TU München boykottiert Elsevier!

Zumindest das Mathematik-Department:

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http://www.ma.tum.de/Mathematik/BibliothekElsevier


Es ist natürlich fraglich, ob der Boykott eines einzelnen Fachbereiches wirklich etwas bringt, oder ob nicht besser die gesamte Universität sich am Boykott beteiligen sollte.

An der Universität Münster hatte schon vor einigen Jahren das Mathematik-Department seine Elsevier-Abonnements suspendiert. Dies hatte aber lediglich den Effekt, daß Elsevier die Preise seiner Bündel-Angebote für die anderen Uni-Fachbereiche erhöhte, um am Ende denselben Gesamt-Betrag von der Uni zu erhalten. (Quelle)
Die Methode, Zeitschriften-Bündel (statt einzelner Zeitschriften) zu verkaufen, macht solche ‘Strafaktionen’ erst möglich (und zeigt einmal mehr die Problematik von Monopolstellungen).

Kommentare

  1. #1 Hanno
    7. Mai 2012

    Interessant wäre die Frage, ob der Boykott auch “andersrum” gilt – also dass die dort arbeitenden Wissenschaftler sich weigern, in Elsevier-Zeitschriften zu publizieren oder für sie als Reviewer zu arbeiten.

  2. #2 Thilo
    7. Mai 2012

    Naja, glücklicherweise schreiben Mathe-Fachbereiche ihren Mitarbeitern nicht vor, wo sie publizieren dürfen – und das sollte auch so bleiben.

    Unter denjenigen, die mit ihrer Unterschrift auf http://thecostofknowledge.com/index.php die Teilnahme am Elsevier-Boykott erklärt haben, sind aber jedenfalls auch Mathematiker der TU München.

  3. #3 rolak
    7. Mai 2012

    Die kargen Worte der TU-M klingen für mich eher nach ‘wir können nicht’ statt ‘wir wollen nicht’ – und nur letzteres ist meineserachtens Boykott.

    Zu dem -äh- Kostenausgleich in Münster: Ist das so zu verstehen, daß die Paketpreise individuell mit den Abonnenten ausgehandelt werden oder ist das ‘pari’ zufälliger Seiteneffekt einer generellen Preiserhöhung bei Elsevier?

  4. #4 Thilo
    7. Mai 2012

    Ersteres.

  5. #5 rolak
    7. Mai 2012

    Danke für die Klärung. Hätte ich nicht gedacht…

  6. #6 maxfoxim
    7. Mai 2012

    nur mal so aus Interesse, in welchem Kostenbereich liegt so ein Abo? Bzw. hättest du da so ein paar Preise und Zahlen zu.

    Thilo, du als “Mann der Zahlen” könntest mir das doch bestimmt sagen, oder ;)

  7. #7 Thilo
    7. Mai 2012

    Selbst in der Mathematik kann so ein Jahresabonnement hohe vierstellige Betraege kosten. In anderen Fächern wie Medizin ist es natürlich noch teurer.

  8. #8 Thilo
    7. Mai 2012

    Pro Zeitschrift natürlich. Die Preise für die Bundelangebote werden jeweils einzeln mit den Unibibliotheken ausgehandelt und anscheinend geheimgehalten.

  9. #10 Thilo
    7. Mai 2012

    @Jochen:
    Immerhin sind ja nur 8 der 10 teuersten Zeitschriften von Elsevier :-)

  10. #11 maxfoxim
    7. Mai 2012

    puhhh, ganz schön happig. Was man alles mit dem Geld “bessers” machen könnte… :/

    Warum gibt es in Zeiten des Internets diese Verlage noch. Könnte man das nicht irgendwie günstiger und effizitenter über das Netz regeln. Quasi so ne Art arxiv Deluxe…. Na ja, utopisch vermutlich…

  11. #12 Jan
    7. Mai 2012

    Nunja, Open Source Publishing ist im kommen, und wird auch von einigen Universitäten gefördert. Aber die Reputation ist natürlich bei Veröffentlichungen in namenhaften Journals vermutlich nicht zu vernachlässigen…

  12. #13 Jochen
    7. Mai 2012

    Stimmt, Open Access-Publikationen können hier eine Alternative sein. Z.B. im Directory of Open Access Journals (http://www.doaj.org/doaj?func=home&uiLanguage=en) kann man sich informiere, was es so im eigenen Fach gibt. Und in vielen Fächern gibt es auch bereits renommierte freie Journals, die durchaus einen beachtlichen Impact Factor vorweisen können. (z.B. haben die PLoS 7 Biology Zeitschriften Impact Faktoren zwischen 4 und 15,6, was – soweit ich weiß, korrigiert mich, wenn ich falsch liege – für die Biowissenschaften ein ziemlich hoher Wert ist.

    @ Thilo: 8 von 10 Titeln von Elsevier ist nicht schlecht. Das kann nur eins heißen: Die Mädels und Jungs bei Springer und Co machen was falsch, wenn sie mit den Bibliotheken die Preise aushandeln..

  13. #14 Jochen
    7. Mai 2012

    Es sollte natürlich “die 7 PLoS Biology Zeitschriften” heißen :-)

  14. #15 Thilo
    7. Mai 2012

    Open Access im Sinne von Autor zahlt hat natürlich auch Nachteile http://www.scienceblogs.de/mathlog/2011/10/arxiv-statt-author-pays.php

    Für die Mathematik wäre die bessere Lösung wohl: alle Arbeiten auf dem Arxiv und für die Peer-referierte Veröffentlichung dann eine Fachzeitschrift, die von einer Fachgesellschaft, Universität oder einem preiswerten Verlag herausgegeben wird.

  15. #16 Jochen
    7. Mai 2012

    Ich bin zwar nicht sicher, ob ich die Argumente gegen das Author-Pays-Modell alle überzeugend finde, aber dass andere Modelle – insb. das von Dir vorgeschlagene – größeren Charme haben, kann ich nachvollziehen.

    Wichtig ist, glaube ich, nur, dass man sich klarmacht, dass Open Access zwar den kostenfreien Zugang zu wissenschaftlichen Informationen beinhaltet, aber die Produktion von Zeitschriften dennoch Kosten verursacht, die irgendwie getragen werden müssen; z.B. eben dadurch dass eine Fachgesellschaft aus ihrem Etat ein Journal finanziert.

  16. #17 Sigmund
    8. Mai 2012

    Als Nichtwissenschaftler sag ich: Heilige Kunigunde!

    Ich nehme an, in den Chemie-Journalen ist eine Langzeitserie mit dem Rezept zum Goldmachen enthalten.
    Anders sind diese Preise wohl kaum erklärbar.

  17. #18 Sigmund
    8. Mai 2012

    Mir fällt gerade ein: Das Rezept zum Goldmachen hat wohl Elsevier.

  18. #19 Rimeslord
    8. Mai 2012

    Als ich vor einigen Jahren noch als Studentenvertreter im Fakultätsrat einer niederländischen Uni saß wurde diese Kosten auch gerade diskutiert.

    Um mal eine Hausnummer zu nennen: Allein für den Bereich der Neurowissenschaften/Immunologie/Hämatologie (fragt mich nicht wieso das ausgerechnet so gebündelt wurde) hat die Bibliothek ca. 260.000€ im Jahr an Abogebühren bezahlt….

  19. #21 rolak
    11. Mai 2012

    Mal schauen, ob es nur in der TU-M kocht oder dies das erste vernehmbare Bröckeln ist, das die Lawine ankündigt…