Der Abschluss eines Pro/Hauptseminars und die verpflichtende Teilnahme an einer Vorlesung sollen genügen …

Heute mal nichts Neues zu den Entwicklungen an der Frankfurter Zauberschule dem “Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften”, weder zu den für 10.000 Euro gekauften in einem 10.000 Euro teuren Kurs erworbenen Mastertiteln noch zu den auf Hartmut Müller und Global Scaling beruhenden Hartmut Müller zitierenden Masterarbeiten, sondern ein nicht ganz frisches Zitat aus einem IntraG-Newsletter von Ende 2009 zur seinerzeitigen Gründung des Instituts. Dieser Newsletter ist zwar auch auf anderen Blogs schon zitiert worden, aber ich finde den Text in seiner Gesamtheit einfach so unglaublich, daß ich ihn hier einmal komplett wiedergeben möchte. (Schon um ihn für die Nachwelt zu bewahren, falls die Viadrina demnächst vielleicht die IntraG-Seiten aus dem Netz nimmt.)
Also, IntraG-Newsletter Dez.2009, Punkt 5:

5. Die Doppelpromotion von Medizinern im Spiegel der Zeit – Ein Beitrag
von Florian Mildenberger

Bis 1864 war für Studierende der Medizin ein Vorstudium der Philosophie obligat.
Erst dann durften sie überhaupt Humanmedizin studieren. Viele der angehenden „Doctores” nutzten diese Vorbedingung, um auch noch ein Doktoratsstudium in Philosophie, Philologie oder einem naturwissenschaftlichen Fach abzuschließen.
Nach der Streichung des philosophischen Vorstudiums blieb es gleichwohl für angehende Ärzte aus gutem Hause eine Selbstverständlichkeit, auch in einem philosophischen Fach zu promovieren. Anschließend durfte man sich stolz „Dr. med. et Dr. phil.” nennen. Dies war auch die Voraussetzung dafür, in zahlreichen Zeitschriften überhaupt als Autor akzeptiert zu werden.
Am Charakter und Wert der Doppelpromotion änderte sich bis in die 1920/1930er Jahre wenig. Dann aber wurde das Medizinstudium gestrafft und zugleich erweitert.
Die Zahl der Studierenden stieg stark an, der Konkurrenzdruck nahm zu. Nach Inflation und Wirtschaftskrise waren viele Eltern auch nicht mehr in der Lage, ihren Söhnen und Töchtern zwei Studiengänge zu finanzieren; außerdem war es während der erweiterten medizinischen Ausbildung nicht mehr möglich, parallel noch Philosophie zu studieren. Die Anzahl der Doppelpromotionen ging stark zurück.
Das einzige Fach, in dem der Besitz von zwei Doktortiteln noch als obligat angesehen wurde, war die Medizingeschichte. Die Fachvertreter erwarteten von dem wissenschaftlichen Nachwuchs, dass er sowohl das medizinische Metier, als auch die Arbeitsweise der Geisteswissenschaften beherrschte und so als Arzt, Lehrer und Forscher geeignet war. Doch auch in der Medizingeschichte änderte sich dies seit den 1960er Jahren.
Es schien, als ob der „Dr. med. et Dr. phil.” zu einem Aspekt der Geistesgeschichte werden sollte. Spätestens 1985 war er der absolute Einzelfall.
Dies änderte sich Mitte der 1990er Jahre. Dafür gab es zwei Gründe:
1. Viele ältere Ärzte/Ärztinnen gingen in Pension und wollten auf ihre alten Tage noch ein Zweitstudium anhängen.
2. Eine noch geringe, aber allmählich zunehmende Anzahl an jungen Ärzten, die am Beginn ihrer Laufbahn standen oder nach einigen Jahren in einer Sinnkrise steckten, wollten das geisteswissenschaftliche Vakuum der aktuellen ärztlichen Ausbildung für sich beheben, den eigenen Horizont erweitern.
Die zweite Gruppe umfasst Personen, die nicht in Medizingeschichte promoviert haben, weil sie ihr Dissertationsthema eher an dem Arbeitsgebiet ausgerichtet hatten, in dem sie tätig sein wollten. Diese Personengruppe hofft zumeist nicht, ihren Wert auf dem Arbeitsmarkt durch die Zweitpromotion zu erhöhen, denn das Abfassen von Monographien oder der Besitz geisteswissenschaftlicher Kompetenzen zählt im biomedizinischen Bereich eher wenig.
Gleichwohl ist es äußerst zu begrüßen und unterstützenswert, dass sich eine wachsende Zahl von Männern und Frauen der geisteswissenschaftlichen Wurzeln der Medizin besinnt und hierüber oder auf verwandten Gebieten arbeiten möchte.
Daher muss an dieser Stelle betont werden, dass die Teilnehmer des philosophischen/philologischen Zweitstudiums häufig nebenher arbeiten und man an ihre Abschlussarbeiten nicht die Maßstäbe anlegen darf, die gemeinhin an geisteswissenschaftliche Doktoranden gestellt werden. Der Abschluss eines Pro/Hauptseminars und die verpflichtende Teilnahme an einer Vorlesung genügen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Wer dann noch dabei ist, will wirklich die Zweitpromotion und ist bereit dafür, nach seinen Möglichkeiten zu forschen.
Es ist zudem nicht zu befürchten, dass mit einem zusätzlichen Dr. phil. versehene Ärzte nach ihrem Abschluss in großem Stil das Publizieren anfangen und so eventuell nicht ganz so herausragende Dissertationen in Aufsatzform „unters Volk” gebracht werden und auf diese Weise der Ruf der Universität beschädigt wird. Dies verhindern einerseits die strengen peer-review-Regeln deutschsprachiger Zeitschriften und andererseits stehen dem die Arbeitszeiten voll im Berufsleben stehender Ärzte entgegen.
Die Förderung von Ärzten, die auf geisteswissenschaftlichem Gebiete eine Promotion anstreben, ist daher aufs Äußerste zu begrüßen. Dies dient auch der Hervorhebung des interdisziplinären Charakters von Studiengängen und Hochschulen.

