Die letzte Aprilwoche war, falls Ihnen das entgangen ist, die “Europäische Impfwoche“. Sie soll laut WHO “das Bewusstsein der Bevölkerung für die Bedeutung von Impfmaßnahmen für Gesundheit und Wohlbefinden schärfen“. Die Tiroler Tageszeitung lässt anlässlich der Impfwoche Herrn Prim. Univ.-Doz. Dr. Franz-Martin Fink, Vorstand der Kinder- und Jugendheilkunde im Krankenhaus St. Johann in Tirol, zu Wort kommen. Dr. Fink betont in seiner Stellungnahme, dass Impfen richtig und wichtig ist. Damit könnte man wieder zur Tagesordnung übergehen.

Aber nein, der Tiroler Tageszeitung ist das nicht genug. Schließlich ist es eine journalistische Tugend, zu jedem wissenschaftlich gesicherten Konsens einen Vertreter der Flacherde-Fraktion aufzutreiben, der anderer Meinung ist, und diesem ebenfalls ein Podium zu bieten. Dann hat man nämlich eine ausgewogene Diskussion auf Augenhöhe. Bei der Tiroler Tageszeitung nennt sich das ein Streitgespräch. Die Verteidigung der Flacherde-Theorie übernimmt dabei Dr. Ursula Bubendorfer, eine “ganzheitliche” Ärztin aus Schwoich. In ihrer Praxis bietet sie u.a. Mikroimmuntherapie, Allergie-Nahrungsmitteltest, Darmsanierung, Schwermetallausleitung, Applied Kinesiologie, Vitalfeldtherapie, Global Diagnostik, Homöopathie, Akupunktur, Osteopathie, Narbenentstörung, Neuraltherapie, Bachblütentherapie, Kirlianfotografie, Fußreflexzonenmassage und Energetische Massagen an.

Das sind laut Dr. Bubendorfer “zum Teil jahrtausende alte bewährte Heilmethoden, deren Wirksamkeit durch moderne biophysikalische Messmethoden heute beweisbar sind“. Im Streitgespräch meint sie, die Durchimpfungsrate sei so niedrig, weil “Eltern heute besser informiert und gesundheitsbewusster sind.” Dass besser informierte Eltern ihre Kinder durch die Unterlassung von Impfungen unnötig quälen, weiß sie zwar aus eigener Erfahrung,

Mein jüngstes Kind hat keine Impfungen erhalten. Es hatte Keuchhusten,

gibt aber Entwarnung

aber alles verlief normal.

Auch einen tieferen Sinn entdeckt sie in Kinderkrankheiten, und beeindruckt mit unbestechlicher Logik:

Ich denke, die Natur ist weise. An sich sind Kinderkrankheiten ein natürliches Training für das Immunsystem, sonst gäbe es sie nicht.

Die Natur mag weise sein, die Tiroler Tageszeitung ist es nicht. Anlässlich des “Tages der Homöopathie” druckte sie zwar einen Artikel mit dem Titel “Aussage gegen Aussage“, verzichtete dabei aber gleich ganz auf eine Hälfte des Streitgesprächs und überließ der Flacherde-Fraktion alleine das Wort. Also durfte der Innsbrucker Homöopath Dr. Gerhard Sallaberger mit folgender Erkenntnis beginnen:

Ist ein Patient nicht in der Lage seine Beschwerden ohne Hilfe von außen selbst zu beseitigen, ist das offensichtlich Ausdruck seiner individuellen Schwäche.

Nachdem der interessierte, aber leider kranke Leser jetzt also über seine individuelle Schwäche Bescheid weiß, wird er auch darüber aufgeklärt, warum Metastudien wie etwa jene von Prof. Edzard Ernst der Homöopathie die Wirksamkeit absprechen:

Ernst hat nämlich für seine Untersuchung 98 Prozent der Studien aussortiert, die ein günstiges Ergebnis für die Homöopathie ergeben haben.

Dabei fällt mir ein weiteres Streitgespräch ein, in dem ein garstiger Skeptiker zur Homöopathie kürzlich gemeint hat, sie sei “keiner wissenschaftlichen Ethik verpflichtet und kann daher ungeniert lügen“. Im Falle von Dr. Sallaberger trifft das natürlich nicht zu. Der lügt nicht, er weiß es nur nicht besser. Den Grund dafür offenbart er immerhin selbst gleich im Anschluss:

Ein zentrales Problem ist, dass wir Ärzte in unserer Ausbildung auf der Universität nicht lernen, Statistiken richtig zu interpretieren.

Zum Wirkmechanismus der magischen Kügelchen weiß Dr. Sallaberger aus der Welt der Grundlagenforschung zu berichten:

Wasserforscher sind jedoch überzeugt, dass bei der Herstellung von homöopathischen Mitteln das Lösungsmittel Wasser in seiner Struktur bleibend verändert wird, auch wenn kein Arzneimittel mehr vorhanden ist.

Tatsächlich meldete sich, nachdem der Himmel seine Farbe wiedererlangt hatte, ein Wasserforscher per Leserbrief zu Wort. Dabei handelte es sich um den Physiker Univ.-Prof. Dr. Martin Beyer von der Uni Innsbruck. Den homöopathischen Wasserträumereien wusste er folgendes zu entgegnen:

Keine Info im Wasser

Der Vertreter der Homöopathie, Herr Dr. Gerhard Sallaberger, führt als Grundlage für den Wirkmechanismus homöopathischer Mittel die angebliche Fähigkeit des Wassers an, Information zu speichern. Bei der Herstellung von homöopathischen Mitteln soll die Struktur des Wassers bleibend verändert werden.

