“Nature” hatte 2006 (in Reaktion auf einen Fälschungsskandal, der durch das übliche Peer-Review-Verfahren nicht entdeckt wurde) versuchsweise ein öffentliches Peer Review-Verfahren eingeführt, bei dem alle Leser die Möglichkeit hatten, Kommentare zu online veröffentlichten Artikeln zu geben.

Dieses Experiment wurde nach 4 Monaten wieder eingestellt. “Obgleich von den wissenschaftlichen Autoren großes Interesse an dem Experiment bekundet wurde, waren nur 71 der angefragten 1.369 Autoren bereit, ihre bei Nature eingereichten Artikel parallel zum üblichen Peer Review-Verfahren online zur Begutachtung durch die Öffentlichkeit zu publizieren. Und es machte sich auch kaum jemand die Arbeit, einen Kommentar zu den publizierten Artikeln zu schreiben, obgleich Nature mit mehreren Aktionen auf das Experiment hingewiesen und um Teilnahme gebeten hatte.
Insgesamt wurden 92 Kommentare geschrieben. Von den 71 Artikeln erhielten überhaupt nur 38 Kommentare. Die zuständigen Nature-Redakteure beurteilten die meisten überdies als nicht hilfreich, da sie nur von allgemeiner Natur waren. Es gebe eine “deutliche Zurückhaltung bei den Forschern, offene Kommentare zu machen”, heißt es bei Nature abschließend.
” (Heise)

Im Abschlußbericht wurden die Kommentare dann mit Noten von 1 (Actively unhelpful) bis 5 (Direcly influenced publication) bewertet und man kam zu dem Ergebnis: “No editor judged the comments on their paper to be more than 4 in either regard, and only four comments received 4. Average scores were: editorial 2.6; technical 1.8. In other words, generally the comments were judged to be more valuable editorially than technically – this is partly due to several papers receiving comments only on editorial points. No editor reported that the comments influenced their decision on publication.”

Aus dem Bericht in Nature geht nicht hervor, ob eine Moderation der Kommentare stattfand und ob es außer-wissenschaftlich (zum Beispiel politisch) motivierte Kritiken gab. (Jedenfalls fällt auf, daß eine Arbeit über spezielle Aspekte der Evolution die meisten Kommentare, nämlich 10, erhielt.)

Aktuell macht sich Jorge Cham von PhD-Comics Gedanken, wie eine unmoderierte Diskussion in einer Fachzeitschrift aussehen könnte:

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Wobei, wenn man sich zum Beispiel die Diskussion bei Einstein und die Cranks anschaut, erscheint einem Cham’s Vision ja geradezu überaus optimistisch.

Kommentare (4)

  1. #1 Marcus Anhäuser
    31. Mai 2009

    das mit dem öffenlichen Kommentieren scheint bei Wissenschaftlern einfach nicht beleibt zu seien. Ich habe mich schon gewundert, wieso beim Darwinius-Fall so wenige Wissenschaftler das Pape bei PLoS-One kommentiert haben. Alexander von Alles was lebt meinte, dass viele Wissenschaftler lieber anonym kritisieren würden.
    http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/05/the-link-was-die-anderen-sagen.php#comment37210

  2. #2 Marcus Anhäuser
    31. Mai 2009

    das mit dem öffenlichen Kommentieren scheint bei Wissenschaftlern einfach nicht beleibt zu seien. Ich habe mich schon gewundert, wieso beim Darwinius-Fall so wenige Wissenschaftler das Pape bei PLoS-One kommentiert haben. Alexander von Alles was lebt meinte, dass viele Wissenschaftler lieber anonym kritisieren würden.
    http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/05/the-link-was-die-anderen-sagen.php#comment37210

  3. #3 Marcus Anhäuser
    31. Mai 2009

    das mit dem öffenlichen Kommentieren scheint bei Wissenschaftlern einfach nicht beleibt zu seien. Ich habe mich schon gewundert, wieso beim Darwinius-Fall so wenige Wissenschaftler das Pape bei PLoS-One kommentiert haben. Alexander von Alles was lebt meinte, dass viele Wissenschaftler lieber anonym kritisieren würden.
    http://www.scienceblogs.de/plazeboalarm/2009/05/the-link-was-die-anderen-sagen.php#comment37210

  4. #4 Alexander Knoll
    2. Juni 2009

    Danke fürs Verlinken meines Kommentars! Mehr hätte ich jetzt auch nicht gemacht. (Und ja, ich komm zur Zeit nicht wirklich mit dem Lesen hinterher ;-))