(Die farbliche Hervorhebung des drittletzten Absatzes stammt von mir und ist im Original nicht vorhanden.)

Also, um es kurz zusammenzufassen: hier sollte für einen vermutlich nicht unerheblichen Betrag (wie gesagt, 10.000 Euro kostete schon der Master, eine Promotion sollte um einiges teurer sein) gutverdienenden Ärzten die Möglichkeiten gegeben werden, einen Doktortitel in Philosophie zu erwerben. Einzige Voraussetzungen dafür: die Teilnahme an einem Pro/Hauptseminar und die “verpflichtende” Teilnahme an einer Vorlesung.

Nun handelt es sich hier natürlich nur um Planungen oder Absichtserklärungen, die bisher nicht umgesetzt wurden und in Anbetracht der neueren Entwicklungen sicher auch nicht mehr umgesetzt werden werden.
Trotzdem lohnt es sich einmal kurz darüber nachzudenken, was sich den Universitäten da an neuen Finanzierungsmodellen eröffnet. Mathematik-Fachbereiche könnten den sich in einer Sinnkrise befindenden Anlage- und Investmentberatern eine Promotion über philosophische und ethische Aspekte der Finanz-Mathematik anbieten, sozusagen als eine Art moderner Ablaßhandel. Oder … oder … oder… Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Warum gibt der Staat eigentlich Geld für Universitäten aus, wenn diese sich doch über ihr Promotionsrecht auch selbst finanzieren können?

Kommentare (40)

  1. #1 klauszwingenberger
    13. Juni 2012

    Dieser Satz ist mindestens so widerlich, wie der oben hervorgehobene:

    Es ist zudem nicht zu befürchten, dass mit einem zusätzlichen Dr. phil. versehene Ärzte nach ihrem Abschluss in großem Stil das Publizieren anfangen und so eventuell nicht ganz so herausragende Dissertationen in Aufsatzform „unters Volk” gebracht werden und auf diese Weise der Ruf der Universität beschädigt wird.

