Es fällt auf, dass es gerade die Verlage mit den ohnehin schon völlig überzogenen Zeitschriftenpreisen und den entsprechenden Gewinnmargen sind, die auch diesmal wieder alle Kosten den Bibliotheken und Fachbereichen überlassen wollen. Man kann nur hoffen, dass sich mehr Zeitschriften finden, die die sinkenden Schiffe verlassen.

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Kommentare (4)

  1. #1 Thilo
    6. Oktober 2014
  2. #2 rankzero
    9. Oktober 2014

    Ich hatte (wie wohl die meisten) bisher gar nicht gewußt, dass es ein Unternehmen gibt, welches für (alle?) wissenschaftlichen Bibliotheken ihre Zeitschriften-Abonnements verwaltet und insbesondere auch deren Bezahlung organisiert.

    Zum Glück längst nicht für alle Bibliotheken, und nicht alle Abonnements.

    Davon abgesehen, dass auch noch Alternativen wie Ebsco existieren, gibt es natürlich Bibliothekare, die nicht 25% ihres Etats (und das war m.W. in etwa die Höhe der Provisionen) an noch einen weiteren Zwischenhändler abgeben wollen.

    Womit sich schon die Frage stellt, warum einige Bibliothekare das dennoch getan haben und weiter tun. Im Interesse der “Lieferanten” ist das – wie der Fall zeigt – offenbar nicht, unabhängig davon ob sie sich in der Pleite mehr oder weniger kulant zeigen. (N.B. Kulanz ist hier sicher auch unternehmerisch weise – auch wenn die Übersetzung “bereits jetzt die Abogebühren für 2016 bezahlen” wohl irreführend ist, genauer wäre: wenn die Zusage für 2016 steht, bleiben die Zugänge auch bei festhängenden Swets-Geldern für 2015 offen; bezahlt werden die i.A. natürlich erst später, weil das sonst ja eine doppelte Zahlung in einem Jahr wäre, die normalerweise kein öffentlicher Haushalt trägt – aber genau deshalb wäre es ja auch illusorisch zu denken, die Bibliotheken könnten noch einmal die Lizenzen direkt bezahlen; tatsächlich steht das allerdings auch selbst bei S / E so nicht drin, sondern der Fokus liegt auf der Aufforderung, künftige Zahlungen nicht mehr über eine insolvente Firma abzuwickeln, was sicher sinnvoll ist).

    Es fällt auf, dass es gerade die Verlage mit den ohnehin schon völlig überzogenen Zeitschriftenpreisen und den entsprechenden Gewinnmargen sind, die auch diesmal wieder alle Kosten den Bibliotheken und Fachbereichen überlassen wollen.

    Wenn man sich den verlinkten Preisvergleich http://www.math.uni-bielefeld.de/~rehmann/BIB/AMS/Publisher.html

    anschaut (die Relationen der 2008er Liste sind m.W. im Großen und Ganzen noch zutreffend), dann hat dort de Gruyter durchschnittlich deutlich höhere Page Charges als Springer.

    Bei aller berechtigten Kritik an der Gestaltung von Monopolpreisen (der ja auch zum Elsevier-Boykottaufruf führte): Den Zwischenhändler wählt der Käufer aus, und der könnte auch direkt bestellen. Aboverwaltung und Organisation von Bezahlung sind genuin bibliothekarische Aufgaben. Eine nicht so fernliegende Frage wäre eventuell in diesem Zusammenhang: Warum sind einige Bibliotheken bereit, dafür erhebliche 25% an Zwischenhändler zu bezahlen, ohne dass die Wissenschaftler davon informiert werden? Wobei letzteren vielleicht noch erzählt wird, dass wegen der Preisanhebungen der Etat ausgeschöpft sei und man leider einige Abos streichen müsse?

  3. #3 Thilo
    12. Oktober 2014

    Was ich nicht verstehe: warum geht eine Firma pleite, die solche Provisionen nimmt?

  4. #4 rankzero
    12. Oktober 2014

    Ich auch nicht – oder vielleicht ja deswegen (irgendwann könnten sich zu viele Kunden verabschiedet haben?). Das Zwischenhandelsmodell hat sich ja m.W. in den Zeiten der gedruckten Exemplare entwickelt, wo die Übernahme von Bestellung, Verteilung und Abrechnung gerade in logistisch weniger erschlossenen Weltgegenden durchaus sinnvoll sein konnte – da wurden dann Dienstleistungen erbracht, die im elektronischen Zeitalter weniger nachgefragt sein dürften. Oder – aber auch dies völlig spekulativ – war es ein Problem, dass die bewegten (bei den Abos naturgemäß hohen) Summen deutlich über dem Eigenkapital lagen, so dass bei Fehlern oder Zahlungsverzügen eine Schieflage entstand. Vielleicht kam der Verlust aber auch aus einer anderen Sparte als dem Zwischenhandel?