Als Innsbrucker Physiker, der seit mehr als 20 Jahren an der Struktur von Wasser forscht, muss ich dem widersprechen. Wir wissen aus unseren eigenen Arbeiten sowie aus den Arbeiten unzähliger Kollegen in der ganzen Welt, dass Wasser sich innerhalb kürzester Zeit vollständig und zufällig neu organisiert. Kürzeste Zeit bedeutet dabei die Zeitspanne von wenigen billionstel Sekunden.

Die Überschrift des Artikels, “Aussage gegen Aussage”, unterstellt, dass hier gleichwerte Aussagen nebeneinanderstehen. Das ist nicht der Fall. Die Aussagen der Naturwissenschaft sind durch Experimente bestätigt. Jede wissenschaftliche Veröffentlichung wird von mehreren Kollegen anonym gelesen und überprüft. Alle Wissenschafter, die sich diesen Qualitätskontrollen unterziehen, sind sich einig, dass flüssiges Wasser keine Information speichern kann.

Wenn Herr Dr. Sallaberger ausführt, dass Antibiotika nur das Krankheitsbild verbessern, während die Homöopathie die Ursachen bekämpft, dann wird es lebensgefährlich. Eine mögliche Ursache von Entzündungen sind Bakterien. Wenn sich ein Entzündungsherd ausgebreitet hat, braucht der Kranke dringend ein passendes Antibiotikum, das die Ursache der Krankheit – die Bakterien – tötet, sonst töten die Bakterien möglicherweise den Kranken.

Die Bakterien kann man unter dem Mikroskop sehen, man kann ihren genetischen Code entschlüsseln. Eine bakterielle Entzündung ist kein Zeichen der “individuellen Schwäche” des Kranken. Sie kann jeden, auch bei bestem Immunsystem, jederzeit treffen.

Dass man sich heute auf ein Kind freuen kann, ohne Angst davor zu haben, dass die Mutter an einer Entzündung stirbt, verdanken wir der Medizin auf naturwissenschaftlicher Grundlage, nicht der Homöopathie.

Auch hier steht nicht Aussage gegen Aussage, sondern es stehen gerettete Menschenleben gegen die leeren Versprechungen der Homöopathie.

Damit wäre eigentlich alles gesagt, was gesagt werden sollte. Doch die Tiroler Tageszeitung wäre nicht die Tiroler Tageszeitung, wenn sie sich nicht flugs wieder ihrer journalistischen Tugenden entsonnen und einen Leserbrief auf den Leserbrief abgedruckt hätte. In diesem durfte sich eine Frau Dr. Ursula Lässer äußern, die gleich zu Beginn klar stellte: “Ich bin weder Medizinerin noch Physikerin, sondern Juristin.” Zum Thema Medizin hat sie allerdings immerhin eine Erfahrung aus zweiter Hand anzubieten: “Ich habe einen Allgemeinmediziner und Homöopathen als Hausarzt, der selten Antibiotika verschreibt, und nur gute Erfahrungen gemacht hat.” Eine Meinung aus erster Hand hat sie aber auch: “Ich glaube, das Ausspielen der Homöopathie gegen die Schulmedizin dient vor allem wirtschaftlichen Interessen, insbesondere der Pharmaindustrie.

Wer jetzt meint, dieser Satz solle eventuell suggerieren, dass der Homöopathie-Kritiker Beyer im Sold der Pharmaindustrie stehe, der tut Frau Lässer Unrecht. Wenn diese etwas suggerieren will, dann tut sie das nämlich in ihrer Eigenschaft als Juristin. Als solche stößt sie sich nämlich an Beyers Behauptung, wenn Sallaberger ausführe, dass Antibiotika nur das Krankheitsbild verbessern, während die Homöopathie die Ursachen bekämpft, dann werde es lebensgefährlich. Und deshalb suggeriert sie ihm per Leserbrief ein bisschen eine drohende Klage:

Deshalb würde mich interessieren, ob es belegbare Todesfälle gibt, weil sich Patienten (oder Homöopathen) der dringend notwendigen Einnahme eines Antibiotikums widersetzt haben. Gibt es solche Belege nicht, so sollte Prof. Beyer vielleicht etwas vorsichtiger mit dem Ausdruck “lebensgefährlich” umgehen.

Mich als Leser des Lässer-Leserbriefs auf den Leserbrief wiederum würde interessieren, ob sich Frau Lässers Recherchefähigkeiten auch in ihrer Arbeit als Juristin so dermaßen bescheiden ausnehmen, dass sie per Leserbrief die Öffentlichkeit dabei um Hilfe ersuchen muss. Wenn dem so ist, dann sollte Frau Lässer vielleicht etwas vorsichtiger mit ihren Suggestionen umgehen. Man könnte sonst auf den Gedanken kommen, sie habe ihren Leserbrief gar nicht auf eigene Faust geschrieben, sondern im Auftrag der Homöopathie-Industrie.

Aber wir freundlichen Skeptiker sind ja stets hilfsbereit. Also, Frau Lässer, auf Ihrer Suche nach Belegen für Todesfälle durch Globuli-statt-Antibiotika-Gabe besuchen Sie bitte den Ratgeber-News-Blog und studieren Sie den zweiten und den dritten dort geschilderten Fall. Danach konsultieren Sie bitte die Fälle, die unter what’s the harm gelistet sind. Falls Ihr Wissensdurst dann immer noch nicht gestillt ist, hilft vielleicht das Informationsnetzwerk Homöopathie auf dieser Seite aus. Bitte, gerne, nichts zu danken!