    Mit anderen Worten: halb so schlimm, den Unfug, der da herauskommt, bekommt sowieso niemand zu lesen.

  2. #2 para
    13. Juni 2012

    Ich fände es ja mal großartig wenn daraufhin ein paar Geisteswissenschaftler zurückschlagen und den gleichen Ansprüche geltend machen (bzw. geltend gemacht hätten). Schließlich sind sie es ja deren Titel die hierbei in Verruf geraten. Dem erworbenen Titel sieht man es ja nicht an wo und wie er erworben wurde.
    Lesen wir doch mal so…
    Gleichwohl ist es äußerst zu begrüßen und unterstützenswert, dass sich eine wachsende Zahl von Männern und Frauen der naturwissenschaftlichen Wurzeln der Philosophie besinnt und hierüber oder auf verwandten Gebieten arbeiten möchte.
    Daher muss an dieser Stelle betont werden, dass die Teilnehmer des naturwissenschaftlichen/medizinischen Zweitstudiums häufig nebenher arbeiten und man an ihre Abschlussarbeiten nicht die Maßstäbe anlegen darf, die gemeinhin an medizinische Doktoranden gestellt werden. Der Abschluss eines Pro/Hauptseminars und die verpflichtende Teilnahme an einer Vorlesung genügen, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Wer dann noch dabei ist, will wirklich die Zweitpromotion und ist bereit dafür, nach seinen Möglichkeiten zu forschen.

    einen dr. med. nach 2 Lehrveranstaltungen (+ “Abschlußarbeit”) *yay*

  3. #3 celsus
    13. Juni 2012

    Ich schaue mal tief in meinen Kozyrev-Spiegel und präkogniziere dass wir ganz bald erfahren werden, dass alles ganz anders gemeint war, falsch zitiert wurde und überhaupt von übelmeinenden wissenschaftsdogmatischen Bloggern komplett verkehrt interpretiert wird.

  4. #4 Ponder
    13. Juni 2012

    Es bleibt spannend:

    Unter den Dozenten am IntraG befindet sich der Leiter der Scenar-akademie:

    http://www.scenar.de/akademie/aktuell_detail.html

    http://www.scenar.ch/tl_files/scenar/doc/scenar_pruefung_universitaerer_scenar_therapeut.pdf

    Passt doch alles schön zusammen, oder? 😉

  5. #5 G.W.
    14. Juni 2012

    Dass es früher so viele Doppelpromotionen gegeben hat, bezweifle ich. Wollte man Medizinern geisteswissenschaftliche Zusatzkenntnisse vermitteln, muss dafür bei nach gängigen Standards nicht ausreichender Leistung kein Doktortitel vergeben werden. Wo ist da die Logik, wie Sie zu Recht schreiben? Weil man früher noch einen Doktor hatte, erhält man ihn jetzt fast umsonst, solange keiner den faulen Gestank mitbekommt? Wie heißt denn der? Dr. phil. facilis? Dr. phil. aequus? Ich frage mich, ob nicht bereits solche Planungen, die allen akademischen Regularien ins Gesicht schlagen und die Universität zu einem Witz machen, eine Dienstaufsichtsbeschwerde rechtfertigen.

  6. #6 Georg Hoffmann
    14. Juni 2012

    @Thilo
    Sternchen cum Laude fuer den Titel des Postings. Sehr schoen.

  7. #7 Thilo
    14. Juni 2012

    “Hogwarts an der Oder” ist aber nicht meine Erfindung, sondern fast schon die gängige Bezeichnung.

  8. #8 Uli
    14. Juni 2012

    Wobei das für das ‘echte’ Hogwarts eine echte Beleidigung ist. Unter Professor Dumbledore konnte man jedenfalls keinen Abschluß für 10.000 Goldstücke kaufen.

