auch in den Naturwissenschaften eine Meinungsliberalität als korrekt und erstrebenswert sieht, wie sie für demokratische Weltanschauungen als notwendig erachtet wird. Die Sache hat nur den Haken, daß in den Naturwissenschaften die Kausalitäten, also die grundlegenden Naturgesetze, nicht per Konvention, Abstimmung oder nach Vorstellungen gefunden werden, die ein magisches Denken nahelegt. Aber, was soll das noch für eine Bedeutung haben, wenn von oberster Gesundheitsstelle die Aufforderung kommt, daß alternative, komplementäre und ganzheitliche Medizin in die konventionelle Medizin, die gerade mal erst in den letzten Jahrzehnten, 2000 Tausend Jahre nach Galen und Hippokrates, gelernt hat, wie die Spreu vom Weizen hinsichtlich einer tatsächlichen Wirksamkeit getrennt werden kann. Fortschritt in der Heilkunde passiert zurzeit nach dem Sprichwort: Einen Schritt nach vorne und zwei Schritte zurück. Medizinische Höchstleistungen sind kleine Inseln im Ozean einer scharlatanesken Gefälligkeitsmedizin.

    Unsere Demokratie beruht auf Aufklärung und diese wiederum ist untrennbar mit Wissenschaft verbunden. Allerdings beschert heute die Demokratie jedem das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben und viel Geld dafür auszugeben. Und schließt auch das Recht ein, Behauptungen aufzustellen, die den herrschenden naturwissenschaftlichen Kenntnissen völlig zuwiderlaufen. Darauf fußend dürfen auch Geschäfte getätigt werden. Das Grundrecht auf Erwerbsfreiheit ist offenbar so grundlegend, daß es nicht durch grundlegende naturwissenschaftliche Erkenntnisse eingeschränkt werden kann. Daher können völlig legal Ängste und Hoffnungen der Konsumenten mit Tecno-Dogmatik bedient werden. Es gibt ja auch Kurse für ’s Kartenlegen, für ’s Pendeln und für Astrologie. Die „mündigen“ Konsumenten, die mit Dogmatik vom Denken befreit wurden, wissen was sie tun und können sich ohnehin frei entscheiden. Die Beweislast liegt beim Käufer und nicht Verkäufer.

    Wer trotzdem öffentlich denkt, kommt in Schwierigkeiten mit den Gesetzen gegen unlauteren Wettbewerb etc. Man wird geklagt wegen – im weitesten Sinn – Geschäftsstörung und Unterlassung von wissenschaftlich begründeten Aussagen. So erging es dem Biologen Dr. Erich Eder, der die behauptete Wirkung in Sinne einer wissenschaftlich begründeten Kausalität verneinte. Schlußendlich konnte dieser wackere Kritiker buchstäblich gerade noch aufatmen. Immerhin wollte man von ihm an die 20.000 €.

    In höchstem Erklärungsnotstand, warum die Wasserveredelungsanlage so und nicht anders funktionierte bzw. das Wasser so wirksam sei, berief sich dann Johann Grander bei Gericht auf Jesus Christus, der ihm persönlich das Geheimnis des Wunderwasserpatents offenbart haben soll. Nun, das war dem Gericht doch zu spirituell und zu wenig wissenschaftlich. Die Klage auf Schadensersatz wurde abgewiesen. Und nun darf jeder öffentlich behaupten, daß Granderwasser ein aus dem esoterischen Milieu stammendes Wundermittel ist. Wer jedoch glaubt, dies sei das Ende des Wasserspuks, der irrt gewaltig. Die Grandertechnologie wird nun, anders als früher, mit dem unüberlesbaren Hinweis, wissenschaftlich nicht nachweisbar zu sein, angepriesen und offenbar noch erfolgreicher als bisher verkauft. Aber der große Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Unzählige weitere Wasservergolder bearbeiten nun ebenfalls den offenbar immer noch lukrativen Markt.

    Weihwasser kontra Granderwasser – was wirkt besser?

    Modernes Marketing ist auch in der römisch katholischen Kirche gefragt. Ihre altehrwürdigen Institutionen verschließen sich neuen Strategien nicht, um wieder bzw. neue Gläubige zu gewinnen. Fortschrittliche Geistliche ahnen, daß altmodisches Rosenkranzbeten und Weihwasser nicht mehr so gefragt sind wie früher, weil der Glaube an himmlische und höllische Mächte lau geworden ist. Um die Unbill von heute auszuhalten, den Anforderungen der Globalisierung zu genügen und am modernen Streß nicht zu erkranken, kurzum, um heute psychisch und physisch über die Runden zu kommen, bedarf es immer noch eines Glaubens – an Wunder eben!

    So vermeinten die Benediktiner des Stiftes Admont in der grünen Steiermark ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennen zu müssen und sprangen auf den Zug der modernen Wassermystik. Sollte dieser neue Glaube an die besonderen Kräfte des Granderwasser zu einem Weihwasser-Revival genützt werden? In ihrer Museumsbibliothek sprudelte 2007 Granderwasser. Jeder gläubige Besucher sollte offenbar sein Wasser vorfinden. Die einen zum Wohlfühlen, die anderen zum Seligwerden. Doch mittlerweile wurden die Wasserspiele im Stift beendet, und es wird strikt vermieden, mit Grander in Verbindung gebracht zu werden, obwohl Herr Jesus dem Tiroler die ganz spezielle Wassertechnologie hat schauen lassen. Genaue Auskünfte darüber sind nicht zu bekommen. Das Stift schweigt. Die Frage, ob dafür spirituelle, naturwissenschaftliche oder gar kommerzielle Gründe maßgeblich waren, bleibt offen.

    Nun das „Mittlerweile“ stimmt schon wieder nicht mehr. Die seitens der Stiftsverwaltung durch Herrn Gombotz im September 2009 getätigte Aussage, daß man nicht mit Grander in Verbindung gebracht werden will, ist Geschichte. In der Gratiszeitung „Aktiv Plus … lesen tut gut“ sind die Benediktiner Prior Mag. Pater Gerhard Hafner und Kaplan Pater Maximilian in vollem Ornat in einem Granderwerbeartikel zu bewundern. Auch der Bürgermeister von Admont ist bei dieser illustren Gesellschaft mit dabei. Zu lesen ist vom Nutzen in öffentlichen Gebäuden und das Wohl der Kinder wird als besonderes Anliegen des Grandervertriebes hervorgehoben. Warum sollte bei Wasser eine emotionale Bewerbung mit dem Hinweis, daß es gut für Kinder sei, nicht funktionieren, wo es doch bei Schokolade klappt?

    Die Werbung für ein Produkt, das auf Grund eines Gerichtsurteils öffentlich als unwirksam bezeichnet werden darf, mit der Sorge um die Kinder zu verknüpfen und dazu noch Geistliche zu präsentieren verstößt offenbar gegen keine gesetzlichen und moralischen Regeln. Kinderschokolade mit Milch mag ja kritisiert werden, aber Wassertrinken ist ja nicht schädlich. Und wenn es den Leuten als Notwendigkeit assoziativ zwischen den Zeilen geschickt näher gebracht wurde, dann ist es geradezu mitmenschlich, wenn die entsprechenden Gerätschaften für teures Geld auch gleich verkauft werden. Man kann ja nicht wissen, vielleicht wirkt es doch. Und die Patres sind auch dabei. Diesen kann man doch vertrauen.

    Spirituell ist die Sache sicherlich etwas heikel. Neiden vielleicht kirchliche Würdenträger dem Herrn Grander das Wunder? Die Behauptung des Herrn Grander vor einem weltlichen Gericht, Jesus habe ihm die Technik persönlich schauen lassen, wurde bis heute von der Amtskirche meines Wissens nicht bestätigt. Theologische Abhandlungen darüber sind mir nicht bekannt geworden.

    Weihbischof Andreas Laun, der sich gerne zu Wort meldet, hat so z.B. in einer unnachvollziehbaren Logik Medikamente, die bestimmungsgemäß zur Heilung und Linderung von Krankheiten ersonnen und produziert werden, mit Kriegswaffen, die zum Töten, also zum gänzlich entgegengesetzten Zweck erdacht und verwendet werden, verglichen. Zu Granderwasser hat er sich meines Wissens noch nicht öffentlich geäußert. Auch Kardinal Christoph Schönborn äußerte sich nicht zur Tirolerischen Variante eines intelligenten Wassers. Könnte nicht die unerklärliche revolutionäre Evolution von Wasser zu Wunderwasser als Beweis für das Wirken eines intelligenten Designers angesehen werden? Welche außerlogischen Schlüsse könnten dazu verlautbart werden? Entspräche es katholischen Vorstellungen, daß diese Wunder verkauft werden können und daß es überall und jedem zur Verfügung steht. Ist es mit der christlichen Tradition vereinbar, daß es keinen Klerus, keine Wallfahrt und keine Gottesgnade mehr braucht, um die Segnungen einer angeblich himmlischen Technik zu erlangen.

    Jesuales Wasserwunder für Atheisten

    Auch Muhammed, ihr türkischer Installateur, hat keine Probleme, Buddhisten, Agnostikern oder gar Atheisten dieses jüngste Wunder Jesu zu verkaufen. Wo kommen wir hin, werden sich vielleicht die Benediktiner gefragt haben, wenn backwoodlerische Energieforscher ihre Patente jenseits der Naturwissenschaft als von Jesus höchstpersönlich inspiriert reklamieren. Vielleicht war es gar nicht Jesus, sondern der Teufel höchstpersönlich, der die Technik vermittelt hat?

