Wissenschaftliche Fachartikel und Poster können ganz schöne Bleiwüsten sein. Jede Grafik ist da willkommen, die einem etwa die beschriebenen Prozesse in einer Zelle veranschaulicht. Wir sind eben Augentiere. Ivas Arbeitsgruppe gönnt sich deshalb Ivana, die sich exklusiv um die Grafiken kümmert. Ein Blick auf ihre Arbeit.

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Ein Bild sagt mehr, … ” diesen Satz kann wahrscheinlich jeder vervollständigen. Auch wenn Wissenschaftler eine Menge zu schreiben haben, etwa für Fachartikel oder Poster, immer wieder lassen sich bestimmte Vorgänge besonders gut in einer Grafik darstellen. Wenn diese auf das Wesentliche beschränkt werden, verdeutlicht eine gute Grafik mehr als tausend Worte, oder fasst es zumindest gut zusammen.

Hier im Tolic-Lab gibt es eine Mitarbeiterin, die ausschließlich für die Grafiken zuständig ist: Ivana Saric. Ihr Job ist es, Bilder zu entwerfen, in denen auf einen Blick zu erkennen ist, welche Prozesse in der Zelle ablaufen. Dass ein Labor eine eigene Mitarbeiterin hat, die sich exklusiv um die Bildarbeit kümmert, ist nicht der Normalfall. Meist plagen sich Wissenschaftler selbst damit ab oder geben es an eine eigene Abteilung des Instituts (die es hier auch gibt).

Ivana ist eigentlich Bauingenieurin – und damit ziemlich gut geeignet für den Job. “Normalerweise arbeite ich mit CAD-Programmen usw. Ich bin es also gewohnt Grafiken zu erstellen. Nur eben nicht von Zellen.” Sie ist mit Gastwissenschaftler Nenad Pavin verheiratet. Seit einem Jahr arbeitet sie im Tolic-Lab als Grafikerin.

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Ivana erstellt die Grafiken nicht mit CAD-Programmen, sondern mit Adobe Illustrator. Da brauchte sie anfangs zwar ein in wenig Einarbeitung. Aber Spalthefezellen sind grafisch nicht so aufwändig wie eine Bauzeichnung, also hielt sich der Lernprozess in Grenzen.

Als Vorlage dienen ihr meist die kurzen Filme (oder Bildausschnitte daraus), die ihre Kollegen von den Zellen erstellen. “Das geht schneller als wenn mir das jemand erklärt“, sagt Ivana. Ein Physiker legt bei seiner Erklärung andere Schwerpunkte als ein Biologe, das macht es nicht unbedingt leichter. Bei einem Film sieht man sofort, um was es geht.

Sie macht zuerst einige Entwürfe, zeigt sie dem jeweiligen Wissenschaftler. Dann geht es hin und her. “Es ist ein ständiges polieren und verbessern“, sagt sie. Vor allem für die meist kleinen Grafiken in den Fachzeitschriften ist es wichtig, alles möglichst einfach und prägnant darzustellen. Bei den Farben orientiert sie sich an den Foto- und Filmvorlagen: Sind die Mikrotubuli grün gefärbt, sind sie auch in der Grafik grün, sind die Motorproteine rot, werden sie in der Grafik rot. Damit kann der Betrachter sofort den Bezug zu den Filmsequenzen herstellen, die in den Artikeln oder Postern meist ebenfalls dargestellt sind.

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Für die Grafiken als Bauingenieurin waren die richtigen Maße natürlich entscheidend. Bei den Hefezellen ist das nicht so wichtig. Es geht nicht darum das ganze auf den Mikrometer genau darzustellen. Sie lässt sich von den Kollegen aber in etwa die Größenverhältnisse geben. “Die Proportionen z.B. von Zellkern zu Zelle müssen schon stimmen”, sagt sie.

Für Grafiken und Diagramme in Fachartikeln geben die Verlage einige Parameter genau vor: “Da ist zum Beispiel der Schrifttyp vorgeschrieben, den man für die Beschriftung verwenden darf”. Auch die Größe und die Anzahl der Grafiken und Diagramme ist vorgeschrieben. Die Vorgabe sind von Magazin zu Magazin verschieden.

Ivana hatte kürzlich ihr eigenes kleines Erfolgserlebnis. Sie hat nach einem Jahr zum ersten Mal ihre Grafiken in großer Projektion gesehen, beim Ivas Vortag während der Evaluation. Fazit: Sie war zufrieden mit ihrer Arbeit: “Ja, die Grafiken sind wirklich gelungen“, sagt sie mit einem zufriedenen Lächeln.

In der unteren Grafik hat Ivana zum Beispiel dargestellt, was ich hier auf dem Blog schon mal als Film gezeigt hatte: Zwei Zellen verschmelzen und entwickeln Sporen, um harte Zeiten zu überstehen.

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Sinn des Ganzen ist die Einordnung eines Phänomens, das hier in der Arbeitsgruppe erforscht wird, und das in der Grafik als “Nuclear oscillations” bezeichnet wird. Dies ist ein Hin- und Herbewegen des Zellkerns innerhalb des Zellkörpers. Im Englischen werden diese Oszillationen auch als “Horsetail-Movements” bezeichnet, also Pferdeschwanz-Bewegungen. Die erste Grafik oben lässt schon erahnen, warum das so heißt.

Es noch nicht klar, warum der Zellkern so durch die Zelle flitzt. Wahrscheinlich dient es dazu, das paarweise Anlagern der Chromosomen aus beiden Zellen zu unterstützen, damit diese ihre Gene austauschen können (Rekombination).

Ivana hat das auch in einer Grafik dargestellt. Die roten und blauen Kringel stellen schematisch Chromosomen dar, auf denen sich die jeweiligen Gene (symbolisiert als Kugeln) nebeneinander lagern. Diese, wie auch die anderen Grafiken, sind schöne Beispiele für Darstellungen, die dem Satz folgen: Weniger ist mehr. Denn natürlich gibt es in der Zelle noch viel mehr als nur das dargestellte. Doch das würde nur ablenken.

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Grafiken: Tolic-Lab, Ivana Saric, Foto: Anhäuser

Kommentare (3)

  1. #1 Christian Reinboth
    November 23, 2009

    Das sind ja mal wirklich schöne Grafiken! So jemand fehlt uns gelegentlich im Institut. Ich gebe mir zwar alle Mühe, mit SmartDraw einigermaßen brauchbare und vor allem vorzeigbare Grafiken zu erstellen (http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/BAPIs.php), aber eine echte Grafikerin im Haus zu haben wäre wirklich ein großer Vorteil. Ich finde ja, dass im Wissenschaftsbetrieb ohnehin mehr Geld für gute Visualisierungen aufgewendet werden sollte. Wenn ich überlege, wie viele – vorsichtig ausgedrückt – weniger schöne Grafiken ich in Papern schon gesehen habe und wie viel leichter man den Inhalt mit besseren Grafiken eventuell hätte verstehen können…

  2. #2 Martin
    November 23, 2009

    Max-Planck sind halt die beamteten Forscher Deutschlands – den Luxus einer eigenen Grafikerin für die Arbeitsgruppe gibt es sonst nirgends (nur, damit kein falscher Eindruck entsteht)

  3. #3 Ludmila
    November 24, 2009

    Neid. Auch haben wollen. Ne, ernsthaft, sowas bräuchten wir überall dringendst. Ich wäre ja schon froh, wenn die Uni Köln eine/n Grafiker/in hätte.