    Und es war ihm auch sch***egal, aus welchem feinen Haus man kam…

  9. #9 ZetaOri
    14. Juni 2012

    @Thilo:

    […] Nun handelt es sich hier natürlich nur um Planungen oder Absichtserklärungen, die bisher nicht umgesetzt wurden …

    Zumindest in der aktuellen Beschreibung des Studienganges …
    http://kwkm.eu/info/
    … hört sich das aber recht konkret an:

    Überblick: Was bringt mir der Studiengang?
    .
    .
    Möglichkeit zur Promotion am IntraG (Frankfurt/Oder) zum Dr. phil.
    .
    .

  10. #10 Ponder
    14. Juni 2012

    @ ZetaOri:

    Sag mal, willst du dich nicht im EW-Forum anmelden und uns ein bisschen bei der Recherche helfen? – Derzeit quasselt da der Webmaster des IntraG, Andreas Giesen, einigen geduldigen Foristen ein Ohr ab… und kriegt nicht mit, dass er sich und seinen Arbeitgeber komplett zum Affen macht…

  11. #11 Thilo
    14. Juni 2012

    @ Ponder: Man kann dort ja auch mitlesen ohne sich angemeldet zu haben. Und Herr Giesens Erläuterungen zur Arbeit seines Institus verdienen tatsächlich eine weitere Verbreitung:

    Es geht ja weniger darum, das Verhalten der Quanten als Materie auf grobe Materie zu übertragen, sondern vielmehr darum zu schauen, ob das Verhalten der Quanten auf geistiger Ebene Korrelationen hat. Frei mit Heisberg gesprochen, schauen wir nicht auf die Masse-Teilchen-Erscheinung des Quants, sondern auf seinen Wellencharakter. Wenn es um Entanglement geht, um die Verschränkung, dann geht es um die Frage, wie und ob die verschränkten Teilchen kommunizieren (und wenn ja, wie, weil das gegen alle bisherige Wissenschaftliche Erkenntnis gehen würde) oder ob andere Erklärungsmodelle mit Bohms “implizite Realität” in Frage kommen mit der Idee, dass das Universum holographisch ist und jedes Teil an jedem Ort zugleich ist und durch einen Beobachter oder eine Gruppe von Beobachtern in unbewusster Übereinkunft im Moment der Betrachtung zu dem verdichtet wird, was wir dann (scheinbar*) anfassen können. *scheinbar weil sich da nicht wirklich etwas berührt, es trifft nicht Materie auf Materie, sondern es treffen Felder aufeinander, die sich mehr oder weniger abstossen oder durchdringen können. INteressant am Doppelspaltexperiment ist nicht, dass Materie geteilt werden würde, sondern die Erkenntnis, dass hier im Welle-Teilchen-Dualismus ein vermeintlich festes Teilchen die Eigenschaften einer Welle zeigt. Geisteswissenschaftlich interessiert es dann mehr die Informations- und Organisationsebene, was bedeutet es für das Bewusstsein, wenn wir davon ausgehen müssen, dass bei verschränkten Teilchen scheinbar keine räumliche Trennung existiert, egal wieviele Meter man dazwischen messen kann; sind wir im Bewusstsein, das in einem derart funktionierenden Universum ruht, dann nicht mehr miteinander verbunden, als es unsere (scheinbar) körperliche Trennung suggeriert.
    Mal ganz abgesehen davon, dass der Körper ein System aus vielen Organismen ist, aus deren Gesamheit das Konstrukt Mensch emergiert.
    Read more: http://forum.esowatch.com/index.php?topic=5306.435#ixzz1xnLrrikw

  12. #12 Ponder
    14. Juni 2012

    @ Thilo:

    Ich frage mich allmählich, ob das ganze Eso-Gewäsch womöglich mittelfristig psychische Störungen hervorbringt…

  13. #13 rolak
    14. Juni 2012

    Das war (umformuliert) schon immer die frohe Botschaft des Nicht-Glaubens, Ponder.

  14. #14 Ponder
    14. Juni 2012

    @ rolak – (OT):

    Ach, das ist eine Illusion, dass das Nichtglauben atomatisch davor verschont. 😉

    Ich denke da mit Grausen an den Transhumanismus-Thread im Januar bei EW sowie an einige bizarre Vorfälle im Blog zur Paläopower-Diät.

