Es liegt in der Natur einer Messung, dass sie nicht beliebig genau sein kann. Und selbst bei einer genauen Messung wird man Schwankungen des Meßwertes feststellen und häufig lassen sich solche Schwankungen sogar statistisch beschreiben. Als etwa 2002 der große Wissenschaftsskandal in der Festkörperphysik aufflog, da war man unter anderem deswegen stutzig geworden, weil die Meßdaten einfach zu genau zu den behaupteten Korrelationen paßten, es keine Ungenauigkeit der Messungen zu geben schien. Denn so gut wie nie wird es passieren, dass zwei korrelierende Größen zwei wirklich völlig parallele Meßkurven ergeben.

Umso erstaunlicher dass die folgenden beiden Meßreihen KEINE Fälschungen sind.
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Die staatlichen Ausgaben für Wissenschaft, Raumfahrt und Technologie korrelieren mit den Selbstmorden durch Erhängen, Strangulieren und Ersticken.
Gesehen im neuen Heft der Mitteilungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung, die Original-Quelle ist Spurious Correlations, die noch weitere (nicht ganz SO) beeindruckende Beispiele erstaunlicher Korrelationen haben.

Kommentare (7)

  1. #1 Karl Mistelberger
    22. September 2014

    “Spurious Correlations” gibt es wie Sand am Meer. Bemerkenswert ist auch der Blogger, der von Signifikanz spricht: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2014/09/10/werte-und-wissenschaft/#comment-9748 und http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2014/09/10/werte-und-wissenschaft/#comment-9756

  2. #2 CM
    22. September 2014

    @ Herr Mistelberger: Das der Begriff der “Signifikanz” von Fisher auf unglückliche Weise in der Statistik/Epidemiologie etabliert wurde, sehe ich auch so – und neben uns sicher auch viele Statistiker (zumindest zeitweise). Und doch ist Signifikanz ein etablierte Begriff.
    Ich möchte mal “How not to be wrong …” (s. http://www.jordanellenberg.com/ ) empfehlen – da wird das eingängig diskutiert und vielleicht mögen Sie dann ja andere, differenzierende Begriffe lieber nehmen und dazu beitragen, dass sich jene durchsetzen.
    Herrn Kuhn auf solche Weise zu kritisieren finde ich jedenfalls eher unangemessen.

    Im Übrigen ist die vorgestelle Korrelation wirklich so erstaunlich? Je mehr Gelt im Wissenschaftssystem steckt, desto mehr junge, idealistische Wissenschaftler werden frustriert … 😉

  3. #3 Andreas Herzog
    22. September 2014

    Das ist eine interessante Korrelation. Da müssen wir wahrscheinlich etwas tun.

    Zusätzlich zum Versuch, die Geburtenrate zu erhöhen, damit es wieder mehr Störche gibt, sollen wir jetzt noch die Selbstmordrate hochtreiben, um die Wissenschaftsausgaben zu steigern? Schwierig und IMHO ethisch nicht zu vertreten.
    Ich kauf mir lieber eine Kiste Sonnencreme, damit die Sonne häufiger scheint 🙂

  4. #4 Chemiker
    23. September 2014

    Man kann sich außer durch Erhängen, Strangulieren und Ersticken auch anders suicidieren, z.B.mit Gift, Elektrizität, Autounfall, Sprung aus großer Höhe oder indem man schreiend und fuchtelnd auf einen Cop zuläuft.

    Durch Selektion einzelner Methoden aus diesen selbst gewählten Kategorien kann man wohl immer eine Kurve konstruieren, die parallel oder proportional zu einer beliebigen Vorlage ist.

  5. #5 Gerald Fix
    23. September 2014

    Das Beispiel entstammt meines Erachtens der Seite spurious correlations, die sich auf solche Scheinkorrelationen spezialisiert hat.

    Besonders möchte ich auf den nun nicht mehr zu leugnenden Zusammenhang zwischen Ehescheidungen in Maine und dem Pro-Kopf-Konsum von Margarine hinweisen! Genauso schädlich für die Institution der Ehe ist es allerdings zumindest in Kentucky, dass kaum noch Amerikaner ertrinken, wenn sie aus einem Fischerboot fallen.

  6. #6 Hobbes
    23. September 2014

    Ich muss sagen, dass ich eine solche Seite klasse finde. Man bekommt so oft Korrelationen vorgesetzt von denen einen dann ein Kausalzusammenhang unterstellt wird. Da sind solche Bildchen die beste Antwort drauf.

    Leider kann sich hier keine “Seite” herausnehmen besser zu agieren. Ich habe damals zum Beispiel auch den Film “eine unbequeme Wahrheit” kaum ertragen, da er ein Angriff auf jeden Verstand war der sich mit Statistik auskennt. (Und das obwohl es mehr als genug gute Argumente gegeben hätte um nicht nur auf der Populismusschiene bleiben zu müssen)

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