    War die Berufung auf Jesus vor Gericht nur eine dreifach bauernschlaue Schutzbehauptung, um sich juristischen, wissenschaftlich-skeptischen und geistlichen Anfeindungen zu entziehen? Müßte man dieser Teufelei nicht mit einem Exorzismus begegnen? Jedenfalls ist der Weihwasserver- u. Gebrauch im Vergleich zu Granderwasser keine vergleichbare Größe mehr. Der kommerzielle Erfolg des Granderwassers ist geradezu teuflisch. Während die Neugläubigen für das Tiroler Jesuspatent gerne zahlen, muß sich die Kirche zu hohe Kirchensteuer vorhalten lassen und mit Almosen von Altgläubigen begnügen.

    Ja früher begleitete uns der Segen von Weihwasser vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Heute wird der Tagesablauf daheim, in Handwerk, in Industrie und vor allem in der Wellnessbranche, dem ehemaligen Erholungsgewerbe, vom Granderwasser bestimmt. Mit Hilfe himmlischer Technik veredeltes Wasser sprudelt heute in Admont nur mehr aus profanen Brunnen. Ich denke, es wäre schon schön gewesen, wenn ein Konzil so brisante Glaubensfragen „Wie wirkt Granderwasser?“ oder „Warum wirkt Granderwasser besser als amtskirchlich gesegnetes Wasser?“ klären hätte können, denn die Naturwissenschaft ist in solchen Fragen wissenschaftlich befangen. Die Wissenschafter denken zu kompliziert! Immerhin eine Latzhose wirkt so authentisch, daß wenigstens einfache Leute und Handwerker die Technik verstehen

    Die Wirkung liegt im Marketing

    In dieses Bild paßt die Sendung „Vera exklusiv“ vom Sonntag den 30.11.2009 im ORF am Nachmittag. Selbstverständlich ist die ganze Sendung Werbung, Werbung und wieder Werbung, obwohl eigentlich nichts über die Grandertechnik erzählt wird. Gerade das ist die hohe Kunst. Die Botschaft einer Wirksamkeit wird durch die Reichweite eines Sendeformats vermittelt, ohne daß man darüber spricht. Jeder kann ja selbst im Wahrmachermedium Nr. 1 sehen, wie erfolgreich die heile Familie Grander und ihr Unternehmen ist. Also muß da etwas dran sein! Der Bekanntheitsgrad der Moderatorin und ihr freundliches Äußeres bestimmen den Wirkungsgrad vom Granderwasser.

    Der Zweck solcher Sendungen erscheint klar. Es darf keine verstörende wissenschaftliche oder gar skeptische Diskussion aufkommen. Die vielen Frohbotschaften der zahlreichen Anwender, die eine Sinnhaftigkeit und eine Wirksamkeit – wie auch immer – belegen, spießen sich fundamental mit unserem naturwissenschaftlich kausalen Weltbild. Diese eigentlich jedem erkennbare Diskrepanz geht im mächtigen Gefühlsrauschen einer Familiensendung unter. Das Denken wird ausgeschaltet. Eine „Conditio sine qua non“ mit der der Erfolg von Wundern steht und fällt.

    Ungewollt hat die Moderatorin mit einem Scherz am Schluß der Sendung Granderwasser in Punkto Wirksamkeit mit der Homöopathie gleichgestellt. In Anspielung auf die zahlreichen Nachkommen bzw. auf die Großfamilie meinte Sie freundlich lächelnd, wie es einer Infotainment-Tante zukommt, daß Granderwasser nicht empfängnisverhütend ist. Der Homöopathie mangelt es auch an dieser Wirkung. Bis dato hat es noch kein Homöopath gewagt, die als Globuli bekannten Streukügelchen anstelle der Pille zu verordnen, obwohl immer unentwegt die Wirksamkeit der Homöopathie gerade bei Steuer- und Regulationsvorgängen des Organismus beschworen wird.

    Es bleibt die Frage „cui bono?“ Die Antwort liegt in der Finanzierung dieser Sendung. Wer bezahlt das alles? Wird es zur Gänze mit den diktatorisch eingehobenen ORF-Zwangsgebühren finanziert? Die Sendung wird höchstwahrscheinlich nicht vom ORF selbst produziert, sondern von einer TV-Film-Produktionsfirma. Üblicherweise werden die Produktionskosten dafür teils über Werbung, Sponsoren etc. aufgebracht und/oder die Sendung an eine Sendeanstalt verkauft. Gesendet wird meistens auch nicht unentgeltlich, sondern die Kosten dafür werden ebenfalls in gleicher Weise wie für die Produktion gedeckt. Letztendlich erscheint es zulässig, derartige Sendungen als Info-Commercials zu bezeichnen.

    Der Meinungsdruck

    Das Marketing für Grander ist perfekt, schlechthin. Die eigentliche Werbung und den Schutz ihres Meisters übernehmen die zahlreichen gewerblichen und privaten Anwender. Sie sorgen für die Missionierung neuer Glaubensgenossen. Die Anwerbung neuer gläubiger Kunden ist eine Bestätigung, selbst richtig gehandelt zu haben. Wenn andere das auch machen, dann habe auch ich mein Geld nicht verschwendet und bin keiner Fiktion erlegen. Die erfolgreiche Weiterverbreitung der Meinung, daß Granderwasser wirkt, schützt vor peinlicher Bloßstellung.

    Entsprechend dieser Werbestrategie sind auf der WEB-Seite für Granderwasser seitenweise Prominente aus allen denkbaren Brachen gelistet, denen die frohe Kunde vom wunderbaren Wasser am Gesicht abgelesen werden kann, womit die Immunisierung gegen Kritik und Skepsis perfekt ist. Auch Einrichtungen, wo man es kraft personeller Besetzung besser wissen müßte, lassen stolz verlautbaren, Granderwasser zu verwenden. Der Bogen reicht von Spitälern, Schwimmbädern, Lebensmittelerzeugern bis hin zu technischen Betrieben, wo gewöhnlich nicht Glauben angesagt ist, sondern Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die dafür bezahlt werden, dies sachverständig auf der Basis rationaler Aktivitäten wie Zählen, Rechnen, Messen, naturwissenschaftlich kausal gesichertem Wissen und logischem Denken zu tun.

    Viele Gewerbebetriebe dürften einfach nur mitmachen, um ihren Kunden zu gefallen. Es gibt offenbar genügend Wunderwassergläubige fürs Geschäft. Der Einbau einer Wasserveredelung wirkt wie eine Gehirnwäsche. Die Betroffenen beginnen ebenfalls zu missionieren und meinen es besser als bisher zu haben. Dadurch steigt der Meinungsdruck. Wenn Grandergläubige mehrheitlich auftreten, können diese per Abstimmung zwangsmissionieren. Es kostet Mühe z.B. den Einbau vermeintlicher Wasserbelebungen in Wohnanlagen zu verhindern. Wer nicht aufpaßt, wird von der mehrheitlich bekehrten Wohngemeinschaft zu Kasse gebeten und zahlt Glaubensabgabe neu: Die Grandersteuer!

    Die Erfahrung des täglichen Lebens und die Geschichte der Scharlatanerie lehren, daß Gläubige alles tun und alles zu glauben bereit sind, um recht zu behalten. Manchmal führen Schockerlebnisse Gläubige zu einem Umdenken, aber meist dauert es nicht lange, bis wieder begonnen wird, den Tagesablauf und Schicksal mit Aberglauben zu strukturieren. Am empfindlichsten reagieren Scharlatane auf Satire und Spott. Als die Venezianer anfingen Spottlieder zu singen, sah sich der berühmte Goldmacher Bragadino gezwungen, die Stadt zu verlassen.

    Angesichts des Meinungsdrucks, der mit geschickten Marketingstrategien erzeugt wurde, ist ein gefestigtes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und ein gesunder Hausverstand nötig, um all dem Unsinn zu widerstehen. Wer überzeugt darlegt, dass, vom Standpunkt der Naturwissenschaften und/oder der Psychologie aus gesehen, an den zahlreichen Wasserverbesserungen nichts dran ist – außer einer Massenhysterie, wird als erfolgloser Außenseiter angesehen. Johann Grander, Urheber und Nutznießer bleibt ausgezeichnet mit dem Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst!

    Dr. E. Berndt

  22. #22 E. Berndt
    8. März 2012

    Alpenländischer Paradigmenwechsel – vom Weihwasser zu Granderwasser

    Naturwissenschaftliche Überlegungen verlieren heute wieder an Bedeutung. Das magische Denken kehrt aus dem Hinterkopf zurück. Es hat sich aus Köpfen der Menschen trotz Aufklärung und aller damit verbundenen Erfolge nicht verabschiedet. Heute wie gestern nimmt es Einfluß auf unsere Entscheidungen. Magische Vorstellungen sind immer noch und wieder zusehends mehr, als man zu glauben gewillt ist, als Entscheidungshilfe anerkannt. Die Götterdämmerung der Aufklärung beginnt im Alltag. Wenn der Freitag mit Vorsicht begonnen und darauf geachtet wird, nicht mit dem linken Bein aufzustehen, wenn große Teile der Bevölkerung unerschütterlich an das Horoskop und felsenfest an die Kräfte des Mondes glauben, wenn mit Jahreswechsel die Glücksbuden aus dem Nichts erscheinen und Rauchfangkehrerfigürchen und Glücksschweinderl verkauft werden.