    Man braucht auch nur einen Blick in die Geschichte zu tun um festzustellen, dass berühmte atheistische Denker durchaus zu Melancholie, Suizidalität oder geistiger Verwirrung neigten – Nietzsche gehörte doch auch dazu (oder war es bei ihm eine Spätfolge der Syphillis?)

  15. #15 rolak
    14. Juni 2012

    Von Verschonung sollte nicht die Rede sein, Ponder, die Umkehrung bzw Positiv­formu­lierung wäre ja ‘nur’: Beim Nicht-Glauben¹ sinkt das Risiko, neben der Spur zu landen (weil nicht ständig versucht wird, von dort aus zu argumentieren).
    Selbstverständlich gibt es noch wesentlich mehr Risikofaktoren, doch dem hast Du ja auch einen langen Absatz gewidmet.

    _____
    ¹ Glauben im allgemeinen Sinne, also das für wahr Annehmen unbelegter Hypothesen, was auch in den von Dir gebrachten beiden Beispielen bei Einigen der Fall ist.

  16. #16 Ponder
    14. Juni 2012

    @ rolak:

    Eigentlich möchte ich in Thilos Blog nicht unnötig eine OT-Thematik weiter führen.

    Wir müssten jetzt erst mal klären, was du und ich unter “Glauben” verstehen.
    Im Sinne von

    “da, wo ich nicht weiß, muss oder will ich eben glauben”

    gebe ich dir 100% Recht.
    Das führt zu verschwommenen Kategorien und fehlender Stringenz im Denken und ist aus diesem Grund abzulehnen.

    Beim Nicht-Glauben¹ sinkt das Risiko, neben der Spur zu landen (weil nicht ständig versucht wird, von dort aus zu argumentieren)

    Leider lehren uns die modernen Neurowissenschaften, dass der Mensch dennoch ein zutiefst irrationales Wesen ist und sich nur scheinbar vorwiegend von den Kategorien der Logik und des analytischen Verstandes leiten lässt.

    Insofern kann “Rationalität” auch unbemerkt zum ideologischen Überbau degenerieren und auf einer subbewussten Ebene ein völlig anderes Programm laufen.

    Beim IntraG-Webmaster scheinen mir derzeit allerdings (zumindest wenn man versucht, durch seine Kommentare durchzusteigen) mehrere Ebenen durcheinander zu gehen – “Entanglement” eben…

  17. #17 Ponder
    14. Juni 2012

    Das Wichtigste hab ich vergessen:

    Glauben im allgemeinen Sinne, also das für wahr Annehmen unbelegter Hypothesen,

    was auch in den von Dir gebrachten beiden Beispielen bei Einigen der Fall ist.

    Nur dass diesen Einigen das offenkundig nicht bewusst war.
    Das war ja das wirklich Beunruhigende 😉

    Wie sagte unser “Rincewind selig”:

    “Das Eigentümliche am Wahn ist die Illusion, klar zu denken.”

  18. #18 rolak
    15. Juni 2012

    Klar, Ponder, nur ist ‘Insofern kann’ nur ein Argument gegen ‘verhindert’ und nicht gegen ‘senkt das Risiko’. Letzteres ist selbstverständlich von mir nicht belegt, mehr gefühlt, wenn auch imho übertragbar von Eigenprägung, aus Fehlern lernen, Unsinn früher sehen (‘dat müffelt’).

    Übrigens sehe ich (abgesehen von der Risikobewertung) den ganzen Schnack als gar nicht so OT, immerhin geht es hier und da um eine Fehlentwicklung, die wesentlich früher wesentlich mehr Widerstand hätte erfahren können, vielleicht sogar gar nicht bis an die Unis hätte wuchern können, wenn denn nur ein genaueres Bild der wissenschaftlichen Methode bestünde. Die ja als solches nicht sakrosankt ist – zumindest wäre mir neu, daß irgendjemand etwas gegen neue Techniken/Methoden einzuwenden hätte, die nachge­wie­se­nermaßen mit einem kleineren Fehler-Intervall behaftet sind. Und übrigens bei einem Isolani mangels unabhängiger Reproduktion auch nicht funktioniert.
    Klar, jeder Einzelne kann jederzeit abdrehen, doch dürfte die Lebensweise einen maßgeblichen Einfluß auf das Risiko haben (andressierte Prävalenz?).