Kommentare (40)

  1. #1 Catweazle
    2. Mai 2016

    Homöopathie ist der Death Parrot sketch der Scheinmedizin.

  2. #2 kari90
    2. Mai 2016

    Naja die gute Frau Lässer hat sich ja selbst verraten:
    “Ich habe einen Allgemeinmediziner und Homöopathen als Hausarzt, der selten Antibiotika verschreibt, und nur gute Erfahrungen gemacht hat.”

    Was heißt denn selten?! Wahrscheinlich (hoffentlich) dann wenn notwendig, wenn der gute Arzt ein wenig Hirn hat. Damit macht er sich, wenn er geschickt ist, die Vorteile der Schulmedizin (Heilung) und der Homöopathie (Placebo, Geldmache) gleichermaßen zunutze. Aber für die die Frau Lässer hat dann bestimmt nicht das Antibiotikum geholfen, sondern ausschließlich das Homöopathikum..

  3. #3 Catweazle
    2. Mai 2016

    @kari90
    Richtig erkannt, der Hausarzt von Frau Lässer würde ungern seine Kundschaft wegen Ablebens verlieren und verschreibt im Bedarfsfall eben auch Antibiotika. Aber er weiss auch ganz genau wann er seine Hypochonder so richtig abzocken kann und das nutzt er natürlich aus.

  4. #4 Fränkl
    Braunschweig
    2. Mai 2016

    Homeopthie hilft! Definitiv!

    Eine Anekdote aus meinen eignen vier Wänden…..
    Vor gut einem Jahr kam unsere Tochter zur Welt. Ein kleines, niedliches Geschöpf mit einem schweren Start.

    Jammern, Schreien….. Stundenlang…. für Mama und Papa Schlafentzug.
    Der Besuch beim Kinderarzt ergab …
    ‘Tja, der Magen/Darmtrakt läuft noch nicht so richtig rund- ist nicht schön, kann aber passieren. Sie (als Eltern) müssen das jetzt einfach aushalten und in 12-14 Wochen gibt sich das von allein. Dann hat sich das System eingespielt.’

    Nun gut, Mama also los .. sie hat da ja mal von so einer Heilpaktikerin gehört …. und ab dafür Termin gemacht.
    Da gabs dann Globulis …. davon was und hiervon was … garniert mit der Aussage ‘dann kann aber ein bissl dauern, ist ja schliesslich keine phöse Chemie’ …..

    Und, was war? nach 12 Wochen gings der klenen gut.

    Wir lernen … mit Homeopadingsbums verschwinden die Beschwerden in drei Monaten, ohne hätte sich unser Lütte 12 Wochen quälen müssen, wies der Arzt sagte……

    Aber, es geht noch weiter …..
    Jetzt kommen ja die Zähne …. dafür gibts natürlich auch Globulis……

    Kurz vorm Bettchen gehen gibt es jetzt folgendes Ritual ….
    Mutti macht die Flasche, wärend Papa der kleinen Schlafanzug anzieht und die Kügelchen, die durch den Märchenwald fuhren, verabreicht…..
    Töchterchen bekommt eins, Papa mampft die restlichen 11… man muss das mit dem Zuckerkonsum in dem Alter ja nicht übertreiben.

    Und das erstaunliche …..
    -Töchterchen ist glücklich, bekommt sie doch von Papa abends noch was süßes.
    -Mama ist entspannt weil die Kügelchen ja so wunderbar helfen…..
    und Papa freut, sich mit einem Kaltgtränk seiner Wahl in Ruhe auf dem Sofa sitzen zu können.

    Wir sehen….. Homeopathie hilft….. man muss nur wissen wie!

  5. #5 Dr. Hans-Werner Bertelsen
    2. Mai 2016

    Nur noch 27 Tage bis zum Homöopathie-Kongress in Bremen.

    Petition schon unterzeichnet?

    http://ich-glaube-der-hamster-bohnert.de/

  6. #6 schlappohr
    2. Mai 2016

    “Es hatte Keuchhusten, …”
    “… aber alles verlief normal.”

    Was bedeutet denn “alles normal” beim Keuchhusten? Dass der/die Kleine sich nur ein viertel Jahr lang die Seele aus dem Leib gehustet und gekotzt und vielleicht ein paar andere infiziert, aber ansonsten überlebt und bisher keine erkennbaren Spätfolgen hat? Na, bei so einer Bagatelle lohnt sich ja eigentlich auch keine Impfung. Das war bestimmt nur eine persönliche Schwäche, für die ihm die weise Natur eben die Quittung verpasst hat. Also dann mal auf zur nächsten Keuchhustenparty, ist alles ganz easy.

  7. #7 kari90
    2. Mai 2016

    “Das war bestimmt nur eine persönliche Schwäche, für die ihm die weise Natur eben die Quittung verpasst hat.”
    Ja man ist ja schließlich auch immer selber Schuld, wenn die Homöopathie nicht wirkt. Nur umgekehrt, wenn sie hilft, dann zeigt sich sich gönnerhaft mit Eigenlob. Schlimm, wenn Eltern so versessen sind, dass sie auf den richtigen Weg sind und das Leben ihrer Kinder gefährden.