    Mit einer Hasenpfote um den Hals läuft niemand mehr herum, aber unzählige dem entsprechende Geräte sind in Verwendung. Aber auch das modernste Outfit und eine noch so imposante high-tec Elektronik vermögen nicht Wirkungen herbeizuzaubern, die uns ein magisches Denken nahelegt. Fetischismus kann viele Formen annehmen und beschränkt sich nicht auf Nobelmarken. Die Bindung an oder – man könnte auch sagen – die Abhängigkeit von Maskottchen, überschreitet oft genug die Grenze zu einem üblicherweise akzeptierten Tic. Dies mag noch als harmlos gelten, aber wenn man in den Leistungssport hineinschaut, läßt sich beobachten, daß der Rahmen des „Mental-Coaching“ sehr weit gespannt ist. Auch hier ist Glückbringen mit transrealen Vorstellungen zum einträglichen Geschäft geworden. Meditationsübungen und Umhängen angeblich harmonisierender, energetisierender und vor allem vor böser Umwelt schützender Schrottelektronik gehen Hand in Hand. All das gilt als ganz normal. So normal, daß wer nicht daran glaubt, Gefahr läuft, für schrullig gehalten zu werden. Das Gegenteil von Aufklärung ist im Trend. Die postmoderne Eintrübung des Denkens zeigt Wirkung. Die unkritische Masse im alltäglichen Denken hat so zugenommen, daß eine esoterische antiwissenschaftliche Kettenreaktion abläuft.

    Warum nicht wieder an die Wunder des Wassers glauben?/b>

    Die alten Mächte werden nicht mehr um Hilfe angefleht. Heute, in der modernen Hölle, glauben die Verzweifelten an Energien, Schwingungen und Bioinformation und hoffen, daß diese nun Wunder bewirken. Ja, früher, in der guten alten katholischen Zeit, da war das anders. Damals konnte man noch wallfahren, an allen möglichen Gnadenorten das Heil des Himmels erflehen, auf ein Wunder hoffen, Kraft tanken für das Jenseits und zahlreiche Heilige um Fürsprache beim Allerhöchsten bitten. Jeder Beruf, jeder Stand, jede Gegend, jedes Land hatte eigene, höchst wundertätige Heilige. Heute noch erzählen uns Tausende Votivtafeln von vielen erflehten und auch in Erfüllung gegangenen Wundern. Diese wunderbaren Erfahrungen waren einmal Standard und ganz normaler Alltag. Man sollte darüber als moderner Mensch nicht ungläubig lächeln und womöglich mit Achselzucken bemerken, daß der Glaube eben Berge versetze. Und für diese Wunder wurde auch sehr viel Geld ausgegeben. Wenn nicht Geld für Breverl , Schluckbildchen und Andachtsbilder bezahlt wurde, so mußte doch gespendet werden, um sich der göttlichen Hilfe zu versichern. Eine Wachskerze war damals etwas sehr kostbares und kein Billigpräsent!

    Der Wunderglaube hat Konjunktur

    Es funktioniert heute noch genauso wie gestern, nur ein wenig anders. Die Menschen haben sich ja in 3–4 Generationen nicht verändert – genetisch am allerwenigsten. Sie werden heute im Grunde von den gleichen Sorgen geplagt wie gestern. Und diese werden immer noch mit den gleichen ererbten Strategien wie gestern bewältigt. Der Glaube an Wunder hat immer Konjunktur, man muß ihn nur zu vermarkten wissen! Heute glauben wir an alle möglichen feinstofflichen Wunder. Mit modernen Begriffen wird das unmögliche Wunder zur logischen Möglichkeit. Die Wunder sind heute technoid und konsumgerecht. Damit läßt sich natürlich auch Geld verdienen. Unsere modernen Gurus machen es wie die alten Scharlatane.

    Wer kein Versprechen halten kann, kann alles versprechen

    Die Befriedigung der Sehnsucht nach einer glückhaften Veränderung der Lebensumstände und der Gesundheit ist die hohe Kunst der Scharlatanerie. Ihr Charisma ist Teil des Überzeugungs- und Werbeprogramms. Das Aussehen und das Gehabe zielt auf Ablenkung und Eindruckschinden hin. Und auch dem Wort kommt eine besondere Bedeutung zu. Der Scharlatan weiß instinktiv – und das ist seine wahre Kunst –mit welchen Ohrwürmern er seine psychologischen Angelhaken zu Anbeißen bestückt.

    Um zu Beindrucken und um Seriosität vorzutäuschen, werden griffig erscheinende Ausdrücke aus Wissenschaft und Technik schlicht gestohlen und verdreht. Sie werden – im Klartext geschrieben – entgegen ihren ursprünglichen Definitionen und ungeachtet ihres angestammten Kontextes zu undefinierten Modebegriffen verfälscht, um damit einem disponierten Publikum die gewünschten Wunder glaubhaft verklickern und verhökern zu können.

    Sie kennen die dafür verwendeten undefinierten und sinnentleerten Begriffe, die überall in den Medien herumschwirren: Bio-, Natur-, Energie, Schwingung, Information, Quanten etc. Und die Magie beschränkt sich nicht auf Gesundheit oder Glück. Auch Benzin kann belebt und das Handy harmonisiert werden und unzählige Konsumenten warten auf die freie und kostenlose Energie aus dem Vakuum! Real an all diesen transrealen Vorstellungen ist, daß man damit echtes Geld machen kann.

    Von Bio-Fetischismus zum Wasser-Info-Wunderglauben

    Es floriert der Glaube an unbekannte Energien, Schwingungen und Bioinformationen generell und besonders rund ums Wasser. Wasser ist Leben und daher muß es informiert sein. Logisch, oder? Um das Leben zu meistern, werden daher Kraftorte aufgesucht, Bäume umarmt und informierte Wässer getrunken. Biologische Informationen und Energien werden verehrt. Neue Gottheiten, die Bio-, Immun- u. Informationsgötter werden angebetet. Und siehe da, sie wirken – wie die alten Götter und Heiligen der Wallfahrtsorte – Wunder!

    Die wirklich ganz großen Wallfahrtszentren gibt es natürlich noch, aber die vielen kleineren Orte der Gnade von anno dazumal fristen traurig dahin. Wir erfahren von dort keine Wunder mehr. Um das Verarmen und das Vergessen ganzer Orte und Gegenden hinauszuzögern, hat sich der Tourismus ihrer angenommen und vermarktet sie zu Kraftorten, wo positive Energie in der Gegend herumströmt. Das ist modern und läßt sich verkaufen. Die Wünschelrutengänger erzucken dazu mit Ruten die konsumwissenschaftlichen Beweise, die Pendel der Esoteriker schwingen, daß es nur so ein Wunder ist. Das moderne Opfergeld sind die Tourismusabgabe und die Kurtaxe. Granderwasser mauserte sich zum universellen Heilwasser des 3. Jahrtausend. Endlich gibt es gibt eine Erlösung für die Probleme einer scheinbar überholten oder überentwickelten Zivilisation. Granderanhänger vermeinen die Physik auf den Kopf stellen zu können und die Anbieter der Grandertechnik sehen zusätzliches Umsatzpotential. Ideale Vorraussetzungen für einen Hype.

    Die Eigendynamik von Granderwasser

    Der finanzielle Erfolg des „Unternehmen“ Grander erscheint beispiellos. Ein Blick in die Geschichte der Scharlatanerie zeigt jedoch, daß derartige Phänomene so neu auch wieder nicht sind und auch von Zeitgenossen damals richtig eingeschätzt wurden. Der „Grander-Hype“ hat diesbezüglich seine historischen Pendants. Granders „Erfindung“ ist aus der Sicht einer naturwissenschaftlichen Kausalität ein Wunder. Eine Wirkung kann nach allem, was wir heute als gesichertes Wissen bezeichnen, völlig ausgeschlossen werden.

    Wasserverbesserer u. -veredler sind aber nicht neues. Der Förstersohn Viktor Schauberger kann als ein erster Wasserveredler angesehen werden. Er vermeinte Wasser durch gezielte Verwirbelungen, die er der Natur abgeschaut haben will, verbessern zu können. Heute kursiert ein buntes Sammelsurium von skurril bis krausen Ideen und extrem simpel bis mit high-tec Elektronik aufgepeppten Gerätschaften ist im Umlauf und hat Anhänger. Die Begriffe und Vergleiche, die zum Erklären und Vermarkten verwendet werden, sind samt und sonders pseudowissenschaftlicher Kauderwelsch. Die Rede ist von Informieren, Levitieren, Dynamisieren, Energetisieren usw. Diese Vorgänge werden selbstredend immer als biologisch und natürlich bezeichnet. Leitungswasser ist tot und muß belebt werden. Es werden bunte Steine in Wasser eingelegt, an die Wasserleitungen werden diverse Magnete gelegt und mit elektronischen Schnickschnack wird das Hauswasser nicht irgendwie sondern auch über die Biorhythmen der Hausbewohner informiert. Der Unsinn ist grenzenlos. Die Speicherkapazität des ständig postulierten Wassergedächtnis offenbar auch.