    Und falls es doch zu OT ist, kanns meinetwegen ausradiert werden.

  19. #19 ZetaOri
    15. Juni 2012

    @Ponder· 14.06.12 · 20:35 Uhr

    @ ZetaOri:
    Sag mal, willst du dich nicht im EW-Forum anmelden und uns ein bisschen bei der Recherche helfen?

    Nee, lass mal, aber zumindest derzeit kann ich keine neue Baustelle gebrauchen.

    […] und kriegt nicht mit, dass er sich und seinen Arbeitgeber komplett zum Affen macht…

    Na, dann lass ihn doch! Der Junge braucht höchstens Anfeuerung (oder hast Du Aktien der Viadina? :D). Du kannst ihm ja schon mal neue Forschungsaufträge vom VdOHuV so etwa für April 2013 avisieren. Die Infos habe ich per Kozyrev-Spiegel direkt aus der Zukunft! >;D

  20. #20 Ponder
    15. Juni 2012

    @ ZetaOri:

    Der Junge braucht höchstens Anfeuerung

    Nee, is ‘n astreiner Selbstläufer.
    Ansonsten: du hast ja ohnehin schon bei Joseph Kuhn recherchiert 😉

  21. #21 Ponder
    18. Juni 2012

    @ rolak:

    Und falls es doch zu OT ist, kanns meinetwegen ausradiert werden.

    Vielleicht könnte man die von dir angeschnittene Thematik mal von einem anderen Blickwinkel aus betrachten.

    Es war ja in der Geschichte nicht immer so, dass wissenschaftliches/analytisches Denken und “Spiritualität” (um diesen leidigen schwammigen Begriff nun doch einmal zu verwenden, da er heutzutage der gängige “Fach”terminus für jede Art “Gläubigkeit” darstellt…) sich zu einander verhielten wie Feuer und Wasser.

    Während einer Wanderung in den mallorcinischen Bergen bin ich auf dieses Phänomen gestoßen:

    http://quisestlullus.narpan.net/de/611_info_de.html

    http://quisestlullus.narpan.net/de/68_nova_de.html

    Ramon Llull wurde später natürlich prompt von Okkultwissenschaftlern zur Rechtfertigung ihrer kruden Weltbilder missbraucht – und damit lange Zeit für die ernsthafte Wissenschaft diskreditiert.
    Zum Glück wurde er jetzt im Rahmen der Quellenforschung wieder ausgegraben – ein echter Universalgelehrter!

    Mir erscheint er vor allem als ein in seiner Zeit höchst kreativer, wissenschaftlich denkender Mensch, dessen Anliegen es gewesen zu sein scheint, die Ratio in den Dienst sowohl naturwissenschaftlichen als auch philosophisch-theologischen Erkenntnisgewinns zu stellen.

    Im Prinzip handelt es sich bei seiner “Ars” sogar um einen Vorläufer der Informationstechnologie – insofern ist er hier im Mathlog gut aufgehoben – wenn schon über Grenzgebiete zwischen Naturwissenschaft und Philosophie diskutiert werden soll und die “salutogenetische Wirksamkeit” deduktiven Denkens erörtert wird 😉

  22. #22 Stefan
    25. Juni 2012

    Die erstmalige öffentliche Paraphrasierung der Uni Viadrina als “Hogwarts an der Oder” stammt anscheinend vom 7. Mai 2012, meint Google: http://goo.gl/RE6hZ 🙂

  23. #23 Thilo
    26. Juni 2012

    Weiß eigentlich jemand, warum Esowatch vom Netz ist?

  24. #24 ZetaOri
    26. Juni 2012

    @Thilo· 26.06.12 · 10:57 Uhr

    Weiß eigentlich jemand, warum Esowatch vom Netz ist?