    Es ist einfach so paradox, weil viele Impfkritier und Homöopathieanhänger genau das was sie an der Schulmedizin so verurteilen, an der Homöopathie völlig in Ordnung finden. Wird der Arzt von Frau Lässer für die “selten Gabe von Antibiotika” gelobt, da der Körper einen ja “selber heilt”, wird hingegen bei jedem Anzeichen von einer Krankheit gleich auf ein homöopathisches Mittel zurückgegriffen.

    Anektote aus dem Leben meines Lebensgefährten:
    Auch seine Mutter schwört auf Homöopathie und Naturheilkunde. Somit musste eines Tages die ganze Familie zum “Augenlesen” zu einem Heilpraktiker (damals war mein Lebensgefährte bereits 17 Jahre alt). Der diagnostizierte einige Mangelerscheinungen bei allen Familienmitgliedern und verschrieb wirklich teure Nahrungsergänzungsmittel.

    Nach 2 Monaten bekam mein Lebensgefährte einige Beschwerden woraufhin er zum Arzt ging (kluger Junge). Dieser machte sogleich ein Blutbild und stellte bereits einen viel zu hohen Eisenwert fest, dabei hatte ihm der Heilpraktiker eine sehr hohe Dosis an Eisentabletten “verschrieben”, da er ja angeblich an einer Blutanämie leidet. Ein zu hoher Eisenwert kann die Leber schädigen..

    Meine Schwiegermutter in Spe hat ihrer Familie diese Mittelchen in dem Glauben gegeben, dass sie nicht schaden könnten. Sie hat sich dabei auch noch einiges an Geld aus der Tasche ziehen lassen. Sie lässt sich aber bis heute nicht belehren und hält weiterhin an ihrem Glauben an die Alternativmedizin fest. Ein Blutbild vom Arzt hat bei ihr immer noch weniger Wert als das Augenlesen des Heilpraktikers.

  8. #8 Michel
    Sofa
    2. Mai 2016

    Hab das Abo der TT vor Wochen aus genau diesen Gründen beendet. Da pfuschen Esoteriker ganz gehörig ins journalistische Handwerk.
    Von Ausbildung zur Energetikerin bis zum Interview mit einem Lichtnahrungs-gläubigen “Arzt”, alles völlig unkritisch berichtet. Eine richtige Trottelzeitung.

  9. #9 Dr. Hans-Werner Bertelsen
    2. Mai 2016

    @kari90

    Glück gehabt. Manche bezahlen mit dem Leben:

    http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2012/02/08/insider-bericht/

  10. […] Homöopathie und journalistische Tugend in der Tiroler Tageszeitung, Kritisch gedacht am 2. Mai […]

  11. #11 user unknown
    https://demystifikation.wordpress.com/category/esoterik/
    2. Mai 2016

    Deshalb würde mich interessieren, ob es belegbare Todesfälle gibt, weil sich Patienten (oder Homöopathen) der dringend notwendigen Einnahme eines Antibiotikums widersetzt haben.

    Wie kann es eine dringende Einnahme von Antibiotika geben, wenn diese doch nur Symptome dämpfen, während Homöopathika wirklich heilen?

  12. #12 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    2. Mai 2016

    Ich würde ja gerne sagen, so was gibt’s nur in Österreich …

  13. #13 RainerO
    3. Mai 2016

    @Joseph Kuhn
    Vorsicht, sonst packe ich meine Voodoo-Puppe aus X-\
    Immerhin bleiben uns die unsäglichen Heilpraktiker erspart.

  14. #14 Bullet
    3. Mai 2016

    Was mir bei “Fränkl”s Koimmentar wieder einfällt:
    Form & Inhalt. Business as usual.

  15. #15 RainerO
    3. Mai 2016

    @ Bullet
    Fränkl ist defintiv kein Homöopathie-Anhänger. Ich deute seinen Beitrag eher als Parodie, bzw. humoristische Schilderung eines typischen Ablaufs einer homöopathischen “Behandlung”.

  16. #16 Fränkl
    3. Mai 2016

    Moin,

    das ist richtig … ich bin sicherlich kein Anhänger von Homeopathie. Ich halte nicht viel von gepresstem Zucker der einmal durch den Märchewald fährt und plötzlich ein Heilmittel ist.

    Mein (eignes) Beispiel zeigt eher das hier der Paceboeffekt wunderbar funktioniert.
    Meine Lebengefährtin ist eben genau dadurch beruhigt und psychisch stabil, weil sie meint das die Globulis so wundervoll wirken.
    Ohne dabei zu wissen das ich unserer kleinen die Dinger gar nicht verarbreiche.
    Abgesehen von der nicht nachweisbaren Wirkung halte ich es per se schonmal für falsch meinem Kind puren Zucker in den Mund zu stopfen.

    Und bei ernsten Dingen packe ich die Lütte ein und bin schneller beim Kinderarzt als meine Frau Heilpr…. sagen kann.

    Mit Sicherheit weiß die Schulmedizin nicht alles, mit hoher warscheinlichkeit geht es der Pharmaindustrie oft um Gewinne statt um Heilung – aber lieber so als mir von selbsternannten Gartenschamanen ein Wunder zu erhoffen. Und wenn was schiefgeht mir dann anzuhören ‘Dann haben sie nicht fest genug dran geglaubt…’ …

  17. #17 Fränkl
    3. Mai 2016

    BTW… was mir noch einfällt…..
    Natürlich ist mir Bewusst das ich meine Frau ‘belüge’.
    Aber wenn ich mit so einem Ausweichmanöver drei Menschen das Leben erleichtere ….. who cares?