    Der Grander Sanktus – Das Perpetuum mobile der Bioinformation

    Nach der Methode „Grander“ wird mittlerweile weltweit „totes“ Wasser mit Naturinformationen des „lebendigen“ Wassers aus einem ehemaligen Kupferbergwerk informiert. Die sensationelle Technik besteht lediglich darin, dass sozusagen „Ur“-Granderwasser in einem Edelstahlblechbehälter hermetisch eingeschlossen wird, und dann – im Vorbeifließen – unedles, gewöhnliches, chaotisches kurzum gerade noch unschädliches Wasser in edles, biologisches, richtig informiertes und richtig gedrehtes also gesundes Wasser verwandelt wird. Warum gerade das Tiroler Wasser aus Jochberg so einzigartig informiert oder geordnet ist und daher seinen Biosegen exklusiv auf alle anderen Wasser berührungsfrei und ohne Energieverluste auf immer und ewig ab- u. weitergibt, ist und muß ein Mysterium bleiben. Dieses Mysterium, der Grander Sanktus, zählt zu den einträglichsten Tiroler Handelsobjekten und wird daher auch von der Wirtschaftskammer entsprechend gewürdigt.

    Warum dieser Informationsstrom nie versiegt, nie zum Stillstand kommt und nicht auch einmal kentert und unerwünschte lebensfeindliche Information und Unordnung in die Gegenrichtung fließt, ist noch mysteriöser. Abermillionen Liter chaotisches Wasser mit unbiologischen und negativen Informationen kontaminiert können der Wirkung eines Viertel Liters positiven Granderwassers nichts anhaben. Einmal eingebaut, wird auf ewig und immerdar informiert! Die Wissenschafter stehen vor einen Rätsel, die Psychologen eher weniger. Das Hokus-Pokus ist schlicht: Es wird erwartet, daß es wirkt.

    Die bekennenden Anhänger und Anwender sind die Grundlage der Werbung. Diesen neugläubigen Spätheiden verdankt Granderwasser seinen traumhaften Erfolg und seine Eigendynamik. Josef Grander hat alle seine Konkurrenten weit hinter sich gelassen und ist nun der ungekrönte Doyen aller Wasserbeleber. Ihm kann niemand mehr das Wasser reichen. Vielleicht gelingt es Psychologen die Ursachen dieser Eigendynamik zu enträtseln und Welt vom Granderismus zu heilen.

    Wissenschaft kontra Wasserwunder

    Wurden zu Beginn der Granderära noch „wissenschaftliche“ Aussagen getätigt, so präsentiert sich heute ein Granderwasserprospekt in perfekter Hochglanztopqualität und absolut aussagefrei. Die juristischen Nachstellungen scheinen diese aalglatte Werbeform nahegelegt zu haben. Es spielt aber keine Rolle, daß seitens der Vertriebsfirma keine naturwissenschaftlich nachprüfbaren Aussagen mehr getätigt werden. Der Hinweis „Wissenschaftlich nicht beweisbar“ gilt in vielen Kreisen schon als Qualitätsmerkmal!
    Die zahlreichen Studien zu Granderwasser sind in Summer negativ. Alles andere wäre eine Sensation allerersten Ranges gewesen. Prof. Erich Eder hat sie feinsäuberlich aufgelistet.

    http://homepage.univie.ac.at/erich.eder/wasser/indexstudien.htm

    Nach Ablauf der Sperrfrist kann auch in bisher „geheime“ Auftragsarbeiten eingesehen werden.

    http://dl.dropbox.com/u/2792090/granderwasser.pdf

    Das Resümee ist dürftig und typisch in seiner Argumentation. Wie immer, wenn keine Wirkung nachgewiesen werden konnte, wird moniert, daß die Prüfmethodik unzureichend ist. Merke, das negative Ergebnis ist nicht negativ, weil es real nicht ist, sondern weil nicht richtig geprüft worden ist. Das liest sich dann am Schluß dieser Auftragsarbeit so:

    “Nach den Ergebnissen dieser Arbeit zu urteilen, hat es aber den Anschein, als seien die angewendeten physikalisch-chemischen Methoden nicht die Mittel der Wahl, um den durch mikrobiologische Untersuchungen[Zitat:57] und ebenfalls durch Anwender vielfach bestätigten Grander-Effekt messbar zu machen. Ziel wird es daher vielleicht sein, einen anderen, kreativen, durchaus wissenschaftlichen Zugang zu dem Thema zu finden, sei es in der Medizin oder in Kombination von Methoden, direkt oder indirekt. Dazu wird es nötig sein, immer wieder über althergebrachte wissenschaftliche Dogmen und sogenannte Grundregeln hinauszudenken – so wie es Herr Grander, der Entdecker dieser Technologie getan hat.”

    Zu erwähnen ist noch das Zitat 57:

    Ergebnisse aus Zwischenberichten sind in der Medizin ein beliebtes Marketingmittel. Entscheidend ist aber immer der Endbericht.

    In vielen Ländern wurden die entsprechenden Vertriebsfirmen für Granderwasser wegen unhaltbaren Werbeaussagen gerichtlich belangt. Im Kern geht es darum, daß Behauptungen über Wirkungen – sei es im Bereich der Technik oder der Medizin –, die nach den herrschenden Naturgesetzen schlichtweg unmöglich sind, offenbar nur mit sehr wenig Einschränkungen aufgestellt werden dürfen.

    Dies klingt im Schatten eines Zeitgeistes von heute durchaus gewohnt, der auch in den Naturwissenschaften eine Meinungsliberalität als korrekt und erstrebenswert sieht, wie sie für demokratische Weltanschauungen als notwendig erachtet wird. Die Sache hat nur den Haken, daß in den Naturwissenschaften die Kausalitäten, also die grundlegenden Naturgesetze, nicht per Konvention, Abstimmung oder nach Vorstellungen gefunden werden, die ein magisches Denken nahelegt. Aber, was soll das noch für eine Bedeutung haben, wenn von oberster Gesundheitsstelle die Aufforderung kommt, daß alternative, komplementäre und ganzheitliche Medizin in die konventionelle Medizin, die gerade mal erst in den letzten Jahrzehnten, 2000 Tausend Jahre nach Galen und Hippokrates, gelernt hat, wie die Spreu vom Weizen hinsichtlich einer tatsächlichen Wirksamkeit getrennt werden kann. Fortschritt in der Heilkunde passiert zurzeit nach dem Sprichwort: Einen Schritt nach vorne und zwei Schritte zurück. Medizinische Höchstleistungen sind kleine Inseln im Ozean einer scharlatanesken Gefälligkeitsmedizin.

    Unsere Demokratie beruht auf Aufklärung und diese wiederum ist untrennbar mit Wissenschaft verbunden. Allerdings beschert heute die Demokratie jedem das Recht, an jede Unwahrscheinlichkeit und Unwissenschaftlichkeit zu glauben und viel Geld dafür auszugeben. Und schließt auch das Recht ein, Behauptungen aufzustellen, die den herrschenden naturwissenschaftlichen Kenntnissen völlig zuwiderlaufen. Darauf fußend dürfen auch Geschäfte getätigt werden. Das Grundrecht auf Erwerbsfreiheit ist offenbar so grundlegend, daß es nicht durch grundlegende naturwissenschaftliche Erkenntnisse eingeschränkt werden kann. Daher können völlig legal Ängste und Hoffnungen der Konsumenten mit Tecno-Dogmatik bedient werden. Es gibt ja auch Kurse für ’s Kartenlegen, für ’s Pendeln und für Astrologie. Die „mündigen“ Konsumenten, die mit Dogmatik vom Denken befreit wurden, wissen was sie tun und können sich ohnehin frei entscheiden. Die Beweislast liegt beim Käufer und nicht Verkäufer.

    Wer trotzdem öffentlich denkt, kommt in Schwierigkeiten mit den Gesetzen gegen unlauteren Wettbewerb etc. Man wird geklagt wegen – im weitesten Sinn – Geschäftsstörung und Unterlassung von wissenschaftlich begründeten Aussagen. So erging es dem Biologen Dr. Erich Eder, der die behauptete Wirkung in Sinne einer wissenschaftlich begründeten Kausalität verneinte. Schlußendlich konnte dieser wackere Kritiker buchstäblich gerade noch aufatmen. Immerhin wollte man von ihm an die 20.000 €.

    In höchstem Erklärungsnotstand, warum die Wasserveredelungsanlage so und nicht anders funktionierte bzw. das Wasser so wirksam sei, berief sich dann Johann Grander bei Gericht auf Jesus Christus, der ihm persönlich das Geheimnis des Wunderwasserpatents offenbart haben soll. Nun, das war dem Gericht doch zu spirituell und zu wenig wissenschaftlich. Die Klage auf Schadensersatz wurde abgewiesen. Und nun darf jeder öffentlich behaupten, daß Granderwasser ein aus dem esoterischen Milieu stammendes Wundermittel ist. Wer jedoch glaubt, dies sei das Ende des Wasserspuks, der irrt gewaltig. Die Grandertechnologie wird nun, anders als früher, mit dem unüberlesbaren Hinweis, wissenschaftlich nicht nachweisbar zu sein, angepriesen und offenbar noch erfolgreicher als bisher verkauft. Aber der große Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Unzählige weitere Wasservergolder bearbeiten nun ebenfalls den offenbar immer noch lukrativen Markt.