    Angeblich nichts schlimmes:
    http://www.csn-deutschland.de/forum/showthread.php?id=18843
    Wenn´s geplant war, wäre eine vorherige Info ganz gut gewesen!

  25. #27 Ponder
    7. Juli 2012

    @ Thilo· 26.06.12 · 10:57 Uhr

    Weiß eigentlich jemand, warum Esowatch vom Netz ist?

    Esowatch ist wieder da und heißt jetzt Psiram:

    http://blog.psiram.com/2012/07/esowatch-heist-jetzt-psiram/

  26. #28 Thilo
    19. August 2012

    Man kann sich mit Alternativmedizin übrigens auch auf seriöse Weise (kultur)wissenschaftlich beschäftigen, wie ein neuer Blog auf den scilogs zeigt: http://www.scilogs.de/chrono/blog/indische-medizin-im-wandel/content/about

  27. #29 rolak
    19. August 2012

    ..zumal es nicht um das Propagieren einer wieweit auch immer sinnvollen Alternative geht, sondern um das Erforschen einer Tradition, ihrer Ausprägungen in Lehre und Alltag, des ‘wie traditionell ist diese Tradition’ etc.

    Wenn ich es richtig verstanden habe 😉

  28. #30 Thilo
    19. August 2012

    So habe ich es auch verstanden.

  29. #31 Thilo
    28. Oktober 2012

    Inzwischen bluehen die Verschwoerungstheorien: Bettina Reiter (Mitherausgeberin der von Walach geleiteten “Forschende Komplementaermedizin”) behauptet in der Oesterreichischen Tageszeitung “Der Standard”, die Hochschulstrukturkommission des Landes Brandenburg sei von der Skeptiker-Organisation GWUP “anscheinend erfolgreich unterwandert” worden. http://derstandard.at/1350259506356/Brettl-vorm-Kopf-Hackl-im-Kreuz

  30. #32 rolak
    28. Oktober 2012

    Was willst Du erwarten, Thilo, wo doch schon im Titel die gute alte Dolchstoßlegende wiederbelebt wird…

    Doch es entbehrt nicht eines gewissen Reizes, wenn aus einer Ecke, deren Bewohnern ua vorgeworfen wird, sich zur Eigenimmunisierung verschwörungstheoretischer Kunstgriffe zu bedienen, zur Verteidigung der Vorwurf einer Verschwörung erschallt.

    Da ist die gelebte kognitive Dissonanz nur folgerichtig:

    Reiter: Die Arbeit ergab, erwartungsgemäß, keinen Hinweis auf außersinnliche Wahrnehmungen mit oder ohne den Kozyrev-Spiegel.
    Masterarbei: Die von mir gebastelten Spiegel zeigen eine Wirkung im Testarm 2 “offen”

  31. #33 Thilo
    29. Oktober 2012

    Ich hatte mich auch schon gefragt, ob die Uberschrift “Brettl vorm Kopf, Hackl im Kreuz” an den Dolchstoss erinnern oder eher Assoziationen zum Hakenkreuz wecken soll.

    Mich schockiert immer wieder diese Dreistigkeit, mit der das voellig Offenliegende bestritten wird. Seit Monaten betonen die Kritiker der Masterarbeit (unter denen sich ja nicht nur Skeptiker befinden), dass es nicht vorrangig um das Thema der Arbeit ginge, sondern um die fehlende Methodik und die zweifelhaften Schlussfolgerungen. Und trotzdem behaupten Walachs Unterstuetzer einfach immer wieder aufs Neue, da wuerde eine inhaltlich und methodisch einwandfreie Arbeit nur wegen ihres Themas kritisiert. What a chuzpah.