  18. #18 noch'n Flo
    Schoggiland
    3. Mai 2016

    @ Bullet:

    Ich denke, es wird dringend Zeit, Deinen Ironie-Detektor mal wieder beim TÜV vorbeizufahren.

  19. #19 noch'n Flo
    Schoggiland
    3. Mai 2016

    @ Fränkl:

    mit hoher warscheinlichkeit geht es der Pharmaindustrie oft um Gewinne statt um Heilung

    Das mit den Gewinnen ist ja wohl legitim. Aber warum sollte es der Pharmaindustrie nicht auch um Heilung gehen? Wenn einem ständig die Patienten abnippeln, ist das nicht unbedingt gut für die Kundenbindung.

  20. #20 Fränkl
    3. Mai 2016

    Moin,

    da habe ich ein bisschen zu wenig differenziert.

    Profit. Na klar ist Profit legitim. Ich gehe ja auch nicht arbeiten weil ich so ein unheimlich netter Typ bin und das bin ich wirklich…..
    Ich verurteile die Pharma- oder eine andere Industrien nicht deswegen.

    Natürlich hat auch die Pharmaindustrie kein Interesse daran das denen die Kunden wegsterben.
    Was ich meinte waren eher die langzeittherapien wo richtig viel Geld hintersteckt. Diabetes, Krebs, Aids meinetwegen auch Rheuma -also Krankheiten die einen Menschen vllt. bis zum Lebensende begleiten.
    In diesen Fällen ware es ja langfristig ebenso kontraproduktiv diese Krankheiten wirklich auszumerzen. Und da könnte ich mir durchaus vorstellen das es natürlich darum geht dem Menschen das Leiden zu nehmen und das Leben wieder ein Stück lebenswerter zu machen (immerhin macht das die Therapie attraktiv) aber eben nicht alle nötigen bzw. möglichen Ressourcen in die Erforschung der kompletten Heilung zu stecken.
    Denn auch ein ‘Wundermittel’ gegen Krebs bringt nur einmal Profit und dieser ist wahrscheinlich schmaler als eine komplette und lange (Chemo-)Therapie mit teuren Pharmazeutika.

    Ich gebe aber gern zu das das der subjektive Eindruck eines komplett ‘unwissenden’ ist. Ich habe in dem Bereich keinen Plan ob es einfach nicht weiter geht, weil es nicht geht -oder ob es rausgezögert wird.
    Insgeheim wünsche ich mir das ich Unrecht habe und es eben einfach (noch) keine Lösung gibt….

  21. #21 Joseph Kuhn
    3. Mai 2016

    @ noch’n Flo:

    “warum sollte es der Pharmaindustrie nicht auch um Heilung gehen?”

    Das ist sicher immer wieder der Fall. Aber zu oft leider auch nicht, weil der Pharmaindustrie die Gewinne wichtiger sind. Dafür tun sie viel, mit viel krimineller Energie. Als gute Lehrlinge der Tabakindustrie haben sie gelernt, Studien geschickt zu manipulieren. Sie übertreiben den Nutzen und vertuschen die Risiken ihrer Produkte, sie bestechen Ärzte und schmieren die Politik. Empfehle, Ben Goldacres “Die Pharma-Lüge” zu lesen. Und der formuliert noch recht versöhnlich, bei Peter Gøtzsche kommt die Pharmaindustrie nicht so gut weg. Was natürlich nichts daran ändert, dass die Homöopathie Murks ist und Murks bleibt.

  22. #22 noch'n Flo
    Schoggiland
    4. Mai 2016

    @ Fränkl:

    In diesen Fällen ware es ja langfristig ebenso kontraproduktiv diese Krankheiten wirklich auszumerzen.

    Dann erklär mir doch bitte mal, warum es Impfprogramme gibt. Die müssten dann doch der Alptraum von Big Pharma sein.

    @ Joseph:

    Dafür tun sie viel, mit viel krimineller Energie.

    Hui, ‘ne Nummer kleiner als “Mafia” haben wir es heute nicht

  23. #23 Fränkl
    4. Mai 2016

    Du, wie gesagt, ich stecke da nicht tief genug drin.

    Und nein, ich kann Dir nicht erklären warum es Impfungen gibt, ich finds nur gut das es welche gibt und mein Kind weder an Masern noch an Keuchhusten erkrankt..

    Prinzipbedingt verdiene ich aber wesentlich mehr wenn ich einem Menschen ein Leben lang Insulin verkaufen kann zzgl. Spritzen , Messgeräten und was es sonst noch so gibt, als wenn ich ihm einfach den Diabetis nehme.

  24. #24 Uli
    4. Mai 2016

    “Krankheiten sind natürliches Training für das Immunsystem, … sonst gäbe es sie nicht.”

    Die Dame verwechselt Ursache und Wirkung.

    Wir haben ein Immunsystem, weil es Krankheitserreger gibt, die uns ansonsten umbringen würden.

    Gäbe es diese Erreger nicht, wir hätten kein Immunsystem, weil wir keins bräuchten und es damit verschwendeter Aufwand wäre.

    Und das beste Trainung für unser Immunsystem sind sorgfältig vorbereitete Impfungen und keine Zufallsinfektionen durch Erreger mit nicht gut bekannten Eigenschaften.