    Weihwasser kontra Granderwasser – was wirkt besser?

    Modernes Marketing ist auch in der römisch katholischen Kirche gefragt. Ihre altehrwürdigen Institutionen verschließen sich neuen Strategien nicht, um wieder bzw. neue Gläubige zu gewinnen. Fortschrittliche Geistliche ahnen, daß altmodisches Rosenkranzbeten und Weihwasser nicht mehr so gefragt sind wie früher, weil der Glaube an himmlische und höllische Mächte lau geworden ist. Um die Unbill von heute auszuhalten, den Anforderungen der Globalisierung zu genügen und am modernen Streß nicht zu erkranken, kurzum, um heute psychisch und physisch über die Runden zu kommen, bedarf es immer noch eines Glaubens – an Wunder eben!

    So vermeinten die Benediktiner des Stiftes Admont in der grünen Steiermark ebenfalls die Zeichen der Zeit erkennen zu müssen und sprangen auf den Zug der modernen Wassermystik. Sollte dieser neue Glaube an die besonderen Kräfte des Granderwasser zu einem Weihwasser-Revival genützt werden? In ihrer Museumsbibliothek sprudelte 2007 Granderwasser. Jeder gläubige Besucher sollte offenbar sein Wasser vorfinden. Die einen zum Wohlfühlen, die anderen zum Seligwerden. Doch mittlerweile wurden die Wasserspiele im Stift beendet, und es wird strikt vermieden, mit Grander in Verbindung gebracht zu werden, obwohl Herr Jesus dem Tiroler die ganz spezielle Wassertechnologie hat schauen lassen. Genaue Auskünfte darüber sind nicht zu bekommen. Das Stift schweigt. Die Frage, ob dafür spirituelle, naturwissenschaftliche oder gar kommerzielle Gründe maßgeblich waren, bleibt offen.

    Nun das „Mittlerweile“ stimmt schon wieder nicht mehr. Die seitens der Stiftsverwaltung durch Herrn Gombotz im September 2009 getätigte Aussage, daß man nicht mit Grander in Verbindung gebracht werden will, ist Geschichte. In der Gratiszeitung „Aktiv Plus … lesen tut gut“ sind die Benediktiner Prior Mag. Pater Gerhard Hafner und Kaplan Pater Maximilian in vollem Ornat in einem Granderwerbeartikel zu bewundern. Auch der Bürgermeister von Admont ist bei dieser illustren Gesellschaft mit dabei. Zu lesen ist vom Nutzen in öffentlichen Gebäuden und das Wohl der Kinder wird als besonderes Anliegen des Grandervertriebes hervorgehoben. Warum sollte bei Wasser eine emotionale Bewerbung mit dem Hinweis, daß es gut für Kinder sei, nicht funktionieren, wo es doch bei Schokolade klappt?

    Die Werbung für ein Produkt, das auf Grund eines Gerichtsurteils öffentlich als unwirksam bezeichnet werden darf, mit der Sorge um die Kinder zu verknüpfen und dazu noch Geistliche zu präsentieren verstößt offenbar gegen keine gesetzlichen und moralischen Regeln. Kinderschokolade mit Milch mag ja kritisiert werden, aber Wassertrinken ist ja nicht schädlich. Und wenn es den Leuten als Notwendigkeit assoziativ zwischen den Zeilen geschickt näher gebracht wurde, dann ist es geradezu mitmenschlich, wenn die entsprechenden Gerätschaften für teures Geld auch gleich verkauft werden. Man kann ja nicht wissen, vielleicht wirkt es doch. Und die Patres sind auch dabei. Diesen kann man doch vertrauen.

    Spirituell ist die Sache sicherlich etwas heikel. Neiden vielleicht kirchliche Würdenträger dem Herrn Grander das Wunder? Die Behauptung des Herrn Grander vor einem weltlichen Gericht, Jesus habe ihm die Technik persönlich schauen lassen, wurde bis heute von der Amtskirche meines Wissens nicht bestätigt. Theologische Abhandlungen darüber sind mir nicht bekannt geworden.

    Weihbischof Andreas Laun, der sich gerne zu Wort meldet, hat so z.B. in einer unnachvollziehbaren Logik Medikamente, die bestimmungsgemäß zur Heilung und Linderung von Krankheiten ersonnen und produziert werden, mit Kriegswaffen, die zum Töten, also zum gänzlich entgegengesetzten Zweck erdacht und verwendet werden, verglichen. Zu Granderwasser hat er sich meines Wissens noch nicht öffentlich geäußert. Auch Kardinal Christoph Schönborn äußerte sich nicht zur Tirolerischen Variante eines intelligenten Wassers. Könnte nicht die unerklärliche revolutionäre Evolution von Wasser zu Wunderwasser als Beweis für das Wirken eines intelligenten Designers angesehen werden? Welche außerlogischen Schlüsse könnten dazu verlautbart werden? Entspräche es katholischen Vorstellungen, daß diese Wunder verkauft werden können und daß es überall und jedem zur Verfügung steht. Ist es mit der christlichen Tradition vereinbar, daß es keinen Klerus, keine Wallfahrt und keine Gottesgnade mehr braucht, um die Segnungen einer angeblich himmlischen Technik zu erlangen.

    Jesuales Wasserwunder für Atheisten

    Auch Muhammed, ihr türkischer Installateur, hat keine Probleme, Buddhisten, Agnostikern oder gar Atheisten dieses jüngste Wunder Jesu zu verkaufen. Wo kommen wir hin, werden sich vielleicht die Benediktiner gefragt haben, wenn backwoodlerische Energieforscher ihre Patente jenseits der Naturwissenschaft als von Jesus höchstpersönlich inspiriert reklamieren. Vielleicht war es gar nicht Jesus, sondern der Teufel höchstpersönlich, der die Technik vermittelt hat?

    War die Berufung auf Jesus vor Gericht nur eine dreifach bauernschlaue Schutzbehauptung, um sich juristischen, wissenschaftlich-skeptischen und geistlichen Anfeindungen zu entziehen? Müßte man dieser Teufelei nicht mit einem Exorzismus begegnen? Jedenfalls ist der Weihwasserver- u. Gebrauch im Vergleich zu Granderwasser keine vergleichbare Größe mehr. Der kommerzielle Erfolg des Granderwassers ist geradezu teuflisch. Während die Neugläubigen für das Tiroler Jesuspatent gerne zahlen, muß sich die Kirche zu hohe Kirchensteuer vorhalten lassen und mit Almosen von Altgläubigen begnügen.

    Ja früher begleitete uns der Segen von Weihwasser vom Aufstehen bis zum Zubettgehen. Heute wird der Tagesablauf daheim, in Handwerk, in Industrie und vor allem in der Wellnessbranche, dem ehemaligen Erholungsgewerbe, vom Granderwasser bestimmt. Mit Hilfe himmlischer Technik veredeltes Wasser sprudelt heute in Admont nur mehr aus profanen Brunnen. Ich denke, es wäre schon schön gewesen, wenn ein Konzil so brisante Glaubensfragen „Wie wirkt Granderwasser?“ oder „Warum wirkt Granderwasser besser als amtskirchlich gesegnetes Wasser?“ klären hätte können, denn die Naturwissenschaft ist in solchen Fragen wissenschaftlich befangen. Die Wissenschafter denken zu kompliziert! Immerhin eine Latzhose wirkt so authentisch, daß wenigstens einfache Leute und Handwerker die Technik verstehen

    Die Wirkung liegt im Marketing

    In dieses Bild paßt die Sendung „Vera exklusiv“ vom Sonntag den 30.11.2009 im ORF am Nachmittag. Selbstverständlich ist die ganze Sendung Werbung, Werbung und wieder Werbung, obwohl eigentlich nichts über die Grandertechnik erzählt wird. Gerade das ist die hohe Kunst. Die Botschaft einer Wirksamkeit wird durch die Reichweite eines Sendeformats vermittelt, ohne daß man darüber spricht. Jeder kann ja selbst im Wahrmachermedium Nr. 1 sehen, wie erfolgreich die heile Familie Grander und ihr Unternehmen ist. Also muß da etwas dran sein! Der Bekanntheitsgrad der Moderatorin und ihr freundliches Äußeres bestimmen den Wirkungsgrad vom Granderwasser.

    Der Zweck solcher Sendungen erscheint klar. Es darf keine verstörende wissenschaftliche oder gar skeptische Diskussion aufkommen. Die vielen Frohbotschaften der zahlreichen Anwender, die eine Sinnhaftigkeit und eine Wirksamkeit – wie auch immer – belegen, spießen sich fundamental mit unserem naturwissenschaftlich kausalen Weltbild. Diese eigentlich jedem erkennbare Diskrepanz geht im mächtigen Gefühlsrauschen einer Familiensendung unter. Das Denken wird ausgeschaltet. Eine „Conditio sine qua non“ mit der der Erfolg von Wundern steht und fällt.

    Ungewollt hat die Moderatorin mit einem Scherz am Schluß der Sendung Granderwasser in Punkto Wirksamkeit mit der Homöopathie gleichgestellt. In Anspielung auf die zahlreichen Nachkommen bzw. auf die Großfamilie meinte Sie freundlich lächelnd, wie es einer Infotainment-Tante zukommt, daß Granderwasser nicht empfängnisverhütend ist. Der Homöopathie mangelt es auch an dieser Wirkung. Bis dato hat es noch kein Homöopath gewagt, die als Globuli bekannten Streukügelchen anstelle der Pille zu verordnen, obwohl immer unentwegt die Wirksamkeit der Homöopathie gerade bei Steuer- und Regulationsvorgängen des Organismus beschworen wird.