    Und was Reiter ueber Wissenschaft und innere Erfahrung schreibt, hat wohl mit Walach und seinem Institut auch eher wenig bis nichts zu tun. Schliesslich geht es in Walachs Taetigkeit nicht um Psychologie, sondern um angebliche naturwissenschaftliche Effekte (schwache Quantentheorie), er will den Leuten nicht weniger, sondern mehr Pillen verschreiben lassen, und er laesst sich seine vorgeblich naturwissenschaftlichen Begruendungen von einem Pharmakonzern finanzieren, weil seine Erkenntnisse von den staatlich finanzierten Forschern zu Recht als rein von kommerziellen Interessen motivierter Rechtfertigungsbabbel angesehen werden. Mit Spiritualitaet oder Kulturwissenschaften hat das alles nichts zu tun, es geht schlicht um (falsche) naturwissenschaftliche Rechtfertigungen kommerzieller Ziele.

  32. #34 rolak
    30. Oktober 2012

    Nee, Thilo, mit Hakenkreuz hat das (zum Glück) so wenig zu tun wie mit einem Aufruf, nicht zu nahe an den Eiskanal heranzugehen (weil einem sonst der Hackl Schorsch ins Kreuz…), nein, die gute Frau ist, wenn ich die frei zugänglichen Daten richtig interpretiert habe, Osterreicherin bzw zumindest in Österreich ansässig. Und dort gibt es eine bekannte Wortkombination fester Bedeutung, derentwegen ich zu der alten Legende kam. Der arme Mann, setzt sich derart uneigennützig für ach so hehre Ziele ein und dann fallen die Geier ihm mit widersinnigen, aus der Luft gegriffenen Vorwürfen in den Rücken um ihm ein Bein zu stellen.

    What a chuzpah

    In der Tat – was könnten solche Menschen leisten, wenn sie nicht ihrem persönlichen Wahngebilde bzgl der Realität verfallen wären.

    eher wenig bis nichts zu tun

    Wie eben erwähnt nehme ich statt des sinistren Betruges die freundlichere Variante an, die des selber-glaubens, der Eigenverblendung. Trotzdem muß ja nicht bei jedem trolligen Angeln zugebissen werden – nur um dann irgendwann später festzustellen, daß mensch schon wieder mal ziemlich geschickt vom eigentlichen Thema abgelenkt wurde. Nein, es gilt diese typischerweise ungemein langen Sentenzen mit Formulierungen aus extraweichem Gummi durchs grobe Sieb zu schütteln, um zu sehen, ob auf die Schnelle etwas zu erkennen ist, was mit der eigentlichen Problematik zu tun hat. Darauf kann dann ggfs eingegangen werden. Bei mir verblieb nach Lesen des Artikels nur der Anlaß zum Doppelzitat.

  33. #35 rolak
    30. Oktober 2012

    Nachschlag: Die DerStandard-Redaktion wundert sich ob der Veröffentlichung, wie mir soeben bei einem eher unmotivierten nach-unten-scrollen auffiel-

  34. #36 Thilo
    6. April 2013

    Passt durchaus, auch wenn es nicht um Philosophie sondern um Geschichte der Medizin geht: http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/christoph-moergeli-soll-medizin-doktorarbeiten-durchgewunken-haben-a-892363.html

  35. #38 rolak
    1. Januar 2014

    Wo soll denn da die Satire sein, Thilo – diese ergreifende Aufnahme belegt doch klar die Wirksamkeit der H: FeuerwerkC30 beseitigt selbst hartnäckige Lichtverschmutzung. Nicht der Knoten- sondern der Knallertest.

  36. #39 Thilo
    23. August 2014

    Die (erste?) medizinische Doktorarbeit an der Viadrina ist erschienen: Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit der Quantenheilung: http://opus.kobv.de/euv/volltexte/2014/94/pdf/Wirksamkeitsstudie_Quantenheilung.pdf

  37. #40 Thilo
    13. Juli 2015

    Anscheinend war die Partnersuche in Deutschland nicht erfolgreich, jetzt muss es die Uni Poznan richten: http://intrag.info/aktuell/2015/07/09/kwkm-kooperation-mit-medizinischer-hochschule-eingegangen/ Hoffentlcih versteht man dort genug Deutsch, um das Niveau der Doktor- und Masterarbeiten beurteilen zu koennen.