  25. #25 Orci
    4. Mai 2016

    Das gilt, wenn Du ganz allein bist. Wenn es viele Akteure auf dem Markt gibt, kann das schon anders aussehen. Dann müssten sich alle großen Spieler schon einig sein, alles so weiterlaufen zu lassen – wohlweisslich, dass wenn nur einer nicht mehr mitspielt, dieser eine evtl. alles gewinnen kann, während alle anderen alles verlieren. Das gilt für alle.
    In Einzelfällen und auf Zeit funktionieren solche Absprachen (sonst gäb’s ja weder Kartellbehörden noch entsprechende Skandale), aber flächendeckend und über sehr lange Zeiträume ist es schwierig.

  26. #26 klauszwingenberger
    4. Mai 2016

    @ Uli:

    Ja, das kam mir auch seltsam vor. “Kinder”-Krankheiten sieht sie wohl als eine Art Pfefferminzbonbons an: sind sie zu stark – bist Du zu schwach.

    Demnächst werde ich ihr die Bude überm Kopf anzünden, und wenn sie darüber erzürnt, sag ich einfach: das Feuer ist dazu da, dass Sie, Frau Doktor, auch mal das Löschen lernen, sonst wäre es ja zu nichts nutze.

  27. #27 Uli
    4. Mai 2016

    @ klauszwingenberger
    Genau!

    Nach der Logik müsste jedem die Bude angezündet werden, um Brandschutz zu üben anstatt das in Lehrgängen zu trainieren! 😉

  28. #28 Joseph Kuhn
    4. Mai 2016

    @ noch’n Flo:

    “Hui, ‘ne Nummer kleiner als “Mafia” haben wir es heute nicht”

    Von “Mafia” habe ich nicht gesprochen. Ich habe ein paar unfeine Praktiken der Pharmaindustrie genannt, die vielfach belegt sind und mehrfach zu milliardenschweren (!) Strafzahlungen geführt haben. Wie gesagt, nachlesbar z.B. bei Ben Goldacre. Das sollte man gerade als Arzt nicht so nonchalant beiseite schieben, denn diese unfeinen Praktiken, nicht zuletzt die Beeinflussung und die Korruption von Ärzten, kosten immer wieder Menschenleben, auch das ist nachzulesen, es gibt Studien dazu, aber in dem Fall empfehle ich Peter Gøtzsches Buch, der bezeichnet die Pharmaindustrie deswegen wirklich ganz ungeschminkt als “organisierte Kriminalität”.

  29. #29 Beobachter
    5. Mai 2016

    @ Joseph Kuhn, noch`n Floh:

    So, und was macht nun der “normale” Durchschnittspatient mit der Erkenntnis, dass in unserem Gesundheitssystem Vieles im Argen liegt ?
    Vereinfacht formuliert:
    Die “wissenschaftliche Schulmedizin” ist aus wirtschaftlichen/profitmaximierenden Gründen beeinflussbar und korrupt;
    die “Alternativmedizin” (inkl. der Homöopathie) entbehrt wissenschaftlicher Grundlagen, erfährt aber trotzdem zunehmend politische Unterstützung und gesellschaftliche Akzeptanz;
    gefährliche Paramedizin wird zunehmend salonfähig und auch kaum strafrechtlich verfolgt.
    Alles “nur” Kampf um Marktanteile im Gesundheits(un)wesen ?!

    Wo bleibt der Patient, wo bleibt die ärztliche Ethik (man wagt kaum noch, dieses Wort in den Mund zu nehmen)?
    Wo bleibt das notwendige Vertrauensverhältnis Arzt-Patient, Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie?

    Bei behandlungsbedürftigen Erkrankungen ist er auf ärztliche Fachkompetenz angewiesen – im Notfall muss er sich ausliefern und sich ungefragt und unbesehen darauf verlassen können.

    Was ist mit dem viel beschworenen “Expertentum”, auf das man sich verlassen solle/könne?
    Wenn man weiß, dass z. B. selbst Leitlinienautoren (!) mit der Paramedizin-/Esoterik-Branche gemeinsame Sache machen ?

    Zu hoffen, nie oder so selten wie möglich behandlungsbedürftig zu erkranken, ist auch keine Lösung – denn man kann es sich nicht aussuchen.

    Ebenso wenig ist eine “abgeklärte” ärztliche “nonchalante” Ignoranz, gepaart mit Holzhammer-Ironie/-Sarkasmus, am Platze – es führt zu nichts.

  30. #30 Joseph Kuhn
    5. Mai 2016

    @ Beobachter:

    Was ist also zu tun?
    1. Als Patient sollte man – soweit man in dieser Situation dazu in der Lage und willens ist – ein kritischer Patient sein, nachfragen, sich alles erklären lassen und wenn nötig eine Zweitmeinung einholen.
    2. Als kritischer Patient sollte man angesichts von Missständen in der Medizin seine kritische Haltung nicht dadurch karrikieren, dass man zur Alternativmedizin rennt – die ist ein einziger Missstand.
    3. Ärzte sollten eine gewisse Distanz zu Pharmavertretern, Anwendungsbeobachtungen, Industriekongressen und vor allem vor schlimmeren Machenschaften halten. Eine Mitgliedschaft im EBM-Netzwerk oder bei mezis kann nicht schaden.
    4. Wissenschaftler sollten sich nicht als Mietmäuler für die Industrie zur Verfügung stellen, auch wenn die Honorare und Drittmittel noch so verführerisch sind.
    5. Die Pharmaforschung muss besser organisiert werden – Studienregister etc. sind Schritte in die richtige Richtung.
    6. Zeitschriften sollten ihre Publikationspraxis überdenken, z.B. nicht alles drucken, was schön aussieht (aber z.B. in keinem Studienregister war).
    7. Die Politik sollte sich öfter mal darauf besinnen, was sie eigentlich tut. Das gilt gegenüber Big Pharma genauso wie gegenüber der alternativen Zuckerindustrie und ihrer Protektion durch Schirmherrschaften für Kongresse, Binnenkonsens usw.