    Es bleibt die Frage „cui bono?“ Die Antwort liegt in der Finanzierung dieser Sendung. Wer bezahlt das alles? Wird es zur Gänze mit den diktatorisch eingehobenen ORF-Zwangsgebühren finanziert? Die Sendung wird höchstwahrscheinlich nicht vom ORF selbst produziert, sondern von einer TV-Film-Produktionsfirma. Üblicherweise werden die Produktionskosten dafür teils über Werbung, Sponsoren etc. aufgebracht und/oder die Sendung an eine Sendeanstalt verkauft. Gesendet wird meistens auch nicht unentgeltlich, sondern die Kosten dafür werden ebenfalls in gleicher Weise wie für die Produktion gedeckt. Letztendlich erscheint es zulässig, derartige Sendungen als Info-Commercials zu bezeichnen.

    Der Meinungsdruck

    Das Marketing für Grander ist perfekt, schlechthin. Die eigentliche Werbung und den Schutz ihres Meisters übernehmen die zahlreichen gewerblichen und privaten Anwender. Sie sorgen für die Missionierung neuer Glaubensgenossen. Die Anwerbung neuer gläubiger Kunden ist eine Bestätigung, selbst richtig gehandelt zu haben. Wenn andere das auch machen, dann habe auch ich mein Geld nicht verschwendet und bin keiner Fiktion erlegen. Die erfolgreiche Weiterverbreitung der Meinung, daß Granderwasser wirkt, schützt vor peinlicher Bloßstellung.

    Entsprechend dieser Werbestrategie sind auf der WEB-Seite für Granderwasser seitenweise Prominente aus allen denkbaren Brachen gelistet, denen die frohe Kunde vom wunderbaren Wasser am Gesicht abgelesen werden kann, womit die Immunisierung gegen Kritik und Skepsis perfekt ist. Auch Einrichtungen, wo man es kraft personeller Besetzung besser wissen müßte, lassen stolz verlautbaren, Granderwasser zu verwenden. Der Bogen reicht von Spitälern, Schwimmbädern, Lebensmittelerzeugern bis hin zu technischen Betrieben, wo gewöhnlich nicht Glauben angesagt ist, sondern Entscheidungen von Menschen getroffen werden, die dafür bezahlt werden, dies sachverständig auf der Basis rationaler Aktivitäten wie Zählen, Rechnen, Messen, naturwissenschaftlich kausal gesichertem Wissen und logischem Denken zu tun.

    Viele Gewerbebetriebe dürften einfach nur mitmachen, um ihren Kunden zu gefallen. Es gibt offenbar genügend Wunderwassergläubige fürs Geschäft. Der Einbau einer Wasserveredelung wirkt wie eine Gehirnwäsche. Die Betroffenen beginnen ebenfalls zu missionieren und meinen es besser als bisher zu haben. Dadurch steigt der Meinungsdruck. Wenn Grandergläubige mehrheitlich auftreten, können diese per Abstimmung zwangsmissionieren. Es kostet Mühe z.B. den Einbau vermeintlicher Wasserbelebungen in Wohnanlagen zu verhindern. Wer nicht aufpaßt, wird von der mehrheitlich bekehrten Wohngemeinschaft zu Kasse gebeten und zahlt Glaubensabgabe neu: Die Grandersteuer!

    Die Erfahrung des täglichen Lebens und die Geschichte der Scharlatanerie lehren, daß Gläubige alles tun und alles zu glauben bereit sind, um recht zu behalten. Manchmal führen Schockerlebnisse Gläubige zu einem Umdenken, aber meist dauert es nicht lange, bis wieder begonnen wird, den Tagesablauf und Schicksal mit Aberglauben zu strukturieren. Am empfindlichsten reagieren Scharlatane auf Satire und Spott. Als die Venezianer anfingen Spottlieder zu singen, sah sich der berühmte Goldmacher Bragadino gezwungen, die Stadt zu verlassen.

    Angesichts des Meinungsdrucks, der mit geschickten Marketingstrategien erzeugt wurde, ist ein gefestigtes Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge und ein gesunder Hausverstand nötig, um all dem Unsinn zu widerstehen. Wer überzeugt darlegt, dass, vom Standpunkt der Naturwissenschaften und/oder der Psychologie aus gesehen, an den zahlreichen Wasserverbesserungen nichts dran ist – außer einer Massenhysterie, wird als erfolgloser Außenseiter angesehen. Johann Grander, Urheber und Nutznießer bleibt ausgezeichnet mit dem Verdienstkreuz für Wissenschaft und Kunst!

    Dr. E. Berndt

  23. #23 daupnir
    8. März 2012

    was haltet ihr eigentlich hiervon:

    Traunstein – In Traunstein wird sich noch in diesem Jahr eine “Europäische Hochschule für Homöopathie” ansiedeln. Sitz der Einrichtung wird das Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe in der Herzog-Friedrich-Straße sein.

    Das ehemalige Gebäude des Annette-Kolb-Gymnasiums wird zurzeit umgebaut und soll im Sommer bezugsfertig sein. Auch die Krankenpflegeschule Traunstein sowie das Gesundheitsamt werden in dem Haus eine neue Heimat finden.

    Trägerin der Hochschule wird die in Freiburg (Breisgau) ansässige Stiftung der “European Union of Homoeopathy” (EUH) sein. Gerechnet wird mit 40 bis 50 Studentinnen und Studenten ab dem Wintersemester 2012/2013. Das Studium dauert in der Regel drei Jahre bis zum Bachelor-Diplom sowie weitere zwei Jahre bis zum Master-Diplom.

    Landrat Hermann Steinmaßl sieht in der Hochschule einen “weiteren wichtigen Baustein für die Bildung und die medizinische Versorgung im Landkreis”. Die Standort-Entscheidung der EUH war nach intensiven Gesprächen zwischen ihm und den Stiftungs-Verantwortlichen gefallen. Der Kontakt zur EUH war über den Surberger Homöopathen Josef-Karl Graspeuntner zustande gekommen. Detailliert wird das Projekt in der Kreisausschusssitzung am Dienstag, 13. März, im Landratsamt vorgestellt. re

    http://www.ovb-online.de/chiemgau/traunstein-wird-hochschulstadt-1694523.html

  24. #24 Rainer
    8. März 2012

    Selbstreferenz am Beispiel eines Esogehirns: Nix drinnen, aber gut durchgeschüttelt. Mein linker Fuß wächst gerade … wenn das so weiergeht,dann wird es bald heißen: Der Rainer muss bald kommen, weil sein linker Fuß ist schon da! Im Moment fehlt mir zum Weiterschreiben die ENERGIE – mehr zum Thema beim nächsten Sonnensturm!

  25. #25 E. Berndt
    8. März 2012

    @Rainer
    Bitte nichts mehr schreiben, lassen Sie ihren Energieanfall nicht raus und nicht hier aus!

  26. #26 E. Berndt
    8. März 2012

    aus der Fachgruppenvertretung der Wirtschaftskammer:
    http://portal.wko.at/wk/format_detail.wk?angid=1&stid=498410&dstid=8564&opennavid=0
    Esoterik an allen Ecken und Enden!

  27. #28 Martin
    9. März 2012

    ist doch der Kaffeeautomat in der Kantine seit neuestem mit Grander-“Technologie” ausgestattet.

    Das kann doch keiner überprüfen. Ich bin mir sicher das ist alles nur ein Fake und es war gar kein Granda-Wasser.

  28. #29 Wolfgang
    9. März 2012

    Laschkolnig wird wie folgt zitiert:

    Ich sitze in meiner Praxis und mache das seit 25 Jahren, da ist mir egal was irgendwer sagt.

    Das ist eigentlich interessant. Seit 25 Jahren immer das Gleiche- unzugänglich für medizinischen Fortschritt- der ist ihr egal. Schon damit verletzt sie ihre gesetzliche Sorgfaltspflicht. Und Impfgegnerin ist sie ja auch noch.

    Damit gleich 2 Sprünge in der Schüssel.

    Aber eine homöopathische Hochschule in Traunstein. Da werden dann also naive aber wissbegierige junge Leute intellektuell missbraucht. Und wenn sie ihren Pseudobachelor/Master haben dürfen sie in Ö nocht nicht mal ihren Beruf ausüben, es sei den sie haben zusätzlich ein Medizinstudium absolviert incl Turnus.

  29. #30 Wolfgang
    9. März 2012

    Habe gerade gestern ein altes Pharmakologie Lehrbuch in der Hand gehabt (G Kuschinsky et al Pharmakologie Thieme Verlag 1981)

    S.36 6.2. Placebo

    Zitat “Scheinmedikamente … sollten nur unter zwei Bedingungen angewandt werden:
    1. Wenn eine echte Phamakotherapie nicht möglich oder nicht notwendig ist und
    2. wenn beim Arzt das Bewußtsein vorhanden ist, mit Hilfe einer Scheintherapie eine Psychotherapie zu betreiben.

