Das Internet soll für den Friedens-Nobelpreis vorgeschlagen werden.

El Pais berichtete vor einigen Tagen über I4P, eine Initiative, die das Internet für den Friedensnobelpreis 2010 vorschlagen will.


Unterschreiben kann man auf der Webseite der Initiative: http://internetforpeace.org/manifesto.cfm. (Bisher gut 5.000 Unterzeichner.)

Zu den Unterstützern gehört z.B. die Friedensnobelpreisträgerin von 2003, Shirin Ebadi aus dem Iran.

Bekanntlich haben gerade bei den Protesten im Iran neue Technologien eine große Rolle gespielt. (Es wurde sogar gesagt, daß jeder Twitter-Nutzer mit einer Änderung seiner Zeitzoneneinstellung die Arbeit des iranischen Geheimdienstes sabotieren könne. Ob das wirkich was bringt, weiß ich nicht.)

Es wird ja (z.B. im Zusammenhang mit dem Mauerfall-Jubiläum) gelegentlich die Frage aufgeworfen, ob eine DDR mit Internet und Handy überhaupt denkbar gewesen wäre. Also ob man die totale Abschottung beim heutigen Stand der Technik überhaupt hätte durchhalten können. (Ja, ich weiß, in Nordkorea funktioniert das auch. Aber die Situation in Osteuropa war ja doch eine andere.) Diese Frage wird z.B. in diesem Blog aufgeworfen:

Hätte es irgendwann ein staatseigenes F-Netz für zum Westen inkompatible, altmodische Mobiltelefone gegeben? Eine Transferprotokoll, um ein in sich geschlossenes sozialistisches Internet zu ermöglichen? Hätte man, wie in China, eine gigantische Zensurbehörde aufgebaut, um das unaufhaltbare WWW wenigstens inhaltlich im Zaum zu halten? Hätte Margot Honecker heute eine Facebook-Seite? Gäbe es einen Ost-Codec, der MP3 Paroli bieten soll, und eine eigene Handhabung von Lizenzrechten der DDR-Musiker? Ein Ost-“Brauser” statt Firefox?

Die anschließende Diskussion im verlinkten Blog ist allerdings eher unergiebig.
Nun ja, “was wäre wenn”-Fragen gehören ja auch nicht in die Wissenschaft, sondern in die Literatur. Ob eine DDR in Zeiten von Internet und Handy möglich gewesen wäre, werden die Historiker nicht mehr klären können. Vielleicht findet sich ein Romanautor, der es uns erzählt?

Kommentare (12)

  1. #1 schlappohr
    15. Februar 2010

    Da wird sich das Internet ja freuen…

    In der vorletzten Ausgabe einer bekannten Computerzeitschrift ist ein Artikel, in dem beschrieben wird, auf welche Weise die Supermächte (vor allem eine Supermacht) versuchen, das Internet global zu kontrollieren und damit die Möglichkeit haben, ganze Staaten einfach “abzuklemmen”. Und wie andere Staaten versuchen, dieser Kontrolle zu entkommen. Das Netz wird dadurch zum Kriegsschauplatz. Es entsteht bereits wieder ein kalter Krieg, diesmal im Netz.

    Ein “Friedensnobelpreis für das Internet” wirkt da irgendwie unpassend.

  2. #2 Dr. Glukose
    15. Februar 2010

    Und wer bekommt dann die Medaille und das Preisgeld??

  3. #3 MartinB
    15. Februar 2010

    @Dr. Glukose
    Al Gore natürlich, wer den sonst?

  4. #4 Redfox
    16. Februar 2010

    Und wer bekommt dann die Medaille und das Preisgeld??

    Vinton G. Cerf?
    Sir Tim Berners-Lee?
    Besser als der letzte Preisträger(1, 2) wären die allemal.

    Al Gore

    LOL! Der hat doch schon einen. 😉

  5. #5 H.M.Voynich
    16. Februar 2010

    “Vielleicht findet sich ein Romanautor, der es uns erzählt?”
    Der Autor des verlinkten Blogs ist ein Romanautor. 😉

  6. #6 Thilo Kuessner
    14. März 2010

    Der Vorschlag ist jetzt offiziell eingereicht worden.
    Die Frage, wer die Medaille bekommen würde, ist auch beantwortet: laut Vorschlag sind es die beiden Internet-Pioniere Larry Roberts und Vint Cerf sowie der Brite Tim Berners-Lee.
    http://www.tagesspiegel.de/medien-news/Internet-Nobelpreis;art15532,3055366

  7. #7 Saviour1981
    9. Juli 2010

    Das Internet für den Nobelpreis vorzuschlagen, ist eine Schnapsidee, die man nur nach dem enormen Konsum von gehörig hochprozentigem Gesöff haben kann!

