Eine kleine Beobachtung am Rande der Debatte um die Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln: Wie eine Branche Ängste schürt und gleichzeitig fürchtet, Opfer dieser Ängste zu werden.

Zum Beispiel Michael Grolm. Er ist einer der Protagonisten der Genfood-Gegner, Organisator zahlreicher Feldbefreiungen und außerdem Bienenzüchter. Fragt man ihn nach seinen Vorbehalten gegen die grüne Gentechnik, sagte er einmal: „Finden sich in meinem Honig Spuren gentechnisch veränderter Pollen, will ihn keiner mehr kaufen.“

Das erstaunliche Argument taucht in der gesamten Biobranche auf: Sie fordert 100 Prozent gentechnikfreie Produkte, weil – siehe oben – Verbraucher nicht bereit sind, kleinste Kontaminationen zu akzeptieren.
Noch freut sich die Branche, weil wir ihr die Ängste abkaufen, die sie selbst schürt. Gleichzeitig aber wird sie nervös, weil der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen auch hierzulande an Boden gewinnt.
 
Vielleicht würde es der Biobranche daher gut tun, künftig etwas weniger Furcht zu verbreiten. Denn beim Thema Verunreinigung geht es gar nicht um das wichtigste Argument für ökologisch erzeugte Produkte: den Umweltschutz. Im Supermarkt richtet Reis schließlich keinen Schaden mehr an, und sei er noch so kontaminiert. Wer trotzdem warnt, warnt vor Gesundheitsschäden. Doch selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht bei den international gehandelten und zugelassenen Sorten kein Risiko.

Natürlich können Ökolandwirte die Gentechnik ablehnen. Ihre Gründe mögen auch durchaus nachvollziehbar sein. Dürfen sie aber auch konventionellen Landwirten den Anbau unmöglich machen? Ich glaube nicht.

Kommentare (3)

  1. #1 JKat
    Januar 25, 2008

    Öko-Landwirtschaft ist eine nette Sache, solange sie ein Luxus-Verhalten einer reichen Oberschicht in Industriestaaten ist.
    Leider gibt es Leute wie Michael Grolm, die der Ansicht sind und das auch aktiv und handgreiflich propagieren, dass diese Form der Landwirtschaft für alle auf der ganzen Welt das allein Seligmachende ist.
    Dabei hat sie drei gravierende Nachteile:

    1. Sie ist wenig innovativ. Sie setzt auf althergebrachte Anbaumethoden, die eigentlich nicht mehr zeitgemäß sind, da sie unwirtschaftlich geworden sind.
    2. Sie lehnt die Gentechnik strikt ab.
    3. Sie ist resourcenverschlingend. Ökologische Landwirtschaft erzeugt nur etwa 3/4 des Ertrags bei gleicher Fläche wie die konventionelle Landwirtschaft.

    Eine Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft ist aus folgendem Grund moralisch zutieftst verwerflich:
    Zur Zeit leben auf der Welt 6,6 Milliarden Menschen. Diese Anzahl wird bis etwa 2050 noch zunehmen, auf dann etwa 9 Millarden, und danach stagnieren. Mit den derzeitigen landwirtschaftlichen Mitteln können etwa 7 Milliarden Menschen ernährt werden. Um 9 Milliarden zu ernähren braucht man neue, innovative Anbau-Methoden und neue Pflanzen, die auch unter schwierigen Bedingungen anbaubar sind. Das geht nur mit gentechnischen Mitteln.

    Würde die ökologische Landwirtschaft weltweit eingeführt, könnte man etwa 4,5 Milliarden Menschen ernähren, also weniger als heute bereits leben.
    Eine Wirtschaftsform, die die Hälfte der Menschheit für überflüssig erklärt, ist das schlimmste, das Menschen jemals ersonnen haben. Dagegen waren die Nazis reine Chorknaben, dagegen war selbst Pol Pot ein Menschenfreund.

  2. #2 Lukas
    Februar 24, 2009

    Was du “Luxus” nennst ist ein Menschenrecht. Nämlich das Recht auf würdevolles Leben in einer intakten Umwelt. Dass heute bereits Millionen Menschen hungern liegt nicht daran, dass ihre eigene (im übrigen meist von jeher “Bio” und subsistente) Landwirtschaft nicht “innovativ” und ineffektiv ist, sondern dass Kriege herrschen, sich die Wüste ausbreitet, Böden verseucht wurden, Menschen vertrieben usw.
    Es wäre wichtig, Kern-Faktoren der Unterernährung und unzureichenden VERTEILUNG zu identifizieren. Leider kursieren die Faktoren, die das Entstehen einer “konventionellen” (reichlich eurozentristischer Begriff) Ldw erst ermöglicht haben, ganz oben auf der Liste.
    Und du glaubst, dass lustige Gen-power-Monokulturen mit westlichen Patenten die vorm Tod bewahren, denen alles genommen wurde, damit wir auf unserem hohen Roß sitzen können und in Labors fleissig am Erbgut der täglich schrumpfenden Vielfalt basteln? Da liegt der Luxus.

  3. #3 Lukas
    Februar 24, 2009

    und von Moral natürlich ganz zu schweigen…
    Ein Lese-Tipp (gleich um die Ecke!):
    http://www.scienceblogs.de/mahlzeit/2008/04/warum-hungert-die-welt-wirklich.php
    Viel Spass. Ich will dich nicht beleidigen, aber es ist wirklich völliger Quatsch, was du hier schreibst.