    Die Verordnung wird zum Ritual, das Medikament hat Amulettfunktion….
    … unter diesem Gesichtspunkt sind homöopathische Mittel zu befürworten, da sie keine Haupt- und Nebenwirkungen besitzen und in stark suggestiver Weise verordnet und mit besonderer Erwartung empfangen werden. Placebogaben rufen nicht nur günstige, sondern auch ungünstige Veränderungen psychischer und körperlicher Funktionen hervor….”Zitat Ende

    Ich hoffe heute gibts einen höheren ethischen Standard was Vorgaukeln einer wirksamen Therapie betrifft- aber Homöopathen haben es seit 31 Jahren nicht kapiert. Für Dr. Laschkolnig war das damals ein aktuelles Lehrbuch- da hat sie wohl auch in der Pharmakologie geschlafen – und in Psychotherapie ist sie mW nicht ausgebildet.

  30. #31 E. Berndt
    9. März 2012

    Durch die häufige Anwendung von Paramedizin wurde der Schwellwert für Glaubwürdigkeit überschritten. Mit jeder neuen Anwendung wird der Ruf der Wirksamkeit von Paramedizin gestärkt.
    Jede Placeboanwendung mit Homöopathie und dergl. mehr durch einen Arzt stärkt die kollektive Ansicht, die allgemeine Überzeugung, dass es sich um eine wirksame Methode handelt! Niemand geht herum und erklärt seinen Mitmenschen, dass er mit Placebo behandelt wird! Alle diese Menschen werden aussagen, dass ihnen die Methode, so skurril sie auch ist, hilft und wenn es ein Arzt empfohlen hat, dann muss es wirksam sein!
    Und die Kollateralschäden sind unübersehbar, sowohl in der Medizin als auch in anderen Bereichen des Lebens!

  31. #32 Robert Kuchlbacher
    9. März 2012

    dem zustimmen ich muss. (würde Yoda sagen)

    nein, ohne Schmäh:
    das Ärgste, dass ich unlängst erlebt habe:
    in einer Apotheke (Standort und Namen möchte ich nicht nennen um keine Schwierigkeiten zu bekommen…) war doch tatsächlich nicht nur jede Menge homöopatischer und Schüssler Salze – Schmonzes, sondern das Allerallersteilste:
    ein fettes Jesus-Kruzifx hängt dort über einem Granderwasserspender.
    ich musste mich zusammenreißen um nicht zu lachen
    am Liebsten würde ich Hr. Palfrader für ein “Echt Fettes – Science Busters” anheuern, der soll da reinmaschieren – so ganz auf ernst – und dann vor diesem doppelesoterischen Altar voll lauthals lachen, am besten vor möglichst vielen Leuten (und natürlich vor laufender Kamera)
    da wäre wirklich Sparpotential: man könnte von dieser neuen schicki-micki Apotheke 85% wegsprengen und noch immer wären gleich viele Wirkstoffe/Substanzen vorhanden wie vorher.

  32. #33 Robert Kuchlbacher
    9. März 2012

    dem zustimmen ich muss. (würde Yoda sagen)

    ohne Schmäh, es ist wirklich so schlimm… Apotheken verkaufen zigtausende Tonnen Müll… seufz
    aber das wirklich Allerallerärgste das ich erst unlängst erlebt habe:
    hängt doch tatsächlich in einer Apotheke (deren Standort und Namen ich hier lieber nicht nennen möchte, sonst sitzt mir noch die Homöomafia im G´nack) neben dem anderen Schmonzes wie Homöopathie und Schüsslersalze usw… ein fettes Jesuskruzifix über einen Granderwasserspender! ich konnte es kaum fassen und musste fast laut drauflosbrüllen! schnell habe ich ein Foto geschossen, es ist so unglaublich.
    am liebsten würde ich Hr. Palfrader als “Echt Fetten Science Buster” da reinschicken und vor laufender Kamera und möglichst vielen Leuten geht er da (ernst) rein, möchte was bestellen und dann muss er vollgas lachen…

  33. #34 Rose
    11. März 2012

    @Rudolf Kuchlbacher:

    Dein Bericht macht fassungslos. Das Weltbild dieser Dame ist ja echt ein Messie-Bauchladen fast sämtlicher esoterischer Versatzstücke…
    Wie konntest du deine Schmerzensschreie und kolikartigen Zustände unter Kontrolle halten?
    Und wie hat der Herr Museumsdirektor auf die kritischen Fragen der Zuhörer reagiert? Und fand niemand das Honorar von 280 € für solches Delirieren dann doch etwas überbezahlt?

  34. #35 Nordlicht_70
    11. März 2012

    Zitat aus Esowatch: “Wenn man dem Wasser ein Schild mit der Aufschrift “Adolf Hitler” vorhält, sei das Wasser überhaupt nicht mehr zu einer Kristallbildung fähig.”

    Es reicht also, alle Straßen, sagen wir, alle 200m mit dem Namen >Adolf Hitler< zu bemalen (farblos dürfte wohl reichen) um für alle Zeit den Straßenwinterdienst abzuschaffen? Wird es irgendwann militante Eso-Öko-Freaks geben, die diesen Namen in Wintersportgebieten in den Schnee pieseln und damit für das Abtauen ganzer Strecken sorgen? Oh Gott, wie abgrundtief blöd muss man sein, so einen Schwachsinn für wahr zu halten? :-)

  35. #36 Nordlicht_70
    12. März 2012

    Komisch, die Hälfte fehlt…..

    Es reicht also, alle Straßen, sagen wir, alle 200m mit dem Namen >Adolf Hitler< zu bemalen (farblos dürfte reichen), um für alle Zeit den Straßenwinterdienst abschaffen zu können?

  36. #37 Nordlicht_70
    12. März 2012

    Es liegt wohl an dem Zeichen…..
    Es reicht also, alle Straßen, sagen wir, alle 200m mit dem Namen “Ad. Hi.” zu bemalen (farblos dürfte reichen), um für alle Zeit den Straßenwinterdienst einsparen zu können?
    @Mod Wenns geht, bitte den vorherigen Kommentar von mir wegen Redundanz löschen.

  37. #38 Dalek
    12. März 2012

    @ Thomas Wolkanowski: den Unsinn kann man sich heutzutage auch schon als langjähriger Kunde eines an sich harmlosen und ansonsten qualitativ ansprechenden Unternehmens holen.

    http://www.wasserforschung.de/de/downs/SB022008_3.pdf

    Diese Bäckerei zwingt mich, zur Konkurrenz zu gehen – gegebenenfalls zu einer Öko-Bäckerei zwei Straßen weiter, die zwar mit irgendwelchen ausgefallenen Zutaten backt, aber wenigstens mit nachweisbaren (und meist auch gut bis interessant schmeckenden).

  38. #39 noch'n Flo
    12. März 2012

    @ Nordlicht_70:

    Versuche das “<“-Zeichen zu vermeiden, das ist reserviert für HTML-Steuercodes.

  39. #40 Kuchlbacher Rudolf
    12. März 2012

    @Rose

    Schön wieder mal von dir zu lesen! Nachdem ich während des gesamten Vortrages Notizen gemacht hab, waren die Schmerzen im Griff zu halten 😉 Einen gelegentlichen Lacher konnte ich mir bei der einen oder anderen sinnfreien Ausschweifung nicht ganz zurückhalten – was zu sehr verwunderten Blicken der Sitznachbarn führte…

    Nach dem zehnten “Schubs” und dem einundelfzigsten “Energiefeld” hab ich kurz daran gedacht einfach mal aufzustehen und laut BINGO zu rufen… hätt aber wahrscheinlich kaum jemand gerafft…

    Als Dr. Laschkolnig die 280 Euro erwähnte, ist für mich nur ein kurzes Raunen in der Reihe des Fragestellers hörbar gewesen – dies war dann allerdings auch die letzte Frage aus der betreffenden Reihe…

  40. #41 Inge Schuster
    13. März 2012

    Die “Kleine Zeitung” hat unterstützt von der Wirtschaftskammer eben die Broschüre

    “Der steirische Energetikführer” herausgegeben (http://prospekt09.klz.apa.net/frontend/showProspekt_Detail&id=13890)

    Eingeleitet wird mit dem wirtschaftlichen Potential “Die steirischen Energetiker sind eine der am schnellsten wachsenden Berufsgruppen. Der Energetikführer bietet alle Kontakte und einen Einblick in ihre Tätigkeiten. Die Fachgruppe der gewerblichen Dienstleister ist mit 14.000 Mitgliedern in 32 Berufsgruppen eine fixe Größe in der steirischen Wirtschaft.”

    (auf ganz Österreich übertragen, dürfte die Zahl der gewerblichen Quacks wohl an die 100 000 betragen, das wirtschaftliche Volumen schätze ich damit auf mehrere Milliarden €)

    Zum Thema Kosten: “Die etablierten Krankenkassen übernehmen die Kosten für einige energetische Anwendungen, wenn sie vom Arzt verordnet worden sind. Private Zusatzversicherer sind hier wesentlich kulanter, ich kann hier allen voran nennen: Uniqa und Merkur-Versicherung.”

    (Ich hätte nicht gedacht, daß meine Beiträge zur Zusatzversicherung derart zweckentfremdet verwendet werden.)