    FRIEDEN IM INTERNET???

    Im Internet zeigen sich die Menschen von der dunkelsten Seite. Wollt ihr Beispiele? Bitte schön:
    1) Pädophile verabreden sich mit Kindern, ohne dass die wissen, welches Drama ihnen blüht
    2) Auch Jugendliche oder Erwachsene verabreden sich. Der eine arglos, der andere hat Böses im Sinn. Sei es Vergewaltigung, Mord, Raub oder was auch immer.
    3) Mobbing-Attacken unterm sichergeglaubten Deckmantel der Anonymität – ganz beliebt bei sogenannten “sozialen Netzwerken” (Facebook, die VZ’s, etc.) und in Chats.
    4) illegale oder verbotene Inhalte, die frei erhältlich oder gegen eine “Gebühr” zu haben sind
    5) Anleitungen zu Terror, Waffenbau, autonome Krawalle und vieles mehr
    6) Datenklau, Phishing, Betrug und gewerbsmäßige Straftaten sind im internet viel leichter als im normalen leben. Und besonders ältere Menschen, die vom Internet nicht viel Ahnung haben und deshalb arglos agieren, sind danach fürs Leben geschockt.
    7) Beleidigungen, Spam, Werbung, Diffamierungen – in Foren und Gästebüchern sind der fragwürdigen Fantasie der Menschen, die sonst keiner sinvolleren Erfüllung nachgehen, keine Grenzen gesetzt (deshalb gibt es diese unsinnigen Spam-Schutze)
    8) Google hat viel Anteil daran. Mit Programmen und Systemen wie Google Analytics, Street View, Google Earth etc. kann man bald schon einen halben Privatmenschen “enttarnen”. Gewohnheiten, Daten, private Details – und da wo Daten angesammelt werden, wächst auch die Gier, diese gewerbsmäßig zu verkaufen.

    UND SOWAS SOLL EINEN FRIEDENSNOBELPREIS BEKOMMEN?

    Da fällt mir ein Spruch von Joschka Fischer ein, der sich 1999 entrüstete: “jetzt schreien sie alle Kriegstreiber, und den Milošević schlagen die demnächst für den Friedensnobelpreis vor!”

    Ich würde eher die Linkspartie für diesen sensiblen Preis nominieren und alleine schon, weil die gegen den Afghanistan-Einsatz sind. Andere leute hätten den aber mehr verdient. Und wenn das Internet gewinnt, kriegt Darth vader dann auch einen? Und Charles Manson? Und Frank Schmökel? Und Dieter Degowski?

  8. #8 Thilo Kuessner
    10. Juli 2010

    Was ist denn eine Linkspartie?
    (Der Singular von ‘Parties’ ist immer noch ‘Party’ 🙂

  9. #9 michael
    10. Juli 2010

    > Linkspartie?
    Linkspartei ? iE nuBhctsbanerdhere?

    Wie wär es mit Bayerischen Reinheitsgebot für Bier. Dies wurde ja geschaffen, um das friedliche gemeinsame Trinken zu fördern.

  10. #10 rolak
    10. Juli 2010

    Aber Thilo, das hat doch nix mit ner Fête zu tun, sondern ist eine zu ‘Landpartie’ analoge Wortbildung, die einen halt links Richtung Baggersee, die anderen rechts Richtung Altstadt 😉

    Was denn, Michael, ein Antidrogengesetz als Nobelpreisträger? Das kann, pc gesehen, z.B. dem Bilsenkraut doch nicht angetan werden…

  11. #11 michael
    10. Juli 2010

    @Rolak

    Sie können ja Schwarzes Bilsenkraut für den alternativ-medizinischen Nobelpreis, die Koka Pflanze für den Medizinnobelpreis und Schlafmohn für den Wirtschaftsnobelpreis vorschlagen.

  12. #12 rolak
    10. Juli 2010

    Schlafmohn für den Wirtschaftsnobelpreis

    Weil sich nur wg der massiven Sedierung die Verzocker bei diversen crashs nicht gegenseitig an die Gurgel gegangen sind sondern brav gewinnmaximierend weitergemacht haben? 🙂

    Aber im Ernst, wie bitte schön kann bei der =»Vorgabe

    an denjenigen, „der am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt“ und damit „im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht“ hat

    eine nicht bewußt handelnde Entität wie das inet/www in Betracht gezogen werden?