Ig-Nobelpreis für Weltuntergangspropheten, Weltuntergang am 21.Oktober.

Wie schon von unserem US-Korrespondenten berichtet, wurden letzte Nacht die Ig-Nobelpreise verliehen.

Dabei wurde auch wieder ein Mathematik-Ig-Nobelpreis verliehen und zwar an sieben Propheten, die zu verschiedenen Zeiten den Weltuntergang vorhergesagt hatten. Die meisten dieser Vorhersagen liegen in der Vergangenheit, aber einer der vorhergesagten Weltuntergänge ist am 21. Oktober diesen Jahres, womit wohl zum zweiten Mal (nach dem Friedensnobelpreis 2009 für Obama) ein Nobelpreis bereits im Vorgriff auf künftige Erfolge zuerkannt wurde.

Die sieben Preisträger des Mathematik-Preises im Einzelnen:

Dorothy Martin war eine Hausfrau aus einem Vorort von Chicago, die 1954 durch Außerirdische vom Planet Clarion über die bevorstehende Apokalypse informiert worden war. Anders als vielleicht beabsichtigt haben Frau Martin und ihre Anhänger übrigens tatsächlich ein wichtigen Beitrag für die Wissenschaft geleistet: einige Psychologen um Leon Festinger “unterwanderten” damals die Gruppe und schrieben darüber das Buch “When Prophecy Fails”, Festinger entwickelte auf dieser Grundlage dann seine Theorie der Kognitiven Dissonanz.

Pat Robertson ist ein US-amerikanischer Fernsehprediger und Präsident des “American Center for Law and Justice”. Daß er 1982 mal den Weltuntergang vorhersagte gehört noch eher zu seinen harmloseren Aktivitäten …

Elizabeth Clare Prophet war die Gründerin der New Age-Bewegung Church Universal and Triumphant. Sie sagte einen Nuklearkrieg für den 23.4.1990 voraus, konnte ihn durch ihre Gebete und die ihrer Anhänger aber noch abwenden.

Lee Jang Rim war ein Sektengründer aus Südkorea, der für den 28.10.1992 die Parusie vorhergesagt hatte. Hunderte Anhänger verkauften ihr Eigentum, kündigten ihre Jobs bzw. desertierten aus der Armee und spendeten insgesamt 4 Millionen Dollar. Weitere 380000 Dollar wurden in Fonds angelegt, die 6 Monate danach zur Auszahlung hatten kommen sollen. Er wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Shoko Asahura war ein weiterer Sektengründer, der den Weltuntergang für 1997 vorhergesagt hatte. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte er allerdings vor allem durch den Giftgasanschlag auf die Tokioter U-Bahn, wegen dessen er zum Tode verurteilt, bisher aber nicht hingerichtet wurde.

Credonia Mwerinde ist eine Sektengründerin, sie hatte den Weltuntergang für die Jahrtausendwende vorhergesagt. Zeitungsberichte sprachen damals von rund 1000 Getöteten.

Harold Camping schließlich ist ein Radio-Prediger, der schon einmal für den 6.9.1994 eine Entrückung mit folgendem Weltuntergang vorhergesagt hatte. Seine aktuelle Prognose ist aber für den 21.10.2011.

Die Mathematik-Preisträger der letzten Jahre waren übrigens 2008 Raymer-Smith für experimentelle Knotentheorie und 2009 Gideon Gono für 100 Billionen Dollar. Letztes Jahr hatte es keinen Mathematik-Preis gegeben, aber den Ökonomiepreis für “Die Führungskräfte und Direktoren von Goldman Sachs, AIG, Lehman Brothers, Bear Stearns, Merrill Lynch und Magnetar für die Schaffung und Förderung neuer Möglichkeiten, Geld zu investieren — Wege zur Maximierung des finanziellen Gewinns und zur Minimierung des finanziellen Risikos für die Weltwirtschaft oder einen Teil davon.”

Kommentare (6)

  1. #1 Hannes Bongard
    30. September 2011

    … dafür, dass sie der Welt zeigten, wie vorsichtig man mit mathematischen Annahmen und Berechnungen sein muss.

    http://www.zeit.de/wissen/2011-09/ig-nobelpreis-verleihung

  2. #2 Thilo
    30. September 2011

    … besonders auch in der Astrologie.

  3. #3 Hannes Bongard
    30. September 2011

    Thilo schrieb: „… besonders auch in der Astrologie.“

    „Die Astrologie von astron = Stern, als Urprinzip, und Logos = Geist oder höhere Logik ist das Wissen um die Beziehung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos als Analogieprinzip: wie oben, so unten. Astrologie ist das Urwissen, daß der Mensch als Teil des Kosmos und Bestandteil der Natur denselben Gesetzen unterliegt wie die Natur selbst. Den Menschen erreichen die kosmischen Rhythmen ebenso wie das Wasser in Ebbe und Flut, und das Wasser wird gleichgesetzt mit der Seele. Astrologie ist daher kosmische Psychologie.“

    G. Hürlimann: Astrologie – Ein methodisch aufgebautes Lehrbuch, Oesch Verlag Zürich 2002 (10. Aufl.), S. 17, ISBN 3-0350-1501-5

  4. #4 Henry
    30. September 2011

    “Astrologie ist daher kosmische Psychologie”

    Komisch, ich dachte immer Astrologie sei pure Vodoo-Abzocke. Wie man sich doch täuschen kann…

  5. #5 Hannes Bongard
    30. September 2011

    Zustimmung.

  6. #6 Thilo
    30. September 2011