    Es gibt noch viel mehr solcher kleiner Schritte. Man muss sie gehen: die Mühen der Ebene. Defaitismus, weil man keine “große Lösung” hat, ist keine Lösung.

  31. #31 Beobachter
    5. Mai 2016

    @ Joseph Kuhn, # 30:

    Kleine Schritte sind besser als gar keine – oder als die Flinte in`s Korn zu werfen bzw. gleichgültig zu werden angesichts der eigenen Machtlosigkeit.

    Als Patient sind die Einfluss-/Handlungsmöglichkeiten jedoch gering und begrenzt – auch als aufgeklärter, kritischer Patient, der noch dazu in der Lage ist zu handeln.
    Als Betroffener kann er z. B. weder am Pflegenotstand noch an den Hygienemängeln in Heimen/Krankenhäusern etwas ändern.

    Der Weg der kleinen Schritte ist mühsam, unbequem und kräftezehrend.
    Die meisten Leute (vom z. B. Politiker/Manager bis zum z. B. Rentner/Sozialhilfeempfänger) ziehen es vor, ihr Fähnchen nach dem Wind zu hängen – aus Gleichgültigkeit, Ignoranz, Bequemlichkeit und vor allem zur rechtzeitigen eigenen Vorteilsnahme.
    Weshalb sich aufreiben im Bemühen um kleine Veränderungen/Fortschritte, wenn anders (beim Mitmachen, beim Aufspringen auf den Zug) doch das schnelle Geld, die reibungslose Karriere, (kurzsichtig gedacht) ein bequemes, gutes Leben winkt?
    Und “das Leben ist kurz”, “nach mir die Sintflut”, “jeder ist sich selbst der Nächste” – es findet eine Entsolidarisierung zugunsten von Selbstoptimierung statt, zumal auch Betrug (auch in großem Stil) zunehmend zum Kavaliersdelikt wird und selbst die Menschenrechte als “Wert” infrage gestellt bzw. “diskutiert” werden.

    Es “sollten”/müssten viele kleine Schritte getan werden – es fehlt der Wille und die Einsicht in die Notwendigkeit.

  32. #32 Sebastian Wolf
    5. Mai 2016

    Habe eine schöne kleine Geschichte zur Wirksamkeit alternativer Heilmethoden bei meiner Tochter erlebt.
    Sie hatte (wie so viele) ziemliche Verdauungsstörungen in den ersten Monaten und Hebamme und Freundeskreis empfahlen schnell, eine Osteopathin aufzusuchen. Termin wurde für nächste Woche Montag gemacht und von diesem Montag an ging es der Kleinen deutlich besser und die Beschwerden kamen nicht zurück. Toll oder?

    Wichtig ist vielleicht noch zu erwähnen, dass wir an besagtem Montag nicht bei der Osteopathin waren, da wir am Donnerstag davor noch ein längeres Gespräch mit unserer geschätzten Kinderärztin hatten und sie uns unsere Vermutung, dass Osteopathie Humbug ist, bestätigt hatte. Also am Freitag noch den Termin abgesagt.

    Und ab Montag ging es der Kleinen wie gesagt super. Man muss sich nur vorstellen, was wir für Osteopathie – Fans geworden wären, wenn wir den Termin wahrgenommen hätten. Manchmal braucht es also gar keinen Placeboeffekt, sondern nur eine passende Koinzidenz.

  33. #33 Beobachter
    6. Mai 2016

    @ Joseph Kuhn, # 30:

    Eine Anmerkung zu Ihrer ” … man sollte/müsste … ” – Liste der kleinen Schritte:

    “Der Zustand der gesamten menschlichen Moral läßt sich in zwei Sätzen zusammenfassen:
    We ought to. But we don`t.”

    (Kurt Tucholsky, rororo TB, Zwischen Gestern und Morgen)

  34. #34 Joseph Kuhn
    8. Mai 2016

    @ Beobachter:

    “We ought to. But we don`t.”

    Ein schönes Zitat, aber das stimmt ja so nicht, sonst wären wir alle schon tot. Viele Leute machen jeden Tag etwas, was weiterhilft. Viele andere machen Sachen, die nicht weiterhelfen. Je nach Ort und Zeit bestimmen mal die einen, mal die anderen den Lauf der Dinge. So lange man kann, sollte man versuchen, dazu beizutragen, dass die Welt besser wird, und wenn es nur das berühmte Pflanzen des Apfelbäumchens ist. Wie oben schon gesagt: Defaitismus ist keine Lösung.

  35. #35 Dr. Hans-Werner Bertelsen
    9. Mai 2016

    Nicht vergessen: Nur noch 20 Tage bis zum Homöopathie-Kongress in Bremen.

  36. #36 noch'n Flo
    Schoggiland
    9. Mai 2016

    @ Dr. Bertelsen:

    Ihre Initiative in allen Ehren – aber Ihr Linkspamming auf allen möglichen Blogs nervt allmählich!

  37. #37 Beobachter
    10. Mai 2016

    @ Joseph Kuhn, # 34:

    Defaitismus ist keine Lösung – allgemeine Schönrederei aber auch nicht.
    Wieso “wären wir alle schon tot, wenn das Zitat so stimmen würde”?