    Die Darstellung der Methoden ist unbeschreiblich, zB was “Biophysikalische Energetik” bedeutet: diese “zählt zum Bereich der instrumentellen Biokommunikation. Darunter fallen alle Verfahren, die intuitive Fähigkeiten des Menschen nutzen, um – in Verbindung mit physikalischen Geräten oder Instrumenten –die Kommunikation zwischen biologischen Systemen oder Bewusstseinsfeldern zu ermöglichen. Die eingesetzten Geräte und Instrumente sind Repräsentanten eines geistigen und energetischen Prinzips.
    Klar, was damit gemeint ist?

    Das Grundproblem: Unsere Gesellschaft ist an seriösen Wissenschaften, vor allem Naturwissenschaften völlig desinteressiert. Diesbezügliche “Bildung” während der Schulzeit ist mangelhaft und setzt sich später fort durch noch dürftigere Information in Print-Medien und Unterhaltungsmedien. Bar jeder Kritikfähigkeit wird dann jeder noch so große Blödsinn für bare Münze genommen, wenn er nur intensiv beworben wird.

    Bei dem Volumen des “Gewerbes” und dem Unverstand unserer offiziellen Stellen stehen Wissenschafter auf verlorenem Posten. Während angesichts des Sparkurses die Forschungs-Budgets akademischer Einrichtungen gekürzt werden, haben Organsationen wie z.B. die Wirtschaftskammer durchaus Mittel um “pseudowissenschaftlichen Woodoo” zu fördern.

  41. #42 celsus
    14. März 2012

    Frau L. hat den Abend auf ihre ganz eigene Weise wahrgenommen und eine Gruppe von Leuten mit “irritierend aggressiven Energien” identifiziert, “die ganz gezielt sämtliche alternativ-medizinische Methoden bekämpfen”.

    Kritische Rückfragen waren für sie selbstverständlich “geballte Aggression”.

    Aber keine Sorge, diese “alten Energien und Strukturen” haben gegen die 200 Jahre neue Homöopathie keine Chance, denn “Sie spüren ganz genau, dass ihre Zeit bald zu Ende geht – ihr “Aufbäumen” gegen den Zerfall kann das Neue nicht verhindern.”

  42. #43 Ponder
    14. März 2012

    Ich schau mir ja immer als erstes den Menüpunkt “Links” auf einer Homepage an – so wie man gewohnheitsmäßig nach dem Abstract das Literaturverzeichnis einer Publikation studiert.

    Im Fall der Dottoressa L. stößt man da auf Verblüffendes,

    Eine kleine Auswahl:

    Impfkritik: http://www.impfkritik.de

    Indigo-Kinder http://www.indigokinder.de, http://www.farblichtschule.com

    Energiearbeit http://www.selinathiermann.net

    Astrologie und Horoskope bei schicksal.com

    Energiearbeit http://www.energietraining.at

    http://www.laschkolnig.com/Links

    Neben all dem anderen Voodoo nehm ich ihr besonders die “Indigo-Kinder” übel!

  43. #44 Ponder
    14. März 2012

    Ich schau mir ja immer als erstes den Menüpunkt “Links” auf einer Homepage an – so wie man gewohnheitsmäßig nach dem Abstract das Literaturverzeichnis einer Publikation studiert.

    Im Fall der Dottoressa L. stößt man da auf Verblüffendes,

    Eine kleine Auswahl:

    Impfkritik: http://www.impfkritik.de

    Indigo-Kinder http://www.indigokinder.de

    Astrologie und Horoskope bei schicksal.com

    Energiearbeit energietraining.at

    http://www.laschkolnig.com/Links

    Neben all dem anderen Voodoo nehm ich ihr besonders die “Indigo-Kinder” übel!

  44. #45 E. Berndt
    14. März 2012

    Ist diese Fr. Dr. Laschkolnig echt in der Ärzteliste eingetragen?
    Was sagt Prof. Frass zu seiner Homöopathgiekollegin?
    Weiß die Ärztekammer von den seltsamen Empfehlungen dieser Fr. Dr. Laschkolnig?
    Welche Medizin-Uni hat die gute Dame diplomiert?

  45. #46 E. Berndt
    14. März 2012

    Ist diese Fr. Dr. Laschkolnig echt in der Ärzteliste eingetragen?
    Was sagt Prof. Frass zu seiner Homöopathgiekollegin?
    Weiß die Ärztekammer von den seltsamen Empfehlungen dieser Fr. Dr. Laschkolnig?
    Welche Medizin-Uni hat die gute Dame diplomiert?

  46. #47 E. Berndt
    14. März 2012

    Ist diese Fr. Dr. Laschkolnig echt in der Ärzteliste eingetragen?
    Was sagt Prof. Frass zu seiner Homöopathgiekollegin?
    Weiß die Ärztekammer von den seltsamen Empfehlungen dieser Fr. Dr. Laschkolnig?
    Welche Medizin-Uni hat die gute Dame diplomiert?

  47. #48 Ponder
    14. März 2012

    Mit der “Schulmedizin” war die Dame halt von Anfang an nicht glücklich:

    …Ein Studium schien mir auf meinem beruflichen Weg unerlässlich und so besuchte ich die Abendschule in Berlin, wo ich sieben schöne Jahre verbrachte. Nach dem Abitur begann ich mit 29 Jahren mein Medizinstudium in Wien.

    Die Alternativ-Medizin war von Anfang an mein Ziel. Eigene leidvolle körperliche Erfahrungen hatten mir damals schon die Grenzen der Schulmedizin aufgezeigt.

    Kurz vor dem Ende des Studiums lernte ich meinen ersten Lehrer Mathias Dorsci kennen und verbrachte in seiner damaligen homöopathischen Ambulanz im Krankenhaus Lainz insgesamt vier Lehrjahre…

    Meine anschließende 3 1/2 jährige praktische schulmedizinische Ausbildung war für mich eine schwierige Zeit. Es fiel mir schwer, Krankheit als alleinige Organstörung zu betrachten…

    http://www.laschkolnig.com/Zur-Person

  48. #49 E. Berndt
    14. März 2012

    @Ponder
    Dieser 2. Bildungsweg erinnert mich an Prof Walzl in Graz. Der war ursprünglich Journalist. Jetzt richtet er mit Platikchips das Erdmagfentfeld in seinem Schlaflabor aus.

  49. #50 E. Berndt
    14. März 2012

    @Ponder
    Dieser 2. Bildungsweg erinnert mich an Prof Walzl in Graz. Der war ursprünglich Journalist. Jetzt richtet er mit Platikchips das Erdmagfentfeld in seinem Schlaflabor aus.

  50. #51 E. Berndt
    14. März 2012

    @Ponder
    Dieser 2. Bildungsweg erinnert mich an Prof Walzl in Graz. Der war ursprünglich Journalist. Jetzt richtet er mit Platikchips das Erdmagfentfeld in seinem Schlaflabor aus.

  51. #52 Wolfgang
    15. März 2012

    Edi fragt

    Ist diese Fr. Dr. Laschkolnig echt in der Ärzteliste eingetragen?

    offenbar schon. Ich bin mal mit dem Auto an ihrer Ordination vorbeigefahren. Ziemlich heruntergekommen aber im Nobelbezirk, jede Menge Kohle rundherum.

    Insgesamt empfinde ich es immer als Treppenwitz, wenn Homöopathen behaupten Impfungen wären unwirksam.

    Die sollten mal vor der eigenen Haustüre kehren.

  52. #53 michael
    28. März 2012

    @blubb

    so what: Viel Feind, viel Ehr!

  53. #54 Christa Karas
    Wien
    22. Oktober 2012

    Sehr geschätzte Kritiker!
    Melde mich nach längerer Pause – Pensionierung auf Grund meines sehr Homöo-affinen sowie auch sonst verhaltensauffälligen und der Wissenschaft ablehnend gegenüber stehenden Chefredakteurs – wieder einmal zu Wort, weil ich heute beinahe meinen Ohren nicht getraut habe. Auf Ö3 wirbt die Firma Peithner (http://www.peithner.at/) in einer Weise für ihre homöopathischen Produkte, die dem öst. Werberat angezeigt werden müsste. Konnte den audio-stream leider nicht finden, aber sinngemäß wird darin behauptet, dass nach neuesten Studien (oder so) Homöopathie hoch wirksam sei, und zwar bei “Frauen, Männern und Kindern”. Hernach kommt völlig infam: “Zuerst aber zu den Nebenwirkungen…” Folgt eine längere Schweigepause, um zu unterstreichen, “dass es solche nicht gibt”. Und in der Folge der Hinweis, dass die Peithner-Produkte in allen Apotheken des Landes erhältich sind.
    Zwar versucht sich Peithner hier um die Werberegeln irgendwie herumzuwinden, aber ich denke, eine begründete Anzeige beim Werberat könnte sinnvoll sein.
    Ansonsten: Herzlichen und begeisterten Glückwünsch zum Goldenen Brett – vor allem hinsichtlich der darauf folgenden, enthirnten posts in der “Zeitung für Leser”. – Wüsste ich nicht aus eigener Erfahrung, dass es diese Leute echt gibt, würde ich an Alliens glauben.
    Danke und allerbeste Grüße,
    Christa Karas

  54. #55 reini
    5. November 2012

    Tatsächlich wird diese Homöopathie-Werbung auf Ö3 noch immer mehrmals täglich ausgestrahlt. Hat jemand Erfahrung, wie man gegen sowas vorgehen kann – diese Werbung ist ja nicht auszuhalten!

  55. #56 i.w.
    9. Oktober 2013

    Möge die “Energie” mit dir sein..;)