    Bei dem, was die Leute tun – falls sie überhaupt etwas tun – setzen sich i. d. R. die durch, die die einflussreichere Lobby und die finanziellen Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen haben; sie “bestimmen den Lauf der Dinge”.
    Selbst das “berühmte Pflanzen eines Apfelbäumchens” (als Symbol für was auch immer) ist nur möglich auf dem eigenen Grundstück – woanders wird es einem verboten.
    Selbst der Apfelbaum-Pflanzer muss also privilegiert sein.

    Kritisch Denkende, engagierte Leute, die ein Exempel statuieren und gröbste Missstände anprangern wollen, müssen das nötige, ganz erhebliche “Spielgeld” haben, um sich mit der Lobby der Gegenseite anlegen zu können – und das Ganze muss medienträchtig und spektakulär daherkommen und aufzubereiten sein (Masernprozess; Bardens – Lanka).
    Es muss eine Schlagzeilen-Story hergeben – sonst “lohnt es nicht”.
    Der “alltägliche Wahnsinn”, der konkrete Einzelfall und dessen Folgen, interessiert niemanden.
    Sich damit auseinandersetzen zu müssen, durch persönlichen Einsatz immer wieder gegenzusteuern und so zumindest für Schadensbegrenzung zu sorgen ist weitaus anstrengender als von zuhause auf dem Sofa in theoretischen, “intellektuellen” Internet-Freizeit-Diskussionen kundzutun, auch “dagegen” zu sein.

    Dazu “beitragen, dass die Welt besser wird”, wollen bestimmt auch z. B. AfD-Wähler; diese Formulierung lässt sich mit beliebigem Inhalt füllen und sagt eigentlich nichts aus.

  38. #38 Joseph Kuhn
    http://scienceblogs.de/gesundheits-check/
    10. Mai 2016

    @ Beobachter:

    Wenn sich immer nur die Reichen und Mächtigen durchsetzen würden, könnte man jedes bürgerschaftliche Engagement, jede Gewerkschaftsarbeit, jede Art der Nachbarschaftshilfe, kollegiales Verhalten am Arbeitsplatz und auch das Bloggen (und Kommentieren) hier vergessen. Ich glaube nicht, dass Sie das glauben. Aber es musste wohl mal raus.

    Auf die Polemik mit dem “Schönreden” könnten Sie eigentlich auch verzichten, wer redet denn hier was schön? Ebenso darauf, aus einer fiktiven Straßenkämpferrolle heraus Diskussionen als “von zuhause auf dem Sofa” und als “theoretische, intellektuelle Internet-Freizeit-Diskussionen” abzuwerten. Oder war das als Selbstkritik gemeint, denn Ihre Kommentare gehören doch auch in diese Rubrik. Das musste jetzt auch mal raus.

  39. #39 Beobachter
    10. Mai 2016

    @ Joseph Kuhn:

    Nein, weder noch:
    Ich glaube nicht, dass man jedes persönliche Engagement vergessen könne.
    Und ich werte auch keine vernünftigen, sachlichen Diskussionen ab, sondern habe nur etwas gegen bloßes “Stammtischgeschwätz” in “intellektueller” Verbrämung.
    Meine Kommentare gehören sicherlich nicht in diese Rubrik; zu dieser Art von Selbstkritik habe ich keinen Anlass.

    Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt – man darf nur nicht erwarten, dass sich durch persönliches Engagement und hilfsbereites Verhalten, Aufklärungsarbeit und gute, fundierte Argumentation auch nur das Geringste ändert.
    Wie hoch die eigene Frustrationsgrenze liegt und wie lange die eigene Kraft ausreicht, muss jeder selbst entscheiden.

    Wer sich im engsten persönlichen Umfeld über Jahre mit betrügerischen Hardcore-Vertretern der Paramedizin-/Esoterik-Branche auseinandersetzen musste, wird das bestätigen können.

  40. #40 Beobachter
    12. Mai 2016

    @ Joseph Kuhn, # 34:

    Apropos “Pflanzen eines Apfelbäumchen”, um so “dazu beizutragen, dass die Welt besser wird”:

    Die werden häufig symbolisch “überreicht”/gepflanzt – gerade kürzlich auch auf dem Klinikgelände der “Spezialklinik Neukirchen”, in der unlängst ein Kind mit MMS behandelt wurde und dieses ätzende Wundermittel auch zur weiteren “Therapie” verordnet und von der AOK bezahlt (!) wurde (Kontraste TV-Bericht-YouTube-Video, RBB transkribierter Wortlaut: beides nicht mehr existent)

    http://www.umweltbedingt-erkrankte.de/downloads/30_JubilaeumSpezialklinikNeukirchen/Umschau-Artikel-01.pdf

    Zitat, Auszug:

    “Hommage an einen Medizin-Pionier: Die CSU-Prominenz tummelte sich in Neukirchen.” (Bildunterschrift)

    Zu “Medizin-Pionier”/Klinikleiter J. Ionescu:
    https://www.psiram.com/ge/index.php/John_Gruia_Ionescu

    Unter den Jubiläums-Gratulanten waren auch Vorstandsmitglieder des DBU (Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner; erstellt “Leitlinien” für die “Klinische Umweltmedizin” !)

    Wird dadurch “die Welt besser”?
    Angesichts dieser Zustände kann man Ihren Vorschlag nur als blanken Zynismus empfinden – sorry …